04. September 2009, 21:26
Transparenz ist bei Lebensmitteln momentan schwer angesagt. Der Kunde
soll wissen, was er kauft. Neben der möglichen Zurückverfolgung von
Fleisch, Käse und anderer Nahrung haben auch Symbole Konkunktur, die
den Kunden auf etwas bestimmtes hinweisen sollen. Spontan fällt mir ein
grünes Zeichen ein, das vor einigen Wochen durch die Medien geisterte.
Mit diesem Etikett sollten solche Produkte gekennzeichnet werden, die
ohne Gentechnik produziert wurden und auch nichts davon enthalten. Auch
in Kommentaren unter Blogartikeln taucht immer wieder der Wunsch einer
besseren Information auf. Dabei sind Etiketten an sich erstmal nichts
Schlechtes, sie aber als Informationsquelle anzusehen und zu nutzen,
das finde ich einigermaßen problematisch - auch im Hinblick auf
Gentechnik. Warum das so ist, das werde ich im folgenden Artikel kurz
beschreiben.
Chymosin
ist der Hauptwirkstoff des Labferments, einer Substanz, die man in den
Mägen noch säugender Kälber findet. Das Chymosin ermöglicht den Kälbern
die Verwertung der Milch. Allerdings profitieren nicht nur die Kälber
davon, sondern auch wir, die Menschen, wenn wir Käse essen. Das Enzym
ist nämlich für die Spaltung des Caseins zuständig, was zu einer
Verdickung der Milch führt, in dem das Casein verklumpt und sich von
der wässrigen Molke trennt. Danach beginnt der Reifeprozess der
werdenden Käses.
Die Gentechnik-Variante der Chymosin-Gewinnung
sieht jetzt so aus, dass lediglich das Gen für Chymosin - und nicht der
ganze Magen eines Kalbes - benötigt wird. Dieses wird dann auf
Produktionsorganismen wie Hefen oder Schimmelpilze übertragen, die sich
dann - schön kultiviert - fleißig an die Arbeit machen, was soviel
heißt wie: sie vermehren sich.
Das, was ich hier kurz erklärt habe, passt aber auf kein
Etikett, Symbol oder Was-auch-immer. Das bedeutet, dass die Menschen im
Supermarkt weiterhin fröhlich Käse kaufen und essen, obwohl sie
Gentechnik vielleicht sogar ablehnen würden. Ob sich die Ablehnung nun
auf Gentechnik in der Nahrung oder auf Produktionsschritte bezieht,
lasse ich jetzt mal außen vor. Sicherlich gäbe es aber allerhand
Konfusion unter Verbrauchern, würde der eine oder andere Käse plötzlich
mit einem Etikett versehen, das ihn kurz und knapp als "gentechnisch"
ausweisen würde, auch wenn er nichts dergleichen enthielte.
Momentan ist eine derartige Kennzeichnung auch nicht vorgeschrieben - zum Glück.
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Wissenschaft
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