Wissenslogs Sprechstunde

Mit dem Antidepressivum gegen die Folgen des Schlaganfalls

von Susanne Plotz, 02. Februar 2010, 18:33

Der Schlaganfall ist ein häufiges Vorkommnis. Weltweit steht er an zweiter Stelle der Todesursachen und ist die dritthäufigste Ursache für Behinderungen und vorzeitige Invalidität in Europa. Im Jahre 2003 starben in Deutschland 75 114 Menschen an einem Schlaganfall.

Bei einem Schlaganfall werden bestimmte Bereiche des Gehirns nicht mehr (genug) durchblutet und es kommt in der Folge zu neurologischen Ausfällen der verschiedensten Art. Diese sind nicht immer rückgängig zu machen. Wichtig hierbei ist außerdem, dass der Schlaganfall so schnell wie möglich entdeckt - und dass die Therapie so früh wie möglich eingeleitet wird.

Es gibt bereits zahlreiche Medikamente auf dem Markt, die nach einem Schlaganfall die Durchblutung wieder herstellen sollen. Aber auch für die Funktionen des Gehirns haben Forscher im Rahmen einer Studie nun ein Medikament entdeckt, das eigentlich auf ganz anderem Gebiet zum Einsatz kommt: das Antidepressivum Escitalopram. Dies gehört zur Gruppe der so genannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (Serotonine-Reuptake-Inhibitor, SSRI). und führt dazu, dass mehr Serotonin im Gehirn zur Verfügung steht. Das Escitalopram führt bei Schlaganfallpatienten offenbar zu einer umfassenderen Wiedererlangung der kognitiven Funktionen als ein Placebo oder eine Therapie.

Zum Design: über einen Zeitraum von 12 Monaten wurden insgesamt 129 Patienten behandelt, die einen Schlaganfall erlitten hatten. Diese wurden in drei Gruppen unterteilt: die erste Gruppe bestand aus 45 Patienten und erhielt Escitalopram. In der zweiten Gruppe befanden sich 45 Patienten, die ein Placebo bekamen und die restlichen 41 Patienten wurden mit einer so genannten Problem Solving Therapy versorgt.

Die Ergebnisse: im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen schnitten die Patienten der Escitalopram Gruppe in den neuropsychologischen Tests besser ab. Ihre kognitiven Fähigkeiten, besonders die verbalen und visuellen Gedächtnisfunktionen waren denen der Vergleichsgruppen überlegen. Offenbar erhöht das Medikament nicht nur die Konzentration des Hormons Serotonin im Gehirn, sondern verändert auch die Gehirnstruktur der Hirnschlagpatienten.

Natürlich kann dies wieder nur ein erster (aber vielversprechender) Versuch sein, die Lage der Schlaganfallpatienten weiter zu verbessern. Denn ein Schlaganfall kann jeden treffen- zu jeder Zeit. Und wenn es dann wirksame Medikamente dagegen gibt, dann kann man zumindest die Folgen minimieren.

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Kommentare

  1. Katharina Hyperforin
    03.02.2010 | 19:50

    Es wär ganz spannend, zu untersuchen, ob mit Johanniskraut der gleiche Effekt zu erzielen ist - wirkt ja auch Serotonin-Wiederaufnahme-hemmend.
    Sein einziger Nachteil ist die Wechselwirkung mit einigen wenigen Medikamenten und die erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut. Als Antidepressivum ist es klasse, und dadurch steigert es vermutlich die kognitiven Leistungen wenigstens so gut wie Escitalopram.

    Gruß
    K.

  2. susanneplotz @Katharina
    04.02.2010 | 10:02

    Vielen Dank für diesen Kommentar. EIn interessanter Ansatz! Zumindest eine Studie gibt es bereits, deren Ergebnisse nahegelegen, dass Johanniskraut einen neuroprotektiven Effekt hat (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/...um&ordinalpos=2). Vielleicht kommen ja bald noch mehr Studien hinzu?

  3. Edgar Dahl @ Susanne: Frage
    04.02.2010 | 11:11

    Ist es vorstellbar, dass Antidepressiva möglicherweise sogar eine präventive Wirkung haben - dann bliebe denjenigen von uns, die bereits von der "Dame in schwarz" gequält werden, zumindest die Hoffnung, vom Schlaganfall verschont zu bleiben.

  4. susanneplotz @ Edgar
    04.02.2010 | 11:48

    Lieber Edgar,
    ich fürchte, hier muss ich Sie leider enttäuschen. Zunächst habe ich bei meiner Recherche keine entsprechenden Studien gefunden. Auch die American Heart Association erwähnt in ihren Leitlinien zur Vorbeugung gegen Schlaganfall die Antidepressiva nicht (http://stroke.ahajournals.org/...OKEAHA.107.189063).
    Stattdessen gibt es zwei andere Studien: die erste besagt, dass Menschen mit Depressionen ein erhöhtes Risiko haben, einen Schlaganfall zu erleiden (siehe http://www.ncbi.nlm.nih.gov/...um&ordinalpos=9). Von Medikamenten war hier allerdings nicht die Rede.
    Die zweite ist noch besorgniserregender: danach könnten die SSRI sogar das Risiko für einen (hämorrhagisch, also "blutigen") Schlaganfall erhöhen! (http://www.aerzteblatt.de/...chlaganfallrisiko.htm). Wichtig zu wissen ist allerdings, dass die Daten ausschließlich bei postmenopausalen Frauen erhoben wurden und der Studie der WHI (Womens Health Initiative) entstammen. Man kann diese also nicht unbedingt auf die allgemeine Bevölkerung übertragen.
    Aber das heißt nicht, dass nicht irgendwann nochmal Studien gemacht werden, die das Gegenteil beweisen. In der Medizin ist ja wie immer nichts unmöglich und Statik gibt es sowieso nicht..:-)

  5. Edgar Dahl @ - Susanne
    04.02.2010 | 12:11

    Da ich mich zuweilen wie eine postmenopausale Frau fühle, kann ich nur sagen: Life stinks! Oder, wie es auf meiner Kaffeetasse heißt: "Life is a bitch. And then you die."

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