Wo Kirche ist, da ist Kreuz
von Edgar Dahl, 24. März 2010, 02:58
Darf man eigentlich noch Mitglied in der römisch-katholischen Kirche sein? Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt. Angesichts der Kreuzzüge, der Ketzerverfolgungen und der Hexenverbrennungen musste man es sich schließlich schon immer gut überlegen, ob man ein zahlendes Mitglied einer Institution sein will, deren Geschichte so unrühmlich ist. Nachdem nun aber tagtäglich Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester bekannt werden, stellt sich diese Frage plötzlich ganz neu.
Ich erinnere mich noch, was passierte, als bekannt wurde, dass der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben heimlich Zyankali an Sterbewillige verkaufte. Mehr als die Hälfte der Mitglieder betrachteten es als ihre moralische Pflicht, aus der Gesellschaft auszutreten. Mit diesem Schritt wollten sie sowohl ihrer Entrüstung als auch ihrer Scham Ausdruck verleihen. Sie wollten und konnten nicht länger Teil einer Gesellschaft sein, die ihre Bestimmung verraten hat und ihrem eigenen Anspruch einfach nicht genügte.
Sollte dasselbe nicht auch für eine Kirche gelten? Wie kann man also noch guten Gewissens Mitglied der römisch-katholischen Kirche sein?
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Ich denke, die Antwort ist, dass gläubige Katholiken ihre Kirche nicht als einen Verein für Christen sehen, sonder als die Gemeinschaft der Gläubigen. Mitgliedschaft in der Kirche ist für einen Katholiken integraler Bestandteil des Glaubens.
Deshalb denke ich auch, dass der richtige Weg für die Katholiken nicht der Austritt aus der Kirche wäre, sondern die Forderung nach rücksichtsloser Aufklärung und Anzeige und Absetzung der Straffällig gewordenen Priester.
Die meisten Menschen erkennen sehr wohl, dass diese sexuellen Übergriffe nichts mit dem christlichen Glauben und der Kirche zu tun haben. Ein Austritt ist aus diesem Grund nicht notwendig.
In den 60er-/70er Jahren gab es viele Lehrkräfte, die für diesen Beruf nicht qualifiziert waren. Es gab Lehrer, die durch ihre Erlebnisse als Soldat traumatisiert waren und manche Lehrer wurden im Schnellverfahren ausgebildet.
(Das soll keine Entschuldigung für Verbrechen sein!)
Es lohnt sich, eine in letzter Zeit populär gewordene Rede des Regensburger Bischofs Müller zu lesen:
www.mittelbayerische.de > Politik > Ausschnitt aus Rede (man sollte bis zum Schluss lesen Teil 4-5)
Er verweist darauf, dass die meisten der Vergehen schon 50 Jahre zurück liegen - aber er macht auch darauf aufmerksam, dass viele junge Osteuropäerinnen aktuell(!) als Sexsklavinnen missbraucht werden. Diese aktuellen Missbrauchsfälle sind keinerlei Anlass zu igendeiner öffentlichen Empörung. Er wirft deshalb der Presse einseitige, kirchenfeindliche Berichterstattung vor. Und er ruft auf, sich dagegen zu wehren, so wie dies oberpfälzer Frauen auch schon einmal im 3. Reich gemacht haben.
Die Reaktion in den Medien war gigantisch - man griff in an, wegen eines unzulässigen Vergleiches mit einem Vorfall im 3. Reich.
Die aktuelle und massive sexuelle Ausbeutung junger Osteuropäinnerinnen interessiert offenbar keinen. Sexueller Missbrauch ist nur dann ein Vergehen, wenn man gleichzeitig gegen die Kirche agitieren kann.
Diese Moral ist sehr interessant: Moral gibt´s also nur dann, wenn man darauf sein eigenes Süppchen kochen kann.
Osteuropäische Frauen - wen interessiert das schon?
Wie die ersten Kommentare zeigen, liegt ein Grund mit Sicherheit auch darin, dass viele einfach die Augen vor den Tatsachen verschließen. Die katholische Kirche hat Mechanismen herausgebildet, die das Vergewaltigen von Kindern decken und damit auch ermöglichen. Dass diese Strukturen existieren wurde bisher bei jedem Missbrauchsskandal gezeigt - sei es in den USA, in Irland oder jetzt in Deutschland. Es ist daher nicht gerechtfertigt die Schuld ausschließlich bei den straffällig gewordenen Priestern zu suchen und jegliches weitere Fragen zu verdrängen. Doch genau das geschieht - und ermöglicht es so, weiter zu machen wie bisher. Der Bischof, der einen straffällig gewordenen Priester unter maximaler Geheimhaltung einfach nur versetzt hat nichts zu befürchten. Weder strafrechtlich noch im Ansehen. Selbst wenn der Priester wieder "rückfällig" wird und erneut Kinder missbraucht. In meinen Augen ist das der eigentliche Skandal. Und das betrifft explizit auch die Mitglieder der katholischen Kirche.
KRichard, da bleibt mir ehrlich gesagt die Spucke weg. Wir reden hier davon, dass Kinder von Priestern vergewaltigt worden sind, dass diese Priester gedeckt und nicht an weiteren Taten gehindert wurden und dass die dafür verantwortlichen keinerlei Konsequenzen fürchten müssen. Passiert so etwas außerhalb der katholischen Kirche muss sich jeder vom einfachen Polizisten vor Ort bis zum höchsten zuständigen Gericht dafür rechtfertigen und dann werden Konsequenzen gezogen. Die Kirche dagegen tut sich mit jeglicher Offenheit schwer und beharrt auf ihrer Geheimhaltungspraxis indem sie selbige sogar von den Medien fordert. Das muss man sich einmal vorstellen! Da werden ungeheuerliche Verbrechen unter dem Deckmantel einer Institution begangen, die weltweit präsent ist, eine sehr mächtige Lobby hat, die moralische Standards definiert, die Weltsicht vieler Menschen bestimmt, sehr gerne politisch mitredet und noch viel lieber bei jeder Oster- und Weihnachtspredigt mit dem Finger auf andere zeigt und Moral und Menschlichkeit fordert.
Doch statt über die Verbrechen ehrlich schockiert zu seien - was so ohnehin nicht geht, schließlich wussten die Bischöfe ja von Anfang an Bescheid; wirklich empört ist daher nur die Öffentlichkeit - kommen Lippenbekenntnisse und, noch viel dreister, Ablenkungsversuche. Die sexuelle Revolution trage mindestens eine Teilschuld und überhaupt seien andere viel schlimmer. Was spielt es für eine Rolle, dass andere schlimmer seien?
Sehr interessant finde ich aber, dass Bischof Müller die katholische Kirche mit seinem "Andere sind aber viel schlimmer!" die katholische Kirche letztlich indirekt mit dem organisierten Verbrechen vergleicht, welches mit aller staatlicher Macht bekämpft wird. Glückwunsch dazu.
„ Missbrauch ist keine Erfindung katholischer Patres“, das bestätigt (laut kath.net) Feministin und Abtreibungsbefürworterin Alice Schwarzer. Denn „Der Zeitgeist der "sexuellen Befreiung" förderte den Missbrauch, sagt die Feministin und erinnert an unangenehme Fakten der 1970er und 1980er Jahre.“
Quelle: http://www.kath.net/detail.php?id=25970
Die kath. Kirche ist also ganz unschuldig an diesen Vorkommnissen, ihre Pfarrer haben lediglich ein bisschen mitgemischt. Wenn Sporttrainer Kinder missbrauchen wandern sie oft für mehrere Jahre in den Knast, Pfarrer werden für dasselbe Delikt lediglich in eine andere Pfarrei versetzt. Da dreht sich einem doch der Magen um.
Da bleibt Ihnen die Spucke weg - mir auch.
Wenn ein Bischof auf aktuelle sexuelle Ausbeutung von Frauen hinweist, dann ist das ein Ablenkungsmanöver. Das ist eine seltsame Denkweise. Wenn jemand auf ein Verbrechen hinweist, dann ist es also ein dreistes Ablenkungsmanöver - welches gefälligst niemand zu interessieren hat?
Schauen Sie mal bei der oben angegebenen Internet-Adresse in den Auszug der Rede hinein.
Diese Rede war an Mitglieder des Katholischen Frauenbundes gerichtet. Und wenn dort vor Frauen spezielle Frauenprobleme angesprochen werden, kann man das nicht unbedingt als Ablenkungsmanöver betrachten.
Bedenklich ist aber die Reaktion der Medien - kein Mitleid/Mitgefühl mit den ausgebeuteten Sexsklavinnen. Das sollte uns zu denken geben.
@KRichard: Ich finde Ihre (und Herrn Müllers) Argumentation in der Tat auch sehr kurios. Mir bleibt da ebenfalls die Spucke weg.
Zunächst aus einem banalen Grund: Man kann ja nicht Unrecht dadaurch relativieren, dass woanders auch Unrecht geschieht. Das ist ein Ablenkungsmanöver, das nach hinten losgeht, weil man sich mit den anderen Verbrechern letztlich auf eine Stufe stellt.
Außerdem aus einem nicht ganz so banalen Grund: Das Verbrechen Frauenhandel findet in einem Milieu statt, in dem uns Verbrechen nicht überraschen. Natürlich gehört es bekämpft und wird wohl hoffentlich auch mehr oder weniger. Kindesmissbrauch durch kirchliche Amtsträger finden aber in einer Institution statt, die als moralische Größe auftritt, denen Eltern ihre Kinder anvertrauen und die von uns (sogar den Atheisten) finanziert wird. Das hier die moralische Empörung besonders hohe Wellen schlägt ist ja wohl nachvollziebar. Nein, wer ein reines Gewissen haben will, sollte dieser Institution den Rücken kehren.
Der Missbrauchsfall zeigt vor allem eins: Wir haben hier einen Staat im Staate. Das können wir nicht zulassen!
Bischof Müller weißt explizit im Kontext der Berichterstattung über den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche auf den Missbrauch Osteuropäerinnen hin und fordert, die Medien sollen darüber mehr berichten. Gleichzeitig stellt er klar, dass die Berichterstattung über die katholische Kirche eine Hetze im Geiste des Nationalsozialismus sei und zu unterbleiben habe. Das ist eine sehr deutliche Aussage.
Wenn das eine Verbrechen nicht das andere relativieren soll, warum dann der Verweis darauf in explizit diesem Kontext? Er hätte auf den Missbrauch von Osteuropäerinnen in seiner Rede auch als solchen hinweisen können, wie es - nebenebei gesagt - die Massenmedien schon lange vor ihm getan haben (ich habe selbst schon zwei Reportagen vor langer Zeit darüber im Fernsehen gesehen und es immer wieder bei jeder erfolgreichen Razzia in der Zeitung zu lesen bekommen). Aber genau das tut er nicht.
Was er sagt scheint letztlich auf seine eigene politische Agenda abzuzielen. Die Forderungen werden lauter, dass Kreuze in religiös-neutralen staatlichen Schulen nichts zu suchen haben - Bischof Müller ist sich nicht zu Schade darauf hinzuweisen, dass das im Nationalsozialismus schon einmal so war. Die katholische Kirche steht mit dem Rücken zur Wand weil hunderte Vergewaltigungen von Kindern, üblicherweise kleine Jungen, durch Geistliche ans Licht gekommen sind und darüber berichtet wird und die letzten Vergewaltigungen in jüngster Zeit stattfanden. Bischof Müller behauptet die meisten Taten lägen lange zurück und die Medien würden eine nationalsozialistische Hetze gegen die katholische Kirche fahren und fordert, dass sich die Katholiken gegen die Aufklärung und Information über die Missbrauchsfälle in den Medien zu wehren habe. Schließlich, so scheint er zu denken, reicht es einmal auf Missbrauchsfälle hinzuweisen und über jeden weiteren, der neu auftauche, gäbe es dann nichts mehr zu sagen.
Er thematisiert damit kirchliche Forderungen. Aber Frauenprobleme?
"Ich denke, die Antwort ist, dass gläubige Katholiken ihre Kirche nicht als einen Verein für Christen sehen, sondern als die Gemeinschaft der Gläubigen. Mitgliedschaft in der Kirche ist für einen Katholiken integraler Bestandteil des Glaubens."
Es sit sicher richtig, dass viele Katholiken das so sehen. Doch die Frage ist, ob ihre Überzeugung wirklich gerechtfertigt ist.
In der Vergangenheit hatte der Vatikan verkündet, dass es "außerhalb der Kirche kein Heil" gebe. Dies war sicher ein guter Grund für Gläubige, an ihrer Kirche festzuhalten. Doch wie mich Michael (Blume) aufklärte, ist dieses Dogma inzwischen aufgehoben worden.
Wenn man sein Heil auch außerhalb der Kirche finden kann, warum ihr dann nicht den Rücken kehren, wenn sie ihren eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird?
"Die meisten Menschen erkennen sehr wohl, dass diese sexuellen Übergriffe nichts mit dem christlichen Glauben und der Kirche zu tun haben. Ein Austritt ist aus diesem Grund nicht notwendig."
Stimmt! Dass Priester sich an Kindern vergreifen, ist kein Argument gegen den Glauben. Wenn derartige Missbräuche aber von der Kurie gedeckt werden, ist es durchaus ein Argument gegen die katholische Kirche.
Ich frage mich, warum gerade die römisch-katholische Kirche eine solche Faszination auf Päderasten ausübt. Nach Medienberichten soll insbesondere der Bruder des Papstes ein Vergnügen dabei empfunden haben, "kleinen Jungen den Hintern zu versohlen". Bei ihm kam also noch eine sadistische Note dazu - wenn man den Medienberichten glauben schenken kann - was dann dazu geführt hat, dass seine Form der Sexualität von unserer Gesellschaft eher akzeptiert wird, als ein "zärtlicher" Päderast.
Dass der Zölibat aus einem "normal" veranlagten heterosexuellen Mann einen homosexuellen Päderasten machen kann, halte ich für ausgeschlossen.
Als katholischer Bischof würde ich mit Nazi-Vergleichen ja vorsichtig sein. Denn die Frage, ob man nicht moralisch verpflichtet sei, sich von der römisch-katholischen Kirche abzuwenden, stellte sich ja bereits während des Dritten Reichs.
Wie wir schon seit langem wissen, war der Papst schon früh über die Vorgänge in Auschwitz informiert. Selbst wenn er nicht die Stirn hatte, gegen Hitler aufzubegehren, hätte er zumindest die Juden warnen können. Denn 1942 hatten die europäischen Juden die Berichte über Vernichtungslager noch als bloße "Märchen" abgetan. Ein Wort der Warnung, und, so viele Historiker, die Hälfte der Juden hätte gerettet werden können: Statt Ungewissheit hätten sie Gewissheit gehabt - und stärkere Bemühungen zur Flucht ergriffen.
Wer wird seinen Ansprüchen nicht mehr gerecht? Die Katholische Kirche oder einzelne Mitglieder der Katholischen Kirche? Mißbrauchen alle Katholiken Kinder? Warum sollen die Katholiken aus ihrer Kirche austreten? Es sollen doch besser die homosexuellen Priester für ihre Vergehen bestraft werden.
Wie die Süddeutsche Zeitung vorgestern berichtete, reichen die sexuellen Übergriffe keineswegs so weit zurück, wie die katholische Kirche gerne Glauben machen will:
"Österreich entsetzt sich besonders, dass sexuelle Übergriffe und Quälereien noch bis in jüngste Zeit angedauert haben. Aus Vorarlberg wird gemeldet, in einer Klosterheimschule seien Zöglinge mit Pornofilmen, Alkohol und anderen Drogen traktiert worden, gefolgt von sexuellen Übergriffen bis zur Vergewaltigung."
http://www.sueddeutsche.de/...tik/422/506591/text/
Niemand macht ALLE Katholiken verantwortlich. Warum sollten sie auch für die Übergriffe einiger weniger büßen?
Da ihre Kirche das Unrecht aber seit Jahren gedeckt hat, stellt sich an ALLE Katholiken die moralischen Frage, ob sie weiter guten Gewissens Mitglied ihrer Kirche bleiben können.
Ich selbst bin ja kein Katholik und möchte auch keiner sein. Aber wofür steht diese Kirche? Was will sie, was hat sie für Inhalte? Will sie das Kinder geschändet werden? Das möchte ich doch sehr bezweifeln, daß sie dies wollen. Wenn also diese Kirche etwas anderes will, dann muß diese Kirche und ihre Mitglieder wieder dafür sorgen, daß sie das verfolgen, wofür diese Kirche steht. Die Millionen Kirchenmitglieder können sich doch nicht von ein paar fehlgeleiteten homosexuellen Priester ihre Kirche kaputt machen lassen.
Danke Edgar,
du enttäuscht mich nicht. Als erster reagierst du auf meinen ersten Kommentar in dem Sinne, in dem ich ihn geschrieben und gemeint habe. Nicht reflexartig aus dem Bauch heraus, sondern logisch, wissenschaftlich.
Ich habe ja keinesfalls die Verbrechen der Priester gerechtfertigt und auch nicht die Strategie der katholischen Bischöfe, diese Verbrechen zu decken. Meines Erachtens ist auch das ein Verbrechen.
Es ging mir darum, einen Erklärungsansatz zu finden. Es muss doch einen Grund geben, warum die Reaktion der Kirchenmitglieder so verhalten ist. Nur, wenn man die Mechanismen, die dieses System hervorbringen, versteht, kann man adäquat gegen sie vorgehen.
Edgar: "Es sit sicher richtig, dass viele Katholiken das so sehen. Doch die Frage ist, ob ihre Überzeugung wirklich gerechtfertigt ist.
In der Vergangenheit hatte der Vatikan verkündet, dass es "außerhalb der Kirche kein Heil" gebe. Dies war sicher ein guter Grund für Gläubige, an ihrer Kirche festzuhalten. Doch wie mich Michael (Blume) aufklärte, ist dieses Dogma inzwischen aufgehoben worden.
Wenn man sein Heil auch außerhalb der Kirche finden kann, warum ihr dann nicht den Rücken kehren, wenn sie ihren eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht wird?"
Ich denke, es kommt nicht darauf an, wie einige fortschrittliche Intellektuelle in der Kirche es sehen. Es mag sein, dass Michael recht hat und das Dogma offiziell nicht mehr existiert. In den Augen der Gläubigen besteht es aber weiter. Sie sehen die Kirche nicht als eine Verein, den man einfach verlassen darf. Nur deshalb konnte die Kirche ja zu einem Staat im Staat werden.
Ich denke, für die meisten Gläubigen gilt die Kirche nach wie vor als einziger Weg zum Heil. Das ist meines Erachtens ein Grund für den Verbleib in der Kirche.
Ich selbst bin übrigens nie Mitglied dieser Kirche gewesen.
Als Bayer und ehemaliger Katholik ist es für mich kaum eine Frage, weswegen viele sich mit einem Kirchenaustritt schwer tun. In der Regel kommt einem ein solcher gar nicht erst in den Sinn.
Als Katholik legt man bei jedem Kirchenbesuch einen treue Schwur ab - nicht nur auf allgemeine Glaubensinhalte, sondern explizit auf die katholische Kirche ("Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen."). Es ist völlig unerheblich ob Theologen meinen, die katholische Kirche bezeichne hier nur die Gemeinschaft der Gläubigen. Katholische Kirche ist katholische Kirche - und als solche ein integraler Bestandteil des eigenen Weltbildes und des eigenen Selbst. Das gibt man nicht einfach auf und stellt es auch nicht einfach in Frage. Viel eher sucht man andere Wege die kognitive Dissonanz zu lösen. Welche das sein können, zeigen katholische Geistliche in letzter Zeit deutlich: Nicht Strukturen der Kirche sind schlecht, schlecht alleine sind einige wenige am untersten Ende der Hierarchie und die Medien.
Die Schuld dort zu suchen, wo es sich nicht leugnen lässt, und die Restschuld bei anderen zu suchen ist bedeutend einfacher und bequemer als das eigene Weltbild in Frage zu stellen. (Bei kirchlich aktiven Menschen würde eine Abkehr von der Kirche sogar das bisherige eigene Leben in Frage stellen.) Und Menschen lieben nun einmal Bequemlichkeit.