Zugbegleiter | 18. November 2009, 11:40
Mit der Kaiserstadt Trier – das römische Augusta Treverum – befanden wir uns diesmal mit unseren Standort nahe der luxemburgischen Grenze. Wir hatten auch Besucher und eine Schulklasse aus Luxemburg im Science-Express. Der kalt-feuchten Jahreszeit angepasst, bot das Gleis 13 eine Überdachung über fast die gesamte Zuglänge. Und nach dem eher typisch noch ruhigen ersten Besuchstag, besuchten uns am Freitag, den 13. – nachdem die Artikel in der Zeitung erschienen waren – über 1600 Besucher. Statt Unglückstag für uns also ein glücklicher Tag.
Freitag, der 13. auf Gleis 13.
Expedition Zukunft / Ulrike Richter
Unser Zug wurde Abend für Abend aus dem Bahnhof gefahren, um dem Güternachtverkehr Platz zu machen. Diese kleine Rangierlok manövriert unseren zwölf Wagen langen Zug – das wirkt beinahe wie ein Lotsenschiff bzw. Schlepper mit einem Ozeanriesen.

Klein aber Oho! Rangierlok im Einsatz.
Expedition Zukunft / Peter Krause
Neues aus dem Zug:
Pädagogisches Lehrstück: Eine Schulklasse wurde vom eigenen Schulkameraden aufgefordert, den Rucksack nach Vorschrift vorne auf dem Bauch zu tragen. Der Knirps veranschaulichte das sogleich. Als Erklärung gegenüber dem Zugteam gab der Junge an, dass er ja schon gestern da gewesen sei, und das deswegen wüsste. Gut aufgepasst!
Ein älteres Besucherpaar beschäftigte sich hingegen mit der Frage, wie man wohl Rowdies und dementsprechend Vandalismus in diesem schönen Zug entgegentreten könne: Vertrauensvoll legte dann der Herr seine Hand auf die Schulter unserer Aushilfe Roland, der ihn um Kopfeslänge überragte, und meinte wohl beruhigt, dass man dafür ja wohl junge Männer wie hier eingekauft hätte! So etwas erleichtert uns als Mitarbeiter denn auch gleich ungemein.
Ich traf abends in der Nähe unseres Hotels auf einen kleinen Jungen, der mit zwei kleinen Siemensbällen (Herkunft: Wissenschaftszug!) auf der Straße spielte. Er erschrak erst, als ich ihn fragte, ob ihm der Science-Express gefallen habe, identifizierte mich aber wohl anhand unseres Outfits, fasste sich ein Herz und plapperte munter drauflos…
Auch unsere Mitarbeiter geraten immer wieder ins Visier von Besucherspekulationen: Diesmal traf es Peter und Jörg. Peter wurde im Eingangsbereich gefragt, ob er die Security sei. Peter zeigte daraufhin auf Jörg, der klickerte, woraufhin der Besucher zurück gab, Jörg sehe eher wie der Notarzt aus (unsere weiße Kleidung?). Jetzt nimmt die Story eine etwas makabre Wende, denn das Kind (die Abhörpuppe im Themenwagen Medizin) schwächelte und kränkelte bereits den ganzen Tag – und just bei der Erörterung im Eingangsbereich kam die traurige Nachricht, dass das Kind nun verstorben sei, Technik aus. Irgendwie wirkte man trotz dieses Technikdefekts etwas betroffen…
Ein spezieller Abend: eine Weinprobe in der Moselstadt Trier
Mit den Römern gelangte der Weinanbau an diese römische Provinz der Treverer. Neben den römischen Ruinen ist das ein Kulturerbe, das Millionen von Besuchern an die Mosel zieht.
Ein paar Mitarbeiter fanden sich abends zu einer gebuchten Weinprobe zusammen. Die charmante, mit Trinksprüchen angereicherte Ein- und Durchführung der Weinprobe durch die Kommentatorin ließ Hemmschwellen bezüglich unserer Unkenntnis schnell überwinden. Eine Zusammenstellung von unterschiedlichen Rieslingweinen, auf den verschiedenen Böden an der Mosel angebaut, ausgesucht nach Aus-, Spätlese etc., sorgte doch für einen lustigen und sprichwörtlich weinseligen Abend. Ein Schmankerl war dann noch die römisch-inspirierte Speisekarte: Weinblätter, Lamm und Gewürzsaucen bereiteten echte Gaumenfreuden…
Apropos Kulturerbe – auch Trier, wie so viele andere unserer Standorte, trägt aufgrund seiner einmaligen, römisch begründeten Kulturgeschichte den Titel eines UNESCO-Kulturerbes.
Die passionierte Kunsthistorikerin Anette Köhler hatte für uns ein ganz besonderes Programm vorbereitet: das unterirdische Trier! Auf drei Stunden war die Tour angelegt, und Frau Köhler öffnete für uns die Ausgrabungen, die römische Stadt Trier. Ausgangsort war natürlich die Basilika aus dem 4. Jahrhundert, eine Kaiseraula, die alleine schon durch ihre Ausmaße beeindruckt. Der Besichtigungsgang in die Kellerebene zeigte die Entwicklung eines Stadtviertels auf, die verschiedenen Straßenzüge und Häuserzeilen, Vorgängerbauten und schließlich die Substruktionen, nämlich unter anderem die Bodenheizung (!) der Basilika. Dass die Bischofsstadt sich in der Nachfolge dieses römischen Erbes sah, macht die Einbeziehung der Basilika in den erzbischöflichen Baukomplex deutlich – eine kontrastreiche Mischung aus Spätantike und Barock.
Unsere Gruppe vor der spätantiken Basilika.
Expedition Zukunft / Meike Jotzo
Unsere weitere Tour führte uns durch die Trierer Innenstadt, vorbei am Dom mit seinen spätantiken Mauern, einer typischen Ziegelbauweise, an jeder Ecke gab es etwas zu entdecken…Und man stolpert bei Schritt und Tritt über die ollen römischen Steine.
Der Hauptplatz in Trier.
Expedition Zukunft / Meike Jotzo
Der nächste Stopp war der Frankenturm, einer von ursprünglich vielen „Wohntürmen“ des Mittelalters. Bei einem leckeren Glas selbstgemachten Glühweines und ein paar Keksen brachte uns Anette Köhler die Stadtentwicklung Triers vom römischen Militärlager (30 v. Chr.) bis heute näher – und die nette Pause bot dadurch auch einen informativen Austausch.
Und schließlich - unbestreitbar - der Höhepunkt unserer Sight-Seeing-Tour: die Ausgrabungen unter St. Maximin. Stapel- und reihenweise tonnenschwere Steinsarkophage unterschiedlicher Größe veranschaulichen neben der wohl schon eindeutig christlich orientierten Bestattungskultur auch Reichtum, Bevölkerungsdichte und Kulturgeschichte dieser nördlichen Kaiserstadt in den ersten vier Jahrhunderten. Besonders beeindruckt haben uns die menschlichen Überreste einer reich ausgestatten Frau, selbst die Goldfäden ihres Haarschmucks waren noch zu erkennen. Hochgerechnet käme man auf mehrere tausend solcher Sarkophage in Trier!
Die frühere Kirche St. Maximin, die das Gräberfeld überbaut, bot als Schlusspunkt noch eine eigene Überraschung: Seit dem 19. Jahrhundert dient sie als Schulgebäude, heute ist sie eine Sporthalle. Ob solch ein bauhistorischer Rahmen nun zu größeren Anstrengungen bezüglich Handstandüberschlag und Balltreffer führen?

Basketball-Korb unter Kirchenhimmel.
Expedition Zukunft / Meike Jotzo
Die letzten Standorte unserer Science-Express-Expedition sind in Sicht.
Ich verabschiede mich hier mit meinem letzten Blogeintrag.
Claudia Dobrinski.
Geschrieben in
LokBuch
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