FR zieht Artikel gegen Klimarat zurück
Die Frankfurter Rundschau hat einen Artikel zurückgezogen, in dem sie am 8 Februar schwere Vorwürfe gegen den Weltklimarat erhoben hatte. "Neue Fehler beim Klimarat: IPCC macht aus Nordafrika ganz Afrika" war der Artikel überschrieben, und der Titel beschreibt auch den Inhalt. Der Hauptvorwurf: der IPCC-Bericht habe ohne eine "wissenschaftlich tragfähige Basis" gefolgert, dass viele Menschen in Afrika infolge des Klimawandels einer erhöhten Wasserknappheit ausgesetzt würden. Speziell wurde behauptet, aus einer (womöglich fragwürdigen) Studie über drei Nordafrikanische Länder habe man Folgerungen für ganz Afrika gezogen.
Lesen hilft: jeder kann durch Nachlesen der relevanten Passagen im IPCC-Bericht leicht feststellen, dass die Vorwürfe schlicht falsch sind. Der IPCC-Bericht hat völlig korrekt die wissenschaftliche Fachliteratur ausgewertet und beschrieben. Die Aussagen über ganz Afrika stammen aus einer Studie über ganz Afrika, vom renommierten britischen Forscher Nigel Arnell (2004). Dort, wo die 3-Länder-Studie von Agoumi zitiert wird, steht auch stets "in some countries" o.ä., nirgends wird aus dieser Arbeit etwas über ganz Afrika gefolgert.
Dieser "jüngste Skandal um den vierten Sachstandsbericht des IPCC" (so die FR) ist also frei erfunden, wie die meisten anderen. Wer unsere Übersicht über die angeblichen und echten IPCC-Fehler gelesen hat, der ahnt schon, von wem die Autorin des FR-Artikels, Irene Meichsner, diese Vorwürfe übernommen hat: vom Blogger Richard North und von Jonathan Leake von der Sunday Times. Vor Ostern hatte ich die FR-Redaktion angeschrieben und darauf hingewiesen, dass die Fakten in dem Artikel nicht stimmen (mein Schreiben ist unten in Gänze angehängt). Inzwischen hat die FR den Sachverhalt geprüft und den fehlerhaften Artikel vom Netz genommen. (Er ist allerdings hier noch auf der Seite des Kölner Stadtanzeiger nachzulesen, wo er tags zuvor erschienen war.)
Ich möchte hier nicht speziell die FR kritisieren, die im allgemeinen eine gute Berichterstattung zum Thema Klima macht - dass ich mich gerade an deren Redaktion gewandt habe, hat teils eher zufällige Gründe (ich wurde mehrfach auf diesen Artikel gestoßen), teils tat ich es gerade deshalb, weil bei dieser Zeitung eine konstruktive Reaktion auf Kritik zu erwarten war. Zahlreiche andere Zeitungen innerhalb und außerhalb Deutschlands haben die falschen Vorwürfe gegen das IPCC ungeprüft nachgedruckt, die das Gespann North/Leake in die Welt gesetzt hat.
Es ist erstaunlich, dass sich Medienjournalisten für diesen Coup bislang kaum interessieren: einem Blogger und einem Journalisten gelingt es, mit einer Serie von erfundenen Skandalgeschichten (Deltoid hat eine Auflistung) die halbe Welt zu foppen. Und das, obwohl teilweise weniger als eine Stunde Rechercheaufwand in einem jedermann frei online verfügbaren Dokument (dem IPCC-Bericht) nötig gewesen wäre, um die Behauptungen nachzuprüfen. Dennoch wurden die Geschichten weltweit kritiklos wiederholt und haben die öffentliche Meinung (nach diversen Umfrageergebnissen) erheblich beeinflusst und Zweifel an der Wissenschaft gesät. Und dabei geht es nicht um Axolotl Roadkill sondern um ein Thema, das für die Zukunft der Menschheit von zentraler Bedeutung ist.
In einigen Ländern gibt es inzwischen Versuche von Wissenschaftlern, sich gegen die falsche Berichterstattung zu wehren. Holländische Wissenschaftler haben einen von 277 Forschern unterzeichneten offenen Brief initiiert, der das IPCC gegen falsche Angriffe verteidigt. Auch rund 600 französisiche Forscher haben sich in einem offenen Brief gegen die systematischen Verleumdungen des IPCC gewandt. Der Regenwald-Forscher Simon Lewis hat eine Beschwerde bei der britischen Medienaufsicht eingereicht gegen die "Amazongate" Story von North und Leake, wie der Guardian schreibt. Und einer der renommiertesten kanadischen Klimaforscher, Andrew Weaver von der University of Victoria, hat Klage gegen die Zeitung National Post eingereicht, wie CBC News und Guardian berichten.
Update 30. April: Heute hat die FR (Druckausgabe) eine Doppelseite, auf der über die falschen Angriffe auf das IPCC aufgeklärt wird: "eine Kampagne, die den UN-Klimarat in Verruf bringen sollte" (jetzt hier online). Dort wird auch explizit gesagt, dass als Konsequenz die FR den oben kritisierten Africagate-Artikel in ihrer Online-Ausgabe gelöscht hat. Weiter gibt es einen guten Hintergrundartikel zu den "Klimaskeptikern", wo auch Namen und Geldquellen genannt werden.
Der Kölner Stadtanzeiger hat dagegen den Artikel immer noch online, hat ihn allerdings gestern aktualisiert. Dabei wurde nur der Vorspann geändert. Statt: "Darin wird auch behauptet, dass ganz Afrika von gravierenden Dürren heimgesucht werden wird. Diese These entbehrt jedoch jeder wissenschaftlichen Grundlage" heißt es nun: "Darin wird auch behauptet, dass weiten Teilen Afrikas gravierende Dürren drohen. Diese These ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt."
Update 3. Mai: Am Samstag hat auch der Deutschlandfunk über den Fall berichtet. Als Audio on Demand gibt es da ein Interview mit dem Journalisten Volker Mrasek.
Update 10. Mai: Inzwischen ist auch ein offener Brief von 255 Mitgliedern der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA publiziert worden, der sich in deutlichen Worten gegen die politischen Angriffe auf Klimawissenschaftler wendet.
Update 25. Mai: Heute erwähnt die New York Times in einem Artikel auf der Titelseite den zurückgezogenen FR-Artikel (und zitiert mich dazu).
Update 19. Juni: In ihrer morgigen Ausgabe zieht die Sunday Times auch ihren "Amazongate"-Artikel zurück, über den der britische Kollege Simon Lewis sich beschwert hatte, und publiziert auf Seite 2 eine ausführliche Korrektur.
Literaturquelle:
N.W. Arnell, Climate change and global water resources: SRES emissions and socio-economic scenarios, Global Environmental Change 14 (2004), pp. 31–52. Article | PDF (1358 K)
Dokumentation: Schreiben an die Redaktion der FR vom 25. März 2010
Das ist interessant:
http://www.guardian.co.uk/environment/2010/mar/24/sunday-times-ipcc-amazon-rainforest
Gut, dass ein Wissenschaftler sich einmal gegen falsche Presseberichte
wehrt.
Wir haben ja bei KlimaLounge auch schon darauf hingewiesen, dass die
Behauptungen des Bloggers Richard North und des Sunday Times
Journalisten Jonathan Leake fast durchgehend falsch sind.
Leider hat ja auch Ihre Zeitung in einem Artikel von Irene Meichsner
kritiklos falsche Behauptungen von North/Leake übernommen.
http://www.fr-online.de/top_news/2286879_Neue-Fehler-beim-Klimarat-IPCC-macht-aus-Nordafrika-ganz-Afrika.html
Schon die Überschrift ist falsch: "IPCC macht aus Nordafrika ganz
Afrika". Wo genau soll IPCC das denn tun?
Die erste im Artikel zitierte Aussage
Bis zum Jahre 2020, so wird auf Seite 50 prognostiziert, würden in Afrika voraussichtlich "zwischen 75 und 250 Millionen Menschen" einer erhöhten Wasserknappheit infolge des Klimawandels ausgesetzt sein.beruht auf der Studie von Arnell 2004, wie vom IPCC korrekt zitiert - eine Studie in der begutachteten Fachliteratur, die sich tatsächlich auf ganz Afrika bezieht und an deren Wiedergabe durch den IPCC nicht das geringste auszusetzen ist.
Die nächste zitierte Aussage
Ebenfalls "bis 2020 könnten in einigen Ländern die Erträge aus der vom Regen bewässerten Landwirtschaft um bis zu 50 Prozent" sinken.enthält ja den Satz "in einigen Ländern". Das ist die Aussage, die auf der Agoumi-Studie beruht, die sich (wie dann im Artikel erläutert) auf Algerien, Marokko und Tunesien bezieht. Sowohl im Haupttext des IPCC-Berichts (Kapitel 9.4) als auch in der Summary for Policy Makers als auch im Synthesis Report ist immer im gleichen Satz klar gesagt, dass es sich auf einige Länder bezieht, und nicht auf ganz Afrika. Ich habe das eben selbst nochmals nachgeprüft.
Nirgendwo kann ich eine Aussage finden, wo IPCC "aus Nordafrika ganz Afrika macht" - auch im FR-Artikel findet sich keinerlei Beleg für diese Behauptung, sondern einfach nur eine bunte Vermischung von Aussagen über ganz Afrika (die als solche legitim und in der Fachliteratur begründet sind) und Aussagen über "einige Länder", die vom IPCC stets klar als solche gekennzeichnet wurden. Dieser "jüngste Skandal um den vierten Sachstandsbericht des IPCC" (Meichsner in der FR) ist soweit ich erkennen kann frei erfunden und völlig haltlos, genau wie die Amazonasstory von North und Leake.
Ich möchte Sie daher bitten, zum Meichsner-Artikel eine Korrektur zu publizieren bzw. ihn komplett zurückzuziehen. Ich bin gespannt, ob Sie hier ethischer vorgehen als Ihre Kollegen von der Sunday Times, die ja laut Guardian sogar Kritik an ihrem falschen Artikel von ihrer Webseite gelöscht haben.
Herzliche Grüße,
Stefan Rahmstorf
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Für alle Leute, die wenig Zeit für Recherche haben: http://scienceblogs.com/...obal_warming/leakegate/
277 Forscher da, 600 dort usw. Kampf der Forscher und der Medien. Um was?
Mir ist es als Ösi sowieso egal, was die Frankfurter Rundschau schreibt und der Mehrheit der Deutschen wohl auch. Wozu eigentlich so eine Aufregung um einen Artikel irgendeiner Zeitschrift? Ich versteh das nicht.
Wie Herr Rahmstorf völlig korrekt anführt, wird über die Medien vieles nicht so wiedergegeben, wie es in den IPCC Reporten steht.
Und um mich selbst noch einmal zu wiederholen: über Greenpeace, WWF, Al Gore, Grüne usw. und deren Medienartikel wird auch sehr viel verbreitet, was nicht im geringsten mit den Aussagen des IPCC übereinstimmt. Dramatisierungen und alle in die gleiche Richtung. Auch das muss man sich gefallen lassen und mir fehlt dazu schon der Aufschrei aus dem PIK und anderer AGW Verfechter.
Naja, um alles kann man sich ja wirklich nicht kümmern.
Aber welchen Punkt haben wir erreicht?
Hat man vielleicht den Fehler begangen, zu oft über die Medien auszurichten, dass Schnee in Deutschland bald Schnee von gestern sein wird? Was wurde nicht schon alles versprochen und medial ausgereitzt? Der Konsens unter den führenden Wissenschaftern und ein paar %hängengebliebene Skeptiker, welche an die Scheibe Erde, die Mondlandung im Studio usw. glauben?! Auch das wurde und wird "uns" vermittelt und aus meiner Sicht sollte man sich nicht wundern, wenn das Ganze aus den Ufern zu laufen beginnt.
Durch den Beitrag neugierig geworden, habe ich ein wenig im Web gesucht und diesen Online-Artikel von Irene Meichsner gefunden (Kölner Stadtanzeiger, 25.4.2010):
http://www.ksta.de/.../artikel/1270457720345.shtml
Beim Lesen könnte (und soll vermutlich) der Eindruck entstehen, der dort genannte Stephan Borrmann, Direktor am Mainzer Max-Planck-Institut für Chemie, habe begründete Zweifel an der Existenz einer globalen Erwärmung. Frau Meichsner zitiert dabei Herrn Borrmann nach dem Aufsatz Keime des Klimas, wo in Wahrheit aber ein ganz anderes Bild vermittelt wird. Beispielsweise liest man dort:
Das hat Frau Meichsner geflissentlich übersehen. Stattdessen erteilt sie ihrer Leserschaft den folgenden Rat, den ich lieber nicht weiter kommentieren möchte:
Wodurch kommt es dazu, daß Unsinn so eine leichte Verbreitung findet?
1. Eine Nachricht hat hohen Interessewert, wenn Sie etwas Neues bringt. Gute Nachrichten haben deshalb geringen Interessewert, deshalb heißt es bei den Medien "Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten" und werden deshalb vorrangig verbreitet.
2. Wie ist die Lage auf Seiten der Leser? Da fehlt auf vielen Gebieten das Wissen und die Propaganda unterstützt das. Schon Ludwig Erhard sagte z.B. das ein jeder ein Mindestmaß an Wirtschaftskenntnissen haben sollte. Was aber an Wirtschaftskenntnissen verbreitet wird spottet jeder Beschreibung. Selbst einige "Wirtschaftsweise" betrachten die Volkswirtschaft (Makroökonomie) als eine Art vergrößertes Unternehmen oder Familie (Mikroökonomie). Siehe z.B. Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96konophysik
Dadurch ist eine großes Mißtrauen in die Wissenschaften ganz allgemein entstanden, da z.B. viele hautnah die angeblich unvermeidliche Arbeitslosigkeit erleben.
3. Die Bankenkrise wird nur auf das schlechte Verhalten von Spitzenbankern zurückgeführt. Also sind Spitzenleute mit Mißtrauen zu beäugen. Und Konsequenzen aus dem Versagen werden auch nicht gezogen.
4. Durch dieses Mißtrauen in die Computermodelle der Wirtschaft entsteht Mißtrauen gegen Computermodelle ganz allgemein.
5. Die Klimaforschung bezieht ihre offiziellen Aussagen hauptsächlich auf Klimamodelle, eine schlüssige nachvollziehbare Beschreibung des Treibhauseffekts erfolgt kaum.
Insofern gibt es einen guten Boden für Klimaskeptiker.
Der Umgang der meistens Medien mit komplizierten Themen ist ernüchtend. Leicht zu verstehende Meldungen haben Vorrang vor zeitraubenden und tiefgehenden Analysen. Sowohl der Leser als auch die Wirklichkeit werden in ihrer Komplexität unterschätzt.
Einen schlicht falschen Artikel zu löschen, ist nicht ausreichend. Eine umfassende freiwillige Gegendarstellung wäre angemessen.
Immerhin gibt es in Deutschland den Presserat und einen Pressekodex. Ersterer zählt zu seoine Aufgaben: Entwicklungen entgegenzutreten, die die freie Information und Meinungsbildung des Bürgers gefährden könnten.
Ist nicht langsam mal Zeit für eine Beschwerde?
http://www.presserat.info/...schwerdeformular.html
bei all dem guten Wissen über Energiebilanzen, Strahlungsphysik und Paleoklimatologie, lehne man sich mal bitte kurz zurück und betrachte folgende Abb. mit etwas "Gefühl".
Dargestellt sind die letzten 1000a NHK, T Verlauf und Forcings. Zusätzlich der "best estimate" T Verlauf in rot bis 2100 (+3°C).
Diese Zukunft zeigen uns also die besten Klimamodelle der Welt, wegen einer CO2 Erhöhung von ca. 0,03% auf 0,06%.
Also ich bin da ewtas skeptisch, sonst niemand?
http://i41.tinypic.com/dbph95.png
[Antwort: Wo ist ihr Problem dabei - liegt es daran, dass 0,06% eine kleine Zahl ist? Haben Sie schon mal versucht, 0,06% Zyankali ihrer Suppe beizumischen? Aber ich gebe ein besseres Beispiel: mit nur 0,06% Wasseranteil in der Luft in Form von kleinen Tröpfchen können Sie einen Nebel erzeugen, der die Durchlässigkeit für sichtbares Licht in ähnlicher Weise behindert wie CO2 die Durchlässigkeit für Wärmestrahlung. 3 Gramm Wasser reichen aus, um Ihr Wohnzimmer zu vernebeln. Stefan Rahmstorf]
@ 27.04.2010 | 16:37
mein Wohnzimmer hat 50m³ bei 25°C und rF 40%. Da schwirren bereits 460 Gramm Wasserdampf herum. 3 Gramm H2O zusätzlich machen da gar nichts aus, od. hab ich sie falsch verstanden?
Zu den 0,03 bzw. 0,06% CO2. Es ist mir schon klar, dass die Zahlen zwar klein sind aber Wirkung zeigen. Was ich sagen bzw. zeigen wollte ist nichts weiter als eine Visualisierung unseres "Wissens" oder dessen, was wir meinen es müsste so sein. Ich frage mich anhand dieser Darstellung einfach, hmmm dass sieht aber verdammt krass aus und alles "nur" wegen einem Molekül, welches zwar durch Menschen in der Atmosphäre angereichert wird, am Ende aber immer noch ein elementarer Baustein des Lebens und der Natur an sich ist. Hat die Natur, von der wir heute noch viel lernen können, da wirklich nichts auf Lager, um einer CO2 Anreicherung entgegen zu wirken, außer sich verstärkende Feedbacks und galoppierende Erwärmung?
[Antwort: Von Ihren 460 g Wasserdampf müssten nur 3 g kondensieren (Tröpfchen bilden) um Ihnen die Sicht zu vernebeln. Dass die Natur offenbar nichts "auf Lager" hat, um eine CO2-bedingte Erwärmung zu verhindern, zeigen die früheren Treibhausklimate in der Erdgeschichte. Bis vor 40 Millionen Jahren war die Erde angesichts der höheren CO2-Konzentration praktisch eisfrei - was z.B. 70 Meter höheren Meeresspiegel bedeutet. Stefan Rahmstorf]
Die Klimadebatte hat in den Medien eine dialektische Form angenommen oder wenn man will die Form einer Gerichtsverhandlung in dem sich Parteien gegenübersitzen. Die Gegenpartei zu den IPCC-Kliamwissenschaftlern hat sich erst in den letzten Jahren formiert und für viele Journalisten sind ihre Argumente genau so plausibel wie die Argumente derjenigen, die vor den Folgen einer globalen Erwärmung warnen.
Sicher müssen Klimawissenschaftler gegen falsche Behauptungen, Unterstellungen und unwissenschaftliche
Argumente antreten.
Andererseits gibt es auch den Weg, dass man den imaginären Gerichtssaal verlässt und sich längerfristig orientiert.
Unabhängig vom Ausgang der momentanen Debatte wird es nämlich noch seine Zeit brauchen, bis die wichtigsten Staaten der Welt die notwendige Dekarbonisierung aller Lebens- und Wirtschaftsbereiche in Angriff nehmen - da darf man sich keine Illusionen machen.
Die Wahrnehmung der Öffentlichkeit richtet sich meiner Ansicht nach auch zu stark auf nachrangige Themen - wie den regionalen Einfluss des Klimawandels mit Schlussfolgerung der Art "ein wärmeres Klima in Deutschland ist gar nicht so schlecht" oder auf begrenzte Formen des Handelns wie beispielsweise
"wir müssen unsere CO2-Emissionen in x Jahren um y Prozent reduzieren".
Nur wenigen ist bewusst, dass die richtige Antwort auf die treibhausgasbedingte Erwärmung eine vollständige Dekarbonisierung der Wirtschaft ist und dass dies unter anderem eines grundlegenden Technologiewechsels bedarf.
Fazit:
Man sollte die Aufmerksamkeit der Medien weglenken von Themen wie den zu erwartenden Folgen des Klimawandels in Afrika oder auf die Himalajagletscher.
Wirksamer wären Artikel, die eine Gesamtschau des Treibhauseffekts in der Klimageschichte und Klimagegenwart präsentieren, sowie Artikel, die zeigen, wie man zu einer Welt ohne fossile Treib-und Brennstoffe gelangen kann.
Hallo Herr Rahmstorf,
ich verfolge schon lange die immer absurderen Verfälschungen der sogenannten "Klima-Skeptiker" als auch der mittlerweile zahllosen "Journalisten", die aufgrund von Nicht-Wissen und Nicht-Verstehen(-wollen) zugunsten schneller (und sensationsgieriger) Berichte die öffentliche Meinung manipulieren und damit fatale Politik auf Kosten der Zukunft der jetzigen Kinder machen.
Ich bin daher sehr froh, dass Sie sich immer wieder sehr detailliert dagegen wehren und auf allen Informationskanälen einmischen.
Vielen Dank und weiter so !!
Herzliche Grüße
Lieber Herr Rahmstorf,
habe soeben ganze 4 (vier) Gramm Wasser im offenen Topf verdampft um meine Küche damit mal so richtig effizient zu vernebeln.
Hat leider überhaupt nicht geklappt. Hat nur einmal kurz und völlig unspektakulär Pfft gemacht und schon war's weg! :-/
[Antwort: Verdunstet, genau. In Gasform machen 4 Gramm Wasser keinen Nebel, dazu müssen sie in flüssiger Form (Tröpfchen) vorliegen. Das ist der Grund, warum Sie Wolken sehen, oder manchmal Ihre Atemwölkchen im Winter. Mein Punkt war nur: Sie brauchen keine hohen Konzentrationen einer Substanz, um den Durchgang von Strahlung zu behindern, vorausgesetzt diese Substanz absorbiert in den entsprechenden Wellenlängen (wie Wassertröpfchen das Sichtbare Licht, oder CO2 und Wasserdampf im langwelligen Bereich). Stefan Rahmstorf]