Bloggen ... wie?
Stefan Oldenburg hat in den KOSMOlogs die Frage nach dem "wie geht es mit der Blogging-Platform weiter?" aufgeworfen. Als Cassini-Blogger war ich ja relativ von Anfang an dabei, leider dann aber für einige Zeit inaktiv. Seit Anfang des Jahres widme ich mich hier ja nun mehr oder weniger regelmässig IT-Themen (und Lars-C. Depka hat dankenswerterweise das Cassini-Blog übernommen).
Am kommenden Wochenende steht ein Treffen aller (nun ja: vieler) SciBlogger an. Dort soll auch über der Platform und natürlich das Bloggen im Allgemeinen gesprochen werden. Grund genug auch für mich, einmal genauer nachzudenken.
Meiner Meinung nach sollten die SciLogs einen etwas anderen Anspruch als "normale" Blogs haben. Der Themenschwerpunkt liegt hier ja auf Wissenschaft, und zwar Wissenschaft, deren Entstehung durch die Akteure selbst verständlich gemacht werden soll. Darüber hinaus verspreche ich mir von den SciLogs auch Einsichten, die vielleicht nicht unbedingt offensichtlich sind - als das berühmte "über den Tellerrand schauen".
In dieser Definition finde ich mich und mein Blog übrigens nicht wieder: denn ich bin kein Wissenschaftler und kann den Wissenschaftsbetrieb daher auch kaum transparent machen. Wer jetzt ins Selbstverständnis der SciLogs schaut findet aber mein Schlupfloch: "Die SciLogs sind eine Familie von Wissenschaftsblogs. ... Unser Anliegen ist der interdisziplinäre Dialog über Wissenschaft in all ihren Fassetten: Forschung, Anwendung, Politik, Ethik, Werte. Unsere Blogger sind Forscher, Theoretiker, Praktiker, Journalisten, Enthusiasten." Das Zauberwort lautet "Praktiker". Als solchen würde ich mich bezeichnen und mit etwas stinkendem Eigenlob auch noch behaupten, dass ich in meiner "Protokollierungs-Nische" durchaus einen hinreichenden "Durchblick" erlangt habe, um die Entwicklung in diesem Bereich mit zu gestalten. Puuh, Glück gehabt ;)
Die selbst gesteckte Zielvorgabe erreichen die SciBlogs meiner Meinung nach sehr gut. Allerdings: die Zielvorgabe hat auch Auswirkungen auf mich als Blogger. Ich bemühe mich hier auf dieser Platform Themen anzusprechen, die auch für eine breitere Allgemeinheit von Interesse sind. In meinem englischen Blog sieht das ganz anders aus: dort schreibe ich über meine tägliche Arbeit, aber eindeutig an Spezialisten gerichtet (angreichert mit dem einen oder anderen fachfremden Gedanken). Für den "normal interessierten" ist das aber sicherlich langweilig bis (oft) unverständlich. Ich denke, mit solchen Postings täte man dieser Platform hier nicht unbedingt einen Gefallen - oder doch?
Eine sehr ähnliche Frage ist, wie "gehaltvoll" der einzelne Post sein soll. Klar, ich kann kurz über auch allgemein verständliche Freuden- und Frusterlebnisse erzählen. Vielleicht ganz interessant zu verfolgen - aber wirklich für den Leser interessant genug? Vieles davon wird sicherlich zu Belanglosigkeiten führen.
Und dann die überwältigende Frage des Aufwandes: ich bin längst davon abgegangen, Blogposts mit der gleichen Akribie wie Artikel zu gestalten und Korrektur zu lesen. Das merkt man natürlich, aber anders wäre (zumindest für mich) der Aufwand nicht handelbar (wobei ich einen Blogpost aber immer noch mit deutlich mehr Aufmerksamkeit verfasse als eine email oder gar eine instant message...). Wenn ich aber einigermassen interessante und schlüssige Blogposts schreiben möchte, dann liegt der Aufwand doch im Regelfall kaum unterhalb von zwei Stunden, oft darüber. Wenn man nun bedenkt, dass ich nicht vom bloggen lebe, dann fällt schnell auf, das der Zeitaufwand durchaus erwähnenswert ist. Daher will auch überlegt sein, wann man bloggt.
In dem Post (samt Kommentaren) von Stefan Oldenburg wird auch die Binsenweisheit angesprochen, dass blogging regelmässig erfolgen sollte. Ich versuche, im Schnitt drei Posts je Monat zu schreiben. Das ist für qualitativ gute Posts durchaus Aufwand, aber machbar. Eine echte Regelmäßigkeit ist aber schwierig. Was, wenn einfach aktuell nichts Geeignetes zum Bloggen zur Verfügung steht? Statt dessen über irgend etwas Belangloses schreiben, nur um abzuliefern? Oder sollte man dann mit hohen Zeitaufwand ein "marodierendes Thema" endlich einmal angehen? Letzteres wäre zwar schön, ist aber nicht praktikabel. Ersteres erscheint mir nicht sinnvoll. Als Vorteil eines Blogs sehe ich gerade, dem Schreibzwang (mit den bekannten Folgen...) eines Print-Periodika zu entgehen.
In meinem englischen Blog habe ich eine ganze Weile täglich Arbeitsergebnisse (sofern sie von allgemeinem Interesse waren) gepostet. Das mache ich mittlerweile via Twitter, was für so etwas einfach besser geeignet ist. Folglich gibt es auch im englischen Blog Tage, in denen einfach gar nichts geschrieben wird. Und dann kommt es vor, das an einem Tag gleich mehrerer Blog-Posts notwendig werden, einfach weil man Anfragen zu verschiedenen Sachverhalten hat und es ökonomischer ist, die einmal im Blog (und damit für jeden auffindbar) zu beantworten, anstelle viele private Mails zu schicken. Ich bemühe mich zwar darum, die Beiträge einigermaßen gleich aufzuteilen, aber die Notwendigkeiten der Praxis haben Vorrang vor solchen Überlegungen. Und nochmals: bei meinem englischen Blog spreche ich über ein wirkliches Arbeitsmittel, das einen wichtigen Baustein zur Aufrechterhaltung einer Open Source community darstellt. Dort muss ich also eigentlich noch viel mehr um Leser bemüht sein als hier, wo es (mein verzeihe mir die Offenheit) ja eigentlich "nur" darum geht ein paar interessante Kommentare zu Themen zu erhalten, über die man nachdenkt. Nun ja, der Aspekt, seinen Fachbereich freundlicher darzustellen spielt sicherlich auch mit, und natürlich ist die Befriedigung gewisser narzistischer Bedürfnisse auch damit verbunden, seinen Namen im illusteren Kreis der Blog-Autoren hier wieder zu finden... (überhaupt wäre, und ist wohl auch, die "Motivation zum Bloggen" doch sicherlich ein weites Forschungsfeld für Psychologen...).
Ein Blog sollte aber letztlich geschrieben werden, damit sich Leser finden. Dafür muss es interessant sein. Und so würde mich doch sehr interessieren, werte Leser, was versprechen Sie sich von einem Blog? Und, ganz speziell und egoistisch: was versprechen Sie sich von diesem, meinem Blog? Was würde es für Sie interessanter machen? Wo und wem würden Sie es weiter empfehlen? Was ist schlecht - was miserabel? Sollte ich mehr über "Trivialitäten des Alltags" schreiben, das dann aber nur kurz und (fast) stichwortartig. Wie kann der Dialog mit Ihnen, den Lesern, besser angeregt und fortgesetzt werden? Würde es beispielsweise Sinn machen, die Blog-Plattform um ein "richtiges" Diskussionsforum zu ergänzen?
Fragen über Fragen... Ich hoffe auf einige Antworten, sprich Kommentare. Denn denken Sie daran: nicht nur Leser müssen zum Lesen der Beiträge motiviert werden, auch Autoren müssen motiviert werden, sie zu schreiben ;)
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letztlich geschrieben werden, damit sich Leser finden."
Ich würde sagen: Ein Blog auf hohem Niveau - und davon ist hier ja die Rede - sollte geschrieben werden, um öffentlich zu dokumentieren. Und zwar die Entwicklung und den Fortschritt dessen, der den Blog schreibt, ob dieser nun Physiker, Mathematiker, Philosoph oder Historiker ist.
Ob die Internetnutzer die Chance wahrzunehmen wissen, hängt wiederum von ihren jeweiligen Interessenbereichen, nicht zuletzt aber auch von ihrem eigenen Niveau ab...
Oder?