17. Juli 2009, 17:52
"Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben."
Das ist ein Zitat von André Gide, einem französischen Schriftsteller und Nobelpreisträger. Ein sehr schönes Zitat, wie ich finde. Als mir vor einigen Tagen, die Idee kam, dass ich mal einen Artikel zur Beziehung zwischen dem Menschen und der Natur verfassen könnte, stieß ich (wurde aber auch gestoßen) immer wieder auf geistige Ergüsse von Menschen, die der Meinung waren, dass sie ganz genau wüssten, wie die perfekte Zukunft für unser aller Wohl auszusehen habe. Die Meinung, dass wir zurück zur Natur müssten, erfreut sich dabei anscheinend recht großer Beliebtheit. Definitiv nicht dazu gehören - ihrer Meinung nach - Gentechnik und Pestizide. Interessanterweise brauch man gar nicht groß zu philosophieren, um sich eine Welt ohne dieses Teufelszeug vorzustellen. Es gab sie schon. Und besonders toll war das damals nicht. Ernteausfälle durch Schädlinge waren keine Seltenheit. Auch Schimmelpilze konnten die Ernte noch im Nachhinein verderben. Überhaupt finde ich die Panik vor Pestiziden etwas übertrieben. Dazu gehören nämlich auch Fungizide, die die Entwicklung von Schimmel verhindern. Schließlich sind Schimmelpilz-Toxine kein Konstrukt verrückter Wissenschafler, die die Weltherrschaft anstreben, sondern schlicht ein Naturprodukt. Gentechnik wird gerne als Eingriff in die Natur angesehen. Allerdings haben die Menschen das schon immer getan. Oder kann mir hier jemand den evolutionären Vorteil von speziellen Fleisch- und Milchrindern in der Natur erklären? Bei Pflanzen sieht es nicht anders aus. Auch sie wurden für menschliche Belange optimiert. So ziemlich jeder kennt Gregor Mendel, der mit Erbsen experimentiert hat und damit grundlegende Regeln der Vererbung entdeckte.
Wir haben es also geschafft, Pflanzen und Tiere zu domestizieren und moderne Techniken ermöglichen es uns, die Ernteausfälle zu minimieren und somit die Erträge auf den Ackerflächen zu maximieren.
Im Fernsehen kann man sich immer wieder Berichte über noch "unberührte Natur" oder Naturschutz-Gebiete anschauen. Wenn man sich jetzt bewusst macht, dass 1950 gerade mal 2,5 Milliarden Menschen auf dieser Erde lebten, während heute schon 6,7 Milliarden ernährt werden wollen, erscheint die Sehnsucht nach landwirtschaftlichen Techniken aus der Vergangenheit schon etwas paradox, oder?
Ein weiteres Problem ist die Kommunikation. Wann tritt die menschliche Ernährung in den Medien in Erscheinung? Richtig, wenn wir mal wieder alle verfetten, an Diabetes zu erkranken drohen oder irgendein Chaot meint, er müsse Fleisch von letztem Jahr noch verkaufen. Das kann einfach nicht klappen. Da ist es schon fast wieder verständlich, wenn sich Leute die "gute alte Zeit" herbeisehnen. Negative Nachrichten und Berichte prägen sich eben stärker ein als die vielen Vorteile, die die heutige Nahrungsmittelproduktion gegenüber früher hat. Viele haben auch Angst vor Neuem, weil sie es nicht mehr verstehen.
Wenn wir die Natur lieben und sie nicht nur als Lieferanten lebenswichtiger Dinge erleben wollen - sei es bei einem Waldspaziergang, dem obligatorischen Baden im Meer oder Spaß am Essen - dann brauchen wir einfach ein neues Bewusstsein - auch den Tieren gegenüber. Wenn ich in einem Zoo bin und sehe, wie Menschen mit Bratwurst in der Linken ein Schwein streicheln, dann finde ich das - diplomatisch formuliert - problematisch. Wir sollten uns auch bewusst werden, dass wir die Natur brauchen, aber sie auch ganz gut ohne uns klar kommt, auch wenn ich das Bild des bösen Menschen in der guten Natur eher unsinnig finde. Wir sollten die Natur also nicht zu sehr mit unserer Anwesenheit beschäftigen.
Ich weiß, einige Punkte hab ich noch weggelassen, dafür schreibe ich dann einen zweiten Artikel.
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