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Der Gotteswahn

von Edgar Dahl, 06. März 2008, 18:20

Genau 30 Jahre nach seinem Buch „Das egoistische Gen“ hat Richard Dawkins mit „Der Gotteswahn“ erneut einen weltweiten Bestseller geschrieben. Während „Das egoistische Gen“ über die Jahre in 25 Sprachen übersetzt worden ist, wurde „Der Gotteswahn“ in nur einem einzigen Jahr in bereits mehr als 30 Sprachen übersetzt. Aber ist „Der Gotteswahn“ tatsächlich ein ähnlich revolutionäres Buch wie „Das egoistische Gen“? Leider nein! Gewiss, wie jedes Buch von Richard Dawkins, so ist auch „Der Gotteswahn“ ebenso elegant wie amüsant geschrieben. Zudem enthält es eine Fülle von Informationen, für die der Leser, der mit der religionskritischen Literatur nicht näher vertraut ist, dankbar sein wird. Doch anders als „Das egoistische Gen“ stellt „Der Gotteswahn“ unser Weltbild nicht auf den Kopf. Diejenigen Leser, die sich in Bezug auf die Gretchenfrage als Skeptiker, Agnostiker oder Atheisten bezeichnen, werden bei der Lektüre des Buches das Gefühl haben, dass Dawkins offene Türen einrennt. Und diejenigen Leser, die sich als Juden, Christen oder Muslime betrachten, werden bestreiten, dass der Gott, den Dawkins kritisiert, ihr Gott sei. Die meisten Rezensionen im angloamerikanischen Raum beschränken sich denn auch darauf, Dawkins vorzuwerfen, die Bibel nicht richtig verstanden zu haben, unangemessen polemisch zu argumentieren und letztlich genauso fundamentalistisch zu sein wie diejenigen, gegen die er so rigoros zu Felde zieht. Statt auf eine derart destruktive Kritik möchte ich mich in dieser Rezension auf eine konstruktive Kritik verlegen. Dazu gehört zunächst einmal ein kurzer Ausblick auf das, was den Leser des Buches „Der Gotteswahn“ überhaupt erwartet.

Unter den zehn Kapiteln, die das Buch enthält, findet man unter anderem eines, das sich mit den traditionellen „Gottesbeweisen“ auseinandersetzt. Wie zahllose Autoren vor ihm, zeigt Dawkins, dass keines der Argumente, die für die Existenz Gottes vorgebracht worden sind, wirklich schlüssig ist. Selbst wenn sie etwas beweisen würden, dann bestenfalls eine „erste Ursache“ oder einen „unbewegten Beweger“, doch keinesfalls den allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gott der Abrahamitischen Religionen. Darauf folgt ein Kapitel, das den evolutionären Wurzeln der Religion nachgeht. Wie konnte die Natur, die sonst so haushälterisch mit ihren Kräften umgeht, ein so extravagantes Verhalten wie die Religiosität hervorbringen, das die Menschen mit sinnlosen Opfern, Gebeten und Ritualen aufhält und weder dem eigenen Überleben noch der eigenen Fortpflanzung dient? Da es eine der spannendsten Fragen des Buches ist, möchte ich Dawkins Antwort an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. Ein drittes Kapitel beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Religion und Moral. Als guter Naturalist zeigt Dawkins darin, dass wir keineswegs auf irgendwelche übernatürlichen Wesenheit wie einen Gott angewiesen sind, um zu erklären, warum sich Menschen moralisch verhalten. Moralisches Verhalten hat evolutionäre Wurzeln. Gebote wie das „Du sollst nicht stehlen“, „Du sollst nicht lügen“ oder „Du sollst nicht töten“ galten daher auch schon Hundertausende von Jahren bevor Moses den Berg Sinai bestieg und von Gott die berühmten steinernen Tafeln in Empfang nahm. Zum Schluss folgt schließlich ein Kapitel, in dem Dawkins zu demonstrieren sucht, dass wir nicht auf den Trost und die Verheißungen der Religion angewiesen sind, um unser Leben als sinnvoll zu betrachten. Teil der Evolutionsgeschichte zu sein, ist ein mindestens genauso aufregendes Abenteuer wie Teil einer Schöpfungsgeschichte zu sein. Und die Hypothesen der Wissenschaft sind allemal spannender als die Mythen der Religion.

Auch die Kapitel, die ich aus Platzgründen unerwähnt gelassen habe, sind über die Maßen lesenswert. Dennoch scheint mir, dass Dawkins’ Buch noch überzeugender hätte ausfallen können, wenn er nicht auf drei Argumente verzichtet hätte. Bereits im Vorwort schlägt er sich mit dem häufig vorgebrachten Einwand herum, dass Religionskritik eine vergebliche Liebesmüh sei. Menschen hätten nun einmal ein angeborenes Bedürfnis nach Religion. Zu glauben, dass man die Mehrzahl der Bevölkerung von ihren himmlischen Hoffnungen abbringen könne, sei daher illusionär. Wie das Beispiel der ehemaligen DDR zeigt, ist es jedoch mehr als zweifelhaft, ob Menschen von Natur aus religiös sind. Trotz der Wiedereinführung des Religionsunterrichts und massiver Bemühungen einer Re-Christianisierung stößt die „Gute Nachricht“ doch bei nahezu 80 Prozent aller Ostdeutschen nach wie vor auf taube Ohren. Ihre Weigerung, an einen lieben Gott zu glauben, ist so groß, dass die beiden deutschen Großkirchen es inzwischen buchstäblich als eine „Mission Impossible“ betrachten, die Brüder und Schwestern im Osten bekehren zu wollen.

In dem Kapitel zum Verhältnis von Religion und Moral scheint mir Dawkins ebenfalls zu große Zugeständnisse zu machen. Wenn er anerkennt, dass die Moral ohne eine religiöse Grundlage, einem hoffnungslosen Relativismus zum Opfer falle, scheint er zuzugestehen, dass die Religion das Fundament der Ethik sei. Wie Sokrates jedoch vor mehr als zweitausend Jahren schon gezeigt hat, ist es nachweislich falsch, dass die Religion die Grundlage der Moral ist. Man stelle einem religiösen Menschen, der glaubt, dass gut sei, was Gott gutheiße, und schlecht sei, was Gott schlechtheiße, nur folgende Frage: „Ist die Nächstenliebe gut, weil Gott sie zufällig gutheißt, oder heißt Gott die Nächstenliebe gut, weil sie tatsächlich gut ist?“ Insofern kein Christ seinen Gott für einen willkürlichen Herrscher hält, wird er selbstverständlich antworten, dass Gott die Nächstenliebe gutheiße, weil sie in der Tat gut ist. Damit aber gibt er zu, dass es ein von Gott unabhängiges Kriterium dafür gibt, was moralisch richtig und falsch ist.

Am erstaunlichsten ist jedoch, dass Dawkins die Frage der Theodizee unterschätzt. Das Problem, wie man die vermeintliche Allmacht, Allwissenheit und Allgüte Gottes mit all dem Leid und Elend dieser Welt in Einklang bringen kann, wird nicht zu unrecht als ungelöst, ja als unlösbar betrachtet. Es bildet daher auch nach wie vor den größten Einwand gegen den Glauben an einen gütigen Schöpfer. Gerade von einem Zoologen wie Richard Dawkins sollte man erwarten, dass er seinem großem Vorbilde Charles Darwin darin folgt, das unschuldige Leiden der Tiere über Millionen von Jahren hinweg als das Hauptargument gegen die Existenz eines allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gottes zu betrachten. Mag das Leiden der Menschen auch „der Sünde Sold“ sein, die Tiere haben nie vom „Baum der Erkenntnis“ gegessen.

Wer Dawkins’ rhapsodischen Stil und eloquente Argumentation schätzt, sollte sich den „Gotteswahn“ nicht entgehen lassen. Wer dagegen auf deutsche Gründlichkeit und philosophische Tiefe setzt, sollte sich besser Norbert Hoersters „Die Frage nach Gott“ zulegen.



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Kommentare

  1. Edgar Dahl @ - Michael
    12.03.2008 | 12:29

    "Von 'Bekehren' kann ja keine Rede sein. In seinem Buch 'bekehrt' er nicht zum Atheismus, sondern ARGUMENTIERT er für den Atheismus."

    Das sieht ein missionarischer Christ oder Muslim ganz genau so. Er argumentiert, um Dich zu öffnen, einzuladen - die eigentliche Bekehrung erfolgt aber dann als Geschenk Gottes."

    Grundsätzlich besteht zwischen Bekehren und Argumentieren natürlich ein himmelweiter Unterschied. Beim Bekehren, so habe ich den Eindruck, versucht man sein Gegenüber vor allem durch die Verheißung von Seligkeit oder die Ankündigung von Unheil für seine eigene Position zu gewinnen. Bekehren erfolgt über Suggestion, nicht Argumentation.

    Ich gestehe jedoch zu, dass sich auch Dawkins der Suggestion bedient, wenn er Religiösen implizit unterstellt, Idioten zu sein. Einem Menschen zu suggerieren, dass er nicht alle Tassen im Schrank habe, wenn er an den lieben Gott glaube, ist schwerlich argumentativ.

    Womit wir wieder beim eigentlichen Thema sind: Was genau gibt es an Dawkins' Buch "Der Gotteswahn" auszusetzen?

    Dass sein Buch, wie gerade zugestanden, auch "missioniert", scheint mir eine lässliche Sünde zu sein, zumal die Suggestion bei ihm ja nicht die Argumentation ersetzt, sondern bestenfalls ergänzt.

  2. Edgar Dahl @ - Michael
    12.03.2008 | 12:52

    "Wenn Dawkins als Naturwissenschaftler 'argumentiert' hätte, dann hätte er empirische Daten, Studien, Experimente etc. liefern müssen."

    Obgleich die Frage nach der Existenz Gottes prinzipiell eine empirische Frage ist, ist ihr doch mit den Mitteln der empirischen Wissenschaft nur schwer beizukommen. Keine Zahlen, Daten oder Experimente können die Existenz Gottes beweisen oder widerlegen. Daher ist Dawkins gezwungen, sich all der philosophischen Argumente zu bedienen, die im Laufe der Geschichte entwickelt worden sind. Empirische Daten bringt er nur da ein, wo sie die philosophische Argumentation stützen, wie etwa beim teleologischen Gottesbeweis oder dem moralischen Gottesbeweis. Dies ist nicht nur legitim, sondern geradezu vorbildlich.

  3. Edgar Dahl @ - Michael
    12.03.2008 | 13:07

    Wie einige andere bereits angemerkt haben, musst Du Dich davor hüten, von Dawkins ein Buch zu verlangen, das er gar nicht schreiben wollte. Er wollte kein religionswissenschaftliches, sondern ein religionskritisches Buch schreiben. Man kann von einem Buch, dass lediglich die Unwahrscheinlichkeit Gottes darzutun sucht, daher auch nicht verlangen, dass es die Entstehung der Religion klärt - und dies um so mehr, als die biologischen Ursprünge der Religion weder ein Argument für noch ein Argument gegen die Gotteshypothese sind.

  4. Edgar Dahl @ - Michael
    12.03.2008 | 13:26

    "Das Monster von Loch Ness, Yetis oder die Russelsche Teekanne sind empirische Behauptungen, die sich entsprechend auch empirisch bestätigen oder widerlegen lassen. Auf jenseitige Akteure wie Ahnen, Götter und Gott trifft das nicht zu."

    Das verstehe ich, ehrlich gesagt, nicht ganz. Wer an Geister, Götter oder Dämonen glaubt, meint doch auch, dass sie existieren, dass es sie wirklich gibt. Und wenn dem so ist, sind das doch auch empirische Behauptungen (und zwar empirische Behauptungen, die sich genauso wenig widerlegen lassen wie der Glaube an die Existenz von Russells Teekanne).

  5. Edgar Dahl @ - Michael
    12.03.2008 | 15:55

    "Und wenn schon nach Plausibilität (also Bewährung vor der Logik) gefragt wird, dann wäre es doch das Mindeste gewesen, auch nach der Apativität (als Bewährung vor der Evolution - die ja immerhin auch unsere Logik-Module hervorgebracht hat...) zu fragen. Immerhin verkündet doch Dawkins das Leben selbst als höchsten Zweck. Dann kann die Frage nach der Lebensdienlichkeit religiöser Veranlagungen doch nicht zweitrangig sein..."

    Dies ist ein weiterer Punkt, den ich nach wie vor nicht verstehe. Ob die Religion adaptiv oder lebensdienlich ist, sagt doch nicht das Geringste über ihren Wahrheitsgehalt aus.

    Wie auch immer, auf jeden Fall möchte ich auch Dir noch einmal ganz herzlich für unsere Diskussion danken. Dank Deiner geradezu ansteckenden Begeisterungsfähigkeit war die gemeinsame Autofahrt Richtung Tübingen ein wahres Vergnügen!

  6. Ingo Bading Wie christlich sind moderne Christen?
    14.03.2008 | 09:31

    Lieber Michael,

    die Unterscheidung zwischen symbolischen und empirischen Wahrheiten finde ich spannend. Jan Assmann unterscheidet zwischen der "mosaischen Unterscheidung" zwischen Wahr und Falsch und der wissenschaftlichen.

    Wenn ich aber modernen Christen wie Dir auf den Zahn fühle, dann glaube ich, daß Ihr die ja geradezu fanatische "mosaische Unterscheidung" gar nicht mehr verteidigt, sondern Christentum mehr und mehr wieder *nur* als Mythos, als "Erzählung" betrachtet und behandelt. Mehr oder weniger sind dann alle christlichen Vorstellungen auch nur noch "Metaphern", "Bilder" für Natur- oder menschliche Kräfte - aber nicht, wie von Moses und seinen Nachfolgern postuliert, tatsächlich *irgendwie* "eigene Entitäten", ganz eigene und einzigartige Vorstellungskomplexe mit einem ganz eigenem Anspruch auf Wahrheit.

  7. Stephan Schleim Rationale Religiösität?
    15.03.2008 | 15:50

    Da ich die "God Delusion" schon im heimischen Bücherregal stehen habe, habe ich deine Rezensions nur überflogen, Edgar. Ich finde es sehr erfreulich, wie reflektiert du mit dem Thema umgehst.

    Ich habe Dawkins Buch bisher nur selektiv gelesen aber mich stört doch, dass man zumindest zwischen den Zeilen den Eindruck vermittelt bekommt, Religion sei etwas für Dumme, an und für sich irrational.

    Ich selbst halte mich für einen Agnostiker aber habe großen Respekt vor manchen meiner Bekannten, die wirklich religiös sind und sich auch fundiert mit Religionskritik auseinander gesetzt haben; oder die als ausgewiesene Naturwissenschaftler dennoch an einen christlichen Schöpfergott glauben -- was nur auf den ersten Blick wie ein Widerspruch erscheint.

    Es mag ja schon sein, dass viele Menschen ihren Glauben nicht rational rechtfertigen können, ihn für sich noch nicht einmal richtig durchdacht haben und eher kulturellen Strömungen folgen und (leider) auch fundamentalistisch werden; daher mag Dawkins Buch auch seine kulturelle Berechtigung haben.

    Wer aber Religiösität an und für sich für irrational verkauft, der geht meines Erachtens zu weit. Kürzlich vertrat ein Hamburger Psychiater sogar in einer Diskussion mit mir den Standpunkt, religiöser Glauben per se gehöre schon zu den Wahnvorstellungen. Das halte ich ebenfalls für fundamentalistisch (und auch noch fachlich für falsch, wie zum Glück eine Bonner Psychiatrin anmerkte).

  8. Michael Blume @ Stephan
    16.03.2008 | 21:43

    Danke. Genau so sehe ich das (als religiöser Mensch) auch. Zumal mir bislang niemand eine eindeutige Definition von "Rationalität" nennen konnte, aus der sich dann ja erst die Frage nach Rationalität oder Irrationalität erschließen ließe.

    Und zu Naturwissenschaft-Religion hat mich das aktuelle Zeilinger-Interview in der aktuellen Spektrum sehr begeistert, als pdf hier:
    http://www.wissenschaft-online.de/artikel/942648

  9. ake Glaube "nur" Metapher?
    18.03.2008 | 20:22

    "Wenn ich aber modernen Christen wie Dir auf den Zahn fühle, dann glaube ich, daß Ihr (...) Christentum mehr und mehr wieder *nur* als Mythos, als "Erzählung" betrachtet und behandelt."

    Wäre das eine genuin religiöse oder ist das nicht eine normal menschliche Lebenshaltung? Inwieweit haben wir Vergangenheit, inwieweit schaffen wir uns unsere Vergangenheit (und damit unsere gegenwärtige Sichtweise)? Ob Nationalgeschichte, Familiengeschichte oder Lebensgeschichte - was davon ist wirklich "wahr", was davon wollen wir "nur" wahr haben, wahr nehmen?

    Und ist das, was wir "nur" wahr haben wollen, falsch im engeren Sinn?

    Leben jenseits des blanken Überlebens ist generell höchst subjektiv (zumindest in unserer westeuropäischen Denkwelt wird das so wahrgenommen) - Religion mag in der Richtung extrem ausgeprägt, aber nicht extrem anders sein.

    Ich bin nicht ganz auf dem Stand der Dinge, aber wird nicht in der modernen Metapherntheorie (Riceur?) eine Metapher nicht als Abbild einer Realität mit Hilfe einer anderen Realität verstanden, sondern als Schaffen einer neuen (sprachlichen) Realität?

    Performatives Sprechen, performatives Denken - das lässt sich nicht nur auf Religion reduzieren, sondern ist generell ein Bestandteil subjektiven Erlebens.

    Metaphorisches in einer Religion wahrzunehmen und für wahr zu halten finde ich in diesem Sinn überhaupt nicht widersinnig, sondern ziemlich in sich schlüssig. Nur bin ich mir gerade nicht sicher, ob das evtl. zirkelschlüssig ist!?

  10. Lutz @Michael
    19.03.2008 | 17:45

    Sehr geehrter Herr Blume,

    Sie schreiben: „Jede Religion, auch der Islam, ist in Bewegung.“
    Stimmt, aber leider immer mehr in Richtung Fundamentalismus.

    „Und alle von Ihnen genannten sechs [5?] Punkte haben auch christliche und atheistische Regime EKLATANT verletzt bzw. verletzen sie teilweise noch.“
    Es geht nicht darum Ausnahmen zu benennen, sondern den Regelfall zu finden. Und da schneiden christliche Regime SEHR VIEL besser ab als muslimische Regime. Als typisch atheistisches Regime, oder in diesem Fall atheistische Regierung, betrachte ich z.B. Frankreich. Nicht nur wir Deutschen, sondern wohl die meisten Völker dieser Welt, sollten dieser Regierung nacheifern.

    >>Zu den Errungenschaften des freiheitlichen Rechtsstaats gehört nämlich, dass man einzelne Menschen nach ihren Handlungen beurteilt und nicht ihre Religionszugehörigkeit bzw. -losigkeit. Ich würde es ablehnen, Sie ob Kim Il Sungs (Nordkorea) in Sippenhaft zu nehmen und bitte darum, nicht umgekehrt Muslime pauschal (und unter Verkennung des Rechtsstaatsprinzips) für Missetaten anderer zu verdächtigen.>Kreationisten werden Sie in den Sciblogs kaum finden.>Und jede einigermaßen entwickelte Theologie (auch, aber nicht nur des Christentums) unterscheidet mythologische und wissenschaftliche Erzählungen. Wäre schön, wenn sich das herumspräche.>F.A. von Hayek (Agnostiker, Sozialphilosoph und Nobelpreisträger) hat, was ich sehr schön fand, zwischen empirischen Wahrheiten und "symbolischen Wahrheiten" unterschieden.> Symbolische Wahrheiten erfüllen eine Vielzahl von Funktionen - die von Ihnen erwähnte Schöpfungserzählung macht Glaubende u.a. auf die Schönheit und Vielfalt des Seins aufmerksam und trat (für die damalige Zeit spektakulär!) für die Erkenntnis ein, dass seit Adam und Eva alle Menschen miteinander verwandt sind. Das ist doch was, oder!? (->Das Monster von Loch Ness, Yetis oder die Russelsche Teekanne sind empirische Behauptungen, die sich entsprechend auch empirisch bestätigen oder widerlegen lassen. Auf jenseitige Akteure wie Ahnen, Götter und Gott trifft das nicht zu.“
    Dem stimme ich nur sehr bedingt zu. Wir widerlegen oder beweisen alles über die Eigenschaften einer Entität. Nessie sollte z.B. Radarwellen reflekieren, ein Eisengewicht eine bestimmte Dichte und Suszeptibilität haben, Gefühle wie Wut oder Trauer bestimmte Hirnregionen aktivieren oder menschliche Verhaltensweisen auslösen u.s.w. Wir können auch (den monotheistischen) Gott über die ihm zugeschriebenen Eigenschaften leicht falsifizieren: Es kann kein Wesen geben, das allmächtig ist, und es kann insbesondere kein Wesen geben, das zugleich allmächtig und gut ist. Andererseits, da stimme ich Ihnen zu, ist es zur Zeit unmöglich zu beweisen oder zu widerlegen, dass ein Gott existiert, der mächtig, aber nicht allmächtig ist, und der egoistisch, aber nicht böse ist.

    mfg
    Lutz

  11. Lutz @Michael
    19.03.2008 | 17:49

    @Michael

    Sie schreiben: „Jede Religion, auch der Islam, ist in Bewegung.“

    Stimmt, aber leider immer mehr in Richtung Fundamentalismus.

    „Und alle von Ihnen genannten sechs [5?] Punkte haben auch christliche und atheistische Regime EKLATANT verletzt bzw. verletzen sie teilweise noch.“

    Es geht nicht darum Ausnahmen zu benennen, sondern den Regelfall zu finden. Und da schneiden christliche Regime SEHR VIEL besser ab als muslimische Regime. Als typisch atheistisches Regime, oder in diesem Fall atheistische Regierung, betrachte ich z.B. Frankreich. Nicht nur wir Deutschen, sondern wohl die meisten Völker dieser Welt, sollten dieser Regierung nacheifern.

    >>Zu den Errungenschaften des freiheitlichen Rechtsstaats gehört nämlich, dass man einzelne Menschen nach ihren Handlungen beurteilt und nicht ihre Religionszugehörigkeit bzw. -losigkeit. Ich würde es ablehnen, Sie ob Kim Il Sungs (Nordkorea) in Sippenhaft zu nehmen und bitte darum, nicht umgekehrt Muslime pauschal (und unter Verkennung des Rechtsstaatsprinzips) für Missetaten anderer zu verdächtigen.>Kreationisten werden Sie in den Sciblogs kaum finden.>Und jede einigermaßen entwickelte Theologie (auch, aber nicht nur des Christentums) unterscheidet mythologische und wissenschaftliche Erzählungen. Wäre schön, wenn sich das herumspräche.>F.A. von Hayek (Agnostiker, Sozialphilosoph und Nobelpreisträger) hat, was ich sehr schön fand, zwischen empirischen Wahrheiten und "symbolischen Wahrheiten" unterschieden.> Symbolische Wahrheiten erfüllen eine Vielzahl von Funktionen - die von Ihnen erwähnte Schöpfungserzählung macht Glaubende u.a. auf die Schönheit und Vielfalt des Seins aufmerksam und trat (für die damalige Zeit spektakulär!) für die Erkenntnis ein, dass seit Adam und Eva alle Menschen miteinander verwandt sind. Das ist doch was, oder!? (->Das Monster von Loch Ness, Yetis oder die Russelsche Teekanne sind empirische Behauptungen, die sich entsprechend auch empirisch bestätigen oder widerlegen lassen. Auf jenseitige Akteure wie Ahnen, Götter und Gott trifft das nicht zu.“

    Dem stimme ich nur sehr bedingt zu. Wir widerlegen oder beweisen alles über die Eigenschaften einer Entität. Nessie sollte z.B. Radarwellen reflekieren, ein Eisengewicht eine bestimmte Dichte und Suszeptibilität haben, Gefühle wie Wut oder Trauer bestimmte Hirnregionen aktivieren oder menschliche Verhaltensweisen auslösen u.s.w. Wir können auch (den monotheistischen) Gott über die ihm zugeschriebenen Eigenschaften leicht falsifizieren: Es kann kein Wesen geben, das allmächtig ist, und es kann insbesondere kein Wesen geben, das zugleich allmächtig und gut ist. Andererseits, da stimme ich Ihnen zu, ist es zur Zeit unmöglich zu beweisen oder zu widerlegen, dass ein Gott existiert, der mächtig, aber nicht allmächtig ist, und der egoistisch, aber nicht böse ist.

    mfg
    Lutz

  12. Lutz Kopierfehler
    20.03.2008 | 13:17

    Moin, moin,

    ich entschuldige mich hiermit bei den Lesern, weil in meinen beiden letzten Beiträgen zweimal derselbe Fehler entstanden ist. Im folgenden

    >Zu den Errungenschaften des freiheitlichen Rechtsstaats gehört nämlich, dass man einzelne Menschen nach ihren Handlungen beurteilt und nicht ihre Religionszugehörigkeit bzw. -losigkeit. Ich würde es ablehnen, Sie ob Kim Il Sungs (Nordkorea) in Sippenhaft zu nehmen und bitte darum, nicht umgekehrt Muslime pauschal (und unter Verkennung des Rechtsstaatsprinzips) für Missetaten anderer zu verdächtigen.>Kreationisten werden Sie in den Sciblogs kaum finden.>Und jede einigermaßen entwickelte Theologie (auch, aber nicht nur des Christentums) unterscheidet mythologische und wissenschaftliche Erzählungen. Wäre schön, wenn sich das herumspräche.>F.A. von Hayek (Agnostiker, Sozialphilosoph und Nobelpreisträger) hat, was ich sehr schön fand, zwischen empirischen Wahrheiten und "symbolischen Wahrheiten" unterschieden.> Symbolische Wahrheiten erfüllen eine Vielzahl von Funktionen - die von Ihnen erwähnte Schöpfungserzählung macht Glaubende u.a. auf die Schönheit und Vielfalt des Seins aufmerksam und trat (für die damalige Zeit spektakulär!) für die Erkenntnis ein, dass seit Adam und Eva alle Menschen miteinander verwandt sind. Das ist doch was, oder!?

    fehlt mein Beitrag. Wie das passieren konnte, weiß ich nicht. Aber jetzt hab ich auch keine Lust mehr, noch einmal was dazu zu schreiben.

    mfg
    Lutz

  13. Edgar Dahl @ - Stephan: Rationale Religiosität
    22.03.2008 | 04:20

    Hab' gar nicht bemerkt, dass die Diskussion hier weiterging. Wie eingangs schon erwähnt, finde ich es auch nicht richtig, religiöse Menschen so zu behandeln, als hätten sie nicht alle Tassen im Schrank. Es gibt durchaus NACHVOLLZIEHBARE Gründe dafür, religiös zu sein. Doch gibt es auch ÜBERZEUGENDE Gründe dafür? Hier liegt - zumindest für mich - der Unterschied zwischen rationalen und irrationalen Ansichten. Damit eine Ansicht rational ist, genügt es nicht, dass es nachvollziehbare Gründe für sie gibt; es muss überzeugende (und zumindest im Prinzip für jedermann einsichtige) Gründe für sie geben.

    Angesichts der Tatsache, dass diese Welt nicht gerecht ist und Verbrecher wie Hitler, Stalin oder Mao oft ungestraft davon kommen, ist es nur zu verständlich, wenn Menschen glauben, dass es einen Gott gebe, der am Jüngsten Tag über alle Menschen zu Gericht sitzen werde. Obgleich es für die Vorstellung von einem Jüngsten Gericht durchaus nachvollziehbare Gründe gibt, gibt es doch keine überzeugenden Gründe für sie. Sie ist, so gesehen, irrational.

    Das Wort "irrational" hat zugegebenermaßen einen pejorativen Beigeschmack. Denn im Alltag wird es oft auf Ansichten angewendet, die bestenfalls Insassen eines Irrenhauses äußern dürfen. Doch dies ist im wissenschaflichen Alltag natürlich nicht gemeint. Hier geht es wirklich um nachvollziehbare vs. überzeugende oder schlecht begründete vs. gut begründete Ansichten.

    Ich selbst hätte mit dieser Definition keine Probleme. Wenn ich Christ wäre und glaubte, dass es einen Gott gebe, der uns am Ende der Zeiten erkären werde, wozu all das Leid und Elend in dieser Welt nötig war, würde ich unumwunden zugestehen, dass diese Ansicht nicht rational ist und ich wider besseres Wissen an ihr festhalte.

  14. Wolf Potter Symbolische Wahrheiten
    22.03.2008 | 20:08

    "Symbolische Wahrheiten erfüllen eine Vielzahl von Funktionen - die von Ihnen erwähnte Schöpfungserzählung macht Glaubende u.a. auf die Schönheit und Vielfalt des Seins aufmerksam und trat (für die damalige Zeit spektakulär!) für die Erkenntnis ein, dass seit Adam und Eva alle Menschen miteinander verwandt sind. Das ist doch was, oder!? (-;"

    >Ist das 1. wirklich so "spektakulär"? Gehen nicht zahlreiche Mythen davon aus, dass am Anfang der Menschheit nur ein einzelnes Paar stand?

    und 2. was hat das mit "Erkenntnis" zu tun? Auf der Stufe der Genesis ist das doch nur reine Spekulation, die sich zufälligerweise mit unserer heutigen Erkenntnis deckt?

    Wo lässt sich aus dem Schöpfungsbericht Schönheit und Vielfalt herauslesen?

    Selbst wenn wir heute Teile der Natur als "schön" empfinden, vermenschlichen wir sie nur. Natürlich ist eine herbstliche Waldlandschaft, die sich außerdem in einem Bergsee spiegelt nach menschlichen Maßstäben atemberaubend schön. Doch was ist mit dem nächtlichen Beutezug von Tüpfelhyänen, die ein Gnukalb reißen? Ist das immer noch schön? Trotzdem ist beides Natur.

    Der biblische Schöpfungsbericht ist real betrachtet, primitiv und zutiefst unlogisch. Primitiv nenne ich ihn deshalb, weil er nicht einmal die einfachsten, jedem Menschen geläufigen Tatsachen berücksichtigt: Wie kann der Mond als Licht für die Nacht bezeichnet werden, wenn er mitunter auch tagsüber zu sehen, bzw. streckenweise nachts gar nicht vorhanden (=sichtbar) ist?

    Auch sein symbolischer Wert ist äußerst zweifelhaft, denn ihm zufolge ist der Mensch nur ein Stück Dreck, bzw. die Frau ein Ableger aus einem unbedeutenden Teil des Mannes, je nachdem, welcher der beiden einander ausschließenden Deutungen man den Vorzug geben will.

    Unter all den Schöpfungsmythen der Menschheit verdient Genesis wohl kaum einen der vorderen Plätze, egal, was Theologen dort versuchen hinein zu interpretieren.

    Wahrheit zeichnet sich nach meiner Definition vor allem durch ihre Übereinstimmung mit der Wirklichkeit aus. Was diesem Kriterium nicht standhält, kann ich als "wahr" nicht akzeptieren. Eine Wahrheit symbolisch zu nennen ist der Versuch, letzteren Mangel zu kaschieren.

  15. Stephan Schleim Überzeugungskraft
    23.03.2008 | 17:07

    @ Edgar

    Danke für die ausführliche Antwort aber ist es nicht subjektiv, was ein überzeugender Grund ist?

    Du sprichst von "im Prinzip für jedermann einsichtige[n]" Gründen -- glaubst du, beispielsweise die Quantenmechanik sei im Prinzip für jedermann einseitig, wenn selbst Größen wie Richard Feynman behaupten, wer für sich beanspruche, sie verstanden zu haben, habe sie überhaupt nicht verstanden.

    Ist eine der erfolgreichsten physikalischen Theorien des 20. Jahrhunderts also irrational?

  16. Erdlicht Viele Ideen
    22.04.2009 | 19:30

    Ohne Wasserstoff kein Helium, kein Sauerstoff, kein Feuer.

    Gott=Geist ist gemäß Begriffsbedeutung Wasser (Tau, Regen) Wind, Atemseele.

    Wasser in uns, ist Kondensation zwischen Menschen.

    Schöpfung gilt in biblicher Überlieferung gut, wobei Wasser den Satan/Leviatha (offensichtlich Feuer, ..Vulkan, Pattenbewegungen) schuf.

    Ohne Plattenbewegung wäre Erde meines Wissens vereist.
    Wolke, die lt. Überlieferung Hebr. führte, enthält u. a. Vulkanstaub.

    Yezidin (Religion) haben keinen Bösen, weil das nach deren Vorstellungen die Allmacht Gottes beschneidet.

    Problem: Wasser hat kein Gehirn.
    Es sei denn, dass Menschengehirn. Dem ist Wunsch und Wollen (Grundbedürfnisse) nachzuweisen.

    Prozentual gesehen soll im Kopf das meiste Wasser sein. Aber davon abgesehen gibt es auch den krankhaften Wasserkopf, (Hydrocephalus), der auf Kosten der Hirnsubstanz geht.

    Shalom

  17. Luchs wie wirklich ist (ein) Gott?
    23.04.2009 | 12:35

    Hallo Edgar,

    Du schreibst: "Obgleich die Frage nach der Existenz Gottes prinzipiell eine empirische Frage ist, ist ihr doch mit den Mitteln der empirischen Wissenschaft nur schwer beizukommen. Keine Zahlen, Daten oder Experimente können die Existenz Gottes beweisen oder widerlegen."

    Das sehe ich anders. Wir weisen ALLES, sei es Seiendes oder Benennbares, grundsätzlich über seine Eigenschaften nach.

    Wir müssen also nur danach fragen, welche Eigenschaften dieser Gott haben könnte, dann folgern, welche Wechselwirkung aus dieser Eigenschaft erwächst und diese hyopthetische Wechselwirkung dann auf ihre Existenz untersuchen. Wenn es eine Eigenschaft eines Gottes ist, dass dieser manchmal Gebete erhört (wie die meisten gläubigen Menschen ihrem Gott nachsagen), dann muss man nur überprüfen, ob Gebete statistisch relevant erhört werden. So einfach ist das.

    Diese Versuche sind gemacht worden, mit dem Ergebnis, dass Gebete NICHT erhört werden. Dawkins wiest darauf hin, dass noch in keinem EINZIGEN Fall, das Gebet eines Amputierten erhört worden ist, dass Gott das amputierte Glied bitte wieder nachwachsen lassen möge.

    Man könnte z.B. Versuche durchführen, ob Quantenereignisse uns nur als rein zufällig erscheinen, aber in Wahrheit eine moralische Komponente haben. Man könnte sich viele Versuche zur Existenz Gottes überlegen und durchführen.

    mfg
    Luchs

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