wissenslogs Polarstern unterwegs

Pine-Island-Bucht

13. März 2010, 09:35

Hoffen und Bangen prägten die Ereignisse dieser Woche. Wir waren in der innersten Pine-Island-Bucht vor den 30-50 m hohen Schelfeiskanten der gewaltigen Pine-Island- und Thwaites-Gletscher. Der Meteorologe Max und Chefpilot Hans gaben das OK für einen Helikopterflug in die vulkanischen Hudson-Berge während eines kleinen Wetterfensters. Das Geologenteam sammelte dort Gesteinsproben, die den Rückzug des Eisschildes dokumentieren sollten. Am nächsten Tag tastete sich das Schiff zunächst noch im dichten Dunst an die vorgelagerte Gruppe der Beckerinseln heran, für die über Satellitenaufnahmen aufgeschlossene Gesteinsformationen zu erkennen waren. Wenige Stunden später nutzten wir tatsächlich das vorhergesagte Loch in der niedrigen Wolkendecke und konnten die Geologen zu ihren Zielen fliegen lassen. Mit satter Ausbeute kehrten sie nach kurzer Zeit zurück. Die Geodäten ließen ihre GPS-Instrumente für die Messungen der nächsten Tage aufgebaut zurück. (weiter)

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Wrigley-Golf und Getz-Gletscher

03. März 2010, 18:23

Die Spannung steigt ... Nach Süden hin abgedreht, bahnt die Polarstern ihren Weg durch das lockere Packeis in Richtung des Wrigley-Golfs vor der Küste von Marie-Byrd-Land. Die Meereisbedingungen sind in diesem Jahr insgesamt vor der Westantarktis günstig. Wir lassen uns die Gelegenheit nicht entgehen, in die Küstenpolynja – den eisfreien Streifen vor der Küste – zu fahren, um diese noch recht unbekannte Region dort etwa 3 Tage lang zu untersuchen.

Eine Geologengruppe der Uni Bremen und vom British Antarctic Survey sowie die Geodäten der TU Dresden erkundigen sich laufend nach dem Flugwetter. Ihre Ziele liegen im Bereich der sogenannten Hobbs-Küste, wo die Geodäten eine mögliche tidenabhängige Bewegung des hinteren Getz-Gletschers mit einem hochgenauen GPS-Gerät messen wollen. Wenn der Versuch gelingen sollte, wäre dieses ein Hinweis darauf, dass bodennahes Meerwasser unter dem Gletscher bis weit in den Küstenstreifen hinein eindringt. Der erste Hubschrauber konnte bereits mit den Geodäten losfliegen. Der zweite folgte kurz danach und brachte das Geologenteam zu einer Bergkette, auf der granitische Gesteine beprobt werden konnten. Doch nach nur einer Stunde des Steineklopfens musste das Team zum Schiff zurückkehren, denn das Wetter schlug um. Die Geodäten hatten inzwischen ihre GPS-Station aufgebaut und befanden sich schon wieder auf dem Schiff. Glücklich zeigten die Geologen die gesammelten Proben und hoffen nun auf einen weiteren Flug zu dieser Bergkette an einem der nächsten beiden Tage.
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Fahrt ins Rossmeer

22. Februar 2010, 09:22

Die tobenden fünfziger Breitengrade durchquert, gelangten wir Anfang der Woche in die nördlichen Gefilde des antarktischen Rossmeeres. Neben dem Weddellmeer des atlantischen Sektors ist das Rossmeer die zweitgrößte Bucht der Antarktis mit einem breiten Schelfeisgürtel. Hier fließt mehr als ein Drittel des westantarktischen Eisschildes in Form von Eisströmen und Gletschern aus. Wir blieben auf unsere Fahrtroute zunächst noch weit entfernt vom Schelfeis, denn unsere ersten wissenschaftlichen Ziele liegen in der weitgehend eisfreien Tiefsee des Rossmeeres. (weiter)

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Auftakt einer Expedition zur Westantarktis

17. Februar 2010, 14:32

Der Eisschild der Westantarktis ist Ziel unserer Forschung auf dieser Polarstern-Expedition. Wie hat sich dieser Eisschild, der das Potenzial hat, den Meeresspiegel um 3-5 m ansteigen zu lassen, im Verlauf der Erdgeschichte entwickelt? Warum erfährt ein Teil des Eisschildes im Bereich der Amundsenmeeres zur Zeit einen enormen Rückzug? Gab es in der Vergangenheit Phasen, in denen der Eisschild vollständig abschmolz? Das sind die vordringlichen Fragen, die uns auf dieser Expedition beschäftigen werden. Aber gehen wir zunächst zum Anfang einer hoffentlich spannenden Expedition. (weiter)

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Endspurt

08. Februar 2010, 11:05

Am 26.1.2010 wird die Expedition ANT-XXVI/2 nach 59 Tagen auf See im Containerhafen von Wellington zu Ende gehen. Wir werden dann 9757 Meilen (=18.050 km) zurückgelegt haben. Die Tanks werden um 1912 to Treibstoff leichter sein, was einem Tagesverbrauch von 32 Tonnen entspricht. Von einer anderen Flüssigkeit, Milch, wurden 1700 l verbraucht, also 28 l pro Tag. 7000 Eier wurde konsumiert und erstaunliche 90 Gläser Nutella. Wir haben einen Tag verloren (13.1.2010) und am 32.12.09 den Jahreswechsel gefeiert. (weiter)

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"Hat jemand in den letzten 30 Tagen ein lebendes Huhn angefasst?"

27. Januar 2010, 16:48

Ab 10.1.2010 ging es von unserer südlichsten Position wieder nach Norden mit Richtung Wellington (Neuseeland). Nur noch 15 Tage und wir würden wieder Land sehen. Die Rücksendung von Expeditionsgütern und Probenmaterial wird per E-Mail mit dem Schiffsagenten in Wellington vorbereitet. Sehr bunte Einreiseformulare werden verteilt. Man teilt uns mit, dass das Schiff im schwer gesicherten Containerhafen am Aotea Quay anlegen soll. Dort wird alles, war wir an Land tragen, peinlich genau kontrolliert. Hat vielleicht jemand Wanderschuhe, an denen noch Erde oder im schlimmsten Fall Samenkörner von anderen Kontinenten klebt? Hat jemand in den letzten 30 Tagen ein lebendes Huhn angefasst? Die Einfuhr von Lebensmitteln ist strengstens reguliert, das meiste ist untersagt. Beim Agent werden Lebensmittel für Verpflegung während des Hafenaufenthaltes bestellt, denn alle auf Polarstern mitgeführten Lebensmittel müssen weggeschlossen und versiegelt werden. (weiter)

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Auf der Jagd nach Meteoriten

14. Dezember 2009, 20:49

Am 27.11.2009 gegen 22:30 hieß es „Leinen los“ auf FS Polarstern und damit Beginn der Expedition ANT-XXVI/2. Abfahrtsort war die Bunkerpier Cabo Negro unweit der chilenischen Hafenstadt Punta Arenas. Hier hatte Polarstern den Tag über 1400 m3 Marine Diesel für die lange Reise bis nach Neuseeland gebunkert.  Hier war gegen Mittag auch die Mehrzahl der wissenschaftlichen Expeditionsteilnehmer an Bord gegangen, nach einem anstrengenden Marsch mit Sack und Pack über die lang gezogene Bunkerpier. Über 30 Stunden waren sie von Europa, den USA, Hawaii, Korea und Neuseeland unterwegs gewesen, um rechtzeitig vor Auslaufen in Punta Arenas einzutreffen. (weiter)

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Es wird kälter...

07. Dezember 2009, 21:45

Die Berichtswoche beginnt mit einem traurigen Ereignis. Am Dienstag wird von Sonnenauf- bis Untergang zum Gedenken an unseren verstorbenen Kollegen Dr. Sönke Neben die Flagge gehisst. Um 10:15 Bordzeit, zum Zeitpunkt der Beisetzung in Deutschland, wird das Typhon geblasen, die Flagge auf Halbmast gesetzt und eine Gedenkminute gehalten.

Nach den beiden Stationen am Vema-Kanal ist Polarstern auf direktem Kurs nach Punta Arenas. Wir stoppen wie gehabt für mittägliche Unterwasserlichtmessungen, soweit es die Bewölkung erlaubt, bei 40°S auch ein letztes Mal für Plankton-Probenahmen. Zwei längere  Stationen dienen der Erprobung eines Tiefen-CO2-Messgerätes wie im letzten Wochenbericht beschrieben. Zum Ende der Berichtswoche werden die Wasser- und Lufttemperaturen einstellig. Für Polarforscher ist das wahrscheinlich noch zu warm. Wir aber haben uns in den letzten vier Wochen an tropische und subtropische Verhältnisse gewöhnt und frieren. Am Sonntag wird die Post der Polar(stern)philatelisten mit Fahrt- und Schiffsstempel versehen und in der Poststelle abgegeben.  (weiter)

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Wolken über dem Vema-Kanal

25. November 2009, 18:44

Nachdem Polarstern bei 20°S ihren 23°W-Schnitt beendet hat, nehmen wir ab dem 10. November direkten Kurs in Richtung Vema-Kanal, um neben unseren eigentlichen kontinuierlichen Ozean/Atmosphäre-Messungen für die Kollegen aus der Physikalischen Ozeanographie zwei tiefe CTDs zu fahren. Diese Messungen werden schon seit 1972 durchgeführt und sollen zeigen, ob die Klimaerwärmung schon im Antarktischen Tiefenwasser festzustellen ist. Tags zuvor erleben wir noch mit 88° Elevationswinkel den höchsten Sonnenstand auf unserer Reise. Wir hatten uns in den letzten zwei Wochen daran gewöhnt, dass die Sonne exakt auf Backbord auf- und auf Steuerbord untergeht. Das Oberflächenwasser ist azurblau und man kann bei dem immer noch hohen Sonnenstand Lichtstrahlen tief in das Wasser eindringen sehen (Abb. 1). Die Messungen der Eindringtiefe und der  Fluktuation des Lichtangebots im Wasser finden nun unter optimalen Bedingungen bei sehr klarem Wasser und hohem Sonnenstand statt. Wie so oft ist des einen Freud des anderen Leid: Unsere Meeresbiologen gehen bei solchen Wasserbedingungen fast leer aus.  (weiter)

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Donnerstags am Äquator

22. November 2009, 17:55

Wir setzen unsere Fahrt entlang des 23ten Längengrades in Richtung Süden fort und werden 20°S zum Ende dieser dritten Berichtswoche fast erreichen. Von dort wird Polarstern dann südwestlichen Kurs in Richtung Vema-Kanal nehmen.  Zunächst passieren wir den thermischen Äquator mit der darüber gelegenen so genannten Innertropischen Konvergenzzone (ITCZ), die noch komplett nördlich des geografischen Äquators liegt. Der Höhepunkt dieser Woche ist das Treffen mit dem Forschungsschiff Meteor unmittelbar am Äquator.  (weiter)

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