Wald statt Öl: Erfolg in Ecuador
Alle Welt spricht momentan von der "gewaltigsten Ölpest aller Zeiten" am Golf von Mexiko. Ob sie tatsächlich dauerhaft gravierend die Umwelt belasten wird, zeigt die Zukunft. An anderer Stelle hat die Ölindustrie dagegen eine viel katastrophalere Wirkung entfaltet - ohne dass die breite Öffentlichkeit davon überhaupt Kenntnis genommen hat. In den Regenwäldern Ecuadors hat "Big Oil" im Laufe der letzten Jahrzehnte jedenfalls tiefe Spuren hinterlassen: Artenreiche Ökosysteme wurden zerstört, vergiftet und für die nachfolgende Erschließung durch Siedler geöffnet. Zwei Indianervölker - die Tetete und die Sansahuari - wurden durch die Exploration sogar von ihrem Land vertrieben und schließlich ausgelöscht: Heute tragen nur noch zwei Ölfelder ihren Namen.
Dieses Schicksal drohte nun auch dem Yasuní-Nationalpark und den auf diesem Land lebenden, zum Teil unkontaktierten, Huaorani-Indianern und anderen Stämmen. Ausgerechnet unter einem der diversesten Regenwäldern der Erde sammelte sich eine der größten Ölreserven Ecuadors an - ein Stoff der Begehrlichkeiten weckte. Weite Teile des ecuadorianischen Amazonasbeckens wurden in Konzessionen aufgeteilt, darunter auch die Blöcke 31 und TTT, die sich großflächig mit dem Yasuní decken. Im Gegensatz zur ersten Welle der Ölförderung im Regenwald drangen Umweltschützer und Menschenrechtsorganisationen dieses Mal deutlicher in der Öffentlichkeit durch: Weltweit und in Ecuador selbst entzündeten sich Proteste an dem geplanten Frevel.
Der nationale und internationale Aufschreibrachte die verantwortlichen Politiker in Quito zumindest zum Nachdenken und Präsident Rafael Correa zu einem womöglich wegweisenden Plan: Er forderte die Weltgemeinschaft dazu auf, seine arme Nation zu entschädigen, wenn diese im Gegenzug den Yasuní nicht antastet und das Öl im Boden belässt. Der Kostenpunkt: 3,6 Milliarden Dollar verteilt über die nächsten zehn Jahre - die Hälfte der zu erwartenden Einnahmen. Das Geld soll in soziale und ökologische Projekte fließe.
Nur zögerlich reagierte die Weltgemeinschaft auf dieses Vorhaben, denn zu vage waren die Versprechungen Correas, das Öl tatsächlich nicht anzutasten. Deshalb sagten auch nur wenige Regierungen Geldzahlungen zu - darunter Deutschland, Norwegen und Spanien. Lange stand der Rettungsplan für den Regenwald und seine Bewohner immer wieder auf der Kippe und drohte Ecuador mit der Erschließung des Welterbes der Menschheit zu beginnen - letztmals Anfang des Jahres, woraufhin der Außernminister des Landes und die Verhandlungskomission zurücktraten.
Doch nun sieht es so aus, als könnte das Projekt doch noch zum Erfolg geführt werden: Ecuador und das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen haben sich auf einen Treuhandfonds geeinigt, der die Kompensationszahlungen der Weltgemeinschaft verwaltet und dem südamerikanischen Staat zur Verfügung stellt. Immerhin die Hälfte des verlangten Geldes steht angeblich schon zur Verfügung, darunter ein beträchtlicher Teil aus Deutschland, das im Laufe der Zeit rund 800 Millionen Dollar zur Verfügung stellen möchte. Gerettet würde damit ein einzigartiger Hort der Vielfalt: Auf nur einem Hektar Fläche können hier mehr als 220 Baumarten wachsen – mehr als in Kanada und den USA zusammen –, und leben nach vorsichtigen Schätzungen 100.000 Insektenarten. Insgesamt beherbergt die Region 4000 Pflanzen-, 180 Säugetier-, 200 Reptilien- sowie Amphibien- und 570 Vogelspezies auf einem Areal, das nur 0,1 Prozent des gesamtem Amazonasraums einnimmt.
Für den südamerikanischen Regenwald bedeutet das aber nur einen kurzen Hoffnungsschimmer: Statt im Yasuní treibt Ecuador nun die Ölförderung im Südosten des Landes voran. Und im Nachbarland Peru wurden 70 Prozent des Amazonasbeckens in Förderkonzessionen aufgeteilt und - gegen den erbitterten Widerstand der indigenen Bevölkerung - zum Teil schon mit der Erschließung begonnen.
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