Heißer Winter
Gerade hat die NASA die globalen Temperaturdaten für Februar publiziert, sodass wir nun einen Blick auf die vergangene Wintersaison werfen können (die Meteorologen definieren sie als die Monate Dezember bis Februar; auf der Südhalbkugel ist das natürlich die Sommersaison). Diese Saison war die zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren, übertroffen nur von Dez-Feb 2006/2007. Der Februar selbst war übrigens ebenfalls global der zweitwärmste. Damit reiht sich der abgelaufene Winter in den Verlauf der Jahrestemperaturen ein - wie bereits diskutiert war 2009 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.

Bodennahe Temperaturen (Jahreswerte und Trendlinie) für die Saison Dezember-Februar (Nordwinter, Südsommer) von 1880 bis 2010 nach den Daten des Goddard Institute for Space Studies der NASA.

Die zehn wärmsten Nordwinter/Südsommer seit 1880.
Das mag Manchen hierzulande überraschen, war der Winter in Deutschland doch recht kalt (vor allem aber schneereich). Diese Kälte sieht man auf der folgenden NASA-Karte. Eine Kälteblase lag über Sibirien und Europa, eher kalt war es auch in weiten Teilen der USA. Dieses Muster war ziemlich ausdauernd und hielt sich fast über den ganzen Winter. Besonders warm war es dafür über dem Arktischen Ozean, in Kanada und Grönland.
Karte der Temperaturanomalien (Abweichungen vom Mitteltwert 1951-1980) für die Monate Dezember 2009 bis Februar 2010.
Die arktische Wärme wirkte sich auch auf die Ausdehnung des dortigen Meereises aus - 2010 war sie die viertgeringste für einen Februar, siehe Grafik.
Eisdecke auf dem arktischen Ozean im Februar (National Snow and Ice Data Center)
Auch in den kommenden Monaten dürften die globalen Temperaturen rekordverdächtig hoch bleiben - trotz der schwächelnden Sonne. Das liegt daran, dass im tropischen Pazifik El Niño-Bedingungen herrschen, die noch einige Monate anhalten dürften. El Niño korreliert mit überdurchschnittlich warmen globalen Temperaturen, die dem eigentlichen El Niño einige Monate hinterher laufen. Zwar ist der derzeitige El Niño lange nicht so stark wie der im Jahre 1998, dafür ist aber die Treibhausgasbedingte Erwärmung seither weiter fortgeschritten.
p.s. Da gewiß wieder Kommentare kommen, die Zweifel an den gezeigten Temperaturdaten der Wetterstationen äußern, hier nochmals der Hinweis: der klimatische Erwärmungstrend sieht auch in den Satellitendaten nicht anders aus, die mit Sicherheit nicht vom "urban heat island effect" oder dergleichen betroffen sind. Die Trends der Hadley und GISS Bodendaten und der RSS und UAH Satellitendaten der letzten 30 Jahre kann man z.B. hier vergleichend ansehen (der vertikale offset im Bild entsteht durch unterschiedliche Basisperioden, es kommt hier nur auf die Steigung an). Es gibt gute physikalische Gründe warum sich langfristig (wie man am Trend sieht) die mittlere Troposphäre (Satellitendaten) fast gleich stark aufheizen sollte wie die bodennahe Luft (Wetterstationen). Es gibt aber auch gute Gründe weshalb kurzfristige interne Schwankungen, z.B. die Reaktion auf El Niño (siehe 1998 im Bild), in der Troposphäre stärker ausfallen können als am Boden.
Leider werden auf den "Skeptiker"-Websites immer wieder unsinnige Verschwörungstheorien verbreitet - zuletzt etwa die, man habe besonders "kühle" Wetterstationen aus der Analyse ausgeschlossen, um den globalen Erwärmungstrend zu übertreiben. Einer näheren Analyse halten solche Behauptungen zwar nicht stand, aber weite Verbreitung beim leichtgläubigen Publikum finden sie dennoch.
Update: Georg Hoffmann hat bei PrimaKlima einen schönen Bericht zum abgelaufenen Winter. Besonders gelungen der Rekordticker am Ende (Abb. 6). (Georg, wer wettet denn noch dagegen, dass 2010 einen neuen Wärmerekord setzen wird?)
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Sie präsentieren ihre Daten in einer "Auflösung", die den Eindruck einer linearen Fortschreibung eines langfristigen Trends erweckt und kaum jemanden auf die Idee kommen lässt, in den letzten 10 + x Jahren habe sich die "Temperatur" nicht geändert, wie immer wieder behauptet wird.
Eine Extrapolation zu einem Zeitpunkt 20 Jahre in der Zukunft würde dann zu einem Winter passen, in dem Schnee durch Regen ersetzt ist.
Schön und Gut. Aber warum ist die Erwärmung seit den späten 70-er Jahren eigentlich vorwiegend anthropogen, die Erwärmung von 1920 bis 1940 jedoch nicht. Schon die CO2- und Methanwerte in dieser früheren Erwärmungsphase waren doch gegenüber den präindustriellen Werten erhöht und der Zusammenhang zwischen Treibausgaskonzentration und Strahlungsantrieb ist logarithmisch.
naja, momentan steht die Meereisausdehnung deutlich "besser" da:
http://www.ijis.iarc.uaf.edu/.../seaice_extent.htm
und die "Wärme" im arktischen Bereich (80°N-Pol)bei ca. 245K, also um -30°C.
http://ocean.dmi.dk/arctic/meant80n.uk.
php
Weiter südlich dürfte es tatsächlich deutlich überdurchschnittlich mild gewesen sein, wie genau die wenigen GISS Stationen jedoch ein reals Abbild (Interpolationen) der sg. Arktis und Antarktis geben, sie dahin gestellt. Gerne würden wir auch die immer wieder neu angepassten Homogenisierungen einsehen können.
Eine beschleunigte Erwärmung ist bei bestem Willen nicht zu erkennen und ebenso kein beschleunigter Meereisschwund im Norden. Es wird auch behauptet:
The pattern of winds associated with a strongly negative AO tends to reduce export of ice out of the Arctic through the Fram Strait. This helps keep more of the older, thicker ice within the Arctic. While little old ice remains, sequestering what is left may help keep the September extent from dropping as low as it did in the last few years.
http://nsidc.org/arcticseaicenews/index.html
Vielen Dank für die guten Hintergrundinformationen. Es ist schon interessant zu sehen, wie unterschiedlich sich die verschiedenen Regionen temperaturmäßig entwickeln, woraus dann schließlich eine globale Gesamt-Temperatur wird.
Manche mögen natürlich den neuen Datenpunkt als Fortsetzung des 10-jährigen Temperaturplateaus sehen (insbesondere wenn man mal den El NIno abzieht). Aber wie bereits vielfach diskutiert, wird der Trend wohl erst in den kommenden Jahren klarer werden können.
Darf ich zwei kurze Fragen stellen?:
1) Wenn man sich die letzten 3 Dekaden anschaut, zeigt die Antarktis allgemein einen Abkühlungstrend. Macht sich dieser nur im Süd-Winter bemerkbar (da der Trend in der gezeigten Süd-Sommer-Darstellung fehlt)? Gibt es diesen Trend überhaupt noch?
Siehe Abbildung 9 auf http://www.klimaargumente.de/t1.htm
2) Danke für den Link zur Open Mind-Auswertung zum Thema Stationsausdünnung. Der Vergleich sieht überzeugend aus. Weiß man eigentlich schon, wie die Diskrepanz von McKitrick's Chart zu diesem Thema zustande kam? Angeblich hat McKitrick doch auch nur die Rohdaten verwendet.
http://www.uoguelph.ca/...kitri/research/nvst.html
Hallo Herr Rahmstorf,
wie immer bewundere ich die Auswahl ihrer Daten und ihre neutralen Formulierungen.
Was ist denn eigentlich mit den Antarktis-Daten? Nimmt die Eisbedeckung dort auch ab?
Gerade gab es übrigens sechstgeringsten 15.März seit Aufzeichung (siehe: Time Series of Sea Ice Extent der Universität Bremen).
Viele Grüsse,
Alexandra
[Antwort: Wie hier schon mehrfach diskutiert schrumpft die Meereisdecke in der Antarktis nicht - die Daten dazu und Erläuterungen finden Sie auf der oben verlinkten NSIDC Website. Stefan Rahmstorf]
Ich habe erst kürzlich dieses Blog entdeckt, und ich muss sagen, dass sich die Qualität der Beiträge und Diskussionen hier erfreulich von vielem, was man so im Internet findet, abhebt. Ich danke Ihnen auch ganz besonders für Ihre unermüdliche Arbeit was die Aufklärung über Klimaforschung und gängige Irrtümer betrifft. Es ist auch für jemanden mit naturwissenschaftlicher Ausbildung absolut nicht leicht, aus all den Meldungen und Szenarien gute Information zu beschaffen.
Ein paar Fragen, auf die – soweit ich das gelesen haben – bisher nicht unbedingt eingegangen wurde, stellen sich mir aber immer noch.
Ich bin überzeugt davon, dass eine deutliche Erhöhung der weltweiten Durchschnittstemperaturen über die letzten 150 Jahre zu beobachten ist. Ich frage mich nur, ob die immer wieder gehörten katastrophalen Auswirkungen dieser Klimaerwärmung wirklich so massiv ausgeprägt sind, wie in verschiedensten Horrorszenarien (und in diese Kategorie fallen einige Aussagen des IPCC durchaus, selbst wenn es nicht um Himalayagletscher geht) immer wieder behauptet wird.
Fakt ist doch, dass im Mittelalter eine außergewöhnliche Wärmeperiode zu beobachten war. Aufzeichnungen berichten von Weinbau in Schottland, Oliven im Hohenloherland nördlich von Ulm bis zur Besiedelung Grönlands. Es gibt nun Untersuchungen (zB Mann, Zhang, Science 326, 1256 ff), in welchen gezeigt wird, dass diese Wärmeperiode durch entsprechendes kühleres Klima in anderen Gebieten ausgeglichen wurde, sodass das Weltklima – global gesehen – auch in der mittelalterlichen Wärmeperiode nicht so heiß war, wie allgemein angenommen wird. Ich will jetzt nicht darüber diskutieren, dass diese Berechnungen auf rein theoretischen Annahmen basieren (Klimahinweise aus zu der Zeit unbekannten Regionen um 1000 sind nun mal schwer zu bekommen), und man – wie auch in der Publikation zu sehen - durch Verwendung verschiedener Modelle und Parameter durchaus auch deutlich unterschiedliche Ergebnisse erhalten kann. Ich gehe für die folgende Betrachtung einfach mal davon aus, dass diese Ergebnisse stimmen.
Es fällt nun auf, dass in der nordpolaren Region jedenfalls über einen Zeitraum von mehreren Hundert Jahren höhere Temperaturen vorherrschend waren. Berichten aus dieser Periode ist auch zu entnehmen, dass die vorhandene Eismasse in der nördlichen Hemisphäre deutlich geringer gewesen sein muss, als sie das heute ist (Ackerbau in Grönland, etc.). Es ist nun aber nicht so, dass die Periode der mittelalterlichen Warmzeit für ihre Überschwemmungen und Naturkatastrophen bekannt ist. Städte wie Rotterdam und Amsterdam florierten durchaus, Holland und England standen nicht unter Wasser, in Nordafrika gelangten die Araber zu einer Hochblüte ihrer Kultur, und in Zentralasien konnte sich ein mongolisches Großreich etablieren. Auch für den ostasiatischen Raum und Indien lassen zB Marco Polos Berichte nicht wirklich apokalyptische Stimmung aufkommen. Die chinesische Bevölkerung etwa verdoppelte sich während der Song-Dynastie bis 1100 n. Chr.
Eine Warmzeit in nordpolaren Regionen könnte gesamtklimatisch gesehen also durchaus durch niedrigere Temperaturen in anderen Regionen ausgeglichen worden sein. Was dadurch sicher nicht ausgeglichen werden konnte, ist das massive Abschmelzen der Eismassen in diesen Gebieten. Salopp formuliert: Wenn das Eis in Grönland schmilzt, werden auch ein paar Grad weniger am Äquator das nicht ausgleichen können. Dadurch ergibt sich schon eine deutliche Diskrepanz zwischen den Szenarien über den Anstieg des Meeresspiegels durch eine Erwärmung und Eisschmelze auf der nördlichen Hemisphäre und den historischen Fakten.
Und das ist leider eine meiner beiden Fragen (die zweite werde ich dann wohl ein andermal stellen, wenn ich darf), die mir bisher niemand beantworten konnte.
[Antwort: Landwirtschaft in Grönland gibt es auch im 20. Jahrhundert, das ist kein Hinweis auf ein im Mittelalter kleinere grönländische Eismasse. Die Wikinger haben ja in den Regionen gesiedelt, die auch heute grün und eisfrei sind. Da der Meeresspiegel im Mittelalter nicht höher war als heute, kann man sogar mit Sicherheit davon ausgehen, dass auch der grönländische Eispanzer nicht signifikant kleiner war. Die Klimaschwankungen in den letzen zweitausend Jahren sind sehr klein im Vergleich zu dem, was in diesem Jahrhundert aufgrund der wachsenden Treibhausgaskonzentration zu erwarten ist. Stefan Rahmstorf]
da googelt man nach "heißer Winter" und an 2. Stelle findet sich dieser Bericht. Ich kenne die Seite nicht, von einem Herrn Rahmstorf hört man aber immer wieder mal was. Bei uns Geographen auch als Mr. global warming im Gespräch.
Nun denn, ein heißer Winter also. Im Norden schwer fassbar und global wohl auch nur regional, denn im Mittel hat es ja angeblich ca. +15°C auf Erden.
Was mir hier auffällt ist, dass alles Richtung Erwärmung und Schmelzen getrimmt ist.
Ein Beispiel: obige Karte zeigt die Temp. Anomalien Winter 09/10 versus 51-80. Deutschland liegt im Bereich 0 bis -1°C, wie die Regionen etwas NO und NW davon.
Aus:
http://de.wikipedia.org/...r_in_Deutschland#Winter
findet man für Dez +0,40°C, Jan. -3,70°C und Feb. -0,50°C (Mittel -2,0°C).
Obige Karte weicht also um ca. 1,0 bis 1,5°C von den gezeigten Werten (DWD) ab.
(Ref. Periode 61-90 kann es nicht sein, Interpolationszeugs kann es auch nicht sein)
Wie erklärt man sich diese, ist ja nicht gerade unerheblich?
mfG
Karsten Heumel
[Antwort: Haben Sie das mit der Referenzperiode und der Interpolation denn ausprobiert, oder behaupten Sie es nur? Sie können das auf der NASA-Webseite ja interaktiv leicht machen. Wenn Sie den Glättungsradius heruntersetzen und die Referenzperiode 1961-1990 wählen, dann liegt die Winteranomalie in Deutschland zwischen -1 und -2 ºC, siehe Grafik. Stefan Rahmstorf]
Sehr geehrter Herr Rahmstorf,
wenn Sie schreiben "Damit reiht sich der abgelaufene Winter in den Verlauf der Jahrestemperaturen ein - wie bereits diskutiert war 2009 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.", dann zeigt Ihre Grafik (Die zehn wärmsten Nordwinter/Südsommer seit 1880.) aber, dass 2009 auf Platz 9 liegt.
MfG
[Antwort: Gemeint (wie auch gesagt) waren die Jahrestemperaturen, wo 2009 das zweitwärmste Jahr war, so wie der Winter 2009/2010 der zweitwärmste Winter (Dez-Feb) war. Stefan Rahmstorf]
Hallo Herr Rahmstorf,
ich habe Probleme die Legende der 3. Abbildung zu entziffern. Die letzten drei Zahlen sehen aus wie
"2...1...0,1"
Das kann aber irgendwie nicht sein.
Viele Grüße
Oliver
[Antwort: Sorry, die Bildauflösung ist nicht optimal. Es heißt "2 4 6.4". Letzteres ist der tatsächliche Maximalwert. Stefan Rahmstorf]
Sehr geehrter Herr Rahmstorf!
Ich wollte Ihnen mal ein Lob für Ihrem Blog aussprechen.
Er ist sehr informativ und voll mit Querverweisen, falls man sich mal zu einem Thema umfassender informieren will.
Danke auch, dass Sie moderierend in die Diksussionen eingreifen, dadurch bleibt der Kommentarteil im Gegensatz zu manch anderem Blog lesbar. Wenn man mal alle Argumente der Denialists durch hat, sinkt deren Unterhaltungswert gegen Null.
Was halten Sie eigentlich davon, "The discovery of global warming" von Spencer Weart in ihrem Blog vorzustellen?
http://www.aip.org/history/climate/index.html
Ich lese mich dort gerade ein, und finde die Texte bisher wirklich ausgezeichnet geschrieben! Viele Fragen, die man als Laie so hat (besonders in Bezug auf Klimamodelle), werden durch das Buch beantwortet.
Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,
ich habe ein paar Fragen zu Abb. 1.
Ich hoffe Sie können kurz antworten.
1. Die aktuelle Temperaturkurve des Met Office zeigt diesen steilen Temperaturanstieg (aus Abb. 1) nicht
http://hadobs.metoffice.com/...h+sh/annual_s21.png
In den letzten Jahren zeigt sich ein Temperaturplateau. Dieses sehe ich auch in den Daten der NASA.
2. Die von Ihnen gewählte Glättung, bzw. die von Ihnen verwendete Trendanalyse der NASA-Daten in Abb. 1, zeigt hingegen einen steilen Temperaturanstieg.
3. In den NASA-Daten
http://data.giss.nasa.gov/gistemp/graphs/
finde ich diese Trendlinie nicht.
4. Warum sieht Ihre Trendlinie anders aus als die des Met Office und die der NASA?
Ich bin leicht irritiert und hoffe auf eine klärende Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Seifert
[Antwort: Den Unterschied zu den MetOffice (Hadley) Daten haben wir hier im Detail erläutert. Die Glättung ist eine Frage der Zeitskala, die Sie interessiert - für uns hier der klimatische Langzeittrend (Filter mit Halbwertsbreite 15 Jahre), der nicht mehr von kurzfristigen Schwankungen wie El Niño beeinflusst ist. Stefan Rahmstorf]