Ist die Erderwärmung vorbei?
Glaubt man einigen Medien, so hat die globale Erwärmung aufgehört oder macht zumindest Pause. DIE WELT schrieb diese Woche auf der Titelseite: „Mehr Schnee, mehr Kälte – wo bleibt die Erderwärmung?“ Im Blatt dann ein Artikel von Ulli Kulke mit dem programmatischen Titel: Klimakatastrophe – alles nur heiße Luft. Dort schreibt Kulke, dass „im laufenden Jahrzehnt die globalen Temperaturen im Durchschnitt gar keinen Trend mehr nach oben anzeigen“.

Was steckt dahinter?
Ein Blick auf die Messdaten (siehe Grafik 1) zeigt: erstens stimmt das nicht, und zweitens vermengt man Klima und Wetter (oder allgemeiner Signal und Rauschen), wenn man einen so kurzen Zeitraum betrachtet. Über einen Zeitraum von nur 8 Jahren ist der Temperaturverlauf stark von kurzfristigen Zufallsschwankungen geprägt (siehe nähere Diskussion und Grafiken bei Realclimate). Eine gesicherte Aussage über den Klimatrend kann man aus einem so kurzen Zeitraum daher nicht ableiten. Der 8-jährige Trend schwankt stark je nach gewähltem Anfangsjahr. Er hat in den letzten dreißig Jahren sogar mehrfach nach unten gezeigt – Kulke hätte Anfang der 1980er oder Anfang der 1990er viel eher behaupten können, die globale Erwärmung habe aufgehört. Doch „im laufenden Jahrzehnt“ (also für 2000-2007) zeigt der Trend deutlich nach oben: im NASA Datensatz um 0.25ºC/Jahrzehnt und im Hadley Datensatz um 0.17ºC/Jahrzehnt. Aber: die Fehlermarge an diesen Zahlen beträgt ±0.34ºC/Jahrzehnt, daher sind 8-jährige Trends eben nicht aussagekräftig. Aufgrund eines so kurzen Zeitraums kann man nicht einmal sicher feststellen, ob der Trend nach oben oder unten geht! Zum Vergleich: der IPCC-Bericht gibt den Langzeittrend über die letzten 50 Jahre mit 0.13ºC/Jahrzehnt an, mit einer Fehlermarge von ±0.03ºC/Jahrzehnt.

Grafik 1: Globale Jahresmitteltemperaturen nach den Datensätzen von NASA (rot) und Hadley Center (blau) bis einschließlich 2007. Die dicken Linien sind über 11 Jahre geglättet. Zu beachten ist, dass der Unterschied zwischen den beiden geglätteten Kurven in den letzten 5 Jahren nicht statistisch signifikant ist, da sich eine 11-jährige Glättung natürlich nur bis 2002 exact berechnen lässt (aus den Daten 1997-2007), danach ist es eine zunehmend ungenaue Schätzung. Der graue Bereich mit den gestrichelten Linien ab 1990 zeigt die Spannbreite der IPCC-Szenarien. Für Details siehe Rahmstorf et al., Science 2007.
Die Aussage von Kulke ist etwa so clever, als würde man das Kommen des Frühlings anzweifeln, weil es im Verlauf der letzten Woche kühler geworden ist – siehe unsere Satire Doubts about the Advent of Spring vom 1. April 2005.
Doch wie wär’s mit noch einem kürzeren Zeitraum? O-Ton Kulke: „Die Welttemperaturen in diesem Winter signalisieren im Vergleich zum vorherigen den steilsten Absturz seit Aufzeichnung der Wetterdaten, der Januar war der kälteste seit 15 Jahren.“ Der Hauptgrund für diesen „steilen Absturz“ ist aber nicht, dass Januar 2008 so ungewöhnlich kalt war: seine Temperatur lag deutlich über dem langjährigen Mittel und lag nur um Hundertstel unter (also im Rahmen der Messunsicherheit gleichauf mit) dem Januar 2000. Der Grund ist vielmehr, dass 2007 mit weitem Abstand der wärmste Januar seit Beginn der Aufzeichnungen war. Man hätte es auch so formulieren können: inzwischen ist das Klima derart warm, dass selbst „der steilste Absturz seit Aufzeichnung“ keinen richtig kalten Januar mehr bringt (siehe Grafik 2).
Lernen kann man an dieser Diskussion etwas über die Wärmebilanz unseres Planeten. Im Gleichgewicht ergibt sich die Temperatur aus der Bilanz an der Oberkante der Atmosphäre:
Sonneneinstrahlung – reflektierter Anteil = langwellige Abstrahlung
Abseits vom Gleichgewicht kommt noch der Wärmeaustausch mit dem Ozean hinzu. Langfristige Klimatrends sind hauptsächlich getrieben von Veränderungen der Sonneneinstrahlung (Sonnenzyklen, Erdbahnzyklen) und der langwelligen Abstrahlung (Treibhausgase). Die Schwankungen von Jahr zu Jahr liegen dagegen vor allem am reflektierten Anteil (Änderung der Schneebedeckung) und dem Wärmeaustausch mit dem Ozean. Ein besonders kalter Januar kann entstehen, wenn (wie dieses Jahr) ein La Niña-Zustand im Pazifik (der Ozean saugt Wärme aus der Luft auf) mit besonders viel Schnee an Land (der Sonne reflektiert) zusammen trifft. Da kurzfristige Schwankungen und langfristige Trends durch verschiedene physikalische Mechanismen entstehen, macht es keinen Sinn, aus dem Klimaverlauf über wenige Jahre Folgerungen für die Klimapolitik abzuleiten.
Zum Schluss soll nochmals Kulke zu Wort kommen:
„Doch inzwischen ist der Nordpol nach dem großen Tauwetter im vergangenen Sommer wieder zugefroren, und die globalen Klimadaten dieses Winters lassen vorerst eine Behauptung nicht mehr zu: dass sich die Erderwärmung immer stärker beschleunige.“
In der Polarnacht friert es am Nordpol? Das ist ja hoch interessant! (Das wird allerdings auch in hundert Jahren noch so sein, egal wie stark die globale Erwärmung ausfällt.)
Und wenn 8 Jahre Daten nicht ausreichen, um einen Trend zu bestimmen, wie viele Jahre braucht man wohl, um festzustellen, ob der Trend sich beschleunigt?
Kulke macht dies übrigens nicht zum ersten Mal. In unserem Buch Wie bedroht sind die Ozeane? diskutieren wir ein anderes Beispiel: als die Meerestemperaturen von 2003-2005 vorübergehend einen Zacken nach unten machten, schrieb Kulke unter der Überschrift „Es stürmt nur der Alarmismus“ in DIE WELT (25.9.2006):
„In unseren Zeiten ist dies doch eine ungeheure Information, eine echte Neuigkeit in der Klima-Einheitsdebatte. Dennoch taucht sie nicht in unseren Zeitungen auf, nicht in den Fernsehnachrichten. Sie passt nicht in die Zeit. (...) Der Zeitgeist ist auf Katastrophe eingestellt. Doch die Fakten spielen da nicht immer mit.“
Dass die Verdränger der Erderwärmung wie Kulke verzweifelt die Wahrheit im Rauschen suchen, weil sie das Signal nicht wahrhaben wollen, mag man lustig finden – ein Kollege etwa brach beim Lesen von Kulkes Artikel einfach lauthals in Lachen aus. Dass allerdings eine große Tageszeitung zum wiederholten Male ihren Lesern einen derartigen wissenschaftlichen Unsinn auftischt, das ist traurig - selbst wenn manche Leser dergleichen vielleicht gerne lesen.
Update 20. März: Die NASA hat gerade die neuesten Messungen der arktischen Eisbedeckung in diesem Winter publiziert. Trotz des überdurchschnittlich kalten Winters ist die Dicke des Eises weiter zurückgegangen. Die Fläche des mehrjährigen Eises hat diesen Winter ein "all-time minimum" erreicht. Die NASA weist darauf hin, dass das dünnere Eis verwundbarer ist, wenn die Schmelzsaison einsetzt.
Update 10. April: Die NASA hat gerade die globale Temperatur für März publiziert. Die relativ kalten Monate sind vorbei: die Märztemperatur 2008 liegt exact auf der Trendlinie (siehe Abb. unten). Der März 2008 ist der drittwärmste März seit beginn der Aufzeichnungen, nach 2002 und 2005.

Globale Temperaturen jeweils für den März jeden Jahres, 1900-2008, nach NASA.
Update 17. April: Laut Analyse der NOAA war der März 2008 über Land der wärmste März seit Beginn der Aufzeichnungen. Luftttemperaturen über dem Ozean werden noch durch die anhaltenden La Niña - Bedingungen im Pazifik gekühlt. Dieser neue Wärmerekord illustriert auch dem Laien, der den fachlichen Argumenten oben nicht folgen mochte, wie abwegig die Diskussionen über das "Ende der globalen Erwärmung" gewesen sind.
Links:
Die Klimadaten der NASA
Die Klimadaten des Hadley Center
Hier diskutieren wir eine weitere Kulke-Falschmeldung
Spiegel-online zur von Kulke gelobten "Klimaskeptiker"-Konferenz
Realclimate zur von Kulke gelobten "Klimaskeptiker"-Konferenz
Realclimate zu den angeblich "gerichtsnotorischen Übertreibungen" von Al Gore
greenpeace-magazin spießt weitere Fehler des WELT-Artikels auf.
Ähnliche Artikel:
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- Obama zum Klima
- Klimawette Teil 2
- Die Bundesliga der Klimaforschung
- Die Bringschuld der Klimaforscher





Leider beobachtet man in verschiedenen, auch renommierten Medien immer wieder, dass lieber der Skepsis Raum gegeben wird als der sachlichen Berichterstattung. Klingt als Schlagzeile ja auch besser, weil provozierender, wenn Journalisten gegen die allgemeine Meinung anschreiben - und wie viele der Leser hoffen im tiefsten Inneren, dass doch alles gar nicht so schlimm ist, für die sind solche Artikel Wasser auf den Mühlen...
Andere Medien hingegen bringen das Thema immer sparsamer, weil sie einen Ermüdungseffekt befürchten: Keiner will mehr Katastrophenmeldungen lesen. Traurig und bestimmt kein Aushängeschild für guten Wissenschaftsjournalismus.
Die Wissenschafts-Pressekonferenz hat sich in ihrer Herbst-Ausgabe 2007 intensiv damit auseinander gesetzt: http://www.wissenschafts-pressekonferenz.de/...937
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rahmstorf,
Sie haben selbstverständlich Recht, wenn Sie die Eignung eines 8-jährigen Betrachtungszeitraums zur Klimaprognose, bzw. Aussage als nicht geeignet postulieren. Da das Klima im Gegensatz zum Wetter keine physikalische Größe, sondern eine Definitionsgröße von uns Menschen darstellt und per Definition mindestens einen Zeitraum von 30 Jahren abdecken muss, liegen die erwähnten 8 Jahre außerhalb der Definition. Das Klima, wie das Wetter können demnach auch nie konstant sein!
Falsch hingegen liegen Sie mit Ihrer Behauptung, der globale Temperaturtrend in den ersten 8 Jahren dieses Jahrtausends wäre steigend. Dass Gegenteil ist nachweislich der Fall. Als Beweis haben Sie eine markante Klimaanomalienkurve, aufbauend auf den Daten der NASA (und des Hadley Center) angeführt. Nun ist es nicht das erste Mal, dass das Goddard Center der NASA seine Temperaturdaten korrigieren musste. Hier sei beispielhaft an die Berichtigung (durch Steve McIntyre) erinnert, aufgrund dessen die NASA das wärmste Jahr des letzten Jahrhunderts auf das Jahr 1934 korrigieren musste. Leider kann ich Ihnen keine Bilddatei mit den korrekten globalen Temperaturabweichungen (vom langjährigen Mittel), Quelle NOAA, im Leserbrief anhängen, Sie können diese aber unter http://www.cmdl.noaa.gov/.../trends/co2_mm_mio.dat
einsehen.
Es mag menschlich nachvollziehbar sein, dass jemand, der sein ganzes wissenschaftliches Renommee dem anthropogenen Klimawandel gewidmet hat, mit konstruktiver Kritik Probleme zu haben scheint und sich dazu verleiten lässt, anders Denkende zu diffamieren (durch polemische Vergleiche wie “…ungefähr so clever…“, sowie “In der Polarnacht friert es am Nordpol?“) und sie sogar indirekt versucht, der Lächerlichkeit preiszugeben (“Ein Kollege brach beim lesen…lauthals in Lachen aus.“). Ich frage Sie, was hat solches in einem wissenschaftlichen Glossar zu suchen.
*** Textstelle wegen Unsachlichkeit gelöscht, die Redaktion ***
Nicht Herr Kulke ist verzweifelt, so wie Sie sich ausdrücken, nein, Sie sind es!, da immer deutlicher sichtbar wird, dass das Wetter, wie auch das Klima sich nicht an Modellrechnungen, oder Erhebungen (die auch noch manipuliert sind) hält, sondern seiner eigenen, vom Menschen unbeeinflussbaren Semantik folgt und somit Ihr eingangs erwähntes Renommee zu bröckeln beginnt.
Noch etwas zu Ihrer Aussage der wärmsten Jahre und des statistischen Mittels. So beträgt der “Internationale klimatologische Referenzzeitraum“ von 1961 bis 1990. In dieser Zeitspanne liegen 20 Jahre mit unterdurchschnittlichem Temperaturniveau – wir erinnern uns noch an die Diskussion in den 1970-Jahre der drohenden globalen Eiszeit, die auf dieser Tatsache beruhte. Der “Internationale klimatologische Referenzzeitraum“ setzt also mit seinem Basisvergleich eine deutlich zu niedrige Temperatur an, an der alle nachfolgenden Durchschnittswerte der 1990-Jahre und diesen Jahrtausends logischerweise als über dem Mittel ausgewiesen werden.
In unserem Land wird die Statistik noch dreister verbogen und zwar vom Deutschen Wetterdienst. So wurden bis zum 31.03.2001 die Temperaturdurchschnittswerte aus den gemessenen Werten von 7,30 Uhr, 14,30 Uhr und 21,30 Uhr (letzter Wert wurde doppelt gewertet) ermittelt und durch 4 geteilt. Seit 01.04.2001 wird hingegen stündlich gemessen, mit der Ausnahme, dass auch viermal am Tag gemessen werden darf, nämlich um 00-, 06-,12- und 18 Uhr-UTC. Wissenschaftlich miteinander vergleichen kann man keine dieser ermittelten Messreihen. Ungeachtet dessen, werden aber munter die seither ermittelten Werte in gleicher graphischer Darstellung, mit den vorher ermittelten Werten gezeigt. Es ist noch anzumerken, dass (fast) jedes Land seine eigene Messerfassung (zu jeweils unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlicher Gewichtung) hat, all diese Daten jedoch zu einer Globaltemperatur zusammengefasst werden.
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rahmstorf, wenn einer von uns beiden auf solch einem Verfahren seine Diplomarbeit aufgebaut hätte, unser Professor hätte uns die Tür gewiesen!
[Antwort: Sie behaupten, meine Aussage sei falsch, dass der globale Temperaturtrend 2000-2007 nach oben zeigt. Wer mir eine Falschaussage vorwirft, den möchte ich bitten, auch einen Beleg für diesen Vorwurf zu liefern. Sie tun das nicht. Ihr Hinweis auf eine Korrektur in den NASA-Daten hat mit dem globalen Trend 2000-2007 nichts zu tun. Diese Korrektur bezog sich auf einige US-amerikanische Wetterstationen und hatte keinen auf einer Grafik erkennbaren Effekt auf den globalen Temperaturlauf. Auch Ihre Aussage, 1934 sei das wärmste Jahr des 20. Jahrhunderts gewesen, bezieht sich auf die Temperaturen der USA - das hätten Sie ehrlicherweise erwähnen können. Siehe diesen Artikel auf realclimate für detaillierte Diskussion. Der korrekte globale Temperaturverlauf ist in meinem Beitrag ja abgebildet. Ich meine, die Daten sprechen für sich. S.R.]
Kuhlke tut der skeptischen Sicht des Katastrophenhypes mit seiner sehr dünnen Argumentation, die eher selbst heiße Luft ist, keinen Gefallen. Der Focus der Kritik am Klimaaktionismus sollte sich darauf richten, dass Ressourcen zur CO2-Vermeidung sinnlos vergeudet werden anstatt sie in die erforderlichen Anpassmechanismen zu stecken.
Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf,
ich finde es nicht seriös, wie Sie sich über Ulli Kulke mokieren. Und rein sachlich kann ich Ihnen auch nicht immer folgen. Der "Hauptgrund" für den steilen Absturz ist doch wohl die niedrige Temperatur des Januars 2008. Der Vergleich mit 2007 lässt den Absturz zwar noch steiler aussehen, aber der Absturz ist doch da. Und was ist falsch an Kulkes Aussage, dass es seit 15 Jahren keinen kälteren Januar gegeben hat? Der Januar 2000 mag ja nur wenig wärmer gewesen sein, aber er war nun mal wärmer. Warum diese Häme gegen eine solche Aussage? Warum beschränken Sie sich nicht auf die hier angemessene Erklärung, dass Wetter und Klima nicht dasselbe sind?
Mit freundlichen Grüßen
J. H. von Oehsen
Schöne Gegendarstellung von Klimaforschungs-Kollegen von Herrn Rahmstorf
http://klimakatastrophe.wordpress.com/...u-retten/
[Antwort: "Klimaforschungs-Kollege?" Sind Sie sicher? Belege? Würde ein Klimaforscher Sätze schreiben wie: "Dabei spielt es keine Rolle, ob man einen Ausschnitt von 50 Jahren, oder 5 Jahren betrachtet. Der gleitende Trend mittelt das Rauschen heraus"? Fünf Jahre reichen eben nicht, um das Rauschen herauszumitteln - man muss nur die Amplitude des Rauschens mit der Größe des Trends über 5 Jahre vergleichen, um das zu sehen - die relevanten Zahlen (für 8 Jahre) sind oben in meinem Artikel genannt. S.R.]
...die "schöne Gegendarstellung" irgendwie nicht so ganz der wahre Jakob ist.
Da sagt der Herr Müller von Klimakatastrophe im Brustton der Überzeugung, es gebe keine geraden Linien in der Natur, nur um in der Abbildung direkt darüber zwei dicke blaue - richtig - gerade Linien durch die Daten zu legen. Damit der Abbildung auch ja "eindeutig" zu entnehmen ist, dass die Temperatur undsoweiter... Sehr schön.
Wenn man den ganzen Text seziert, bleibt als eigentliches "Gegenargument" nur dieser "Abkühlungstrend" übrig, der nicht mal zu wirklich erkennen wäre, wenn der Autor nicht eine - zumal nach seiner eigenen Aussage unzulässige - suggestive blaue Linie durch die Daten gelegt hätte.
Schon erstaunlich, was in gewissen Kreisen als "schöne Gegendarstellung" akzeptiert wird.
Immerhin hat er den Mumm, unter seinem richtigen Namen zu Posten und nicht anonym.
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rahmstorf,
ich hatte Ihnen die Web-Seite genannt, auf der die NOAA-Temperaturdaten zu finden sind, da die Rubrik Leserbriefe leider nicht die Möglichkeit offeriert, Charts einzufügen. Hier nochmals die Webseiten. Datenquelle: http://vortex.nsstc.uahedu/data/msu/t2/uahncdc.mt, http://www.cmdl.noaa.gov/projects/src/web/trends/co2_mm_mlo.dat
I.ü. war die Anmerkung, dass die NASA nicht zum erstenmal Temperaturdaten korrigieren musste, allgemeiner Art und nicht auf Globaltemperaturen bezogen. Dabei ist es vollkommen gleichgültig, ob sich die Korrektur auf US-Temperaturen, oder auf Globaltemperaturen bezieht, da sowohl das eine, wie auch das andere einen Fehler darstellt. Des Weiteren habe ich Ihnen aufgezeigt, warum es in den letzten Jahren statistisch zur Kumulierung von wärmeren Jahren gegenüber Basiswerten, bzw. Werten von vor 2001 (zumindest in Deutschland) kam. Die genannten Gründe sind i.ü. auf der Webseite des Deutschen Wetterdienstes in einer Fußnote zu den Temperaturdaten zu finden.
[Antwort: Sehr geehrter Herr Leistenschneider. Die in Ihrem ersten Kommentar genannte NOAA-Website führt nicht zu irgendwelchen Temperaturdaten. Die nun in diesem Kommentar ausserdem genannte Website führt auf die Satelliten-Temperaturdaten der University of Alabama in Huntsville. Diese sind nun wirklich umstritten, aufgrund einer Reihe von Fehlern und Korrekturen, die den Trend mehrmals massiv verändert haben. Das tut aber hier gar nicht zur Sache, denn der lineare Trend 2000-2007 in diesen Daten beträgt 0.17 ºC pro Jahrzehnt. Also genau der gleiche Erwärmungstrend wie in den von mir oben zitierten Hadley-Daten. Daher eine Bitte: wir wollen in diesem Blog eine ernsthafte, faktenbasierte Diskussion führen - wir sind ein Wissenschafts-Blog. Behauptungen, die keiner Nachprüfung standhalten, verschwenden einfach unsere Zeit und die unserer Leser - für soetwas gibt es genügend andere Websites. S.R.]
Kann Herr Rahmstorf hier eigentlich mal begründen, warum in Stellungnahmen in den Medien immer der "wissenschaftliche Gegner" will heißen derjenige, der nicht die Rahmstorf'sche Meinung verinnerlicht hat, in seiner Reputation angegriffen wird, lächerlich gemacht wird, persönlich anggriffen wird ? Wenn es damit nicht reicht, kommt die Lobbyismus-Keule ?
Warum ?
Arbeitet Herr Rahmstorf umsonst ?
Verschenkt er seine Vorträge, tritt er auf Versammlungen kostenlos auf ? Wohl kaum.
Trickreich ist die rahmstorfsche Temperaturkurve: Dass das 11-Jahres-Mittel keinen Trend nach unten (und nicht einmal eine Seitwärtsbewegung)zeigt, liegt auf der Hand. Hätte Rahmstorf ein fliessendes 9-Jahresmittel gewählt, dann würde der Extremwert des Jahres 1998 (El-Niño-Jahr) aus dem jüngsten 9-Jahresmittel herausfallen und die Kurve einen Knick nach unten machen. Zugegeben, das ist noch kein Beweis für eine anhaltende Abkühlung, aber wetten, dass Rahmstorf nächstes Jahr ein fliessendes 12-Jahres-Mittel wählt, um möglichst lange mithilfe des Ausreisserjahres 1998 einen Temperaturtrend nach oben "beweisen" zu können.
[Antwort: Sie werfen mir hier Trickserei vor. Wer einen derart schwer wiegenden Vorwurf erhebt, sollte nach meiner Auffassung von seriöser Diskussion zunächst sicher stellen, dass seine Behauptungen stimmen. Ich habe für Sie die Grafik mit einer 9-jährigen Glättungsperiode gemacht, sie ist hier. Sie sieht fast gleich aus, wie die in meinem Beitrag gezeigte. Das hätten Sie sich auch denken können: 1998 war warm, 1999 und 2000 dann aber wieder kalt, 2001 und 2002 wieder warm. Es gibt keinen Grund, warum eine 9-jährige Kurve abknicken sollte. Also nochmals die Bitte: wir möchten eine sachlich fundierte Diskussion, und nicht Leute, die die Zeit von all unseren Lesern verschwenden, indem sie einfach mal falsche Behauptungen aufstellen. S.R.]
Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf,
seit 1980 habe ich regelmäßig auf den Philippinen zu tun. Nicht nur nach meiner Einschätzung, sondern auch meiner einheimischen Mitarbeiter, wird es hier ständig kälter. Von Mitte Januar bis Anfang März lagen die Temperaturen hier um satte 5-6 Grad unter dem Normalen. Auch jetzt, wo der Dauerregen vorbei ist, sind es immer noch 2 Grad.
Ein Kollege von mir lebt in Indonesien und berichtet über ähnliche Verhältnisse.
Frage: Inwieweit werden die Temperaturen in den Tropen anteilig zur globalen Temperaturmessung ins Verhältnis gesetzt? In den Medien sieht man im Zusammenhang mit der Erderwärmung immer nur schmelzende Grönland-Gletscher. Die Meßstationen sind offenbar auch nicht wirklich gleichmäßig über den Globus verteilt, sondern konzentrieren sich in der Masse in den Industrieländern.
Des weiteren würde mich interessieren, ob meine Beobachtungen zur Temperaturentwicklung hier auf den Philippinen sich mit den Werten zur globalen Messungen zugrunde liegenden Werten decken?
Mit besten Grüßen aus dem kalten Tropenbüro
[Antwort: Die Daten finden Sie auf der von mir angegebenen NASA-Website - dort können Sie Karten der Temperaturanomalien ansehen, und Sie können auch für jeden Breitengradgürtel den Temperaturverlauf seit 1880 anschauen. S.R.]