23. August 2009, 17:53
Nachdenkliches über das Zusammenleben von Mensch und Hund
Steht man vor einem Bücherregal, wird man nahezu erschlagen von
Ratgebern, deren Autoren mir erzählen wollen, wie ich einen Hund zu
halten habe. Tatsächlich gibt es da einige Grundregeln, die man
beachten sollte und das auch völlig unabhängig davon, ob man nun einen
Mops oder einen Rottweiler sein Eigen nennt. Dazu gehören zum Beispiel
klare Ansagen. Einen rhetorisch brillianten Satz, möglichst mit
mehreren Nebensätzen, versteht kein Hund. Auch die Rangordnung sollte
einigermaßen geklärt sein. Wenn der Hund auf dem Sofa sitzt, während
dem Menschen der Teppich bleibt, ist irgendetwas arg schief gelaufen.
Dass man in der Erziehung oder während der menschlich-tierischen
Kommunikation schon mal Fehler macht - gerade wenn man seinen "ersten"
Hund hat - das ist völlig verständlich. Man sollte das dann aber auch
bemerken und entsprechende Hilfe nutzen, damit der Kumpel nicht zum
Albtraum mutiert. Was mich immer wieder massiv erschüttert, sind die
Hinweise im Radio, dass mal wieder irgendwo ein Hund an der Autobahn
ausgesetzt wurde. Und das meist nur, weil Hund und der jährliche
Sommerurlaub gerade irgendwie nicht zusammenpassten. Was muss in
Menschen vorgehen, die einfach mal ihren Hund entsorgen, nur um mal
zwei Wochen Urlaub zu machen? Noch "besser" sind die Menschen, die
ihren Hund im Sommer nur mal eben im Auto lassen und dieser dann
qualvoll verendet. Wie schnell sich ein Wagen aufheizt, das kann man
gut testen. Einfach das Auto mit Klimaanlage auf eine bestimmte
Temperatur kühlen, dann in der Sonne parken und abstellen. Der Wagen
ist schon heiß, da sucht der eine oder andere noch seine Stoppuhr...
Aber
nicht nur das lässt mich immer wieder den Kopf schütteln. Werden die
einen einfach weggeworfen, müssen andere Glitzerhalsbänder und andere
Lifestyle-Kram über sich ergehen lassen. Offensichtlich ist da etwas
verloren gegangen: der Blick, dass es sich bei einem Hund um ein
Lebewesen handelt, das schon seit Jahrtausenden den Menschen begleitet
und dabei domestiziert wurde. So haben sich mit der Zeit Hunde
entwickelt, die eine Aufgabe hatten. Ihnen lagen und liegen auch jetzt
noch bestimmte Aufgaben schlicht im Blut. So gibt es Hütehunde,
Jagdhunde, Schutzhunde...
Schaut man sich mal in einem Tierheim
um und achtet dabei auf die Abgabegründe, dann stellt man schnell fest,
dass viele Leute diesen Faktor einfach unterschätzt haben.
"Übertriebener Schutz- und Jagdtrieb" finden sich immer wieder. Hunde
brauchen nun mal eine Aufgabe. Entweder die, für die sie ehemals
gezüchtet wurden oder etwas ähnliches. 23 Stunden schlafen ist dagegen
keine wirkliche Alternative.
Ein Hund will aber nicht nur
beschäftigt werden, sondern er muss auch mal ausruhen. Und das kann er
am besten bei seiner Familie, denn Hunde sind Rudeltiere.
Offensichtlich
gibt es hier ein Verteilungsproblem, denn angesichts überbordender
Ratgeber-Regale zur Hundehaltung und Tiersendungen kann man nich gerade
von mangelnder Bereitschaft bei der Wissensteilung sprechen. Irgendwie
muss derartiges Wissen aber auch dahin, wo es gebraucht wird und nicht
dorthin, wo die Leute ohnehin schon vieles wissen oder auch bereit
sind, sich mit dem Thema "Hund" zu beschäftigen - ein Problem, das
schon in der "Guten Stube" (hier bei den Wissenslogs) aufgetaucht ist.
Vielleicht ergibt sich ja der eine oder andere Lösungsansatz...
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