Wissenslogs Mit Verstand und Hammer die Erde erkunden Research Blogging Awards 2010

Erneute Explosion auf einer Ölplattform

03. September 2010, 00:00

 brennende Ölplattform im Golf von Mexiko
 brennende Ölplattform im Golf von Mexiko
 Aufgenommen am 2. September 2010. Credit NASA
 
Um 9:30 Uhr Ortszeit ist am 2. September 2010 erneut eine Ölplattform im Golf von Mexiko in Brand geraten. Ob sie, entgegen erster Darstellungen doch Öl und Gas gefördert hat, ist unklar. 13 Arbeiter, die bei der Explosion ins Meer geschleudert wurden, konnten gerettet werden. Das Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) das Satelliten Terra konnte die Aufnahme der Region nur rund 2 Stunden nach dem Ereignis aufnehmen. Darauf ist neben der Golfküste von Louisiana auch die Rauchwolke zu erkennen, welche die Position der Ölplattform mit dem Namen „Vermlion Oil Platform 380“ kennzeichnet. Auf dem unteren Bild zeigt die Plattform in einer vergrößerten Darstellung. Die Rauchwolke wird von Wolken verschattet und ist deutlich kleiner als diejenige, welche von dem Feuer auf der „Deepwater Horizon“ im April 2010 ausgelöst wurde. Laut Firmensprechern von der Betreiberfirma „Mariner Energy“ soll nach dem Unglück kein Öl ausgetreten sein. Die US-Küstenwache hatte aber dennoch einen rund 1,5 Kilometer langen Ölfilm gesichtet.


Geschrieben in Umweltgeologie . Kommentare: (0). Trackbacks: (0). Permalink


Keine Impakte vor 12 500 und 2 500 Jahren!

31. August 2010, 17:46

ResearchBlogging.org
Die Jüngere Dryas stellt einen drastischen Temperaturrückgang vor 12 900 bis 11 500 Jahren dar. Die Temperaturen sanken innerhalb einer sehr kurzen zeit und die Gletscher stießen noch einmal in Richtung Süden vor. Die Nadelwälder verschwanden weitgehend und machten einer Tundra Platz, in der als namensgebende Pflanze der Silberwurz Dryas octopetala vorkam.
Was aber hatte, so kurz vor dem Ende der Eiszeit den Trend zur Gletscherschmelze so abrupt beendet und zumindest zeitweise wieder umgekehrt? Eine Theorie geht von einem gewaltigen Eisstausee aus, der große Mengen von Süßwasser in den Nordatlantik beförderte und dort den Golfstrom zum erliegen brachte. In den letzten Jahren kamen aber noch einige Funde hinzu, nach denen möglicherweise auch ein Impakt zu den Ereignissen beigetragen haben könnte. Denn in Folge der Abkühlung starben besonders in Nordamerika viele Großsäuger aus und die Clovis Kultur verschwand von der Bildfläche. So findet sich verschiedentlich in Nordamerika eine schwärzliche, kohlenstoffreiche Schicht, die nicht nur in die Jüngere Dryas datiert, sondern auch auf mögliche, ausgedehnte Waldbrände hin deutet. Direkt unterhalb der schwarzen, bis zu drei Zentimeter mächtigen Schicht fanden sich erhöhten Konzentrationen an Iridium, Kohlenstoffkügelchen und Nanodiamanten. Diese Funde gelten gemeinhin als Indikatoren für Impaktereignisse. Möglicherweise hätte ein dem Tunguska-Ereignis ähnlicher Impakt große Bereiche entzündet und das Eisschild destabilisiert, so dass große Süßwassermengen in den Nordatlantik abfließen konnten.
Als eine Gruppe um Francois Paquay von der Universität Hawaii die Theorie überprüfen wollte und nach weiteren Belegen suchte, standen sie vor einem Problem. Es stellte sich nämlich nicht nur heraus, dass die Ergebnisse, die zur Entwicklung der Theorie geführt haben, nicht reproduzierbar waren, sie fanden auch sonst keine Hinweise, die eine Impakt-Theorie stützen würden. Hier sind besonders die geochemischen Spuren zu nennen, die normalerweise den Eintrag größerer Mengen kosmischer Materie anzeigen, wie eben Iridium, aber auch die anderen Mitglieder der Platin-Gruppe u d die Verhältnisse der Osmium-Isotope 187Os/188Os. Untersucht wurden mehrere terrestrische, marine oder lakustrine (also aus Süßwasserseen) Bohrkerne der in Frage kommenden Zeitabschnitte. Hier konnten keine erhöhten Iridiumwerte festgestellt werden. Auch die Osmium-Isotopenverhältnisse entsprachen denen, wie sie für die normale Erdkruste üblich sind und zeigten keinen kosmischen Beitrag an. Auch weitere ungewöhnliche Anreicherungen von Elementen der Platingruppe konnten in den Bohrkernen nicht nachgewiesen werden. Bleiben nur noch die Nanodiamanten übrig, aber auch das wird von der Arbeitsgruppe um François Paquay kritisch gesehen. Immerhin handelt es sich bei den Nanodiamanten um die hexagonale Modifikation Lonsdaleit, die durchaus im Zusammenhang mit Einschlagskratern gefunden wird. Die Abwesenheit der üblichen geochemischen Spuren spricht aber deutlich gegen einen Impakt als Auslöser der Abkühlung.
Neuere Untersuchungen einer Arbeitsgruppe um Tyrone Daulton von der Washington University in St.Louis die an unterschiedlichen kohlenstoffreichen Sedimentproben aus der der letzten 15 800 Jahre, darunter auch aus der Zeit des postulierten Impaktereignisses an der Grenze vom Alleröd Interstadial zur Jüngeren Dryas, brachten keinerlei Hinweise auf Lonsdaleit. Hingegen fanden sich GraphenGraphan Oxidaggregate, die möglicherweise fälschlich als hexagonale Nanodiamanten interpretiert wurden. Vergleichbares gilt für die angeblichen kubischen Nanodiamanten, die von Daulton et al. auf Graphen zurückgeführt werden. Elektronenbeugungsuntersuchungen mit Hilfe eines Transmissions-Elektronenmikroskops hatten diese Kohlenstoffmodifikation eindeutig identifiziert. Ohne die Nanodiamanten gibt es keinen weiteren Hinweis auf einen Impakt als Auslöser für die Ereignisse Grenze vom Alleröd zur Jüngeren Dryas. Daher wird sich der Blick bei der Suche nach den Auslösern wieder auf irdische Ursachen richten. Hier kommen unter anderem wieder die Änderungen in den Meeresströmungen in Frage, welche durch die enorme Süßwasserzufuhr durch die Schmelzwässer der abschmelzenden Gletscher ausgelöst haben könnten.

Dazu passen auch andere Untersuchungen, die mit einem weiteren vermeintlichen Asteroideneinschlag wohl aufgeräumt haben. Nach einer gerne geglaubten Hypothese soll es vor rund 2500 Jahren im Bereich des Chiemgaus ebenfalls zu einem Tunguska-Ereignis gekommen sein, das zum Untergang der dortigen keltischen Kultur geführt haben soll. Einer der Kronzeugen hierfür war unter anderem ein mehr oder weniger kreisrundes Loch in der Erde, der Tüttensee bei Grabenstätt. Neuere Radiokarbondatierungen zeigen jedoch, dass es sich hierbei um ein eiszeitliches Toteisloch handelt.
 
 
 

Paquay FS, Goderis S, Ravizza G, Vanhaeck F, Boyd M, Surovell TA, Holliday VT, Haynes CV Jr, & Claeys P (2009). Absence of geochemical evidence for an impact event at the Bølling-Allerød/Younger Dryas transition. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 106 (51), 21505-10 PMID: 20007789

Daulton,T. L., Pinter, N., and Scott A.C. (2010). No evidence of nanodiamonds in Younger–Dryas sediments to support an impact event Proceedings of the National Academy of Science. 



Geschrieben in Erdgeschichte . Kommentare: (0). Trackbacks: (0). Permalink


Erdbeben von Haiti – doch nicht die Enriquillo-Störung?

15. August 2010, 17:41

 
Die Enriquillo-Plantain Garden Verwerfung, die ursprünglich für das verheerende Magnitude 7 Erdbeben in Haiti vom 12. Januar 2010 mit seinen über 200 000 Toten verantwortlich gemacht wurde, ist daran möglicherweise unschuldig. Das wurde letzte Woche auf einem AGU Treffen bekannt. Vielmehr soll eine bisher unbekannte Störung das Beben ausgelöst haben. Dadurch wird das tektonische Bild, das wir bisher von der Region hatten, komplizierter als es ohnehin schon ist.
 
Herdflächenlösung für das beben von Port-au-Prince am 12. Januar 2010.

 Das zeigte sich schon an der Herdflächenlösung, die zwar deutlich auf eine Blattverschiebung deutet, aber es zeigen sich auch andere Elemente. Das Ganze ähnelt in gewisser Hinsicht einer Schrägaufschiebung. Die Nodalflächen, welche die dunklen und die hellen Bereiche des „Wasserballs“ voneinander trennen, sind nicht exakt vertikal, und sie sind leicht gebogen anstatt gerade. Das bedeutet, dass neben einer Bewegung aneinander vorbei, wie er für „normale“ Blattverschiebungen anzunehmen wäre, auch noch eine konvergente, also gegeneinander gerichtete Bewegung zu finden ist. Während also ein großer Teil der beteiligten Krustenblöcke aneinander entlang schiebt, findet sich auch eine leichte Aufschiebung des einen gegenüber dem anderen Block. Das zeigen auch Radar-Höhenmessungen, wie sie von Satelliten durchgeführt wurden.
 
Radar Hebungsmessungen Haiti
Gebiete mit Hebung (rot) und Senkung (blau) des Erdbebens vom 12. Januar 2010. Grün eingezeichnet ist die Enriquillo-Störung und das Epizentrum (Stern). Credit: Eric Fielding/JPL/NASA/JAXA.
 
Dabei zeigen sich zwei interessante Dinge: Im Norden hat das Beben zu einer deutlichen Hebung des Geländes geführt, während sich das Gelände im Süden absenkte. Die Grenze zwischen beiden Gebieten ist scharf und ohne nennenswerten Übergang. Die Grenze zeigt eine Störung, die grob in ost-westlicher Richtung streicht. Allerdings, und das ist das eigentlich interessante an der Aufnahme, folgt dieses Gebiet des Übergangs nicht der bekannten Enriquillo-Störung, die in dem Bild ebenfalls eingezeichnet ist, sondern liegt wie auch das Epizentrum südlich von ihr.
Außerdem ziehen sich die Gebiete mit Hebung bzw. Senkung bis in deutliche Entfernung von der Zone des Übergangs in nördliche bzw. südliche Richtung. Ein derartig breites Gebiet beeinflussen Störungen, die flach einfallen. Bei steil einfallenden Störungen wäre ein deutlich kleineres Gebiet von den Änderungen betroffen. Und die Enriquillo-Störung fällt steil ein.
 
 Je flacher eine Aufschiebung einfällt, desto weitere Bereiche werden von der Hebung bzw. der Absenkung beeinflusst.
 
Das bedeutet, dass die Enriquillo-Störung mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit für das Erdbeben am 12. Januar in Haiti nicht verantwortlich war. Es sieht ganz danach aus, dass hier eine Störung aktiv wurde, die sehr flach nach Norden einfällt und die Enriquillo-Störung möglicherweise in der Tiefe schneidet. Dieser neu entdeckten Störung hat man den vorläufigen Namen Leogane-Störung gegeben, nach der Stadt, welche sich im Zentrum des von der Hebung betroffenen Gebiets befindet.
Doch damit ist noch nicht genug. Auch der Anteil der Blattverschiebung an dem Beben ist möglicherweise nicht der Enriquillo-Störung zuzurechnen, sondern stammt von einer weiteren Störung in der Gegend, die zum selben Zeitpunkt aktiviert wurde. Das war einer der Gründe, warum es nicht sofort aufgefallen ist, dass die Enriquillo-Störung überhaupt nicht für das Beben verantwortlich war. Denn die Erdbebenwellen, die von den beiden parallel stattfindenden Ereignissen ausgingen, wurden in den Erdbebenstationen zusammen aufgefangen und als ein einzelnes Ereignis gewertet.
Interpretation Haiti Beben

Denn die Bewegung zwischen der Nordamerikanischen und der Karibischen Platte werden nicht nur von einer Störung aufgefangen, sondern von einem ganzen Bündel mehr oder weniger paralleler Störungen. Das mag auf den ersten Blick nicht viel ändern. Es sind ja immer noch dieselben 40 Kilometer westlich, in denen der Hauptanteil der freigesetzten seismischen Energie die Verheerungen anrichtete und es sind immer noch dieselben 20 Kilometer östlich, in denen sich seit mehr als 250 Jahren die aufgestaute seismische Energie nicht entladen hat, was immer noch eine ernstzunehmende Gefahr für Port-au-Prince darstellt.
Für die Abschätzung des seismischen Risikos ist es aber entscheidend, ob es sich um eine große Störung handelt, oder ob das Risiko von ganzen Schwärmen von Störungen ausgeht. Und es macht die Frage schwieriger, welche zusätzliche Last durch das Beben auf die Strukturen östlich des Epizentrums geladen wurde, und die sich in nicht allzu ferner Zukunft dann in einem neuen, möglicherweise ebenso verheerenden Beben entladen könnte. Das sind aber genau die Fragen, die sich in Haiti stellen, wenn man Port-au-Prince wieder aufbaut und die Infrastruktur gegen kommende Erdbeben schützen will.
 
Eric Calais in einem Video über die Mechanismen des HaitiErdbebens



Geschrieben in Erdbeben . Kommentare: (0). Trackbacks: (0). Permalink


Satellitenbild - Waldbrände in Russland

05. August 2010, 15:02

 

Die ausgedehnten Waldbrände, die Russland und speziell die Region um Moskau in Atem halten (oder besser gesagt; den Atem rauben), sind selbst aus dem Weltraum leicht zu erkennen. Die brennenden Torfmoore und Wälder verursachen ausgedehnte Rauchwolken, die eine Ausdehnung von mehreren hundert Kilometern erreichen. Die obige Aufnahme stammt vom  Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) des Satelliten Terra und wurde am 4. August 2010 aufgenommen. Es zeigt deutlich, wie die gelblich-braune Rauchwolke weite Bereiche Russlands bedeckt. Die Ausdehnung beträgt rund 3000 Kilometer in west- östlicher Richtung. Bis zu 520 Brände sollen am tag der Aufnahme in der Region wüten, aber MODIS hat deutlich weniger erkennen können. Die restlichen Brände können aber ohne weiteres unter dem dichten Rauchteppich verborgen sein, so dass der Satellit sie nicht aufspüren kann. 

Der untere Ausschnitt zeigt die Region südöstlich von Moskau mit rot eingezeichneten Stellen, an denen die Feuer brennen, besonders im gebiet der Stadt Rjasan, rund 200 km südöstlich von Moskau. Hier liegen ausgedehnte Brände, die sich durch ihre Rauchsäulen gut abheben. Hier finden sich auch die größten Brände, bei denen sich eine Feuerwolke, eine so genannte Pyrocumulus bildet. Diese Wolken treten im Zusammenhang mit den Feuerstürmen auf, wenn der Kamineffekt bei ausgedehnten Flächenbränden die heiße Luft aufsteigen lässt und dabei der entstehende Sog Frischluft in den Brand nachzieht. Diese dichten und hoch aufgetürmten Wolken enthalten sehr viel Ruß und können. Oft entladen sich in diesen Wolken auch heftige Gewitter, die selber wieder zu neuen Waldbränden führen können. Der Ruß dient aber gleichzeitig als Kondensationskeim und kann zu Regenfällen führen, die dann die Brände löschen helfen.

Ein anderes Instrument an Bord des Terra-Satelliten, das Multi-angle Imaging Spectroradiometer, hat ermittelt, dass der rauch der vergangenen tage bereits rund 12 Kilometer hoch in die Stratosphäre vorgedrungen ist. In dieser Höhe kann der Rauch große Entfernungen zurücklegen und die Luftqualität in sehr weit entfernten Regionen beeinflussen.

Bis zum 4. August haben die Brände mindestens 48 Menschenleben gefordert und unzählige Sachwerte vernichtet, mehr als 2000 Menschen haben ihre Heimat verloren.

Der Rauch selber verursacht eine dramatische Verschlechterung der Luftqualität in dem Gebiet. In Moskau ist die Sichtweite am 4. August bis unter 20 m gefallen. Die Gesundheitsbehörden haben alle Menschen, auch die gesunden, aufgefordert, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und den Aufenthalt im Freien möglichst zu vermeiden. Ansonsten ist das Tragen von Atemschutzmasken dringend empfohlen, denn Rauch enthält neben Ruß verschiedene gase, welche die Augen und das Atemsystem nachhaltig schädigen können.

 Abbildungen: Credit NASA



Geschrieben in Umweltgeologie . Kommentare: (2). Trackbacks: (0). Permalink


Triceratops - die Jugendform des Torosaurus?

03. August 2010, 16:05

  ResearchBlogging.org
 Das ist eine fürchterliche Meldung, die durch die Presse und Blogosphäre rauscht. Einer der bekanntesten Dinosaurier, der Triceratops, soll das Schicksal des Brontosaurus teilen. Denn nach einem Paper der Paläontologen Scanella und Horner soll es sich bei Triceratops um junge Torosaurier handeln. Damit würde angeblich einer der bekanntesten Dinosaurier auf einmal keine eigenständige Art mehr darstellen. Bei genauerem Hinsehen ist der Triceratops allerdings nicht in Gefahr. Beide Arten, sowohl der Triceratops als auch der Torosaurus wurden vom selben Paläontologen beschrieben, von Othniel Charles Marsh. Der Triceratops bereits 1889 und der Torosaurus erst zwei Jahre später, nämlich 1891. Damit wäre dann, den Regeln der Nomenklatur folgend, der Triceratops der ältere Name und damit der gültige Artname. Verschwinden würde der Torosaurus.
 
 
Torosaurus, Lebendrekonstruktion. Wikipedia, User Arthur WeaslyCC-Lizenz
 

Triceratops, Lebendrekonstruktion. Wikipedia, User Arthur WeaslyCC-Lizenz

Die ursprüngliche Unterteilung in die zwei Arten basiert hauptsächlich auf der Tatsache, dass beim Triceratops der Nackenschild kurz und weitgehend geschlossen ist und einen gesägten Rand aufweist. Beim Torosaurus hingegen, der ansonsten wohl wirklich wie ein großer Bruder des Triceratops ausgesehen hat, ist der langgestreckt und hat Öffnungen, daher auch sein Artname, der sich vom griechischen toreo = durchbohrt herleitet. Ansonsten ähneln sich beide Dinosaurier sehr, sie haben beide drei Hörner, die allerdings in einem etwas anderen Winkel zueinander stehen.
Scanella und Horner gehen nach dem Studium von 29 verschiedenen Triceratops-Schädeln und 9 Torosaurus-Schädeln davon aus, dass beim Triceratops mit dem älter werden auch der Nackenschild wächst, dünner und schließlich durchbrochen wird, während er seinen gesägten Rand verliert. Und dass sich mit der Morphologie des wachsenden Schädels eben auch der Winkel der charakteristischen Hörner zueinander verändert. Die Triceratops-Schädel in der Studie waren zwischen 50 cm und 2 m lang. Durch abzählen der Anwachslinien an den Knochen lässt sich das Alter des betreffenden Sauriers abschätzen. Die Schädel der Triceratops hätten demnach von juvenilen bis jungen erwachsenen Exemplaren gehört. Bei den 9 Torosaurus-Schädeln hingegen stammten alle von ausgewachsenen Exemplaren, mit einer Länge zwischen 2 und 3 m. Juvenile Exemplare sind von ihm soweit nicht bekannt. Augenfällig sei beim ältesten Triceratops in der Studie eine Verdünnung des Nackenschildes an ausgerechnet den Stellen, an denen der Torosaurus seine Löcher im Nackenschild aufweist.
 
 
Zeichnung eines Torosaurus-Schädels.  Nach William Diller Matthew (1871-1930), Wikipedia.
 
Schädel eines Triceratops,  University of California, Berkeley. Wikipedia, User EncycloPetey CC-Lizenz
 
Die Veränderungen in der äußeren Form sind möglich, weil das Knochengewebe im Nackenschild und in den Hörnern schwammartig aufgebaut und von vielen Blutgefäßen versorgt ist. Ein vergleichbares Modell in der heutigen Tierwelt wäre der Kasuar, bei dem sich auf dem Schädel der erwachsenen Vögel ein helmartiger Knochenaufwuchs bildet.
Das bedeutet auch, dass der Nackenschild wohl keine reine defensive Aufgabe hatte. So wie es in den B-Filmen gerne dargestellt wird, wenn der übliche Zweikampf zwischen einem T-rex und dem Triceratops darin gipfelt, dass der tödliche Nackenbiss des Raubsauriers am Nackenschild abprallt. Bei dem schwammartigen Knochenaufbau und der Versorgung mit Blutgefäßen dürfte das für den Horndinosaurier kaum besonders wünschenswert gewesen sein.
Scanella und Horner gehen treffender Weise dann auch davon aus, dass der Nackenschild mehr der artspezifischen Kommunikation gedient haben könnte.
 
 
Hypothetischer Kampf zwischen Tyrannosaurus und Triceratops. Bei der Pose des T-rex hätten seine Beinknochen vom Körper getrennt sein müssen. Tim Bekaert 1997, Public Domain.
 
Die Studie zeigt deutlich die Probleme, denen sich Paläontologen gegenübersehen, wenn sie Arten beschreiben. Meist bekommen sie ja noch nicht einmal das komplette Skelett auf den Tisch, sondern nur Teile. Unterscheiden sie sich signifikant in ihrer Form, dann werden sie gerne auch unterschiedlichen Arten zugeschrieben. Heutige Zoologen haben es da in einem Punkt leichter. Sie können neben den meist kompletten Skeletten eben auch die Weichteile studieren und das Tier in seiner natürlichen Umgebung beobachten. Wie sieht es als Jungtier aus? Wie unterscheiden sich Männchen und Weibchen? Bei einem ausgeprägten Gechlechtsdimorphismus kann es in der Paläontologie durchaus schnell zu zwei unterschiedlich benannten Arten kommen, was normalerweise Männchen und Weibchen wären. Das gleiche gilt für Spezies, bei denen die Jungtiere und Jugendformen sich deutlich von den adulten Formen unterscheiden, eben nicht einfach nur Miniaturausgaben darstellen. Triceratops steht unter den Dinosauriern da auch nicht alleine. So steht der Nanotyrannus durchaus im begründeten Verdacht, ein junger Tyrannosaurus rex zu sein. Und jüngst machten zwei andere Dinosaurier, Dracorex und Stygimoloch schlagzeilen, als in einer Studie von Horner und Goodwin der Verdacht aufkam, dass es sich hier ebenfalls um jugendliche Pachycephalosaurier handeln könnte. Der Verdacht konnte sich nur erhärten, weil es sich bei diesen Dinosauriern um Arten handelt, von denen wir vergleichsweise viel fossiles Material von Exemplaren unterschiedlicher Lebensalter besitzen. Nur so lassen sich auch graduelle Änderungen während des Wachstums verfolgen. Es ist daher anzunehmen, dass sich auch in Zukunft noch herausstellen kann, dass zwei in unterschiedlich Arten geführte Formen zu ein und der selben Art gehörten.
 
 
 

John B. Scannella; John R. Horner (2010). Torosaurus Marsh, 1891, is Triceratops Marsh, 1889 (Ceratopsidae: Chasmosaurinae): synonymy through ontogeny Journal of Vertebrate Paleontology, 30 (4), 1157-1168 : DOI 10.1080/02724634.2010.483632

Geschrieben in Dinosaurier . Kommentare: (4). Trackbacks: (0). Permalink


Ölpest am Golf von Mexiko - Nach dem Sturm

30. Juli 2010, 15:06

 

 

 Satellitenaufnahme der Golfregion am 28. Juli 2010. Credit: NASA

Am 24. Juli 2010 hatte die Leiterin der U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), Jane Lubchenco, gehofft, dass der Tropensturm „Bonnie“ den Aufräumungsarbeiten an der amerikanischen Golfküste helfen könnte. Durch den Sturm sollte der Ölfilm feiner verteilt und seine Dicke verringert werden. Dadurch sollte das Öl selber schneller den Einflüssen der Verwitterung und des biologischen Abbaus unterliegen. Nachdem der Tropensturm durchgezogen war, stellten Überflüge der NOAA eine Verkleinerung der Ölfilme fest. Auf einer Satellitenaufnahme des Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) vom Satelliten Aqua am 28. Juli sind in der Nähe des Lecks und des Mississippi-Deltas immer noch glänzend reflektierende Flächen zu erkennen. Diese Flächen können auf Ölfilme hinweisen, welche dort das Reflexionsverhalten der Meeresoberfläche beeinflussen. Wenn diese Flächen Ölfilme darstellen, so sollen sie nach Angaben der NOAA nur vergleichsweise geringe Mengen Öl enthalten. Vermutlich wird das Öl die betroffenen Menschen an der Küste noch eine geraume Zeit in Atem halten, sowohl bildlich gesprochen als auch im wahrsten Sinne des Wortes.



Geschrieben in Umweltgeologie . Kommentare: (0). Trackbacks: (0). Permalink


Homöopathie kann die Leber kosten

28. Juli 2010, 14:36

Wir hatten ja noch vor kurzem die Diskussion, ob Homöopathie weiterhin zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zählen soll. Es war in meinen Augen recht erstaunlich, wie vehement die Verfechter einer (angeblich) sanften Medizin sich für Homöopathie und andere Naturheilmittel in die Bresche warfen und dabei übersahen, dass Homöopathie eigentlich gar kein Naturheilverfahren ist. Und dann kam natürlich auch der Kostenhinweis, dass nämlich die Ausgaben für Homöopathie eh nur gering wären, diese mittel aber doch sonst teure medizinische Verfahren und Heilmittel zumindest teilweise ersetzen und damit Kosten mindern würden. Dass diese Sichtweise mehr als blauäugig ist und einer konkreten Überprüfung wohl ebenso wenig standhalten würden, wie die Homöopathie selber, zeigt folgendes Beispiel:
Wie die Süddeutsche berichtete, hat eine Frau ihren Arzt verklagt. Das alleine wäre sicher noch keine Nachricht. Die Vorgeschichte aber ist schon interessant. Die Frau leidet unter einer Autoimmunhepatitis, ihr Immunsystem greift ihre Leber an und zerstört sie langsam. Unbehandelt führt diese Krankheit zu einer Leberzirrhose und endet mit guter Wahrscheinlichkeit tödlich. Leider, stand die Frau der schulmedizinischen Behandlung äußerst skeptisch gegenüber. Und schon gar nicht wollte sie sich mit Cortison behandeln lassen. Dann schon lieber mit Homöopathie. Jetzt ist die Krankheit fortgeschritten und die Frau wartet auf eine Spenderleber. Also verklagt sie ihren Arzt, der sie homöopathisch behandelt hatte. Er hätte sie halt deutlicher darauf hinweisen sollen, dass sie in Lebensgefahr schwebt. Der hatte sie von einem anderen Arzt mit dem Hinweis bekommen, er möge die als „Beratungsresistent“ bezeichnete Patientin doch bitte zur schulmedizinischen Behandlung überzeugen.
Bereits in der ersten Instanz war die Klage der Patientin abgewiesen worden. Ein Arzt muss nicht ausschließlich die beste Therapie anbieten. Vielmehr hat er diese zwar vorrangig anzubieten, darf und muss aber den Wunsch des Patienten nach einer zweitrangigen Therapie respektieren. Das Wohl und der Wille des Patienten seien das oberste Gesetz.
Jetzt jedenfalls kostet die homöopathische Behandlung mindestens noch eine Lebertransplantation, und wenn alles schlecht läuft, kann sie sogar das Leben kosten. Ich bin daher durchaus der Meinung, dass dieser gefährliche, weil ohne jeglichen wissenschaftlichen Wirkungsnachweis, und durch die Folgebehandlungen auch teure Unsinn nichts im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu suchen hat. Daher unterstütze ich die entsprechende Online-Petition. Und Patienten, die schulmedizinische Behandlungen ablehnen und sich stattdessen Therapien ohne jeglichen wissenschaftlichen Wirkungsnachweis behandeln lassen, sollten auch zu ihren Entscheidungen stehen, wenn es schief geht. Auch der Arzt, der Homöopathie betreibt, sollte mal darüber nachdenken. Da ist also eine Patientin, die allem Anschein nach eine ernsthafte Erkrankung hat. Eine, die sich durch Zuckerkügelchen sicher kaum beeindrucken lässt. Und die auch nicht von alleine verschwindet, wenn man nur lange genug wartet. Hätte er nicht lieber eine weitere Behandlung mit unwirksamer Therapie ablehnen sollen? Mit Hinweis auf die Schwere der Erkrankung? Ist es in Ordnung, dann mit unwirksamen (pseudo-)Therapieformen weiterzumachen, als sei nichts geschehen? Meiner bescheidenen Meinung nach ist es das nicht. Homöopathie kann als durchaus die Leber kosten.



Geschrieben in Hammer . Kommentare: (17). Trackbacks: (1). Permalink


Vulkanische Aktivität am Kilauea

27. Juli 2010, 18:21

 

 

 Aufsicht auf den Halema‘uma’u Krater. Credit: NASA

Aus dem neuen Schlot des Halema‘uma’u Kraters am Overlook dringt seit dem 12. März 2007 eine Wolke aus Wasserdampf, Schwefeldioxid und anderen vulkanischen Gasen. Von September 2007 an ist auch ein kleiner Lavasee im Schlot erkennbar. Messungen vom 16. Juli 2010 zeigen, dass täglich rund 700 Tonnen Schwefeldioxid pro Tag austreten. Der Halema‘uma’u liegt in der mehrere Kilometer durchmessenden Caldera des Kilauea, in der sich auch Lava aus verschiedenen Ausbruchsperioden erkennen lässt. Ältere, bereits angewitterte Lava ist hier bräunlich und stammt von Ausbrüchen aus dem Jahr 1974. Die jüngere Lava ist dunkelbraun und bedeckt die östlichen und südlichen Bereiche der Caldera. Sie stammt aus dem Jahr 1982.
Die Aufnahme stammt vom Advanced Land Imager des EO -1-Satelliten der NASA.

 

 

Karte der Caldera des Kilauea vom April 2008. Credit: USGS


Geschrieben in Vulkane . Kommentare: (0). Trackbacks: (0). Permalink


Ölpest im Golf von Mexiko - Natürliche Öl Lecks

22. Juli 2010, 14:49


 
  Natürliche Ölquellen im Golf von Mexiko. Image Credit: NASA
 
 Die Katastrophe im Golf von Mexiko hält uns immer noch in Atem. Zwar ist es wohl mittlerweile gelungen, das Leck in 1500 m Wassertiefe weitgehend abzudichten, aber es befindet sich noch genug Öl im Golf von Mexiko, um die empfindlichen Ökosysteme an den Küsten und im Meer zu schädigen.
Aber auch wenn normalerweise menschlich Aktivitäten, gerne auch in Zusammenarbeit mit Stürmen und Unfällen für die Verseuchung des Meeres mit Öl verantwortlich gemacht werden (was sie allzu oft ja auch sind), so darf nicht vergessen werden, dass es auch natürliche Austritte von Rohöl geben kann. Und das natürlich auch im Golf von Mexiko, wo sie durchaus in einem erheblichen Maße zur Gesamtmenge des Öls im Meer beitragen. Normalerweise lassen sie sich aber in Satellitenbildern kaum nachweisen, weil sie in der tiefblauen Farbe der Ozeane untergehen. Unter bestimmten Umständen sind sie aber doch sichtbar, zum Beispiel wenn man direkt in die Regionen schaut, in denen das Sonnenlicht in den Meeren reflektiert. Die beiden obigen Aufnahmen stammen vom Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) an Bord des Satelliten Terra und wurden am 13. Mai 2006 aufgenommen (also deutlich vor der aktuellen Katastrophe). Das Öl schwächt die wellen auf der Wasseroberfläche ab, die normalerweise dafür sorgen, dass das Sonnenlicht in viele verschiedene Richtungen reflektiert wird. Dadurch können sich auch kleinere Ölteppiche durch ihr unterschiedliches Reflexionsverhalten von der Umgebung abheben.



Geschrieben in Umweltgeologie . Kommentare: (5). Trackbacks: (0). Permalink


Lateritische Nickellagerstätten

06. Juli 2010, 00:21

Nickel ist ein wirtschaftlich bedeutendes Metall und wird hauptsächlich in der Herstellung von nichtrostenden Stählen und Nickellegierungen eingesetzt. Die weltweit verfügbaren und abbauwürdigen Reserven werden, je nach den Preisen an der Rohstoffbörse und unterschiedlichen Schätzungen auf rund 70 bis 170 Millionen Tonnen geschätzt. Davon wurde beispielsweise im Jahr 2006 ca. 1,340 Mio. Tonnen gefördert.
Das Metall kommt zum größten Teil in zwei Lagerstättentypen vor. Zum einen die liquidmagmatischen Lagerstätten vom Typ des Sudbury-Komplexes im Süden Kanadas. Auf der anderen Seite die lateritischen Lagerstätten, von denen die auf Neukaledonien mit die größten sind. Neukaledonien liegt im westlichen Südpazifik, zwischen 17° und 23° südlicher Breite und 163° und 167° östlicher Länge, rund 1500 Kilometer von der Küste Australien (Queensland) entfernt. Sie waren vor der Entdeckung von Sudbury die bedeutendsten Lagerstätten für dieses Metall und sind auch heute noch mit rund 30 – 35 % an der Weltproduktion beteiligt. Diese Lagerstätten sind in den meisten Fällen miozän bis sub-rezenter Entstehung und liegen daher auch vielfach in den tropischen bis subtropischen Breiten, wie zum Beispiel Kuba, Neukaledonien, Australien, Indonesien, Philippinen, Brasilien, aber es sind auch fossile Vertreter bekannt, in Gegenden, in denen heute keine tropische Verwitterung mehr stattfindet (Ural, Albanien, Griechenland, Schlesien).
Beispielsweise stellen die sedimentären Karst-Nickelerze von Euböa (Griechenland) eine Trümmereisenerzlagerstätte dar, deren Basis mit bis zu 6% Nickel angereichert ist. Hier wurden während der Kreide die lateritische Verwitterungsdecken umliegender Ophiolithe abgetragen und in flachen Bereichen des Meeres abgelagert. Aus Lösungen wurde in den unterlagernden Kalken der Trias und der Jura Nickel wieder ausgefällt. Auch hier in Deutschland haben wir Lagerstätten dieses Typs, beispielsweise im sächsischen Granulitgebirge. Dort bemüht sich zurzeit die Deutsche Rohstoff AG um den Abbau des Erzes.
Das Hauptmineral der Nickellaterite auf Neukaledonien ist  Garnierit (Nickel-Chrysotil), der die Zusammensetzung (Ni,Mg) 6 [(OH) 8 /Si 4 O 10 ] hat. (weiter)

Geschrieben in Lagerstätten . Kommentare: (0). Trackbacks: (0). Permalink


szmtag