Wissenslogs Mit Verstand und Hammer die Erde erkunden

Blog-Teleskop #48

19. März 2010, 16:40

 
Blog-Teleskop
 
Florian hat mir die Ehre übertragen, das 48. Blogteleskop zu veranstalten. Und da will ich auch gleich zum (in meinen Augen) interessantesten Teil kommen. Der jüngsten Entdeckung unter den Exoplaneten: CoRoT-9b. Und dazu, Ehre, wem Ehre gebührt, ist natürlich die Co-Autorin des Nature-Artikels zu beglückwünschen, Ludmila Carone. Und für uns ist es ein Glück, dass sie nicht nur forscht, sondern auch selber bloggt und so „Hinterm Mond gleich links“ natürlich eine exzellente Quelle darstellt. Frischer als aus erster Hand kann Wissen eigentlich nicht sein.  Aber auch im Rest der Bloggosphäre hat die Entdeckung einigen Widerhall gefunden. Lars Fischer fragt sich, ob der neu entdeckte Planet nun ein Freak ist oder nicht, und Florian Freistetter überlegt, ob fremde Gasriesen eventuell bewohnbare Monde haben könnten. Endor  und Yavin lassen grüßen.

Auch sonst ist Florian einer der fleissigsten Blogger. Seine Themen reichen von schlechten Romanen bis zu stellaren Besuchern in unserem Sonnensystem. Hier soll natürlich auch der Fly-by von Mars Express am Marsmond Phobos nicht vergessen werden. Darüber ist auch bei Ludmila und „Go for Launch“ von Michael Khan und „Solscape“ von Olaf einiges zu finden.

Ein etwas seltsames Thema, das nicht direkt mit astronomischen Themen zu tun hat: Claudia von Werlhof, Professorin für Frauenforschung an der Uni Innsbruck, hält das Erdbeben von Haiti vom 12. Februar für absichtlich von den USA mittels HAARP ausgelöst. Und sie wundert sich, dass so eine fern jeglichen geophysikalischen Wissens getätigte Aussage nicht unkommentiert blieb. Sowohl Florian Freistetter (auch hier)als auch Ulrich Berger oder meine Wenigkeit  konnten diese Aussage so stehen lassen. Dafür durften sich Florian und Ulrich dann auch noch von den österreichischen Kommunisten „Schaum vor dem Mund“ vorwerfen lassen.

Auf „Astra´s Spacelog“ wird über die Zukunft der privaten Raumfahrt berichtet, besser gesagt über den Testlauf der Triebwerke der Falcon 9, während sich Carolin Liefke von „Astronomers do it at night“ um den zukünftigen wissenschaftlichen Nachwuchs kümmert.
Bei „Cassini und Co. wird derweil das Dessert angerichtet: Titan-Sorbet. Danach zeigt uns Uhura Uraniae die Physik, die hinter einem stereoskopischen Bildkorrektursystem (aka: Brille) stecken mag.


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Erdrutsch in Kalabrien

17. März 2010, 15:34

Am 15. Februar geriet nach heftigen Regenfällen die Erde in der westlich des Ortes Maierato in Kalabrien in Bewegung. Die Ortschaft wurde vorsorglich komplett geräumt. In der Region wurden über 200 Erdrutsche gezählt. Der große Erdrutsch am Ort fällt in den Aufnahmen vom Advanced Land Imager des EO-1 der NASA vom 14. März 2010  durch seine Färbung ins Auge. Zum Vergleich dieselbe Stelle auf einer Aufnahme vom 13. März 2003. Das Ereignis selber wurde auch gefilmt. Auf dem Video kann man die ungeheure Wucht eines Erdrutsches erahnen.
 

Erdrutsch Maierato 2003

Aufnahme vom 13. März 2003

Erdrutsch Maierato 2010

Aufnahme vom 14. März 2010. Fotos: NASA Earth Observatory

Video des Erdrutsches



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Chile - das nächste Erdbeben kommt bestimmt

16. März 2010, 16:37

Das schwere Erdbeben vom 27. Februar 2010 hat eine auffällige seismische Lücke geschlossen. Das Epizentrum lag rund 115 Kilometer nordnordöstlich der Stadt Conceptión, bei den nachbeben zeigt sich ein Trend der Epizentren in Richtung Süden. Südlich von Conceptión, bei der Stadt Valdivia fand bereits 1960 mit einer Magnitude von 9,5 das stärkste jemals gemessene Erdbeben statt. Fast die gesamte Erdkruste an der Westlüste Chiles hat sich damit innerhalb der letzten 150 Jahre bewegt. Aber eben nur fast die gesamte Erdkruste. Eine Zone mit einer auffälligen seismischen Ruhe verbleibt noch, nördlich des aktuellen Epizentrums.

Entlang der südamerikanischen Küste taucht die pazifische Nazca Platte mit einer Geschwindigkeit von rund 70 mm pro Jahr unter die südamerikanische Platte und taucht dabei ab. Als Konsequenz dieser Kollision der Platten türmt sich parallel zur Küste die Gebirgskette der Anden auf, mit dem darin zu findenden explosiven Vulkanismus. Auch der erst in jüngster Zeit aktiv gewordene Vulkan Chaitén gehört dazu. Die hohe Geschwindigkeit, mit der sich die Nazca-Platte unter die südamerikanische schiebt, ist auch einer der Gründe dafür, dass es in dieser Region immer wieder zu extrem heftigen Erdbeben kommt. Ungefähr einmal innerhalb eines Jahrhunderts wird dabei im Durchschnitt die dortige Kruste von Patagonien im Süden bis hinauf nach Mittelamerika von Starkbeben erschüttert, welche die Spannung abbauen. Bei Conceptión fand das letzte starke Erdbeben im Jahr 1835 statt, wovon schon Charles Darwin berichtete. Die seismischen Aktivitäten im Nachhall des starken Erdbebens vom 27. Februar werden zurzeit von Seismologen vom GFZ in Potsdam in Zusammenarbeit mit Kollegen vom chilenischen seismologischen Dienst analysiert. Sie sollen neue Einblicke in die Dynamik der Plattengrenzen in der Region offenbaren.
 
Plattentektonische Situation an derWestküste Südamerikas. Die Nazca-Platte kollidiert mit der südamerikanischen Platte. USGS; cropped by Wikimedia User Beyond My Ken

Besondere Aufmerksamkeit gebührt dabei auch einer letzten verbliebenen Region mit einer auffallenden seismischen Ruhe, die sich nördlich der jetzt erschütterten Region befindet. Im Norden Chiles, bei Iquique, könnte in den nächsten Jahren erneut ein extrem schweres Erdbeben die Kruste erschüttern. Ein schweres Erdbeben dort könnte auch überregionale Auswirkungen haben. In der Region liegen die weltgrößten Vorkommen an Kupfer und Lithium. Die Entstehung der Lagerstätten ist eng mit der Kollision der beiden Platten verbunden und zeigt, dass plattentektonische Vorgänge nicht nur Tod und Zerstörung bringen.
 
Helmholtz Centre Potsdam - GFZ German Research Centre for Geosciences (2010, March 9). Earthquake in Chile: A complicated fracture.


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Erdrutsche am Mount Elgon

15. März 2010, 22:30

Im Bududa District am Mount Elgon in Uganda ist es am 1. März zu mehreren größeren Erdrutschen gekommen. Dabei wurden mindestens 3 Dörfer verschüttet und 83 Menschen getötet. Es werden aber immer noch (laut UN vom 8. März) rund 300 Personen vermisst, so dass sich die Zahl der Todesopfer möglicherweise noch erhöht.
Auf den Aufnahmen des Advanced Land Imager vom NASA Earth Observing-1 (EO-1) Satelliten vom 11. März zeigen sich die Narben der Erdrutsche deutlich gegen den grünen Hintergrund der Vegetation ab. Die Gegend um den Mount Elgon ist für ihre Erdrutsche bekannt. Einige ältere Narben von Erdrutschen lassen sich auch auf den Satellitenbildern erkennen. Am Mount Elgon sind heftige Regenfälle nicht ungewöhnlich. Zusammen mit der Entwaldung, der übermäßigen Landnutzung und dem hohen Bevölkerungsdruck sowie der tiefgründig verwitterten Böden  können die teilweise recht steilen Hänge das Erdreich nicht mehr halten.

Übersicht über die Lage der Erdrutsch am Mount Elgon. Bukusu und Sekululu sind zwei größere Karbonatitkomplexe südlich des Mount Elgon.

 

Ein sehr großer Erdrutsch.
 
Knapen, A., Kitutu, M.G., Poesen, J., Breugelmans, W., Deckers, J. & Muwanga, A.(2006): Landslides in a densely populated county at the footslopes of Mount Elgon (Uganda): Characteristics and causal factors . - Geomorphology Volume 73, Issues 1-2, January 2006, Pages 149-165 
 
Northern Ugandan Data Center. (2010, March 8). Updated landslide assessment for Namasheti and Ulukusi Parish, Uganda. ReliefWeb. Accessed March 12, 2010.

United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs. (2010, March 8). Uganda: Eastern Uganda Landslides and Floods Situation Report #2. ReliefWeb. Accessed March 12, 2010.


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Der Lava Dom des Chaitén

11. März 2010, 21:30

Der Chaitén ist ein 1.122 Meter hoher Vulkan in den Anden  Patagoniens  im Süden von Chile. Er liegt zehn Kilometer nordöstlich des kleinen gleichnamigen Küstenortes Chaitén in einer vulkanisch sehr aktiven Gegend. Sein Gipfel weist eine rund 3,53 Kilometer durchmessende Gipfelcaldera auf. Der Vulkan ist seit dem 2. Mai 2008 aktiv. In den letzten Monaten beruhigte sich die Aktivität ein wenig, so dass Satelliten einen guten Überblick über die Folgen der jüngsten Ausbrüche geben können.
 

 
Das obere Bild wurde am 25. Februar vom Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) an Bord des Aqua Satelliten aufgenommen und zeigt die Landschaft um den Vulkan in einer Farbaufnahme. Graues vulkanisches Material hat alle Vegetation vom Vulkan in  Richtung Osten überdeckt. Vom Vulkan aus in Richtung Westen sind die Flusstäler ebenfalls mit den Resten von Laharen und pyroklastischen Strömen grau gefärbt. Einer der Flüsse hat auch pyroklastischen Strömen den Weg zum nur rund 10 Kilometer südwestlich gelegenen Ortes Chaitén gebahnt. Der Ort ist aber schon kurz nach dem ersten Ausbruch 2008 evakuiert worden.
 

 
Das zweite Bild zeigt die Caldera mit dem neuen Lava Dom in einer vergrößerten Satellitenaufnahme des Advanced Land Imager (ALI) an Bord vom Earth Observing-1 (EO-1) Satelliten. Die Caldera, die bei einem Ausbruch vor rund 9400 Jahren entstand, wird durch einen neu gebildeten rhyolitischen Lavadom fast komplett ausgefüllt. Östlich vom Krater ist die Landschaft mit grauen vulkanischen Aschen bedeckt, die Vegetation der Hänge ist tot oder durch die ständigen Ausbrüche am absterben. Auf der westlichen (linken) Seite des Bildes findet sich hingegen immer noch vergleichsweise gesunder Wald an den Hängen.


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Erdbeben: Nächster Halt Istanbul?

10. März 2010, 22:09

Am 8. März 2010 wurde der östliche Teil der Türkei nahe der Stadt Bingöl von einem Erdbeben der Magnitude 6,1 erschüttert. Ursache war die Ostanatolische Störung, welche die Grenze zwischen der nordwärts bewegenden arabischen Platte und der westlich gleitenden anatolischen Mikroplatte darstellt, wobei die relative Bewegung ca. 24 mm pro Jahr beträgt. Die Herdflächenlösung für das jüngste Beben zeigt auch deutlich (vergleiche auch das Beben von Haiti) die Beteiligung von Transversalstörungen.
 

Bingöl Beben
Lage des Erdbebens in der Türkei vom 8. März 2010. USGS
 
Die Türkei ist ein tektonisch recht aktives Gebiet, die anatolische Mikroplatte ist eingeklemmt zwischen der eurasischen Platte im Norden und der arabischen sowie der afrikanischen Platte im Süden. Durch die Kollision der südlichen Platten mit der nördlich gelegenen eurasischen Platte wird die anatolische Mikroplatte gequetscht und in westliche Richtung gedrückt. Die Ostanatolische Störung ist auch schon früher durch heftige Erdbeben in Erscheinung getreten, so beispielsweise am 1. Mai 2003, dessen Epizentrum nur unweit des aktuellen Bebens lag.
 

Störungen in der Türkei und die Lage des Erdbebens vom 1. Mai 2003, dessen Epizentrum nur unweit des aktuellen Bebens vom 8. März lag. USGS
 
Im Norden wird die anatolische Mikroplatte durch die Nordanatolische Verwerfung begrenzt, einer rechts-lateralen Störung, die rund 1500 Kilometer quer durch die Türkei reicht.. Auch diese Störung ist recht aktiv und hat schon viele Erdbeben ausgelöst. Das heißt, blickt ein Mensch während eines Bebens über eine solche rechts-laterale Störung, bewegt sich die ihm gegenüberliegende Seite nach rechts. Die Epizentren der Erdbeben, welche durch diese Verwerfung ausgelöst wurden, wandern seit 1939 stetig in Richtung Westen. Damit gerät auch Istanbul in Gefahr. Die Stadt liegt nur rund 20 Kilometer von der Nordanatolischen Verwerfung entfernt, und sie wurde seit 1766 nicht mehr von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Zurzeit ist dieser Teil der Störung auffallend ruhig, eine Seismische Lücke, vergleichbar den Seismischen Lücken, welche den Erdbeben von Port-au-Prince vom 12. Januar 2010 oder Chile vom 27. Februar 2010 vorangegangen waren. Je länger eine ansonsten aktive Störung ruhig bleibt, desto mehr Spannung kann sich aufbauen, die sich schließlich in einem Erdbeben entladen kann, wenn die Bruchlast der Gesteine überschritten wird. Es besteht allerdings die wohl begründete Hoffnung, dass die größte Stadt der Türkei nicht von einem einzelnen schweren Erdbeben getroffen wird und stattdessen von einer Serie moderater Beben, auch wenn das für die Betroffenen sicher nur ein schwacher Trost sein dürfte. Auch ein Erdbeben von 7.0 oder 7.6 dürfte der dicht bevölkerten Stadt mit ihren  vielen historischen und teilweise auch jüngeren, nicht unbedingt erdbebensicheren, Gebäuden schweren Schaden zufügen. Die Bewegungsstärke der Störung in dem betroffenen Gebiet liegt zwischen 12 und 28 mm pro Jahr. In einem Paper in Nature Geoscience haben Hergert & Heidbach jetzt festgestellt, dass ein großer Teil der Bewegung von kleineren Verwerfungen aufgenommen wird, so dass die Hauptverwerfung sich nur zwischen 12 und 17 mm pro Jahr bewegt.
 
Westlicher teil der Nordanatolischen Verwerfung nahe Istanbul

Westlicher Teil der Nordanatolischen Verwerfung. Die Aktivität bewegt sich an der Störung wetswärts auf Istanbul zu. das letzte schwere Erdbeben an der Störung war 1999 in Izmir, rund 80 Kilometer vor Istanbul. USGS.
 
 
 


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Halbwissen schützt vor Schwurbelei nicht

09. März 2010, 21:44

Mangelhaftes Grundwissen und Halbwissen ist, wenn man unbedingt darauf eine eigene Theorie aufbauen will, meist nicht besonders förderlich. Das kann schnell dazu führen, dass man Dinge verknüpft, die absolut nichts miteinander zu tun haben. So wie Andreas Thiel es in den Video zum Beispiel mit Schatten, Photosynthese und grünen Wellensittichen macht.


Das kann allem Anschein nach auch Akademikern passieren. Ein gutes Beispiel ist hier Claudia von Werlhof, einer Professorin der Universität Innsbruck. Sie ist der Meinung, dass das Erdbeben von Haiti mittels HAARP ausgelöst wurde, um den Amerikanern einen Grund für einen Einmarsch zu geben. Florian Freistetter hat  den Fall sehr schön seziert. So ein bisschen muss ich aber hier auch noch meinen Senf dazu geben. Denn es zeigt sich hier meiner Meinung nach exemplarisch, wie man mit Halbwissen, Allgemeinplätzen und etwas Ideologie schnell ein verschwörungstheoretisches Weltbild zimmern kann. Leider machen dabei auch Journalisten nicht immer eine gute Figur. Das zeigt schon die Bericht auf ORF tirol:

Künstliche Erdbeben um Erdöl aufzuspüren Maschinen, die künstliche Erdbeben auslösen, sind Ausgangspunkt für die heftigen Diskussionen. Solche Maschinen sollen in einem Militärforschungszentrum in Alaska existieren und dazu benutzt werden, Erdölreserven aufzuspüren.

Diese ominösen Maschinen sollen also (angeblich) in einem Militärforschungszentrum in Alaska stehen. Dabei ist erst einmal nichts dubioses und verschwörerisches an derartigen Maschinen. Diese Verfahren, künstliche Bebenwellen zum Erkunden des Untergrundes und zum Aufspüren von Rohstoffen zu nutzen, ist eines der Standardverfahren in der Exploration, also dem Finden von Rohstoffen. Dazu benutzt man entweder Sprengungen oder spezielle Fahrzeuge mit Vibratoren sowie einer Reihe von Geofonen, welche die erzeugten Wellen aufzeichnen.



Vibroseis-Fahrzeug in München, Horemu CC-by-sa 3.0

Wie man unschwer sehen kann, ist daran also nichts geheimnisvolles. Wenn man aber, wie in dem Beispiel von Andreas Thiel, jetzt Dinge verknüpft, die nichts miteinander zu tun haben, dann kommt man schnell auf eine seltsame Schiene. Frau von Werlhof hier verknüpft diese normale Explorationsseismik mit den Verschwörungstheorien um HAARP, und heraus kommt dann die Idee einer Erdbebenwaffe. Die Sache ist an sich nichts neues, um HAARP drehen sich eine Menge abgedrehter Verschwörungstheorien, die auch nicht abwegiger sind. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie jeglicher physikalischer und geophysikalischer Grundlage entbehren. Daher erstaunt es mich ein wenig, dass Frau von Werlhof sich darüber wundert, wenn ihr Institutsleiter ihr institutsschädigendes Verhalten vorwirft. Von einer akademisch gebildeten Person, wie sie es ist, sollte man eigentlich erwarten können, dass sie sich über die Grundlagen der Dinge informiert, über die sie sich öffentlich(!) äußert. Sie scheint sich auch nur wenig mit den geophysikalischen Grundlagen des Bebens von Haiti befasst zu haben, denn diese kommen in ihrer Argumentation nicht vor. Im Gegenteil:


Den Grund, den Herr K. für das Eintreten dieses angeblichen Schadens genannt hat, ist meine Aussage in einem Interview im Standard, Wochenendausgabe 13./14.2.2010 zum Thema Krise: „Wo ist das Geld?“, in dem ich unter der Überschrift „Kapitalismus, ein Zerstörungsprojekt“ am Schluss darauf hingewiesen habe, dass das Erdbeben in Haiti womöglich kein natürliches, sondern ein mechanisch produziertes gewesen sein könnte. Dies wird jedenfalls international diskutiert.

Nein, in den Fachkreisen, und nur um die geht es, wird genau das nicht diskutiert. Wenn sie aber de Kreise der Verschwörungstheoretiker meint, die das durchaus diskutieren, muss ihr eines klar sein: Diese Kreise sind wohl kaum einer wirklich ernst zu nehmende Quelle. Auch nicht, wenn sie der Präsident von Venezuela sind. Wer sich auf so dubiose Quellen stützt (im anderen Fall sollte sie schlicht seriöse Quellen nennen), der darf sich eigentlich nicht wundern, wenn der Ruf leidet.
Und von einer akademisch gebildeten Person darf man doch sehr wohl etwas mehr erwarten, oder?


Dabei habe ich nichts Geringeres als die theoretisch, ja paradigmatisch völlig neue Sicht der in Innsbruck in über 20 Jahren entstandenen „Kritischen Patriarchatstheorie“ auf die Neuzeit und Moderne als „kapitalistisches Patriarchat“ und historisch tief verankertes Projekt einer „Schöpfung aus Zerstörung“ vertreten, die es inzwischen objektiv nötig macht, der - an ihre dadurch nun auftretenden Grenzen geratenen - westlichen Zivilisation eine Alternative entgegen zu setzen.

Whow! Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Vielleicht ist Frau von Werlhof ja mal so freundlich und erklärt uns Geowissenschaftlern, was diese "kritische Patriarchatstheorie" über die Entstehung von Erdbeben so aussagt. Die geophysikalischen Theorien über die Entstehung von Erdbeben allgemein und die Daten zum Beben in Haiti lassen jedenfalls wenig (nein eigentlich sogar keinen) Spielraum für eine künstliche Auslösung. Die Herdflächenlösung des Bebens zeigt ganz eindeutig den Zusammenhang mit einer Transversalverschiebung, eine solche liegt mit der Enriquillo-Plantain-Garden-Verwerfung vor, der Abschnitt des Bebens war seit über 200 Jahren verdächtig ruhig. man kann sogar so weit gehen, dass dieses Erdbeben von den Geophysikern regelrecht vorhergesagt wurde (ich werde irgendwie das Gefühl nicht ganz los, dass auch diese Tatsache in die Verschwörungstheorien ihren Eingang finden wird).

Der bahnbrechende Fortschritt, den die Kritische Patriarchatstheorie damit für die Wissenschaft bedeuten könnte, wird angesichts eines angeblich anderen „Wissenschaftsverständnisses des Instituts“ also von dessen Leiter noch nicht einmal bemerkt

Oh ja. Da sollte sie vielleicht mal dran Arbeiten. Ich persönlich kann keinen "bahnbrechenden Fortschritt" dieser Theorie in Bezug auf die Geophysik erkennen. Und Erdbeben sind  nun einmal Gegenstand der Geophysik. Ich gehe sogar so Weit und hege arge Zweifel, dass es sich bei dieser "kritischen Patriarchatstheorie" um eine wissenschaftliche Theorie im engeren Sinne handelt. Schlicht und einfach aus dem Grund, weil wohl kaum eine Theorie aus der Politikwissenschaft so ohne Weiteres einen Geltungsbereich in der Geophysik beanspruchen kann (oder in der Biologie, der Astronomie oder der Chemie etc.). Es ist meiner Meinung nach eigentlich ein gutes Zeichen für pseudowissenschaftlichen Unsinn, wenn Theorien so deutlich über ihren ursprünglichen Erklärungsbereich hinaus Anwendung finden sollen und am Schluss quasi als einfache Erklärung zu einer „Theorie für Alles“ werden.

Wie, wenn es stimmt, wenn Haiti tatsächlich nicht durch ein natürliches Beben zerstört worden wäre? Diesen furchtbaren Verdacht, der mir die Haare zu Berge stehen lässt, kann man doch nicht im Raume stehen lassen.


Wie, wenn Frau von Welhof sich einmal mit einem Geophysiker darüber ausgesprochen hätte? Ist es für kritische PatriarchatstheoretikerInnen so ein Problem, sich über Dinge zu informieren, über die man sich öffentlich äußern möchte? Oder besteht vielleicht doch ihre ganze Sache darin, möglichst unbelastet von Basiswissen Ideen zusamenzuzimmern, egal ob sie irgendeinen Bezug zur erfahrbaren Realität haben, oder eben nicht? Aber, so stellt sich mir die Frage, wie will sie den  Ernst genommen werden, wenn sie genau das nicht tut? OK, so wie sich ihr Text für meine Augen darstellt, sieht sie jegliche Kritik als Beleg für eine chauvinistische Verschwörung gegen sich. Ich kann ihr aber gerne versichern, auch wenn sie ein Mann wäre, ich hätte den selben Text verfasst.

„Moralisch“ besteht die Möglichkeit, dass die Haiti-These stimmt, technisch angeblich auch (das HAARP in Alaska und seine Möglichkeiten, wie z.B. auch der Wettermanipulation, sind seit langer Zeit bekannt, z.B. auch dem EU-Parlament, und politisch – geopolitisch, ressourcenpolitisch – erst recht, wenn es nämlich stimmt, dass vor Haiti und Cuba riesige Ölvorkommen entdeckt wurden. 

Auch hier wieder der Hinweis auf verschwörungstheoretische Quellen. Die besagte Anhörung des EU-Parlaments fand am 5. Februar 1998 statt. Einziger Befragter, obwohl auch Vertreter der USA und NATO eingeladen waren, bei dieser Anhörung war der Buchautor und Geschäftsmann Nick Begich jr.. Er vertritt die Meinung, dass die HAARP-Anlage für „geophysikalische Kriegsführung“ genutzt werden könne. Er beruft sich dabei auf ältere erteilte amerikanische Patente, die jedoch aufgrund von Einschränkungen nicht realisierbar sind. Patente können in den USA unabhängig von ihrer Realisierbarkeit erteilt werden. So soll bei einem der von Begich genannten Patente etwa ein Drittel des Strombedarfs der gesamten USA für eine derartige Anlage zur Verfügung stehen müssen. Das Ergebnis dieser Anhörung ging in einen Entschließungsantrag an das Europäische Parlament ein, in dem Bedauern über die Informationspolitik der USA bezüglich HAARP und der Bedarf nach weiterer unabhängiger Forschung zu den Auswirkungen von HAARP ausgedrückt wird. Das als Beleg fürd die Existenz einer "Erdbebenwaffe" zu nehmen oder gar für einen Angriff der USA auf Haiti mit dieser Waffe, ist mehr als nur dünn.

Und was bittte soll die Bemerkung „Moralisch“ besteht die Möglichkeit, dass die Haiti-These stimmt,…“? Soll das so viel heissen wie: Wenn sich auch die Fakten meiner These verweigern, so bin ich moralischer Sieger über die Realität!? Oder ist das nur eine der Worthülsen, mit der hier Ahnungslosigkeit vor dem werten Publikum kaschiert werden soll?

Auch faktisch könnte vieles darauf hinweisen, wie z.B. die Tatsache, dass in der gleich angrenzenden Dominikanischen Republik keinerlei Folgen dieses Erdbebens registriert wurden, 

Leider hat Frau von Werlhof es verpasst, sich über Erdbeben zu informieren. Hier besonders über die Ausbreitung von Erdbebenwellen. Ein Beben der Stärke 7.0 hat nicht unbedingt so überregionale Auswirkungen. Ein einfacher Blick zum USGS hätte da schon geholfen.

Karte der Intensitäten des Erdbenens von Port-au-Prince vom 12. Januar 2010, USGS

Wie man unschwer erkennen kann, reichen die Intensitäten oberhalb von VII und VIII, sie sind anders als die Magnitude von der Auswirkung des Bebens auf die Landschaft und künstliche Strukturen abhängig, nicht weit vom Epizentrum weg.
oder die logistische Meisterleistung, 10.000 US-Soldaten bereits 3 Tage nach dem angeblich so überraschenden Beben organisiert einmarschieren und die Macht in Haiti übernehmen zu lassen.
Wenn ich mir die Unternehmungen der US Army in den letzten Jahrzehnten so anschaue, dürfte das diese wohl kaum vor nennenswerte Herausforderungen gestellt haben. Und egal, wie man den Amerikanern gegenüber eingestellt ist. Irgendjemand musste in Haiti was unternehmen, der Staat Haiti, der ja schon vor dem Erdbeben nicht sonderlich effizient organisiert war, war bei dem Edbeben weitgehend kollabiert. Präsident  Préval wusste in den ersten Tagen ja noch nicht einmal, welche seiner Minister überlebt und welche seiner Behörden nicht vollständig eingestürzt waren. Schon vor dem Beben wurde Haiti vom Fund for Peace als Schwacher Staat, von Foreign Policy sogar als gescheiterter Staat klassifiziert. 

Ohne dass also auswärtige Kräfte quasi eine Art Gewaltmonopol herstellten, hätten es viele Hilfsorganisationen sehr schwer gehabt, effiziente Hilfe vor Ort leisten zu können. daraus aber eine Verschwörung zu stricken, ist ein klein wenig dünn, wenn nicht sogar boshaft den USA gegenüber.

Mein Wissenschaftsverständnis orientiert sich an der erfahrenen Realität und nicht an irgendwelchen Kalkülen.

Das wäre mir ohne diesen Hinweis wirklich nicht aufgefallen. Gut, dass sie es sagt. Schlecht, dass sie es allem Anschein nach bei Worten belässt und daraus keine Konsequenzen zieht. Wie wäre es also, hier mal einen Realitätscheck zu machen. Geophysiker soll es ja sogar in Innsbruck geben, auch wenn sie sich weniger mit Seismik beschäftigen. Mir scheint hier doch Anspruch und Wirklichkeit ein klein wenig auseinanderzudriften.



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Das Erdbeben von Chile am 27. Februar 2010

01. März 2010, 22:46

  

Erdbeben in Chile vom 27. Februar 2010

  Lage des Epizentrums, USGS.

Am 27. Februar um 3:34 Uhr Ortszeit wurde Chile von einem Erdbeben der Magnitude 8,8 erschüttert. Damit gehört das Erdbeben zu den stärksten Erdbeben, die jemals gemessen wurden (irgendwo No. 5 der stärksten Beben) und ist ca. 100 mal stärker als das Beben, welches Haiti am 12. Januar erschütterte. Das Epizentrum liegt rund 115 Kilometer NNE der zweitgrößten Stadt Chiles, Conceptión, und 325 Kilometer SW der Hauptstadt, Santiago. Bislang sind rund 700 Todesopfer geborgen worden, aber es steht zu befürchten, dass diese Zahl noch steigen wird, je weiter die Rettungskräfte vordringen. Das Epizentrum liegt an der Grenze, an der die pazifische Nacza-Platte unter die südamerikanische Platte taucht. Die beiden Platten bewegen sich dabei mit der für geologische Verhältnisse hohen Geschwindigkeit von rund 80 mm pro Jahr aufeinander zu. Das ist auch einer der Hauptgründe dafür, dass dieses Erdbeben so stark war, und dass die chilenische Küste im speziellen und die südamerikanische Pazifikküste im Allgemeinen immer wieder Schauplatz extrem starker Beben war. Seit 1973 fanden hier mindestens 13 Beben statt, die eine Magnitude von 7,0 oder sogar größer hatten. Und am 22. Mai 1960 fand nur rund 230 Kilometer südlich des aktuellen Bebens das stärkste jemals gemessene Erdbeben mit einer Magnitude von 9,5 statt.

 

Die Westküste Südamerikas mit der Plattengrenze in einer Aufnahme der Shuttle Radar Topography Mission, die im Februar 2002 von Bord der Endeavour durchgeführt wurde. NASA Earth Observatory.

Bemerkenswerter Weise hat Charles Darwin auf seiner berühmt gewordenen Reise mit der Beagle die Gegend um 1835 besucht, einige Jahre nach einem Erdbeben, das möglicherweise eine Magnitude von 8,5 aufwies. Seine Beobachtungen der der verantwortlichen Störung und der Veränderungen an Land helfen auch heute noch den Seismologen, wenn sie versuchen, die Aktivität der Störungen vorherzusagen. Das Prinzip, nachdem man hier vorgeht, ist denkbar einfach: Eine Störung, die einmal für ein schweres Erdbeben verantwortlich war, wird auch in der Zukunft gefährlich bleiben, vor allem, wenn sie sich über längere Zeiträume ruhig verhält. Und dieser Teil war seit dem Erdbeben von Charles Darwin sehr ruhig geblieben. Das Erdbeben von 1960 hat dann südlich für eine Entladung der Spannung gesorgt, und bereits 1906 entlud sich nördlich bei Valparaiso die Spannung in den Gesteinen. In dem Segment aber, das am 27. Februar nachgab, wuchs die Spannung weiter. Das wurde letztes Jahr von einem Team um Jean-Claude Ruegg (2009) vom Institut de Physique du Globe in Paris mit Hilfe von GPS-Messungen nachgewiesen. Hier wurde explizit vor der Gefahr eines schweren Erdbebens in der Region gewarnt. Also auch hier, ähnlich wie bei Haiti, hatten die Geophysiker die Gefahr erkannt. Nun ist e aber eine Seite, die potentielle Gefahr zu kennen, und eine ganz andere, vor einem Erdbeben zu warnen. Denn der genaue Zeitpunkt, an dem sich die aufgestaute Spannung entladen würde, der ist bislang noch nicht vorhersehbar. Aber es zeigt auch, dass man der trügerischen Ruhe einer aktiven Störung nicht trauen darf, und dass, je länger diese Ruhe andauert, desto mehr Spannung aufgebaut werden kann, die sich dann mit einem Schlag entlädt.
Das Beben von 1960 verursachte einen großen Tsunami, der auch weit entfernt auf Hawaii und in Japan für Tod und Zerstörung sorgte. Glücklicherweise hatte das aktuelle Beben keine so großen Auswirkungen, der entstandene Tsunami hatte zwar an den Küsten Chiles verheerend gewirkt, aber er war auf Hawaii und in Japan vergleichsweise klein und diente hauptsächlich als spektakuläres Naturschauspiel. Einer der Gründe war sicher auch die lange Vorwarnzeit, die dort diesmal gut genutzt werden konnte. Auf einigen näher zum Epizentrum liegenden Inseln hingegen reichte die Zeit nur knapp, die tief liegenden Gebiete zu evakuieren. Außerdem lag das Epizentrum des Bebens in einem Gebiet mit vergleichsweise geringerer Wassertiefe, so dass auch dies den Tsunami in Grenzen hielt.
Das Beben hatte auch im tieferen Sinn erderschütternde Folgen. Die Erdachse hat sich um ganze 2,7 Milliarcsekunden verschoben, das entspricht rund 8 Zentimetern. Außerdem ist der Tag um volle 1,26 Mikrosekunden kürzer geworden. Zum Vergleich, das Beben von Sumatra 2004 hat die Tageslänge um volle 6,8 Mikrosekunden verkürzt.

 

Das Erdbeben hat nicht nur direkt viele Gebäude zerstört, sondern auch indirect, in dem es die Gasleitungen brechen ließ und so Brände auslöste. Das zeigen auch Satellitenaufnahmen des Terra-Satelliten, der die Hauptstadt Chiles, Santiago, am 27. Februar überflog und mit dem Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) aufnahm. Über der Stadt ist Nebel zu erkennen, der eventuell auf Luftverschmutzung zurück geht. Über den nördlichen Teilen der Stadt hängen aber zusätzlich dicke schwarze Rauchwolken, die auf ausgedehnte Brände hindeuten.

Auch bei diesem Erdbeben hat sich die Infrastruktur als besonders empfindlich gezeigt. Das macht es Rettungskräften nach einem Erdbeben sehr schwer, schnell zu den Verschütteten und Verletzten zu gelangen, oder Hilfsgüter in das Katastrophengebiet zu transportieren. Die Gefahr steigt noch, wenn man aufgeschwemmte Sedimente und aufgeständerte oder gar doppelstöckige Fahrwege nimmt. Ein anderes Beispiel wäre hier das Loma Prieta Beben in Kalifornien von 1989. Das Beben mit der Magnitude 6,9 hat einen Doppelstöckigen Freeway zusammenbrechen lassen. Durch die Zerstörung werden dann nicht nur die Straßen selber unpassierbar und bilden für die Benutzer der unteren Etage regelrechte Todesfallen, sie bilden mit ihren Trümmerbergen auch Hindernisse, die Stadtteile regelrecht abschneiden können. Das Video zeigt eine Simulation eines 7.0 Erdbebens auf eine Küstenparallele Straße und ein doppelstöckiges Viadukt, das Alaskan Way Viadukt in Seattle.

 

J.C. Ruegg, A. Rudloff, C. Vigny, R. Madariaga, J.B. de Chabalier, J. Campos, E. Kausel, S. Barrientos and D. Dimitrov (2009): Interseismic strain accumulation measured by GPS in the seismic gap between Constitución and Concepción in Chile. Physics of the Earth and Planetary Interiors.Volume 175, Issues 1-2, June 2009, Pages 78-85

 



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Haiti: Erdbeben und Tsunamis

25. Februar 2010, 21:03

Das verheerende Erdbeben vom 12.Januar 2010 in Haiti hat vermutlich auch mindestens 2 mehrere Meter hohe Tsunamis ausgelöst, wie am 24. Februar auf einer Konferenz in Oregon bekannt wurde. Als erstes war es Hermann Fritz, einem Ingenieur vom Georgia Institute of Technology aufgefallen. Als er Anfang Februar mehrere Tage in den Küstenregionen Haitis verbrachte, haben ihm Fischer davon berichtet.
Als der Erdbeben passierte, hatten die Computermodelle einen kleinen Tsunami für die südliche Küste Haitis vorhergesagt, der aber nur bis zu 20 Zentimeter haben sollte. Allerdings waren die Wellen, die direkt an den Stränden von Haiti ankamen, bis zu 3 m hoch. In Jacmel, einem Ort an der Südküste, haben die Wellen auch die Baracken von UN-Soldaten gettroffen, die aber zum Glück zu dem Zeitpunkt ihre Unterkünfte bereits verlassen hatten. Die Männer aus Sri Lanka hatten ihre Erfahrung mit Tsunamis genutzt, um sich auf höhergelegenes Terrain zu retten.
Über die genauen Ursachen dieser Tsunamis wird noch gerätselt. Eigentlich sollte ein Erdbeben wie das von Port-au-Prince keine allzu großen Tsunamis erwarten lassen. Hier, bei einer Blattverschiebung, bewegen sich die beteiligten Platten aneinander vorbei und nicht wie bei dem großen Erdbeben von 2004 im Indischen Ozean, auf und ab. Vielleicht hat das Erdbeben die Wellen auch nicht direkt ausgelöst, aber andere Folgen des Bebens könnten in Frage kommen. Der Tsunami in der Bucht von Port-au-Prince zum Beispiel, der stellenweise bis zu 70 m weit ins Landesinnere reichte, könnte durch untermeerische Erdrutsche ausgelöst worden sein. Satellitenbilder und Fotos sollen die Änderungen der Küstenlinie aufzeigen. Palmen seien bis zu 7 m weit in das Wasser versetzt worden. Außerdem seien die Wellen bereits nach knapp 15 Sekunden auf die Küste geprallt, was für Unterwasserrutschungen sprechen würde.
Auch für den Tsunami an der Südküste wurden multiple Unterwasserrutschungen vorgeschlagen. Da der Tsunami eine größere Wellenlänge zeigte und erst rund 5 Minuten nach dem Beben eintraf, deutet dies auf eine ausgedehnte Quelle hin.
Auch in diesem Fall standen die Menschen dem Wasser weitgehend arglos gegenüber. Sie blieben, als sich das Wasser der Südküste zurückzog, anstatt sich auf höher gelegenes Gebiet zu flüchten. Es zeigt sich wieder, wie wichtig die Information der Küstenbevölkerung über die Gefahren von Tsunamis sind.

Haiti earthquake produced deadly tsunami

Deadly Tsunami Swarm Hit Haiti After Quake, Experts Say 

 

 



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Soufrière Hills nach dem jüngsten Ausbruch

25. Februar 2010, 14:29

Montserrat, am 17. März 2007

Montserrat, am 21. Februar 2010 (Fotos: NASA Earth Observatory)

Zwei Falschfarbenaufnahmen der Insel Montserrat in der Karibik, eine vom 17. März 2007 und eine vom 21. Februar 2010. Die roten Flächen sind mit dichter Vegetation bewachsen während die von vulkanischer Asche bedeckten Flächen grau dargestellt sind. Dabei sind ältere Ablagerungen dunkler als jüngere.

Am 11. Februar 2010 kam es auf der Insel Montserrat zu einem größeren Ausbruch des Vulkans Soufrière Hills, der von einem Kollaps des Lava Domes ausgelöst wurde. Pyroklastische Ströme gingen über die Nordflanke des Vulkans hinunter und zerstörten die Siedlung Harris auf ihrem Weg. Da diese Siedlung schon zu Beginn der derzeitigen Aktivitäten im Jahr 1995 aufgegeben wurde, kamen hier keine Menschen zu Schaden. Einige der pyroklastischen Ströme erreichten das Meer bei Trant´s Bay und schoben die Küstenlinie um ca. 650 m hinaus.
Weitere Ströme liefen entlang der Täler des White River, Tar River und Belham River, deren Flussbetten jetzt mit vulkanischen Ablagerungen bedeckt sind. Bereits am 18. Januar und wieder am 5. Februar erreichten Ströme die alte Inselhauptstadt Plymouth. 



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