Was ist eigentlich der Unterschied zwischen "Spektrum der Wissenschaft" und "spektrumdirekt"?
Nach dieser kleinen Einführung in die Essenz dieses Blogs möchte ich mit dieser Frage anfangen, denn das war die erste Frage, die ich mir gestellt habe, als ich angefangen habe, hier zu arbeiten.
Wobei, genau genommen war das nicht die erste Frage, die ich mir gestellt hatte (die war: Wie, zum Teufel, kann es sein, dass ich drei Jahre lang genau 300 Meter entfernt vom Verlag gewohnt habe, ohne die Nachbarschaft überhaupt bemerkt zu haben? Inzwischen, nach vier Jahren Arbeit hier, weiß ich es: Ich gehe zu selten abends an der Neckarwiese spazieren und meide dort nicht nur die Hundewiese, sondern auch das Fußballfeld. Dort hätte ich die Kollegen dann wohl am ehesten außerhalb ihrer vier Verlagswände getroffen.), sondern die erste Frage, die die Kollegin in spe beim Vorstellungsgespräch von mir hörte.
Ich hätte wohl besser nicht fragen sollen. So schnell hatte ich nicht mal geschaut, da hatte sie mir schon mit schreckgeweiteten Augen den Mund zugehalten, mich ins nächste Zimmer gezogen und nach einem Kontrollblick, ob auch wirklich niemand meine Frage gehört hat, erleichtert die Tür hinter uns zugezogen. Und als ich dann sprachlos und mit sperrangelweit geöffnetem Mund und völlig verschreckt dasaß, riet mir die Kollegin in aller Fürsorge, in diesem Haus auf diesem Flur, im Schatten der Redaktionsbüros, niemals, wirklich niemals nach dem Unterschied zwischen "spektrumdirekt" und "Spektrum der Wissenschaft" zu fragen, es käme ja auch kein Mensch auf die Idee, die Volksfront von Judäa und die Judäischen Volksfront, Franken und Bayern oder Nutella und Erdnussbutter in einen Hut zu werfen. Man stäche mit dieser Frage mitten in ein redaktionelles Doppelherz der empfindlichen Art.
Trotzdem ist die Frage natürlich berechtigt - Empfindlichkeit ist der Zweitname der Komplexität, ihres Zeichens in Personalunion ungeliebtes Stiefkind der Verständlichkeit.
Jedenfalls, seit diesem Tag kenne ich den Unterschied zwischen "spektrumdirekt" und "Spektrum der Wissenschaft", und seitdem weiß ich auch, dass zwischen den beiden ungleichen Schwestern mediale Welten liegen und die scheinbar ähnlichen dreieinhalb Wörter genau genommen die Verlagsgeschichte des neuen Jahrtausends schreiben.
Äußere Unterschiede
Wenn Sie den Unterschied weniger historisierend sehen möchten, dann empfehle ich Ihnen, an dieser Stelle zwei Browsertabs zu öffnen, eines mit www.spektrumdirekt.de und das andere mit www.spektrum.de. So sieht man nämlich am besten, dass hier kein kluger IT-ler Internetdomains an sich gerissen hat, um Internetpiraten am Namensklau zu hindern, sondern mindestens zwei unterschiedliche Hände am Werk sind.
Noch besser ist es, wenn Sie außerdem die folgenden Links öffnen. Dort finden Sie nicht nur das manuelle Machwerk, sondern sogar die Köpfe, die ihren Inhalt täglich in die Tasten schütten:
Das hier sind diejenigen, die täglich an den Buchstaben von "spektrumdirekt" drehen.
Und diese hier verstecken sich hinter "Spektrum der Wissenschaft".
Haben Sie den Unterschied gesehen? Richtig! Das Alter. "Spektrum der Wissenschaft" hat just letztes Jahr seinen 30. Geburtstag gefeiert:
30 Jahre "Spektrum der Wissenschaft".
Hat die Kollegen von "spektrumdirekt" aber nicht im Geringsten gestört, das machen die in 18 Jahren nämlich auch. Abgesehen davon haben sie ihren zehnten Geburtstag im Jahr davor mindestens genauso exzessiv gefeiert: 12 Jahre "spektrumdirekt"
Historische Unterschiede
Die Geschichte von "spektrumdirekt" und ihre Besonderheiten
Wobei das natürlich gelogen ist, denn damals hießen die Kollegen nicht "spektrumdirekt", sondern "Spektrum Ticker" und betrachteten sich als Erfinder des täglichen Onlinepublizierens naturwissenschaftlicher Nachrichten. Das Onlinebaby wurde dann recht bald recht groß und auch ein bisschen pubertär, jedenfalls machte es sich kurz darauf selbstständig, nannte sich in "Nachrichtenservice" um und liierte sich auf der Seite www.wissenschaft-online.de mit 13 Onlinelexika, die bis zum heutigen Tag auf der Seite www.wissenschaft-online.de/lexika zu finden sind. Und noch ein bisschen später und noch ein bisschen altersweiser begab sich der Nachrichtenservice als ausgewachsene wissenschaftliche Onlinezeitung unter dem Namen "spektrumdirekt" wieder unter die Spektrumhaube und nahm die Lexika dabei einfach mit.
Seither lassen sich heute unter www.spektrumdirekt.de täglich viele verschiedene naturwissenschaftliche Artikel zu vielen verschiedenen naturwissenschaftlichen Themen, verknüpft mit vielen naturwissenschaftlichen Fachlexika (nämlich denen unter www.wissenschaft-online.de/lexika), verfasst von vielen verschiedenen naturwissenschaftlichen Fachjournalisten, finden und warten darauf, einmal wöchentlich in eine PDF-Ausgabe verpackt und via E-Mail an Abonnenten von www.spektrumdirekt.de/premium (mehr dazu im nächsten Eintrag) geschickt zu werden.
Und das Besondere an spektrumdirekt: Das alles passiert ausschließlich online. "spektrumdirekt" in Druckform gibt es nicht. Bwz.: nur dann, wenn Sie die Artikel daheim selber Ausdrucken.
Die Geschichte von Spektrum der Wissenschaft und ihre Besonderheiten
Bei "Spektrum der Wissenschaft" hat sich im Vergleich zum unsteten Leben von "spektrumdirekt" in den letzten 30 Jahren nicht so viel geändert. Die Kollegen geben in altbewährter Tradition einmal im Monat ein dickes Heft heraus, das seit 30 Jahren den gleichen Namen trägt und die deutsche Version des "Scientific American" darstellt. Und weil das nur (Redakteure des Hauses: Schlagt mich - oder glaubt mir, dass es sich bei diesem Wort um ein nur quantitativum temporalis handelt und nichts anderes) einmal monatlich und immer noch durch den ganzen Druckereischnickschnack muss, sind die Artikel von "Spektrum der Wissenschaft" nicht tagesaktuell, aber dafür länger, ausführlicher, in der Badewanne lesbar und ohne Lexikazusätze.
Und das Besondere an "Spektrum der Wissenschaft": Anders als "spektrumdirekt", dessen Texte von Wissenschaftsjournalisten mit Leib und Seele geschrieben werden, stammen die Texte von "Spektrum der Wissenschaft" in der Regel von Forschern. Die Redaktion ist dann dafür zuständig, das ganze Wissen aus erster Hand im Sinne der Leser - also in Ihrem Sinn - aufzupolieren. "spektrumdirekt" übernimmt das Wissen von den Forschern, die Texte aber kommen vollkommen aus eigener Hand.
Um das alles zusammenzufassen: Der Unterschied in Kurzform ist: Zwei Redaktionen, zwei Publikationen, zwei Philosophien, zwei Erscheinungsweisen, ein Verlag.
Soweit alles klar? Dann auf zum Nächsten: Das gemeine Onlineabo mit der Frage: Soll ich "Spektrum der Wissenschaft" oder "spektrumdirekt" abonnieren?.
PS: Und um an dieser Stelle ganz ehrlich zu sein: Eigentlich ist der Unterschied zwischen "Spektrum der Wissenschaft" und "spektrumdirekt" per se gelogen. Der Begriff "Spektrum der Wissenschaft" ist nämlich polykompatibel multifunktional dynamisch bedarfsorientiert flexibel einsetzbar. Um es einfacher auszudrücken: "spektrumdirekt" und "Spektrum der Wissenschaft" sind auf der Metaebene genuinontologisch ein und dasselbe: nämlich unterschiedliche Publikationen ein und desselben Verlages, genannt: Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH, ansässig in Heidelberg (nebenbei der schönsten Stadt der Welt. Also, fast der schönsten Stadt der Welt), gehört zur nature publishing group und ist mit dieser zusammen Teil der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.
Die richtige Antwort auf die Frage in der kürzesten Kurzform lautet also: Alles ist eins. Und der Rest ist Schweigen. Es sei denn, Sie haben dazu noch Fragen. Dann fragen Sie bitte jederzeit gerne!
