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Was sagen Sie zum Papst?

03. Februar 2009, 16:59

Seit Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation von Bischof Richard Williamson aufgehoben hat, steht er im Kreuzfeuer der Kritik. Anfangs fanden viele Glaubensgenossen seine Entscheidung, einen bekennenden Holocaustleugner in den Schoß der alleinseligmachenden Kirche zurückzuholen, nur bedauerlich. So bezeichnete etwa Kardinal Karl Lehmann seine Entscheidung schlicht als „unglücklich“. Pater Eberhard von Gemmingen ging schon einen gehörigen Schritt weiter, indem er die Gläubigen dazu aufforderte, für den Papst „zu beten“. Inzwischen verlangen jedoch Katholiken wie der Tübinger Theologe Hermann Häring sogar seinen sofortigen „Rücktritt“. Und als wäre dies noch nicht genug, rückt ihm nun auch noch die Pfarrerstochter Angela Merkel zu Leibe und verlangt eine „öffentliche Klarstellung“. (weiter)

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Fleischeslust

31. Januar 2009, 01:50

Man kann der Tierrechtsorganisation PETA ja vieles nachsagen, doch eines ganz bestimmt nicht - nämlich Einfallslosigkeit! Um uns Karnivoren endlich zu Vegetariern zu bekehren, haben sie einen aufwendigen Werbespot produziert, in dem sich in Dessous gehüllte Schönheiten mit allerlei Gemüse verlustieren und uns mit lasziven Blicken ins Ohr zu flüstern suchen, dass Vegetarier die besseren Liebhaber seien. (weiter)

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Die Auschwitzlüge

27. Januar 2009, 07:27

Der französische Philosoph Voltaire sagte einmal: „Ich teile Ihre Ansicht nicht, doch ich werde bis zu meinem letzten Atemzug dafür kämpfen, dass Sie Ihre Meinung frei äußern dürfen.“ Die von den Aufklärern des 18. Jahrhunderts erkämpfte Meinungsfreiheit wird inzwischen überall in der westlichen Welt als ein grundlegendes Menschenrecht betrachtet. So heißt es etwa in Paragraph 5, Absatz 1, der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern.“ (weiter)

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Operation Walküre

22. Januar 2009, 22:51

Unter der Regie von Bryan Singer und des Skripts von Christopher McQuarrie ist die Verfilmung des missglückten Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 zu einem ebenso aufwendigen wie spannenden Thriller geraten. Mit Tom Cruise in der Rolle des Claus Schenk Graf von Stauffenberg kann es natürlich nicht verwundern, dass nahezu alle anderen Verschwörer zu bloßen Statisten verkommen. So wird Generalmajor Henning von Tresckow, der der wahre Kopf und das wahre Herz des militärischen Widerstandes war, als eine eher unbeholfene und recht unbedarfte Figur an den Rand der Geschichte gedrängt. (weiter)

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Erfolg macht sexy!

15. Januar 2009, 16:49

Wie heißt es doch? „Diamonds Are a Girl’s Best Friend.“ Wenn man der Süddeutschen Zeitung glauben darf, hat sich daran auch nichts geändert. Nach einer heute veröffentlichten Meldung der SZ soll es eine großangelegte, bundesweite EMNID-Umfrage gegeben haben, die gezeigt hätte, dass Frauen nach wie vor nach einem männlichen Partner suchen, der sich durch Status, Prestige und Finanzkraft auszeichnet. Um dies zu ermitteln, hat man ihnen eine Liste männlicher Berufe ausgehändigt und sie gefragt, ob sie sich vorstellen können, mit einem Partner zu leben, der eine der aufgelisteten Tätigkeiten ausübt. (weiter)

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Nichts als Sex im Kopf

08. Januar 2009, 06:09

Britische Hirnphysiologen sind im Begriff, eine Therapie für die „Asexualität“ zu entwickeln. Diese früher oft als „impotentia concupiscentia“ bezeichnete Erkrankung meint das (nahezu) völlige Fehlen sexueller Begierde. Diese buchstäbliche „Lustlosigkeit“ tritt oft als Begleiterscheinung neurologischer Erkrankungen und insbesondere auch als Nebenwirkung mancher Psychopharmaka, wie zum Beispiel einiger Antidepressiva, auf. 

Das britischer Forscherteam hat nun einen elektronischen Chip entwickelt, der, wenn man ihn in den orbifrontalen cortex einsetzt, die Wollust zu neuem Leben erweckt.  Bislang hat sich erst eine einzige Patientin dieser Therapie unterzogen. Wie sie versicherte, wirkt sie aber tatsächlich Wunder. Allerdings war ihr dieses Wunder schlicht zu viel des Guten. Sie hat den Chip schon nach kurzer Zeit wieder entfernen lassen, weil sie sich an die plötzlich eingetretene Steigerung ihres sexuellen Appetits beim besten Willen nicht gewöhnen konnte. 

Ich selbst war von dieser Art der neurobiologischen Forschung derart in den Bann gezogen, dass ich in vielen schlaflosen Nächten sogleich ein ausgesprochen subtiles diagnostisches Tool zur Früherkennung der Asexualität entwickelt habe. Hierzu ist nichts weiter nötig, als dass Sie einen Blick auf das folgende Bild werfen. Wenn sich nichts, aber auch wirklich gar nichts regt, sind Sie ein echter Kandidat für den Sex-Chip.    


Nein, ganz im Ernst, die Therapie der Asexualität wirft ein interessantes philosophisches Problem auf. Ob wir nun Epikur, Seneca, Marc Aurel oder Arthur Schopenhauer lesen, alle versichern uns, dass wir, um glücklich zu werden, zunächst einmal unsere Leidenschaften zähmen müssen. All unser Unglück entspringt nach Ansicht dieser Weisen aus unseren Begierden. Wenn unsere Begierden befriedigt werden, fühlen wir uns glücklich; wenn unsere Begierden nicht befriedigt werden, fühlen wir uns unglücklich. Wie die Welt nun einmal ist, bleiben unsere Begierden weit öfter unerfüllt als erfüllt. Daher ist es das Beste, wir bekämpfen unsere Begierden und lassen sie uns nicht länger beherrschen. Erst wenn wir keinerlei Begierden mehr verspüren, ist der Weg zu einem glücklichen Leben geebnet.  

In der Sprache der Stoiker ausgedrückt, sollen wir von der „Apathie“, der Begierdelosigkeit, über die „Autarkie“, der Selbstgenügsamkeit, zur „Ataraxie“, dem Seelenfrieden, finden.

Klingt logisch, nicht wahr? Doch wenn dies logisch ist, wie kann es dann sein, dass es Menschen gibt, die darunter leiden, keinerlei Begierde mehr zu verspüren? Nach den Stoikern sollte mit dem Verlust der Begierde schließlich eine große Last von ihren Schultern gefallen sein. Oder nicht?



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Schwerin unterm Hakenkreuz

29. Dezember 2008, 04:28

In diesen Tagen ist in Mecklenburg-Vorpommerns Hauptstadt Schwerin die neue Synagoge eingeweiht worden. Als Sohn einer "Halbjüdin" 1962 in Schwerin geboren, hat es mich schon immer interessiert, wieviele Juden eigentlich während der Zeit des Dritten Reiches in meiner Heimatstadt gelebt haben und was aus ihnen geworden ist. Da sich das SED-Regime, unter dem ich aufgewachsen bin, nahezu ausschließlich dem Gedenken der von den Nazis verfolgten Kommunisten verpflichtet fühlte, war hierüber jedoch kaum etwas in Erfahrung zu bringen. Mit Hilfe des Schweriner Stadtarchivars Dr. Bernd Kasten bin ich nun endlich in den Besitz der nötigen Informationen gekommen: (weiter)

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Die Religion fiel nicht vom Himmel

16. Mai 2008, 22:19

Konrad Lorenz hat einmal gesagt, dass sein Frühsport darin bestehe, jeden Morgen eine seiner Lieblingshypothesen aus dem Fenster zu werfen. Wie schwer es ist, sich von einer liebgewonnenen Theorie zu verabschieden, habe ich spätestens bei dem gestrigen Workshop „Evolution der Religionen“ in Frankfurt am Main bemerken müssen.


Wie jeder, so habe natürlich auch ich meine Theorie darüber, wie die Religion in die Welt gekommen ist. Ähnlich wie Feuerbach, Marx und Freud ging ich stets davon aus, dass der Glaube nicht einfach vom Himmel gefallen ist. Doch im Unterschied zu Feuerbach, Marx und Freud trug meine Theorie schon immer evolutionäre Züge. Ich bin davon ausgegangen, dass die Religion ein Nebenprodukt der Evolution des menschlichen Gehirns sei.

Wie all unsere Organe, so ist selbstverständlich auch unser Gehirn ein Produkt der Evolution. So wie unser Körper, so hat sich auch unser Geist in Anpassung an unsere Umwelt herausgebildet. Unser Geist ist, wie es in der von Konrad Lorenz, Donald Campbell, Karl Popper und Gerhard Vollmer entwickelten „Evolutionären Erkenntnistheorie“ heißt, an einen eng begrenzten Ausschnitt dieser Welt, an den sogenannten „Mesokosmos“ angepasst. Im Unterschied zum Makrokosmos (der Welt der großen Dimensionen, für die wir ein Teleskop benötigen) und dem Mikrokosmos (der Welt der kleinen Dimensionen, für die wir ein Mikroskop benötigen), ist der Mesokosmos eine Welt der „mittleren Dimensionen“, die wir weitgehend mit unserem bloße Auge erfassen können.

Dass unser Erkenntnisapparat von der natürlichen Selektion geformt worden ist, um uns ein Überleben im Mesokosmos zu erlauben, hat zumindest drei weitreichende Konsequenzen. Erstens lässt uns unser Vorstellungsvermögen nur allzu häufig im Stich, sobald wir die Grenzen unserer kognitiven Nische überschreiten: Ereignisse im Mikrokosmos und Makrokosmos können wir uns, so sehr wir uns auch bemühen mögen, einfach nicht mehr anschaulich vorstellen.   

Zweitens ist die Anpassung unseres Erkenntnisapparates wie alle Anpassungen nur unvollkommen. Das heißt, dass unser Erkenntsnisapparat zwar zuverlässig genug sein mag, um unser Überleben zu gewährleisten, doch nicht zuverlässig genug, um sicheres Wissen zu garantieren. Die Welt da draußen ist sehr wahrscheinlich nicht so, wie wir sie sehen. Wir sehen sie nur so, wie sie uns unser Erkenntnisapparat sehen lässt.

Und drittens ist auch die Art und Weise, wie wir die Welt zu beschreiben und zu erklären versuchen, beschränkt, weil sie an unseren durchaus fehlbaren Erkenntnisapparat gebunden ist. Dieser Erkenntnisapparat lässt uns die Welt in drei Dimensionen sehen und alle darin vorkommenden Ereignisse kausal und teleologisch betrachten, unabhängig davon, ob diese Welt tatsächlich drei Dimensionen hat und alle Ereignisse in ihr wirklich ursächlicher und zielgerichteter Natur sind.

Insbesondere diese dritte Konsequenz bietet uns nun eine mögliche Hypothese zur Entstehung von Religionen. Da uns unser Gehirn kausal und teleologisch denken lässt, können wir gar nicht anders, als unaufhörlich „Warum?“ und „Wozu?“ zu fragen: „Warum gibt es etwas und nicht vielmehr nichts?“ „Woher kommt diese Welt eigentlich her?“ „Wozu dient unser Leben?“ Und: „Wieso gibt es Alter, Krankheit und Tod?“

Meine Lieblingshypothese zur Evolution der Religion bestand denn auch immer darin zu sagen, dass die verschiedenen Religionen dieser Welt nur verschiedene Versuche einer Beantwortung dieser existenziellen Fragen sind. Irgendwann im Laufe unserer Urgeschichte müssen sich die Menschen diese Fragen erstmals vorgelegt und zu beantworten versucht haben. Und die Antworten, die nicht nur ihren intellektuellen Fähigkeiten, sondern auch ihren emotionalen Bedürfnissen am ehesten entsprachen, haben dann Eingang in die Religionen dieser Welt gefunden.

Insofern die sogenannten Weltreligionen – also der Hinduismus, der Buddhismus, das Judentum, das Christentum und der Islam – allesamt Erlösungsreligionen sind, hatte ich angenommen, dass sich alle Religionen letztlich der Frage nach der Herkunft unseres Leids und Elends verdanken. Schließlich betrachten all diese Religionen diese Welt als ein Jammertal und zeigen uns einen Weg, wie wir von diesem Dasein erlöst werden können.


Auf dem gestrigen Workshop hat Pascal Boyer nun aber leider kurzen Prozess mit meiner Lieblingshypothese gemacht. Wie er versicherte, gebe es Völker und Religionen, in denen die Herkunft des Bösen und die Erlösung von diesem Dasein nicht die geringste Rolle spielen. Was nun? Nun bich ich offenbar „so klug als wie zuvor“. Das einzige, was ich dazu gelernt habe, ist: Ich hasse Frühsport!

 



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Das Opium des Volkes

13. Mai 2008, 00:25

Voltaire soll einmal gesagt haben „Wenn es keinen Gott gäbe, müsste man ihn erfinden“. In der Tat, die Idee, dass es einen lieben Gott gibt, der diese Welt erschaffen hat, aufmerksam über unser aller Schicksal wacht und uns nach unserem Tode zu neuem Leben erweckt, ist ungemein reizvoll. Diese Idee scheint mit einem Schlag all unsere Fragen zu beantworten. Sie kann uns verraten, woher wir kommen und wohin wir gehen, was wir zu tun und was wir zu lassen haben, und an wen wir uns in Zeiten der Dankbarkeit wie in Zeiten der Verzweiflung wenden können. Vor allem aber kann sie uns Hoffnung, Geborgenheit und Trost spenden und unserem Leben jenen allumfassenden Sinn verleihen, nach dem sich viele von uns so verzweifelt sehnen. (weiter)

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Der Judaskuss

26. April 2008, 05:22

Ein ambitionierter amerikanischer Regisseur hat sich zur anstehenden Premiere seines Off-Broadway-Stücks „Der Judaskuss“ etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Um seiner Inszenierung größtmögliche Authentizität zu verleihen, hat er die Rolle des Judas Ischarioth doppelt besetzt: Mit einem bekannten Schauspieler, der Jesus für 30 Silberlinge mit einem Kuss verrät, und einem unbekannten Lebensmüden, der sich danach tatsächlich auf offener Bühne erhängt – ein echter Selbstmord vor den Augen des Publikums!

Keine Sorge, dies ist reine Fiktion! Diese frei erfundene Geschichte hat lediglich die Funktion, ein theoretisches Problem der Politischen Philosophie zu illustrieren. Wo genau liegen eigentlich die Grenzen staatlicher Macht? Inwieweit ist der Gesetzgeber moralisch befugt, die Freiheit seiner Bürger mit den Mitteln des Strafrechts einzuschränken?

Nach den Vätern des Liberalismus sind dem Staat sehr enge Grenzen gesetzt. Danach darf der Gesetzgeber die Freiheit seiner Bürger nur einschränken, wenn dies zum Schutze Dritter unbedingt erforderlich ist. Oder, wie es John Stuart Mill in seiner berühmten Schrift „Über die Freiheit“ formulierte:

„Der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gesellschaft ausüben darf, besteht darin, eine Schädigung anderer zu verhüten. Sein eigenes Wohl ist keine genügende Rechtfertigung. Man kann ihn nicht rechtmäßig zwingen, etwas zu tun oder zu lassen, weil dies besser für ihn wäre. Um das zu rechtfertigen, müsste das Verhalten, wovon man ihn abbringen will, darauf berechnet sein, anderen Schaden zu bringen. Nur insoweit sein Verhalten andere in Mitleidenschaft zieht, ist jemand der Gesellschaft verantwortlich. Über sich selbst, seinen eigenen Körper und Geist, ist der einzelne souveräner Herrscher.“

Wenn der Staat die Freiheit seiner Bürger aber ausschließlich zum Schutze anderer einschränken darf, muss er es selbstverständlich dulden, wenn sie sich selbst schaden. Solange die Betroffenen freiwillig handeln, sich in einem urteilsfähigen Zustand befinden und sich über die Folgen ihres Tuns im Klaren sind, muss er sie gewähren lassen. Wenn dem so ist, müsste sich aber jemand auch auf offener Bühne erhängen können.

Die Geschichte vom „Judaskuss“ ist offensichtlich eine ernste Herausforderung an den Liberalismus. Sie scheint ihn geradezu ad absurdum zu führen. Denn jeder fragt sich sofort: „Wo kämen wir hin, wenn jeder mit sich machen könnte, was er wollte? Erst erhängen sie sich zur Unterhaltung anderer, dann versklaven sie sich an irgendeinen Despoten und schließlich verkaufen sie ihre Lungen und Herzen auf einem offenen Markt für Organe.“

Der Liberalismus hat offenbar nur drei Optionen. Er könnte eingestehen, das sein Ideal einer freien Gesellschaft schlichtweg weltfremd ist, er könnte einen Kompromiss zu finden suchen oder er könnte die scheinbar verheerenden sozialen Folgen einfach billigend in Kauf nehmen und als den notwendigen Preis der Freiheit betrachten. Welche Option sollte er wählen?




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