Der Hansen-Faktor
James Hansen ist Leiter des NASA-Klimaforschungsinstituts in New York und einer der prominentesten amerikanischen Klimatologen. Im Sommer 1988 erregte er Aufsehen, als er vor dem US-Kongress drei Szenarien der künftigen Klimaerwärmung präsentierte. Zwanzig Jahre später wissen wir: Hansen hatte damals Recht. Das mittlere Szenario B, von ihm damals als das plausibelste Szenario bezeichnet, trat ein (siehe Diskussion hier).
Nun hat Hansen mit einer neuen Arbeit international ein breites Medienecho ausgelöst – u.a. Guardian, FAZ und taz berichteten, die taz druckte dazu auch ein Interview mit mir, und auch aus der Politik erreichten mich Anfragen dazu. Zu den Koautoren von Hansen bei dieser Studie gehören einige der führenden Paläoklimatologen, wie Jim Zachos von der University of California und Valerie Masson-Delmotte vom Institut Pierre Simon Laplace bei Paris, denen wir wichtige Erkenntnisse über die Klimaentwicklung in der Erdgeschichte verdanken. Daten über diese früheren, natürlichen Klimaveränderungen sind es denn auch, auf denen die Analyse von Hansen und Kollegen beruht. Die wichtigste Folgerung der Autoren lautet, dass die CO2-Konzentration unterhalb von 350 ppm stabilisiert werden muss, um unsere Erde in einem Zustand zu erhalten, „der dem ähnelt, auf dem die Zivilisation sich entwickelte und an den das Leben auf der Erde angepasst ist“. Das ist insofern radikal, als 350 ppm deutlich unterhalb der heutigen CO2-Konzentration liegt, denn der Mensch hat diese bereits von 280 auf derzeit 385 ppm erhöht.
Die Klimasensitivität
Dabei machen sich Hansen et al. ein einfaches Prinzip zu nutze: kennt man den Antrieb früherer Klimaveränderungen (konkret ist das die Veränderung in der Strahlungsbilanz der Erde, gemessen in Watt pro Quadratmeter) sowie die Reaktion des Klimasystems darauf (v.a. die globale Temperaturänderung), dann kann man daraus die Empfindlichkeit des Klimasystems ableiten. Wir nennen dies die „Klimasensitivität“ – genau diese Zahl muss man kennen, um die Reaktion des Klimas auf unsere CO2-Emissionen zu berechnen. (Diese Konzepte werden z.B. in unserem Büchlein „Der Klimawandel“ näher erklärt.) Je empfindlicher das Klimasystem in der Vergangenheit reagiert hat, je heftiger also frühere Klimaveränderungen wie die großen Eiszeiten gewesen sind, desto stärker wird auch die globale Erwärmung ausfallen.
Abschätzungen der Klimasensitivität aus paläoklimatologischen Daten hat es bereits früher gegeben, u.a. aus meiner Arbeitsgruppe am Potsdam-Institut (siehe Studie und PM vom August 2006), und diese sind auch in den letzten IPCC-Bericht eingeflossen. Seit den 1970er Jahren gilt eine globale Erwärmung von 3 ºC bei CO2-Verdopplung als wahrscheinlichster Wert der Klimasensitivität; der neue IPCC-Bericht gibt den Unsicherheitsbereich mit 2 – 4,5 ºC an. Über die bis hierher gesagten Dinge besteht weitgehend Konsens unter Klimatologen.
Neu und kontrovers
Substanziell neu und sicher kontrovers sind zwei Dinge an der Arbeit von Hansen et al.
1. Hansen et al. versuchen aus der Erdgeschichte abzuleiten, bei welcher CO2-Konzentration die Kontinentaleismassen verschwinden. In den letzten 65 Millionen Jahren, also in der Erdneuzeit (Känozoikum), ist die CO2-Konzentration aus natürlichen Gründen (Plattentektonik – auch dies ist in unserem Buch erläutert) langsam abgesunken. Dabei hat das Klima sich immer weiter abgekühlt, bis vor 34 Millionen Jahren die Vereisung begann, zunächst in der Antarktis. Hansen et al argumentieren, dass die Vereisung bei einer CO2-Konzentration zwischen 350 und 500 ppm einsetzte. Auf dieser Basis kommen sie zu dem Schluss, dass eine CO2-Konzentration über 350 ppm die Gefahr birgt, dass die Eismassen abtauen und damit der Meeresspiegel um bis zu 70 Meter ansteigt.
Ich halte diese Abschätzung aus folgendem Grund für fragwürdig. Sie setzt voraus, dass in einem sich abkühlenden Klima die Eismassen bei der gleichen kritischen CO2-Menge zu wachsen beginnen, wie sie in einem sich erwärmenden Klima dann wieder verschwinden. Diese Annahme ist jedoch wahrscheinlich falsch, und zwar aufgrund der Eis-Albedo Rückkopplung. Dadurch stabilisieren Eismassen sich gewissermaßen selbst, indem sie Sonnenstrahlung reflektieren und das Klima abkühlen. Man muss das Klima deshalb stärker aufheizen, um sie wieder loszuwerden. Physiker nennen dieses Verhalten „Hysterese“. Im Grundsatz ist dies für Eismassen seit Jahrzehnten bekannt; eine Untersuchung dieses Hysterese-Verhaltens in unserem Klimamodell haben meine PIK-Kollegen Reinhard Calov und Andrey Ganopolski 2005 publiziert. Die Schwelle zum Abtauen des Eises verschiebt sich dadurch zu deutlich höheren CO2-Werten. Dem entgegen muss man allerdings bedenken, dass ja nicht nur ein völliges Abtauen der Eismassen für die Menschen katastrophale Folgen hätte. Schon ein Eisverlust von 5% würde den Meeresspiegel um über 3 Meter steigen lassen. Die von Hansen et al. untersuchten Paläodaten liefern leider keine Auskunft darüber, bei welchem CO2-Gehalt eine solche 5%-Schrumpfung der Eisschilde zu erwarten wäre.
2. Hansen und Kollegen definieren eine neue Art von Klimasensitivität – nennen wir sie zur Unterscheidung die „Erdsystem-Sensitivität“. Sie unterscheidet sich dadurch von der herkömmlichen Klimasensitivität, dass sie einige sehr langsam wirkende Rückkopplungen einbezieht, die normalerweise in der Klimasensitivität nicht enthalten sind. Insbesondere sind dies Rückkopplungen durch die Veränderungen der Kontinentaleismassen, der Landvegetation und durch klimatisch bedingte Freisetzung von Treibhausgasen wie CO2 und Methan (also nicht direkte menschliche Emissionen). Hansen et al. gehen davon aus, dass diese Rückkopplungen den Klimawandel noch verstärken – dem kann ich zustimmen, denn jeder einzelne dieser Feedbacks ist sehr wahrscheinlich verstärkend. Nicht folgen kann ich jedoch Hansen et al. bei dem Versuch, diese Erdsystemsensitivität aufgrund von Eisbohrkerndaten aus der Antarktis zu quantifizieren – sie kommen auf ein Ergebnis von 6 ºC für CO2-Verdoppelung, also das Doppelte der herkömmlichen Klimasensitivität. Diese Abschätzung hat jedoch eine grundlegende Schwäche. Denn bei der Analyse wird das Wachsen und Schrumpfen der Kontinentaleismassen während der Eiszeitzyklen als verstärkende Rückkopplung auf die CO2-Veränderungen aufgefasst. Wir wissen jedoch, dass diese Vereisungen direkt durch Veränderungen in der Erdbahn und die damit verbundene starke Veränderung der saisonalen Sonneneinstrahlung ausgelöst wurden (die Milankowitsch-Zyklen – sorry, wenn ich auch hier für Näheres auf unser Buch verweise). Damit wird diese Rückkopplung von Hansen et al. zwangsläufig stark überschätzt.
Fazit
Die neue Hansen-Arbeit bringt viele richtige und bedenkenswerte Argumente vor. Zu Recht lenkt sie den Blick darauf, dass die Erdgeschichte für ein instabiles Klimasystem spricht, das auf Störungen heftig reagiert. Diese Argumentation stützt auch der IPCC-Bericht, der ein 65-seitiges Kapitel zu den natürlichen Klimaveränderungen der Erdgeschichte enthält (disclosure: ich bin einer der Autoren dieses Kapitels). Bei den Diskussionen innerhalb des IPCC gab es tatsächlich eine gewisse Spannung zwischen den Paläoklimatologen und den „Zukunftsmodellierern“ (IPCC-Kapitel 10), weil erstere die Folgen unserer Treibhausgasemissionen eher noch pessimistischer einschätzen – zum Beispiel in der viel diskutierten Meeresspiegelfrage. Während ich also qualitativ Hansens Argumentation teile, halte ich seine quantitativen Abschätzungen aus den oben genannten Gründen für nicht überzeugend.
Regelrecht falsch waren einige der Medienberichte. Der Guardian zitierte Hansen mit der Aussage, das EU-Ziel von einer CO2-Stabilisierung bei 550 ppm sei viel zu lasch und müsse radikal revidiert werden. Dies ist insofern falsch, als die EU überhaupt kein 550-ppm Ziel verfolgt. Das übergeordnete EU-Ziel ist die Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal 2 ºC. Dabei ist den maßgeblichen EU-Politikern völlig klar, dass dazu eine Stabilisierung der Treibhausgase deutlich unterhalb von 450 ppm CO2-äquivalent nötig ist – das steht im IPCC-Bericht, und daran orientiert sich ja auch die EU-Politik, den Ausstoß von Treibhausgasen global bis 2050 mindestens zu halbieren und in Europa sogar um 80% zu reduzieren. Hansens 350 ppm beziehen sich auf CO2 alleine – die maximal 450 ppm der EU dagegen auf alle Treibhausgase zusammengerechnet und als CO2-äquivalent angegeben. Diese Werte liegen daher gar nicht weit auseinander. Das sieht man auch daran, dass Hansen die Begrenzung der weiteren Erwärmung (ab heute) auf 1 ºC für notwendig hält – 1 Grad ab heute sind aber 1,7 oder 1,8 Grad über der vorindustriellen Temperatur, sehr ähnlich dem 2-Grad-Limit der EU. Der IPCC-Bericht sagt dazu (WG3, Tabelle SPM 5), dass eine Stabilisierung bei 350-400 ppm CO2, entsprechend 445-490 ppm CO2-äquivalent, zu einer Erwärmung um 2,0- 2,4 ºC führen würde (über das vorindustrielle Niveau). Damit unterscheiden sich Hansens Zahlen nur wenig von denen des IPCC und den Zielen der EU. Einen Frontalangriff auf den IPCC stellen sie jedenfalls nicht dar, wie es von einigen Journalisten interpretiert wurde.
Damit gibt diese neue Arbeit auch keinen Anlass zu einem radikalen Umdenken in der EU-Klimapolitik. Diese Politik hat m.E. die richtigen Ziele – allerdings müssen sie auch konsequent umgesetzt werden.
p.s. Zwei aktuelle Kurzmeldungen:
Die NOAA hat bekannt gegeben, dass der März 2008 über den Landgebieten der Erde der wärmste März seit Beginn der Aufzeichnungen vor 129 Jahren gewesen ist.
Unser englisch-sprachiges Schwesterblog realclimate ist von TIME Magazine unter die 15 besten Klima- und Umweltsites gewählt worden.
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Herr Rahmstorf,
ausgesprochen spaßig ist der Fakt, daß Herr Grassel und Herr Landscheidt auf der selben Veranstaltung gesprochen haben:
#First International Conference on
Global Warming and
the Next Ice Age
August 19 - 24, 2001
Dalhousie University
Faculty of Arts and Social Sciences Building
University and Le Marchant
Halifax, Nova Scotia, Canada#
http://www.mathstat.dal.ca/.../schedule_latest.htm
An der Uni Venedigs wurde ein Seminar i Sachen Klima "in Memoriam Theodor Landscheidt" gehalten.
In einem peer revieten Paper, zu finden an der Uni Potstdam wird Landscheidt sogar zitiert(Thesolaractivitycycleisweaklysynchronizedwiththesolarinertialmotion)
http://www.agnld.uni-potsdam.de/~publiman/download/JK_A365_2007.pdf
Soo ein schlimmer Finger war er offensichtlich nicht :-)
"Man wirft den Anhängern der Sonnentheorie z.B. vor, dass es keinen bekannten Mechanismus gibt, der einen starken Link von der Sonne zum Klima erklären könnte."
Diesen Vorwurf gibt es in der Tat immer wieder. Aber es gibt sehrwohl plausible Theorien, wie die wechselnden Sonnenaktivitäten durchaus sehr stark auf das Klima einwirken können.
Eine von ihnen:
Diese Veränderungen beim Sonnenmagnetfeld bewirken eine Veränderung der Intensität der Höhenstrahlen. Ein starkes Magnetfeld bedeeutet deutlich weniger und ein schwaches Sonnenmagnetfeld dementsprechend ein Mehr an kosmischen Höhenstrahlen, welche die Erdatmospäre erreichen.
Diese sehr "harte" energiereiche Strahlung und vor allem deren Sekundärteilchen können besonders tief auch in untere Atmosphärenschichten vordringen.
Diese Strahlung fördert hier die Bildung von Aerosolen, von denen vor allem die Sulfataerosole die Wolkenbildung stark fördern.
Viele kennen den Effekt noch aus dem Physikunterricht. Dort wurde radioaktive Strahlung durch geladene Teilchen mithilfe einer Nebelkammer gezeigt. Die geladenen Teilchen förderten auch dort "wolkenbildung" in der Nebelkammer.
Mehr Höhenstrahlen in tieferen Wolkenschichten bedeutet demnach eine starke Zunahme von Wolkenbildung in ebendiesen unteren Atmosphärenbereichen.
Gerade niedrige Wolkenschichten (unterhalb 3500m) sind dafür bekannt, dass sie für Abkühlung durch verstärkten Albedoeffekt sorgen. Diese Abkühlung übertrifft dann auch eine Erwärmung durch den "Treibhauseffekt" den Wolkenbedeckung ja dann wohl auch hat. Diesen Effekt kennt jeder von uns von bewölkten Tagen.
Zusammengefasst bedeutet das:
Aktivere Sonne (Magnetfeld): Wenig Höhenstrahlung, wenig Wolken, global wärmer.
Sonnenmagnetfeld schwächer: Mehr Höhenstrahlung, mehr Wolken, global kälter.
Mit dieser Theorie lassen sich sowohl gegenwärtige als auch historische Klimaveränderungen hervorragend in Übereinstimmung bringen. Auch die Tatsache, dass bei globaler Erwärmung die Antarktis abkühlt kann damit erklärt werden.
Diese "profitiert" nämlich bei tief liegenden Wolken von deren Erwärmungseffekt. Dementsprechend kühlt die Antarktis bei geringerer Wolkenbedeckung eher ab.
Insgesamt kann dieses Modell den bisherigen Verlauf des Klimas recht gut erklären. Meines Wissens nach maßt sich allerdings kein Vertreter dieser und ähnlicher Theorien an, vernünftige Vorhersagen für das Wetter/Klima in 100 Jahren zu machen.
Der Einfluss der Sonne kann auf jeden Fall durchaus weit größer sein (und ist es nach Meinung vieler Geologen, Meteorologen und Klimahistoriker auch) als es in politisch korrekten Klimamodellen zugebilligt wird.
Leider erfährt man davon, wenn man sich nicht gerade expizit informieren möchte, nur allzu wenig. Wenn man einen Blick in die aktuelle Tagespresse oder auch in renomierte Wochenmagazine wirft, findet man größtenteils Meldungen, die vom menschengemachten Untergang künden.
Auch Wissenschaftler, die mehr alarmistische Prohezeiungen als schlüssige Modelle liefern finden hier mehr Gehör. Weissagungen und Katastrophenszenarien sind nun mal populärer.
"Antwort: Lieber "Eddy", der Beleg dafür, dass die aktuelle globale Erwärmung anthropogen ist, ist natürlich nicht, dass sie "anomal" ist (was immer das heißen mag). Es war in der Klimageschichte schon wesentlich wärmer als jetzt. Werfen Sie doch einfach mal einen Blick auf Kapitel 6 des IPCC-Berichts, wo Sie einen Überblick über die Klimageschichte finden. Ich vermute, das wird einige Ihrer Fragen beantworten. S.R."
Sehr geehrter Professor Rahmstorf,
können Sie vielleicht noch einmal kurz für den Laien verständlich darlegen, was denn nun die Belege dafür sind, dass die aktuelle Erwärmung anthropogen ist?
MFG
[Antwort: In unserem Buch "Der Klimawandel" haben wir versucht, diese Belege darzustellen. Das dazu wichtigste Kapitel 2 können Sie hier online lesen. S.R.]
@Krishnag:
Ich schließe mich der Kritik dieses namenlosen Lesers an. Langsam gewinne ich den Eindruck, dass dieser Blog von dir einzig zur Befreidigung persönlicher Eitelkeiten benutzt wird ... wann kann man schon einmal einem "verhassten" Prof. ungestraft vors Schienbein treten.
Die Show, die du hier anziehst, hat mit einer Diskussion nichts zu tun. Da werden von dir haufenweise Texte von anderen Seiten verlinkt, eine Einordnung zum Thema, feht hingegen meistens gänzlich. Diskussionen bestehen immer auch aus Eigenleistungen; genau diese erbringst du aber nicht. Mir ist auch mittlerweile völlig unverständlich warum der Herr Rahmstorf überhaupt noch auf deine Beiträge eingeht.
Gruß
Steve
"Bei Wikipedia steht, es wäre im Mittelalter in Europa und Grönland wärmer gewesen als heute."
Bestätigt auch Herr Latif.
"Antwort: Ein solcher Mechanismus ist der Wärmetransport im Nordatlantik, von dem gut belegt ist, dass er im Laufe der Erdgeschichte stark schwankte und der für die größten und raschesten Klimaschwankungen verantwortlich ist, die man in den grönländischen Eisbohrkernen sieht. S.R."
Und warum zeigen Sie auf Ihrer Homepage das?
http://www.pik-potsdam.de/.../leser_antworten.html
http://www.pik-potsdam.de/...fan/material/dye3.jpg
[Antwort: Wie Sie dort nachlesen können, habe ich die Eiskerndaten der dänischen Kollegen seinerzeit gezeigt, um zu illustrieren, dass man nicht aus einem einzigen Punkt der Erde weit reichende Schlüsse über die globale Entwicklung ziehen sollte. Gerade Grönland hat sich in den vergangenen 100 000 Jahren oft ganz anders verhalten als das Klima anderswo auf der Welt, weil Grönland (ähnlich wie Nordwesteuropa) sehr stark auf Schwankungen der Atlantikströmung reagiert.
Aus Ihrem Link unten auf das Paper von Dahl-Jensen et al. vermute ich, es geht Ihnen um die Differenzen zwischen den Temperatur-Inversionen aus den Bohrlochmessungen und den O18-Isotopendaten beim Dye-3 Eiskern. Dies ist leider bei Paläodaten häufig der Fall, da sie ja keine direkten Klimamessdaten sondern immer nur „Proxies“ sind, die jeweils ihre Grenzen und Vor- und Nachteile haben. Die O-18 Isotopendaten haben z.B. den Vorteil, dass sie mit hoher Genauigkeit und hoher Auflösung gemessen werden können (die damals von mir gezeigten Daten hatten eine Auflösung von 20 Jahren), und unverändert die vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden herrschenden Werte zeigen. Der Hauptnachteil ist, dass die O-18-Werte nicht nur von der Temperatur beeinflusst werden, sondern auch durch andere Klimaparameter (Windrichtung, Niederschläge). Die Temperaturmessungen im Bohrloch haben dagegen den Nachteil, dass sie ja die heutigen Temperaturen messen und nicht die damaligen Bedingungen; man muss mit Hilfe von Simulationsrechnungen daraus die damaligen Temperaturen berechnen, was nur mit erheblicher Unsicherheit und variabler und für das Mittelalter sehr grober Zeitauflösung gelingt.
Die Frage, welches der beiden Verfahren in diesem Falle den Temperaturverlauf besser darstellt, ist schwer zu entscheiden, aber für meine damalige Argumentation unerheblich – mein Punkt, dass man aus einer einzigen Datenreihe nicht zu viele Schlüsse ziehen sollte, wird dadurch lediglich noch unterstrichen. Generell betrachten wir in der Paläoklimatologie jede einzelne Zeitreihe mit Skepsis; erst in der Gesamtschau aller Daten zeigt sich, wo sich ein konsistentes Bild ergibt und robuste Folgerungen möglich sind, und wo die Datenlage schlicht noch zu unklar ist. S.R.]
Und warum zeigen Sie auf Ihrer Homepage das?
...
Und nicht das?
http://www.gfy.ku.dk/.../papers/B7-Science1998.pdf
Hallo
Bevor man glaubt ich wolle mich bloß beschweren, hier der Versuch eines inhaltlichen Beitrags, auch wenn die Frage an Herrn Rahmstorf gerichtet war.
Wenn ich den IPCC richtig verstehe wird das GW folgendermaßen auf anthropogene Ursachen zurückgeführt:
Man kennt die folgende Mechanismen, die starken Einfluss auf das Erdklima haben:
1) Veränderung der Umlaufbahn der Erde um die Sonne, weil sich durch die Veränderung des Abstandes zwischen Erde und Sonne, die auf die Erde treffende Strahlungsdichte verändert.
2) Veränderung der Sonnenaktivität, weil dies ebenfalls zur Veränderung der auf die Erde treffenden Strahlungsdichte führt.
3) Veränderung der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre, weil der Treibhauseffekt maßgeblich für die Absorption der einfallenden Strahlung verantwortlich ist.
Diese ersten beiden Mechanismen beschreiben, wieviel Energie dem Erdsystem von außen zugeführt wird, der dritte Mechanismus beschreibt, wieviel Energie das Erdsystem an welchen Stellen aufnimmt. Diesen drei Mechanismen liegen unumstrittene physikalische Gesetzmäßigkeiten zu Grunde, die sowohl qualitativ als auch quantitativ gut verstanden sind.
Es gibt noch eine Reihe weiterer Mechanismen die Einfluss auf die Absorption der Strahlungsenergie haben, wie z.B. die Aerosolkonzentration oder die Beschaffenheit der Erdoberfläche, allerdings glaube ich, dass diese Beiträge entweder vernachlässigbar, weil regional bergrenzt, sind, oder sie treten als Rückkopplung (Arktis schmilzt -> Ozean absorbiert mehr als Eis -> Arktis schmilzt schneller) auf, nachdem es bei einem der drei o.g. Mechanismus zu Veränderungen gekommen ist.
Darüber hinaus kann man Anhand von Vulkanausbrüchen und den damit einhergehenden Aerosoleausstoß nachweisen, dass das Erdklima auf den für uns interessanten und beobachtbaren Zeitskalen auf veränderungen dieser sog. "forcings" reagiert.
Was weiß man jetzt also über diese focings?
1) Die Orbitalparameter der Erde sind berechenbar und nahezu periodisch. In Übereinstimmung mit Eisbohrkeren findet man einen Wechsel von Wärme und Kälteperioden (zeitskalen von mehreren zehntausend Jahren), derzeit befinden wir uns am Ende einer Warmzeit in ein paar tausend Jahren sollte es also wieder eine Eiszeit (Temperaturediferenz von etwa 5 grad Celsius) geben. -> Hier ist also keine Erwärmung zu erwarten
2) Die Sonnenaktivität ist noch nicht sehr lange genau messbar, weil man hierzu viel Technologie benötigt, auch bestehende Zeitreihen von verschienden Sattelliten sind nur schwer miteinander zu vergleichen, die Debatte erleben wir hier ja live mit. Einen Trend mag ich in den Grafen vom IPPC nicht sehen.
3) Eisbohrkerne zeigen, dass die Treibhausgaskonzentration (maßgeblich CO2) in der Vergangenheit ziemlich genau der globalen Mitteltemperatur gefolgt ist (Eiszeit geringe CO2 Konzentration bei etwa 200 ppm, Warmzeit hohe CO2 Konzentration bei etwa 280 ppm). Bisher ist also die globale Mitteltemperatur aufgrund der veränderten Sonneneinstrahlung variiert und die CO2 Konzentration ist als positiver Rückkopplungseffekt gefolgt.
Allerdings befindet sich die globale CO2 Konzentration derzeit bei über 350ppm (so hoch wie während der letzten halben Million Jahre nicht), wobei dieser Anstieg etwa in den letzten hundert Jahren stattgefunden hat und ziemlich genau mit der Zunahme antrophogenen Emmissionen übereinstimmt. Bisher war der CO2 Kreislauf ein abgeschlossenes System und nur seit dem Menschen auf fossile Energieträger zugreifen wird dem System von außen weiterer Kohlenstoff zugeführt, der diesen Anstieg verursacht.
Ungeachtet der Frage ob die Sonnenaktivität zu oder abnimmt kann man die Frage, ob die Treibhausgaskonzentration durch menschliches Handeln zugenommen hat eindeutig mit ja beantworten. Schon eine einfache Abschätzung der Größenordnung der zu erwartenden Erwärmung stimmt mit dem Signal, das wir beobachten überein.
Gleichzeitig zeigen Computermodelle, in denen in erster Linie physikalsiche Gesetzmäßigkeiten stecken aber viele Rückkopplungseffekte nicht berücksichtigt werden und die forcings vorgeschrieben werden müssen, dass die Art und Weise, wie sich die Erde erwärmt (stärker an den Polen als am Äquator, Veränderung der Ozeanzirkulation und andere regionale Effekte) zu Anstieg der Treibhausgase passt, allerdings nicht zu einer gestiegenen Sonnenaktivität.
Den Anthropogenen Klimawandel anzuzweifeln ist für mich wie Bratwürstchen auf den Grill zu legen und zu behaupten, sie würden durch die Sonne braun.
@Krishnag: "Leider war in Ihrem Beitrag wenig zum eigentlichen Thema zu finden." Stimmt, allerdings habe ich mich damit zum aller ersten Mal themenfremd geäußert. Ihre zahlreichen Sonnenaktivitätsbeiträge hatten bisher selten etwas mit dem eigentlichen Blogthema zu tun.
Verzeihung für die vielen Worte
MFG
einer von vielen
Es ist schon ein wenig kindergartenhaft hier zu verkünden: aber eine Skeptikerwebsite hat letztes Jahr auch mal einen Preis bekommen! Vor allem erzählst Du aber nicht das interessante an dieser Geschichte: die Abstimmung wurde manipuliert. Siehe detaillierte Beschreibung in http://www.tellinya.com/...-anatomy-of-a-break-in/
Das ist der Grund, wieso die Organisatoren es dann als "unentschieden" deklariert haben, obwohl Climate Audit die meisten Stimmen hatte. So ist es immer mit den Verlautbarungen der Klimaskeptiker: recherchiert man nach, zerplatzen sie wie eine Seifenblase. Datenkurven erweisen sich als gefälscht oder widerlegt oder sie zeigen nicht das, was behauptet wird; Astrologie wird einem als Wissenschaft verkauft; angebliche Klimaforscher oder Professoren sind gar keine, usw. usw. Ich glaube inzwischen nichts mehr, was von dieser Seite behauptet wird.
@ Diverse: Wegen Sonne und Klimamechanismus von Krakatau lernen
Nach Krakatau im Herbst 1883 waren die Sonneneinstrahlung über mehrere Jahre nachhaltig verringert. (siehe: GKSS 1992, S.1 und 9ff @ www.ozeanklima.de). Die Abschirmung muss stark geschwankt und in sehr unterschiedlicher Stärke aufgetreten sein. Insgesamt wurde von einem Abschirmeffekt im Durchschnitt von ca. 10% über vier Jahre ausgegangen, wobei auf der Nordhalbkugel (Paris) im Herbst 1885 die Reduzierung der Sonneneinstrahlung mit 25% ihren höchsten Wert erreichte.
Bei einer so starken Verminderung der Sonneneinstrahlung spricht zunächst alles dafür, dass sich dies nachhaltig auf die atmosphärische Dynamik auswirken müsse. Aber die Durchschnittstemperaturen sollen nur sehr geringfügig gefallen und die atmosphärische Zirkulation noch im Jahr 1884 übernormal gewesen und erst im Jahr 1888 zu einem kräftig entwickelten Minimum gesunken sein.
Dies könnte man als Zufall abtun, wenn nicht die Zeit bis 1886 von einem anderen Phänomen begleitet gewesen wäre, einem "Dunstnebel", jener eigentümlich rauchigen Trübung der Atmosphäre, welche sowohl in den Tropen als auch außerhalb derselben beobachtet wurde. Wie Nebel über einer Wasserfläche einen Wärmetransport stark einschränkt, kann der Dunstnebel auch nicht ohne nachhaltige Wirkung geblieben sein. Zwar hatte der Direktor der Deutschen Seewarte Neumayer im Januar 1884 im Hinblick auf das Krakatauereignis verkündet: "Das Jahr 1883 wird in der Geschichte unserer Erde hinsichtlich der Wirkung des Erdinneren auf die Kruste und was sich darauf befindet, eine denkwürdige Stellung einnehmen", aber da das globale Wetter keine größeren Abweichungen auswies verlor die Meteorologie alsbald das Interesse an diesem Ereignis, das von Neumayer als so wichtig eingetauft wurde.
FAZIT: Viel des irdischen Klimamechanismus ist nicht unmittelbar an die Sonneneinstrahlung gebunden.
"Den Anthropogenen Klimawandel anzuzweifeln ist für mich wie Bratwürstchen auf den Grill zu legen und zu behaupten, sie würden durch die Sonne braun."
Hier einmal die direkte Sonneneinstrahlung am PIK im Potsdam.
http://saekular.pik-potsdam.de/.../strahl_year.gif
Na, wenn die nicht zugenommen hat zwischen 1980 und 2008. Ich würde sagen wir haben derzeit ein Maximum.