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Vom Vema-Kanal zum Äquator

von Polarstern, 11. Mai 2009, 12:52

„Das Ziel von OCEANET, einem Projekt der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. (WGL), ist der Aufbau eines autonomen Messsystems zur Beschreibung des Stoff- und Energiekreislaufes in der planetarischen Grenz-schicht. Wir in der Arbeitsgruppe von Professor A. Macke aus der Forschungseinheit des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR in Kiel sind bei OCEANET zuständig für die hoch aufgelöste Erfassung des Atmosphärenzustandes und der am Boden ankommenden Sonnen- und Wärmestrahlung.

Zu diesem Zweck haben wir ein umfangreiches Arsenal an Messgeräten an Bord installiert. Deren Einsatz ist teils gängige Praxis.  Darüber hinaus kommen auch neu- und weiterentwickelte Geräte zum Einsatz, die noch nicht so häufig auf See genutzt wurden. Im Einzelnen sind dies Pyrano- und Pyrgeometer, eine Vollhimmelskamera zur kontinuierlichen Dokumentation des Bedeckungsgrades und des Wolkentyps, ein Mikrowellenradiometer sowie sehr schnell messende Geräte zur Erfassung turbulenter Vorgänge in der Atmosphäre über dem Ozean.

 


Nächtlicher Radiosondenstart. Während des
Aufstiegs der Sonde bis in die Troposphäre werden
meteorologische Daten per Funk ans Schiff übertragen.
(© T. Hanschmann, IFM-GEOMAR)
Neben dem Geräteeinsatz im Rahmen von OCEANET bestimmen wir regelmäßig die Konzentration von Schwebeteilchen (aerosoloptische Dicke) für das Maritime Aerosol Network (MAN). Diese Teilchen werden zum Beispiel durch fossile Verbrennung in die Atmosphäre eingebracht und beeinflussen unter anderem die Wolkenbildung. Ziel des Networks ist die globale Kartierung der Aerosol-Konzentration.

 

Des Weiteren bestimmen wir mit Hilfe einer Unterwasserkamera und des Strahlungsmesssystems RAMSES die Lichtintensität und -fluktuation in den obersten 40 Metern des Ozeans. Durch den Seegang wirkt die Meeresoberfläche für Lichtstrahlen wie eine optische Linse.  Dieser Effekt führt zu kleinräumigen und zeitlichen Schwankungen der Strahlungsintensität mit zunehmender Tiefe. Ein Teil dieser Messungen muss frei vom Schiffsschatten ausgeführt werden. Deshalb setzen wir, soweit es die Wetterbedingungen erlauben, das Schlauchboot für ungestörte Beobachtungen in Schiffsnähe ein. Schließlich betreiben wir für das Institut für medizinische Klimatologie der Universität Kiel ein Spektrometer, das tagsüber alle 3 Minuten die infrarote Einstrahlung registriert.

Während die ersten Tage der Fahrt ganz im Zeichen des Aufbaus dieser vielen Geräte standen, folgt nun die Zeit, in der der reibungslose Betrieb der autonomen Messgeräte kontrolliert werden muss, sowie die manuellen Abläufe der übrigen Messungen optimiert werden.“
So weit der Bericht der Meteorologen T. Hanschmann, M. Schlundt und Y. Zoll an Bord der POLARSTERN.

Im täglichen Arbeitsablauf hat sich Routine eingestellt. Mittags um 13:00 Bordzeit werden zur aktuellen Bestimmung der thermischen Sprungschicht  CTD-Profile bis 200 Meter Tiefe aufgenommen. Die Arbeiten im Ausgang des Vemakanals wurden am 26.4. mit einer tiefen CTD-Station abgeschlossen. Die Meteorologen engagieren sich diese Woche mit drei aufeinander abgestimmten Vorträgen, in denen sie anschaulich über ihre Arbeiten berichten. Die Vortragsreihe vom letzten Sonntag (Südamerika) setzen wir am nächsten Wochenende mit Bildern vom Bau der neuen deutschen Antarktis-Station und von der King-George-Insel fort.

Mit Erreichen des 23. Längengrads – alle Uhren wurden seit Verlassen von Punta Arenas vier Mal umgestellt – fahren wir seit Donnerstag direkt auf den Äquator zu, von wo sich Neptun bereits per TELEX gemeldet hat.

Herzliche Grüße von Bord sendet im Namen aller Mitfahrer

Walter Zenk
30. April 2009

 



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