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SPIEGEL vs. ZEIT

von Stefan Rahmstorf, 10. Juni 2010, 14:00

Der Wissenschaftsjournalist Robin Avram hat in seiner Diplomarbeit die Klimaberichterstattung von SPIEGEL und ZEIT untersucht und Erstaunliches herausgefunden. Avram berichtet darüber in einem aktuellen Artikel im WPK Quarterly (Seite 30-33), einem Magazin für Wissenschaftsjournalisten.

Die Untersuchungsmethode ist Standard: man nehme einen vorher definierten Untersuchungszeitraum (hier November 2006 bis August 2007) und analysiere alle in diesem Zeitraum erschienenen Artikel zum Thema Klimawandel nach bestimmten objektiven Kriterien. Zum Beispiel: welche Forscher werden wie oft wörtlich zitiert? Mit welchen Forschern werden Interviews abgedruckt?

Im SPIEGEL sieht die Rangliste der am häufigsten zum Klimawandel zitierten Naturwissenschaftler so aus:

1. Hans von Storch (7 Zitate)
2. Josef Reichholf (5 Zitate)
3. Richard Lindzen (4 Zitate)

Zudem erschienen im Untersuchungszeitraum im SPIEGEL zwei Interviews mit Wissenschaftlern zum Thema Klimawandel: mit Hans von Storch und Josef Reichholf.

Es ist offensichtlich, dass diese Auswahl nichts mit fachlichen Leistungen zu tun hat. Reichholf hat zum Beispiel insgesamt (laut Web of Science) nur 10 Fachpublikationen, die ganze 22 mal zitiert wurden. Zum Vergleich: der im SPIEGEL zu unrecht geschmähte Phil Jones hat 247 Fachpublikationen, 17.690 mal zitiert. In der Fachliteratur wurden im betreffenden Zeitraum zahlreiche Forscher (auch viele deutsche) wesentlich öfter zitiert als jeder der SPIEGEL-Favoriten. Zum Sport werden auch im SPIEGEL die Spitzensportler interviewt - in der Wissenschaft meinen manche Redakteure dagegen, den Lesern eine Auswahl nach eigenem politischen Gusto präsentieren zu können, da der Laie die Leistungsträger der Wissenschaft ohnehin nicht kennt. (Siehe dazu auch unseren früheren Beitrag Die Bundesliga der Klimaforschung.)

Richard Lindzen ist einer der medienprominentesten US-"Klimaskeptiker", der zum Beispiel behauptet, die beobachtete Erwärmung sei viel geringer als von den Klimamodellen vorhergesagt. Mit welchen Rechentricks er zu dieser Falschbehauptung kommt (u.a. indem er wider besseres Wissen die thermische Trägheit der Ozeane "vergisst"), habe ich in diesem Buchbeitrag näher beleuchtet. Rauchen hält der Kettenraucher Lindzen für unschädlich, Greenpeace vergleicht er auch mal mit Göbbels.

Josef Reichholf ist ein Biologe aus München, der in der Fachliteratur noch nie etwas zum Klimawandel publiziert hat, der aber überall verkündet, die globale Erwärmung sei gut für die Artenvielfalt (also gerade das Gegenteil dessen, was seine dazu forschenden und in der Fachliteratur publizierenden Kollegen herausfinden). Nebenbei versucht er in seinen populärwissenschaftlichen Büchern mit falschen Datenkurven seine Leser zu täuschen (indem eine Grafik etwa eine starke Abkühlung in den letzten Jahrzehnten in Europa zeigt, der als Quelle angegebene Datensatz aber in Wahrheit eine Erwärmung, wie hier ausführlicher besprochen). Mein Appell, dass Grafiken die zugrunde liegenden Daten korrekt wiedergeben sollten, zielt nach seiner Meinung "eindeutig auf Zensur".

Zu Hans von Storch brauche ich wenig zu sagen; wer will, kann meine früheren Kommentare bei Spektrum Direkt bzw. in der KlimaLounge nachlesen. Oder Sie machen sich ein eigenes Bild, indem Sie sich auf von Storchs persönlichem Blog umsehen. Dort publiziert er zum Beispiel (am zweiten Weihnachtsfeiertag!) einen Artikel, in dem andersdenkende Klimaforscher als "Stalinisten" bezeichnet werden - und von Storch lobt dies unter dem Artikel noch persönlich mit den Worten "this type of analysis is what we need more". Letzte Woche hat er nachgelegt und einen lesenswerten 10-Punkte-Vergleich von Klimaforschung und Stalinismus seines Freundes Dennis Bray publiziert, der u.a. das IPCC mit Stalins Geheimpolizei Tscheka vergleicht.

Unabhängig davon, ob die drei vom SPIEGEL favorisierten Herren nun aus politischen Gründen das Klimaproblem gezielt herunterspielen oder ob sie einfach eine valide wissenschaftliche Gegenmeinung vertreten: alle drei sind Vertreter von Außenseitermeinungen. Den wissenschaftlichen Mainstream, wie man ihn etwa in den IPCC-Berichten findet, halten sie für "alarmistisch". Aus der kritischen Medienanalyse ist das Phänomen "balance as bias" bekannt (Boykoff & Boykoff 2004): ein Streben nach vermeintlicher Ausgewogenheit, das zu einer verzerrten Darstellung der Realität führt. Wenn sich zum Beispiel 97% aller Klimaforscher einig sind, dass der Mensch das Klima aufheizt, präsentieren viele Medien oft dennoch zwecks "Ausgewogenheit" eine Gegenmeinung, sodass beim Leser der  falsche Eindruck entsteht, unter Klimatologen gebe es in dieser Frage zwei etwa gleich große Lager. Der SPIEGEL bietet nicht einmal eine solch vermeintliche "Ausgewogenheit" von solider Wissenschaft und Außenseiterthesen, sondern bevorzugt nach Avrams Zahlen deutlich letztere.

In seinem Artikel beschreibt Avram weitere Beispiele auch außerhalb seines Untersuchungszeitraums: So hat der SPIEGEL schon häufiger dann, wenn die mediale Aufmerksamkeit für das Thema Klimawandel besonders groß war, lange Interviews mit Hans von Storch gedruckt: etwa nach dem Hitzesommer 2003, der laut einer EU-Studie 70.000 Hitzetote gefordert hat. Darin durfte dieser immer wieder seine (in der Fachliteratur nicht belegte) Kern-These erläutern: dass wir uns leicht an den Klimawandel anpassen können ("Wir werden das wuppen").

Im vergangenen Dezember (drei Tage nach dem Stalinismus-Beitrag im Blog) veröffentlichte SPIEGEL Online einen abstrusen Artikel von Hans von Storch und Nico Stehr ("beide gehören zu den renommiertesten deutschen Wissenschaftlern auf ihren Gebieten"), in dem Klimaforschern demokratiefeindliche Tendenzen unterstellt werden - siehe dazu etwa die Kommentare von Thilo Küssner bei den ScienceBlogs, von Nils Simon oder Jörg Zimmermann. Er liest sich wie eine für das breite Publikum abgemilderte Version der Stalinismusfantasien, die in von Storchs Blog wesentlich ungeschminkter vorgebracht werden.

Kritisiert man als Wissenschaftler die SPIEGEL-Berichterstattung, wird man im günstigsten Falle ignoriert (wie mein Schreiben im Jahr 2006 an den damaligen SPIEGEL-Online Chefredakteur Müller von Blumencron), im schlechteren Falle droht grobschlächtige Vergeltung. Auf meine Medienkritik in der FAZ im August 2007 reagierte SPIEGEL-Online mit einer Geschichte mit dem schönen Titel "Die rabiaten Methoden des Klimaforschers Rahmstorf" (die übrigens nur darin bestehen, dass ich einige Male sachliche Kritik geäußert habe, wie wir sie auch in der KlimaLounge pflegen).

Dass die Experten-Auswahl des SPIEGEL zu einer verzerrten Darstellung des wissenschaftlichen Diskurs über den Klimawandel führte, zeigt auch ein Vergleich mit der ZEIT: Dort wurden von November 2006 bis August 2007 Hans von Storch und Richard Lindzen je einmal zitiert, Josef Reichholf kein einziges Mal. Und das, obwohl die ZEIT ingesamt anderthalb mal häufiger zum Thema Klimawandel berichtete.

Häufiger widersprach die ZEIT der Darstellung des Klimawandels im SPIEGEL auch, so zum Beispiel im Dezember 2009: da durfte Björn Lomborg in einem zweiseitigen SPIEGEL-Gastbeitrag für eine Vertagung des Klimaschutzes plädierten. Eine Woche später  konterte die ZEIT, indem sie die Rolle des professionellen "Skeptikers" Lomborg beim Schwenk in der dänischen Klimapolitik kritisch beleuchtete. Auffällig auch: Die ZEIT berichtete weniger über die wissenschaftlich geklärten Ursachen als über die Auswirkungen des Klimawandels. Vor allem geht die Debatte in der ZEIT wesentlich stärker um die tatsächlich umstrittenen Fragen: nämlich nicht darum, ob die Klimakrise ein drängendes Problem ist, sondern darum, wie wir es lösen können. Das zeigt sich auch klar an der Auswahl der Interviewpartner.

Wie kommt es zu diesen Unterschieden zwischen SPIEGEL und ZEIT? Avram kommt dazu zu folgendem Schluss:

Die wichtigste Erklärung hat einen bekannten Namen: Stefan Aust.

Avram erzählt hier nochmals die unter klimapolitisch Interessierten schon bekannte Geschichte des Konfliktes um die Windenergie, wegen dem zwei prominente Redakteure 2004 den SPIEGEL verließen (Gerd Rosenkranz und Harald Schumann). Aust druckte damals eine Titelstory zum "Windmühlenwahn". "Weil er ein Pferdegestüt besitzt, in dessen Nähe ein Windpark gebaut werden sollte?" fragt Avram, und fährt fort:

Stefan Aust war es auch, der den damals für diesen Posten noch ungewöhnlich jungen Olaf Stampf zum Leiter der Wissenschaftsredaktion  des SPIEGEL beförderte. Laut Gerd Rosenkranz seien Aust und Stampf durch den Reitsport freundschaftlich miteinander verbunden gewesen. Geteilt hätten sie auch eine sehr skeptische Haltung gegenüber der Tatsache des Klimawandels, der Verantwortlichkeit des Menschen und den mutmaßlich katastrophalen Folgen, berichtet Rosenkranz.

Stampf war kürzlich auch einer der Autoren des unsäglichen SPIEGEL-Artikels "Die Wolkenschieber". Avram zitiert einen langjährigen SPIEGEL-Politikredakteur mit folgenden Worten:

Ich weiß selbst gut genug, dass wir in der Klimaschutz- und Klimawandel-Gemeinde überhaupt nicht mehr ernst genommen werden. Und ich kenne eine Reihe von Kollegen, denen die Haare zu Berge stehen ob unserer Diskussionsbeiträge.

Update 16. Juni: Von Olaf Stampf, Ressortchef Wissenschaft des SPIEGEL, erreicht uns folgende Zuschrift, die wir mit seiner Erlaubnis wiedergeben:

Erstens ist der "untersuchte" Zeitraum viel zu kurz; wenn Sie nur ein halbes Jahr Berichterstattung herauspicken, werden Sie immer eine zufällige Häufung finden.
Sie müssten schon die SPIEGEL-Klimageschichten mehrerer Jahre auswerten.
Dann würden Sie feststellen, dass wir natürlich ein viel breiteres Spektrum an Experten zu Wort kommen lassen als Sie uns unterstellen.
Zweitens erheben wir aber auch gar nicht den Anspruch, alle Klimaforscher gleichmäßig zu zitieren;
Für uns steht vielmehr die Frage im Mittelpunkt: Wer ist journalistisch interessant, wer hat was zu sagen?
So erinnert mich Ihre Erbsenzählerei doch sehr stark an die albernen Ausgewogenheitsdebatten, die es früher häufiger beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen gab.
Wir haben uns doch alle über die Marotte von CDU-Politikern amüsiert,  mit der Stoppuhr zu messen, wie viele Minuten sie und wie viele Minuten die Sozis in den Nachrichtensendungen zu Wort kamen.

Ich stimme Herrn Stampf zu, dass die oben genannten Zahlen nur für den (ja auch explizit angegebenen) Untersuchungszeitraum gelten - immerhin wurden aber über 100 SPIEGEL-Artikel und über 150 ZEIT-Artikel ausgewertet. In der Diskussion werden ja auch noch eine Reihe weiterer Beispiele außerhalb des quantitativen Untersuchungszeitraums diskutiert, die nahe legen, dass die kritisierte Tendenz qualitativ auch länger vorhanden ist - siehe etwa den Tenor des von uns kürzlich kritisierten Artikels Die Wolkenschieber.

Natürlich geht es hier nicht um Erbsenzählerei oder Parteienproporz, sondern genau um die Kernfrage: welche Forscher haben etwas zu sagen und sollten in den Medien zu Wort kommen? Sind es die, die die Forschung an vorderster Front voranbringen? Oder die, die vielleicht "journalistisch interessante" aber fachlich nicht gut belegte Thesen vertreten? Oder gar die, die das politisch Gewünschte sagen? 


Literaturangaben

Avram, Robin. Der Klimawandel im SPIEGEL der ZEIT - eine vergleichende Diskursanalyse der Klimawandel-Berichterstattung der beiden politischen Wochenzeitschriften. Grin Verlag (2008)

Boykoff, M. T. & Boykoff, J. M. Balance as bias: global warming and the US prestige press. Global Environmental Change - Human And Policy Dimensions 14, 125-136 (2004).

p.s. Dank an Georg Hoffmann für den Hinweis auf die Stalinismus-Debatten in von Storchs Weblog. Weitere Blog-Diskussion dazu hier und hier. Eine weitere Diplomarbeit zur SPIEGEL-Berichterstattung zum Klima wird hier diskutiert.





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Kommentare

  1. Georg Hoffmann Aust und seine stalinistischen Pferde
    10.06.2010 | 15:00

    So sehr ich sicher die Spiegel Berichterstattung verbesserungsfaehig halte (Das war jetzt sehr nett formuliert), so wenig glaube ich, dass so Sachen wie "Aust hat nen Reitstall" weiterhelfen.
    Ich geb zu die ganze Debatte macht mir immer weniger Spass und es waer toll, wenn man irgendeinen Weg faende, wenigstens diesen "Stalinismus" Mist aussen vorzulassen. Weiss aber auch nicht wie.

  2. Martin Holzherr Lysenkoismus und Hans Storch
    10.06.2010 | 15:41

    Hans von Storch's Auslassungen über soziopolitische Themen im Zusammenahnag mit dem Klimadiskurs nehmen tatsächlich teilweise groteske Züge an.
    Ein längerer Artikel auf seiner Klimazwiebel behandelt beispielsweise den Lysenkoismus (siehe http://klimazwiebel.blogspot.com/...l-context.html), also die Instrumentalisierung der Wissenschaft durch die Politik.

    Wenn man die Skeptikerseiten im Web kennt, weiss man dass der Begriff Lysenkoismus dort häufig benutzt wird um Klimawissenschaftler wie James Hansen zu diskreditieren (siehe http://anhonestclimatedebate.wordpress.com/...ter/). James Hansen wird also mit dem von der Politik geschützten Lysenko gleichgesetzt.
    Aber auch Al Gore und AGW überhaupt wird auf den Skeptierseiten häufig mit Lysenko in Verbindung gebracht (siehe http://omniclimate.wordpress.com/...koism-and-agw/).

    Wenn Hans Storch als Leiter des GKSS und Professor der Meteorologie und nicht als Stammtischpolitiker andere Wissenschaflter wie James Hansen so diskreditiert, muss man sich fragen, ob er noch bei Sinnen ist.

  3. Günther Geiger wie jämmerlich
    10.06.2010 | 16:52

    Herr Rahnstorf, dieser Artikel zeigt nur, wie schlecht es ihnen gehen muss.
    Alarmismus ist auf Dauer eben Scheiße und wenn sie irgendwann so viel vom Klima verstehen, wie ein Lindzen, dann wird ihnen ihre peinliche Beschimpfung anderer vielleicht auch noch vergehen.

    Sie machen sich zunehmand lächerlich und sind unglaubwürdiger als der hardcore warmist Hansen.
    Mensch müssen sie einen Frust haben...

  4. Peer Lob
    10.06.2010 | 17:05

    Danke für den Artikel! Dass der Spiegel gerne mal lieber auf "Schockeffekte" setzt, als auf fachlich fundiertes, weiß man ja schon. Dass es aber so arg steht...

    Hoffentlich wird der Bildblog auf den Artikel aufmerksam!

  5. Julian renommierte Forscher
    10.06.2010 | 17:13

    "beide gehören zu den renommiertesten deutschen Wissenschaftlern auf ihren Gebieten"

    Solche Formulierungen machen mich immer mistrauisch, sind sie doch oft einfach nur newspeak für:

    "beide gehören zu den wenigen Forschern, die meine politische Überzeugung stützen."

  6. Jochen Ebel Treibhausbeispiel
    11.06.2010 | 09:20

    @ Günther Geiger 10.06.2010 | 16:52

    Herr Geiger, damit Sie den Treibhauseffekt besser verstehen ein Beispiel - die morgendliche Bodeninversion:

    Nach Kirchhoff ist ja Absorption und Emission eng verbunden. Da Manche den globalen Argumenten der Absorption nicht zugänglich sind, nehmen wir eben die Emission - und zwar die Entstehung einer Bodeninversion über Nacht. Um mit gemessenen Daten der Lufttemperatur zu arbeiten (und eine Temperaturmessung sollte eigentlich keiner bezweifeln), mache ich auf folgenden Link aufmerksam.

    http://www.pa.op.dlr.de/...aV_de/KAP3_EMAGRAMM.ppt

    Besonderes geht es dabei um die Temperaturkurven auf den Folien 72 und 73 (Anmerkung: auf beiden Folien ist noch links der Temperaturkurve eine zweite Kurve angegeben - das ist die Kurve der Taupunkttemperatur, die in diesem Zusammenhang weniger interessiert). Die Meßstation liegt in etwa 600m Höhe, deshalb existiert unterhalb 600m keine Kurve.

    Besonders interessieren hier zwei Höhen [600m (950hPa) und 1400m (850hPa)] zwischen denen eine Luftsäule von 1000kg/m² (= 100hPa) liegt. Die spezifische Wärmekapazität der Luft bei diesen Temperaturen liegt bei etwa 1000Ws/(kg K).

    (Folie 72): Am 03.08.1995 war in Laragne gegen 06:00 morgens die Temperatur am Boden ca. 15°C und in 1400m Höhe ca. 17°C - also wärmer und damit Inversion. Schön wäre es für diesen Zusammenhang, wenn der Temperaturverlauf am 02.08.1994 abends auch angegeben wäre. Aber da sich in diesen Tagen das Wetter kaum verändert hat können wir auch die Abendtemperaturen vom 03.08.1994 nehmen.

    Daß sich das Wetter kaum verändert hat zeigt ein Blick auf die Temperaturen in Aachen vor dem 05.08.1994:

    http://www.dwd.de/...umwelt_klimadaten_deutschland
    Die Tagesmitteltemperatur (TM) hat nur wenige K geschwankt.

    Man kann deshalb für die Abendtemperaturen am 02.08.1994 auch die Abendtemperaturen am 03.08.1994 nehmen. Diese Temperaturen sind:

    Am 03.08.1995 war gegen 18:00 abends die Temperatur am Boden ca. 28°C und in 1400m Höhe ca. 20°C also kühler - die normale trockenadiabatische Schichtung von knapp 10K/km. Trockenadiabate deshalb, weil die Taupunkttemperatur deutlich niedriger ist als die aktuelle Lufttemperatur.

    Über Nacht hat sich also die Luftmasse durchschittlich um mindestens 5K abgekühlt, d.h. die 1000kg/m² Luft haben in ca. 12h (43200s) ca. 5 Mill.Ws/m² [= 5K * 1000Ws/(kg K) * 1000kg/m²] abgegeben. Durchschnittlich sind das in 43200s ca. 116W/m².

    Frage an Treibhausskeptiker: Wie hat die Luft das bloß gemacht? Konvektion kommt nicht in Frage, da eine Inversion vorliegt. Wärmeleitung kommt auch nicht in Frage, da z.B. nach Gerlich und Tscheuschner (ausnahmsweise mal eine richtige Angabe - http://arxiv.org/...arxiv/pdf/0707/0707.1161v4.pdf ) S. 10 Tabelle 7 die Wärmeleitfähigkeit ruhender Luft (richtig) nur 0,026 W/(m K) beträgt. (Übrigens ist die Maßeinheit mit Js/(mK) falsch angegeben - siehe Tabelle 5 auf Seite 9.) Wenn bei dieser schlechten Wärmeleitfähigkeit ein Wärmestrom von 116W/m² fließen soll, müßte der Temperaturgradienet über 4 400K/m {=116W/m² / [0,026 W/(m K)]} betragen - bei den gemessenen Temperaturen absolut ausgeschlossen. Aber es stimmt voll mit der Emission aus den Treibhausgasen überein - Klimaskeptiker zeigen eben, daß sie Physikkomiker sind.

    Gemessen wird natürlich eine stärkere Gegenstrahlung. Die 116W/m² sind nur die Differenz aus Gesamtgegenstrahlung und Absorption.

    MfG

    [Antwort: Lieber Herr Ebel, Sie müssen zugeben, dass das ziemlich "off topic" ist unter diesem Artikel. Mir drängt sich auch der Eindruck auf, dass Sie öfters per "cut-and-paste" längliche technische Traktate in den Kommentaren unterbringen. Nehmen Sie es bitte nicht übel, wenn wir so etwas künftig nicht immer publizieren - ganz unabhängig davon, ob es inhaltlich korrekt ist. Es ist einfach nicht der richtige Ort dafür. Gruß, Stefan Rahmstorf]

  7. Stefanp Stefan Aust
    11.06.2010 | 09:59

    Gerade da Stefan Aust in Ihrem Beitrag eine große Rolle spielt, wäre es mehr als angebracht gewesen, darauf hinzuweisen, dass ihm vom Verlag gekündigt worden ist. Im darauf folgenden Rechtsstreit folgte eine außergerichtliche Einigung, wonach Stefan Aust mit damals sofortiger Wirkung nicht mehr für den Spiegel-Verlag arbeitete. Das war Anfang 2008.
    Kritisiert man den Spiegel aufgrund Stefan Austs ist die Erwähnung von dessen unrühmlichen Abgangs angebracht.

  8. Bleyfuß "Schneefan"
    11.06.2010 | 10:12

    Diesen Blogger darf man nicht unerwähnt lassen, wodurch die "Weste" der ZEIT(-Online) einige Kratzer abbekommt. Was "Schneefan" in der Zeit von Hadley-Datenklau und IPCC-Zahlendreher an Mutmaßungen in den Raum stellte, stand den Daily-Telegraph- Gerüchten in nichts nach.

  9. FK @Günther Geiger
    11.06.2010 | 10:16

    Es ist langweilig und ermüdend derartige Beiträge zu lesen. Die Situation hat sich doch längst gewandelt. Den "Alarmismus" findet man nicht bei der Klimaforschung, sondern bei Skeptikern, die wahlweise eine neue Stasi, eine neue Weltordnung, eine Öko-Verschwörung, einen neuen Kommunismus und dergleichen beschwören. Das ist Alarmismus par excellence. Aber das stört sie natürlich nicht, denn sie sind ja - wie die Mehrzahl der "Skeptiker" - keineswegs an einer sachlichen Debatte interessiert, sondern nur an Parolen.

  10. Jochen Ebel Absicht
    12.06.2010 | 08:49

    Lieber Prof. Rahmstorf,

    zum Thema "SPIEGEL vs. ZEIT" ist mein Beitrag von 11.06.2010 | 09:20 tatsächlich "off topic" - und ich hätte ihn nie hierhin gesetzt, wenn der Beitrag von Herrn Geiger vom 10.06.2010 | 16:52 nicht nach Zweifeln am Treibhauseffekt ausgesehen hätte. Mit meinem Beitrag wollte ich nur zeigen, daß sogar persönliche Erfahrungen (und Bodeninversion mit Nebelstreifen dürfte jeder schon gesehen haben) den Treibhauseffekt beweisen.

    Entschuldigen Sie bitte, wenn meine Intension anders rübergekommen ist.

    MfG

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