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Die vier apokalyptischen Reiter

von Edgar Dahl, 21. Januar 2010, 00:04

Seit der Veröffentlichung von Richard Dawkins’ „Der Gotteswahn“, Christopher Hitchens’ „Der Herr ist kein Hirte“, Daniel Dennetts „Den Zauber brechen“ und Sam Harris’ „Das Ende des Glaubens“ gibt es wieder einmal eine erbittert geführte Debatte über die Religion.

Der Streit darüber, ob die Annahmen der Religion wirklich glaubwürdig sind, scheint dabei kein Ende zu nehmen. Mit dem kürzlich erschienenen Buch „50 Voices of Disbelief: Why We Are Atheists“ ist sogar noch einmal zusätzlich Öl ins Feuer gegossen worden.

In diesem Buch, in dem sich nun unter anderem auch Peter Singer, Marc Hauser, Philip Kitcher, Michael Shermer, Victor Stenger, Anthony Grayling, James Randi und Ophelia Benson zu Worte melden, wird gezeigt, dass Glaube und Vernunft unvereinbar sind.

Dank der kurz gehaltenen und autobiografisch gefärbten Beiträge hat das Buch bislang ausgezeichnete Kritiken erhalten. Viele Rezensenten waren erstaunt darüber, wie unterschiedlich der weltanschauliche Hintergrund der Atheisten doch ist.

Aber was ist daran eigentlich so „erstaunlich“? Der Atheismus ist schließlich nur eine philosophische Position, keine politische Ideologie!

Mit dem Atheismus verhält es sich nicht anders als mit dem Monismus oder dem Determinismus. So wie der Monismus lediglich eine Position im Streit um das Verhältnis von Leib und Seele und der Determinismus eine Position in der Frage nach der Freiheit des menschlichen Willens darstellt, so ist der Atheismus eine Position in der Debatte um die Existenz Gottes. Eine philosophische Position zu den „ewigen Fragen der Menschheit“ zu haben, verpflichtet niemanden zu einer politischen Ideologie. Genau wie Monisten und Deterministen rot, grün, gelb oder schwarz wählen können, genauso können sich auch Atheisten jeder möglichen Partei anschließen.

Zugegeben, ein Atheist dürfte sich in der CDU oder CSU eher schlecht als recht aufgehoben fühlen, da sich diese Parteien zumindest ihrem Namen nach zum Christentum bekennen. Doch insofern es bei der Wahl einer Partei letztlich weniger um ein religiöses Bekenntnis, als vielmehr um die Unterstützung einer bestimmten Wirtschafts-, Sozial- und Außenpolitik geht, sehe ich keinen Grund, weshalb ein Atheist nicht beispielsweise schwarz-gelb wählen sollte.

Mir erscheint die Aussage, dass Atheisten nur eine philosophische Position, nicht aber eine politische Ideologie vereint, geradezu als eine Selbstverständlichkeit. Offenbar ist es das aber nicht.

Wie vor allem das Beispiel Michael Blumes zeigt, werden Atheisten nicht nur philosophisch, sondern auch politisch nur allzuoft in ein und denselben Topf geworfen. So hat mir Michael beispielsweise erst kürzlich vorgeworfen, dass ich beständig gegen Theisten, nie jedoch gegen Atheisten schieße. Die Glaubwürdigkeit meiner Kritik, meint er, wäre weit größer, wenn ich dann und wann auch die „eigenen Leute“ aufs Visier nehmen würde.

Mit meinen „eigenen Leuten“ meint er nun aber nicht etwa Philosophen wie Epikur, Voltaire, Hume, Schopenhauer oder Russell, sondern Ideologen wie Hitler, Stalin, Mao Tse-Tung, Pol Pot und Kim Il-Sung.

Doch was habe ich mit diesen Leuten gemein? Nichts, außer dass ich, wie sie, an der Existenz Gottes zweifele. Die Übereinstimmung in einer philosophischen Position impliziert nun aber keine Übereinstimmung in einer politischen Ideologie. Unser Atheismus ist eine reine Koinzidenz. Mich mit Hitler und Stalin zu vergleichen, ist daher genauso absurd, wie Nietzsche und Schweitzer über einen Kamm zu scheren, nur weil sie zufällig einen ähnlichen Bart trugen. 



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Kommentare

  1. Karl Bednarik Agnostiker
    21.01.2010 | 07:26

    Theisten glauben, dass es Gott gibt.

    Atheisten glauben, dass es Gott nicht gibt.

    Agnostiker glauben nichts.

    Agnostiker wissen, dass sie nicht wissen, ob es Gott gibt.

  2. adenosine kein Betreff
    21.01.2010 | 09:15

    Eher, Atheisten sehen dediziert keine hinreichenden Belege oder Plausibilitäten für die Existenz von Göttern. Agnostiker sehen den Raum für Götter und fast alles, sie halten da doch vieles für möglich und lieben wahrscheinlich auch SF.

  3. Jürgen Bolt @Karl Bednarik: Agnostizismus-Atheismus
    21.01.2010 | 09:24

    Genau genommen haben Sie recht, und ich müßte mich Agnostiker nennen. Aber warum legen Viele - vielleicht auch Sie - gerade für die Religion soviel Wert darauf zu betonen, daß man seiner Sache nicht völlig sicher ist.

    Als Skeptiker ist man ja nie letztlich sicher, auch nicht z.B. in der Frage, ob die Evolutionstheorie oder dem Klimawandel wirklich real sind. Da finde ich mich aber nicht gefordert, das ständig eigens zu betonen.

  4. Ulrich @Jürgen Bolt
    21.01.2010 | 10:09

    Weil "Hardcore"-Atheisten darauf bestehen, dass man nicht so einen Unsinn glauben soll.

  5. Martin Huhn kein Betreff
    21.01.2010 | 10:17

    Dies ist ein sehr dürftiger Beitrag.

    "wird gezeigt, dass Glaube und Vernunft unvereinbar sind"

    Da schreiben 50 Atheisten ein Buch - ich kenne nicht mal einen der aufgezählten Namen - und da zeigen sie also, daß Glaube und Vernunft unvereinbar sind. Es sollte vielmehr heißen, sie versuchen es zu zeigen. Edgar, Du hast ja bewußt diesen Satz so gewählt. Den Unterschied zwischen "wird gezeigt" und "versuchen zu zeigen" wirst Du doch wohl noch kennen. Was soll das?

    Und daß es so ins Persönliche gegenüber Michael abdriftet, da hättest Du ihm besser mal eine E-mail geschrieben, um das zu klären. Mir scheint Du hast ihn falsch verstanden.
    Das ist doch, wenn ich es mal so ausdrücken darf, Kinderkacke.

    "Mich mit Hitler und Stalin zu vergleichen, ist daher genauso absurd, wie ..."

    Warum ist das absurd? Was ist absurd? Ist das das neue Modewort? Westerwelle, Leuthäuser-Schnarrenberg und andere der FDP begegnen neuerdings dem Vorwurf der Bestechlichkeit mit "es ist absurd". Das scheint wirklich das neue unversale, transversale Allzweckargument zu sein, welches alles entkräftet. Muß ich mir merken. Wenn ich nicht mehr weiter weiß, dann sage ich einfach, es ist absurd.
    Vergleichen kann man alles und jeden. Wenn mich jemand mit Hitler vergleicht (falls Michael das überhaupt so getan hat, wie Du ihm unterstellst), bitte sehr. Dann wird dabei herauskommen, daß ich nur sehr wenig mit ihm gemein habe (ich esse auch kein Fleisch).

  6. Dietmar Hilsebein @ Huhn
    21.01.2010 | 10:31

    Glaube und Wissen sind unvereinbar. Daß Vernunft und Glaube unvereinbar sein sollen, wäre mir auch neu. Hängt natürlich im hohen Maße davon ab, wie die Begriffe Glauben und Vernunft definiert werden.

  7. Michael Khan Es ist schade ...
    21.01.2010 | 10:35

    ... dass es notwendig ist, so offenkundige Dinge eigens niederzuschreiben, und dann auch noch in einer Blogsammlung, die eigentlich der Wissenschaftlichkeit verpflichtet ist.

    Aber nach der unglaublichen Entgleisung, die sich ein Mitblogger im Kommentar zu Ihrem vorherigen Artikel leistete, muss die Klarstellung hier wohl sein.

    Die Trennung zwischen Atheismus und Agnostikertum mag zwar formal bestehen, im allgemeinen Sprachgebrauch macht das allerdings in aller Regel keinerlei Unterschied. Man meint damit einfach, dass man ebensowenig an hoehere, allmächtige Wesen glaubt wie an den Weihnachtsmann oder den Osterhasen.

    Es ist allerdings eine beliebte Taktik religioeser Leute, den Atheismus zu einer Form von Religion umzudeuten. Offenbar ist es diesen Menschen ein inneres Bedürfnis, überall Religionen zu sehen und alle Menschen Religionen zuzuordnen.

    Dass totalitäre Systeme, gerade solche mit dem Anspruch, eine neue Zeit einzuleiten, auch sehr schnell die Züge einer Religion, und zwar in der Religion in ihrer unangenehmsten, nämlich der Frühphase, annehmen, ist offensichtlich.

    Es sind dort alle Merkmale reigioeser Erweckung auszumachen, von der Verklärung und Überhoehung des Führers der regierenden Bewegung und seiner näheren Umgebung, über die Quasi-Kanonisierung der (lebenden oder verstorbenen) Vordenker und Theoretiker und die Mystifizierung ihrer Schriften, bis hin zu einer wahren Liturgie und einem wahren Devotionalienhandel.

    Wer das nicht wahrhaben will, sollte vielleicht etwas mehr Abstand zum Thema einnehmen.

  8. kamenin @ Bednarik
    21.01.2010 | 11:56

    Agnostiker wissen, dass sie nicht wissen, ob es Gott gibt.

    In dem Sinne sind wir wohl fast alle Agnostiker, selbst die meisten Theisten. Kein Wunder, dass der Ausdruck sich dann leer und nutzlos anfühlt und hauptsächlich noch von Generellbedenkenträgern und Lethargikern gebraucht wird -- bzw. von Leuten, die einfach neutral bleiben wollen, was ja jedermanns gutes Recht ist.
    Was mir bei dieser Agnostiker-Hudelei nur immer aufstößt ist die Selbstverständlichkeit, mit der Agnostiker davon ausgehen, dass weder Theisten noch Atheisten die Grundlagen der Debatte verstanden haben ('wir wissen es doch alle nicht...').

    Die Aussage "ich glaube nicht, dass X" ist auch nicht äquivalent zu "ich glaube, dass nicht-X". Beide mögen zusammen gedacht werden können, aber erste reicht schon vollkommen aus, um sich als Atheist zu bezeichnen.

  9. Till H Hitler war kein Atheist
    21.01.2010 | 11:57

    Hitler war Atheist? Wie kommen sie darauf? Kann ein böser Mensch denn kein Christ sein?

    Siehe:

    http://de.wikipedia.org/...zu_Kirche_und_SS-Mystik

    http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Christen

  10. Michael Khan Begrifflichkeit
    21.01.2010 | 13:40

    Erstaunlich, wie man sich auf die Diskussion um die Vokabeln "Agnostiker" oder "Atheist" stürzt. Es scheint wohl Methode zu haben, dass diese Diskussion in jeder religionsdebatte immer hochkommt.

    Wozu?

    Ich habe beispielsweise auch mit diesem Esoterik-Zeugs nichts am Hut und halte das für Mumpitz. Muss ich mir jetzt für die Tatsache, dass ich das für Mumpitz halte, ein Wort überlegen und mich auf eine lange Diskussion um die Begrifflichkeit einlassen? Worum sollte ich das? Und warum sollte ich das im Fall der Religion?

  11. Luchs kein Betreff
    21.01.2010 | 14:03

    "Ich habe beispielsweise auch mit diesem Esoterik-Zeugs nichts am Hut und halte das für Mumpitz. Muss ich mir jetzt für die Tatsache, dass ich das für Mumpitz halte, ein Wort überlegen und mich auf eine lange Diskussion um die Begrifflichkeit einlassen? Worum sollte ich das? Und warum sollte ich das im Fall der Religion?"

    Sie Carbaquist, Sie! ;-)

  12. Edgar Dahl "Agnostizismus"
    21.01.2010 | 15:58

    Wie schon Schopenhauer anmerkte, sind Bezeichnungen wie Deist, Pantheist und Agnostiker eigentlich nur "höflichere Ausdrücke" für den Begriff Atheist.

    Traditionell sagte man:

    Ein Theist behauptet zu wissen, dass es einen Gott gebe.

    Ein Atheist behauptet zu wissen, dass es keinen Gott gebe.

    Und ein Agnostiker lässt die Frage nach Gott offen, weil uns das Wissen zur Beantwortung dieser Frage fehle.

    Nach dieser tradtionellen Definition erscheint die Position des Agnostikers zweifellos als die angemessenste. Und wenn ich diese Definition für sinnvoll hielte, würde ich mich ebenfalls als einen Agnostiker bezeichnen müssen.

    Die traditionelle Definition scheint mir jedoch an einem Fehler zu leiden. Nachdem wir alle wissen, dass man Existenzbehauptungen nicht widerlegen und Nichtexistenzbehauptungen nicht beweisen kann, macht es einfach keinen Sinn von einem Atheisten zu sagen, er behaupte zu "wissen", dass es keinen Gott gebe.

    Da sich Existenzaussagen einfach nicht widerlegen lassen, kann niemand behaupten zu wissen, dass es keinen Gott gebe.

    Da diese Schlussfolgerung aber nicht nur für Gott, sondern auch für alle anderen möglichen Entitäten (bis hin zu Russells "himmlischer Teekanne") gilt, stellt sich die Frage heute ganz anders:

    Sind die Argumente für die Existenz Gottes überzeugend?

    Wer sie für überzeugend hält, ist ein Theist. Wer sie nicht für überzeugend hält, ist ein Atheist.

    Nach dieser neuen, wissenschaftstheoretisch aufgeklärteren Definition, bleibt für Agnostiker überhaupt kein Platz mehr. Denn entweder hält man die Argumente für die Existenz Gottes für überzeugend oder nicht. Wenn überhaupt, könnte ein Agnostiker nach dieser Definition nur jemand sein, der die Argument für und wider die Existenz Gottes für gleichermaßen überzeugend hält. Dies dürfte jedoch kaum jemals der Fall sein.

    Kurz: Nachdem wir alle darüber aufgeklärt sind, dass man Existenzbehauptungen nicht widerlegen kann, verlangt man heute auch keine Beweise mehr, sondern begnügt sich mit schwächeren Argumenten, wie beispielsweise der Plausibilität: Ist es plausibel anzunehmen, dass es einen Gott, eine unsterbliche Seele, einen freien Willen usw. gibt? Und insofern diese Fragen durchaus mit einem "ja" oder "nein" beantwortet werden können, ist kaum noch Raum für Agnostiker.

  13. Edgar Dahl @ - Martin: Glaube und Vernunft
    21.01.2010 | 16:16

    Ich glaube, das Theodizee-Problem zeigt sehr schön, dass sich Glaube und Vernunft tatsächlich nicht miteinander vereinbaren lassen: Ist es angesichts der Übel dieser Welt plausibel oder unplausibel anzunehmen, dass sie von einem gütigen Gott regiert wird?

    Natürlich kannst Du trotz des Holocausts und trotz Haitis weiter an einen himmlischen Vater glauben. Aber Du musst doch wohl zugeben, dass Du dies dann wider besseres Wissen und entgegen aller Vernunft tust.

  14. Edgar Dahl @ - Michael Huhn: Hitler-Vergleich
    21.01.2010 | 16:37

    Du hast natürlich recht, dass es nichts Ehrenrühriges ist, wenn man in KULINARISCHER Hinsicht mit Hitler verglichen wird. Du bist Vegetarier und er war Vegetarier. Na und?

    Doch Du würdest es Dir mit Sicherheit verbitten, mit Hitler POLITISCH verglichen zu werden. Dass Du mit Hitler Deinen Vegetarismus teilst, bedeutet schließlich nicht, dass Du mit Hitler auch dessen Antisemitismus teilst.

    Michael Blume hat nun leider die Angewohnheit, hier nicht näher zu differenzieren und alle Ungläubigen in einen Topf zu werfen, so als würden sie sich neben ihrem philosophischen Atheismus auch ihre politische Ideologie teilen. Wenn Du dies nicht "absurd" nennen möchtest, nenne es von mir aus "hanebüchen".

  15. Luchs kein Betreff
    21.01.2010 | 17:00

    Hallo Edgar,

    Du schreibst: "Da sich Existenzaussagen einfach nicht widerlegen lassen, kann niemand behaupten zu wissen, dass es keinen Gott gebe."

    Dem widerspreche ich. Die Nichtexistenz einer Entität wird über die ihr zugeschriebenen Eigenschaften bewiesen. Nehmen wir mal an, ich behaupte, dass ich Dir in diesem Moment ein Kilo Gold durch den Bildschirm geschickt habe. Drückt da jetzt ein Gewicht von 1 Kg auf Deine Tastatur? Kannst Du was sehen oder fühlen? Kannst Du halbkonz. Salpetersäure auf das "Gold" schütten, ohne eine chemische Reaktion zu verursachen? u.s.w.

    Auch die Entität "Gott" kann über die Gott zugeschriebenen Eigenschaften auf ihre Existenz oder Nichtexistenz überprüft werden. Hilft da einer, wenn man betet? Lenkt da ein allmächtiges und allgütiges Wesen das Geschehen auf der Erde? u.s.w.

    mfg
    Luchs

  16. Edgar Dahl @ Luchs: Zur Widerlegbarkeit Gottes
    21.01.2010 | 17:21

    Ich verstehe Deinen Punkt, doch ich glaube, Du unterschätzt die Immunisierungsstrategien der Gläubigen. Hans Küng, ein Bündel an intellektueller Redlichkeit, definiert Gott beispielsweise als "die absolute-relative, diesseitig-jenseitige, transzendent-immanente, allesumgreifend-allesdurchwaltende wirklichste Wirklichkeit im Herzen der Dinge." Schlimmer noch: Seiner Ansicht nach ist Gott "durch keinen Begriff zu begreifen, durch keine Aussage voll auszusagen, durch keine Definition zu definieren: er ist der Unbegreifliche, Unaussagbare, Undefinierbare."

    Versuche mal, diesen "Gott" zu widerlegen!

    Wissenschaftstheoretisch wirft man solche Aussagen wie die von Küng natürlich in den Papierkorb, denn eine Aussage, die nichts behauptet und nichts ausschließt, ist letztlich überhaupt keine Aussage, sondern eine bloße Aneinanderreihung leerer Worthülsen, bestenfalls geeignet für Leute, die große Worte lieben...

  17. Stefan @Martin
    21.01.2010 | 17:44

    "Da schreiben 50 Atheisten ein Buch - ich kenne nicht mal einen der aufgezählten Namen"

    Ist das jetzt Rhetorik oder Dein Ernst?

  18. marco jansen kein Betreff
    21.01.2010 | 18:51

    Schwierig als Laie hier so vorbei zu schauen und klar gemacht zu bekommen, dass das Selbstbild nicht richtig sein kann. Gut dann bin ich eben nicht Agnostiker, dann bin ich eben Atheist.

    Dennoch beschreibt "Atheismus" nur ungenügend den Zustand derer, die sich gerade durch ihre Sozialisation hindurch beißen und versuchen einen Standpunkt außerhalb der Traditionen zu finden, die sie nun mal prägen. Wenn jene also außerhalb der spezialisierten Kreise versuchen der eigenen Skepsis zu folgen (jene, für die so manche wissenschaftliche Erkenntnis noch unverstanden ist = so welche wie ich), dann kann man sich dazu verführt sehen über die Wissenschaftstheorie und ihre Erkenntnisse hinweg, die eigene Postion als eine unbestimmte (agnostische) zu verstehen.

    Ich wusste übrigens nicht, dass man als Agnostiker einen bequemen Standpunkt hätte - ich hörte nur, dass man von zwei Seiten belächelt wird. Deswegen beeile ich mich ja auch für mich Klarheit zu schaffen.

    Was ich sagen will ist dies: Der stattfindende Diskurs ist ein Diskurs unter Wissenden. Weder die eine noch die andere Seite kennt (aus guten Gründen) den Zweifel an der eigenen Position. Wenn man sich aber gerade an diesen Zweifeln ab arbeitet ist das alles andere als bequem - es ist noch nicht mal einfach. Man schleift zudem noch die Frage mit sich herum welche Bezugspunkte man sich schafft (in Gesellschaft, Kultur, Ethik, Kunst, etc.). Letztlich mag diese Frage banal erscheinen, würde sie nicht von Vertretern beider Positionen auch gestellt werden. Also muss man lernen worauf man sich einlässt. Es ist ein unablässiges sammeln von Informationen; - eigentlich ein schöner Zustand, solange er eben nicht von der einen oder anderen Seite abgefragt wird. Dann steht man immer ein wenig da, wie ein schlecht vorbereiteter Schüler, der immer weniger weis als seine Lehrer.

  19. Balanus Natürliche kognitive Dispositionen
    21.01.2010 | 19:05

    Pacal Boyer schreibt in einem Essay: »Formen von religiösem Denken scheinen für unsere kognitiven Systeme den Weg des geringsten Widerstandes darzustellen. Im Gegensatz dazu ist Unglauben in der Regel das Ergebnis bewussten, mühevollen Ankämpfens gegen unsere natürlichen kognitiven Dispositionen – und damit wohl kaum eine leicht zu verbreitende Ideologie«.

    Quelle: Nature 455, 2008:1038-9 (http://www.zeit.de/2009/01/N-Essay-Religion)

    Das stimmt mit meiner eigenen Erfahrung nun überhaupt nicht überein. Nach Boyer würde ich also zu den Ausnahmen gehören, die die Regel bestätigen. Bei mir war es nämlich so, dass sich nach dem Verschwinden des Kinderglaubens einfach kein "reifer" Glaube einstellen wollte.

    Lieber Herrr Dahl, wie war es denn bei Ihnen und den 49 anderen Atheisten aus dem Buch? Musste die Mehrzahl der Autoren gegen eine "natürliche kognitive Disposition" angekämpfen?

  20. Edgar Dahl @ - Marco Jansen: "Agnostizismus"
    21.01.2010 | 19:21

    In der Analytischen Philosophie ist man ja nicht päpstlicher als der Papst - jedem steht es daher frei, sich als Agnostiker zu bezeichnen, sofern er nur klar definiert, was er damit meint.

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