Der Hansen-Faktor
James Hansen ist Leiter des NASA-Klimaforschungsinstituts in New York und einer der prominentesten amerikanischen Klimatologen. Im Sommer 1988 erregte er Aufsehen, als er vor dem US-Kongress drei Szenarien der künftigen Klimaerwärmung präsentierte. Zwanzig Jahre später wissen wir: Hansen hatte damals Recht. Das mittlere Szenario B, von ihm damals als das plausibelste Szenario bezeichnet, trat ein (siehe Diskussion hier).
Nun hat Hansen mit einer neuen Arbeit international ein breites Medienecho ausgelöst – u.a. Guardian, FAZ und taz berichteten, die taz druckte dazu auch ein Interview mit mir, und auch aus der Politik erreichten mich Anfragen dazu. Zu den Koautoren von Hansen bei dieser Studie gehören einige der führenden Paläoklimatologen, wie Jim Zachos von der University of California und Valerie Masson-Delmotte vom Institut Pierre Simon Laplace bei Paris, denen wir wichtige Erkenntnisse über die Klimaentwicklung in der Erdgeschichte verdanken. Daten über diese früheren, natürlichen Klimaveränderungen sind es denn auch, auf denen die Analyse von Hansen und Kollegen beruht. Die wichtigste Folgerung der Autoren lautet, dass die CO2-Konzentration unterhalb von 350 ppm stabilisiert werden muss, um unsere Erde in einem Zustand zu erhalten, „der dem ähnelt, auf dem die Zivilisation sich entwickelte und an den das Leben auf der Erde angepasst ist“. Das ist insofern radikal, als 350 ppm deutlich unterhalb der heutigen CO2-Konzentration liegt, denn der Mensch hat diese bereits von 280 auf derzeit 385 ppm erhöht.
Die Klimasensitivität
Dabei machen sich Hansen et al. ein einfaches Prinzip zu nutze: kennt man den Antrieb früherer Klimaveränderungen (konkret ist das die Veränderung in der Strahlungsbilanz der Erde, gemessen in Watt pro Quadratmeter) sowie die Reaktion des Klimasystems darauf (v.a. die globale Temperaturänderung), dann kann man daraus die Empfindlichkeit des Klimasystems ableiten. Wir nennen dies die „Klimasensitivität“ – genau diese Zahl muss man kennen, um die Reaktion des Klimas auf unsere CO2-Emissionen zu berechnen. (Diese Konzepte werden z.B. in unserem Büchlein „Der Klimawandel“ näher erklärt.) Je empfindlicher das Klimasystem in der Vergangenheit reagiert hat, je heftiger also frühere Klimaveränderungen wie die großen Eiszeiten gewesen sind, desto stärker wird auch die globale Erwärmung ausfallen.
Abschätzungen der Klimasensitivität aus paläoklimatologischen Daten hat es bereits früher gegeben, u.a. aus meiner Arbeitsgruppe am Potsdam-Institut (siehe Studie und PM vom August 2006), und diese sind auch in den letzten IPCC-Bericht eingeflossen. Seit den 1970er Jahren gilt eine globale Erwärmung von 3 ºC bei CO2-Verdopplung als wahrscheinlichster Wert der Klimasensitivität; der neue IPCC-Bericht gibt den Unsicherheitsbereich mit 2 – 4,5 ºC an. Über die bis hierher gesagten Dinge besteht weitgehend Konsens unter Klimatologen.
Neu und kontrovers
Substanziell neu und sicher kontrovers sind zwei Dinge an der Arbeit von Hansen et al.
1. Hansen et al. versuchen aus der Erdgeschichte abzuleiten, bei welcher CO2-Konzentration die Kontinentaleismassen verschwinden. In den letzten 65 Millionen Jahren, also in der Erdneuzeit (Känozoikum), ist die CO2-Konzentration aus natürlichen Gründen (Plattentektonik – auch dies ist in unserem Buch erläutert) langsam abgesunken. Dabei hat das Klima sich immer weiter abgekühlt, bis vor 34 Millionen Jahren die Vereisung begann, zunächst in der Antarktis. Hansen et al argumentieren, dass die Vereisung bei einer CO2-Konzentration zwischen 350 und 500 ppm einsetzte. Auf dieser Basis kommen sie zu dem Schluss, dass eine CO2-Konzentration über 350 ppm die Gefahr birgt, dass die Eismassen abtauen und damit der Meeresspiegel um bis zu 70 Meter ansteigt.
Ich halte diese Abschätzung aus folgendem Grund für fragwürdig. Sie setzt voraus, dass in einem sich abkühlenden Klima die Eismassen bei der gleichen kritischen CO2-Menge zu wachsen beginnen, wie sie in einem sich erwärmenden Klima dann wieder verschwinden. Diese Annahme ist jedoch wahrscheinlich falsch, und zwar aufgrund der Eis-Albedo Rückkopplung. Dadurch stabilisieren Eismassen sich gewissermaßen selbst, indem sie Sonnenstrahlung reflektieren und das Klima abkühlen. Man muss das Klima deshalb stärker aufheizen, um sie wieder loszuwerden. Physiker nennen dieses Verhalten „Hysterese“. Im Grundsatz ist dies für Eismassen seit Jahrzehnten bekannt; eine Untersuchung dieses Hysterese-Verhaltens in unserem Klimamodell haben meine PIK-Kollegen Reinhard Calov und Andrey Ganopolski 2005 publiziert. Die Schwelle zum Abtauen des Eises verschiebt sich dadurch zu deutlich höheren CO2-Werten. Dem entgegen muss man allerdings bedenken, dass ja nicht nur ein völliges Abtauen der Eismassen für die Menschen katastrophale Folgen hätte. Schon ein Eisverlust von 5% würde den Meeresspiegel um über 3 Meter steigen lassen. Die von Hansen et al. untersuchten Paläodaten liefern leider keine Auskunft darüber, bei welchem CO2-Gehalt eine solche 5%-Schrumpfung der Eisschilde zu erwarten wäre.
2. Hansen und Kollegen definieren eine neue Art von Klimasensitivität – nennen wir sie zur Unterscheidung die „Erdsystem-Sensitivität“. Sie unterscheidet sich dadurch von der herkömmlichen Klimasensitivität, dass sie einige sehr langsam wirkende Rückkopplungen einbezieht, die normalerweise in der Klimasensitivität nicht enthalten sind. Insbesondere sind dies Rückkopplungen durch die Veränderungen der Kontinentaleismassen, der Landvegetation und durch klimatisch bedingte Freisetzung von Treibhausgasen wie CO2 und Methan (also nicht direkte menschliche Emissionen). Hansen et al. gehen davon aus, dass diese Rückkopplungen den Klimawandel noch verstärken – dem kann ich zustimmen, denn jeder einzelne dieser Feedbacks ist sehr wahrscheinlich verstärkend. Nicht folgen kann ich jedoch Hansen et al. bei dem Versuch, diese Erdsystemsensitivität aufgrund von Eisbohrkerndaten aus der Antarktis zu quantifizieren – sie kommen auf ein Ergebnis von 6 ºC für CO2-Verdoppelung, also das Doppelte der herkömmlichen Klimasensitivität. Diese Abschätzung hat jedoch eine grundlegende Schwäche. Denn bei der Analyse wird das Wachsen und Schrumpfen der Kontinentaleismassen während der Eiszeitzyklen als verstärkende Rückkopplung auf die CO2-Veränderungen aufgefasst. Wir wissen jedoch, dass diese Vereisungen direkt durch Veränderungen in der Erdbahn und die damit verbundene starke Veränderung der saisonalen Sonneneinstrahlung ausgelöst wurden (die Milankowitsch-Zyklen – sorry, wenn ich auch hier für Näheres auf unser Buch verweise). Damit wird diese Rückkopplung von Hansen et al. zwangsläufig stark überschätzt.
Fazit
Die neue Hansen-Arbeit bringt viele richtige und bedenkenswerte Argumente vor. Zu Recht lenkt sie den Blick darauf, dass die Erdgeschichte für ein instabiles Klimasystem spricht, das auf Störungen heftig reagiert. Diese Argumentation stützt auch der IPCC-Bericht, der ein 65-seitiges Kapitel zu den natürlichen Klimaveränderungen der Erdgeschichte enthält (disclosure: ich bin einer der Autoren dieses Kapitels). Bei den Diskussionen innerhalb des IPCC gab es tatsächlich eine gewisse Spannung zwischen den Paläoklimatologen und den „Zukunftsmodellierern“ (IPCC-Kapitel 10), weil erstere die Folgen unserer Treibhausgasemissionen eher noch pessimistischer einschätzen – zum Beispiel in der viel diskutierten Meeresspiegelfrage. Während ich also qualitativ Hansens Argumentation teile, halte ich seine quantitativen Abschätzungen aus den oben genannten Gründen für nicht überzeugend.
Regelrecht falsch waren einige der Medienberichte. Der Guardian zitierte Hansen mit der Aussage, das EU-Ziel von einer CO2-Stabilisierung bei 550 ppm sei viel zu lasch und müsse radikal revidiert werden. Dies ist insofern falsch, als die EU überhaupt kein 550-ppm Ziel verfolgt. Das übergeordnete EU-Ziel ist die Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal 2 ºC. Dabei ist den maßgeblichen EU-Politikern völlig klar, dass dazu eine Stabilisierung der Treibhausgase deutlich unterhalb von 450 ppm CO2-äquivalent nötig ist – das steht im IPCC-Bericht, und daran orientiert sich ja auch die EU-Politik, den Ausstoß von Treibhausgasen global bis 2050 mindestens zu halbieren und in Europa sogar um 80% zu reduzieren. Hansens 350 ppm beziehen sich auf CO2 alleine – die maximal 450 ppm der EU dagegen auf alle Treibhausgase zusammengerechnet und als CO2-äquivalent angegeben. Diese Werte liegen daher gar nicht weit auseinander. Das sieht man auch daran, dass Hansen die Begrenzung der weiteren Erwärmung (ab heute) auf 1 ºC für notwendig hält – 1 Grad ab heute sind aber 1,7 oder 1,8 Grad über der vorindustriellen Temperatur, sehr ähnlich dem 2-Grad-Limit der EU. Der IPCC-Bericht sagt dazu (WG3, Tabelle SPM 5), dass eine Stabilisierung bei 350-400 ppm CO2, entsprechend 445-490 ppm CO2-äquivalent, zu einer Erwärmung um 2,0- 2,4 ºC führen würde (über das vorindustrielle Niveau). Damit unterscheiden sich Hansens Zahlen nur wenig von denen des IPCC und den Zielen der EU. Einen Frontalangriff auf den IPCC stellen sie jedenfalls nicht dar, wie es von einigen Journalisten interpretiert wurde.
Damit gibt diese neue Arbeit auch keinen Anlass zu einem radikalen Umdenken in der EU-Klimapolitik. Diese Politik hat m.E. die richtigen Ziele – allerdings müssen sie auch konsequent umgesetzt werden.
p.s. Zwei aktuelle Kurzmeldungen:
Die NOAA hat bekannt gegeben, dass der März 2008 über den Landgebieten der Erde der wärmste März seit Beginn der Aufzeichnungen vor 129 Jahren gewesen ist.
Unser englisch-sprachiges Schwesterblog realclimate ist von TIME Magazine unter die 15 besten Klima- und Umweltsites gewählt worden.
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"Es gibt unzählige Messergebnisse und Proxydaten "aus aller Welt", die belegen, dass es in der MPW global nicht wärmer war als heute..., gebietsweise sogar deutlich kühler..."
Würden Sie mir die Proxydaten und die Messorte dazu nennen?
Meine Ausage war, dass die MWP und das Optimum der Römerzeit vergleichbar mit der heutigen Warmzeit sind und das Optimum des Holozäns (vor. ca. 5000 Jahren) deutlich wärmer war. Damit meine ich global. Das zeigen nicht nur die Bohrlochdaten, sondern auch Funde unter den zurückweichenden Gletschern z.B. in den Alpen und in den Anden.
Das sage ich als Geowissenschaftler, aufgrund meiner Arbeit in dem Bereich.
Ich zitiere aus einer Publikation von Urs Neu:
"Allerdings fanden diese Warmperioden an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten statt. An anderen Orten war es gleichzeitig relativ kalt. Die Übersichtsstudien zeigen, dass es sehr unwahrscheinlich ist, das es im Mittel der Nordhemisphäre im Mittelalter wärmer war als heute:
Bradley R., 2000: 1000 Years of Climate Change. Science, 288, 1353-1354.
Briffa K.R., T.J. Osborn, F.H. Schweingruber, I.C. Harris, P.D. Jones, S.G. Shiyatov, E.A. Vaganov, 2001: Low-frequency temperature variations from a northern tree ring density network. J. Geophys. Res., 106, 2929–2941.
..."
- Bitte keine ellenlangen Listen per copy/paste einfügen. Ein einfacher Verweis auf die Publikation von Urs Neu tut's auch. Danke.
Die Redaktion -
Ich bezweifle, dass Sie die Veröffentlichungen gelesen haben. Sie wurden aus diesem Beitrag von Urs Neu kopiert.
http://www.readers-edition.de/...eplik-von-eg-beck
Es werden von allem Veröffentlichungen von Mann, … zitiert. Unzuverlässige Baumringdaten, nur von der NH, wurden idR als Proxy verwendet.
Was soll diese Polemik?
Ich habe gesagt, dass ich Urs Neu zitiert habe. Urs Neu ist Mitarbeiter der schweizer Akademie der Wissenschaften:
Dr. Urs Neu
ProClim-, Forum for Climate and Global Change, Swiss Academy of Sciences
Schwarztorstr. 9
CH-3007 Bern
@ Redaktion
Sorry für den langen Anhang aber ich hatte keinen Link und keine Publikationsquelle. Ich habe den Beitrag als Datei auf meiner Festplatte abgespeichert.
@ Wokrab
Ich weiss nicht was es mit "Strohmannkloppen" zu tun hat, wenn man den Wissenschaftler eines klimatologischen Fachinstitutes zitiert. Was sollen diese persönlichen Angriffe? Äussere Dich konkret zu den benannten Quellen.
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rahmstorf,
selbstverständlich handelt es sich bei den gezeigten Graphiken um die bei Klimatologen „bestens bekannten Sonnenkurven“, deshalb habe ich diese ja auch eingestellt, um mit Ihnen eine gemeinsame Basis zu finden, die wir auch nun haben! Auf der Graphik des Standford-Solar Center ist deutlich erkennbar, dass die Sonnenaktivität ihr größtes Maximum im 20. Jahrhundert um 1960 und nicht, wie von Ihnen dargelegt, um 1940 hatte – Punkt 1! Die zweite Kurve (mit einer größeren Glättung) zeigt indes einen weiteren Anstieg am Ende des 20. Jahrhunderts.
Die Sonnenaktivitäts-Kurve, aus der der 11-jährigen Schwabe-Zyklus zu entnehmen ist, geht bis in das Jahr 1850 zurück (Ende der „Kleinen Eiszeit“, sie ist die kälteste Klimaperiode der letzten 2.000 Jahre, in der z.B. die Gletscher an Größe enorm zunahmen) und reicht bis ins Jahr 2007. Es ist dieser Kurve bei genauem Hinsehen daher noch mehr zu entnehmen.
Punkt 2:
Anfang der 1980- und 1990-Jahre waren die zweit- und drittstärksten Sonnenzyklen im Betrachtungszeitraum, d.h. die Sonne war seit den 1950-Jahren, mit einer Ausnahme in den 1970-Jahren ungewöhnlich aktiv. Siehe hierzu auch die Pressenmitteilung der Max-Planck-Gesellschaft vom 27. Oktober 2004: „Sonne seit über 8.000 Jahren nicht mehr so aktiv wie heute“ (http://www.mpg.de/...mitteilung20041026/index.html). Das Klimasystem Erde bekam unmittelbar hintereinander (in den 1980- und 1990-Jahren) zwei starke Energieschübe von der Sonne, die sich auf Grund der erwähnten Temperaturträgheit von 3-4 Jahren (http://scienceandpublicpolicy.org/...ceedings.html) erst verspätet bemerkbar machte und auch nicht mehr auf das vorherigen Maß zurückregeln konnte. Die letztgenannte Graphik zeigt, dass sich mit Beginn des erneuten Ansteigens der Sonnenaktivität Anfangs der 1990-Jahre die Temperaturanomalien nach dieser Kurve erst auf ca. 2/3 ihres vorherigen Wertes zurück regelten, um von dort weiter zu steigen. Der Energieschub der Sonne im 23. Zyklus (um das Jahr 2000) war im Betrachtungszeitraum immer noch der sechst stärkste der 15 abgebildeten Zyklen.
Zum Abschluss ist noch festzuhalten, dass bei den Energiezyklen der Sonne, meist nur der Anteil betrachtet wird, der die Erdoberfläche erreicht, also der infrarote-, sichtbare- und langwellige (>300 nm) Ultraviolett-Anteil. Teilweise wird sogar nur der sichtbare Anteil betrachtet, was gänzlich ohne wissenschaftliche Aussage ist. Laut GOETZBERGER & WITTWER 1989 verteilt sich die Energie, die die Erdoberfläche erreicht wie folgt: 3% Ultraviolett-, 44% sichtbarer- und 53% Infrarot-Bereich. Mit zunehmender Höhe verschiebt sich dies in den kurzwelligeren Energiebereich, der bei den Energiezyklen meist ungeachtet bleibt, d.h. in Höhen, in der sich das Wetter bildet, in der Tropos- und Stratosphäre geben die Energiekurven nicht den tatsächlich, von der Sonne emittierten und dort wirksamen Energieverlauf wider. Was ist hieraus zu lernen? Wir kennen nicht einmal den in den Wetterschichten wirksamen Energieanteil der Sonne, behaupten aber keck, die Sonne sei nicht verantwortlich für die Erwärmung im ausgehenden 20. Jahrhundert. Ich hoffe, Ihr Rätsel bzgl. der 3-4 jährigen Verzögerung und dem vermeintlichen linearen Temperaturanstieg der letzten 30 Jahre etwas gelöst zu haben. Viele Grüße RL.
[Antwort: Wenn ein Wissenschaftler davon redet, ob etwas in einem bestimmten Zeitraum zu- oder abgenommen hat, meint er üblicherweise den (linearen) Trend über diesen Zeitraum - und nicht, wann zwischenzeitlich einmal ein Peak erreicht wurde. Wenn Sie die o.g. Sonnenkurve nehmen und den Trend von 1940 bis heute ausrechnen, zeigt der nach oben oder unten? Das ist die relevante Größe bei der Frage, ob die Sonnenaktivität in diesem Zeitraum insgesamt eine Erwärmung oder Abkühlung verursacht hat. Ein besonders großes Maximum um 1960, wie von Ihnen oben zitiert, könnte höchstens besonders warme Temperaturen um 1960 und noch ein paar Jahre darauf erklären. Wenn die Sonne um 1960 am heißesten war - wieso sind die globalen Temperaturen heute etwa ein halbes Grad wärmer als in den 1960er Jahren? S.R.]
"Wenn die Sonne um 1960 am heißesten war - wieso sind die globalen Temperaturen heute etwa ein halbes Grad wärmer als in den 1960er Jahren? S.R."
Wie wäre es mit den Aerosolen? Siehe z.B. hier:
Von der globalen Verdunklung zur globalen Erleuchtung
Stärkere Erwärmung durch weniger Luftverschmutzung
@Raimund Leistenschneider
Die Sonnenaktivität ist eben nicht nur an den Sonnenflecken zu messemn, sondern es wirken sich auch Sonnenwind, Protonenströme und Magnetfelder etc auf die Erde aus.
Selbst in einer anhand Sonnenflecken evtl. sogar schwach aktiven Sonne können diese Aktivitäten sich stark auf das Klima auswirken. Ich hatte das hier schon einmal teilweise zitiert, deswegen soll jetzt hier ein Link genügen:
http://www.wissenslogs.de/...r/page/1#comment-2749
wobei der in dem zitierten ersten Abschnitt es nicht 22. sondern 23. Periode heißen müßte, wie es in anderen Veröffentlichungen auch steht.
Das kosmische Strahlen einen Einfluß auf die Wolkenbildung hat läßt sich, denke ich für das Jahr 2003 anhand der gemessenen Anomalien der in Moskau gemessenen Strahlung nachvollziehen, dazu auch die Gegenüberstellung der Gloablstrahlung in DE un die Bedeckung in DE, aus der Säkularstation des PIK:
http://www.wissenslogs.de/.../page/10#comment-2552
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rahmstorf, hier geht es nicht darum, ob „zwischenzeitlich einmal ein Peak“ auftrat, oder um die Definition, wie aus Ihrer Sicht ein Wissenschaftler üblicherweise einen Trend angibt (wie Wissenschaftler einen Trend angeben, ist dem unteren Graph in der Abbildung des Standfort Solar Center zu entnehmen: (http://solar-center.stanford.edu/...glob-warm.html), sondern darum, dem interessierten Leser reale Fakten, oder willkürlich festgelegte Zeiträume und Startpunkte zu präsentieren, mit dazu noch frei wählbaren mathematischen Glättungsintervallen, die falsche Schlussfolgerungen nach sich ziehen, nämlich, dass seit 1940 die Sonnenaktivität nicht zugenommen hat. Da ich neben meiner eigentlichen Tätigkeit, auch als Gutachter „unterwegs“ bin, betrachte ich Formulierungen und die deutsche Sprache auch unter juristischen Gesichtspunkten (eine Relativität ist hier nicht gegeben!). Weiter handelt es sich nicht um einen Peak (seit 1940), sondern, um drei auf das Jahr 1940 nachfolgende Sonnenzyklen, die alle kontinuierlich nach oben zeigen – der lineare Trend also bis zum Jahr 1960 steigend ist, was auch die geglättete Kurve in der obigen Abbildung zeigt. Jeder Einzelzyklus weist dabei eine Vielzahl von Peaks auf. Die folgende Abbildung des Weltstrahlungszentrums Davos zeigt den Unterschied von einem Zyklus und einem Peak: (http://www.pmodwrc.ch/...i/composite/SolarConstant)
Die Aussage, die Temperaturen seien heute ca. 0,5°C höher als 1960 ist eine Aussage, die alles andere als gesichert ist, wie die folgende Graphik der „INQUA“ für die nördliche Hemisphäre zeigt: (http://www.inqua.tcd.ie/about.html). Sie ist praktisch kongruent mit der Sonnenaktivitätskurve des Standfort Solar Center. Anmerkung: Nach Angaben der Klimatologen und auch des IPCC sei die Erwärmung auf der Nordhalbkugel auf Grund der größeren Landmassen stärker ausgeprägt als auf der Südhalbkugel, was sich demnach in einer stärkeren Korrelation zu den „Energielieferanten“ (Sonne) bemerkbar macht!
Die Abbildung der INQUA zeigt deutlich noch einen anderen Fakt, der auch schon von mir erwähnt wurde, dass mit mathematisch geglätteten Kurven so ziemlich alles dargestellt werden kann, was der Verfasser beweisen möchte. Betrachten wir neben der bereits behandelten 20-Jahres-Glättung, die 100-Jahres-Glättung der Temperatur, so zeigt diese rasant nach oben, was mit den tatsächlichen Temperaturwerten nicht übereinstimmt! Fakt ist, je kleiner der Glättungszeitraum gewählt wird, umso exakter gibt die Kurve die tatsächlichen Temperaturwerte wider.
Wie gemittelte, gemessene Thermometertemperaturen sich ändern, ohne dass sich dabei deren physikalischer Wert ändert, habe ich Ihnen im Blog „Ist die Erderwärmung vorbei?“ am Beispiel des DWD für die Durchschnitttemperaturen in Deutschland aufgezeigt. Man braucht dazu „nur“ die Anzahl, Gewichtung und Zeitpunkte der Messungen zu verändern (http://www.dwd.de/...swerte__node.html__nnn%3Dtrue).
Es gibt noch eine weitere Ursache (neben den bereits geschilderten starken Sonnenzyklen 21, 22 und 23), der die (durch Satelliten- und Ballonmessungen bestätigte) leichte Erwärmung im ausgehenden 20. Jahrhundert erklärt. Stimmen die Angaben der Oxford University Press (http://www.geographie-diplom.de/...isch/klima3.htm), so ist ein Antrieb der Temperaturen im sich ändernden Magnetfeld der Erde zu suchen (Punkt 3.2.4 im obigem Link „…wärmere Temperaturen wenn die Intensität gering ist“). Ein Blick in Spektrum der Wissenschaft 09/05, S.64 zeigt, dass gegenwärtig die Fluktuationen im Erdmagnetfeld hoch sind, seine Intensität abgenommen hat (Anmerkung: In den letzten 150 Jahren um ca. 10%) und die kontinuierlich zunehmenden Flussanomalien eine (überfällige) Flussumkehr andeuten. Besonders im Zeitraum von 1980 bis 2000 sind markante Flussumkehrungen, die die Schwächung des (äußeren) Magnetflusses bewirken, zu verzeichnen. Viele Grüße RL.
Spannende Rezension!
Da hier auch die IPCC-Berichte zitiert wurden, ein Hinweis für alle, die zumindest die Zusammenfassung (sumary for policymakers" der IPCC-Berichte in Deutsch lesen wollen, sozusagen die "amtliche" Übersetzung:
http://www.bmu.de/...tscheidungstraeger_gesamt.pdf
Ein Artikel zum "genießen":
http://www.zeit.de/...08/19/klima-erwaermung-pause
#Der Grund für diesen Wandel der Klimavorhersage: Bisher wurden nie die jeweils aktuellsten Temperatur-Messwerte für den Start-Zeitpunkt der Modellberechnungen verwendet. Die Forscher steckten lediglich langjährige Temperatur-Mittelwerte als Anfangsbedingungen in ihre Weltmodelle des Klimas und ließen sie damit loslaufen. Das Ergebnis war stets nur mäßig präzise: Ungefähre Prognosen für die nächsten 30 bis 40 Jahre waren möglich, jedoch keine kurzfristigen Vorhersagen für die nächsten Jahre.#
Bis jetzt hörte man mehr oder weniger unisono aus Klimafoschungskreisen, wie toll die Modelle sein, und wie präzise....
Dieses Thema hat sich dann ja wohl erledigt.