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Der Gotteswahn

von Edgar Dahl, 06. März 2008, 18:20

Genau 30 Jahre nach seinem Buch „Das egoistische Gen“ hat Richard Dawkins mit „Der Gotteswahn“ erneut einen weltweiten Bestseller geschrieben. Während „Das egoistische Gen“ über die Jahre in 25 Sprachen übersetzt worden ist, wurde „Der Gotteswahn“ in nur einem einzigen Jahr in bereits mehr als 30 Sprachen übersetzt. Aber ist „Der Gotteswahn“ tatsächlich ein ähnlich revolutionäres Buch wie „Das egoistische Gen“? Leider nein! Gewiss, wie jedes Buch von Richard Dawkins, so ist auch „Der Gotteswahn“ ebenso elegant wie amüsant geschrieben. Zudem enthält es eine Fülle von Informationen, für die der Leser, der mit der religionskritischen Literatur nicht näher vertraut ist, dankbar sein wird. Doch anders als „Das egoistische Gen“ stellt „Der Gotteswahn“ unser Weltbild nicht auf den Kopf. Diejenigen Leser, die sich in Bezug auf die Gretchenfrage als Skeptiker, Agnostiker oder Atheisten bezeichnen, werden bei der Lektüre des Buches das Gefühl haben, dass Dawkins offene Türen einrennt. Und diejenigen Leser, die sich als Juden, Christen oder Muslime betrachten, werden bestreiten, dass der Gott, den Dawkins kritisiert, ihr Gott sei. Die meisten Rezensionen im angloamerikanischen Raum beschränken sich denn auch darauf, Dawkins vorzuwerfen, die Bibel nicht richtig verstanden zu haben, unangemessen polemisch zu argumentieren und letztlich genauso fundamentalistisch zu sein wie diejenigen, gegen die er so rigoros zu Felde zieht. Statt auf eine derart destruktive Kritik möchte ich mich in dieser Rezension auf eine konstruktive Kritik verlegen. Dazu gehört zunächst einmal ein kurzer Ausblick auf das, was den Leser des Buches „Der Gotteswahn“ überhaupt erwartet.

Unter den zehn Kapiteln, die das Buch enthält, findet man unter anderem eines, das sich mit den traditionellen „Gottesbeweisen“ auseinandersetzt. Wie zahllose Autoren vor ihm, zeigt Dawkins, dass keines der Argumente, die für die Existenz Gottes vorgebracht worden sind, wirklich schlüssig ist. Selbst wenn sie etwas beweisen würden, dann bestenfalls eine „erste Ursache“ oder einen „unbewegten Beweger“, doch keinesfalls den allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gott der Abrahamitischen Religionen. Darauf folgt ein Kapitel, das den evolutionären Wurzeln der Religion nachgeht. Wie konnte die Natur, die sonst so haushälterisch mit ihren Kräften umgeht, ein so extravagantes Verhalten wie die Religiosität hervorbringen, das die Menschen mit sinnlosen Opfern, Gebeten und Ritualen aufhält und weder dem eigenen Überleben noch der eigenen Fortpflanzung dient? Da es eine der spannendsten Fragen des Buches ist, möchte ich Dawkins Antwort an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. Ein drittes Kapitel beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Religion und Moral. Als guter Naturalist zeigt Dawkins darin, dass wir keineswegs auf irgendwelche übernatürlichen Wesenheit wie einen Gott angewiesen sind, um zu erklären, warum sich Menschen moralisch verhalten. Moralisches Verhalten hat evolutionäre Wurzeln. Gebote wie das „Du sollst nicht stehlen“, „Du sollst nicht lügen“ oder „Du sollst nicht töten“ galten daher auch schon Hundertausende von Jahren bevor Moses den Berg Sinai bestieg und von Gott die berühmten steinernen Tafeln in Empfang nahm. Zum Schluss folgt schließlich ein Kapitel, in dem Dawkins zu demonstrieren sucht, dass wir nicht auf den Trost und die Verheißungen der Religion angewiesen sind, um unser Leben als sinnvoll zu betrachten. Teil der Evolutionsgeschichte zu sein, ist ein mindestens genauso aufregendes Abenteuer wie Teil einer Schöpfungsgeschichte zu sein. Und die Hypothesen der Wissenschaft sind allemal spannender als die Mythen der Religion.

Auch die Kapitel, die ich aus Platzgründen unerwähnt gelassen habe, sind über die Maßen lesenswert. Dennoch scheint mir, dass Dawkins’ Buch noch überzeugender hätte ausfallen können, wenn er nicht auf drei Argumente verzichtet hätte. Bereits im Vorwort schlägt er sich mit dem häufig vorgebrachten Einwand herum, dass Religionskritik eine vergebliche Liebesmüh sei. Menschen hätten nun einmal ein angeborenes Bedürfnis nach Religion. Zu glauben, dass man die Mehrzahl der Bevölkerung von ihren himmlischen Hoffnungen abbringen könne, sei daher illusionär. Wie das Beispiel der ehemaligen DDR zeigt, ist es jedoch mehr als zweifelhaft, ob Menschen von Natur aus religiös sind. Trotz der Wiedereinführung des Religionsunterrichts und massiver Bemühungen einer Re-Christianisierung stößt die „Gute Nachricht“ doch bei nahezu 80 Prozent aller Ostdeutschen nach wie vor auf taube Ohren. Ihre Weigerung, an einen lieben Gott zu glauben, ist so groß, dass die beiden deutschen Großkirchen es inzwischen buchstäblich als eine „Mission Impossible“ betrachten, die Brüder und Schwestern im Osten bekehren zu wollen.

In dem Kapitel zum Verhältnis von Religion und Moral scheint mir Dawkins ebenfalls zu große Zugeständnisse zu machen. Wenn er anerkennt, dass die Moral ohne eine religiöse Grundlage, einem hoffnungslosen Relativismus zum Opfer falle, scheint er zuzugestehen, dass die Religion das Fundament der Ethik sei. Wie Sokrates jedoch vor mehr als zweitausend Jahren schon gezeigt hat, ist es nachweislich falsch, dass die Religion die Grundlage der Moral ist. Man stelle einem religiösen Menschen, der glaubt, dass gut sei, was Gott gutheiße, und schlecht sei, was Gott schlechtheiße, nur folgende Frage: „Ist die Nächstenliebe gut, weil Gott sie zufällig gutheißt, oder heißt Gott die Nächstenliebe gut, weil sie tatsächlich gut ist?“ Insofern kein Christ seinen Gott für einen willkürlichen Herrscher hält, wird er selbstverständlich antworten, dass Gott die Nächstenliebe gutheiße, weil sie in der Tat gut ist. Damit aber gibt er zu, dass es ein von Gott unabhängiges Kriterium dafür gibt, was moralisch richtig und falsch ist.

Am erstaunlichsten ist jedoch, dass Dawkins die Frage der Theodizee unterschätzt. Das Problem, wie man die vermeintliche Allmacht, Allwissenheit und Allgüte Gottes mit all dem Leid und Elend dieser Welt in Einklang bringen kann, wird nicht zu unrecht als ungelöst, ja als unlösbar betrachtet. Es bildet daher auch nach wie vor den größten Einwand gegen den Glauben an einen gütigen Schöpfer. Gerade von einem Zoologen wie Richard Dawkins sollte man erwarten, dass er seinem großem Vorbilde Charles Darwin darin folgt, das unschuldige Leiden der Tiere über Millionen von Jahren hinweg als das Hauptargument gegen die Existenz eines allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gottes zu betrachten. Mag das Leiden der Menschen auch „der Sünde Sold“ sein, die Tiere haben nie vom „Baum der Erkenntnis“ gegessen.

Wer Dawkins’ rhapsodischen Stil und eloquente Argumentation schätzt, sollte sich den „Gotteswahn“ nicht entgehen lassen. Wer dagegen auf deutsche Gründlichkeit und philosophische Tiefe setzt, sollte sich besser Norbert Hoersters „Die Frage nach Gott“ zulegen.



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Kommentare

  1. Michael Blume Religion scheint Sie sehr...
    06.03.2008 | 19:13

    ...zu beschäftigen, lieber Herr Dahl - der wievielte Beitrag speziell zu diesem Thema ist das jetzt schon?

    Das Interesse ist, die Abrufe zeigen es, auch tatsächlich sehr groß und unsere Debatte über die Evolution der Religion in Lars "Abgefischt" fand ich klasse.

    Was ich aber zunehmend bedenklich finde ist, dass hier offenbar fast nur religionskritische Stimmen zu Wort kommen. Tenor: Gläubige sind doof, gefährlich, heilbar und haben weder von Naturwissenschaft noch Philosophie eine Ahnung, kapieren die Theodizee nicht usw. Ich finde die hier beobachtbare Gruppendynamik ebenso bedenklich, wie ich sie z.B. in manchen religiösen Zirkeln beobachte. Hier heißt der Guru eben Dawkins und den (Anders-)Glaubenden werden so ziemlich alle Schlechtigkeiten der Welt untergejubelt.

    Da frage ich mich langsam, ob es sich lohnt bzw. überhaupt gewünscht wird, hier immer wieder aufzuzeigen, dass sich Religion (gerade auch wissenschaftlich!) sehr viel fairer beschreiben lässt.

    Hand aufs Herz: Sind hier Wissenschaftler, die zugleich religiös sind, überhaupt noch willkommen? Oder sind wir hier auf die Rolle als Prügelknaben festgelegt? Denn ich kann mir, offen gesagt, meine karge Freizeit auch sehr viel schöner vorstellen, als wieder und wieder abwertende Sätze wie "die Hypothesen der Wissenschaft sind allemal spannender als die Mythen der Religion" zu kommentieren, die von vornherein nicht auf einen Austausch auf Augenhöhe zielen, sondern abwerten...

  2. Edgar Dahl @ - Michael Blume: Wider Dawkins
    07.03.2008 | 00:02

    "Was ich aber zunehmend bedenklich finde ist, dass hier offenbar fast nur religionskritische Stimmen zu Wort kommen. Tenor: Gläubige sind doof, gefährlich, heilbar und haben weder von Naturwissenschaft noch Philosophie eine Ahnung, kapieren die Theodizee nicht usw."

    Nun, an dieser Stelle soll genau das Gegenteil betrieben werden - keine Kritik an der Religion, sondern eine Kritik an Dawkins!

    Um fair zu sein, sollten wir Dawkins' "Gotteswahn" aber, wie gesagt, am tatsächlichen Anspruch seines Buches messen.

  3. Edgar Dahl Dawkins' Anspruch in "Der Gotteswahn"
    07.03.2008 | 01:12

    Richard Dawkins' Buch "Der Gotteswahn" erhebt drei Ansprüche. Der erste und zweifellos kühnste Anspruch drückt sich in seiner Hoffnung aus:

    "Wenn dieses Buch die von mir beabsichtigte Wirkung hat, werden Leser, die es als religiöse Menschen zur Hand genommen haben, es als Atheisten wieder zuschlagen." (S. 18)

    Der zweite Anspruch besteht darin, "bewusstseinsbildend" zu wirken. Es will "unser Bewusstsein schärfen, dass Atheist zu sein ein realistisches Ziel ist, noch dazu ein tapferes, großartiges Ziel. Man kann als Atheist glücklich, ausgeglichen, moralisch und geistig ausgefüllt sein." (S. 11) "Atheist zu sein ist nichts, wofür man sich entschuldigen müsste. Im Gegenteil: Man kann stolz darauf sein und hocherhobenen Hauptes bis zum Horizont blicken, denn Atheismus ist fast immer ein Zeichen für eine gesunde geistige Unabhängigkeit." (S. 15)

    Der dritte und letzte Anspruch besteht in seinem "Traum, dass dieses Buch den Menschen bei ihrem 'Coming out' hilft. Hier gilt genau das gleiche wie in der Homosexuellenbewegung: Je mehr Menschen sich zu ihrer Überzeugung bekennen, desto einfacher wird es für andere, sich ihnen anzuschließen." (S. 16)

    Schon aus Dawkins' zweitem und drittem Anspruch lässt sich ersehen, das sein Buch vornehmlich für den Markt in den USA gedacht war, in dem Atheisten heute "die gleiche Stellung einnehmen wie Homosexuelle vor fünfzig Jahren. Heute, nach der Schwulenbewegung, ist es für Homosexuelle zwar immer noch nicht einfach, aber immerhin möglich, in ein öffentliches Amt gewählt zu werden. Das Gallup-Institut befragte 1999 die US-Bürger, ob sie eine ansonsten gut qualifizierte Person wählen würden, wenn es sich um eine Frau (96 Prozent ja), einen Katholiken (94 Prozent), einen Juden (92 Prozent), einen Schwarzen (92 Prozent), einen Mormonen (79 Prozent), einen Homosexuellen (79 Prozent) oder einen Atheisten (49 Prozent) handele." S. 16)

  4. Schulte Atheismus-Religion
    07.03.2008 | 07:43

    Die von Ihnen angeführten Zitate kommen mir entlarvend "religiös gefärbt" vor. Da ist von Glück und einem großartigen Ziel die Rede - und vor allem erhebt Dawkins offenbar einen missionarischen Anspruch, er will zum Atheismus bekehren. Nun ist das Argument, auch der Atheist sei ein Glaubender (er glaubt daran, dass es keinen Gott gibt - WISSEN kann er es nicht), ein alter Hut. Insofern mag jeder ruhig glauben was er mag (solange er damit niemandem schadet). Aber jemand, der zum Atheismus bekehren will, macht im Prinzip genau dasselbe wie die anderen Religionen, die er ja kritisiert. Schlimm ist das, wenn es ein (eigentlich wohl doch als seriös gelten wollender) Wissenschaftler macht. Dawkins sollte mal den aktuellen Beitrag im Klima-Blog lesen! Irgendwo in einem anderen Blog hat ein Philosoph von einer "Wissenschafts-Sekte" oder "Atheismus-Sekte" im Zusammenhang mit Dawkins gesprochen. Das scheint mir bei der Lektüre der von Herrn Dahl angeführten Zitate durchaus passend. Dass das Medienbohei um Dawkins dazu beitragen dürfte, dass bei vielen Leuten am Ende ankommt "Wenn Du glaubst, bist Du dumm", finde ich bedenklich.

  5. Martin Huhn @ Schulte
    07.03.2008 | 08:21

    "Irgendwo in einem anderen Blog hat ein Philosoph von einer "Wissenschafts-Sekte" oder "Atheismus-Sekte" im Zusammenhang mit Dawkins gesprochen."

    Das war der Herr Hogrebe in der Guten Stube.

  6. kamenin Perspektive
    07.03.2008 | 09:23

    Ich sehe Dawkins' Buch weniger als philosophisch-naturwissenschaftliche Begründung. Er schreibt zwar aus seiner eigenen, auch modern geformten Perspektive, aber die Argumente hat er ja nicht wirklich neu erfinden müssen. Die hat's schon immer gegeben, in der ganzen Philosophie- und Geistesgeschichte, und seit dem 19. Jahrhundert auch immer mehr aus naturwissenschaftlicher Sicht.

    Das eigentlich "neue" oder zumindest neu belebte ist doch der Anspruch, seinen Nichtglauben auch selbstbewusst kundtun zu können. Nicht nur zu können, sondern angesichts der Probleme in der Welt auch zu sollen.
    Das tun Christen seit jeher und ungestört, weil sie darin das Selbstverständlichste auf der Welt sehen. Und dazu gibt's heutzutage verstärkt neue charismatische Sekten.
    Niemand sagt einem Christen, der öffentlich Glauben gut findet, dass er deswegen schon "missionarisch" oder "fundamentalistisch" sei. Atheisten wird das andauernd gesagt, und notfalls packt man halt die Keule aus, dass man offensichtlich Religionsfreiheit abschaffen will oder Gläubige nur abwerten.

    Man kann halt nicht beides haben. Entweder man will in seinem Glauben nicht kritisiert werden, dann muss man eben auch seinen eigenen Glauben als Privatsache unter Verschluss halten und sollte nicht Kirchen angehören, deren offizielle Vertreter ganze Zeit Glauben hochloben und Unglauben abwerten. Oder man muss sich halt im freien Diskurs gefallen lassen, dass andere ihre Meinung genauso offen vertreten.
    Das nennt man im Übrigen dann auch Religionsfreiheit.

  7. Ingo Bading Die Dialektik der abendländischen Geschi
    07.03.2008 | 10:18

    Lieber Michael,

    Du fühlst Dich einsam als religiöser Mensch unter Wissenschaftlern. Hast Du Dir schon einmal überlegt, warum Du in einer solchen Situation sein könntest?

    Für mich ist die Sache inzwischen sehr einfach. Wir haben es hier mit einem geschichtlich DIALEKTISCHEN Prozeß zu tun:

    Niemals zuvor hatte eine Religion Aussagen über Religiosität gemacht, ALS WÜRDE es sich bei solchen Aussagen um naturwissenschaftlich bewiesene Tatsachen handeln. Genau dies macht aber wohl doch die "monotheistische Unterscheidung".

    Der menschliche Geist hat sich gegen diese Anmutung, "Absurdität" aufgelehnt wie er sich selten zuvor gegen irgend eine Anmutung im geistigen Bereich aufgelehnt hat. Und vor allem DABEI und DADURCH hat er diesen ungeheuren Antrieb erhalten zur Schaffung der abendländischen Kultur, Wissenschaft und Philosophie. Exakt dadurch z.B. entstand I. Kants "Kritik der reinen Vernunft".

    Unbewußt oder unterbewußt empfanden die wacheren Menschen, daß man einer solchen Behauptung, wie sie der Monotheismus trifft, nur durch naturwissenschaftliche Forschung adäquat begegnen kann.

    Aber dabei ist dem abendländischen Menschen dann exakt JENE Religion abhanden gekommen, die quasi so tut, also würde es sich bei Religiosität um naturwissenschaftliche Tatsachen handeln. Denn in diesem dialektischen Prozeß hat der Mensch besser als jemals zuvor gelernt zu unterscheiden, was Naturwissenschaft ist und was über Naturwissenschaft hinaus geht.

    Und deshalb wehrten sich die Vertreter des alten Gottesbildes so vehement gegen jede naturwissenschaftliche Weltbild-Veränderung, gegen Kopernikus, Bruno, Galileo Galilei usw. usf.. (Und noch heute die Intelligent Design-Leute in den USA hängen einem solchen undifferenzierten Glauben ja - zumindest zum Teil - an.)

    Daß die Geschichte auch auf dem Gebiet der Demographie dialektisch verlaufen könnte, darüber dachte übrigens schon der geniale Gerhard Mackenroth in seiner "Bevölkerungslehre" von 1953 nach(etwa auf S. 328).

  8. Peter Y. Diskussion mit Dahl @Blume
    07.03.2008 | 10:30

    "Religion scheint Sie sehr zu beschäftigen...lieber Herr Dahl"

    Den leisen Spott im Unterton kann ich nicht nachvollziehen, Herr Blume. Herr Dahl beschäftigt sich als Philosoph beruflich/wissenschaftlich mit dieser Frage - wie Sie doch offenbar auch!

    "Was ich aber zunehmend bedenklich finde ist, dass hier offenbar fast nur religionskritische Stimmen zu Wort kommen. "

    Herr Dahl beantwortet, soweit ich es sehe, praktisch alle Kommentare. Und eine Zensur gibt es auch nicht. Was ist genau der Vorwurf an Herrn Dahl? Dass er keine religigiösen Texte in seinen BLOG stellt? Findet man die nicht auf den Homepages der Kirchen zu genüge?

    "Da frage ich mich langsam, ob es sich lohnt bzw. überhaupt gewünscht wird, hier immer wieder aufzuzeigen, dass sich Religion (gerade auch wissenschaftlich!) sehr viel fairer beschreiben lässt."

    Unfaires kann ich in der Argumentation von Herrn Dahl nicht erkennen. Er droht auch Andersdenkenden nicht mit Höllenstrafen. Er ringt halt um die besten Argumente...

    Dass Sie, Herr Blume, sich an der Diskussion beteiligen, finde ich persönlich erfrischend und würde mir wünschen, dass Sie ohne Groll damit weitermachen!

  9. Michael Blume @ Peter Y.
    07.03.2008 | 12:33

    Spott gegenüber Herrn Dahl liegt mir fern - wie eingangs geschrieben verdanke ich ihm einige der besten Diskussionen und bin gerade auch seinetwegen hier sehr gerne dabei. Mir geht es sehr ernsthaft um Reflektion, wie sie im Klima-Blog m.E. vorbildlich geleistet wurde!

    Denn ich bin (auch @kamenin) schon der Meinung, dass sich manche Glaubende in wissenschaftlichen Diskussionen polemisch, unfair und fundamentalistisch verhalten und trete beispielsweise dem Anspruch von Kreationisten, seriöse Wissenschaft zu betreiben, entgegen. Mir leuchtet gerade deshalb nicht ein, es gut finden zu sollen, wenn sich Atheisten wie Dawkins ähnlicher Strategien bedienen ("Ich nenne mich Ultradarwinist - aber was interessiert mich die Empirie?") und beobachte mit Sorge, dass sich gerade auch im Internet immer mehr Zirkel beider Seiten herausbilden, die sich nur noch untereinander bestätigen und mit Polemik überziehen. Meine Befürchtung ist, dass die von mir sehr geschätzten wissenslogs ähnlich umkippen könnten.

    Stellen Sie sich vor, ein Religiöser würde hier Sätze posten wie "die Berichte der Bibel sind allemal spannender als alle Hypothesen der Wissenschaft". Oder es würde ein Bild gestellt "Imagine no atheism", mit einem Hintergrund eines Stalin-Gulags, darunter das übergroße Bild eines Glaubensverkünders. Es würden atheismuskritische Bücher grundsätzlich gefeiert, Theologen aber ebenso absehbar verrissen. Und das alles ohne ausgleichende Gegenpositionen, mehrfach pro Woche! Wie lange würde Ihnen und uns das zusagen? Wie lange würden Sie im Kommentarteil knappe Zeit schenken?

    Klar: Polemik kann als gelegentliches Stilmittel zur Anregung einer Diskussion beitragen. Wenn sie aber überhand nimmt, ziehen sich Andersdenkende irgendwann zurück und eine ernsthafte Diskussion findet nicht mehr statt.

    In den Beiträgen von @Schulte und auch @Bading finde ich meine Bedenken wieder: die Vermischung philosophisch-religiöser und naturwissenschaftlicher Diskussionsebenen. Mein Schwerpunkt ist z.B. die empirische Forschung - und da geht es um intersubjektiv nachvollziehbare und ggf. falsifizierbare Befunde und darauf aufbauende, sich immer weiter entwickelnde und ebenfalls immer falsifizierbare Thesen. Das macht auch deswegen so große Freude, weil man dabei auf Faktenbasis mit Menschen zusammenwirken kann, die völlig anders denken und glauben als man selbst.

    Die philosophische Ebene behandelt Fragen nach absoluter Wahrheit oder Unwahrheit, nach Geschmack (was ist spannender?) u.ä. Und gerade solche Diskussionen machen mangels empirischer Zugänglichkeit nur Sinn, wenn beide Seiten gleichberechtigt zu Wort kommen und nicht eine von oben herab dauerbombardiert wird. Eine sinnvolle Debatte zur Gottes-Existenzfrage würde z.B. bedeuten, dass sowohl die a-theistische wie theistische Position auf gleicher Augenhöhe ausgewogen zu Wort kommen.

    Nochmal: In meiner täglichen, wissenschaftlichen Arbeit arbeite ich sogar überwiegend mit agnostischen, atheistischen und oft auch bekannt religionskritischen Partnern (einschließlich meines Doktorvaters) zusammen. Und ich käme nicht im Traum darauf, jemanden ob seines Unglaubens fundamentalistisch zu attackieren, im religionswissenschaftlichen Gewand Missionsliteratur anzupreisen oder religiöse Polemiken mit den Untaten nicht anwesender oder gar historischer Atheisten zu rechtfertigen.

    Und ich möchte einfach nur fragen, ob diese Umgangsformen in einem Wissenschaftsforum nicht ggf. gegenseitig gelten sollten? Letztlich geht es um die Frage, ob die wissenslogs ein faires und anregendes Forum des wissenschaftlichen Meinungsaustauschs sowohl empirischer wie philosophischer Fragen sind und bleiben. Oder ob sich auch hier im Bezug auf Religionsfragen eine dominante Strömung durchsetzt und Andersdenkende von vornherein herabsetzt, ausgrenzt und damit auf Dauer wohl verliert. (Ein klassisches Jugendhaus-Problem - soll es für alle offen bleiben oder erobert sich eine Subkultur durch Markierung das Revier?)

  10. Michael Blume Dank an @ Schulte & Versöhnliches
    07.03.2008 | 13:53

    @ Herr/Frau Schulte, nach dem Dank gerade im Langtext noch ein Gedanke. Sie schrieben:

    "Nun ist das Argument, auch der Atheist sei ein Glaubender (er glaubt daran, dass es keinen Gott gibt - WISSEN kann er es nicht), ein alter Hut."

    Ich finde es trotzdem nach wie vor gut. Denn es markiert die beständige Notwendigkeit erkenntnistheoretischer Reflektion. Wer damit aufhört und das eigene Fundament nicht mehr hinterfragen kann, landet im (religiösen oder weltanschaulichen) Fundamentalismus. Also, danke für den "alten Hut", der ein Klassiker werden sollte! (-:

    @ all

    Meiner Befürchtung, nur noch Dawkins-Jünger kämen hier zu Wort, sind Carsten Könneker und Ferdinand Knauß nebenan in der Guten Stube just entgegen getreten. Und zwar so heftig, dass ich mich plötzlich sogar in der Rolle des Dawkins-Verteidigers wiederfand...

    http://www.wissenslogs.de/.../2008-03-06/chauffeur

    Die wissenslogs sind halt immer wieder für Überraschungen gut, auch was die Selbsterkenntnis angeht... (-;

  11. Edgar Dahl @ - Schulte
    08.03.2008 | 08:59

    "Aber jemand, der zum Atheismus bekehren will, macht im Prinzip genau dasselbe wie die anderen Religionen, die er ja kritisiert."

    Von "Bekehren" kann ja keine Rede sein. In seinem Buch "bekehrt" er nicht zum Atheismus, sondern ARGUMENTIERT er für den Atheismus.

    Darüber hinaus möchte Dawkins Menschen, die ihren Glauben längst abgelegt haben, dazu ermuntern, sich zu ihrem Unglauben zu bekennen. Denn erst wenn sich genügend Menschen dazu bekennen, kann der Atheismus das Stigma verlieren, das ihm (zumindest in den USA) immer noch anhaftet.

  12. Edgar Dahl @ - Peter Y.
    08.03.2008 | 09:14

    Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung! Es geht mir in der Tat nur darum, mir über bestimmte Probleme selbst Klarheit zu verschaffen und um die bestmöglichen Argumente zu ringen.

  13. Edgar Dahl @ - Michael Blume
    08.03.2008 | 09:29

    "Stellen Sie sich vor, ein Religiöser würde hier Sätze posten wie 'die Berichte der Bibel sind allemal spannender als alle Hypothesen der Wissenschaft'."

    Meine Bemerkung, dass "die Hypothesen der Wissenschaft allemal spannender sind als die Mythen der Religion", ist doch lediglich eine Reaktion auf die religiöse Behauptung, dass die Naturwissenschaft mit ihrem Naturalismus und ihrem Reduktionismus die Welt "entzaubern" würde. Die Kosmologie ist doch in der Tat viel faszinierender als die biblische Schöpfungsgeschichte, wonach Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen hat und sich danach selbst Beifall zollte: "Und siehe, es ward alles gut."

  14. Edgar Dahl @ - Michael Blume
    08.03.2008 | 09:33

    "Oder es würde ein Bild gestellt "Imagine no atheism", mit einem Hintergrund eines Stalin-Gulags, darunter das übergroße Bild eines Glaubensverkünders."

    Ein solches Poster würde tatsächlich kaum Eindruck machen, weil jeder weiß, dass die Gulags ein Symbol für den Kommunismus, nicht aber für den Atheismus sind.

  15. Edgar Dahl @ - Michael Blume: Ein alter Hut
    08.03.2008 | 09:48

    "Nun ist das Argument, auch der Atheist sei ein Glaubender (er glaubt daran, dass es keinen Gott gibt - WISSEN kann er es nicht), ein alter Hut."

    Ich finde es trotzdem nach wie vor gut. Denn es markiert die beständige Notwendigkeit erkenntnistheoretischer Reflektion. Wer damit aufhört und das eigene Fundament nicht mehr hinterfragen kann, landet im (religiösen oder weltanschaulichen) Fundamentalismus. Also, danke für den "alten Hut", der ein Klassiker werden sollte!"

    Ich sehe nicht, was Sie diesem Argument abgewinnen können. Zu sagen, dass Atheisten letztlich genauso "glauben" wie Theisten (und daher epistemologisch auf derselben Stufe stehen), ist doch töricht. Wenn einer an das Monster von Loch Ness glaubt und der andere nicht, kann man doch schwerlich behaupten, dass die eine Überzeugung genauso vernünftig wie die andere sei. Wo wir auf Beweise verzichten müssen, bescheiden wir uns mit Plausibilität, indem wir prüfen, wer die besseren Argumente hat.

  16. Ingo Bading Jan Assmann
    08.03.2008 | 10:02

    Um die Debatte weniger polemisch werden zu lassen, könnte es vielleicht sinnvoll sein, zunächst den wichtigen Text von Jan Assmann zu studieren und zu diskutieren zum Thema "Die Mosaische Unterscheidung", nämlich gemeint: zwischen Wahr und Falsch. Sie ist, wie Jan Assmann ausführt, erstaunlicherweise zu ziemlich der gleichen Zeit entstanden, wie in Griechenland unsere heutige wissenschaftliche Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch entstanden ist.

    Also zur gleichen Zeit wie sich Mythos und Logos voneinander getrennt haben. Vorher gab es weder Wissenschaft in unserem heutigen Sinne noch auch "sekundäre Religionen" im Sinne von Jan Assmann und anderen (also vor allem monotheistische). Es muß doch ein tieferer Zusammenhang zwischen beiden Phänomenen bestehen. Ein Zusammenhang, der uns - offenbar - heute noch sehr heftig beschäftigt und der uns zu schaffen macht.

    Wahrscheinlich bedingt die eine Unterscheidung die anderen in einem dialektischen Prozeß. Das wird doch zunehmend unübersehbar. Und einen dialektischen Prozeß erkennen und verstehen wirkt - oft - versöhnend.

  17. Michael Blume @ Edgar
    10.03.2008 | 12:06

    "Von "Bekehren" kann ja keine Rede sein. In seinem Buch "bekehrt" er nicht zum Atheismus, sondern ARGUMENTIERT er für den Atheismus."

    Das sieht ein missionarischer Christ oder Muslim ganz genau so. Er argumentiert, um Dich zu öffnen, einzuladen - die eigentliche Bekehrung erfolgt aber dann als Geschenk Gottes. Wenn Dawkins als Naturwissenschaftler "argumentiert" hätte, dann hätte er empirische Daten, Studien, Experimente etc. liefern müssen. Da er seine Memetik bereits in den 70ern verkündete, habe ich meine Zweifel...

    "Wenn einer an das Monster von Loch Ness glaubt und der andere nicht, kann man doch schwerlich behaupten, dass die eine Überzeugung genauso vernünftig wie die andere sei. Wo wir auf Beweise verzichten müssen, bescheiden wir uns mit Plausibilität, indem wir prüfen, wer die besseren Argumente hat."

    Untereinander haben wir ja den Punkt inzwischen, wie ich finde gut, diskutiert. Das Monster von Loch Ness, Yetis oder die Russelsche Teekanne sind empirische Behauptungen, die sich entsprechend auch empirisch bestätigen oder widerlegen lassen. Auf jenseitige Akteure wie Ahnen, Götter und Gott trifft das nicht zu.

    Dass Gott ein plausibles Universum samt Hinweise auf Sich erschaffen haben "müsste", ist doch seit Douglas Adams widerlegt! (-; Vielleicht finden wir am Ende aller Wissenschaft tatsächlich die großen Antworten. Oder wir stoßen auf - 42.

    Aber selbst wenn wir Plausibilität als Kriterium auch letzter Wahrheiten anerkennen, stehen wir vor der Frage, ob (ggf. multiverser) Zufall und antropisches Prinzip plausibler sind als Gott. Ich bin da eher skeptisch.

    Und wenn schon nach Plausibilität (also Bewährung vor der Logik) gefragt wird, dann wäre es doch das Mindeste gewesen, auch nach der Apativität (als Bewährung vor der Evolution - die ja immerhin auch unsere Logik-Module hervorgebracht hat...) zu fragen. Immerhin verkündet doch Dawkins das Leben selbst als höchsten Zweck. Dann kann die Frage nach der Lebensdienlichkeit religiöser Veranlagungen doch nicht zweitrangig sein...

    Dir nochmal Danke für die tollen Diskussionen hier und am Wochenende auch im RL! Und nachdem ich ja nun zugesagt habe, auch einen Wissenslog zu machen, besteht ja auch kein Grund zur Klage mehr, hier käme Glauben nur negativ vor. (-:

  18. Lutz Islam
    10.03.2008 | 12:10

    Moin, moin!

    Ich finde es gefährlich und oberflächlich, wenn atheistische Europäer, zu denen auch ich mich zähle, speziell gegen das Christentum argumentieren und dabei den Islam unberücksichtigt lassen. Das ist so, als ob man die dicke Brummfliege aus dem Schlafzimmer treiben will, aber das Wespennest unter dem Bett ignoriert.

    Ich finde es schon richtig und wichtig manche Gefühle, z.B. religiöse Gefühle, unter einen besonderen Schutz zu stellen. Man würde sich doch auch nicht über den jüngst verstorbenen Vater seines Gesprächspartners lustig machen.

    Eine Religion muss aber bestimmte demokratische und menschenrechtliche Mindestanforderungen erfüllen, dass sie den Anspruch erheben kann, unter diesen besonderen Schutz zu fallen. Hier sind insbesondere zu nennen:
    1. Trennung von Kirche (bzw. Religion) und Staat
    2. Gleichberechtigung von Mann und Frau
    3. Jedes Mitglied hat das Recht die Religionsgemeinschaft zu verlassen und/oder einer anderen beizutreten
    4. Ächtung der Prügelstrafe und anderer erniedrigenden Strafen auch für Kinder
    5. Respektierung wissenschaftlicher Erkenntnisse

    Wenn ich in Deutschland mit Angehörigen der verschiedenen Religionen spreche, seien es Juden, Christen, Hindus, Buddhisten, Taoisten, Shintoisten oder Schamanisten (um nur die wichtigsten zu nennen), dann stimmen die allermeisten Menschen obigem Forderungskatalog zu. Eine Ausnahme bilden Moslems. Hier findet man nur selten Angehörige, die dem Forderungskatalog zustimmen. Man kann z.B. eher die Scientology Kirche verlassen als den Islam.

    Wir als Deutsche sind für alles verantwortlich, was auf deutschem Boden geschieht. Wir dürfen in Deutschland nicht vor dem Problem der Koranschulen die Augen verschließen. Die muslimische Beeinflussung und Erziehung ist sehr intensiv, so dass sich ihr nur ganz wenige Kinder zu entziehen vermögen. Es ist unsere moralische Pflicht dieses Problem zu erkennen und anzugehen, z.B. auch durch Verbreitung der Mohamed-Karikaturen und Limitierung der Öffnungszeiten von Koranschulen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Lutz

  19. Lutz zu hoch aufgehängt
    10.03.2008 | 12:18

    Moin, moin!

    Ich finde es nicht richtig, dass Religionskritik immer so hoch aufgehängt wird. Wer als Christ z.B. glaubt, dass sich die biblische Schöpfungsmythologie und die Evolution miteinander vereinbaren lassen, der muss auch beantworten, wie er die "chaotische Reihenfolge" gemäß der Schöpfungsmythologie erklären will. Dort wird z.B. behauptet, dass es länger höhere Pflanzen auf der Erde als im Wasser gibt, ja sogar länger als die Sonne und alle Himmelskörper existieren. Oder z.B. flugfähige Tiere entstehen eher als Landtiere?!

    mfg
    Lutz

  20. Michael Blume @ Lutz
    10.03.2008 | 16:35

    1. Jede Religion, auch der Islam, ist in Bewegung. Und alle von Ihnen genannten sechs Punkte haben auch christliche und atheistische Regime EKLATANT verletzt bzw. verletzen sie teilweise noch. Zu den Errungenschaften des freiheitlichen Rechtsstaats gehört nämlich, dass man einzelne Menschen nach ihren Handlungen beurteilt und nicht ihre Religionszugehörigkeit bzw. -losigkeit. Ich würde es ablehnen, Sie ob Kim Il Sungs (Nordkorea) in Sippenhaft zu nehmen und bitte darum, nicht umgekehrt Muslime pauschal (und unter Verkennung des Rechtsstaatsprinzips) für Missetaten anderer zu verdächtigen.

    2. Kreationisten werden Sie in den Sciblogs kaum finden. Und jede einigermaßen entwickelte Theologie (auch, aber nicht nur des Christentums) unterscheidet mythologische und wissenschaftliche Erzählungen. Wäre schön, wenn sich das herumspräche.

    F.A. von Hayek (Agnostiker, Sozialphilosoph und Nobelpreisträger) hat, was ich sehr schön fand, zwischen empirischen Wahrheiten und "symbolischen Wahrheiten" unterschieden. Symbolische Wahrheiten erfüllen eine Vielzahl von Funktionen - die von Ihnen erwähnte Schöpfungserzählung macht Glaubende u.a. auf die Schönheit und Vielfalt des Seins aufmerksam und trat (für die damalige Zeit spektakulär!) für die Erkenntnis ein, dass seit Adam und Eva alle Menschen miteinander verwandt sind. Das ist doch was, oder!? (-;

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