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Ende der Schmelzsaison

Donnerstag, 16. Oktober 2008, von Stefan Rahmstorf

Dreimal haben wir diesen Sommer aus der bzw. über die Arktis berichtet (hier, hier und hier). Damals war noch nicht klar, ob der extreme Eisschwund im Sommer 2007 ein Ausreißer bleiben würde und wir nach der kräftigen Neueisbildung im kalten Winter 07/08 zumindest wieder in die Nähe der Trendlinie zurückkehren würden, oder ob die Eisausdehnung diesen Sommer erneut in der Nähe des Rekordtiefs vom Vorjahr landen würde.

Jetzt kennen wir die Antwort: wie das NSIDC mitgeteilt hat, betrug die Eisausdehnung im September 2008 4,7 Millionen km2. Das ist der zweitniedrigste je verzeichnete Wert, 34% unter dem Langzeitmittel und nur 9% über dem Rekordtief von 2007 (4,3 Millionen km2). Der drittniedrigste Wert wurde 2005 erreicht, mit 5,6 Millionen km2.

Die Jahresgänge 2005, 2007 und 2008 sind in der folgenden Grafik gezeigt und mit dem mittleren Jahresgang verglichen.

Die nächste Grafik zeigt die Zeitreihe der Septemberdaten seit 1979. Hier wird noch einmal deutlich, wie dramatisch der Einbruch im Jahr 2007 war, und dass auch 2008 weit unterhalb der Trendlinie lag.

 

 

Die folgende Grafik vergleicht die tatsächliche Entwicklung mit den Simulationsrechnungen der Klimamodelle der verschiedenen Klimaforschungsinstitute weltweit. Der Eisschwund verläuft deutlich schneller, als alle Modelle vorhergesagt haben.

(Grafik: Dank an Dirk Notz, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg)

Wahrscheinlich gab es im September 2008 sogar ein Rekordminimum des Eisvolumens – so der Eisforscher Walt Meier vom NSIDC. Zwar war die Eisausdehnung nur die zweitkleinste – aber das Eis war dünner als letztes Jahr.

Dabei waren die Wetterbedingungen diesen Sommer nicht einmal besonders günstig für Eisschmelze. NSIDC-Forscherin Julienne Ströve:

Ich finde es unglaublich, dass wir so nah dran kamen, den Rekord von 2007 zu brechen – ohne das besonders wolkenarme und warme Wetter des vorigen Sommers.

Grund dafür ist des "Gedächtnis" des Eises: das im Sommer 2007 abgeschmolzene Eis konnte im kalten Winter 07/08 zwar flächenmässig, nicht aber im Volumen ersetzt werden. Mit anderen Worten, das Eis ist bereits dünner als in den Vorjahren in den Sommer 2008 gestartet. Zudem führt der Eisverlust dazu, dass Sonnenstrahlung nicht an der Oberfläche reflektiert wird, sondern den Ozean aufheizt, der diese Wärme lange speichern kann - die warmen Wassertemperaturen erschweren dann die Neueisbildung auch bei kaltem Wetter.

Der Eisexperte Mark Serreze sagte zu den neuen Messdaten:

Wenn man die starke Abnahme der letzten 30 Jahre anschaut, dann ist eine ‚Erholung’ vom niedrigsten zum zweitniedrigsten Stand überhaupt keine Erholung. Sowohl innerhalb als auch jenseits der Arktis hat dieser Eisverlust enorme Implikationen.

Andererseits gibt es (wie in unserem Beitrag Zwei Planeten bereits diskutiert) auch ein paar Menschen, die das alles ganz anders sehen – ihnen gilt die Tatsache, dass kein erneuter Negativrekord verzeichnet wurde, gar als Beleg dafür, dass die Erderwärmung vorbei und eine Abkühlung im Gange ist. So schreibt Prof. Lüdecke in der Wiener Zeitung:

Die "FAZ" schreibt noch immer von abnehmender Eisbedeckung der Arktis, obwohl seit 2007 das Gegenteil der Fall ist. Die momentane Abkühlung ist höchst gefährlich.

Dazu fällt selbst uns nichts mehr ein.

Update (17.10.): Spiegel online berichtet heute: Arktis-Temperaturen steigen auf Rekordhoch.

Und die Arctic Report Card der NOAA, mit den neuesten Trends aus der Arktis.