05. Januar 2010, 11:48
Wir kennen es vor allem aus der Welt der Stars und Sternchen. Es gibt kaum einen Promi, der sich nicht mit Botox hätte behandeln lassen, ob er es nun zu gibt oder nicht. Und so ist diese Substanz in der Öffentlichkeit vor allem bekannt und auch ein wenig belächelt als Faltenglätter und Must Have für die wirklich Wichtigen.
Dass es aber auch noch ganz andere Wirkweisen hat, weiß kaum einer. So wird das Botulinum Toxin schon seit längerer Zeit als Therapie bei schweren, neurologischen Erkrankungen eingesetzt oder auch bei Bewegungsstörungen infolge von Hirnschäden. Bei bestimmten Fehlhaltungen ist es nach Angabe der aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) sogar Mittel der ersten Wahl.
Und nun könnte sich das Therapiespektrum des Nervengiftes noch um eine Indikation erweitern, nämlich: Migräne.
Die Ergebnisse zweier Studien mit 1400 europäischen und nordamerikanischen Teilnehmern belegen, dass die Injektion von Botox die Kopfschmerztage deutlich stärker verringerte, als es die Injektion mit einem Placebo tat.
Über einen Zeitraum von 24 Wochen wurden den Probanden das Botox in geringen Mengen in die Kopf- Gesichts- und Nackenmuskeln injiziert. Nach dieser Zeit hatten die Betroffenen neun schmerzfreie Tage mehr. Und wer je unter Migräne gelitten hat weiß, dass jeder Tag ohne Schmerzen ein Geschenk ist.
Die Migräne ist eine Volkskrankheit, etwa 10-12% der deutschen Bevölkerung leidet darunter, wobei Frauen doppelt so häufig betroffen sind, wie Männer. Warum genau es zur Migräne kommt, ist noch nicht abschließend geklärt. Für das Auslösen eines Anfalls scheint es bestimmte Triggerfaktoren zu geben, die je nach Person unterschiedlich sind. Dazu zählen der hormonelle Status, bestimmte Nahrungsmittel, Stress, Schlafstörungen oder auch Umwelteinflüsse (z.B. Kälte, Hitze).
Es gibt derzeit viele Migränemittel auf dem Markt und viele sind sicher gut wirksam und bringen den Betroffenen Linderung. Nach Angaben des Instituts für Kinderschmerztherapie leiden allerdings alleine in Deutschland rund 200.000 Kinder (und vermutlich noch viel mehr Erwachsene) an therapierefraktärer Migräne. Das heißt: ein Anfall kann mit den derzeitig vorhandenen Medikamenten nicht bekämpft werden.
Insofern bedeutet die aktuelle Studie mit dem Botulinumtoxin vielleicht einen Hoffnungsschimmer für all diejenigen, die den Migräneanfällen hilflos ausgeliefert sind. Denn was sind schon ein paar Falten gegen einen klaren und schmerzfreien Kopf?
Geschrieben in
Allgemein
.
Kommentare:
(9).
Trackbacks:
(0).
Permalink