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Winter an der Adria

von Ursula Loos, 24. Januar 2010, 08:19

hutovo blato 1Letzte Woche begleiteten wir Martin Schneider-Jacoby von EuroNatur bei der winterlichen Wasservögel- zählung an der Adria.

Mit von der Partei waren Kroaten und Bosnier, die bei den Vogelschutz-NGOs vor Ort engagiert sind.

Unser erstes Ziel bildete Hutovo Blato, ein Feuchtgebiet in Bosnien (knapp 30 Kilometer vom Meer entfernt, auf halbem Weg nach Mostar). Die weite, stille Landschaft bietet ideale Lebensräume für Vögel und beste Voraussetzungen für Ökotourismus – leider gibt es kaum Vögel aufgrund der unkontrollierten Jagd. Uns haben die wenigen Silber- und Seidenreiher, Brachvögel, Bekassinen, Rohrweihen und die schönen Bilder zwar erfreut – aus ornithologischer oder ökologischer Sicht ist es allerdings dramatisch! Für die Ranger ist es nicht leicht durchzugreifen; die Jäger sind zwar bekannt, aber wer jemanden verpfeift, muss mit gewissen Konsequenzen leben. So geht man der Konfrontation lieber aus dem Weg.

Martin Schneider-Jacoby ist sicher: "Die Naturlandschaft des Hutovo Blato ist so beindruckend, dass sie jeder Zeit den Schutz als National Park verdienen würde."

Und im Neretva-Delta selbst das Gerangel kommerzieller Interessen: Ein Großteil des Deltas ist kanalisiert und trockengelegt. Hier werden vor allem Mandarinen angebaut, aber auch anderes Obst, Salat und Gemüse. Viele Menschen hier im Delta leben von der Landwirtschaft, schließlich ist hier in der fruchtbaren Ebene die Bewässerung einfach. Die von Kanälen durchzogenen Anbauflächen ergeben von den umgebenden Hügeln betrachtet faszinierende Bilder – und das immer vor dem Hintergrund der schneebedeckten Berge Bosniens.

Noch wäre genug Platz für diverse ausreichend große Schutzgebiete (das Delta steht längst unter dem Schutzstatus der Ramsar-Konvention), denn die Randgebiete im Delta sind noch unberührt vom Anbau.

Quadratkilometer weit erstrecken sich hier die Schilfgebiete. Doch höchsten eine Rohrweihe oder Graureiher sind zu entdecken. Offensichtlich jedoch sind die kleinen Jagdunterstände, die illegal überall im Schilf gebaut worden sind. Zum Teil schwimmen Plastikenten auf den Tümpeln – selbst bei Jagdverbänden verpönte Lockvögel. Angeblich geht ein Teil der Beute über die Grenze nach Italien …

Statt auf Jagdtourismus könnte die Region auf Ökotourismus setzen – die Gegend bietet ideale Voraussetzungen zum Bird Watching und könnte mit überschaubaren Mitteln entsprechend entwickelt werden. So windet sich eine enge Straße sanft am Osthang des Kuti-Sees den Hang entlang: eine herrliche Strecke für Radfahrer und Ornithologen. Wir passieren winzige Dörfer, traditionell in Schwarz gekleidete alte Frauen, offene Gemeinschaftsgrills.

An einer Kapelle, deren Glocke noch mit einem einfachen Seil geläutet wird, machen wir Rast und genießen die Ruhe und Stille. Nur die Kröten klingen aus dem Tal empor, doch leider kaum ein Vogel. Und auf dem Gegenhang wird in kurzer Zeit die Autobahn nach Dubrovnik verlaufen – eine erschreckende Vorstellung.

Im Mündungsbereich der Neretva gibt es endlich etwas zu zählen: Auf Sandbänken und angeschwemmten Baumstämmen sitzen zig Kormorane, Krähenscharben, Möwen, Reiher und Kibitze.

Aber hier könnten tausende von Vögeln überwintern.

Nur wenige Kilometer nördlich die vielen Kräne, die den Ausbau des Hafenbeckens von Ploce bezeugen – kaum ein Naturschutzaspekt in diesem sensiblen Bereich wird berücksichtigt. Im Süden erkennt man auf der gegenüberliegenden Küste, der Halbinsel Peljesac, mit bloßem Auge die Baustelle der geplanten Brücke vom Festland auf die Halbinsel. Mit ihr kann man in ein paar Jahren den bosnischen Korridor zum Meer, der Dubrovnik vom restlichen Kroatien trennt, umfahren.

Es wird viel geplant und viel gebaut. Von kommunaler oder staatlicher Seite gibt es leider noch wenige konkrete Ansätze zum Umwelt- oder Naturschutz und auf privater Ebene wenig Interesse. Die meisten Menschen kämpfen noch für ihre eigene wirtschaftliche Existenz und hoffen auf ein wenig Wohlstand. Traditionen in Natur- und Umweltschutz sind wenig ausgeprägt.

Martin Schneider-Jacoby hofft: "Seit 1992 plant Kroatien, das Nertetva Delta mit Hilfe eines Naturparks zu entwickeln und damit dem Ramsar Gebiet das nötige Management zu geben. Ich hoffe, dass dieser hervorragende Ansatz im Biodiversitätsjahr 2010 endlich umgesetzt wird."

Wir hatten zwar Nachtfrost, aber tagsüber war es sonnig, klar, hell. Ich bin noch ganz erfüllt von Licht und Sonne und Weite. Welch ein Kontrast zum grauen Winter in Deutschland.

Es ist traumhaft schön hier und noch ist es nicht zu spät.



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