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Treibhauseffekt widerlegt!

von Stefan Rahmstorf, 25. August 2008, 15:42

Prominente Physiker erhalten regelmäßig Zuschriften von Laien, die ein perpetuum mobile gefunden haben wollen und uns damit von allen Energiesorgen befreien. Ich habe dazu noch einen dicken Ordner mit Zuschriften, in denen Laien einen fatalen Fehler in der Treibhaustheorie gefunden haben wollen, den alle Klimaforscher seit Jahrzehnten übersehen haben. Sie glauben, ein für alle mal widerlegt zu haben, dass der Mensch das Klima aufheizt.

Ich schaue mir diese Thesen immer an – vielleicht ist ja ein ernst zu nehmendes Argument dabei. Doch in der Regel braucht man keine fünf Minuten, um den Denkfehler zu entdecken. Zumal die Argumente sich oft wiederholen – nach ein paar Jahren hat man fast alles schon mal gelesen.

Ein besonderer Fall ist ein gerade im Internet publiziertes "Positionspapier zur Widerlegung der staatlich sanktionierten Klimaszenarien" von Dr. Siegfried Dittrich aus Hamm. Besonders deshalb, weil er die anthropogene Erwärmung nicht nur einmal, sondern gleich fünffach „falsifiziert“. Und besonders auch deshalb, weil der Wirtschaftsrat der CDU  sich bei einer Sitzung am 28. August ausgiebig mit Dittrichs Thesen befassen will.

Was also ist von Dittrichs Thesenpapier zu halten? Im Untertitel verspricht es:

Es geht nur um simpelste Zusammenhänge: 5 Falsifikationen reichen aus, um den ganzen Unsinn der Klimahysterie klar zu erkennen.

Gleich zu Beginn überrascht Dittrich mit der Aussage, dass eine Verdoppelung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre „selbst nach Verbrauch aller fossilen Brennstoffe wegen partieller Aufnahme durch die Ozeane und zunehmender Photosynthese bei weitem nicht erreichbar sein dürfte“. Dass da etwas nicht stimmen kann, zeigt schon eine einfache Überschlagsrechnung: in den letzten zehn Jahren haben unsere Emissionen die CO2-Konzentration im Mittel um 2 ppm jährlich erhöht. Würden wir die Emissionen auf diesem Niveau einfrieren und Ozean und Biosphäre würden weiterhin den gleichen Anteil aufnehmen wie bislang (alles optimistische Annahmen), dann würde die Konzentration weiter um jährlich 2 ppm steigen, und wir hätten sie noch vor Ablauf diesen Jahrhunderts verdoppelt (auf über 560 ppm von den vorindustriellen 280 ppm). Ich habe noch niemanden gehört, der der Auffassung war, dass wir schon bei konstantem Verbrauch bis zur Jahrhundertwende keine Kohle mehr haben. Bislang hat die Menschheit insgesamt rund 500 Gt Kohlenstoff emittiert. Die fossilen Brennstoffreserven werden auf 3000-5000 Gt geschätzt.

Als nächstes berechnet Dittrich, wie stark seiner Meinung nach eine Verdoppelung der CO2-Konzentration das Klima im Gleichgewicht aufheizen würde – dieser Wert ist als „Klimasensitivität“ bekannt. Laut Dittrich beträgt sie 0,34 Grad. Der IPCC-Bericht dagegen spricht von einer Klimasensitivität von ca. 3 Grad, mit einer Unsicherheitsspanne von 2 – 4,5 Grad. Dittrich allerdings behauptet durchgehend, IPCC würde von 4,5 oder gar 6,5 Grad ausgehen. Die IPCC-Abschätzung beruht auf über einem Dutzend unabhängiger Studien, die u.a. aus den Klimaschwankungen in der Erdgeschichte die Klimasensitivität ableiten.

Die Diskrepanz zu Dittrich hat mehrere Gründe. Er beginnt mit einem fundamentalen Denkfehler, denn er führt die Berechnung für die Erdoberfläche durch statt für die obere Atmosphäre. An der Oberfläche gilt aber die einfache Strahlungsbilanz (abgestrahlte Wärmestrahlung muss aufgenommene Sonnenstrahlung ausgleichen) gar nicht, die der Rechnung zugrunde liegt. An der Erdoberfläche gibt es nämlich zusätzliche Wärmetransporte innerhalb der Atmosphäre (Konvektion). Dittrich zieht dann fälschlich vom Strahlungsantrieb von 3,7 W/m2 (für CO2-Verdoppelung) noch je 30% für Wolken und Wasserdampf ab – weiteres Indiz dafür, dass er gar nicht weiß, wie dieser Strahlungsantrieb eigentlich berechnet wird (nämlich bereits für realistische Temperatur- und Wasserdampfprofile und Wolkenanteile der Atmosphäre, für jede Spektrallinie einzeln, um den Überlapp mit der Absorption durch Wasserdampf zu berücksichtigen - siehe IPCC-Bericht Seite 140 oder für Details z.B. Myhre und Stordal 1998). Der direkte CO2-Effekt, korrekt berechnet, beträgt 1,1 Grad, nicht 0,34 Grad.

Zum zweiten bestreitet Dittrich die Bedeutung der bekannten Rückkopplungen (Eis-Albedo, Wasserdampf, Wolken) die in der Summe den direkten CO2-Effekt noch verstärken. Wie Urs Neu hier kürzlich schon dargestellt hat, handelt es sich dabei jedoch um detailliert in vielen Studien untersuchte und nachgewiesene physikalische Effekte, die man nicht willkürlich einfach weglassen kann. Ohne diese Rückkopplungen hätte es zum Beispiel die Eiszeiten auf der Erde nicht gegeben. Dittrich versucht auch gar nicht erst, irgendwelche wissenschaftlichen Belege anzugeben, weshalb die Stärke dieser Rückkopplungen seiner Meinung nach praktisch Null sein soll.

Der IPCC und die ihm hörigen Klimainstitute haben daher in recht selbstherrlicher Weise den ohnehin schon zu hoch errechneten Wert von 1,1 °C mittels dubioser Computersimulationen (angebliche Rückkoppelungsmechanismen, die durch zunehmende Wasserdampfbildung und Eisflächenschrumpfung ausgelöst werden sollen) noch um ein Vielfaches angehoben.

Da er dank falscher Rechnung auf 0,34 Grad kommt, IPCC jedoch nach seiner Ansicht auf 4,5 oder 6,5 Grad, behauptet Dittrich später im Text immer wieder, IPCC würde „dem CO2-Einfluß eine 13- oder gar 19-fache Verstärkung” zuweisen oder eine „13-fache Rückkoppelung“ verwenden. Dies stimmt natürlich nicht; die Rückkopplungen verstärken nach Stand der Wissenschaft die Erwärmung etwa um einen Faktor 3, nämlich vom direkten CO2-Effekt von 1 Grad auf eine Klimasensitivität von 3 Grad.

Die ganze Maßlosigkeit, mit der hier vorgegangen wurde, zeigt sich daran, daß der von uns Kritikern errechnete Erwärmungswert von 0,34 °C gleich um das 13-fache bzw. 19-fache übertroffen wird.

Doch nun zu den „5 Falsifikationen“.

Falsifikation Nr. 1

Hier behauptet Dittrich: wenn IPCC Recht hätte, dann sollten unsere Emissionen bislang schon eine Erwärmung um 2,0 bzw. 2,9 Grad verursacht haben. Wie man diese Rechnung korrekt durchführt, kann man z.B. in unserem Buch Der Klimawandel  nachlesen (S. 45). Dittrich macht dabei gleich drei Fehler: er nimmt eine zu hohe Klimasensitivität an, er ignoriert den abkühlenden Effekt der Aerosole und er „vergisst“ die thermische Trägheit der Ozeane. Dies obwohl er zuvor korrekt schreibt, die Klimasensitivität „bezieht sich auf den Gleichgewichtszustand, der allerdings wegen der thermischen Trägheit der Meere erst nach längerer Zeit erreicht wird.“ Er muss also wissen, dass seine Rechnung in diesem Punkt falsch ist. Neu ist sie übrigens auch nicht – sie ist (samt der Fehler) vom US-Klimaskeptiker Lindzen abgeschrieben, die Widerlegung dazu wurde hier publiziert.

Falsifikation Nr. 2

Die geht so: Dittrich konstruiert sich eine falsche Kurve (die rote Kurve in seiner Grafik), er schreibt „IPCC-Kurve“ daran, und dann folgert er:

Die rote IPCC-Kurve verläßt dagegen wegen der zugrundeliegenden 13-fachen Verstärkung schon bei 125 ppm CO2 den positiven Temperaturbereich, was in sich natürlich ein Widerspruch ist und die durchgeführte Computersimulation auf einfache Weise ad absurdum führt.

Problem ist nur: eine solche Kurve findet sich nirgendwo im IPCC-Bericht – sie ist eine Erfindung von Dittrich. Sein Fehler dabei: er hat eine logarithmische Kurve durch zwei Punkte gelegt, wobei der eine der abgeschätzte direkte CO2-Anteil am natürlichen Treibhauseffekt ist (ohne alle Rückkopplungen), während der zweite die CO2-Erwärmung mit allen Rückkopplungen darstellt. Dies ist gewissermaßen Äpfel mit Birnen zu einer Kurve verbinden, und ebenso falsch wie sinnlos – wie das Ergebnis dann ja auch zeigt. Auch dieses Argument liegt übrigens schon lange in meinem dicken Ordner mit kuriosen Zuschriften – allerdings bislang nur in Tabellenform, nicht mit einer schicken Grafik.

Ein größerer Schildbürgerstreich erscheint hiernach kaum mehr vorstellbar.

Falsifikation Nr. 3

Hier geht es um den Einfluss der übrigen Treibhausgase wie Methan, Lachgas, Ozon und FCKW. Dittrich dazu:

Wo sind eigentlich die vielfachen Rückkoppelungseffekte aller dieser Erwärmungsauslöser geblieben und wo erst recht der wesentlich größere, der sich aus dem solaren Einfluß hätte ergeben müssen? Wenn dem CO2-Einfluß eine 13- oder gar 19-fache Verstärkung zugewiesen wird (bis zu 2,0 bzw. 2,9 °C, wobei allein schon das bei weitem nicht erreicht wurde), muß auch für die anderen Erwärmungsfaktoren der gleiche Zuwachs zu erwarten sein. Ein kurzer Überschlag zeigt, daß man hier für das vergangene Jahrhundert mit einem Gesamteffekt von bis zu 8 bzw. 12 °C hätte rechnen müssen. Wo nehmen die Klimainstitute nur den Mut her, uns solchen Rückkoppelungswahnsinn zu suggerieren.

Der „Rückkoppelungswahnsinn“ liegt hier allerdings allein in Dittrich’s Kalkulation, nicht beim IPCC. Selbstverständlich wirken die physikalischen Rückkopplungen in allen Klimamodellen völlig unabhängig davon, aus welcher Ursache sich das Klima ändert – ob durch Methan, CO2 oder die Sonne. Wenn es wärmer wird, nimmt in den Modellen der Wasserdampfgehalt der Atmosphäre zu, die Eis- und Schneebedeckung nimmt ab, und das verstärkt die Erwärmung. Dass dies auch auf der realen Erde passiert, ist nicht nur physikalisch plausibel sondern durch Messungen belegt. Und wenn Herr Dittrich glaubt, die Modelle würden mit dieser Rückkopplung für das vergangene Jahrhundert eine Erwärmung von 8 bzw. 12 Grad liefern – warum schaut er sich die Ergebnisse dieser Modelle nicht einfach mal an? Im IPCC-Bericht sind die Resultate für das vergangene Jahrhundert abgebildet und mit den Messdaten verglichen (Abb. SPM4 und TS23). Viele Behauptungen über den IPCC-Bericht lassen sich sehr einfach falsifizieren: durch Nachsehen im IPCC-Bericht.

Entweder ist hier bewußt manipuliert worden, um die Ergebnisse passend zu machen, oder man hat in höchst fahrlässiger Weise versäumt, die hochgerechneten Prognosen mit den beobachtbaren Fakten zu vergleichen

Falsifikation Nr. 4

Diese beruht auf einem langjährigen Dauerbrenner der Skeptikerdiskussion: der Diskrepanz zwischen den Satellitenmessungen über die Temperaturentwicklung der Troposphäre und dem, was die Klimamodelle vorhersagen. Allerdings habe ich noch nirgends so die Tatsachen auf den Kopf gestellt gesehen wie bei Dittrich:

Die Klimainstitute haben die neue Beweislage allerdings bisher noch nicht anerkannt, wissen sich im Moment aber nur so zu helfen, daß sie die Richtigkeit der Satellitenmessungen in ihrem gesamten Umfang anzweifeln.

Korrekt ist, dass es jahrelang Diskrepanzen nicht nur zwischen Satellitendaten und Modellen, sondern auch zwischen verschiedenen Auswertungen der gleichen Satellitendaten durch unterschiedliche Forschergruppen gegeben hat. Den Ursachen ist man nachgegangen, und man hat dabei eine Reihe von Fehlern in den Satellitenauswertungen entdeckt – u.a. einen simplen Vorzeichenfehler in einem Computerprogramm. Nachdem die Fehler inzwischen korrigiert sind, sind auch die Diskrepanzen verschwunden. All dies ist in der Fachliteratur sauber dokumentiert, im Gegensatz zu Dittrichs Behauptungen.

Dies ist übrigens eines von mehreren Beispielen, wo sich bei Diskrepanzen zwischen Modellrechnungen und Daten die Modelle im Nachhinein als richtig erwiesen haben. Ein anderes Beispiel aus meinem eigenen Forschungsfeld waren die zu warmen Meerestemperaturen im Pazifik in der letzten Eiszeit, die man aus Sedimenten rekonstruiert hatte, und die viele Jahre den Temperaturen widersprachen, die Modellrechnungen des Eiszeitklimas dort ergaben. Inzwischen sind andere, zuverlässigere Methoden der Temperaturrekonstruktion entwickelt worden, und die Rekonstruktionen der Paläo-Datenkollegen stimmen nun mit dem überein, was wir Modellierer schon immer gesagt haben. Genauso gibt es umgekehrt Beispiele, wo Diskrepanzen zwischen Modell und Daten auf Modelldefizite aufmerksam gemacht haben und zur Verbesserung der Modelle genutzt wurden.

Warum machen wir uns hiernach dann eigentlich solche gewaltigen Sorgen um die Zukunft unseres Erdplaneten? Offenbar deswegen, weil die von der Bundesregierung und auch wohl von Lobbyisten einseitig begünstigten Klimainstitute es so sollen und wollen.

Falsifikation Nr. 5

Diese lautet: wenn es derart verstärkende Rückkopplungen gäbe, dann müsste das Klima durch einen „run-away-Effekt“ völlig aus dem Ruder laufen – was jedoch bei vergangenen Warmzeiten der Erdgeschichte nie geschehen ist. Um dies einzusehen, könnten „die zugrundeliegenden wissenschaftlichen Zusammenhänge völlig ausgeklammert bleiben“ – der „gesunde Menschenverstand“ reiche dazu aus.

Sicher? Die Erwärmung ΔT aufgrund eines Antriebs A ergibt sich als:

ΔT = r·A + f·ΔT

Der Antrieb A könnte zum Beispiel eine CO2-Verdoppelung sein und daher den Wert 3,7 W/m2 haben.  r·A ist der direkte Effekt des Antriebs, in dem Fall also die oben erwähnten 1,1ºC – dies kann man aus der Stefan-Boltzmann-Gleichung in guter Näherung leicht ausrechnen (für die „top-of-atmosphere“ Bilanz, nicht am Boden, s.o.!) Hinzu kommt die Rückkopplung, sie ist proportional zu ΔT, und der Proportionalitätsfaktor f heißt feedback-Faktor. Löst man die Gleichung nach ΔT auf, ergibt sich

ΔT = r·A /(1-f)

Die Verstärkung durch die Rückkopplung beträgt also 1/(1-f). Diesen Faktor nennt man gain – es ist der oben erwähnte Faktor 3 (von dem Dittrich fälschlich behauptet, er sei 13 oder 19). Für f<0 ist die Rückkopplung negativ (abschwächend), für f>0 ist sie positiv (verstärkend), und für f=1 erhält man eine instabile Rückkopplung, also den von Dittrich genannten run-away-Effekt. Kurzum: für einen Verstärkungsfaktor von 3 oder auch 13 oder 19 ist ein run-away-Effekt ausgeschlossen; er tritt vielmehr dann ein, wenn f gegen 1 und damit die Verstärkung gegen Unendlich geht. Dies ist elementare Klimatologie - ich lade Herrn Dittrich gerne im Wintersemester in meine Vorlesung an der Uni Potsdam ein, wo dies behandelt wird.

In der realen Fachdiskussion haben wir genau das umgekehrte Problem: unsere Modelle können mit den bekannten Rückkopplungen mehrere frühere Warmzeiten der Erdgeschichte nicht im vollen Umfang erklären. Sie liefern für Warmklimate keine run-away-Erwärmung sondern zu kühle Ergebnisse, insbesondere in Polargebieten (siehe diesen Artikel). Es ist daher nicht auszuschließen, dass wir die Rückkopplungen im System möglicherweise noch unterschätzen – dies muss durch weitere Forschung geklärt werden.

Wir erleben z. Zt. die nahezu unvorstellbare Herbeiforschung einer Klimaentwicklung, die auch nicht im geringsten mit den vorliegenden Fakten übereinstimmt.

Dittrich erwähnt am Rande mehrfach noch eine weitere beliebte Skeptiker-These: dass die Sonnenaktivität die Erwärmung zum großen Teil erklären könne. Zum Beleg verweist er allerdings nur auf einen Aufsatz von Horst Malberg, einem inzwischen pensionierten Berliner Meteorologen. Malberg hat seine Thesen seltsamerweise als Anhang zur von ihm selbst herausgegebenen „Berliner Wetterkarte“ publiziert und damit das Begutachtungsverfahren umgangen, mit dem bei normalen Fachzeitschriften Artikel auf methodische Korrektheit geprüft werden. Die Arbeit wäre angesichts der methodischen Schwächen wohl auch nicht von einer regulären Fachzeitschrift angenommen worden.

Dittrich erwähnt auch nicht, dass die Sonneneinstrahlung über die letzten hundert Jahre nur um 0,12 (maximal 0,3) W/m2  zugenommen hat, im Vergleich zu den 1,7 W/m2 durch den anthropogenen CO2-Anstieg. Daher würde die Sonne noch eine vielfach größere Verstärkung als das CO2 benötigen, um die Erwärmung zu erklären. Auch, dass die Zunahme der Sonnenaktivität vor 1950 geschah und damit wohl kaum die Ende der 1970er einsetzende starke Erwärmung erklären kann (drei Viertel der globalen Erwärmung fanden seit 1980 statt), erwähnt er nicht.

Hiermit fällt auch gleichzeitig das gesamte fiktive Klimagebäude in sich zusammen, einschließlich der von den Politikern beschlossenen Zwangsmaßnahmen zur Bevorzugung der erneuerbaren Energien, die bis auf die Wasserkraft wegen ihrer Unwirtschaftlichkeit und ihres teilweisen Verschandelungscharakters z. Zt. weitestgehend überflüssig sind.

Die oben genannten Thesen zirkulieren seit Jahren im Internet, und sie werden das mit Sicherheit auch noch in zehn Jahren tun - ganz egal wie falsch sie sind und wie oft die Klimaforscher darauf hinweisen. Der Grund: es gibt genügend leichtgläubige Menschen, die diese Dinge glauben wollen und sie daher nicht kritisch hinterfragen. Auf ein halbwegs seriöses Argument gegen die anthropogene Erwärmung warten wir bislang vergebens. Gäbe es eines, Dittrich hätte es wohl in seiner Liste präsentiert. 

Folgt man dem Link am Ende von Dittrichs Text zur Website seines Vereins EIKE, findet man dort eine aktuelle Meldung (6. August), in der „die Parallelen zwischen der Euthanasie-Lehre der 30er-Jahre und der aktuellen Klimawandel-Agitation“ diskutiert werden.

Bleibt die Frage, was der Wirtschaftsrat der CDU sich von einem Vortrag und Diskussion derartiger Thesen verspricht. Ich unterstelle einmal, dass die Mitglieder des Wirtschaftsrates an einem Verstehen der realen Welt interessiert sind – nur auf dieser Basis lässt sich schließlich erfolgreich wirtschaften. Plant der Wirtschaftsrat eine eigene fachliche Bewertung der Thesen von Dittrich, etwa um auf dieser Basis zu einer vom IPCC abweichenden Einschätzung der Klimaentwicklung zu kommen? Man fragt sich unwillkürlich: wie viele der oben genannten Denk-, Rechen- und Faktenfehler von Dittrich würde man überhaupt erkennen? Die nach T differenzierte Stefan-Boltzmann-Gleichung, logarithmisches Degressionsverhalten – das dürfte für einen Laien hinreichend fachchinesisch klingen, um als Wissenschaft durchzugehen und sich ansonsten einer weiteren Einschätzung zu entziehen. Es gehört zur Methode der „Klimaskeptiker“, durch diese Art von für Laien undurchsichtiger Scheinwissenschaftlichkeit den Eindruck zu erwecken, dass "die Experten sich noch streiten".

Man muß fast davon ausgehen, daß bei den „Klimaschützern“ der Verstand ausgehakt hat.

Im Grunde gibt es für einen Laien hier nur die Möglichkeit, sich auf die seit über hundert Jahren in der Wissenschaft etablierten Mindeststandards und Institutionen der Qualitätssicherung zu verlassen. Man könnte zum Beispiel fragen, wieso eine derart bahnbrechende und folgenreiche Berechnung, die eine Klimasensitivität von nur 0,34 ºC statt der in der Fachwelt bislang akzeptierten 3 ºC ergibt, nur Laien präsentiert und nicht in der Fachliteratur publiziert wird? (Man ahnt schon die Replik der „Skeptiker“: das ginge nicht, denn nicht nur die Klimainstitute seien alle „IPCC-hörig“, sondern auch die wissenschaftlichen Fachzeitschriften...)

Unsere großen Physiker des vergangenen Jahrhunderts, die sonst sicher ein Machtwort gesprochen hätten, sind leider inzwischen ausgestorben. Wir Kritiker können daher nur hoffen, ohne jede Überheblichkeit ganz in ihrem Sinne gehandelt zu haben. 

Vielleicht sollte sich der Wirtschaftsrat als nächstes doch lieber einem ergiebigeren Thema zuwenden, das zudem immense wirtschaftliche Vorteile verspricht: könnte nicht vielleicht doch etwas dran sein, am perpetuum mobile? Gerade heute hat mir wieder jemand eine Beschreibung eines solchen gesandt. Selbstbewusst schreibt der Autor, dass mit seiner Erfindung "entgegen dem Energiesatz Energie doch erzeugt werden kann"...

(Alle hervorgehobenen Zitate stammen aus Dittrichs eingangs verlinktem Poitionspapier, gelesen am 25.8.2008)





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Kommentare

  1. Jens Christian Heuer Prof. Malberg u. d. Berliner Wetterkarte
    23.09.2008 | 08:38

    Lieber Herr Prof. Rahmstorf,

    Sie Schreiben:" ...in der Wissenschaft müssen auch "unkonventionelle Ansichten" den Grundanforderungen an eine korrekte Methodik z.B. in der Statistik genügen. Diese zu sichern ist Aufgabe des peer review. ...Wenn er glaubt, diese seien methodisch in Ordnung (ich habe da begründete Zweifel) und er sie in der klimatologischen Fachwelt ernsthaft zur Diskussion stellen will, sollte er sie einfach in einer normalen klimatologischen Fachzeitschrift publizieren, die ja alle Orte des "freien Gedankenaustausches" auf solider fachlicher Basis sind."
    Alles vollkommen richtig (!), wenn, ja wenn da nicht die besondere Geschichte der Berliner Wetterkarte, mit Ihrer ganz eigenen Philosophie wäre! Inhaltliche und methodische Kritik ist ja auch hier möglich, nur eben erst im nachhinein.
    Ich möchte aber noch auf einen anderen Aspekt zurückkommen. Malbergs Beitrag wurde in eine spezielle Beilage für Beiträge von Autoren von außerhalb des Meterologischen Instituts der FU Berlin "verbannt", entgegen der bisherigen Praxis auch gegenüber ehemaligen Institutsangehörigen. Warum sol eigentlich nicht auch innerhalb eines wissenschaftlichen Instituts Meinungsvielfalt herrschen und auch in dessen Publikationen zum Ausdruck kennen. Das sollte doch gerade auch eine Minderheitsmeinung gelten, wie sie Prof. Malberg in der Klimadebatte mit Sicherheit vertritt.Wäre es besser gewesen, sich an Voltaire zu orientiern, der einmal schrieb:"Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst"?

    Beste Grüße
    Jens Christian Heuer

    [Antwort: Lieber Herr Heuer, die Meinungsfreiheit steht doch überhaupt nicht zur Debatte - auch ich würde die Meinungsfreiheit stets leidenschaftlich verteidigen. Aber Wissenschaft ist nicht einfach Meinung, sondern hat ganz bestimmte Qualitätsstandards, auf die die Menschen sich verlassen können müssen. Es ist eben nicht Meinung, ob eine bestimmte Korrelation statistisch signifikant ist oder nicht, sondern dafür gibt es objektive Kriterien. Solange Herr Malberg nicht bereit ist, seine Datenanalysen (nicht seine Meinung!) diesen Kriterien gemäß in einer normalen begutachteten Fachzeitschrift zu dokumentieren, solange stehen sie außerhalb der Wissenschaft und werden von anderen Wissenschaftlern nicht ernst genommen oder kommentiert. Ich persönlich halte es auch für ethisch fragwürdig, Laien gegenüber diese Datenanalysen zu präsentieren, wie Herr Malberg es in seinen Vorträgen tut, wenn er nicht bereit ist, sie vorher in der Fachliteratur der Kritik der Fachkollegen auszusetzen. Siehe dazu meinen ersten Aufsatz in der KlimaLounge. Stefan Rahmstorf]

  2. Rainer Hoffmann Sehr seltsame Rahmstorf -Theorie
    23.09.2008 | 09:17

    Zitat Rahmstorf:

    ****
    "Klimatologie ist ja nicht Wetterkunde"
    ***

    Interessant, wieder was gelernt, von Herrn Rahmstorf:

    Denn nach dieser These/Theorie/Sichtweise/Ideologie von Herrn Rahmstorf basiert Mathematik/Algebra/Statistik wohlmöglich auch gar nicht nicht auf Zahlen...??!!

    Weiß Herr Rahmstorf wirklich, wovon er spricht...??

  3. Wolfram Wettergeschichte
    23.09.2008 | 10:18

    Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf,

    Ich gehöre zu den angesprochenen Laien. Ich habe nur 4 Semester Meteorologie studiert, ohne Abschluß, besitze aber einen Magister in Geschichte: Und das ist dann eben mein
    Spezialgebiet.
    Ich würde es niemals wagen, in der Physik etwas zu diskutieren,
    von dem ich keine Ahnung habe.
    Aber ich verlasse mich auf das, was ich sehe und selbst recherchiert habe.
    Und das ist Wettergeschichte.
    Wer sich intensiv damit auseinandersetzt, wird, so denke ich, erkennen, dass das Wetter immer eine Katastrophe war.
    Wo ist denn die Klimakatastrophe, die schon vor 20 Jahren angekündigt wurde?
    Immer wieder wird von Zunahmen aller möglichen schlimmen Wetterereignisse gesprochen, jede Flut, jeder Sturm usw. wird immer gleich zum Anlass genommen als Beleg für eine Katastrophe.
    Ich sehe das einfach nicht. Nach dem, was ich recherchiert habe, hat sich im
    Grunde nichts geändert. Nur die Präsenz der Medien hat gewaltig zugenommen.
    Es gibt keine Zunahme der wetterbedingten Katastrophen. Versicherungsschäden steigen, weil immer mehr Menschen wertvolleres Gut in gefährdeten Gebieten versichern. So schreibt C. Schönwiese in seinem 2007 erschienenen Klima- Atlas: „Die Aussage, das Klima in Europa sei generell extremer geworden, lässt sich nicht halten. Der Atlas offenbart, dass sich das Klima innerhalb Europas ganz unterschiedlich entwickelt hat.“
    Die Häufigkeit und Intensität von Hurrikanen und Taifunen unterliegt einem zyklischen Wechsel. Von einer Zunahme kann keine Rede sein. Selbst Fred Pearce schreibt 2008 in seinem Katastrophen- Buch „Das Wetter von morgen“: „Bislang konnte nichts Außergewöhnliches an den einzelnen Hurrikanen der letzten Zeit festgestellt werden. Der größte jemals beobachtete ist Taifun „TIP“ von 1979 mit Windgeschwindigkeiten bis 300 km/h.“Die katastrophalen Auswirkungen von Hurrikan „Katrina“ 2005 zum Beispiel hatten ihre Ursache in den maroden Deichen, und nicht im Hurrikan selbst. Ebenso die verheerenden Schäden in Myanmar (Birma) nach dem Taifun 2008: Dieses Gebiet war bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gerade wegen der Gefährlichkeit nicht besiedelt. Erst die britischen Kolonialherren lockten Bauern in das Gebiet, um Reis für den eigenen Bedarf ernten zu können.
    Auch die intensive Hurrikan- Saison 2008 liegt innerhalb dieser zyklischen Wechsel.

    [Antwort: Sie kommen hier zu gegensätzlichen Ergebnissen wie der letzte IPCC-Bericht, der nach Auswertung der weltweiten Wetterdaten eine Zunahme bestimmter Extreme feststellt. Ich würde hier - wie bei Herrn Malberg - empfehlen, dass Sie Ihre Resultate in der Fachliteratur zur Diskussion stellen, wenn sie ein ernsthafter Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion sein sollen. So werden sie auch im nächsten IPCC-Bericht berücksichtigt werden. Stefan Rahmstorf]

  4. Wolfgang Thüne Treibhauseffekt widerlegt!
    23.09.2008 | 14:38

    Es gibt keinen Treibhauseffekt, weder einen angeblich natürlichen noch einen unnatürlichen!
    Wie das Gravitationsgesetz von I. Newton unverändert Gültigkeit hat, so auch sein Abkühlungsgesetz (cooling law)!
    Fazit: Kein Körper, der selbst unentwegt Energie abstrahlt, kann sich mit der von ihm selbst abgestrahlten Energie erwärmen.

  5. Dipl.-Phys. Jochen Ebel Treibhauseffekt widerlegt! Wirklich?
    23.09.2008 | 15:59

    Herr Thüne schrieb am 23.09.2008(14:38) : Treibhauseffekt widerlegt!

    bringt aber außer Behauptungen dazu nichts.

    Ohne den Treibhauseffekt ist noch nicht mal die bekannte Temperaturabnahme mit der Höhe (-6,5K/km) zu erklären, denn damit die Vertikalzirkulation funktioniert, muß die Emission der Treibhausgase größer als die Absorption sein. Lesen Sie bitte mal meinen Beitrag (Jochen Ebel: Darstellung Treibhauseffekt 23.09.2008 08:21) . Leider fehlt der Schluß, den ich nachfolgend wiederhole:

    Der Wasserdampf dürfte kaum eine Rolle spielen. Im Bereich des Umschlagpunktes ist kaum noch Wasserdampf vorhanden (

  6. jochen Fachpublikation
    23.09.2008 | 18:37

    Hallo Herr Prof. Rahmstorf,

    bei "Wolfram" scheint die Sache ähnlich gelagert zu sein wie im Morgenpost - Hurricane Thread mit Herrn Sävert. Dazu hätte ich einmal folgende Frage:

    Wie funktioniert das peer-view genau? Vor allem, haben Verfasser, die nicht hauptberuflich in einer anerkannten Forschungseinrichtung tätig sind, überhaupt eine Chance auf Veröffentlichung? Falls ja, könnten Sie dafür ein Beispiel benennen?

    Mir ist schon klar, dass bei der Fülle von Fachbeiträgen irgendwo eine Art Filter existieren muß, um den Überblick zu behalten. Allerdings gehen dadurch auch viele wichtige Arbeiten von "qualifizierten Laien" der Wissenschaft verloren.

    Es gibt weiterhin viele Wissenschaftler, die ihre Arbeiten nicht in Fachmagazinen einem peer-view unterziehen lassen können, weil sie z.B. dazu keine Zeit haben oder die Arbeit nicht in allen Punkten den formalen Kriterien entsprechen, in der Kernaussage hingegen extrem wertvoll sind.

  7. 23.09.2008 | 19:02

    Schluß zu Jochen Ebel am 23.09.2008 | 15:59

    Der Wasserdampf dürfte kaum eine Rolle spielen. Im Bereich des Umschlagpunktes ist kaum noch Wasserdampf vorhanden (

  8. Günter Heß @Karl Mistelberger CO2 Messung
    23.09.2008 | 19:35

    Hallo Herr Mistelberger,
    Danke für die Links zur CO2-Messung.

  9. Günter Heß @Jens Christian Heuer Qualitätsstandard
    23.09.2008 | 19:39

    Hallo Herr Heuer,
    Prof. Dr. Horst Malberg hat ein anerkanntes Lehrbuch zur Meteorologie und Klimatologie geschrieben. Dass er ein Fachmann auf seinem Gebiet ist, wird sicher niemand bestreiten. Außerdem ist er als Naturwissenschaftler dem wissenschaftlichen Ehrenkodex verpflichtet. Deshalb kann man seiner Meinung getrost einigen Wert beimessen.
    Allerdings hat auch Prof. Dr. Rahmstorf recht, wenn er auf die Einhaltung eines wissenschaftlichen Qualitätsstandards hinweist. Letztendlich ist besonders in den angewandten Wissenschaften ein einzelner Wissenschaftler nur selten in der Lage alle für seine Untersuchungen benötigten Fachgebiete und Methoden so zu beherrschen wie ein Spezialist. Wer von uns hätte beim Lesen von Veröffentlichungen nicht schon die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.
    Dass das eine Ausnahme bleibt verhindern in den meisten Fällen die Referees im Peer-Review.

  10. Günter Heß @Jochen Ebel Wasserdampf
    23.09.2008 | 21:26

    Hallo Herr Ebel,
    wenn der Wasserdampf keine Rolle spielt, dann ist nach meinem Verständnis die Temperaturerhöhung bei Verdoppelung von CO2 von ca. 300 ppm auf 600 ppm auf ca. 1.2 °C beschränkt.
    Das ist die sogenannte equilibrium climate sensitivity ohne Feedbacks, die z.b Hansen et al. schon 1985 (Science 30 August 1985: Vol. 229. no. 4716, pp. 857 – 859) mit 1.2 – 1.3 °C angegeben haben.
    In diesem Paper schreiben sie dann auch, dass mit Feedbacks (z.B. Wasserdampf Feedback), die
    equilibrium climate sensitivity mit Feedbacks bei Verdoppelung von CO2 von ca. 300 ppm auf 600 ppm ca. 3°C +/- 1.5°C beträgt.
    Man kann also gut und gerne festhalten, dass Wasserdampf sehr wohl eine Rolle spielt.

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