Das Ende des Schelfeises?
Vor wenigen Tagen erreichten uns Satellitenbilder von der Antarktis, die das dramatische Abbrechen eines 41 mal 2.5 km großen Teiles des Wilkens-Eisschelfs am 28 Februar zeigten. Letzte Woche folgte dann das Auseinanderbrechen einer vielgrößeren Eisfläche von 405 Quadratkilometern. Müssen wir dem Ende des Schelfeises entgegensehen?

Quelle: Britisch Antarctic Survey
Der britische Antarktisforscher David Vaughn macht die in den letzten Jahren stark angestiegene Lufttemperatur in der Region der Antarktischen Halbinsel südlich von Südamerika für das Abbrechen verantwortlich. Das Wilkens-Eisschelf liegt auf der Westseite der Halbinsel und sollte damit betroffen sein. Schon im Jahr 2002 gab es einen größeren spektakulären Kollaps eines Eisschelfs, des Larsen B, auf der Ostseite der Antarktischen Halbinsel. Dieses dramatische Ereignis reihte sich allerdings ein in den generellen Rückzug der Larsen-Eisschelfs in den letzten 20 Jahren, wie die Graphik zeigt.

Quelle: Britisch Antarctic Survey
Die beobachtete Erwärmung der Luftmassen über der Antarktischen Halbinsel ist mit über 1°C während der vergangenen 20 Jahre tatsächlich rekordverdächtig. Ein solch dramatischer Wandel legt den Schluss nahe, dass dieses eine erste Folge derglobalen Erwärmung ist. Aber können wir da sicher sein?
Was ist eigentlich genau der Unterschied zwischen Meereis, Schelfeis und einem Gletscher?
Eis welches durch Schneefall über Land gebildet wird und langsam den Hang hinab Richtung Meer„fließt“ wird mit dem Wort Gletscher bezeichnet. Das Gleichgewicht von Gletschern wird bestimmt von der Menge des winterlichen Schneefalls und dem Tauen im Sommer. Wenn die Luft im Sommer wärmer wird, nimmt das Abschmelzen zu. Die Gletscher verlieren an Masse und „ziehen sich zurück“. Diese Tendenz wird global bei der Mehrheit der kleineren Gletscher beobachtet. Wird dieTemperatur im Winter wärmer, erhöht sich in der Regel der atmosphärische Feuchtetransport von den Ozeanen auf das Land und es kommt zu erhöhtem Schneefall. Dann werden die Gletscher mächtiger und „vergrößern“ sich. In der Erdgeschichte haben wir beide Klimaverschiebungen mit entsprechenden Veränderungen der Gletscher beobachten können.
Wenn Gletscher in das Meer „fließen“, können zwei Dinge passieren. Ist der Hang den das Eis herabfließt relativ stark geneigt brechen an der Kante des Gletschers immer wieder große Eisbrocken ab und fallen in das Meer: Der Gletscher kalbt. Dabei fällt Landeis in das Meer und erhöht damit Stück für Stück den Meerespiegel.Das Kalben passiert oft mit lautem Getöse und spektakulären Spritzwasser-Fontainen. Dieses Schauspiel der Naturgewalten lockt vielemoderner Kreuzfahrer in die polaren Gebiete. Ist der Untergrund allerdings relativ flach fließt der Gletscher langsam in das Meer hinein ohne auffälliges Getöse. Die Stelle wo er vom festen Boden abhebt und im Meer zu schwimmen beginnt nennen die Fachleute die „grounding line“. Das schwimmende Gletschereis dahinter wird Eisschelf genannt. An einigen Stellen rund um das Antarktische Festland ist das Schelfeis mehrere Hundert Kilometer lang. Meereis hingegen entsteht durch gefrierendes Meerwasser und braucht zu seiner Entstehung kalte Luftmassen, die dem Ozean die Wärme entlocken.
Wie sieht das Ende eines Eisschelfs aus?
Wenn das Eis in Regionen wärmerer Luftmassen gerät und oder mehr direktes Sonnelicht erhält, kann es von oben schmelzen. Irgendwann wird das Eis dünn genug, das es von Stürmen und Wellen erfasst wird und vom festen Eisschelf abbricht. Das ist allerdings die Ausnahme. Die Mehrheit der Eisschelfe werden vom Ozean von unten abgeschmolzen. „Warmes“ Wasser (vielleicht 0-2°C warm) strömt in der Nähe des Meeresbodens in Richtung Grundlinie („grounding line“) und schmelzt das darüberliegende Eis. Dadurch reduziert sich der Salzgehalt der Meerwassers, es bekommt eine geringere Dichte und steigt entlang der Unterseite der Schelfeises auf und fließt weg von der Grundlinie zurück zum offenen Ozean.
Soweit das einfache Bild. Kompliziert wird die Situation durch die Druckabhängigkeit der Gefrierpunkts von Wasser. Ist das Eisschelf dick und die Grundlinie mehrere Hundert Meter tief kann es passieren, dass das Schmelzwasser nahe der Grundlinie weiter oben am Eisschelf wieder anfriert und damit das Eisschelf dort dicker macht. Wirkt dieser Prozess über viele Jahre, kann es dazu führen, dass ein großes Gebiet der Eisschelfs eine konstante Dicke hat. An irgendeinem Tag, wenn der Wind starkt bläst, die Sonne von oben das Eis abgeschmolzen hat und vielleicht noch ein starkes Wellenfeld sich auf das Eisschelf zubewegt, reicht der interne Halt nicht mehr aus und große Stücke der Eisschelfs lösen sich auf und „zerbröseln“. Wann genau das passiert und die genaue Physik des Vorganges sind aber (noch?) nicht gut verstanden.
Die hochauflösenden Satellitenbilder der letzten 10-15 Jahre ermöglichen es, diese Ereignisse global zu dokumentieren. Und wenn es an einem wolkenfreien Tag passiert, kann man sogar das spektakuläre Aufbrechen und Abtreiben der Eisberge beobachten. Eine 10 Jahre lange Zeitreihe ist aber zu kurz, um zweifelsohne eine Zunahme der Abbruchereignisse zu beweisen.
Ob also schon in wenigen Jahrzehnten das Ende der Eisschelfe zu erwarten wäre, lässt sich folglich genauso wenig sicher vorhersagen. Zur Zeit ist die Dynamik von Gletschern und Schelfeis eines der hochaktuellen Forschungsgebiete, auf dem alle Klimaforscher auf schnelle Fortschritte und gesichertere Modelle hoffen.
Denn auch wenn das Abbrechen des Schelfeises an sich keine Meeresspiegelerhöhung bewirkt, kann man nicht ausschließen, dass der Eistransport über die Grundlinie danach schneller wird. Und dann gäbe es doch wieder ein Anstieg des Meeresspiegels, wenn mehr Landeis ins Meer „fließt“. Möglich ist auch eine Verlagerung der Grundlinie weiter Inland, dadurch wird die Angriffsfläche für das Abschmelzen von untern vergrößert. Forscher diskutieren über die relative Bedeutung von einer Erwärmung der Luftmassen über dem Eisschelf in Relation zur Erwärmung der Wassermassen, die dann vermehrt von untern schmelzen. Die wenigen gut dokumentierten Stellen rund um die Antarktis zeigen alle eine Erwärmung des Ozeans in den oberen 300 m. Also genau dort wo das Schelfeis den Ozean "spürt".
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die globale Erwärmung das Abschmelzen von Eisschelfen begünstig, sowohl an deren Oberseite durch wärme Luftmassen als auch von "unten" durch den erw.ärmten Ozean. In vielen Gebieten der Antarktis wird ein Rückzug der Eisschelfe beobachtet, manchmal dramatisch, oft nur langsam. An einigen Stellen wurde auch gleichzeitig mit dem Rückzug oder dem Abbrechen von Schelfeis eine Verlagerung der Grundlinie landeinwärts dokumentiert. Diskutiert wird zur Zeit, ob der Verlust der vorgelagerten Eisschelfe eine auf Dauer schnellere Fließgeschwindigkeit begünstigt, oder ob die sich Gletscher "nur" auf einen neuen stabilen Zustand bei ähnlicher langfristiger Abflussgeschwindigkeit mit geringere Ausdehnung hinbewegen.
Es bleibt also spannend in der Klimaforschung und uns hoffentlich das Ende der Eisschelfe erspart.
Weitere Links:
National Snow and Ice Data Center
PS: 8-April-2008 Mein Blog-Kollege Stefan Rahmstorf hat im Web eine schöne Abbildung zur Erwärmung der bodennahen Luftmassen über die letzten 20 Jahre erstellt von den NASA Kollegen gefunden, die ich hier gerne nachreiche.
Ähnliche Artikel:
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P.S.:
Skalierung vorher
-0.2 -> 0.2
http://earthobservatory.nasa.gov/...3?img_id=17257
Skalierung nachher
http://earthobservatory.nasa.gov/...3?img_id=17257
-0.1 -> 0.1
So kann man natürlich auch arbeiten. Die Farbschattierungen liegen innerhalb der Fehlergrenzen der Satellitenmessungen. Die Südhalbkugel kühlt sich derzeit nach den Satellitenmessungen und Bodenmessungen ab. Siehe HadCRUT3, GISS, RSS, UAH
Hier einmal die gemessenen Temperaturtrends an den Antarktisstationen Neumayer, Halley, Amundsen-Scott (Pol). Diese zeigen einen Abkühlungstrend.
http://www.nerc-bas.ac.uk/...eumayer.ann.trend.pdf
http://www.nerc-bas.ac.uk/.../halley.ann.trend.pdf
http://www.nerc-bas.ac.uk/...n-scott.ann.trend.pdf
Hier eine Übersichtskarte
http://www.solcomhouse.com/...rcticStationsMap.gif
Die Abbildung der NASA (Satellitendaten) zeigt an den Stationen einen leichten Erwärmungstrend der Oberfläche, nicht der bodennahen Luft. Die Bodenmesswerte der Antarktisstationen zeigen hingegen einen Abkühlungstrend.
2004 zeigt die NASA noch eine Abbildung mit deutlichen Abkühlungstrend in der Zentralantarktis. In der Abbildung von 2007 wurde die Skalierung verändert (halbiert) und es wird ein deutlicher Erwärmungstrend in der Zentralantarktis gezeigt. In den 3 Jahren wird sich der Trend kaum umgekehrt haben, wie die Messungen der Bodenstationen belegen. Ein schönes Beispiel, wie man aus Interpolationen von Satellitendaten eine Erwärmung machen kann. Ein neuer Tiefpunkt der Klimaforschung.
@ohne Worte:
Na ja, mit der angeblichen Abkühlung ist das so eine Sache. Nachdem zahlreiche "Klimaskeptiker" wegen global etwas kühlerer Temperaturen im Januar und Februar eine neue Eiszeit einläuten wollten, belegen doch die neuen Daten der NASA einen global deutlich zu warmen März (0,79°C über dem Referenzwert). Auch auf der antarktischen Halbinsel ist es derzeit deutlich zu warm.:
http://data.giss.nasa.gov/...dius=1200&pol=reg
Auch diese Momentaufnahme sagt natürlich wenig, aber sie zeigt, wie unsinnig all die Berichte waren, die im Januar und Februar von interesierten Kreisen verbreitet wurden.
Auch die Zusammenhänge zwischen der vorübergehenden Verlangsamung globaler Erwärmung und La Niña sind hinlänglich erklärt.
"La Nina ist Teil dessen, was wir Variabilität nennen. Es gab immer und wird immer kältere und wärmere Jahre geben. Das Klima erwärmt sich auch dann, wenn es durch La Nina Abkühlung gibt. Die Veränderungen durch La Nina sind sehr gering im Vergleich zu den langfristigen Signalen des Klimawandels. Wir sind sicher, dass in einigen Jahren, wenn La Nina nachgelassen hat, die Rekordtemperaturen von 1998 noch übertroffen werden."
Dr. Adam Scaife vom Hadley Centre
#Climate Change is a global issue and the Met Office Hadley Centre is leading international research into what could happen under climate change, and the impacts on current and future generations.
Soviel zum Hadley Center, einem Britischen "PIK" - und genauso glaubhaft
http://www.metoffice.gov.uk/research/hadleycentre/
Das PIK ist mittlerweile "hinlänglich" bekannt, isbesondere Äußerungen über die seit 1955 stagnierende Sonnenaktivität, z.B.
#Das Klima erwärmt sich auch dann, wenn es durch La Nina Abkühlung gibt#
Ich liebe diesen Satz, man wird ihn noch hören, wenn den Forschern die Eiszapfen von der Nase hängen.
Gefunden hier:
http://www.co2-handel.de/article311_8398.html
#Klimaforscher Adam Scaife vom Hadley Centre in Exeter http://www.metoffice.gov.uk/research/hadleycentre unterstützt diese Aussagen#
Ich sag's doch, ein PIK auf Englisch.
Priester, Schamanen und Medizinmänner, wie schon immer seit Menschengedenken :)
Wie sagte Herr Schellnhuber letztens im SWR1 sinngemäß ?
'Es wird so warm in den nächsten Jahren, das uns rückblickend 2003 kühl vorkommen wird' (Rheinland Pfalz).
Na, noch ein bisschen dicker geht's nimmer.
@ Krishnag
Es wäre schön, wenn Sie ausser Diffamierungen gegenüber dem PIK, dem Hardley Center u.a. auch etwas zur Sache beitragen könnten.
Nach zwei etwas global weniger warmen Monaten ist nun der März wieder global deutlich zu warm! Mit der selben unsinnigen Argumentation, mit der im Januar und Februar der Beginn einer neuen Eiszeit eingeläutet wurde, müsste man nun eine neue Wärmephase ankündigen.
In China und Asien ist es derzeit deutlich zu warm! Wie weggeblasen die kurzzeitige Kältewelle dort, mit der die "Skeptiker" noch vor wenigen Wochen argumentierten ("Ist so kalt in Takatukaland..."). In Spanien und anderen Mittelmeerländern erleben wir derzeit eine Jahrhundertdürre!
Auch in weiten Teilen der Antarktis ist es derzeit deutlich zu warm.
Man sieht hieran doch, wie unsinnig es ist, momentan und kurzzeitig kühlere oder wärmere Phasen direkt zu missbrauchen, um den AGW medienwirksam widerlegen oder belegen zu wollen.
Was sagen Sie zum warmen März 2008, Krishnag?
Wieder einmal ein Denkfehler.
Aus einem Monatswert März, aus einem der 4 Globaltemperaturdatensätze, schließen Sie auf eine globale Erwärmung.
Hier einmal der letzte Winter nach GISS-Datensatz in Bezug zu den letzten 30 Jahren.
http://data.giss.nasa.gov/...dius=1200&pol=reg
Bei den Karten handelt es sich um interpollierte Karten. Ninnt man die raus, dann zeigt sich wie wenig Datenpunkte man hat.
http://data.giss.nasa.gov/...adius=250&pol=reg
Nach RSS und UAH Globaltemperatursatz lag der März bei einer Temperatutranomalie der Vormonate. Warum wählen Sie die GISS Temperatur für März? Das Hansen verantwortlich ist, sollte bekannt sein.
"...belegen doch die neuen Daten der NASA einen global deutlich zu warmen März (0,79°C über dem Referenzwert). Auch auf der antarktischen Halbinsel ist es derzeit deutlich zu warm.:"
Die GISS-NASA Daten haben einen anderen Referenzwert als RSS, UAH, HADCRUT. RSS und UAH zeigen den Temperatursprung von GISS nicht. Die März-Werte der Antarktisstationen sind noch nicht raus. Siehe hier.
http://www.antarctica.ac.uk/met/gjma/
"Man sieht hieran doch, wie unsinnig es ist, momentan und kurzzeitig kühlere oder wärmere Phasen direkt zu missbrauchen, um den AGW medienwirksam widerlegen oder belegen zu wollen."
Das machen Sie grade leider mit der GISS-März-Temperatur.
"...belegen doch die neuen Daten der NASA einen global deutlich zu warmen März (0,79°C über dem Referenzwert)."
Nicht 0,79, sondern 0,67 !
GISS-NASA-GLOBAL
2008,3, ,0.67
Sie sind doch Biologe, wie Sie sagten. Warum präsentieren Sie als Wissenschaftler dann hier falsche und sellektierte Daten für März 2008?
Zur Verfolständigung:
(alles März 2008)
GISTEMP land/ocean mean: 0,67 °C
HADCRUT3 global mean: 0,198 °C
UAH NSSTC lower troposhere global mean: 0,094 °C
RSS MSU lower troposhere global mean: 0,079 °C
Thorsten, vielleicht haben Sie den letzten Zahlenwert genommen und die Größenordnung des ersten? Verwechslung?
Warum varieren die Werte eigentlich so stark (vor allem die ersten beiden)? Warum haben Sie sich genau diesen Wert vorgenommen? Die anderen Werte haben wohl nicht ansatzweise das Potential für verstärkten Alarmismus...