Bildungsstreik, G8 und die alltägliche Unbedachtheit...
Der Bildungsstreik zeigt eindrucksvoll, wie sehr Studierenden, aber auch Schülern "das Wasser bis zum Halse steht". Aus aktuellem Anlass, und zugegebenermassen mit persönlichem Bezug, möchte ich hier einmal auf die alltägliche Unbedachtheit aufmerksam machen, die einem das Leben doch so unnötig verkomplizieren kann.
Als Vater muss ich leider feststellen, dass die G8-Einführung, nun, ein wenig überhastet war. Da, wo theoretisch Lehrpläne gestrafft werden sollten, wird praktisch das G9-Pensum einfach auf 8 Jahre verteilt, die Schüler entsprechend belastet. Nun sollte man meinen, dass die Schulen sich zumindest bemühen, die Situation so verträglich wie möglich zu machen. Das klappt auch meist - wenn da nicht immer wieder Situationen wären, die einen an der Motivation der Offiziellen zweifeln lassen...
Konkretes Beispiel: die Weihnachtsferien. Die beginnen in Baden-Württemberg am 23. Dezember. Wir werden dieses Jahr, wie sicherlich viele andere auch, in wärmere Gefilde fliegen. Und da ich kein Freund davon bin, "am letzten Schultag krank zu werden", haben wir in den saueren Apfel gebissen, und ohne Klagen den Preis für einen Flug am 23. Dezember gezahlt. Der 22te wäre sehr viel billiger gewesen.
Man mag sich mein Entsetzen vorstellen, als ich heute erfuhr, dass die Schule am Abend (!) des 22. Dezember ein Weihnachtskonzert gibt. Ich weiß nicht, werter Leser, ob Ihr Vor-Abreisetag ähnlich hektisch ist wie der meinige, aber eines ist sicher: einen Konzerttermin zu diesem Zeitpunkt ist so ziemlich das letzte, was ich brauchen kann. Und gleiches gilt für die Familie. Schlimmer dran sind noch ein paar Schulkameraden meines Sohnes: deren Familien haben eigentlich geplant, nach der Schule, also dann, wenn der "Normalmensch" für gewöhnlich meint, dass Ferien seien, in ebenjene zu fahren.
Nun meint man, dass die Schule sicherlich Verständnis für solche, von ihr verursachte Terminnöte, hat. Doch weit gefehlt: da meint die Lehrkraft doch lapidar, das sei eine "Schulveranstaltung", somit Pflichtunterricht und man möge sich, wenn denn überhaupt, mit dem Schulleiter über eine Befreiung vom Untericht unterhalten.
Da blieb mir doch der Bissen fast im Halse stecken, als ich dies beim Mittagessen hörte. Muss so etwas wirklich sein? Soll ich jetzt wirklich zum Schulleiter gehen, um über eine Entbindung von der Schulpflicht am letzten Schultag zu bitten? Irgendwie ist das doch wohl eine verkehrte Welt - wer ist denn hier der Verursacher?
Ich frage mich, wo der pädagogische Nutzen einer solchen Entscheidung liegt. Betrachten wir doch einmal ein wenig die Motivationslage. Was haben die Schüler gelernt? Zunächst einmal, dass es schlecht ist, sich an der Schule freiwillig (musikalisch) zu betätigen. Denn nur dadurch ist das Problem überhaupt entstanden. Die Stimmung bei den Betroffenen ist schlecht. Urlaub muss umgeplant werden, zumindest aber ist eine Abstimmung mit dem Schulleiter notwendig, und das in seiner Situation, die aus prinzipiellen Gründen nicht leicht lösbar ist (der letzte und erste Schultag sind ja, durchaus mit Recht, ein etwas heikles Thema...).
Die Stimmung bei den Eltern, wie man ja merkt, ist ebenfalls schlecht. Was im Übrigen nicht die Motivation fördert, sich für solch' eine Schulgemeinschaft einzusetzen. Ich muss gestehen, dass ich mich hier persönlich mißachtet und zurück gesetzt fühle.
Diese Stimmungslage wird sich sicherlich auch auf das Konzert, nun eine sehr lästige Pflichtübung, auswirken. Ganz zu schweigen davon, dass wohl auch viele der potentiellen Besucher zu diesem Termin keine Zeit mehr haben und den jungen Musikaten somit nur noch ein vergleichsweise kleines Publikum lauscht. Auch nicht gerade motivierend.
Natürlich kann man das als kleinen "Patzer" werten, der für sich genommen der Entrüstung nicht Wert wäre. Aber leider habe ich den Eindruck, dass solche "Patzer" eigentlich nur Zeugen dafür sind, mit welcher Geringschätzung die "Offiziellen" die ihnen anvertrauten Personen doch behandeln. Das G8 ist meiner Meinung nach ein Beispiel auf hoher Ebene, aber auch in den Schulen vor Ort regiert - gelegentlich zumindest - "der ganz normale Wahnsinn".
Und so sehr ich mir Verbesserungen im Bildungssystem ganz Allgemein wünsche: viel wäre schon gewonnen, wenn die Institutionen vor Ort, im Kleinen, mit ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Fingerspitzengefühl vorgehen würden. Im konkreten Fall: warum muss es denn der 22. Dezmeber sein? Wäre der 21. nicht ein sehr viel schönerer Konzerttermin gewesen? Im Großen, so denke ich, könnte die Motivation sowohl von Lehrenden als auch Lernenden, und damit der Erfolg, durch solche bedachtes Handeln sicherlich verbessert werden.
Das schöne an dieser Idee: man braucht keine "Großkopferten", um die Situation zu verbessern, sondern kann selbst "Hand anlegen". Aber genau darum ist diese Idee wohl auch so unpopulär...




Das hoffe ich jedenfalls. Um Ihre Frage nach dem Verursacher zu beantworten: das ist in erster Linie der Erzähler, der es für ein Menschenrecht zu halten scheint, am ersten Ferientag in den Süden zu fliegen. Er verwendet sogar noch einen halben Absatz darauf darzulegen, wie tugendhaft es von ihm sei, nicht schon am letzten Schultag blauzumachen. Und das obwohl der Flug SEHR VIEL BILLIGER gewesen wäre.
Ich bin sicher, wenn sich das Nobelpreiskommitee bewußt ist, welches Gewicht dieses Argument in Baden-Württemberg hat, kann dieser beispiellose Altruismus nur mit dem Friedensnobelpreis belohnt werden.
Ich würde mich freuen, wenn Sie einmal ihre sonstigen Erfahrungen mit dem G8 schildern würden – zum Vergleich.
Übrigens in Bayern beginnen die Weihnachtsferien noch einen Tag später.
http://www.schulferien.org/Bayern/bayern.html
Nun, mir fällt der persönliche Vergleich zum G9 schwer, einfach weil ich dort keine aktuellen Vergleichserfahrungen besitz. Ich stelle aber einfach einmal folgendes fest: Nachmittagsunterricht beginnt bereits in der 5ten Klasse, da an einem Tag in der Woche. In der 6ten sind es dann zwei Nachmittage. Wenn ich mich dann so im Bekanntenkreis umhöre, fällt eigentlich nicht auf, dass der Stoff gestrafft würde. Da verschiedene Lehrer verschiedene Schwerpunkte setzen ist das natürlich nicht immer ganz eindeutig nachzuweisen. Allerdings: diese Aussage wird auch bestärkt von Eltern, die Kinder im G9 und G8 haben. Obendrein ist die öffentliche Debate ja auch mit gleicher Stoßrichtung versehen.
Ein Indiz scheint auch zu sein, dass bei Übertritts-Info-Veranstaltungen in der Grundschule die Realschulen mit folgendem Argument werben: man möge das G8 nicht besuchen, statt dessen lieber die Realschule sowie anschließend das Wirtschafts-/Technikgymnasium. Damit würde man dann einenen "G9-äquivalenten" Bildungsweg wählen. Ich möchte diese Aussage hier gar nicht kommentieren, finde es aber interessant, dass das Schulsystem selbst die Bedenken gegen das G8 zu Werbezwecken nutzt. Oder sollte hier G9 wirklich "durch die Hintertür" wieder eingeführt werden?
Sehr geehrter Herr Bolt,
nein, das Posting ist keine Satire, sogar ganz bewußt nicht. Die Essenz Ihrer Äußerung ist natürlich berechtigt. Denn offensichtlich habe ich keinen Anspruch darauf, dass der letzte Schultag "erwartungsgemäß" gestaltet wird.
Ich bin aber ein wohl etwas altmodischer Mensch, der auf harmonisches Zusammenleben Wert legt. Dazu gehört aber gegenseitige Wertschätzung und dazu gehört auch, sich über die Wirkung seiner Taten Gedanken zu machen. Überraschendes Verhalten ist selten produktiv.
So bemühe ich mich in meinem beruflichen Umfeld nach Kräften darum, Mitarbeiter nicht mit unnötigen Erschwernissen zu belasten. Natürlich, wenn es sein muss (also einen trifftigen Grund gibt!), dann würde ich von einem Mitarbeiter auch an seinem letzten Arbeitstag vor dem Urlaub eine Anwesenheit am späten Nacmittag/Abend erwarten. Aber ich bemühe mich nach Kräften darum, dies zu vermeiden. Und wenn es sich denn wirklich nicht umgehen lässt, dann lege ich zumindest großen Wert darauf, den zwingenden Grund zu kommunizieren, so dass mein Mitarbeiter weiß, warum ich zu dieser unerwarteten Maßnahme greifen muss.
Ich pesönlich halte dieses Vorgehen für eine Frage des Anstandes, der gegenseitigen Achtung. Ganz nebenbei hat das natürlich auch positive praktische Effkte: ich kann mich darauf verlassen, dass meine Mitarbeiter im Notfall auch zu ungewöhnlichen Maßnamen mit recht guter Motivation bereit sind, da diese Wissen, das sie als Menschen geschätzt werden und nicht Willkür im Spiel ist.
Motivation ist aber meiner Meinung nach die Grundvoraussetzung für gute Zielerreichung. Ebenso wie gegenseitige Wertschätzung sehr viel zum guten Zusammenleben beiträgt.
Ich persönlich finde, das schon sehr viel "Porzellan zerbrochen" ist, wenn es nur noch darum geht zu klären "darf der das?". Aber, wie gesagt: vielleicht bin ich hoffnungslos altmodisch und unsere Gesellschaft orientiert sich nur noch daran, wer jeweils mit welcher Macht (Gesetz) etwas durchsetzen kann. Ich persönlich fände diese Entwicklung schade und nehme mir daher die Freiheit, selbige anzuprangern.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Rainer Gerhards
Sorry, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ich meinte das G8 in Baden-Württemberg im Vergleich zum G8 in Bayern, da mein Sohn hier denselben Schultyp besucht.
Er gehört zu den ersten Schülern, die das G8 besuchen. Der Schülerjahrgang vor ihm wurde, obwohl schon ein Jahr im G9, nachträglich auch noch ins G8 „versetzt“. Dies zeigt wohl deutlich mit welcher Hektik hier vorgegangen wurde.
Im ersten Jahr (5. Klasse) gab es noch große organisatorische Probleme. Der Lehrplan war zwar neu, die entsprechenden Bücher aber oft noch nicht da. Wegen des Nachmittagsunterrichts (3x die Woche) bleibt kaum mehr Freizeit. Da die Schüler relativ weit verstreut wohnen treffen sie sich nicht mehr in der realen Welt, sondern im „Chatroom“ am Computer. Der Lehrplan wurde inzwischen dreimal nachgebessert, trotzdem ist kein Ende abzusehen. Die sog. Intensivierungsstunden können, mangels Lehrer, oft nicht stattfinden usw. Dafür gibt es jede Menge neue Projekte, die von Schülerteams in der Freizeit erarbeitet werden müssen. Auch Praktika sollen in den Ferien absolviert werden, schließlich sollen die Schüler ja einmal Chancen im Kampf um die raren Studien- und Ausbildungsplätze haben. Da das es wegen der Schulzeitverkürzung einen doppelten Abitur-Jahrgang geben wird, ist wohl mit einem großen Gerangel zu rechnen.
Sehr geehrter Herr Gerhards,
Ich verstehe Ihre Kritik an der Organisation der Schule. Ich finde aber, daß sie dieses Ausmaß an Empörung nicht begründet. Ich habe auch altmodische Vorstellungen vom harmonischen Zusammenleben. Deshalb empört mich z.B., daß die Einwohner der meisten südlichen Länder, in denen Deutsche gerne Urlaub machen, sich einen Urlaub in Deutschland nicht leisten können. Dabei erwirtschaften sie sogar einen Teil unseres Wohlstands durch billige Produktion von Lebensmitteln, Förderung von Rohstoffen, etc. und leiden am meisten unter den Folgen des Klimawandels, der erheblich von deutscher Kohlendioxidemission mitverursacht wird.
Ich habe überhaupt nichts gegen deutsche Urlaubsreisen. Ich wünsche mir nur ein Bewußtsein dafür, was für ein Privileg wir genießen, uns diesen Luxus leisten zu können. Und für uns Privilegierte scheint mir Jammern über Widrigkeiten von Urlaubsreisen einfach unangebracht.
Vermutlich sind wir uns als altmodische, harmoniebedürftige Menschen in dieser Einschätzung sogar weitgehend einig. Und dieses Nebenthema sollte Ihrem eigentlichen Anliegen nicht im Weg stehen.
Wer organisiert Lehr- und Veranstaltungspläne von Schulen? Zu meiner Zeit (Jahrgang 62) waren es Lehrer, die dafür kaum ausgebildet waren. Hat sich daran etwas geändert?
Welche Unterrichtsinhalte würden Sie ändern wollen, um die Curricula der verkürzten Gymnasialzeit anzupassen?
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Bolt
Sehr geehrter Herr Bolt,
lassen Sie mich zunächst kurz auf Ihre Anmerkungen zu Reisen in südliche Länder eingehen. Ich denke, wir sind uns einig, dass man das Attribut "südlich" durch einige andre Attribute ersetzen könnte, ohne die Aussage wesentlich zu verändern.
Eine Verallgemeinerung ist auch immer gefährlich. Z.b. nehme ich nicht wahr, dass die von Ihnen geschilderete Problematik in den von mir gerne besuchten Regionen in Spanien und Italien gilt. Aber selbstverständlich haben Sie recht, dass Besitz und Resourcen auf dieser unserer Welt sehr ungleich verteilt sind, und wir in Westeuropa uns in einem relativ kleinen "Club der Reichen" befinden. Dieses Problem ist ja wohl auch erkannt, und es finden sich viele Gruppen im Widerstreit darüber wie (und böse Zungen mögen sagen: ob) wir es lösen sollen.
Ich muss aber auch gestehen, dass dies in mir kein solch schlechtes Gewissen verursacht, dass ich alleine deshalb schon alle weitere Kritik an Dingen, die damit im Zusammenhang stehen können, unterlasse.
Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob es besser wäre, die wirklich armen Regionen nicht mehr zu besuchen - immerhin ist dort ein nicht zu vernachlässigender Anteil des Volkseinkommens auf den Tourismus zurückzuführen. Allerdings: ich bin absolut der Meinung, dass man den Menschen in diesen Regionen natürlich mit der gebührenden Achtung begegnen sollte. Dies schliesst die insbesondere Akzeptanz für deren Sitten und Befindlichkeiten ein. Hier treten "wir" aus den reichen Ländern leider sehr oft sehr unschön und arrogant auf. Dafür kann ich kein Verständnis aufbringen.
Das ist aber meiner Meinung nach gänzlich getrennt zu betrachten.
Zum Hauptthema haben Sie wahrscheinlich auch Recht, der geschilderte Einzelfall alleine würde Empörung nicht wirklich rechtfertigen. Ich denke, für mich war es die Angelegenheit, die das "Fass zum Überlaufen" gebracht hat. Es freut mich sehr, dass wir die tieferlegenden Gründe nun in der Diskussion noch heraus arbeiten können. Daher werde ich auch später nochmals schreiben, denn Ihnen gebührt nun eine recht umfassende Antwort. Vielleicht auch ein eigener Blog-Post...
In diesem Sinne freundliche Grüße und bis Bald,
Rainer Gerhards
Einen wirklichen Vergleich zwischen Bayern und Baden-Württemberg kann ich schlecht führen, da ich über keinerlei persönliche Erfahrungen aus Bayern verfüge. Allerdings lebe ich in der "Grenzregion" in der Nähe von Würzburg. Und wie dort die Zufälle sich ergeben, bin ich in Würzburg in einem Arbeitskreis zur Begabungsförderung aktiv, an dem auch viele offizielle Vertreter der Schulformen, auch auf Regierungsebene, teilnehmen.
Was ich dort als Erfahrung mitgenommen habe, ist dass man sich seitens der Schulen durchaus ernsthaft bemüht, ein gutes Angebot zu erstellen. Allerdings sind dem doch relativ enge Schranken gesetzt, da Mittelzuteilungen sowohl in in personeller wie finanzieller Hinsicht sehr knapp sind. Besondere Angebote an einer Schule müssen dann mit Abstrichen bei anderen Schulen erkauft werden - in einem "rollierenden System" kann hier mittelfrist ein gewisser Ausgleich geschlossen werden. Da dies nicht wirklich gut ist, entstehen besondere Angebote meist durch persönliches (sprich: unbezahltes) Engagement einzelner Lehrkräfte oder durch externe Förderung von gemeinnützigen Einrichtungen.
Natürlich gibt es, wie in jedem Beruf, bessere und schlechtere Lehrer, ich bin aber der Meinung das der "mittlere" Lehrer durchaus Interesse an seinem Beruf hat und den Kindern etwas sinnvolles beibringen möchte. Auch Lehrer sind vom G8 nicht unbedingt begeistert...
Wenn ich die Belastungen so sehe, so scheint es nach Hörensagen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis natürlich die Anfangsklassen ganz besonders zu treffen. Das verwundert ja auch nicht, wenn man sieht, wie schnell diese "Reform" durchgezogen wurde. Man bedenke nur, wie lange solche gravierende Änderungen ansonsten benötigen.
Für die jetzigen Klassen (aus Sicht der Stufe 6 betrachtet) scheint der Nachmittagsunterricht in BaWü noch etwas geringer zu sein, als der In Bayern. Vielleicht ist das aber auch nur eine Frage der jeweiligen Schule. Insgesamt stelle ich aber auch hier fest, dass viele Kinder in Klassenstufe 6, spätestens 7, sinnvolle Freizeitaktivitäten wie musikalische Betätigung oder Sport fallen lassen müssen, da die Zeit einfach nicht mehr reicht. Da andererseits die Schulen aber nicht wirklich auf ein "Leben in der Schule" eingerichtet sind, führt dies meiner sicherlich nicht sehr aussagekräftigen Meinung nach zu einer sozialen Verarmung der Kinder (im Vergleich zum G9).
Ich persönlich kann mich auch des Eindrucks nicht erwehren, dass man mit dem G8 politisch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat. Man hat a) gezeigt, dass man auf Pisa reagiert und b) die Kosten des Schulsystems reduziert.
Wobei mir a) eine willkommene "Nebenwirkung" für b) zu sein scheint. Und wenn ich sehe, was in den letzten Jahren so an den Unis passiert ist, dann kann ich mir auch den Eindruck nicht verkneifen, dass "Kosten sparen" der eigentliche Vater des Gedankens ist.
Nun ist Deutschland aber ein rohstoffarmes Land und unser eigentlicher Rohstoff ist das, was wir geistig vollbringen können. Ich persönlich bezweifle ob es da so sinnvoll ist, immer weiter an der Bildung zu sparen...
Ja, da scheint es in Baden-Württemberg und Bayern ähnlich abzulaufen.
Der Nachmittagsunterricht wird zwar von den einzelnen Schulen individuell gehandhabt, die Stundenzahl ist natürlich vorgegeben. Musikunterricht und Sportverein musste mein Sohn, aus Zeitmangel, ebenfalls aufgeben. Auf das Leben in der Schule ist man hier, mangels Geld und Erfahrung, auch nicht wirklich gut eingerichtet. Es gibt z.B. keinen Aufenthaltsraum und ein Teil des Pausenhofs musste als Parkplatz vermietet werden, da unsere Stadt völlig klamm ist.
Für ärmere Schüler stellt es ein großes Problem dar, dass sie nicht mehr jobben können. Als das verkürzte Gymnasium hier in Bayern eingeführt wurde, hieß es, viele Kinder bzw. Jugendliche würden in den höheren Klassen Jobs annehmen, wie Zeitungen austragen etc., dies solle durch den Ganztagesunterricht unterbunden werden. Dafür wird nun von den Schülern ab der 9. Klasse erwartet Ferienpraktika zu machen, natürlich unbezahlt. Viele Leute sind der Ansicht, es gehe letztendlich nur darum der Wirtschaft, möglichst passendes und angepasstes, menschliches Material zu liefern. In Zeiten knapper Arbeitsplätze anscheinend eine Notwendigkeit.