26. März 2010, 00:36
oder: Über die menschliche Neigung zu einfachen Lösungen
Volker Pispers sagte mal: Wenn man weiß, wer der Feind ist, dann hat der Tag
Struktur. Ich glaube, er nutzte dabei den Feminismus als Beispiel, aber
das tut jetzt nichts weiter zur Sache. Wenn ich Berichte in den Medien
verfolge, gewinne ich immer wieder den Eindruck, dass wir Menschen gar
keine richtigen - im Sinne von ausgereiften - Lösungen wollen. Wir
erfahren etwas über einen Skandal und wollen direkt den Schuldigen
ausmachen. Sollte irgendwie ein Konzern involviert sein, ist es
natürlich eben dieser. Alles andere ist so gut wie ausgeschlossen. Schön
ist auch das viel gelesene Argument, dass uns in Supermärkten bestimmte
Produkte psychologisch so präsentiert werden, dass wir gar nicht anders
können als diese zu kaufen. Und deshalb sind die Märkte schuld. Häh?
Natürlich ist es so, dass mir im September schon die ersten
Schoko-Weihnachtsmänner entgegengrinsen. Aber muss ich deshalb einen
kaufen? Schießen die mich vielleicht über den Haufen, wenn ich sie
ignoriere? Mag sein, dass es da Versuche gibt, die Kunden irgendwie
psychologisch zu beeinflussen durch Anordnung oder Präsentation, aber am
Ende entscheide immer noch ich, was
ich kaufe und
nicht
der Supermarkt. Und wenn ich im September Gummibärchen will, dann kaufe
ich Gummibärchen - das gilt übrigens auch für Dezember - und keinen
Schoko-Nikolaus, auch wenn die Kerle nur einen Meter daneben stehen. Und
wenn ich im April einen haben möchte, hab ich eben Pech gehabt...So,
das musste mal raus.
(weiter)
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