wissenslogs Zuendspannung

Tests und Kontrollräume

07. Juli 2009, 23:53

Die Vorbereitung der nächsten Mission des Plasmakristall-Experiments auf der ISS geht voran. Die Tests der Prozeduren, die in der Apparatur laufen werden, haben wir heute abgeschlossen. Bei dieser Mission werden, wie schon geschrieben, an vier Tagen Experimente durchgeführt werden. Deshalb hatten wir noch entsprechend mehr zu testen, aber ja auch tatkräftige Unterstützung der japanischen Kollegen.

Morgen werden einige Hardware-Tests durchgeführt, wofür nicht alle Wissenschaftler benötigt werden, so dass einige von uns wohl die Gelegenheit nutzen werden, nach Moskau zu fahren (und hoffen, dass die Behinderungen durch den abfahrenden Obama nicht zu groß sind).

Heute hatten wir außerdem die Möglichkeit, bei einer Führung durch den alten Mir-Kontrollraum und den ISS-Kontrollraum mitzumachen. Das war natürlich besonders für diejenigen interessant, die noch nicht hier waren, aber auch für mich ist es immer wieder faszinierend, die beiden Räume zu besuchen.

Der Mir-Kontrollraum wird nicht mehr verwendet, aber für die Führung wurden doch wieder die typischen großen Schirme  (weiter)

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Plasmakristall-Experiment Mission 11

05. Juli 2009, 21:47

Gestern sind wir in Korolyov in der Nähe Moskaus angekommen, um die 11. Mission des Plasmakristall-Experiments auf der Internationalen Raumstation vorzubereiten. Dieses Mal sind sogar vier anstelle der üblichen drei Experimenttage geplant, da ein Experiment gemeinsam mit japanischen Kollegen durchgeführt wird.

Gestern waren wir nur einkaufen und haben unsere Hotelzimmer bezogen. Heute sind wir dann ins Kontrollzentrum gefahren, wo wir zusammen mit unseren russischen Kollegen den Vergleichsexperiment-Aufbau aufgebaut haben. Wir haben dann gleich angefangen, die geplanten Experimente zu testen.

Die Experimente werden normalerweise teilautomatisch ausgeführt, d.h., die meisten Einstellungen  (weiter)

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Teilchenblasen und -tropfen

29. Juni 2009, 13:30

Blasen und Tropfen sind typische Flüssigkeitseffekte. ResearchBlogging.orgDass diese Phänomene auch in anderen Systemen auftreten, mag auf den ersten Blick überraschen. Wir haben sie jedoch unter ganz bestimmten Umständen auch in unseren komplexen Plasmen beobachtet—ein Phänomen, das wir diese Woche in der Zeitschrift Physical Review Letters publiziert haben, und das es sogar auf das Titelblatt geschafft hat!

PRL CoverAus diesem Anlass beende ich meine doktorarbeits-erzwungene Stille hier jetzt endlich. Wie schon des Öfteren hier im Blog berichtet, besteht ein sogenanntes komplexes Plasma aus einem ionisierten Gas, in dem sich zusätzliche Teilchen befinden, die meistens um ein paar Tausendstel Millimeter groß sind (und damit riesig im Vergleich mit den anderen Teilchen im Plasma, den Ionen, Atomen und Elektronen).

Normalerweise werden diese Teilchen von der Schwerkraft nach unten gezogen, so dass sie sich im unteren Bereich der Plasmakammer ansammeln. Dem kann man entgehen, indem man Experimente in der Schwerelosigkeit durchführt—wie auch schon häufiger hier erwähnt. Oder man übt eine zusätzliche Kraft auf die Teilchen nach oben aus, um sie in den Hauptteil des Plasmas zu heben. Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist es, die untere Platte der Experimentkammer zu heizen. Dann besteht ein Temperaturunterschied zwischen der oberen und der unteren Platte, was wiederum zu einer Kraft auf die Teilchen führt, der sogenannten Thermophorese. Diese Kraft kompensiert die Schwerkraft, die auf die Plastikteilchen wirkt. Das komplexe Plasma sieht dann ganz ähnlich aus wie bei einem entsprechenden Versuch auf der Internationalen Raumstation in echter Schwerelosigkeit. Besonders auffällig ist eine große, teilchenfreie Region in der Mitte der Teilchenwolke—das sogenannte Void.


Abb.: Teilchenblase - M. Kretschmer
Unter bestimmten Bedingungen entstehen am unteren Rand dieses Voids unter Schwerkraftsbedingungen neuartige Phänomene: Es 
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ISS - Besatzung vollständig

30. Mai 2009, 17:17

ISS BesatzungSeit gestern die Sojuz an der Internationalen Raumstation angedockt hat, ist die permanente Besatzung der ISS zum ersten Mal in ihrer Geschichte vollständig. Ab jetzt werden sechs Astronauten / Kosmonauten dort leben und forschen - zum ersten Mal steht etwa 50 Prozent der verfügbaren Zeit für die Wissenschaft zur Verfügung. Die Besatzung ist auch wirklich international - sie besteht aus einem Amerikaner, einem Kanadier, einem Japaner, einem Europäer und zwei Russen. Der ESA-Astronaut, Frank de Winne, hat damit die OasISS - Mission gestartet, in der viele wissenschaftliche Experimente durchgeführt werden sollen. Mehr dazu bei den Kollegen von den Kosmologs.

Im einem kleinen Rückblick zeigt eine wirklich sehenswerte Animation die Konstruktion der Raumstation und macht noch einmal anschaulich, welch ein Aufwand eigentlich in die ISS gesteckt wurde und wie viele Raktenstarts notwendig waren. Eine wirklich beachtliche Leistung.

Ich bin vor allem gespannt auf die wissenschaftlichen Ergebnisse, die jetzt zu erwarten sind. Einen Überblick findet man zum Beispiel auf den (nicht ganz aktuellen) Seiten der NASA.


Quellen: UniverseToday, Raumfahrer.net, NASA, ESA; Bild: NASA TV

 

 



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Spannende Wochen

19. Mai 2009, 18:00

Die letzten Wochen waren sehr spannend bei uns im Institut.

Vor zwei Wochen sind unsere russischen Kollegen zu Besuch gekommen und haben die Daten der letzten Mission auf der Raumstation mitgebracht, die vorher von der Sojuz zurück zur Erde geholt wurden.

Das läuft dann immer so ab, dass das gesamte Team sich in einem Besprechungsraum trifft und die Videos der Daten anschaut. Wir haben dabei einiges an sehr schöner Kristallisation der Mikroteilchen im Plasma beobachten können, und auch die Durchdringung einer Wolke von Teilchen von anderen, neu eingeschüttelten.

Blasen, wie sie auf der Erde unter Einwirkung von Thermophorese entstehen (und die unter anderem Teil meiner Doktorarbeit sind), konnten wir allerdings leider wieder nicht sehen; die Teilchen wurden durch den angelegten Temperaturunterschied einfach zur Seite gedrückt. Natürlich ist auch das Nicht-Auftreten eines Effekts ein Ergebnis (wenn auch kein sehr befriedigendes):  (weiter)

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Obama: Das große Ziel unserer Generation

09. Mai 2009, 18:42

"Wir wählen es, zum Mond zu fliegen [...], nicht weil es leicht ist, sondern schwierig, weil dieses Ziel die besten unserer Energien und Fähigkeiten organisieren und messen wird, weil diese Herausforderung eine ist, die wir annehmen, eine, die wir nicht verschieben wollen, und eine, die wir vorhaben zu gewinnen."

Mit dieser historischen Rede hat Präsident Kennedy vor fast 50 Jahren die amerikanische Nation auf ein Ziel eingeschworen, das neben eines Triumphs im Rennen zum Mond gegenüber der Sowietunion auch zu vielen neuen Technologien und einer massiven Investition in Wissenschaft, Bildung und Forschung führte. Viele Menschen wurde inspiriert, haben eine technische oder wissenschaftliche Karriere eingeschlagen, von der die USA noch heute profitiert.

Präsident Obama hat am 27. April bei einer Rede vor der amerikanischen Akademie der Wissenschaften etwas ähnliches versucht.  (weiter)

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Blogvisite 2009 – Wenn der Funken überspringt

19. April 2009, 12:48

[Eine Blogvisite verfasst von Sandra ThalAmuse gueule
 
Kochen ist Physik - ebenso wie Biologie und Biochemie. Als Biologin habe ich zwar gewisse Grundkenntnisse in der Physik, zähle mich aber eher zum interessierten Publikum, als zum Fach-Publikum. Deshalb finde ich es toll, wenn eine Physikerin, es schafft - mich eine Biologin- für ihren Arbeitsalltag und die Physik zu begeistern.
 
In über 100 Einträge konnte man bisher mitverfolgen, wie physikalische Experimente geplant und durchgeführt werden. Ob beim Parabelflug, auf der ISS oder bei einem Fachvortrag im Max-Planck-Institut über „Leuchtende Nachtwolken“ immer hat man das Gefühl, Live dabei zu sein.
 
Tatsächlich verwirklicht dieser Blog für mich am stärksten die Grundidee der Scilogs: der Blog als wissenschaftliches Tagebuch – aktuell, regelmäßig, informativ und einfach geschrieben. Die zusätzlichen Themen-Links und die eindrucksvollen Bilder, die die meisten Einträge begleiten, sind so etwas wie Sahnetoppings – sie runden die Beiträge perfekt ab.
 
Einzig bei den eingestreuten Comic-Sequenzen ohne Begleittexte, springt der Funke bei mir nicht über. Bedenklich einerseits wegen möglicher Urheberrechtsverstöße - andererseits fehlt mir einfach ein Text, ähnlich einer Verzehranweisung, wie man sie heutzutage auch für die Molekulare Küche braucht.
 
Trotzdem ich freue mich, wie viele andere darauf, demnächst wieder in dem physikalischen Tagebuch von Mierk Schwabe zu lesen.


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Wunder - Bare Wissenschaft

30. März 2009, 23:43

When I heard the learn'd astronomer,
When the proofs, the figures, were ranged in columns before me,
When I was shown the charts, the diagrams, to add, divide, and measure them,
When I sitting heard the learned astronomer where he lectured with much applause in the lecture room,
How soon unaccountable I became tired and sick,
Till rising and gliding out I wander'd off by myself,
In the mystical moist night-air, and from time to time,
Look'd up in perfect silence at the stars.

(Übersetzung ins Deutsche - ganz am Ende)  

Dieses Gedicht, When I Heard the Learn'd Astronomer von Walt Whitman, stammt aus dem 19. Jahrhundert, aber es beschreibt, was der Wissenschaft immer wieder einmal vorgeworfen wird - so auch während des Deidesheimer Bloggertreffens letztes Wochenende bei einer Diskussion: Die Entzauberung der Welt. (weiter)

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Leuchtende Nachtwolken

09. März 2009, 21:58

Im Moment ist einer der weltweit führenden Experten für Leuchtende Nachtwolken (noctilucent clouds auf Englisch, NLC) bei uns im Institut zu Besuch, Prof. Ove Havnes. Professor Havnes hat dann auch gleich einen Vortrag zu diesem Phänomen gehalten, darüber, welche Fakten dazu man bisher erklären kann, und - besonders spannend - welche nicht.

Leuchtende Nachtwolken treten in den nördlichen Breiten vor allem in den Sommermonaten auf. Man sieht diese Wolken noch nach Sonnenuntergang hell am Nachthimmel leuchten. 

Dass sie noch nach Sonnenuntergang sichtbar sind, liegt natürlich daran, dass die Eisteilchen, aus denen die Wolken bestehen,  (weiter)

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Evolutionstag

25. Februar 2009, 22:41

Mal etwas offtopic, aber passend zum Darwin-Jahr: Die Giordano Bruno Stiftung hat eine online Petition mit dem Ziel gestartet, Christi-Himmelfahrt in "Evolutionstag" umzubenennen. An diesem Tag soll gefeiert werden, dass wir "endlich den kindlichen Narzissmus überwunden haben, der uns dazu verleitete, unsere Art als „Krone der Schöpfung“ zu betrachten."

Ein christlicher Feiertag soll deswegen umbenannt werden, da es wohl aus politischen Gründen unmöglich ist, einen neuen Feiertag einzuführen - aber das konfessionslose Drittel der Bevölkerung auch in den Feiertagen vertreten sein sollte. Außerdem wird ein wirksames Zeichen für die Evolutionstheorie und den damit einhergehenden Erkenntnisgewinn gesetzt.

Die Petition kann hier unterschrieben werden:

http://www.darwin-jahr.de/e-day

Passend zum Thema wurde auch gleich ein You-Tube-Video veröffentlicht:


 



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szmtag