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Fruchtloser Glaube

von Edgar Dahl, 14. April 2009, 01:59

In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins FOCUS findet sich unter dem Titel „Fruchtbarer Glaube“ eine ausgezeichnete Besprechung von Michael Blumes und Rüdiger Vaas’ Buch „Gott, Gene und Gehirn: Warum Glaube nützt“. Die beiden Autoren haben die wohlwollende Rezension mehr als verdient. Denn es ist ihnen gelungen, einen wunderbaren Überblick zur Evolution der Religiosität zu geben. Zudem ist ihr Buch sehr einfach und sehr anschaulich geschrieben. 
 
Obgleich ich dem Buch eine große Verbreitung wünsche, möchte ich an dieser Stelle doch einige kritische Anmerkungen machen. In meinen Augen überschätzen die Autoren die Rolle der Religiosität! Gewiss, genau wie die Musikalität, so ist auch die Religiosität universal. Und: Genau wie die Musikalität, so ist auch die Religiosität genetisch verankert. Mit anderen Worten: Wir kommen fraglos alle mit einer gewissen Disposition zur Religiosität zur Welt. 
 
Dennoch: Wie bei der Musikalität, so ist es auch bei der Religiosität mehr als zweifelhaft, dass sie ein direktes Produkt der natürlichen Selektion darstellt. Vieles spricht dafür, dass sowohl die Musikalität als auch die Religiosität bloße Epiphänomene unseres kognitiven Apparates sind – biologische Nebenprodukte, die mit der Evolution des präfrontalen Cortex einhergegangen sind. 
 
Während Richard Dawkins und Pascal Boyer die Religiosität als ein bloßes Epiphänomen betrachten, behaupten Michael Blume und Rüdiger Vaas, dass die Religiosität eine echte Adaptation sei. Um die Adaptivität der Religiosität unter Beweis zu stellen, verweisen sie auf demographische Untersuchungen, die zeigen, dass religiöse Menschen nachweislich mehr Nachkommen hinterlassen als areligiöse. 
 
Obwohl ich an der Richtigkeit der religionsdemographischen Befunde in keiner Weise zweifle, beweisen sie in meinen Augen doch bei weitem nicht, was sie beweisen sollen. Warum? Ich will das an einem Beispiel aus dem Buch der Autoren erklären. Darin berichten sie unter anderem über die Sekten der Shaker und der Amish. Während die Gemeinden der Amish blühen, sterben die Gemeinden der Shaker aus. 
 
Nach der Logik des Buches von Blume und Vaas sollte dies daran liegen, dass die Shaker einfach weniger religiös sind als die Amish. Sind sie aber mit Sicherheit nicht. Die Shaker sind mindestens genauso fromm wie die Amish. Der wahre Unterschied zwischen den beiden Sekten besteht nicht in ihrer unterschiedlichen Religiosität, sondern in ihrer unterschiedlichen Moralität. Während die Amish dem Gebot „Seid fruchtbar und mehret euch!“ folgen, gehorchen die Shaker dem Gebot der Enthaltsamkeit. 
 
Es ist also nicht die Religiosität, sondern die Moralität – insbesondere die Sexualethik einer Religion – , die darüber entscheidet, ob sich ihre Anhänger erfolgreich fortpflanzen oder nicht. Zwischen der Moralität und der Religiosität liegen jedoch Welten. Anders als viele Menschen meinen, ist die Religiosität keineswegs die Grundlage der Moralität. Phylogenetisch betrachtet, dürfte es moralische Normen bereits lange vor religiösen Dogmen gegeben haben. 

Meine zweite kritische Anmerkung betrifft die Gleichsetzung der Fertilität und der Adaptvität einer Religion. Auf der Grundlage einer Volkszählung aus dem Jahr 2000 pflanzen sich in der Schweiz die Hindus am erfolgreichsten fort, gefolgt von den Muslimen, den Juden, den Buddhisten, den Katholiken und den Protestanten. Die Konfessionslosen bilden dagegen das Schlusslicht.

Was wollen uns die Autoren damit sagen? Dass der Hinduismus „adaptiver“ als der Katholizismus sei? Doch Religionen sind nicht adaptiv! Wenn die Anhänger verschiedener Religionen unterschiedlich viele Kinder zeugen, liegt dies nicht an den Dogmen ihrer Religion, wie etwa der Reinkarnation, der Transsubstantiation oder der Trinität, sondern an der Sexualethik ihrer Religion – an ihrer Einstellung zu Ehe, Familie, Kinder, Scheidung, Abtreibung und Verhütung. 
 
Wäre die Religion nicht ein Produkt der kulturellen Evolution, sondern ein Produkt der natürlichen Selektion sollten die Konfessionslosen, Agnostiker, Skeptiker und Atheisten längst am Aussterben sein. Schließlich zeugen sie weit weniger Kinder. Wir brauchen uns jedoch in Europa nur umzusehen, um zu entdecken, dass das genaue Gegenteil der Fall ist. Trotz ihrer reproduktiven Zurückhaltung sind die Ungläubigen in ganz Westeuropa auf dem Vormarsch.

Wie kommt das? Um noch einmal den Vergleich zwischen Religiosität und Musikalität zu bemühen: Auch wenn sich die Musiker von Heavy Metal Bands erfolgreicher fortpflanzen sollten als die von Rhythm and Blues Bands – es ist die kulturelle, nicht die natürliche Selektion, die über den „differentiellen Reproduktionserfolg“ dieser beiden Musikrichtungen entscheidet.  
 
Meine dritte und letzte kritische Anmerkung betrifft die von Michael Blume und Rüdiger Vaas angestellte Vermutung, dass die Religiosität möglicherweise auch ein Produkt der sexuellen Selektion sein könne. Was soll das bedeuten? Das soll bedeuten, dass sich die Religiosität im Laufe der Evolution vielleicht deshalb ausgebreitet hat, weil Frauen religiösen Männern gegenüber areligiösen Männern sexuell den Vorzug gegeben haben.  
 
So wird in der Rezension des FOCUS denn beispielsweise auch kurz auf die berühmte „Gretchenfrage“ angespielt. Im „Faust“ lässt Goethe das Gretchen fragen: „Nun sag, wie hast du es mit der Religion?“, und Mephistopheles kommentiert: „Die Mädels sind doch sehr interessiert, ob einer fromm und schlicht nach altem Brauch. Sie denken: duckt er da, folgt er uns eben auch.“  
 
Dass die Religiosität ein Produkt der sexuellen Selektion sein könnte, ist ein ebenso interessanter wie charmanter Gedanke. Doch ist es wirklich plausibel anzunehmen, dass der evangelische Bischof Huber auch nur annähernd so attraktiv auf Frauen wirkt wie der agnostische Schauspieler George Clooney? 
 
Glücklicherweise müssen wir uns hier nicht mit bloßen Spekulationen begnügen. Der Psychologe David M. Buss von der University of Texas at Austin hat im Jahre 1989 über 10.000 Männer und Frauen aus 37 verschiedenen Kulturen nach ihren Partnerwahlkriterien befragt. Während „freundlich“, „attraktiv“ und „intelligent“ auf der Wunschliste ganz oben standen, befanden sich „fromm“, „keusch“ und „religiös“ am Ende der Liste.

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Kommentare

  1. Erdlicht ...macht euch die Erde untertan!
    14.04.2009 | 05:14

    "Wachset und mehret Euch. Macht euch die Erde "untertan"!

    Welche Ideen steckten dahinter?

    Vorab:

    Gott=Wasser/Kondensation (Multiwechselwirkung, Wandlung) Wirkung hat reales und sinnbildliches Klima.
    Ich praktiziere Religion, soweit möglich, im Sinne Circo, 1 Jh. „bedenken, achtgeben“ bzw. Axel Bergmann "mit Skrupel oder Skepsis betrachten"
    http://de.wikipedia.org/wiki/Religion

    Mit Totengeistern, Überirdischen, übernatürlichen Wundern, vom Himmel geworfenen Gesetzestafeln, habe ich keinen Vertrag.

    An religionsdemographischen Befunde auch keine Zweifel, sind scheinbare Schlussfolgerungen des Dr. Blume nicht nachvollziehbar. Biographien von Frauen zur Lebensituation, emotionale Befindlichkeit wären anzusehen.
    Real sind eher Frauen Männern gefolgt, wie umgekehrt. Frauen haben Schutz für sich und Kinder erwartet. Im Hinblick Körperkräfte kein ausgeglichenes Verhältnis, ist der Wunsch legitim. Soweit geglaubt wird, dass Männer weniger aggressiv und gewalttätig wegen Religion, bzw. Taufscheinetiketten sind, scheint mir das aber ein Holzweg.

    Herr Dr. Blume wurde gemäß selbsteingestelltem Film mit 19 J. getauft, braucht offensichtlich so etwas wie einen Notengott, der er letztlich selbst ist. Daran unterscheiden sich Menschen nicht. Nur die einen meinen mit Überirdischen (wie auch immer) vielleicht mehr Kompetenz.

    Meinen Eindruck habe ich im Weiteren, nach Textlöschungen durch Dr. Blume hier geschildert.

    http://kind-des-lichts.blogspot.com/...ng-des.html

    Schalom

  2. Erdlicht Fruchtbarer Glaube
    14.04.2009 | 06:25

    Im Christentum sind sogenannte Früchte mit Geistes/Lichrgaben, nicht mit Kinderanzahl bezeichnet. Identisch bei Geistes und Lichtgabe ist die Güte genannt. Jesus wurde "lt. Überlieferung" als gut, bzw. Meister bezeichnet. Antwort: "Nur Gott ist gut!"
    Im Tanach findet sich aber nur die Aussage, dass Gott gütig ist. Im Übrigen ist mit Gott eher Werdendes, dh. wohl wollen, vollkommen Bewegung, nicht perfekt=fertig gemeint.
    Insbesondere bei Christen ist Gott=Liebe=Wahrheit. Es erklärt nur leider weder Naturkatastrophen, noch manches Verhalten, der Glaubens-Liebesbesitzer.

    Der bunte Regenbogen gefällt mir insoweit besser als Bündnispartner. :-) Mordshelfer Jesus, der die Lauen Gott überliefert, damit Gott sie dann aus dem Mund ausspeit. "Kinderschreck!"
    ...so sinngemäß in der Joh. Offb., die im Übrigen von der syrisch-orth. aramäischen Kirche nicht anerkannt wurde.
    Sehr vernünftig! Denn damit war und ist meines Erachtens der allergrößte Wahnsinn im Christentum, dank Wörtlichnahme oder Spinnereien und Forcierung.
    Goldiger Papi, im Panzerglas (dir bekannt) verwendet diese Schrift. Mit besonderer Vorliebe tun es die fanatischen evangelikalen Fundis.

    Gott "Staub-Wasser- Wolke" wird natürlich alles ausspeien. In manchen Wolken gibt es vorher Blitzen (Fegefeuer). Zähneklappern ist donnern. Wasser nimmt aber keine Zähne zum Klappern mit.:-) Ich gehe jetzt davon aus, dass dir Textzusammenhänge halbwegs bekannt sind.
    Das Wasser denkt, fühlt, etwas will weiß ich nicht. Aber es ist im Interesse von allem was wächst und ist, wenn man es schützt, sorgsam damit umgeht. Selbiges gilt natürlich für Feuer. Insoweit ist für mich auch etwas wahrhaftiges in den Mythen.
    Ich meine, wenn man Gott quasi als Metapher für das was ist betrachtet, statt als Person, sind weniger Probleme.

    Parsen richten sich nicht mit Bitte und Fürbitten an Gott. Wunder sind da nicht. Sie sprechen gute Vorsätze. Das ist ähnlich wie autogenes Training, wirkt wissenschaftlich nachgewiesen.
    Schalom

  3. adenosine kein Betreff
    14.04.2009 | 07:20

    Was soll genau für das Epiphänomen sprechen? Ich sehe da nicht vieles.
    Möglicherweise ist Religiosität aber nicht die primäre Ursache der Fertilität, sondern das geeignete Umfeld für Moralität und andere Eigenschaften, die Kinderreichtum begünstigen.
    Warum sollten Skeptiker und Atheisten als Folge einer Selektion aussterben? Sie wachsen doch auch im religiösen Umfeld nach, ähnlich wie auch Homosexuelle, und ein paar Skeptiker tun jeder Kultur gut.
    Was kann eine Umfrage nach Partnerwahlkriterien schon belegen? Fromm und religiös schließen freundlich, attraktiv und intelligent nicht aus und können auch als Sekundärtugenden wirksam sein.

  4. Jürgen Bolt Und der Wahn?
    14.04.2009 | 09:08

    Hmmm. Ich bin diesmal ausnahmsweise nur 90% einverstanden. Ihren Einwänden gegen Michael Blume stimme ich zwar zu, aber ein Punkt bereitet mit immer noch Kopfzerbrechen. Vielleicht haben Sie eine Idee. Warum ist die religiöse Eigenschaft so weit verbreitet, konkrete Vorstellungen von Dingen zu haben, die man nicht beobachten kann, wie dem Leben nach dem Tod, der Entstehung der Welt, etc? Fragen, wie Kant oder Pinker sagen, die die Vernunft nicht zurückweisen aber auch nicht beantworten kann. Warum neigen so viele Menschen dazu, diese Fragen ohne Evidenz, "wahnhaft", doch zu beantworten.

    Dawkins Vorschlag, daß wir Autoritäten respektieren, die uns darüber informieren, überzeugt mich nicht ganz. Und Pinkers Vorschlag, daß es ein bloßes Epiphänomen ist, auch nicht. Ich würde denken, daß es adaptiver wäre, unser Handeln an Evidenzen auszurichten als an Illusionen, aber anscheinend war es das zumindest in unserer stammesgesellschaftlichen Vergangenheit nicht.

    Meine eigenen Spekulationen hierzu gehen in die Richtung, daß es, da unser evidenzbasiertes Wissen immer sehr begrenzt ist, vielleicht doch häufig vorteilhaft war, Illusionen zu folgen. Z.B. folgte Kolumbus der Illusion, die Erdkugel sei klein genug, um Indien auf dem Seeweg nach Westen erreichen zu können, und entdeckte dadurch Amerika. Etwas in der Art, Aufbruch ins unentdeckte Land im Gotteswahn - und seine gelegentliche Entdeckung. Überzeugt mich aber auch nicht ganz.

    Haben Sie (oder ein anderer Leser) dazu irgendeine Idee?

  5. Erdlicht Welche Eigenschaft ist konkret religiös
    14.04.2009 | 12:39

    Begriffe Gott/Geist/Seele

    waren vor dem Begriff "Religion"

    Fromm
    (biblisch überlieferter Begriff) galt der Mensch ursprünglich wenn er sich an zeitlich örtlich geltendes Recht gehalten hat. Dafür ist heute die Justiz da, die man damals nicht in heutiger Weise hatte.

    Die Erde (Menschen) mit gleichen Vorstellungen untertan machen, ist anderes.
    Adam = Mensch aus roter Erde. (Rot...Hinweis auf Eisen/Sauerstoff)
    A entspricht "Aleph" = erster Buchstabe im hebr. Alphabet, auch Gottes Name "Adonai" (wörtl. mein HERR")
    Dam = But, Wein, Essenz, Hnweis auf Feuchtigkeit. Ohne Feuchtigkeit wird wieder Staub.

    Untertan/en machen Herrscher. Wunschziel von Herrschern. Je mehr Kinder, desto mehr Landeinnahme. Gleichdenke, Gleichschritt? Millitarismus und Ritual, haben viel Ähnlichkeit.
    Selbiges ergibt auch teilweise die sogenannten „religiösen“ Gefühle.

    Bei Hebräern /Juden war Totenbefragung eher verpönt. Ursprünglich war weder an leibhafte Auferstehung, noch an Strafgericht, gedacht. Gott = Wasser/Atem geht in Wolke zurück Wolke 7 o. 9 ist für Kabbalisten Himmel. Im Übrigen hat es in der Religion immer gegenseitige Beeinflussungen gegeben.

    Beispiel: Göttervorstellungen aus Hinduis wurden bei Parsen Engel, bzw. Gotteseigenschaften. Unter anderem Namen, mit Flügelerhalt aus Ägypten, , kehrten sie ins Christentum ein.

    Wird einem Psychiater von Engeln erzählt, wird er das nicht als Wahn bezeichnen, weil es zur kulturellen Vorstellung passt. Im Übrigen ergibt sich daraus ja auch kein Selbst/Fremd/Sachschaden. Unabhängig davon kann jeder sonderbare Ideen haben,. Sonderbar, insoweit dass sie für den anderen nicht nachvollziehbar sind. Kritisch kann es mit Größenwahn werden. Erhält er nicht die gewünschte Zustimmung, macht sich Verfolgungswahn kenntlich.

    Shalom

  6. Edgar Dahl @ - adenosine: Epiphänomen
    14.04.2009 | 14:43

    In meinem Beitrag habe ich mich bewusst auf einige kritische Anmerkungen zu dem FOCUS-Artikel konzentriert. Ich bin daher auch nicht genauer auf die von Richard Dawkins und Steven Pinker vertretene Hypothese der "Religion als Nebenprodukt" eingegangen. Näheres dazu findet sich in dem kurzen Essay von Pascal Boyer, der kürzlich in "Spektrum der Wissenschaft" erschienen ist: http://www.spektrum.de/artikel/983271

  7. Edgar Dahl @ - adenosine: Atheisten
    14.04.2009 | 14:50

    "Warum sollten Skeptiker und Atheisten als Folge einer Selektion aussterben?"

    Insofern Michael Blume die Religion nicht als ein Produkt der kulturellen Evolution, sondern als ein Produkt der natürlichen Selektion betrachtet, müssten Atheisten eigentlich eine "vom Aussterben bedrohte Art" darstellen - die Atheisten sterben aus, weil sie weniger Nachkommen hinterlassen als die Theisten (zumindest nach Ansicht von Michael Blume).

  8. Edgar Dahl @ - adenosine: Partnerwahl
    14.04.2009 | 15:19

    "Was kann eine Umfrage nach Partnerwahlkriterien schon belegen?"

    Aus einer solchen Umfrage lässt sich ermitteln, was Männern und Frauen an einem Partner wichtig ist: Prestige, Macht, Geld, Attraktivität, Intelligenz, Humor - von Alter und Gesundheit ganz zu schweigen.

    Mach' doch einmal die Probe auf's Exempel und schlage die Tageszeitung auf. Aus den Bekanntschaftsanzeigen kannst Du ersehen, was Männer und Frauen in einem Partner suchen und wie sie sich selbst an den Mann bzw. die Frau zu bringen suchen.

    Ich bin gespannt wie oft Du zwischen "jung", "hübsch", "schlank" und "gebildet" "katholisch" oder "lutherisch" findest.

    "Fromm und religiös schließen freundlich, attraktiv und intelligent nicht aus und können auch als Sekundärtugenden wirksam sein."

    Sicher, diese Eigenschaften schließen sich nicht aus. Doch die von David M. Buss erstellte Liste ist eine "Prioritätenliste": Was ist Männern und Frauen bei einem Partner am wichtigsten? Und die Religion spielt gegenüber Alter, Gesundheit, Aussehen, Geld, Intelligenz und Humor nur eine untergeordnete Rolle.

  9. Edgar Dahl @ - Jürgen Bolt: Ursprung der Religion
    14.04.2009 | 15:45

    "Ihren Einwänden gegen Michael Blume stimme ich zwar zu, aber ein Punkt bereitet mir immer noch Kopfzerbrechen. Vielleicht haben Sie eine Idee. Warum ist die religiöse Eigenschaft so weit verbreitet, konkrete Vorstellungen von Dingen zu haben, die man nicht beobachten kann, wie dem Leben nach dem Tod, der Entstehung der Welt, etc?"

    Dies ist eine Frage, die ich bewusst ausgespart habe, weil ich mir darüber auch noch nicht im Klaren bin. Wie Sie, finde auch ich Richard Dawkins' Erklärung unbefriedigend. Pascal Boyer ist diesbezüglich sicher weit ergiebiger.

    Ich erwarte mir weit mehr Aufschluss von Paul Bloom's Buch "Descartes' Baby: How the Science of Child Psychology Explains What Makes Us Human". Doch ich habe noch keine Zeit gefunden, es zu lesen. Dieses Semester sollte es aber eigentlich klappen.

  10. KRichard Fehler
    14.04.2009 | 16:20

    Die Annahme: ´Wir kommen fraglos alle mit einer gewissen Disposition zur Religiosität zur Welt´ ist falsch und Religiosität ist auch nicht genetisch verankert.
    Richtig ist dagegen, dass wir bereits im Mutterleib, nach der Geburt und z.B. bei Meditationen solche emotionalen Erfahrungen machen, welche bisher (falsch) als religiös gedeutet wurden.
    Diese angebliche ´Disposition´ ist lediglich das Ergebnis von Gehirnfunktionen und von sozialen Erfahrungen - aber sie sind dadurch die Grundlage für unser soziales Zusammenleben

  11. Jürgen Bolt @Dahl
    14.04.2009 | 18:19

    Danke für die Tips. Habe Boyer und Bloom gerade bestellt und freue mich schon auf eine hoffentlich interessante Lektüre.

  12. Edgar Dahl @ - Jürgen Bolt: Literatur
    14.04.2009 | 18:29

    Ich freue mich, von Nutzen gewesen zu sein. Vielleicht sollten wir uns nach der Lektüre mal gegenseitig austauschen.

  13. Edgar Dahl @ - KRichard: Religiosität
    14.04.2009 | 18:37

    Dass die Religiosität ähnlich wie die Musikalität erblich ist, scheint eigentlich unumstritten zu sein. Lykken und Bouchard haben dies mit Hilfe von Zwillingsstudien ermittelt. Vielleicht kann Michael Blume aber noch Näheres dazu berichten?

  14. Rüdiger Vaas KEIN Selektionsvorteil behauptet!
    14.04.2009 | 19:52

    Sehr geehrter Herr Dahl, besten Dank für Ihre freundliche Rezeption unseres Buchs "Gott, Gene und Gehirn" (Vaas & Blume 2009) und ihre nachvollziehbaren kritischen Anmerkungen. Bitte erlauben Sie mir eine Richtigstellung.

    Sie schreiben, im Buch "behaupten Michael Blume und Rüdiger Vaas, dass die Religiosität eine echte Adaptation sei. Um die Adaptivität der Religiosität unter Beweis zu stellen, verweisen sie auf demographische Untersuchungen, die zeigen, dass religiöse Menschen nachweislich mehr Nachkommen hinterlassen als areligiöse."

    Diese Zusammenfassung mag mit der persönlichen Auffassung von Michael Blume konform gehen und auch mit dem Focus-Artikel (von dem ich vorab keine Kenntnis hatte, der Journalist hat nicht mit mir gesprochen). Ihre Interpretation trifft aber NICHT auf das Buch "Gott, Gene und Gehirn" zu, und sie entspricht auch NICHT meiner eigenen Auffassung.

    Es stimmt, dass ich bereits seit einigen Jahren adaptationistische Thesen diskutiere - sowohl im Hinblick auf die natürliche als auch auf die sexuelle Selektion. Tatsächlich halte ich sie für einen interessanten und fruchtbaren Vorschlag, das erstaunliche Phänomen der Religiosität (nicht: der Religion!) zu erklären (vielleicht ist sie eine nützliche Illusion). Siehe etwa Vaas 1995 & 1996. Ich habe aber nirgendwo behauptet, dass Fertilität und Adaptivität einer Religion gleichzusetzen sei (das wäre ein Fehlschluss und auch eine begriffliche Konfusion) oder dass "Religiosität eine echte Adaptation sei" oder dass demographische Daten dies nahe legen.

    Im Gegenteil: Dies sind zwar spannende und faszinierende, aber noch NICHT entschiedene oder entscheidbare Fragen. Siehe hierzu auch Vaas 2009 sowie meine Zusammenfassung und Problemskizze:
    http://www.darwin-jahr.de/...eligiositaet?page=0,0
    oder
    http://www.darwin-jahr.de/print/192?page=0%2C0

    Im Buch wird ausdrücklich betont, etwa im Fazit auf S. 219, dass es auf die Frage, ob bzw. inwiefern Religiosität eine direkte evolutionäre Adaption ist, ein Nebenprodukt selektierter Merkmale oder ein rein kulturelles Phänomen, "noch keine abschließende Antwort und keinen Konsens" gibt. Und selbst wenn religiöse Menschen in den letzten Jahrzehnten statistisch mehr Kinder haben/hätten als areligiöse, folgt daraus allein noch kein evolutionärer Selektionsvorteil. Das ist allenfalls eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung, wie im Buch mehrfach betont wurde (z.B. auf S. 53 ff, 220 ff), und könnte auch anders erklärt werden (etwa, wie Sie trefflich überlegen, über die "Sexualethik einer Religion" oder über kulturelle Imperative bis hin zu frühkindlichen Prägungen).

    Auch wird im Buch nirgendwo behauptet, dass Religion oder Religiosität eine notwendige Bedingung für Moralität ist. Im Gegenteil: Ihrer Hypothese "Phylogenetisch betrachtet, dürfte es moralische Normen bereits lange vor religiösen Dogmen gegeben haben", stimme ich ausdrücklich zu (siehe etwa Vaas 2008).

    Ob und inwiefern Religiosität adaptiv ist, muss also vorläufig eine OFFENE empirische Frage bleiben. Die bisher vorliegenden Daten sind nicht hinreichend, um diese Frage zu beantworten.

    Darüber hinaus stellen sich schwierige konzeptuelle Probleme, die ich im Buch auch ausführlich dargestellt habe. Leider erschweren diese Begriffsprobleme (insbesondere zur kontroversen Definition von "Religiosität", die vielleicht überhaupt kein eindeutiges Merkmal ist, sondern ein Bündel-Begriff, aber auch zur Definition von "Adaptivität" usw.) die empirische Forschung, so dass sich die Frage nach der Adaptivität momentan durch Statistiken und Verhaltensexperimente allein gar nicht beantworten lässt. (Vielleicht sind manche Eigenschaften von "Religiosität" adaptiv, andere nicht, und Anpassung vs. Nebenprodukt vs. Kultur brauchen sich nicht einmal notwendig gegenseitig auszuschließen.) So greift die Auffassung, Religiosität lediglich als Verhalten bezogen auf übernatürliche Akteure zu definieren, viel zu kurz! Und diese verkürzte Auffassung wird so im Buch auch nicht vertreten.

    Überhaupt ist ein Sachbuch wie "Gott, Gene und Gehirn" nicht der Ort für persönliche "Behauptungen". Es hatte das Ziel, das spannende und junge Forschungsgebiet möglicher biologischer Grundlagen der Religiosität (nicht: der Religion) im Rahmen des knappen Raums multiperspektivisch, aktuell, differenziert und möglichst neutral darzustellen. Wenn durch sekundäre und tertiäre Rezeptionen (wer hat das Buch eigentlich ganz gelesen?!) und aufgrund von unterschiedlichen Darstellungen und Interessen der Autoren ein anderer Anschein erweckt würde, wäre das bedauerlich.

    Jedenfalls habe ich auf der letzten Seite des Haupttextes (S. 224) ausdrücklich betont, dass die momentane Forschungssituation "nicht platt, sondern vielfältig und verwirrend" ist, "was zu ignorieren ethisch problematisch sowie intellektuell verwerflich ist". Und Joseph Joubert zitiert: "Es ist besser, eine Frage zu diskutieren, ohne sie zu entscheiden, als eine Frage zu entscheiden, ohne sie zu diskutieren." In diesem Sinn begrüße ich sehr, dass auch Sie diese wichtigen Fragen differenziert und kritisch diskutieren; und wäre erfreut, wenn Sie meine Position und die des Buchs nicht mit einem platten Adaptationismus gleichsetzen würden.

    Literaturhinweise:

    Vaas, R. 2005: Gott und Gehirn. In: Sahm, P. R. u. a. (Hrsg.): Der Mensch im Kosmos. Discorsi: Hamburg, 181-208.
    Vaas, R. 2006: Die Evolution der Religiosität. Universitas, 61: 1116-1137.
    Vaas, R. 2008: Schöne neue Neuro-Welt. Hirzel: Stuttgart.
    Vaas, R., Blume, M. 2009: Gott, Gene und Gehirn. Hirzel: Stuttgart.
    Vaas, R. im Druck: Gods, Gains, and Genes. In: Voland, E., Schiefenhövel, W. (Hrsg.): The Biological Evolution of Religious Mind and Behavior. Springer: Heidelberg u. a. http://www.springer.com/.../book/978-3-642-00127-7

  15. Rüdiger Vaas KEIN Selektionsvorteil behauptet!
    14.04.2009 | 19:52

    Sehr geehrter Herr Dahl, besten Dank für Ihre freundliche Rezeption unseres Buchs "Gott, Gene und Gehirn" (Vaas & Blume 2009) und ihre nachvollziehbaren kritischen Anmerkungen. Bitte erlauben Sie mir eine Richtigstellung.

    Sie schreiben, im Buch "behaupten Michael Blume und Rüdiger Vaas, dass die Religiosität eine echte Adaptation sei. Um die Adaptivität der Religiosität unter Beweis zu stellen, verweisen sie auf demographische Untersuchungen, die zeigen, dass religiöse Menschen nachweislich mehr Nachkommen hinterlassen als areligiöse."

    Diese Zusammenfassung mag mit der persönlichen Auffassung von Michael Blume konform gehen und auch mit dem Focus-Artikel (von dem ich vorab keine Kenntnis hatte, der Journalist hat nicht mit mir gesprochen). Ihre Interpretation trifft aber NICHT auf das Buch "Gott, Gene und Gehirn" zu, und sie entspricht auch NICHT meiner eigenen Auffassung.

    Es stimmt, dass ich bereits seit einigen Jahren adaptationistische Thesen diskutiere - sowohl im Hinblick auf die natürliche als auch auf die sexuelle Selektion. Tatsächlich halte ich sie für einen interessanten und fruchtbaren Vorschlag, das erstaunliche Phänomen der Religiosität (nicht: der Religion!) zu erklären (vielleicht ist sie eine nützliche Illusion). Siehe etwa Vaas 1995 & 1996. Ich habe aber nirgendwo behauptet, dass Fertilität und Adaptivität einer Religion gleichzusetzen sei (das wäre ein Fehlschluss und auch eine begriffliche Konfusion) oder dass "Religiosität eine echte Adaptation sei" oder dass demographische Daten dies nahe legen.

    Im Gegenteil: Dies sind zwar spannende und faszinierende, aber noch NICHT entschiedene oder entscheidbare Fragen. Siehe hierzu auch Vaas 2009 sowie meine Zusammenfassung und Problemskizze:
    http://www.darwin-jahr.de/...eligiositaet?page=0,0
    oder
    http://www.darwin-jahr.de/print/192?page=0%2C0

    Im Buch wird ausdrücklich betont, etwa im Fazit auf S. 219, dass es auf die Frage, ob bzw. inwiefern Religiosität eine direkte evolutionäre Adaption ist, ein Nebenprodukt selektierter Merkmale oder ein rein kulturelles Phänomen, "noch keine abschließende Antwort und keinen Konsens" gibt. Und selbst wenn religiöse Menschen in den letzten Jahrzehnten statistisch mehr Kinder haben/hätten als areligiöse, folgt daraus allein noch kein evolutionärer Selektionsvorteil. Das ist allenfalls eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung, wie im Buch mehrfach betont wurde (z.B. auf S. 53 ff, 220 ff), und könnte auch anders erklärt werden (etwa, wie Sie trefflich überlegen, über die "Sexualethik einer Religion" oder über kulturelle Imperative bis hin zu frühkindlichen Prägungen).

    Auch wird im Buch nirgendwo behauptet, dass Religion oder Religiosität eine notwendige Bedingung für Moralität ist. Im Gegenteil: Ihrer Hypothese "Phylogenetisch betrachtet, dürfte es moralische Normen bereits lange vor religiösen Dogmen gegeben haben", stimme ich ausdrücklich zu (siehe etwa Vaas 2008).

    Ob und inwiefern Religiosität adaptiv ist, muss also vorläufig eine OFFENE empirische Frage bleiben. Die bisher vorliegenden Daten sind nicht hinreichend, um diese Frage zu beantworten.

    Darüber hinaus stellen sich schwierige konzeptuelle Probleme, die ich im Buch auch ausführlich dargestellt habe. Leider erschweren diese Begriffsprobleme (insbesondere zur kontroversen Definition von "Religiosität", die vielleicht überhaupt kein eindeutiges Merkmal ist, sondern ein Bündel-Begriff, aber auch zur Definition von "Adaptivität" usw.) die empirische Forschung, so dass sich die Frage nach der Adaptivität momentan durch Statistiken und Verhaltensexperimente allein gar nicht beantworten lässt. (Vielleicht sind manche Eigenschaften von "Religiosität" adaptiv, andere nicht, und Anpassung vs. Nebenprodukt vs. Kultur brauchen sich nicht einmal notwendig gegenseitig auszuschließen.) So greift die Auffassung, Religiosität lediglich als Verhalten bezogen auf übernatürliche Akteure zu definieren, viel zu kurz! Und diese verkürzte Auffassung wird so im Buch auch nicht vertreten.

    Überhaupt ist ein Sachbuch wie "Gott, Gene und Gehirn" nicht der Ort für persönliche "Behauptungen". Es hatte das Ziel, das spannende und junge Forschungsgebiet möglicher biologischer Grundlagen der Religiosität (nicht: der Religion) im Rahmen des knappen Raums multiperspektivisch, aktuell, differenziert und möglichst neutral darzustellen. Wenn durch sekundäre und tertiäre Rezeptionen (wer hat das Buch eigentlich ganz gelesen?!) und aufgrund von unterschiedlichen Darstellungen und Interessen der Autoren ein anderer Anschein erweckt würde, wäre das bedauerlich.

    Jedenfalls habe ich auf der letzten Seite des Haupttextes (S. 224) ausdrücklich betont, dass die momentane Forschungssituation "nicht platt, sondern vielfältig und verwirrend" ist, "was zu ignorieren ethisch problematisch sowie intellektuell verwerflich ist". Und Joseph Joubert zitiert: "Es ist besser, eine Frage zu diskutieren, ohne sie zu entscheiden, als eine Frage zu entscheiden, ohne sie zu diskutieren." In diesem Sinn begrüße ich sehr, dass auch Sie diese wichtigen Fragen differenziert und kritisch diskutieren; und wäre erfreut, wenn Sie meine Position und die des Buchs nicht mit einem platten Adaptationismus gleichsetzen würden.

    Literaturhinweise:

    Vaas, R. 2005: Gott und Gehirn. In: Sahm, P. R. u. a. (Hrsg.): Der Mensch im Kosmos. Discorsi: Hamburg, 181-208.
    Vaas, R. 2006: Die Evolution der Religiosität. Universitas, 61: 1116-1137.
    Vaas, R. 2008: Schöne neue Neuro-Welt. Hirzel: Stuttgart.
    Vaas, R., Blume, M. 2009: Gott, Gene und Gehirn. Hirzel: Stuttgart.
    Vaas, R. im Druck: Gods, Gains, and Genes. In: Voland, E., Schiefenhövel, W. (Hrsg.): The Biological Evolution of Religious Mind and Behavior. Springer: Heidelberg u. a. http://www.springer.com/.../book/978-3-642-00127-7

  16. Rüdiger Vaas Korrektur: Literaturangaben
    14.04.2009 | 20:16

    Statt "Vaas 1995 & 1996", wie im Text irrtümlich geschrieben, muss es "Vaas 2005 & 2006" heißen, wie in den Literaturangaben aufgeführt. Und "Vaas 2009" ist in den Literaturangaben "Vaas, im Druck". Ich bitte um Entschuldigung - kommt davon, wenn man im eigenen Saft schmort...

  17. Edgar Dahl @ - Rüdiger Vaas: Richtigstellung
    15.04.2009 | 00:14

    Wie schön, auf diese Weise Ihre "Bekanntschaft" zu machen. Ich gebe Ihnen in allen Punkten recht! Ich hätte nicht auf das Buch Bezug nehmen sollen, wenn ich mich letztlich doch nur auf den Beitrag "Fruchtbarer Glaube" beziehe. Tut mir aufrichtig leid, Ihnen eine Position unterstellt zu haben, die Sie gar nicht vertreten!

  18. KRichard @Dahl: erbliche Musikalität?
    15.04.2009 | 03:47

    Ein Fetus kann bereits im 6. Schwangerschaftsmonat hören. D.h. er ist bis zur Geburt schon einer Anzahl von Rhythmen und Geräuschen ausgesetzt. Dabei kann ein Rhythmus-Gefühl erlernt werden, welches nicht erblich (genetisch) bedingt ist.

    Z.B. Manche Schwangere legen in den letzten Schwangerschaftsmonaten von Zeit zu Zeit eine Spieluhr auf den Bauch und lassen sie abspielen. Diese Melodie kann später genutzt werden, um das Baby zu beruhigen - d.h. es erinnert sich.

  19. Michael Blume @ Edgar: Adaptation, Shaker & Amish
    15.04.2009 | 07:36

    Lieber Edgar,

    danke für den Beitrag - darauf hättest Du mich aber auch ruhig hinweisen können.

    Was mich etwas wundert: Wir selbst haben doch verschiedentlich darüber diskutiert, ob Religiosität eine Adaptation ist - und ich habe auch Dir gegenüber darauf hingewiesen, dass dies noch keinesfalls geklärt ist! Du hattest doch selbst die Möglichkeit einer Exaptation ins Spiel gebracht - und jetzt errichtest Du eine Strohpuppe, wonach wir behaupten würden, es wäre nachgewiesen eine Adaptation?

    Religiosität erweist sich nachweisbar als situativ "adaptiv", aber das tun Lesen & Schreiben auch, ohne dass deswegen alle Bedingungen für eine Adaptation erfüllt wären. Und genau "so" haben Rüdiger und ich das auch in unserem Buch geschrieben.

    Herzliche Grüße!

  20. Michael Blume @ Edgar: Adaptation II
    15.04.2009 | 07:43

    Jetzt habe ich mir den Focus-Artikel nochmal angeschaut - und auch da steht nichts, aber auch rein gar nichts davon, wir würden behaupten, Religiosität sei nachgewiesen eine Adaptation... (Was, wie Du jetzt ja von uns beiden gelesen hast, weder Rüdiger noch ich so behaupten.)

    Eine sehr faire und differenzierte Rezension findest Du übrigens auch in der aktuellen Spektrum der Wissenschaft, in der wir dafür gelobt werden, eben nicht zu überziehen und auch die noch ungeklärten Fragen differenziert darzustellen. Hast Du womöglich ein anderes Buch gelesen? ;-) (Ernsthaft: Schau doch in GGG nochmal nach, was wir dort über die Adaptationsthese geschrieben haben, dann kannst Du es hier ggf. auch einfach wieder klar und richtig stellen.)

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