"Sichere Siege" oder wie man großflächige Manipulationen im Fußball erkennen könnte
An dieser Stelle veröffentlichte Metin Tolan bis August 2009 seine
Beiträge zur Physik des Fußballs. Er schrieb über "Das Tor der Woche", den
"Meister der Herzen" und den "Ballack-Hammer. Seine Beiträge erscheinen im
Frühjahr 2010 mit dem Titel "So werden wir Weltmeister - Die Physik des
Fußballspiels" als Buch beim Piper-Verlag.
Noch kann der Titel nicht bestellt werden. Wenn Sie das Erscheinen nicht
verpassen wollen, können Sie sich gerne vom science-shop informieren
lassen. Schicke Sie dazu einfach eine kurze Mail mit dem Betreff
"Tolan-Buch" an info@science-shop.de
Wenn Sie jetzt schon etwas von Metin Tolan lesen wollen, empfehlen wir
Ihnen: "Geschüttelt, nicht gerührt - James Bond und die Physik"
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Die Idee Tolans, großflächige Manipulationen in bestimmten Fußballigen über eine Analyse des Torzeitpunktes nachweisen zu können halte ich für gut und praktikabel. Manipulanten werden sich kaum um den Torzeitpunkt kümmern, sondern versuchen, das gewünschte Ergebnis möglichst bald und nicht erst in den letzten Minuten unter Dach und Fach zu bringen. Das aber würde eine „verzerrte“ Verteilung der Torzeitpunkte bedeuten. Tolan ist zu danken, daß er darauf hingewiesen hat.
Hier wäre natürlich eine Analyse russischer, chinesischer oder malaysischer Fußballigen interessant gewesen, in denen bekanntlich intensiv manipuliert wird. Wie sieht dort die zeitliche Verteilung der Tore aus? Ist sie signifikant anders als in westeuropäischen Ligen? Vielleicht gelingt es Tolan, diesen Nachweis in einem Folgeblog noch zu erbringen. Seine Theorie wäre dann verifiziert.
Obgleich auch in westlichen Ligen wie vor allem etwa der italienischen hin und wieder manipuliert wird, ist der prozentuale Anteil offenbar zu gering, als daß er sich statistisch sicher nachweisen läßt.
Die Meinung Tolans über das Buch von Declan Hill, es sei „sehr schlecht“, kann ich indessen nicht teilen. Von der manchmal etwas zu blumigen, romanhaften Ausschmückung des Buches abgesehen, die mich an einigen Stellen gestört hat, halte ich es für bemerkenswert, daß es ein Journalist gewagt hat, dieses heiße Eisen überhaupt anzufassen und eine dunkle Seite des Fußballsports aufzuzeigen, vor der die Öffentlichkeit nur allzu gerne die Augen verschließt. An vielen Stellen seiner Recherchen nennt Declan Roß und Reiter, und man kann es ihm nicht verdenken, daß er es an anderen Stellen nicht namentlich tut. Entgegen der Meinung Tolans gibt es in dem Buch Fakten in Hülle und Fülle, die zumindest nicht schlechter dargeboten werden als es vergleichbare Enthüllungs-Artikel etwa der Süddeutschen Zeitungen tun, der man ja auch nicht generell nachsagen kann, sie würde keinerlei quantitative Aussagen machen oder sich in Spekulationen oder Trivialitäten ergehen. Oft ist Hill sogar besser und glaubwürdiger, da er sich auf zahlreiche persönliche Interviews und Erfahrungen beziehen kann, die einem gewöhnlichen lohnschreibenden Journalisten kaum zugänglich sind. Gäbe es Declan Hills Buch nicht, müßte es von einem anderen geschrieben werden. Ob dieser andere angesichts der mächtigen und gefährlichen Fußball-Mafia wesentlich konkreter werden würde als Hill, ist sehr zu bezweifeln.