wissenslogs Wild Dueck Blog

Dr. med. Simpel ohne jede Praxis

06. Oktober 2008, 14:15

In den USA gibt es schon die Minuteclinic. Wir gehen demnächst zum Doktor im Tengelmann. Der hat im Wesentlichen nur den Rezeptblock dabei und nimmt Bargeld. "You’re sick. We’re quick." Es gibt gerade ein Sonderangebot – Zeckenbilligimpfung. Es sticht mich, das für diesen Preis machen zu lassen. (weiter)

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Was ist noch neu?

24. September 2008, 11:16

Sie haben eine neue Idee, eine Erfindung oder den genialen wissenschaftlichen Einfall? Dann googlen Sie erst einmal, ob es das schon gibt. Meistens irgendwie schon, aber nicht genauso. Es bleibt das schale Gefühl, nichts ist richtig neu. Die Leute lügen ja auch und behaupten, was sie irgendwann zu wissen glauben. Wer blickt da noch durch? (weiter)

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Konstruktion von Prozessleichen und das Fehlen von Blut und Atem

02. September 2008, 23:00

Die so genannten Prozesse, Reorganisationen und Rahmenrichtlinien werden wie im Frankensteinschen Labor konstruiert. Die Manager und Politiker konstruieren eine schöne Leiche und stellen sie dann unter die Mitarbeiter oder mitten ins Volk. Das soll dem Monster den Atem einhauchen. 

Wenn wieder einmal ein Prozess von allen Mitarbeitern oder ein Gesetz vom Volk ignoriert wird, dann laufen die Wahlkämpfer und Beschwörer durch alle Meetings und Versammlungen und appellieren: „Diese neuen Bestimmungen lösen die alten ab. Damit sind wir wieder bestens aufgestellt. Unsere Firma überlebt in einem schwierigen Markt. Die Weichen sind gestellt. Wir müssen nun mit aller Energie die neuen Prozesse auch mit Leben erfüllen. Geben Sie Ihr Herzblut, meine Damen und Herren, dann ist uns der Erfolg gegen die anderen nicht zu nehmen.“ 

Neue und bessere Prozesse werden geplant. Der Unternehmensstab denkt sich Abläufe aus und konstruiert in langen Meetings die Wirklichkeit in Form von so genannten Powerpoints. Diese Wirklichkeit wird von allen Anwesenden noch einmal umgewünscht. Es entsteht ein System, mit dem alle leben können, weil sie es mit ihren eigenen Bereichsforderungen vollkommen überladen haben. Die Prozesse und Vorschriften sind wie Blutadern und Därme, wie Nervenbahnen und Eileiter. Alles wird sorgsam verbunden. Eine wunderschöne monströse Leiche mit ganz verwickelten Leitungen entsteht. Sie hat vier Beine, sechs Arme, drei Flügel und soll Eier legen und Wolle liefern. Alles wird hineingezimmert, bis die Leichenteile zusammengenäht sind. Die Nähte platzen erfahrungsgemäß sehr oft, es sind die später beklagten Abteilungsgräben oder Ressortbrüche. Die werden überschminkt und poliert. Am Ende ist die Leiche vollkommen glatt („seamless organization“ oder „nahtlose Organisation“) und hat eine einheitliche Farbe. 

Leider lebt sie noch nicht. Die alte Organisation war auch einmal eine Leiche, sie wurde künstlich belebt und siechte, weil die Kräfte fehlten und das Herzblut sowieso, außerdem die Mitarbeiterenergie und das Geld. Nun soll das Nahtote durch eine frisch gezimmerte Leiche ersetzt werden, die alles liefern wird, was von ihr gewünscht wird – wenn sie denn je zum Leben erwacht.

„Meine Damen und Herren, lassen wir das Alte sterben. Lassen Sie uns das Neue zum Leben erwecken. Wir wollen unsere Geschäftsprozesse leben. Das verlangt viel Hingabe und etliche Überstunden. Wir fordern Sie auf, dem Alten zu entsagen, es hat ausgedient. Hängen Sie nicht Ihr Herz daran! Wir gehen in eine neue Zeit. Geld für den Übergang haben wir nicht. Blutinfusionen wollen wir uns nicht leisten. Wir rufen Sie deshalb auf, diesem wundervoll verwickelten Körper Atem einzuhauchen. Seien Sie gleichzeitig schnell und auch vorsichtig. Vieles ist in der gebotenen Eile mit der heißen Nadel gestrickt und wird zu Blutverlust führen. Das Managementteam unterstützt Sie mit Quick Fixes. Wir müssen noch lernen. Wir haben wahrscheinlich zu viel des Guten gewollt und fürchten, dass diese Wunderleiche zu komplex geworden ist. Aber unsere Welt ist so komplex, weil wir in separaten Egoismen ersticken. Hoffentlich passiert es nicht beim Aufrichten der Leiche wie bei billigen Rasenwasserschläuchen – da kommt am Ende nichts raus, wenn auch nur eine Stelle umgeknickt ist.“ Manchmal fehlen auch einige Verbindungsschläuche in der Leiche, die zu inneren Stockungen führen. Politiker nennen es Gesetzeslücken und Unschärfen in der Formulierung. 

Dann hauchen alle ein bisschen ein, aber nicht mit voller Lunge und voller Bluttransfusion, denn sie verlassen sich lieber noch einige Zeit auf das alte Monster, das eigentlich sterben soll. Da lebt die frische rosa geschminkte Prozessleiche nicht wirklich auf, sie erhebt sich ein bisschen wie aufgepumpt und funktioniert nicht richtig.

Aber keine Sorge, Management heißt „keep things done“. Die Führung oder die Ministerialbürokratie sorgt jetzt für das Leben, indem sie den Blutdruck und die Lungenwerte alle paar Minuten misst und bei zu schwachen Messungen den Mitarbeitern und dem Volk Vorwürfe macht. „Hauchet ein! Spendet Blut! Die Leiche ist sehr komplex, sie wird nicht so einfach funktionieren. Wir werden lernen und an ihr herumbasteln. Wir werden die Schläuche gerade richten und viel mehr neue Schläuche ankleben, damit nichts abfließen kann.“

Dann erhebt sich die Leiche ein bisschen und überlebt dank dauernder Infusionen so siech wie das ganz Alte, was im Keller immer noch nicht ganz tot ist, weil man manche Funktionen des alten Patienten mit der neuen Leiche zusammenschloss – als Ersatzorgane.

Sie gehen alle um die schwach lebende Fastleiche, den neuen Geschäftsprozess oder die revolutionäre Gesetzesreform herum und feiern sie frenetisch, um allen zu zeigen, das die neue Zeit wirklich und wahrhaftig angebrochen ist. „Es ist kein Fake wie all die Jahre davor! Es ist real!“ 

„Wir sind noch nicht am Ziel, wir müssen lernen und dran arbeiten. Wir stehen am Beginn einer neuen Epoche.“ Die alten Mitarbeiter haben die Leichen schon viele Male konstruiert und faulen sehen. Kaum eine erwachte je richtig zum Leben. Sie mahnen, einfachere Leichen zu konstruieren. Aber es gibt so viele Interessen und Bereiche, dass es unmöglich ist, einfache Wesen zu planen. In der Mitte des Jahres oder der Wahlperiode kümmern sie sich alle um den nächsten Job oder die Wiederwahl. Sie lassen die gegenwärtige Fastleiche mit den alten Kellerorganen des dort Röchelnden, wie sie ist. „Die Mitarbeiter leben die Prozesse nicht. Das Volk kommt mit den radikalen Reförmchen nicht klar.“

 

Da fassen sie den Beschluss, eine ganz neue Leiche zu konstruieren, diesmal eine ganz fortschrittliche. Sie soll einfach sein, gleich funktionieren und zusätzlich tauchen können. Kiemen mit Blondhaar! Zwei Lungensysteme! Ein Berater hat so etwas in den USA gesehen, wo Firmen beobachtet werden, deren Geschäftsjahr am 1. Juli des Jahres endet. Die haben Vorsprung! „Warum sollen wir uns mit einer alten Fastleiche ärgern. Wir machen es so: Wir konstruieren eine ganz radikal neue, aber gleich eine bessere. Und damit nicht dieselben Fehler wie bei der gegenwärtigen gemacht werden, wechseln wir die gesamte Führungsmannschaft / das Kabinett aus. Die Neuen und wilden Jungen haben noch keine Leichen im Keller und gehen an diese noch nie gut gelöste Aufgabe mit ihrem frischen, völlig unbelasteten Hirn heran, das noch durch keinerlei Lebenserfahrung korrumpiert ist.  

Ach ja. Und Sie, liebe Leser, deren Blut ich in Wallung bringe, fragen mich immer banger: Wie aber sollen wir es tun? Antwort: Konstruieren Sie denn zuhause Leichen? Sie bekommen doch Babys und ziehen die mit aller Geduld heran. Diese strotzen bald vor Kraft, wachsen mal in die Länge und in die Breite, entwickeln sich von einem Prototypen zu einem ausgewachsenen Glück. Und? Warum nicht so? Weil Sie zuhause Zeit und Geduld aufbringen. Die aber gibt es in Politik und Wirtschaft fast nicht mehr. Es fehlen das Herzblut und der lange Atem. Und die Führenden päppeln nicht ihre Babys auf und herzen sie („google google du!“, „yahoo, du kleine Amazone“). Sie wollen nicht heranziehen, nicht das Kleine anlächeln. Nein, Frankenstein ist der Protagonist fast aller Gedanken.



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Mist, nur Silber!

24. August 2008, 21:37

Siegen wollen! Nicht siegen müssen! Nach den Sternen greifen, nicht Karriere machen! Den Oscar gewinnen, nicht Nominierungen anstreben! Verrückt geworden – warum denn gleich so hoch hinaus? Wer ganz oben sein will, muss etwas erschaffen. Für Silber reicht nachmachen. Deshalb sage ich: Gold so unendlich viel schöner anzustreben als Silber, selbst wenn Sie nie eine Medaille erreichen. Auf Goldkurs sein ist das Schöne an sich.

Wer etwas nach Träumen erschafft, ist glücklich dabei und gewinnt manchmal alles, mal auch wie van Gogh nichts. Das ist wunderschön, aber „high risk“. Die anderen orientieren sich nach einem vorausgeeilten Genie, das neue Regel aus der Natur oder von Gott empfängt, wie man seit Immanuel Kant spekuliert. Die anderen ahmen nach. Sie betreiben „in fake of excellence“ oder „benchmarking“ oder „quick adaption“. (weiter)

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Die deutsche Zerrissenheit, der deutsche Doppelbrave und ein Sturm auf die klassische Erziehung

13. August 2008, 13:57

Eine zu frühe Erziehung zur Pflicht zerreißt den Menschen später – so behaupte ich. Wir prägen das Kind, bevor es verstehen kann. Dann geben wir ihm dasselbe noch einmal zu verstehen. Folglich ist es jetzt doppelt erzogen mit denselben Werten. Wehe aber, wenn sich das zu Verstehende später ändert – dann ist das Geprägte noch da und rebelliert. Wenn es stimmt, was ich vermute, vermurksen wir gerade die braven Kinder bei der Erziehung ganz schön. Gerade die, die nicht erzogen werden müssten. Die braven Deutschen, die dann zerrissen sind, gehemmt und ängstlich. (weiter)

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Kunde und Überkunde

16. Juli 2008, 17:25

Wissen Sie, was ein Übermensch ist? Nietzsche hat ihn bejubelt. Shaw aber zeigt in seiner Komödie Mensch und Übermensch (Man and Superman) völlig realistisch auf, dass eigentlich die Frau den Mann indirekt beherrscht. Mann und Übermann – die Frau übermannt. Darüber lachen wir alle herzlich, weil es ja nicht in jedem Einzelfall stimmt. Derweil inszenieren die Unternehmen eine analoge Tragikomödie mit dem Titel Der Kunde ist König. Es wird dabei verschwiegen oder übersehen, dass es den Überkunden gibt. Diesem gehüteten Geheimnis gehen wir jetzt auf den Grund. (weiter)

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Die Banken verbaseln alles!

22. Juni 2008, 14:38

Die so genannten Basel II Regeln verlangen von Banken, dass sie die Risiken vermeiden und managen. Tatsächlich aber werden die Risiken erhöht. Das sehen wir ja jetzt. Die Banken haben das Geld nicht sorgsam gehütet, sondern verbaselt. Wie geht das? Ich versuche, Ihnen eine Idee von Risikomanagement zu geben.

Wenn man einen Kredit vergibt, kann es sein, dass der nicht zurückgezahlt wird. Das ist das Risiko der Bank. Sie muss für diesen Fall gewappnet sein. Deshalb wäre es klug, wenn sie Geld zurücklegen würde, so viel, wie es dem eingegangenen Risiko entspräche. Sie deckt dann etwaige Verluste mit ihrem Eigenkapital ab. (weiter)

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Das Schweigen ist Schrei!

03. Juni 2008, 15:29

„Cum tacent clamant.“ Übersetzt: Ihr Schweigen ist wie Schreien, wie eine Anklage. Dieser berühmte Satz ist von Cicero. Es gibt heute eine Menge Schweigen. Das ist mehr wie Verzweiflung, aus Angst nicht anders als schweigen zu können. Oder das, wovon die Rede ist, liegt so fern, dass nur noch geschwiegen werden kann. Die aber reden, wissen das lieber nicht.

Wenn die Nachricht zu schrecklich ist, fürchten wir, als Bote gelyncht zu werden. Dann ist Schweigen für uns wie Gold. Wenn wir etwas befehlen wollen, was für andere schwer zu schlucken ist, sind wir mit dem Schlucken der Kröten ganz zufrieden. Die Gewalt, die wir übten, traf auf keine Gegengewalt. Immerhin. (weiter)

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Menschenbewertungen, das Perfekte Dinner und das Subjekt Inferior

25. Mai 2008, 13:59

Im Fernsehen gibt es jetzt Kochsendungen – auf allen Kanälen. Damit sich normale Deutsche überhaupt so etwas ansehen mögen, muss nach jedem Menü immer festgestellt werden, wie gut gekocht wurde. Wir müssen ja beckmessern, wer am besten war, oder? Es gibt bis zu zehn Punkte! „Ich mag wegen Schneckenphobie nur Dosengemüse, deshalb Null Punkte für den ekelhaft frischen Salat.“ Was wird da eigentlich bewertet? (weiter)

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ViaGrata - die Ethikpille

27. April 2008, 12:42

Jetzt kursieren Berichte um Bemühungen, unser Hirn zu verbessern. Die neue Bewegung heißt Neuro-Enhancement oder Cognitive Enhancement. Viele nehmen schon Constant-Focus-Pills, damit sie immer dasselbe gut können, ohne abgelenkt zu werden. Noch Viagra dazu und das Galeerensklaven-Diplom ist ein Klacks? (weiter)

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szmtag