Blühinduktion
Ich habe einmal gelernt, dass das mediterrane Klima den Rhythmus unserer Obstbäume durcheinanderbringen kann. An unserem Zwetschgenbäumchen konnte ich das in den vergangenen Monaten tatsächlich beobachten: Es bildete auch mitten im Winter zaghaft, aber tapfer immer wieder einzelne Blüten und (ziemlich mickrige) Früchte; auch ein paar zarte Blättchen zeigte es. Gut, wir leben hier auf der kroatischen Insel Korcula – ungefähr auf der Höhe von Elba – und die Winter sind mediterran. Aber laue und frühlingshafte Tage erleben wir doch eher selten. Die Temperaturen steigen mittags kaum einmal über 16 Grad, und nachts friert es sehr häufig.
Die Zitronen unten am Meer blühen und fruchten natürlich das ganze Jahr; frische, aromatisch duftende Zitronen können wir in jeder Jahreszeit pflücken. Aber warum gerät der Rhythmus meiner Zwetschge – die im Winter nur kurz Sonne abbekommt – so durcheinander?
Die Blüte kann durch Licht oder Temperatur induziert werden. Beim Photoperiodismus steuert die Tageslänge oder genauer gesagt die Länge der Nacht die Blütenbildung: Langtagpflanzen blühen in der Regel im späten Frühling oder Frühsommer, Kurztagpflanzen eher im Spätsommer, Herbst oder Winter, und die Blüte neutraler Pflanzen wird vom Licht nicht beeinflusst. Bei anderen Pflanzen, zum Beispiel beim Winterweizen, setzt die Blüte nur nach einer Kälteperiode ein (Vernalisation).
Anscheinend signalisieren die kurzen und seltenen Sonnen- und damit Wärmephasen nach den ersten Nachtfrösten dem Baum "Frühling", und er reagiert mit der winterlichen Blüten- und Fruchtbildung. Für den Ertrag im nächsten Jahr kann dies nichts Gutes bedeuten!


