Der Hansen-Faktor
James Hansen ist Leiter des NASA-Klimaforschungsinstituts in New York und einer der prominentesten amerikanischen Klimatologen. Im Sommer 1988 erregte er Aufsehen, als er vor dem US-Kongress drei Szenarien der künftigen Klimaerwärmung präsentierte. Zwanzig Jahre später wissen wir: Hansen hatte damals Recht. Das mittlere Szenario B, von ihm damals als das plausibelste Szenario bezeichnet, trat ein (siehe Diskussion hier).
Nun hat Hansen mit einer neuen Arbeit international ein breites Medienecho ausgelöst – u.a. Guardian, FAZ und taz berichteten, die taz druckte dazu auch ein Interview mit mir, und auch aus der Politik erreichten mich Anfragen dazu. Zu den Koautoren von Hansen bei dieser Studie gehören einige der führenden Paläoklimatologen, wie Jim Zachos von der University of California und Valerie Masson-Delmotte vom Institut Pierre Simon Laplace bei Paris, denen wir wichtige Erkenntnisse über die Klimaentwicklung in der Erdgeschichte verdanken. Daten über diese früheren, natürlichen Klimaveränderungen sind es denn auch, auf denen die Analyse von Hansen und Kollegen beruht. Die wichtigste Folgerung der Autoren lautet, dass die CO2-Konzentration unterhalb von 350 ppm stabilisiert werden muss, um unsere Erde in einem Zustand zu erhalten, „der dem ähnelt, auf dem die Zivilisation sich entwickelte und an den das Leben auf der Erde angepasst ist“. Das ist insofern radikal, als 350 ppm deutlich unterhalb der heutigen CO2-Konzentration liegt, denn der Mensch hat diese bereits von 280 auf derzeit 385 ppm erhöht.
Die Klimasensitivität
Dabei machen sich Hansen et al. ein einfaches Prinzip zu nutze: kennt man den Antrieb früherer Klimaveränderungen (konkret ist das die Veränderung in der Strahlungsbilanz der Erde, gemessen in Watt pro Quadratmeter) sowie die Reaktion des Klimasystems darauf (v.a. die globale Temperaturänderung), dann kann man daraus die Empfindlichkeit des Klimasystems ableiten. Wir nennen dies die „Klimasensitivität“ – genau diese Zahl muss man kennen, um die Reaktion des Klimas auf unsere CO2-Emissionen zu berechnen. (Diese Konzepte werden z.B. in unserem Büchlein „Der Klimawandel“ näher erklärt.) Je empfindlicher das Klimasystem in der Vergangenheit reagiert hat, je heftiger also frühere Klimaveränderungen wie die großen Eiszeiten gewesen sind, desto stärker wird auch die globale Erwärmung ausfallen.
Abschätzungen der Klimasensitivität aus paläoklimatologischen Daten hat es bereits früher gegeben, u.a. aus meiner Arbeitsgruppe am Potsdam-Institut (siehe Studie und PM vom August 2006), und diese sind auch in den letzten IPCC-Bericht eingeflossen. Seit den 1970er Jahren gilt eine globale Erwärmung von 3 ºC bei CO2-Verdopplung als wahrscheinlichster Wert der Klimasensitivität; der neue IPCC-Bericht gibt den Unsicherheitsbereich mit 2 – 4,5 ºC an. Über die bis hierher gesagten Dinge besteht weitgehend Konsens unter Klimatologen.
Neu und kontrovers
Substanziell neu und sicher kontrovers sind zwei Dinge an der Arbeit von Hansen et al.
1. Hansen et al. versuchen aus der Erdgeschichte abzuleiten, bei welcher CO2-Konzentration die Kontinentaleismassen verschwinden. In den letzten 65 Millionen Jahren, also in der Erdneuzeit (Känozoikum), ist die CO2-Konzentration aus natürlichen Gründen (Plattentektonik – auch dies ist in unserem Buch erläutert) langsam abgesunken. Dabei hat das Klima sich immer weiter abgekühlt, bis vor 34 Millionen Jahren die Vereisung begann, zunächst in der Antarktis. Hansen et al argumentieren, dass die Vereisung bei einer CO2-Konzentration zwischen 350 und 500 ppm einsetzte. Auf dieser Basis kommen sie zu dem Schluss, dass eine CO2-Konzentration über 350 ppm die Gefahr birgt, dass die Eismassen abtauen und damit der Meeresspiegel um bis zu 70 Meter ansteigt.
Ich halte diese Abschätzung aus folgendem Grund für fragwürdig. Sie setzt voraus, dass in einem sich abkühlenden Klima die Eismassen bei der gleichen kritischen CO2-Menge zu wachsen beginnen, wie sie in einem sich erwärmenden Klima dann wieder verschwinden. Diese Annahme ist jedoch wahrscheinlich falsch, und zwar aufgrund der Eis-Albedo Rückkopplung. Dadurch stabilisieren Eismassen sich gewissermaßen selbst, indem sie Sonnenstrahlung reflektieren und das Klima abkühlen. Man muss das Klima deshalb stärker aufheizen, um sie wieder loszuwerden. Physiker nennen dieses Verhalten „Hysterese“. Im Grundsatz ist dies für Eismassen seit Jahrzehnten bekannt; eine Untersuchung dieses Hysterese-Verhaltens in unserem Klimamodell haben meine PIK-Kollegen Reinhard Calov und Andrey Ganopolski 2005 publiziert. Die Schwelle zum Abtauen des Eises verschiebt sich dadurch zu deutlich höheren CO2-Werten. Dem entgegen muss man allerdings bedenken, dass ja nicht nur ein völliges Abtauen der Eismassen für die Menschen katastrophale Folgen hätte. Schon ein Eisverlust von 5% würde den Meeresspiegel um über 3 Meter steigen lassen. Die von Hansen et al. untersuchten Paläodaten liefern leider keine Auskunft darüber, bei welchem CO2-Gehalt eine solche 5%-Schrumpfung der Eisschilde zu erwarten wäre.
2. Hansen und Kollegen definieren eine neue Art von Klimasensitivität – nennen wir sie zur Unterscheidung die „Erdsystem-Sensitivität“. Sie unterscheidet sich dadurch von der herkömmlichen Klimasensitivität, dass sie einige sehr langsam wirkende Rückkopplungen einbezieht, die normalerweise in der Klimasensitivität nicht enthalten sind. Insbesondere sind dies Rückkopplungen durch die Veränderungen der Kontinentaleismassen, der Landvegetation und durch klimatisch bedingte Freisetzung von Treibhausgasen wie CO2 und Methan (also nicht direkte menschliche Emissionen). Hansen et al. gehen davon aus, dass diese Rückkopplungen den Klimawandel noch verstärken – dem kann ich zustimmen, denn jeder einzelne dieser Feedbacks ist sehr wahrscheinlich verstärkend. Nicht folgen kann ich jedoch Hansen et al. bei dem Versuch, diese Erdsystemsensitivität aufgrund von Eisbohrkerndaten aus der Antarktis zu quantifizieren – sie kommen auf ein Ergebnis von 6 ºC für CO2-Verdoppelung, also das Doppelte der herkömmlichen Klimasensitivität. Diese Abschätzung hat jedoch eine grundlegende Schwäche. Denn bei der Analyse wird das Wachsen und Schrumpfen der Kontinentaleismassen während der Eiszeitzyklen als verstärkende Rückkopplung auf die CO2-Veränderungen aufgefasst. Wir wissen jedoch, dass diese Vereisungen direkt durch Veränderungen in der Erdbahn und die damit verbundene starke Veränderung der saisonalen Sonneneinstrahlung ausgelöst wurden (die Milankowitsch-Zyklen – sorry, wenn ich auch hier für Näheres auf unser Buch verweise). Damit wird diese Rückkopplung von Hansen et al. zwangsläufig stark überschätzt.
Fazit
Die neue Hansen-Arbeit bringt viele richtige und bedenkenswerte Argumente vor. Zu Recht lenkt sie den Blick darauf, dass die Erdgeschichte für ein instabiles Klimasystem spricht, das auf Störungen heftig reagiert. Diese Argumentation stützt auch der IPCC-Bericht, der ein 65-seitiges Kapitel zu den natürlichen Klimaveränderungen der Erdgeschichte enthält (disclosure: ich bin einer der Autoren dieses Kapitels). Bei den Diskussionen innerhalb des IPCC gab es tatsächlich eine gewisse Spannung zwischen den Paläoklimatologen und den „Zukunftsmodellierern“ (IPCC-Kapitel 10), weil erstere die Folgen unserer Treibhausgasemissionen eher noch pessimistischer einschätzen – zum Beispiel in der viel diskutierten Meeresspiegelfrage. Während ich also qualitativ Hansens Argumentation teile, halte ich seine quantitativen Abschätzungen aus den oben genannten Gründen für nicht überzeugend.
Regelrecht falsch waren einige der Medienberichte. Der Guardian zitierte Hansen mit der Aussage, das EU-Ziel von einer CO2-Stabilisierung bei 550 ppm sei viel zu lasch und müsse radikal revidiert werden. Dies ist insofern falsch, als die EU überhaupt kein 550-ppm Ziel verfolgt. Das übergeordnete EU-Ziel ist die Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal 2 ºC. Dabei ist den maßgeblichen EU-Politikern völlig klar, dass dazu eine Stabilisierung der Treibhausgase deutlich unterhalb von 450 ppm CO2-äquivalent nötig ist – das steht im IPCC-Bericht, und daran orientiert sich ja auch die EU-Politik, den Ausstoß von Treibhausgasen global bis 2050 mindestens zu halbieren und in Europa sogar um 80% zu reduzieren. Hansens 350 ppm beziehen sich auf CO2 alleine – die maximal 450 ppm der EU dagegen auf alle Treibhausgase zusammengerechnet und als CO2-äquivalent angegeben. Diese Werte liegen daher gar nicht weit auseinander. Das sieht man auch daran, dass Hansen die Begrenzung der weiteren Erwärmung (ab heute) auf 1 ºC für notwendig hält – 1 Grad ab heute sind aber 1,7 oder 1,8 Grad über der vorindustriellen Temperatur, sehr ähnlich dem 2-Grad-Limit der EU. Der IPCC-Bericht sagt dazu (WG3, Tabelle SPM 5), dass eine Stabilisierung bei 350-400 ppm CO2, entsprechend 445-490 ppm CO2-äquivalent, zu einer Erwärmung um 2,0- 2,4 ºC führen würde (über das vorindustrielle Niveau). Damit unterscheiden sich Hansens Zahlen nur wenig von denen des IPCC und den Zielen der EU. Einen Frontalangriff auf den IPCC stellen sie jedenfalls nicht dar, wie es von einigen Journalisten interpretiert wurde.
Damit gibt diese neue Arbeit auch keinen Anlass zu einem radikalen Umdenken in der EU-Klimapolitik. Diese Politik hat m.E. die richtigen Ziele – allerdings müssen sie auch konsequent umgesetzt werden.
p.s. Zwei aktuelle Kurzmeldungen:
Die NOAA hat bekannt gegeben, dass der März 2008 über den Landgebieten der Erde der wärmste März seit Beginn der Aufzeichnungen vor 129 Jahren gewesen ist.
Unser englisch-sprachiges Schwesterblog realclimate ist von TIME Magazine unter die 15 besten Klima- und Umweltsites gewählt worden.
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Das die Sahara vor 10.000 Jahren bis vor 5.000 Jahren eine Savanne war ist mittlerweile anerkanntes Fachwissen und ist in der Literatur ausführlich belegt.
z.B. hier:
www.geo.uni-bremen.de/geomod/de/schaukasten/8_SchuBi.pdf
#Vor etwa zehntausend Jahren war die Sahara eine blühende Savanne, das heute fruchtbare Niltal hingegen unbewohnbarer Sumpf.
[..]
Doch innerhalb weniger Generationen änderte sich damals das Klima drastisch, schreiben die Wissenschaftler Rudolph Kuper und Stefan Kröpelin: Die Zone der tropischen Regenfälle verlagerte sich um 800 Kilometer nach Norden, und das Land verwandelte sich in eine fruchtbare Savannenlandschaft.
[..]
In der Zeit von 7.000 bis etwa 5.300 vor Christus gab es einen weiteren, grundlegenden Wandel in der Region, schließen die Kölner Forscher aus ihren Daten: Schafe und Ziegen wurden aus Asien eingeführt, und aus den einstigen Jägern und Sammlern wurden Hirten. Zu den ersten gravierenden Klimaänderungen kam es in den folgenden Jahrtausenden, als der Regen immer mehr ausblieb und große Teile des Landes wieder zur unbewohnbaren Wüste wurden. #
von hier:
http://www.wissenschaft.de/...aft/news/267672.html
Ich denke, das sollte ausreichen um zu akzeptieren, das "ohne Worte"'s Worte nicht so ganz von der Hand zu weisen sind
:-(
Zu früh Knöpfchen gedrückt.
Was das Erfrieren von Ötzi anbelangt paßt das relativ genau in die Zeit. Es könnte da tatsächlich ein Umschwung stattgefunden haben.
Um 1300 NC ist in Detschland allerdings die Rede von "Blutstaub", der mit Saharastaub in Verbindung gebracht wurde.
Allerdings sind besonders starke Stürme, die Saharastaub in die Alpen wehen nicht unbedingt alltäglich.
#Unusual climatic conditions in the summer
of 1991 (including dust from Sahara resulting in enhanced melting of snow)#
www.nupecc.org/iai2001/report/B44.pdf
Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf, gibt es eine plausible Erklärung dafür, warum das J. Hansen Team, obwohl es schon 1981 darauf hingewiesen hatte, dass es zwischen 1940 und 1970 eine globale Abkühlung gab, dieses nachhaltige Ereignis bisher nicht in Übereinstimmung mit der CO2 These zu bringen vermocht hat, wie reklamiert auf http://www.oceanclimate.de/ . Auch Sie verlieren dazu kein Wort.
Ferner antworten Sie: EDDY- 21Apr-: „Für mich ist der Hauptgrund der, dass wir die Energiebilanz der Erde und die Physik des Treibhauseffekts verstehen, und zwar seit dem 19. Jahrhundert.“
Das passt nicht so recht zum Bericht des Alfred Wegener Institut (AWI), siehe FAZ.net, 21 April 2008, unter : “Kälterekord lässt Eisdecke wachsen”. Danach bewege sich die Erkaltung der antarktischen Meerwasser im Hundertstel-Grad-Bereich, was für ein Polarmeer schon sehr deutlich sei, so das AWI und dies könne die Umwälzbewegungen der ozeanischen Wassermassen in Schwung bringen. Änderungen des Meerwassers im Hundertstel-Grad-Bereich und atmosphärischer Kälterekord, passt das mit AGW zusammen?
# das ändert nichts daran, dass die Sonne nicht für die Erwärmung der letzten Jahrzehnte verantwortlich sein kann. S.R.]
[Antwort: ...weil die Sonnenaktivität in diesem Zeitraum abgenommen hat. S.R.]
## Daher ist es sehr unwahrscheinlich, dass dieser Sonnenzyklus eine "vorübergehende Kaltzeit" auslösen wird - er hat es in den letzten Jahrzehnten ja auch nicht geschafft, deutlichere Spuren im Klima zu hinterlassen. S.R.]
[Antwort: Hier ging es um den 11-jährigen Sonnenzyklus - die stärkste Variation der Sonnenaktivität, die wir beobachten. Die Auswirkung auf die globale Temperatur ist schwach - man kann zwar einen ca. 11-jährigen Zyklus in den globalen Temperaturdaten finden, der hat aber nur eine Amplitude von 0,05 ºC und ist mit bloßem Auge nicht zu sehen, weil das "Rauschen" größer ist. S.R.]
#Generell wir der Einfluß der Sonne auf das GW negiert, nicht nur von Ihnen.
Heißt:
Nich verantwortlich für Erwärmung, eventuell verantwortlich für Abkühlung.
Über die Aktivitäten der Sonne (1955 / 1940, vielleicht sollten wir ja das statistische Milltel nehmen ?), gehen ja offensichtlich allgemein die Meinungen auch auseinander.
Heißt weiter: Die Sonnendiskussion ist mit Sicherheit nicht zu Ende und wird jetzt nocheinmal interessant.
[Antwort: Der Einfluss der Sonne wird von mir und anderen Klimatologen nicht negiert - lesen Sie etwa den IPCC-Bericht, wo er ausführlich diskutiert und auch für einen Teil der Erwärmung bis 1940 verantwortlich gemacht wird. Der Einfluss der Sonne wird allerdings von Klimatologen auf Basis der Messdaten differenziert beurteilt. S.R.]
"Der Einfluss der Sonne wird von mir und anderen Klimatologen nicht negiert..."
Eine kleine Anmerkung. Klimatologe als Berufsstand, oder als Ausbildung gibt es nicht. Jeder kann sich Klimatologe nennen.
[Antwort: In Deutschland gibt es in der Tat keinen eigenen Studiengang "Klimatologie". Einige Universitäten (z.B. Freiburg) bieten Klimatologie als Querschnittsfach an. Bei uns an der Universität Potsdam bieten wir "Klimaphysik" als Schwerpunkt innerhalb des Physikstudiums an. In anderen Ländern (z.B. Kanada, USA) kann man in "Climatology" promovieren. Ich selbst bin Diplomphysiker und habe in physikalischer Ozeanographie promoviert.
Wenn ich von Klimatologen spreche meine ich das nicht als Ausbildung, sondern als berufliche Tätigkeit: ein Klimatologe ist jemand, der über das Klima forscht und dies z.B. durch entsprechende Fachpublikationen belegen kann (siehe meinen Beitrag Die Bundesliga der Klimaforschung). S.R.]
Hallo Herr Krishnag,
die Antwort von Herrn Prof. Dr. Rahmstorf: „Die Sonnenaktivität hat einfach seit 1940 nicht zugenommen,…“ ist schlicht und ergreifend falsch – es gibt kein anderes Adjektiv dafür! Dies ist eindrucksvoll in der Abbildung des Standford-Solar Center (http://solar-center.stanford.edu/...lob-warm.html- falls es Probleme geben sollte, die Internetseite zu öffnen, die entsprechende Abbildung ist auch unter http://img262.imageshack.us/...2/7954/tempscb0.jpg zu finden) zu entnehmen und das Standford-Solar Center steht dem anthropogenen Klimawandel meines Wissens positiv gegenüber, aber es macht halt keine solchen wissenschaftlich unhaltbaren Aussagen wie Herr Prof. Dr. Rahmstorf. Die Sonnenaktivität hatte um 1960 ihr „Allzeithoch“ für das 20. Jahrhundert. In seiner Aussage, dass die Sonnenaktivität (Anmerkung: je nach Glättung) seit 20 Jahren abnimmt ist wissenschaftlich zwar nicht falsch aber unpräzise und gibt nur eine Teilwahrheit wieder. Bezogen auf das Allzeithoch für das 20. Jahrhundert geht sie zurück, um dann, gemäß den Schwabe-Zyklen wieder zu- und dann wieder abzunehmen. Eine andere Glättung zeigt folgende Abbildung, nach der die Sonnenaktivität bis zum Jahr 2000 zunahm: http://globalwarmingart.com/...tivity_Proxies_png.
Der Beleg für die Richtigkeit meines Vorwurfs an Herrn Prof. Dr. Rahmstorf wird durch die folgende Abbildung der Sonnenzyklen auf der Internetseite der NASA ersichtlich: (http://science.nasa.gov/..._longrange.htm?list3134). Weiter auf dieser Abbildung ersichtlich, dass es um 1980 und 1990 zwei recht starke Sonnenzyklen gab, die auf Grund der Trägheit des Klimasystems sehr wohl für die Erwärmung am ausgehenden 20. Jahrhunderts verantwortlich sein können, zumal in 1998 das System Klima einen erneuten Energieschub durch die Sonne bekam (23. Zyklus), der i.ü. mit dem durch Satteliten gemessenen Temperaturanstieg am ausgehend 20. Jahrhundert übereinstimmt. Der Beleg für die zeitliche Trägheit des Klimasystems Erde zur Sonnenaktivität liefert die folgende Abbildung. Deutlich erkennbar, dass die Temperatur der Sonnenaktivität um ca. 3 - 4 Jahre nacheilt (http://scienceandpublicpolicy.org/...ceedings.html)
Anmerkung:
Die Antwort von Herrn Prof. Dr. Rahmstorf auf Ihren Blog zur Sonnenaktivität vom 22.04.08: „[Antwort: Hmmm... vielleicht weil die Sonnenaktivität abgenommen hat? S.R.]“ ist i.ü. ein wunderbares Eingeständnis, dass die Sonne das Klima moderiert und zwar ohne CO2! CO2 ist nun einmal von der Physik her kein relevantes Treibhausgas, zumindest nicht auf der Erde, wie ich dies in meinen Ausführungen vom 22.04.08 erläuterte. Viele Grüße RL.
[Antwort: Ich kann nur jedem interessierten Leser empfehlen, sich die Grafiken in den Links von Herrn Leistenschneider einmal anzusehen: es sind genau die Klimatologen bestens bekannten Sonnenkurven, von denen keine einzige einen signifikanten Aufwärtstrend der Sonnenaktivität in den letzten 50-60 Jahren zeigt. Sie zeigen als bei weitem stärkste Variation den 11-jährigen Schwabe-Zyklus, der sich, wie oben gesagt, nur sehr schwach auf die globalen Temperaturen auswirkt. Wie Herr Leistenschneider damit bei 3-4 Jahren Verzögerung den nahezu linearen Temperaturanstieg der letzten 30 Jahre erklären möchte, bleibt rätselhaft. S.R.]
Herr Rahmstorf,
die Ihrer Ansicht nach inaktive Sonne:
#
Nach der Sonnenfleckenpause um 1986 traten in der ersten Hälfte der 22. Periode im Jahr 1989 zwei extrem große und ausgedehnte Sonnenflecken auf. Sie emittierten bei ihrem Start auf der Sonne besonders intensive Röntgenstrahlen als Folge der magnetischen Abbremsung (Synchrotronstrahlung) der austretenden Protonen- und Elektronenströme mit Wellenlängen um 1 nm, die als sogen. Flares die Erde in ca. 8 min erreichten und die spätere Ankunft der Protonen und Elektronenströme ( als Sonnenwind) in Richtung Erde signalisierten. Während dieser 22. Sonnenfleckenperiode wiederholten sich solche extremen Protonenflüsse im Jahre 1991 und auch bei rücklaufender Zahl der Sonnenflecken im Jahre 1994.
[..]
Die starke synchrone Forbush - Reduzierung des Neutronenflusses durch die von den Satelliten gemessenen Protonenströmen ist in der Abbildung 3 deutlich sichtbar. Insbesondere wurde dadurch während der 22. Sonnenfleckenperiode die Höhenstrahlung kurzzeitig bis um etwa 30 % reduziert. Die terrestrischen Auswirkungen der extrem starken Sonnenwinde in 1989 waren besonders dramatisch: In der nördlichen Hemisphäre (Schweden, Kanada) fielen die Stromversorgungen und Telephonverbindungen aus. Der Funkverkehr war langanhaltend gestört, insbesondere im Flugverkehr entstanden erhebliche Unsicherheiten durch Funkausfälle. Die NASA meldete: "The Sun goes haywire". Nordlichter waren bis nach Afrika gut sichtbar. Der Herbst 1989 war lange relativ warm. In Mitteleuropa wurde im Jahresmittel ein Anstieg der Globalstrahlung, das ist die direkte und indirekte Sonneneinstrahlung, im Jahresmittel um etwa 1,2 +- 0,2 mW/m2 durch zunehmende Wolkenfreiheit gemessen (ZIMEN). Gleichzeitig wurde eine Zunahme der bodennahen Temperatur um 0,9 °C +- 0,2 °C ermittelt (Abb.2). Globalstrahlung und Temperatur blieben nach diesem rasanten Anstieg im Jahresmittel anschließend fortlaufend bis heute im langanhaltenden Mittel auf erhöhtem Niveau. #
Die Erhöhung der Globalstrahlung und der Rückgang der Bedeckung läßt sich, für DE, sehr schön anhand der Graphiken "Ihrer"
Sekularstation erkennen.
Siehe hierzu meinen Beitrag:
http://www.wissenslogs.de/.../page/10#comment-2552
#
Die bodennahe Temperatur in Mitteleuropa, hier gemittelt über 5 DWD-Stationen, folgte auf erhöhtem Niveau strukturell in etwa dem Verlauf der NAO bis zum weiteren Maximum während der 23. Periode mit ihren neuen extrem intensiven Protonenströmen.
Diese Phänomene besagen, dass die Perioden des Nordatlantischen Wettergeschehens in der Grundfrequenz über die Wolkenbildung durch Höhenstrahlung solar gesteuert sind. Insbesondere das Klimageschehen seit 1989 mit der globalen Temperaturerhöhung wurde von den eingangs gezeigten besonderen solaren Ereignissen gesteuert. Die auf diese Weise erhöhte Sonneneinstrahlung führte zur periodischen zusätzlichen Energiezufuhr auf die Erde, die mit einem Zuwachs der Sonneneinstrahlung im Jahresmittel um etwa 1,2 +-0,2 mW/cm2 zu einem Anstieg der bodennahen Temperatur um 0,9°C +- 0,2 °C führte und den aktuellen sogenannten Klimawandel verursachte. Diese solar bedingten Energieschübe erfolgten in unregelmäßigen Abständen und Intensitäten währen der beiden letzten Sonnenfleckenperioden. Sie waren außergewöhnliche Ereignisse an der Sonnenoberfläche. Entsprechende Untersuchungen der Sonnenaktivität während des ersten Klimasprungs in den zwanziger Jahren wären angezeigt.
[..]
Warum die Sonne diese außergewöhnliche Aktivität seit 1988 entwickelte, ist noch nicht geklärt. Es gibt die Ansicht, dass die besondere Nähe der Drehmomente von Sonnensystem und Sonne zueinander während der 22. Sonnenfleckenperiode Turbulenzen in der Sonnenoberfläche auslöste. Dann wäre der Jupiter als der das Sonnensystem gravimetrisch dominierende Planet der Auslöser des jüngsten Klimawandels (Landscheid 2005).
#
Sämtliche Zitate:
http://www.eike-klima-energie.eu/...imeFileUID=487
Ohne auf die Daten von Svensmark zurükzugreifen wird Svensmark damit bestätigt.
@Raimund Leistenschneider
Punkte und Bindestriche am Ende von Links führen den Suchenden ins Leere.
In Sachen Sonne empfehle ich folgenden Artikel:
http://uploader.wuerzburg.de/...k/klima/sonne1.htm
# Eruptionen der Sonne sind für "El Niño" verantwortlich
Die Vertreter der US-Wetterbehörde waren sich im Juli 2002 ähnlich wie andere mit Computern hoch gerüstete Forschungszentren sicher, dass ein neuerlicher El Niño bevorsteht. Doch ein Außenseiter schlug diese bei der Vorhersage um Längen: Der Solarforscher Theodor Landscheidt vom Schroeter-Institut zur Erforschung von Zyklen der Sonnenaktivität im kanadischen Nova Scotia sagte den aktuellen El Niño nachweislich schon 1999 in einer detaillierten Studie voraus und stellte sie für jedermann zugänglich ins Internet.
Während die großen Forschungsinstitute auf ein umfangreiches Früherkennungssystem mit Bojen und Messstationen zurückgreifen, verfolgt Landtscheidt einen völlig anderen Ansatz: "Es gibt seit Jahrzehnten Beobachtungen, wonach Klimaphänomene auf der Erde mit Sonnen-Eruptionen zusammenhängen", so Landtscheidt#
Das war allerdings 2002.
http://www.welt.de/...r_El_Nio_verantwortlich.html
#Theodor Landscheidt: "Die Behauptung zahlreicher Klimaforscher, dass die Sonne in den letzten Jahrzehnten nur einen vernachlässigbaren Einfluss auf das Klima gehabt habe, kann nicht aufrechterhalten werden. Das vom Menschen erzeugte Kohlendioxid spielt dann eine sehr viel geringere Rolle als angenommen."#
Wer ist / war Landscheidt ?
eine Biographie:
http://bourabai.narod.ru/landscheidt/default.html
#
Dr. Landscheidt war Mitglied der American Geophysical Union, der New York Academy of Sciences, des Europaeischen Wissenschaft- und Umwelt-Forums, der europaeischen Umwelt-Akademie und der Wittheit zu Bremen. Er war Direktor des internationalen Forschungskomitees uber Umwelteinflüsse der Universitat Brüssel. Er hat im Jahre 1992 den Preis des Dewey Institutes in Kalifornien in der Forschung der Zyklen fuer " hervorragende Verdienste auf dem Gebiet der Forschung der Sonnenzyklen ", und fuer " den grossen Beitrag zur Forschung der Sonne-Erde Zyklen bekommen."#
H.Rahmstorf über Herrn Landscheidt:
#(Landscheidt ist übrigens ein seit Jahren in der "Skeptiker"-Szene aktiver pensionierter Jurist, ungeachtet des phantasievollen Institutsnamens in seiner Anschrift.)#
http://www.pik-potsdam.de/.../leser_antworten.html
Weiter aus der Biographie:
#Die kurze Biographie
Theodor Landscheidt machte seit 1974 langfriste Prognosen und bestimmte genau die Klassen der Energie von Röntgenstrahlen-Flare und von starken geomagnetischen Stuermen. Er hat im Jahre 1983 das "Schröter Forschungsinstitut" fuer das Studium der Zyklen der Sonnenaktivitaet in Liliental bei Bremen gegruendet, wo Schroeter das groesste astronomische Observatirium auf dem Kontinent aufgebaut hat und Olbers und Bessel geholfen hat, die Suche des verlorenen Planeten zwischen Mars und Jupiter zu organisieren.#
Eine empfehlenswerte Lektüre zur Sonne findet sich ier:
http://kranenbroeker.de/pdf/Sonnwind.pdf
Weiter Herr Rahmstorf:
#Im Internet war das angebliche Institut nicht zu finden. Nachforschungen ergaben, dass sich hinter dem Institutsnamen der seit langem in der Klimaskeptiker-Szene aktive Jurist Theodor Landscheidt verbirgt.#
http://www.pik-potsdam.de/~stefan/taz-essay.html
Nur nicht mit dem Thema auseinandersetzen, sondern den Mann als
Pensionär diffamieren, Jurist obendrein.
In der Bibliothek der Uni Bremen gibt es von Landscheidt 2 Bücher, aber nichtüber Jura :-)
# Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Alter kosmischer Körper und Systeme und ihrem spezifischen Volumen?
/ Theodor Landscheidt. - Bremen : Naturwissensch. Verein, 1970
Transpluto (dt. u. engl.). Graphische Ephemeride d. ekliptikalen Positionen 1878-1987 geozentrisch u. heliozentrisch
/ Theodor Landscheidt. - Aalen : Ebertin-V, 1972#
[Antwort: Mitglied von AGU etc. können Sie übrigens auch selbst werden, indem Sie den Jahresbeitrag bezahlen. Da Sie teilweise meine Aussagen zu Landscheidt zitieren, hier der Vollständigkeit halber noch ein Zitat aus meinem "Klimahysterie"-Artikel von 2007 (siehe Fußnote 4):
Das von Maxeiner wiederholt gelobte „Schröter-Institut zur Erforschung von Zyklen der Sonnenaktivität“ bestand nach Auskunft von Prof. Schönwiese (der das "Institut" besucht hat) allein aus dem inzwischen verstorbenen pensionieren Juristen Theodor Landscheidt. Landscheidt war passionierter Hobbyastrologe und Autor von Büchern wie Wir sind Kinder des Lichts. Kosmisches Bewußtsein als Quelle der Lebensbejahung. Er brachte nicht nur die Klimaentwicklung, sondern z.B. auch Adolf Hitlers Aufstieg mit kosmischen Zyklen in Verbindung, siehe seinen Aufsatz "The Golden Section: A Cosmic Principle". Die von ihm behaupteten Zusammenhänge mit dem Klima wurden von Klimatologen geprüft und konnten nicht bestätigt werden. Wer die Wissenschaftlichkeit seiner Aussagen öffentlich in Zweifel zog, dem wurde mit Klage gedroht, u.a. Paul Farrar und mir.
Zitat Ende. S.R.]
zur Bibliothek fehlt der Link:
http://opac.suub.uni-bremen.de/...dscheidt,Theodor
@ Gans
Oh Gott,
fast könnte ich hoffen, dass ich mit das wegen meines Fiebers nur einbilde.
Hier mal ein Auszug aus der von dir verlinkten Homepage:
"Die Astrologie gibt dem Menschen eine Moeglichkeit, die Grenzen der heute erklaerbaren Erscheinungen zu ueberschreiten, und liefert das maechtige Prognosewerkzeug.
Dr. Landscheidt war einer jener intelligenten Leute, der es verstanden hat, und hat sehr viel fuer die Einfuehrung der Methoden der Astrologie in wissenschaftlichen Untersuchungen, fuer die Erarbeitung der neuen gegenwaertigen Methoden der Astrologie, insbesondere für ihre Computerisierung gemacht."
Jurist war er übrigens wirkllich! Einigen wir uns doch bitte darauf, dass das ein lieber netter Mann war, mit dessen Thesen ich mich hier jetzt nicht wirklich auseinandersetzen muss.
Wenn du da seriöseren Quellen hast - immer her damit!
Ich hab mir auch den Link von Herrn Leistenschneider zur Sonnenaktivität mal angesehen. Eine Steigerung habe ich da in den letten Jahrzehnten nicht sehen können. Ein bisschen saubere Statistik würde hier wohl wenig Korrelation zeigen. Da braucht man mehr Fantasie als ich gerade aufbringen kann...