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Das "echte" Mondlandeprogramm...

von Rainer Gerhards, 24. Juli 2009, 18:19

Während meiner Ausbildung haben wir, wenn es nicht zu sehr auffiel, gerne mal den Großrechner verwendet, um "Mondlandung" zu spielen - auf dem Text-Terminal mit 24 Zeilen zu je 80 Zeichen. Nicht vergleichbar mit einem heutigen Flugsimulator, eher wohl mit einer SMS-Kommunikation...

Um so schöner fand ich es, dass im Zuge des Apollo-40Jahre-Jubiläums der Quellcode von "the real thing" auftauchte, nämlich das Programm, mit dem die erste Mondlangung absolviert wurde. Abrufbar ist es bei Google Code, und die passenden Links finden sich in Google's Blogposting.

Der Code selbst ist sicherlich nur für Programmierer (mit gewisser Erfahrung in der maschinennahen Programmierung) lesbar. Allerdings: die begleitenden Kommentare vermitteln auch dem "Nicht-Eingeweihten" einen guten Einblick in dieses Stück Technologie-Geschichte (und einige sind, wie soll man es sagen, nun, etwas unerwartet - oder eben doch nicht...).

Viel interssanter noch finde ich aber den überaus lesenswerten Artikel über die Programmentwicklung, die technischen Restriktion, Pannen und deren Ursachen von Don Eyles, der an der Entwicklung des Softwaresystems beteiligt war. Zugegeben, man benötigt etwas Zeit, um den Artikel richtig zu würdigen. Investiert man die aber, erfährt man nicht nur einige faszinierende Fakten über das Apollo-Programm, sondern stellt auf einmal fest, dass unsere Rechner heute zwar dramatisch leistungsfähiger und unsere Anwendungsmöglichkeiten umfassender sind - wir aber immer noch mit den selben Problemen kämpfen.

So wird beispielsweise schön dargelegt, wie fehlerhafte Dokumentation zu schwerwiegenden Problemen führen kann. Oder es wird beschrieben, wie wichtig ein korrektes und fehlertolerantes Systemdesign ist. Dabei ist zu beachten, dass viele der damaligen Verfahren auch heute noch durchaus gebräuchlich sind, ja die heutigen Verfahren oft auf den damaligen Arbeiten beruhten.

So als Nebeneffekt kann man daraus ableiten, dass das Apollo-Programm natürlich auch ein riesiges Grundlagenforschungsprogramm war, wenn auch zugegebenermassen mit primär politischer Motivation. Das ändert aber nichts daran, dass durch Apollo viele wichtige Grundlagen geschaffen wurden, die unser heutiges Leben erst ermöglichen. Aber das sei nur am Rande bemerkt.

Im Artikel von Hr. Eyles wird auch immer wieder betont, wie wichtig es war, das technischer Verfahren manuell umgehen zu können. Solche Möglichkeiten sind sicherlich ein zweischneidiges Schwert (Tschernobyl lässt grüßen?), eine zu grosse Technikgläubigkeit erscheint mir aber noch fataler. Und wenn man sich dann vorstellt, dass jedes Jahr ein paar Autos in Gewässer fahren, nur weil das Navigationssystem entsprechende Anweisungen gab...

Aber auch davon genug. Diese Einwürfe sollten eigentlich nur belegen, wie aktuell das Papier auch heute noch ist. Von daher: viel Spaß beim Schmökern!


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