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Gottes Rache an Darwin

von Edgar Dahl, 12. Januar 2008, 13:36

Die Titelgeschichte „WARUM WIR GLAUBEN MÜSSEN“ der aktuellen Ausgabe von ZEIT-Wissen bietet einen sehr schönen und überaus anschaulichen Überblick zur Evolution der Religion.


Insofern es ausgerechnet die Biologie ist, die uns zeigt, warum Menschen einer Religion anhängen, hat den Autor Ulrich Schnabel zu der geistreichen Bemerkung veranlasst, dass dies Gottes späte Rache an Darwin sein könne.

Der Artikel erklärt die Entstehung der Religion aus den evolutionär gewachsenen Denkstrukturen unseres Gehirns. Unser kausal, teleologisch und empathisch denkendes Gehirn ist offenbar die Wiege der Religion. Unser angeborenes kausales Denken lässt uns hinter allem eine letzte Ursache vermuten. Unser angeborenes teleologisches Denken lässt uns hinter allem einen tieferen Zweck annehmen. Und unser angeborenes empathisches Denken lässt uns hinter allem eine bewusste Absicht wittern.

Obgleich die Beschreibung der Religion als „eine Art mentales Energiesparprogramm“ meinem mitunter etwas boshaften atheistischen Humor entgegenkommt, gibt es in dem Artikel doch einige Aussagen, die man meines Erachtens so nicht stehen lassen kann.

Der erste Kritikpunkt betrifft den vollkommen irreführenden Gebrauch des Wortes „glauben“. Was hat der Glaube an Gott mit „dem Glauben an die Wissenschaft“ gemein? Nichts! Was hat der Glaube an Esoterik mit „dem Glauben an den Markt“ gemein? Auch nichts! Was hat der Glaube an die Astrologie mit „dem Glauben an die Astronomie“ gemein? Ganz und gar nichts! Zwischen Astronomie und Astrologie liegen Welten. Die Zuversicht in die Zuverlässigkeit astronomischer Vorhersagen mit der Zuversicht in die Zuverlässigkeit astrologischer Vorhersagen zu vergleichen, ist schlichtweg unangemessen, wenn nicht sogar unverantwortlich.

Da die höchst eigenwillige Verwendung des Wortes „glauben“ ein überaus beliebter Taschespielertrick der Theologen ist, will ich noch einen Moment dabei verweilen. Theologen sagen mitunter: „Ich glaube an Gott. Sie glauben nicht an Gott. Letztlich glauben wir also beide!“ Dieses „Argument“ soll eine Patt-Situation suggerieren, die gar nicht vorliegt. Um sich dies klar zu machen, ersetze man das Wort „Gott“ nur einmal durch das Wort „Weihnachtsmann“. Ist der Glaube an die Existenz des Weihnachtsmanns genauso rational wie der Glaube an die Nichtexistenz des Weihnachtsmanns? Sicher nicht!

Der zweite Kritikpunkt betrifft die Implikationen der sogenannten „Neurotheologie“. Der zitierte Darwinist und Christ Justin Barrett sagt ganz recht, dass die Forschungsergebnisse zur Evolution der Religion die Existenz Gottes keineswegs widerlegen. Dass wir gezwungen sein mögen, an Gott zu glauben, beweist weder, dass es Gott gibt, noch dass es Gott nicht gibt. Diese Aussage ist vollkommen unproblematisch.

Problematisch ist dagegen seine Aussage: „Warum sollte Gott uns nicht gerade so formen, dass wir den Glauben an göttliche Wesen ganz natürlich finden?“ Warum ist diese Aussage buchstäblich „problematisch“? Nun, weil sie das Theodizee-Problem aufwirft, also die Frage, ob Gott angesichts des Bösen in der Welt wirklich gut sein kann. Wie könnte ein allmächtiger, allwissender und allgütiger Gott die Menschen an ganz unterschiedliche göttliche Wesen glauben lassen, wenn er doch wissen musste, dass sie im Namen ihrer Götter übereinander herfallen und ausrotten werden?

Der dritte und letzte Kritikpunkt betrifft den beständig wiederholten Vorwurf, Richard Dawkins sei nicht nur ein militanter, sondern sogar ein fundamentalistischer Atheist, weil er in seinem Buch „Der Gotteswahn“ einen überaus polemischen Ton anschlage. Zum Beleg wird, wie üblich, die Stelle zitiert, in der Dawkins den Gott des Alten Testaments als einen „frauenfeindlichen, homophoben, rassistischen, Kinder – und Völker mordenden Tyrannen“ bezeichnet.

Für den Leser, der den lieben Gott nur aus der sonntäglichen Messe kennt, mögen dies harte Worte sein, doch für denjenigen, der sich die Mühe gemacht hat, das Alte Testament einmal selbst zu lesen, ist dies bestenfalls eine bewusst einseitige, aber dennoch durchaus korrekte Beschreibung des hebräischen Gottes. Hier nur drei Stellen zum Beleg: In 3. Mose 20: 13, heißt es: “Wenn jemand beim Knaben schläft wie beim Weibe, die haben einen Greuel getan und sollen beide des Todes sterben. Ihr Blut sei auf ihnen.“ In 1. Samuel 15: 27 steht: „So spricht der HERR: Schlage Amalek und vollstrecke den Bann an ihm und allem was er hat; schone seiner nicht, sondern töte Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge.“ Und im Psalm 137: 9, heißt es schließlich sogar : „Wohl dem, der deine Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert.“

Hat Dawkins nun also recht oder unrecht?



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Kommentare

  1. Fischer Beides, würd ich sagen.
    12.01.2008 | 19:19

    Jesus wird ja im Christentum als Erlöser bezeichnet, und das stimmt insofern, dass er die Gläubigen von der dämonischen Kreatur erlöst hat, die der Gott des Alten Testaments augenscheinlich ist.

    Die extreme Inkonsistenz zwischen den Gottesbildern des Alten und Neuen Testaments ist vom Marketing-Gesichtspunkt her eine ziemlich clevere Sache: Man missioniert mit dem gütigen Gott Jesu und wenn man irgendjemandem den Schädel einschlagen will, holt man einfach die älteren Texte (und einen Hammer) aus der Schublade.

    Die Erfolgsgrundlage der monotheistischen Religion ist ja ihre moralische und weltanschauliche Beliebigkeit. Da ist für jeden was dabei, und niemand verlangt, dass das ganze konsistent ist. Als nicht-Gläubiger kann man da nur neidisch gucken...

    Da seh ich auch ein bisschen der Haken mit Dawkins Argumentation: Er geht a priori davon aus, dass jeder Mensch automatisch eine konsistente Weltanschauung hat, und dass Widersprüche ein Problem darstellen. Das ist aber ganz und gar nicht der Fall. So schlägt er den Christen einen Gott um die Ohren, an den die meisten von ihnen gar nicht glauben.

  2. Edgar Dahl @ - Fischer: Konsistenz
    12.01.2008 | 22:04

    Von Ludwig Feuerbach gibt es den schönen Ausspruch:

    "Der Theologie ist nur das Heilige wahr,
    der Philosophie ist nur das Wahre heilig."

    Ich bin mitunter versucht zu sagen, dass für die Philosophie nur eines "heilig" oder sagen wir besser: "unantastbar" ist - und das ist die KONSISTENZ.

    Aber Du magst recht haben, dass Konsistenzforderungen nicht jedermanns Sache sind.

    Da man in der DDR nicht Philosophie studieren konnte, habe ich stattdessen vier Semester Theologie studiert. Ich erinnere mich wie heute an unseren Exegeten, der im Seminar etwas zynisch, aber sichtlichh amüsiert von der Hostie als "gebackenen Heiland" und "mystischen Schnellimbiss" sprach. Wenige Minuten später stand er gesenkten Hauptes und die Hände zum Gebet gefaltet in der Andacht. Ich habe das nie verstehen können.

  3. Fischer Konsistenz...
    13.01.2008 | 01:05

    Das ist ja nicht nur in der Philosophie so. Ohne den impliziten Zwang zur Konsistenz ließe sich auch Naturwissenschaft gar nicht betreiben.

    Man muss sich halt immer ins Gedächtnis rufen, dass das eine antrainierte Sache ist. Menschen haben kein angeborenes Bedürfnis, Widersprüche aufzulösen.

    Die Trennung von Ritual und Glaubensinhalt Deines Exegeten scheint mir gar nicht mal inkonsistent zu sein - jeder der etwas von Religion versteht, weiß ja, dass da viel historischer Ballast dranhängt, der für die Sache selbst nicht entscheidend ist.

  4. Edgar Dahl Das Gottesbild des Alten Testaments
    13.01.2008 | 12:59

    Konsistenz ist in der Tat überall gefordert. Die Konsistenz gebietet aber auch, dass wir die Frage, ob Dawkins nun recht hat, nicht mit einem "jein", sondern mit einem klaren "ja" beantworten. Trägt der Gott des Alten Testaments die Züge, die Dawkins ihm unterstellt? Ja, wie die Zitate eindeutig belegen. Man kann daher nicht behaupten, wie Du es getan hast, dass Dawkins "den Christen einen Gott um die Ohren schlägt, an den die meisten von ihnen gar nicht glauben." Er hat schließlich nicht den Gott, an den die meisten Christen glauben, sondern ausschließlich den Gott des Alten Testaments kritisiert. Und das Alte Testament stellt Gott nun einmal so dar, wie Dawkins ihn beschrieben hat - als jemanden, der zur Tötung Homosexueller und zur Ausrottung ganzer Völker aufruft, ohne Rücksicht auf Frauen, Kinder oder Säuglinge. Dass einige Christen, wie etwa Eugen Drewermann, Gott für "die Kraft halten, die Schmetterlinge über Ozeane trägt", ist kein Einwand gegen Dawkins.

  5. Edgar Dahl Praktische Konsistenz
    13.01.2008 | 13:27

    Ja, mein alter Exeget war ein direkter Schüler von Rudolf Bultmann, der zur "Entmythologiesierung" des Christentums aufgerufen hatte. Im Zuge dieser Entmythologisierung sind meines Erachtens aber nicht nur überflüssige Glaubensinhalte wie die Mär von Jesu unbefleckter Empfängnis, sondern auch ganz elementare Glaubensinhalte wie die Gottessohnschaft und die Auferstehung Jesu geleugnet worden. Wenn man Jesus aber nicht mehr für den "Erlöser", sondern nur noch für einen schrecklich netten Kerl hält, macht es aber auch keinen Sinn mehr, sich in Andachten, in Predigten oder im heiligen Abendmahl an ihn zu wenden.

    Die moderne Theologie ist schizophren. Nach innen verkündet sie ein ganz anderes Gottesbild als nach außen. Nach innen wird a lá Dorothee Sölle ein "Atheistisch an Gott glauben" verkündet, nach außen dagegen immer noch die Geschichte vom alten Mann auf der Wolke mit dem weißen Rauschebart erzählt.

  6. Edgar Dahl Eine Frage
    13.01.2008 | 13:39

    "Menschen haben kein angeborenes Bedürfnis, Widersprüche aufzulösen."

    Ich bin mir da nicht sicher. Gibt es nicht Studien zur sogenannten "kognitiven Dissonanz", die zeigen, dass Menschen unter inneren Widersprüchen leiden und sie lösen suchen?

    Viellicht hat Michael Blume ja einen Link zu einem passenden Artikel parat!?

  7. Theophil Isegrim Expertenrunde
    13.01.2008 | 18:20

    Das ist ja eine richtige Expertenrunde hier. Wenn ich mir Fischers Kommentar durchlese kann ich nur zu einem Schluß kommen, er weiß nicht, wovon er redet. Stimmt aber einen Ton an, als kenne er sich bestens mit der Materie aus. Lernt man das nicht schon in Religionsunterricht, weshalb der Gott des AT ein anderer zu sein scheint als der Gott des NT?

    Wenn man nicht so bewandert ist, sollte man besser defensiver auftreten, sonst wirkt das Ganze sehr peinlich.

  8. Theophil Isegrim Glauben
    13.01.2008 | 18:25

    "Was hat der Glaube an Gott mit „dem Glauben an die Wissenschaft“ gemein? Nichts!"

    Objektiv betrachtet ist das so. Aber für manche Menschen ist Wissenschaft wie Religion. Alle Fragen der Menschheit soll die Wissenschaft beantworten. Sogar eine Hoffnung und ein Weiterleben nach dem Tod bietet für einige die Wissenschaft und das nimmt ganz klar religiöse Züge an. Manche mißbrauchen sogar die Wissenschaft und behaupten, die Wissenschaft macht Gott überflüssig. Daran sieht man am besten, daß es für einige eine Ersatzreligion ist.

  9. Theophil Isegrim Taschenspielertrick
    13.01.2008 | 18:38

    "Um sich dies klar zu machen, ersetze man das Wort „Gott“ nur einmal durch das Wort „Weihnachtsmann“. Ist der Glaube an die Existenz des Weihnachtsmanns genauso rational wie der Glaube an die Nichtexistenz des Weihnachtsmanns? Sicher nicht!"

    Ich weiß nicht, ob es so eine Weihnachtsmannsekte gibt, aber schreien Sie es doch mal in die Welt hinaus, "es gibt kein Weihnachtsmann". Was wird es für eine Reaktion geben? Keine? Lächeln? Widerspruch wird es bestimmt nicht geben. Denn es glaubt, wohl kaum ein erwachsener Mensch an den Weihnachtsmann. Warum glauben dann so viele an Gott? Weil es Fiktion ist wie der Weihnachtsmann? Oder gibt es zwischen Gott und Weihnachtsmann doch einen großen Unterschied? Ich habe auch noch nie jemand getroffen, der mir erzählte, er habe den Weihnachtsmann erfahren. Daß Menschen Gott erfahren haben, davon habe ich schon viele getroffen. Was nun? Sind die alle so naiv, wie die Kinder, die noch an den Weihnachtsmann glauben? Die einzig schlauen sind, die glauben, es gäbe Gott nicht?

  10. Theophil Isegrim zwecklos?
    13.01.2008 | 18:49

    "Nun, weil sie das Theodizee-Problem aufwirft, also die Frage, ob Gott angesichts des Bösen in der Welt wirklich gut sein kann. Wie könnte ein allmächtiger, allwissender und allgütiger Gott die Menschen an ganz unterschiedliche göttliche Wesen glauben lassen, wenn er doch wissen musste, dass sie im Namen ihrer Götter übereinander herfallen und ausrotten werden?"

    So eine ähnliche Fragestellung hatten wir schon. Aber welche Religionskriege waren den wirkliche Religionskriege und nicht nur der bloße Vorwand, um ums Land, Macht, Schätze, das Recht usw. Krieg zu führen? Wenn die Menschen Krieg führen wollen und die Religion dazu mißbrauchen, dann läßt Gott es zu, so wie er viele böse Taten der Menschheit zuläßt. Das ist der Preis des eigenen Willen, ob zum Guten oder zum Schlechten und das Thema hatten wir schon, da möchte ich mich nicht wiederholen.

  11. Theophil Isegrim kein Betreff
    13.01.2008 | 19:08

    "Hat Dawkins nun also recht oder unrecht?"

    Auf jeden Fall hat er keine Ahnung. Verschiedene Stellen mit verschiedenen Bedeutungen in einen Topf zu schmeißen, das zeugt von Unkenntnis.

    Mal grob gesagt, weshalb es im AT so drastische Strafen gibt. Da geht es um Sünde und die Strafen, die diese Taten von Gottes Perspektive aus verdient haben. Viele Straftaten wurden mit dem Tode bestraft und nicht nur die homosexuellen oder sexuelle Verfehlungen. Die Fragestellung ist aber eine andere. Kann der Mensch aus eigener Kraft gut leben, in einer friedlichen Gesellschaft? Das Böse wird dann einfach ausgerottet und die Todesstrafe sollte abschrecken. Hat es geklappt? Nein! Hat Gott sich geirrt? Nein! Ihm war es vorher schon klar. Wir Menschen sollen daran lernen. Hohe drakonische Strafen führen nicht zu einer gerechten, sündlosen Gesellschaft. Ich müßte jetzt eigentlich vom Heilsplan Gottes schreiben, der sich über Jahrhunderte hinweg an den Menschen vollzogen hat. Grob gesagt hat Gott dem Menschen mehrere Wege eröffnet ein sündloser Mensch zu werden. Es hat alles nicht geklappt. Es gab keine Rettung. Die Rettung kam dann durch Jesus Christus. Deshalb gibt es keinen Widerspruch von AT und NT, sondern das NT ist die Erfüllung des AT.

    Das Thema müßte ich viel tiefer behandeln und nicht so verkürzt, wahrscheinlich wird es kaum jemand verstehen, aber da hätte ich viel zu schreiben, doch ich weiß nicht, ob das nicht nur reine Zeitverschwendung ist.

  12. Hubert Schmoll „WARUM WIR GLAUBEN MÜSSEN“
    13.01.2008 | 19:47

    Der Autor hat recht; er könnte sich mit vielen weiteren Argumenten "glaub"haft machen, die bei Norbert Hoerster, Die Frage nach Gott, Becksche Reihe, ausführlich diskutiert sind: Kosmologie, Teleologie, Wunder, Moral, Sinngebung,Zulassung des Übels sind Themen, die Widersprüchlichkeiten zu Gott zugeschriebener Allmacht,Allwisenheit, Güte nachweisen.

  13. Edgar Dahl @ - Schmoll
    13.01.2008 | 20:46

    Schön zu wissen, dass es noch einen Bewunderer von Norbert Hoerster gibt. Ich habe unlängst einige Schläge für meine Dawkins' Rezension einstecken müssen, als ich behauptet hatte, dass Hoersters "Die Frage nach Gott" ein weit besseres Buch sei als Dawkins' "Der Gotteswahn".

  14. Edgar Dahl @ - Theophil Isegrim: Glaube an die Wissenschaft
    13.01.2008 | 21:02

    Ich kenne keinen vernünftigen Wissenschaftler, der je den Anspruch erhoben hätte, dass die Wissenschaft alle großen Fragen der Menschheit wird beantworten können. Soweit sie sie beantworten kann, sind ihre Antworten zudem nicht sonderlich tröstlich und kaum dazu angetan, zu einer Ersatzreligion werden zu können:

    „Der Alte Bund ist zerbrochen; der Mensch weiß endlich, dass er in der teilnahmslosen Unermesslichkeit des Universums allein ist, aus dem er zufällig hervortrat. Nicht nur sein Los, auch seine Pflicht steht nirgendwo geschrieben.

    Wenn er diese Botschaft in ihrer vollen Bedeutung aufnimmt, dann muss der Mensch endlich aus seinem tausendjährigen Traum erwachen und seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit erkennen. Er weiß nun, dass er seinen Platz wie ein Zigeuner am Rande des Universums hat, das für seine Musik taub ist und gleichgültig gegen seine Hoffnungen, Leiden oder Verbrechen.“ - Jacques Monod

    Auch wenn ich Monods Unterstellung, dass wir all dies nun "wissen" nicht teile, erscheinen mir seine Sätze doch als ein wunderschönes Credo für Atheisten.

  15. Edgar Dahl Widerspruch zwischen AT und NT?
    13.01.2008 | 22:18

    "Deshalb gibt es keinen Widerspruch von AT und NT, sondern das NT ist die Erfüllung des AT."

    Oder man kann natürlich auch sagen, dass das NT so konzipiert worden ist, dass es als die Erfüllung des AT erscheint - würden heute jedenfalls eine Vielzahl von Theologen behaupten.

  16. Edgar Dahl @ - Theophil Isegrim: Taschenspielertrick
    13.01.2008 | 22:38

    Sie haben natürlich recht. Ich hätte den Glauben an Gott nicht mit dem Glauben an den Weihnachtsmann vergleichen sollen. Für den Glauben an den Weihnachtsmann gibt es keinen einzigen guten Grund. Für den Glauben an Gott gibt es dagegen viele gute Gründe - aber leider keinen einzigen wirklich überzeugenden Grund. Selbst wenn wir die traditionellen "Gottesbeweise" akzeptieren würden, beweisen sie doch nicht den lieben Gott des Christentums, sondern bestenfalls eine erste Ursache oder einen unbewegten Beweger.

  17. Michael Blume Es freut mich...
    13.01.2008 | 23:26

    ...sehr, dass das Thema Biologie-Religion nun auch hier stattfindet. Wir hatten es ja im Bezug auf den empirisch messbaren, höheren Reproduktionserfolg religiös vergemeinschafteter Menschen auch schon hier diskutiert:

    http://www.wissenslogs.de/...o-logisch-erfolgreich

    Was mich nur immer wieder wundert ist die zwanghafte Vermischung empirisch-beschreibender und metaphysisch-wertender Kategorien.

    So widerlegt eine evolutionstheoretisch schlüssige Beschreibung der Religionsentwicklung Gottes Existenz ebensowenig wie umgekehrt der adaptive (bzw. exaptative) Erfolg von Religiosität ihn beweist. Logisch bleibt immer beides möglich, da es sich bei Gott (im Gegensatz zum Weihnachtsmann oder Marsmenschen) eben nicht um eine immanente, sondern um eine transzendente Existenz handelt. Und die ist empirisch ebensowenig einholbar wie das Theodizee-Problem ein grundsätzliches Problem für Glaubende darstellen muss. Für Millionen von Gläubigen ist es das schon deswegen nicht, weil sie ihrem eigenen Erkenntnisapparat ohnehin nicht zuschreiben, alles verstehen zu können und also in einer Haltung des Vertrauens bleiben. Biologisch -wie gesagt- nachweisbar erfolgreich.

    Ich freue mich also auf den Tag, an dem nicht mehr ständig die wissenschaftliche Beschreibung und die (letztlich persönlich-biografische) Bewertung von Religiosität vermischt werden...

  18. Michael Blume In diesem Zusammenhang...
    13.01.2008 | 23:39

    ...möchte ich außerdem anmerken, dass hier auch der Titel "Gottes Rache an Darwin" einen Gegensatz aufspannt, der so nicht existiert.

    Darwin startete als gläubiger Christ und hatte gegen Ende seines Lebens massive Glaubenszweifel. Er starb wahrscheinlich als Agnostiker, also als jemand, der die Existenzfrage Gottes offenläßt, hatte aber auch zeitlebens daran festgehalten, dass sich die Evolutionstheorie sehr wohl mit einem Theismus (Gottesglauben) vereinbaren lasse.

    Und der zu Unrecht fast völlig vergessene Mitentdecker der Evolutionstheorie, Alfred Russel Wallace, blieb übrigens Zeit seines Lebens gläubiger Christ.

    Und wenn es Gott geben sollte, sieht er womöglich keinerlei Grund, sich an Darwin "zu rächen" - genau zu dem Thema hat übrigens u.a. Wolfgang Achtner augenzwinkernd gepredigt, und einen namhaften Predigtpreis gewonnen, hier: http://www.predigtpreis.de/...ten2005/achtner.html

    Und auch umgekehrt: die Nichtexistenz Gottes würde eine tätige Rache wohl ausschließen...

    Dass heute sowohl religiöse wie atheistische Fundamentalisten wieder alles versuchen, um Religionsgemeinschaften und Wissenschaft gegeneinander in Stellung zu bringen, müssten vernünftige Menschen eigentlich nicht mitspielen. Aber klar, wir wissen: reißerische Titel ziehen halt besser als differenzierte Überlegungen... (-;

  19. Edgar Dahl @ - Michael Blume
    14.01.2008 | 00:03

    Auf die Gefahr, mich des Egozentrismus schuldig zu machen: Gegen wen ist Ihre Kritk eigentlich gerichtet? Gegen mich kann Sie schwerlich nicht gerichtet sein. Ich habe sowohl erklärt, wie es zu dem reißerischen Titel gekommen ist, als auch zugestanden, dass eine lückenlose Evolution der Religion weder ein Argument für noch gegen die Existenz Gottes wäre.

  20. Edgar Dahl Evolution und Kreation
    14.01.2008 | 00:17

    Soweit ich sehe, behauptet kein vernünftiger Mensch, dass sich Evolution und Kreation oder Biologie und Theologie ausschließen. Was man mit einer Ursache erklären kann, kann man allemal auch mit zwei Ursachen erklären. Wenn überhaupt, dann macht die Evolution die Kreation lediglich überflüssig. Ein guter Wissenschaftstheoretiker würde daher keinen Grund sehen, Gott in seine Gleichungen miteinzubeziehen.

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