Zuendspannung wissenslogs

Physik-Nobelpreis 2009 - und davor

03. Oktober 2009, 00:15

Die Verleihung der Nobelpreise steht wieder an – dieses Jahr für mich besonders spannend, denn ich bereite mich im Moment sehr intensiv auf die Verteidigung meiner Doktorarbeit vor. Dabei werde ich erst einen Vortrag über „mein“ Thema halten. Dann werden erst Fragen über mein Spezialgebiet gestellt und danach über Physik im Allgemeinen. Diesen zweiten Teil der Doktorprüfung kann man schlecht vorhersagen und sich noch schlechter darauf vorbereiten. Ein Thema, das allerdings traditionell immer auftaucht, ist der Nobelpreis in Physik. (weiter)

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Der Countdown läuft

17. Juli 2008, 22:45

Nächste Woche ist es soweit, wir fliegen nach Moskau, um dort mit unseren russischen Kollegen von unserem Partnerinstitut die letzten Tests für die nächste Durchführung unseres Experiments PK-3 Plus auf der Internationalen Raumstation ISS zu machen. Es geht um komplexe Plasmen, wie die regulären Leser dieses Blogs schon wissen werden, was ein ionisiertes Gas mit zusätzlichen mikrometergroßen Kügelchen ist. Wir wollen z.B. Fluideffekte und sogenannte "elektrorheologische Fluide" untersuchen.

In den letzten Wochen haben wir bereits die genauen Prozeduren für die Experimente festgelegt. Das meiste wird automatisch ablaufen, wir benötigen nur manchmal Kosmonautenzeit, wenn ein Parameter solange verändert werden soll, bis ein bestimmter Effekt auftritt. Am spannensten finde ich natürlich den Teil, der zu meiner Doktorarbeit gehört, wie ich hier auch schon einmal geschrieben habe. Das Experiment muss auch mit Hilfe eines Kosmonauten durchgeführt werden. Ich habe einige Bilder vorbereitet, die zeigen, wie das Plasma aussehen soll, das der Kosmonaut einstellen soll. Diese Bilder werden direkt zur Raumstation gefaxt, gemeinsam mit unseren Anleitungen.

Außerdem können wir - wenn alles klappt - direkt im russischen Kontrollzentrum dabei sein,während das Experiment durchgeführt wird, und auch live die Bilder vom Experiment sehen und Anleitungen geben. Bitte alle die Daumen drücken, dass alles so funktioniert, wie wir es uns vorstellen! 

Wir fliegen am Montag nächste Woche, die Experimente werden Anfang der Woche darauf durchgeführt. Wir müssen so früh nach Russland fliegen, um vorher noch einmal alles mit dem Testaufbau auszuprobieren, der mit dem auf der ISS identisch ist. Gegebenenfalls müssen wir dann auch noch einiges anzupassen. Von der Stadt werden wir vermutlich nur am Wochenende etwas sehen, unser Hotel ist in der Nähe des Kontrollzentrums und damit völlig außerhalb Moskaus. Aber das ist nicht wichtig, es wird auch so spannend genug. Ich werde versuchen, hier weiter zu berichten.



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Mein Experiment auf der ISS

24. Juni 2008, 23:05

Meine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut hat das Glück, gemeinsam mit einer russischen Gruppe von der Akademie der Wissenschaften ein Experiment auf der Internationalen Raumstation betreiben zu können. Dieses Experiment namens PK-3 Plus ist normalerweise auf der ISS verstaut, wird aber in regelmäßigen Abständen hervorgeholt und durchgeführt. Dafür fliegen dann immer Wissenschaftler von Deutschland nach Moskau, bereiten dort gemeinsam mit unseren Kollegen alles vor, testen die durchzuführenden Experimente noch einmal auf dem Boden, laden die Anleitungen zur ISS hoch und sind auch während der Experimente im Kontrollzentrum anwesend.

Jetzt ist es bald wieder soweit - die neunte Mission steht bevor, Ende Juli. Ich habe jetzt das noch viel größere Glück, dass ein Experiment zu meiner Doktorarbeit durchgeführt werden soll. Absolut genial, diese Möglichkeit. Ich habe also bisher alles Parameter rausgesucht, in verschiedenen Vorbereitungsmeetings gesessen... Außerdem habe ich Bilder erstellt, die dem Kosmonauten zeigen sollen, worauf er bei der Veränderung der Parameter achten soll, was ein wenig Murkserei war, da meine Bilder immer nur einen Ausschnitt des gesamten Systems zeigen, der Kosmonaut auf der Raumstation aber nur die Übersichtskamera zur Verfügung hat. Nun sollte das Bild, das wir den Kosmonauten schicken, aber möglichst wiedererkennbar sein, also habe ich meine Ausschnitte so zusammengesetzt, dass ein ganzes Bild entsteht. 

Allein schon die Möglichkeit, ein Experiment auf der Raumstation nach meinen Vorstellungen durchführen lassen zu können, ist absolut fantastisch. Nun darf ich aber - falls ich das Visum für Russland rechtzeitig bekomme - sogar mit nach Moskau fahren. Ich bin unheimlich gespannt. :)



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Von den Freuden der Experimentalphysik...

27. April 2008, 14:59

Ich konnte letzte Woche endlich wieder ins Labor, nachdem der andere Doktorand, der den Aufbau verwendet, jetzt eine kleine Experimentierpause macht.

Mein letztes Projekt war es gewesen, die Temperaturverteilung auf der Elektrode zu messen, die wir heizen, um zu sehen, ob sich diese gleichmäßig erwärmt oder nicht. Das hatte sich viel länger hingezogen als gedacht, denn es war verblüffend schwierig, die Platin-Sensoren so auf der Elektrode anzubringen, dass sie einerseits wieder gut abgehen (ich will die Elektrode ja weiterverwenden), andererseits aber mit einer vernünftigen Genauigkeit funktionieren. Das war wirklich Fummelarbeit, wer schon einmal mit Wärmeleitpaste gearbeitet hat, weiß vermutlich, was für ein Schmierkram das ist.

Na ja, und jetzt wollte ich also endlich wieder richtig Experimente mit unseren Komplexen Plasmen machen, nicht nur irgendwelche Temperaturen messen. Vor allem habe ich mich darauf gefreut, unser neues Datenerfassungssystem verwenden zu können. Wir verwenden für unsere Filmaufnahmen im Labor eine Hochgeschwindigkeitskamera, die bis zu 1000 Bilder pro Sekunde bei einer Auflösung von 1 MByte aufnehmen kann.

Das produziert natürlich eine riesige Datenmenge, die erst einmal irgendwie weggespeichert werden muss. Dafür haben wir ein System mit mehreren Festplatten gekauft, auf die gleichzeitig geschrieben wird. So können wir unsere 1 GByte pro Sekunde Daten für über eine halbe Stunde aufnehmen. Ein wirklich super System!

Was leider nicht so super ist, ist die mitgelieferte Software, die hat nämlich jede Menge Bugs. Der andere Doktorand im Labor hat schon viel Zeit in die Bug-Suche gesteckt, und die Firma, die uns das System verkauft hat, hat dann wenigstens immer sehr freundlich und hilfbereit versucht, die Fehler zu entfernen. Ein Problem ist, dass sie kein solches System bei sich selbst zu Testzwecken stehen hat, das wäre wohl zu teuer.

Ich habe also letzte Woche dann begeistert Daten aufgenommen, die Bilder von den vielen Festplatten als Einzelbilder auf unseren Server exportiert, das Programm geschlossen... und als ich es das nächste Mal versuchte zu starten, funktionierte nichts mehr. Es stellte sich heraus, dass irgendwie die Datei kaputt gegangen war, die die Dateistruktur speichert. Unsere Daten waren also auf dem System noch vorhanden, aber wir kamen nicht heran.

Bei mir war das nicht so schlimm, ich hatte ja den interessanten Teil schon exportiert, aber von meinem Kollegen waren noch Daten auf dem System, die er für seine Doktorarbeit verwenden wollte... Wir haben also - immer mit Hilfe der Firma - versucht, wieder an die Bilder zu kommen, bisher nur teilweise erfolgreich. Ich hoffe, dass die Firma das noch hinbekommt, kann ja nicht sein, dass wir nicht mehr an die gespeicherten Daten kommen, weil die Software nicht fehlerfrei ist. 

Nächste Woche wird weiter an dem Problem gearbeitet... Ich hoffe, dass ich dann auch noch dazu komme, mal wieder _richtige_ Experimente zu machen, und das nicht an solchen Problemen scheitert.



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