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NASA: 2009 auf Rang 2

von Stefan Rahmstorf, 18. Januar 2010, 21:34

Die NASA hat gerade ihre Analyse der globalen Temperaturdaten 2009 vorgestellt. Global war 2009 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren, gleichauf mit 2007 und übertroffen nur vom bisherigen Rekordjahr 2005 (siehe Grafik). Auf der Südhalbkugel war 2009 sogar das wärmste Jahr überhaupt.

Temperaturen 2009

Wo also ist die Pause in der globalen Erwärmung, die immer wieder durch die Medien geistert? Eine Chimäre – darauf haben wir hier bereits mehrfach hingewiesen. Was die Daten zeigen, ist ein klimatischer Erwärmungstrend (die Grafik zeigt die 30-Jahre-Trendlinie), überlagert von kurzfristigen Schwankungen von Jahr zu Jahr – also Wetter, um es vereinfachend zu sagen. Die Mehrzahl der letzten Jahre lag über dem Langzeittrend, 2008 lag darunter, 2009 genau im Trend. Anzeichen für eine nennenswerte Abschwächung des Erwärmungstrends gibt es keine. Sowohl die NASA als auch das Hadley Center sagen voraus, dass 2010 gute Chancen hat, einen neuen globalen Temperaturrekord zu setzen.

Die NASA-Forscher sind zwei Gründen für den verbreiteten Mythos einer Erwärmungspause nachgegangen.

Erstens: die HadCRUT-Daten des britischen Meteorological Office und Climate Research Unit (CRU) zeigen einen etwas geringeren Erwärmungstrend in den letzten Jahren, so ist dort z.B. 1998 noch etwas wärmer als 2005. Anhand von Temperaturkarten belegt die NASA detailliert, was unsere regelmäßigen KlimaLounge-Leser bereits wissen: die HadCRUT-Daten sparen die Arktis aus, die sich zuletzt besonders stark erwärmt hat. Sie haben damit keine gute globale Abdeckung und sind nicht so repräsentativ für die globale Mitteltemperatur wie die NASA-Daten. Konkret entspricht die HadCRUT-Rechnung der Annahme, dass die Arktis sich nicht stärker erwärmt hat als der globale Durchschnitt. Wir wissen aber aus verschiedenen Datenquellen (nicht nur der NASA-Interpolation), dass sie sich wesentlich mehr erwärmt hat.

Zweitens: der eher kalte und schneereiche Winter in Europa und USA führt bei manchen Menschen zur Frage: wo bleibt die globale Erwärmung? Das ist natürlich eine Verwechslung von Klima und Wetter. Und, wie die NASA-Karte für Dezember zeigt: da war es einfach zufällig in den USA kalt, während es in anderen Teilen des Globus besonders warm war – global war es der viertwärmste Dezember. Der November 2009 war übrigens global der wärmste November seit Beginn der Aufzeichnungen.

Winterfreuden in Potsdam, Januar 2010       (c) S. Rahmstorf

Auch unser Winterwetter in Deutschland ist nicht so kalt, wie es manche empfinden. Bei unserer Potsdamer Station (Daten seit 1893) lag der Mittelwert der ersten Januarhälfte bei -6,3 ºC, das Langzeitmittel für Januar beträgt -3,2 ºC und das kälteste Januarmittel im Jahr 1940 lag bei -13,5 ºC (jeweils Tagesminimum). Auch wenn wir einen Erwärmungstrend von rund 1 ºC hinter uns haben – die Schwankungsbreite des lokalen Wetters ist noch ein Vielfaches größer, und die wird es immer geben.

Es gibt noch zwei weitere Gründe für die Verbreitung des Mythos einer Erwärmungspause, die von der NASA nicht genannt werden.

Drittens: Mojib Latif und seine Kollegen aus Kiel und Hamburg hatten in Nature eine vorübergehende Abkühlung vorhergesagt, die weltweit Schlagzeilen machte. Eine Reihe internationaler Forscher hatte damals eine Wette dagegen angeboten, da wir diese Prognose aus einer Vielzahl von Gründen wissenschaftlich nicht haltbar fanden (siehe Die Klimawette). Inzwischen ist klar, dass es sich um eine Fehlprognose gehandelt hat. Konkret hatte sie gelautet, dass der Mittelwert 2000-2010 kälter werden würde als 1994-2004. Auch wenn bis zur endgültigen Entscheidung noch ein knappes Jahr fehlt: inzwischen ist dies mit Sicherheit auszuschließen. Und zwar ganz gleich, ob man die NASA-Daten oder die HadCRUT-Daten zugrunde legt. Es gab nicht nur keine Abkühlung, sondern die Erwärmung ist ungebremst weitergegangen. Schon für den Zeitraum 1994-2004 hatte das Modell von Latif und Kollegen übrigens eine Abkühlung gegenüber früher berechnet, die nicht eingetreten ist. Es wäre ein schöner Dienst an der Öffentlichkeit und der Wissenschaft, wenn die Kieler und Hamburger Kollegen einmal über ihre Schatten springen und klar und öffentlich sagen würden, dass ihre Abkühlungsprognose falsch war.

Viertens: nicht zuletzt haben die Websites und Organisationen der „Klimaskeptiker“ nach Kräften den Mythos einer Erwärmungspause oder Abkühlung verbreitet. Bei uns in Deutschland tut sich damit besonders das Europäische Institut für Klima und Energie hervor, ein eingetragener Verein, dessen Namen man getrost als Etikettenschwindel bezeichnen kann. Es handelt sich um eine Gruppe von einschlägig bekannten „Klimaskeptikern“, etwa den Freiburger Gymnasiallehrer Ernst Georg Beck (bekannt für seine gefälschten Klimakurven für Schüler), die hier schon ausführlich gewürdigten Herren Lüdecke und Dittrich und den pensionierten Meteorologen Horst Malberg (der seit Jahren mit seiner Sonnenthese durch die Medien tingelt, ohne etwas dazu in der begutachteten wissenschaftlichen Fachliteratur publiziert zu haben und sich damit dem normalen Fachdiskurs zu stellen).

Leider fallen immer wieder auch seriöse Medien auf derartige Desinformation herein. Case in point ist die Titelstory von Focus von letzter Woche: „Forscherstreit: Fällt die Klimakatastrophe aus?“ Zwar steht in dem Artikel dann viel Richtiges. Wer bis zum Ende liest, der lernt: die globale Erwärmung macht nicht Pause, die Sonne erklärt die Erwärmung nicht und die in den letzten Jahren beobachtete Abschwächung der Sonnenleuchtkraft wird auch keine Kaltphase auslösen. Doch das alleine macht noch keine Titelstory - dazu braucht man eine ordentliche Kontroverse. Um die herzustellen zitiert der Artikel eine Reihe dubioser Quellen, etwa das oben genannte EIKE, eine teilweise von der Öl-Industrie finanzierte kanadische Klimaskeptiker–Lobbygruppe mit dem schönen Namen „Friends of Science“ (die von Focus einfach als "Wissenschaftlerorganisation" vorgestellt wird) und den russischen Astronomen Khabibullo Abdusamatov (von dem ich zum ersten Mal gehört habe), der schon die Existenz des natürlichen Treibhauseffektes bestreitet, der vor knapp 200 Jahren von Fourier erkannt (und benannt) wurde und ohne den es gar kein Leben auf der Erde gäbe. Und schon hat man den in den Medien allzeit beliebten „Forscherstreit“ herbeigeschrieben, auch wenn kein einziger seriöser Klimatologe eine „neue Kaltzeit“ vorhersagt. Zweifellos wird dieser Artikel sich gut verkaufen. Wir sind gespannt auf die nächste Titelstory zum großen „Forscherstreit“ in der Biologie. Die ließe sich nach demselben Erfolgsrezept verfassen – Kreationisten und Intelligent Design-Anhänger gibt es ja genug.

P.S. in eigener Sache: seit zwei Wochen ist nun endlich unser neues Buch The Climate Crisis bei Cambridge University Press erhältlich, in dem David Archer und ich die wichtigsten Ergebnisse des IPCC-Berichts in verständlicher Sprache und reich bebildert erläutern.

Link:

Mehr zu den NASA-Daten - und weshalb Jim Hansen jetzt unter Polizeischutz Vorträge hält.

 

Update 22. Januar: In Reaktion auf unseren Artikel wird Mojib Latif bei Spiegel Online mit folgenden Worten zitiert: "Ich warte bis 2015 ab, dann schauen wir uns an, wie sich die ganze Sache entwickelt hat." Latif bezieht sich damit auf seine zweite Vorhersage für den Mittelwert 2005-2015 (siehe Die Klimawette). Allerdings: war schon die Prognose für den Mittelwert 2000-2010 wenig glaubwürdig, ist es diese zweite noch viel weniger.

Dabei geht es nicht um einen akademischen Disput und die Frage, ob nun Forscher X oder Y Recht hat (oder gar "triumphiert", wie SpON unsinnigerweise behauptet) - das dürfte der Öffentlichkeit ohnehin egal sein. Es geht um die praktischen Konsequenzen derartiger Aussagen. Es geht darum, dass bis ca. 2015 der Anstieg der globalen Emissionen gestoppt sein muss, wenn die Erwärmung noch - wie in Kopenhagen beschlossen - auf 2 Grad begrenzt werden soll. Kaum etwas hat die öffentliche Unterstützung für Klimaschutzpolitik in den letzen Jahren derart untergraben wie der Abkühlungsmythos.

Eine ZDF-Dokumentation zeigte kürzlich einen amerikanischen Hausbesitzer, der auf die Frage, ob er denn etwas zum Klimaschutz tun wolle, im Brustton der Überzeugung antwortete: "Wieso sollte ich? Seit zehn Jahren kühlt die Erde sich doch ab." Und Anlass meiner Erwähnung der Klimawette im obigen Artikel war diese Anfrage vom Chinesischen Staatsfernsehen ("mit einer Reichweite von 1,2 Mrd. Zuschauern") einige Tage zuvor:

Professor Mojib Latif, of the Leibniz Institute at Kiel University recently spoke to the media about his belief that questions the global warming theory. He believes the past week could be the start of a global trend towards cooler weather that is likely to last for 20 to 30 years. What do you think of the cold mode that he presents?

Nun sagt Latif natürlich nicht solchen Unsinn - aber es ist das, was beim Laien ankommt. Und zwar nicht nur bei "Joe public", der am Rande etwas aus dem Fernseher mitbekommt, sondern bei einem Journalisten, der einen Fernsehbeitrag zum Thema vorbereitet. Eine größere Klarheit in Latifs Äußerungen - wie oben angeregt - wäre sicherlich hilfreich. Der Verweis, die bislang ausgebliebene Abkühlung könne ja möglicherweise bis 2015 noch kommen, ist wissenschaftlich nicht fundiert und füttert letztlich (unbeabsichtigt) die Falschdarstellungen der Skeptikerwebsites (wie hier bei EIKE).

Fakt ist einfach: alle vom Latif-Modell berechneten globalen Abkühlungen sind bislang nicht eingetreten, sowohl die in dem Nature-Paper gezeigten "hindcasts" für die letzten Jahrzehnte, als auch die Prognose für den Mittelwert 2000-2010. Auch für den Zeitraum 2005-2015 deutet nichts darauf hin, dass die Prognose eintreten wird. Laut Modell soll dieser Zeitraum kälter werden als 1994-2004, bislang (immerhin nach Ablauf von 40% des Zeitraums) ist es deutlich wärmer (selbst in den "kühlen" HadCRUT-Monatsdaten). Der Temperatursturz, der diese Prognose noch wahr machen könnte, wäre einmalig in den letzten 130 Jahren - und ein solcher plötzlicher Temperatursturz nach 2010 ist übrigens auch gar nicht das, was in der Modellrechnung passiert.

Letztlich geht es um die Glaubwürdigkeit der Klimaforschung in der Öffentlichkeit - dazu müssen nach meiner Überzeugung auch Fehler zugegeben werden, so wie aktuell der Fehler zu den Himalaya-Gletschern im IPCC-Bericht.

Links:

Englische Fassung des CCTV-Beitrages The Climate Paradox  

Satirischer Weblog zu den kanadischen Friends of Science

Süddeutsche Zeitung zu EIKE





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Kommentare

  1. Karl Mistelberger Jochen Binikowski 22.01.2010 | 13:10
    27.01.2010 | 17:45

    Der Link in diesem Beitrag von Jochen Binikowski funktioniert nicht:

    "Wenn das hier z.B.
    http://data.giss.nasa.gov/...90005.1.1/station.txt
    die Rohdaten sein sollen (Manila Flughafen)"

  2. Jochen Binikowski Satellitenmessung
    28.01.2010 | 10:52

    Man hört immer wieder dass es bei den seit Ende der 70iger Jahre erfolgten Temperaturmessungen durch Satelliten teilweise erhebliche Abweichungen zu den Meßwerten der Bodenstationen kommt.

    In diesem Zusammenhang würden mich einmal folgende Fragen interessieren:

    1. Wieviele Satelliten-Meßpunkte gibt es und wo sind die genau?

    2. Wie oft pro Tag/Woche wird gemessen?

    3. Zu welchen Tageszeiten wird gemessen?

    4. Wie groß ist der Streuradius zum Meßpunkt?

    Ich frage deshalb weil z.B. bei den Satellitenmessungen des Meeresspiegels die Meßpunkte nur etwa alle 10 Tage erfasst werden und es zu einem Streuradius von mehreren Kilometern kommt.

    Ich denke das sind wichtige Fragen. Die ganze Debatte über die Entwicklung der globalen Temperaturen macht nur Sinn wenn die Datengrundlage transparent und über jeden Zweifel erhaben ist.

  3. Jochen Binikowski Manila Link
    28.01.2010 | 11:47

    Keine Ahnung warum der Link nicht mehr funktioniert. Hier der Link zur Grafik:

    http://data.giss.nasa.gov/...1&num_neighbors=1

    Dann unten auf "Station Data as Text" klicken.

  4. Raoul Lepolt kein Betreff
    28.01.2010 | 14:02

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,
    Ihre Argumentation kann nicht stimmen:
    Sie sagen: Hadcrut hat die Arktistemperaturen nicht inkludiert, während die NASA diese berücksichtigt.
    Da die NASA Temperaturen der letzten Jahrzehnte im Schnitt alle zw. 0,2 °C und 0,3°C höher sind als die Hadcrut Temperaturen, und die Temperaturen der Arktis zw. -10 und -70°C schwanken, ergibt sich von selbst, daß die NASA Temperaturen immer niedriger sein müssen als die von Hadcrut. Die Nullgradlinie von NASA und Hadcrut muß dabei dieselbe sein, nämlich sie entspricht 14,00°C als das Mittel von1960 bis 1990. Interessanterweise wird genau diese Tatsache bei all diesen Kurven, die von IPCC veröffentlicht wird nicht dazugesagt, warum? ganz einfach diese 14,0°C liegen nämlich genau 1°C unter den immer wieder kolportierten 15°C, die für dieTreibhauseffektargumentation benutzt wird. Dieses eine Grad ist fast doppelt so hoch, wie die geschätzte ERwärmung von 1850 bis 2008, die ca. 0,6°C ausmacht.

    [Antwort: Lieber Herr Lepolt, da geht einiges durcheinander. Diese Datensätze bestimmen nur die Temperaturabweichung von einer Basisperiode. Diese ist bei NASA 1951-1980, bei HadCRUT 1961-1990, daher gibt es zwischen den beiden einen "offset". Sie können die Basisperiode natürlich frei wählen. In einer früheren Antwort habe ich bereits erläutert, dass wir die absolute globale Temperatur gar nicht so genau bestimmen können, eben weil die Datenabdeckung lückenhaft ist. Nehmen wir an, Sie haben in einer Gitterzelle von 100x100 km drei Wetterstationen, die sind alle im Tal, aber in dieser Gitterzelle ist das Gebiet gebirgig (nur als extremes Denkbeispiel). Wenn Sie aus diesen drei Stationen den Mittelwert für diese Gitterzelle berechnen, wird der völlig daneben liegen, vielleicht um mehrere Grad, weil die kalten Gebirgsregionen nicht berücksichtigt sind.

    Jetzt erwärmt sich das Klima um 0,1 Grad. Da solche Klimaanomalien über ca. 1000 km hoch korrelieren (wie die Messungen zeigen), können Sie mit diesen drei Stationen dennoch ziemlich exakt die Temperaturveränderung gegenüber einem früheren Zeitraum bestimmen.

    Kurzum, auch wenn wir wegen unvollständiger Datenabdeckung nicht wissen, ob die absolute globale Temperatur nun eher 14 oder 15 ºC beträgt, können wir dennoch globale Temperaturveränderungen mit besser als 0,1 ºC Präzision bestimmen. Das liegt letztlich daran, dass die absoluten Temperaturen über kurze räumliche Skalen extrem variieren können (z.B. aufgrund der Topographie), die klimatischen Temperaturveränderungen aber nur sehr geringfügig. Stefan Rahmstorf]

  5. Rudolf Hirschel EIKE
    28.01.2010 | 20:41

    Gehen Sie getrost davon aus, dass EIKE genau einen hauptamtlichen Mitarbeiter hat: den Herrn Limburg. Sein Verweigern einer Antwort zu dieser simplen Frage ist beredt.

    Bei EIKE handelt es sich um ein Potemkin'sches Institut. Eine Lobbygruppe, die eine Website betreibt und in der öffentlichkeit den Eindruck erwecken will, dahinter stehe eine seriöse Institution, vielleicht gar ein Forschungsinstitut: das Europäische Institut für Klima und Energie. Es ist ein Trauerspiel für die Qualität unserer Presse, dass Focus soetwas nicht aufdeckt sondern darauf hereinfällt.

  6. Jochen Binikowski kein Betreff
    28.01.2010 | 21:34

    Herr Rahmstorf, Sie schreiben:

    "Kurzum, auch wenn wir wegen unvollständiger Datenabdeckung nicht wissen, ob die absolute globale Temperatur nun eher 14 oder 15 ºC beträgt, können wir dennoch globale Temperaturveränderungen mit besser als 0,1 ºC Präzision bestimmen. Das liegt letztlich daran, dass die absoluten Temperaturen über kurze räumliche Skalen extrem variieren können (z.B. aufgrund der Topographie), die klimatischen Temperaturveränderungen aber nur sehr geringfügig. "

    Gestern habe ich genau zu diesem Thema die Daten aus Japan gepostet und gefragt, wieso in Sapporo die Durchschnittstemperatur um über 2 Grad gestiegen ist während sie im nur wenige Kilometer entfernten Umland praktisch unverändert blieb.

    Das kann nichts mit urban heating zu tun haben denn es ging nicht um die absoluten Temperaturen, sondern um die Abweichung.

    Wie kann man dies mit Ihrer oben zitierten Aussage in Einklang bringen?

    [Antwort: Lieber Herr Binikowski, beim urban heating entsteht das Problem gerade durch die lokale Temperaturveränderung (nicht die absolute Temperatur), weil dieser Wärmeinsel-Effekt ja im Laufe der Jahrzehnte größer wird, wenn eine Stadt wächst. Daher ist der urban heat island effect eine Ausnahme von der Regel, dass Temperaturanomalien großskalig sind - hier handelt es sich um kleinskalige Temperaturveränderungen, die deshalb auch aus diesen globalen Temperaturanalysen herauskorrigiert werden. Stefan Rahmstorf]

  7. Karl Mistelberger Manila Link 28.01.2010
    29.01.2010 | 19:46

    Lieber Herr Binikowski,

    wenn Sie die Anzahl der Nachbarn erhöhen, werden mehrere Temperaturen im Bild der Originalkurve dargestellt: http://data.giss.nasa.gov/...&num_neighbors=11
    Man kann deutlich erkennen, dass die Temperaturen am Flughafen stärker gestiegen sind als in den benachbarten Stationen. Dieser Effekt wird aber bei der Berechnung der Globaltemperatur berücksichtigt.

    Oft werden die Messungen von Klimaleugnern angezweifelt wie z.B. die Temperaturen am Flughafen in Darwin. Das geschieht aber fast immer zu Unrecht: http://www.scienceblogs.de/...aze.php#comment75880

  8. Ingolf GISS-Algorithmus
    30.01.2010 | 16:18

    warum schaut sich denn niemand von den "Skeptikern" den GISS-Algorithmus selbst an?

    Für Computer"experten": clearclimatecode.org - ein wunderbares, freiwilliges, unabhängiges GISTEMP Re-Implementierungsprojekt. Seltsamerweise haben das "Skeptiker" nie auf die Reihe bekommen. Sie implementieren den Code in Python. Nach der Überführung nach Python, räumen sie jetzt den Code auf, damit auch nicht FORTRANisten es verstehen können.

    Für eher Theoretiker: die Papiere die auf der GISTEMP-Seite verlinkt sind, vor allem Hansen/Lebedeff 1987 als Grundlage ist gut. Und Hansen et all 1999/2001 als Updates, besonders das zweite sehr US-zentriert.

    GISS nutzt die Referenzstationsmethode... man nimmt den Mittelpunkt von einem bestimmten Gebiet und kombiniert alle Stationen, die bis zu 1200km entfernt sind. Dabei geht man schrittweise vor:
    man nimmt die nächste Station und kombiniert sie mit einer Station, die mind. 20 Jahre überlappt: dazu berechnet man die Mittelwerte beider Stationen im Überlappungszeitraum bspw. T1 und T2. Dann wird von einer Reihe die Differenz der beiden Mittelwerte abgezogen und dann die Daten mit einem gewichteten Mittelwert kombiniert. Im Klartext, man kombiniert die Anomalien zum Überlappungszeitraum... anschließend werden weitere Stationen zu dieser Kombination genauso hinzugefügt...

    Zum Schluß wird für die Referenzstation die Anomalie berechnet und dann werden die Referenzstationen-Anomalien zusammengerechnet.

    Andere Ansätze nehmen ein etwas anderes Verfahren: sie berechnen für jede Station eine lokale Anomalie bzgl einem festgelegten Zeitraum. Der GISS-Ansatz hat aber den Vorteil, dass Stationen nicht unbedingt Daten im Referenzzeitraum haben müssen, somit können mehr Stationen benutzt werden. Die Referenzstationsmethode hat bestimmt auch Nachteile, bspw. wenn die Temperaturtrends nicht korrellieren. Aber meist ist das der Fall.

    Auch ist der Vorwurf, dass Stationen absichtlich weggelassen werden einfach nur daneben. Erstens zeigt man damit, dass man sich nicht mit der Erstellung der GHCN-Daten beschäftigt hat und zweitens zeigen einige Studien (ich glaube, Prof Rahmstorf hatte auch schon eine gezeigt) genau das Gegenteil, nimmt man mehr Daten + Reanalyse kommt meist zu größerer "Erwärmung". Deswegen sehen die MET-Leute HadCRUT eher als konservativ an. Drittens sind die Algorithmen gerade so ausgerichtet, dass das kein Problem ist. Bei der Naiven Berechnung, hat man ja gerade der Probleme von fehlenden Daten.

    Zumindestens habe ich so die groben Züge der Verfahren verstanden. Bitte korrigieren, wenn es falsch ist. Es sicher noch viel mehr drin, um UHI Effekte zu behandeln und andere Anpassungen zu machen.

  9. Klima Martin Danke!
    31.01.2010 | 09:42

    Danke für diesen ausgewogenen, gut belegten und glaubwürdigen Beitrag in der Klimadebatte! Wohltuend!

  10. Karl Mistelberger Die Realität im Himalaya
    01.02.2010 | 07:15

    "Da steht doch tatsächlich im IPCC 2007 Report, die Himalaya Gletscher könnten bis 2035 geschmolzen sein.
    Angeblich bezog man sich auf eine "Studie", welche 2350 meinte, aber auch schon egal. War es ein Tippfehler? Wohl kaum. War es Absicht?"

    Die Unterstellung von "Gunnar Innerhofer" ist Käse wie auch die Zahl 2035.

    Tatsache ist die starke Zunahme von Schmelzwasserseen an den Zungen der Gletscher im Himalaya, die in in katastrophalen Fluten auslaufen: http://www.scientificamerican.com/...-mel-10-01-21

    Ein Zahlendreher ändert nichts an den Fakten: “Climate change is expected to exacerbate current stresses on water resources from population growth and economic and land-use change, including urbanisation. On a regional scale, mountain snow pack, glaciers and small ice caps play a crucial role in freshwater availability. Widespread mass losses from glaciers and reductions in snow cover over recent decades are projected to accelerate throughout the 21st century, reducing water availability, hydropower potential, and changing seasonality of flows in regions supplied by meltwater from major mountain ranges (e.g. Hindu-Kush, Himalaya, Andes), where more than one-sixth of the world population currently lives.”

    siehe: http://www.ipcc.ch/...-statement-20january2010.pdf

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