Verkehrte "Welt"
Im Englischen gibt es das schöne Wort "innumerate" (analog zu illiterate) für Menschen, die elementare Probleme beim Umgang mit Mathematik und Zahlen haben. Solche mathematischen Analphabeten haben gelegentlich Kummer im Alltag. Ich erinnere mich an einen Bekannten, der vor Jahren bei einem Mailänder Herrenausstatter einen besonders günstigen Anzug gekauft zu haben glaubte - bis ihm später auffiel, dass er sich beim Umrechnen von Lire in DM um einen Faktor Zehn vertan hatte.
Etwas problematischer ist es, wenn elementare mathematische Verständnisprobleme Grundlage von abstrusen Zeitungsberichten über die Klimaforschung werden. So berichtete die Daily Mail vor einigen Tagen von einer "Kehrtwende" des bekannten Klimaforschers Phil Jones, unter der Schlagzeile: "Es gab keine globale Erwärmung seit 1995". Spiegel online durchschaute und kritisierte dankenswerterweise diese Story. In der "Welt" dagegen nutzt Uli Kulke sie als Schlusspointe:
Jones bestätigte nun auch, dass es zuletzt nicht mehr signifikant wärmer geworden sei - "seit 1995".
Wie viele Welt-Leser haben die Aussage wohl so verstanden, wie Jones sie gemeint hat? Anlass, hier nochmals auf unser Phil Jones - Interview vom Oktober 2008 hinzuweisen, in dem er den gleichen Sachverhalt schon einmal erläutert hat und dabei explizit auf ähnlich irreführende Aussagen von Kulke eingegangen ist. Dort erläutert Jones, weshalb man mindestens 20 Jahre Daten benötigt, um einen einigermaßen robusten Trend in den globalen Temperaturdaten zu erhalten. Seine Aussage ist nicht, dass es in den letzten 15 Jahren nicht wärmer wurde (es wurde wärmer), sondern dass der Zeitraum von 15 Jahren zu kurz ist, um für sich genommen statistische Signifikanz zu erreichen. (Da der Erwärmungstrend aber nun schon über 30 Jahre ungebrochen anhält, ist er dennoch signifikant.) Wir versuchen das unten nochmal ganz langsam zu erklären.

Doch erst noch zu einem anderen Punkt: in seinem gestrigen Kommentar mit dem Titel Klimadaten nach Gusto (weil Kulke dort Klimadaten nach eigenem Gusto uminterpretiert?) behauptet Kulke, die wissenschaftliche Grundlage für "angeblich heftiger gewordene Naturkatastrophen" sei "hanebüchen". Was er damit meint, kann man in einem seiner früheren Artikel nachlesen:
Eines der griffigsten Statements des IPCC aus seinem letzten Bericht von 2007, das sich am nachhaltigsten in den Medien und Köpfen der Menschen festsetzte, lautet: Der Klimawandel habe zu häufigeren und heftigeren Naturkatastrophen geführt. Zwar widersprachen dem fast alle dem Rat dafür vorliegende Studien. Doch der Autor dieses IPCC-Kapitels, Roger Muir-Wood, zog es - trotz Warnungen von Experten - vor, sich auf seine eigene Studie zu stützen. Die war zu dem Zeitpunkt allerdings noch gar nicht fertig, und als sie 2008 vorlag, musste er eingestehen: "Wir finden keine hinreichenden Beweise für einen statistischen Zusammenhang zwischen den globalen Temperaturen und der Höhe der Katastrophen-Schäden." Dennoch begleitet uns nun seit 2007 die Behauptung der immer häufigeren menschengemachten Naturkatastrophen nahezu täglich in Presse, Funk und Fernsehen.
An diesem Absatz stimmt fast alles nicht - der größte Fehler ist aber, dass Kulke so tut, als ginge es bei der Diskussion um die Studie von Muir-Wood um die Frage, ob Naturkatastrophen zugenommen haben. Darum geht es aber überhaupt nicht. Diese Frage kann man anhand klimatologischer Messreihen beantworten, und die Ergebnisse (zusammengefasst in Tabelle SPM2) finden sich in Band 1 des IPCC-Berichts, der sich mit dem physikalischen Klimasystem befasst und den die Klimatologen schreiben (und in dem übrigens bislang noch niemand einen Fehler gefunden hat).
Die Studie von Muir-Wood wird in Band 2 des IPCC-Berichts (Seite 110) diskutiert und befasste sich mit einer völlig anderen Frage: kann man in den Statistiken über finanzielle Schäden durch Naturkatastrophen einen statistisch signifikanten Beitrag des Klimawandels nachweisen? Das ist deswegen schwer, weil erstens Naturkatastrophen selten sind und zum statistischen Nachweis von Änderungen eine große Zahl benötigt wird, und zweitens andere Faktoren (Wertezuwachs in gefährdeten Regionen) zu dem beobachteten starken Anstieg der Schadenszahlen dominant beitragen. Die Studie von Muir-Wood kommt zum Ergebnis, dass der Zusammenhang gerade an der Grenze der Signifikanz ist - ob drüber oder drunter hängt davon ab, ob man die US-Hurrikanschäden 2004 und 2005 mit berücksichtigt. Daher ist Muir-Wood vorsichtig und schreibt in seiner Studie:
In sum, we found limited statistical evidence of an upward trend in normalized losses from 1970 through 2005 and insufficient evidence to claim a firm link between global warming and disaster losses.
[Meine Hervorhebung.] Und der IPCC-Bericht beschreibt die Evidenz so:
Once the data were normalised, a small statistically significant trend was found for an increase in annual catastrophe loss since 1970 of 2% per year (see Supplementary Material Figure SM1.1). However, for a number of regions, such as Australia and India, normalised losses show a statistically significant reduction since 1970. The significance of the upward trend is influenced by the losses in the USA and the Caribbean in 2004 and 2005 and is arguably biased by the relative wealth of the USA, particularly relative to India.
Muir-Wood selbst hat öffentlich festgestellt, dass der IPCC-Bericht seine Ergebnisse korrekt und fair wiedergibt. Er ist übrigens nicht "der Autor dieses IPCC-Kapitels", wie Kulke falsch behauptet - das sind die 10 auf der ersten Seite gelisteten "Coordinating Lead Authors" und "Lead Authors". Muir-Wood ist als einer der "Contributing Authors" genannt - das sind Leute, die irgendetwas beigesteuert haben (im Falle von Muir-Wood eine Grafik, die es aber nicht in den Bericht geschafft hat, sondern nur als Supplementary Information auf der IPCC-Webseite abrufbar ist). Diese Contributing Authors schreiben ansonsten das Kapitel nicht mit und haben keinerlei Entscheidungsbefugnis, was dort aufgenommen wird.
So viel zu den "hanebüchenen wissenschaftlichen Grundlagen" zum Anstieg der Naturkatastrophen - es handelt sich wieder einmal um einen von einschlägigen Websites (die auch Kulke inspiriert haben dürften) angefachten Sturm im Wasserglas.
Und nun noch das kleine Tutorial zu Klimatrends. Die globalen Temperaturdaten (siehe Grafik oben) sind vollkommen konsistent mit der Annahme, dass sie in den letzten 30 Jahren aus einem konstanten, linearen Erwärmungstrend plus "Rauschen" (kurzfristige natürliche Variabilität) bestehen. Auch in den letzten 10 oder 15 Jahren deutet nichts auf eine Abweichung von diesem Verhalten hin, etwa auf eine Abflachung des Trends.
Man sieht aber sofort, dass 15 Jahre keinen robusten Trend liefern, denn wenn man das 15-Jahres-Fenster um nur drei Jahre verschiebt, ändert sich der Trendwert um einen Faktor 2. Der 15-Jahrestrend bis 2009 beträgt in den GISS-Daten (wieso GISS?) 0.15 ºC/Dekade, der 15-Jahrestrend bis 2006 dagegen 0.30 ºC/Dekade - beide mit einem statistischen Schätzfehler (2-sigma) von +/- 0.1 ºC, der zeigt, dass beide Werte nicht statistisch signifikant voneinander verschieden sind. Der 30-Jahrestrend beträgt dagegen 0.16 +/- 0.04 ºC/Dekade - das ist schon ein vernünftiger Schätzfehler, der darauf hinweist, dass der tatsächliche Trend zwischen 0.12 und 0.20 ºC/Dekade liegt.
In den Hadley-Daten ist der 15-Jahrestrend bis 2009 0.12 +/- 0.12 ºC/Dekade, also knapp nicht statistisch signifikant positiv, und genau das ist es, was Phil Jones aktuell gesagt hat. Der 30-Jahrestrend in den Hadley-Daten ist 0.15 +/- 0.04 ºC/Dekade, ununterscheidbar von den GISS-Daten.
Man kann es vielleicht so am einfachsten verstehen: entscheidend ist für diese Diskussion bei der Trendangabe "0.15 +/- 0.04 ºC" weniger die Zahl vor dem +/- als die dahinter: denn bei kürzeren Zeiträumen geht diese dramatisch hoch und zerstört die Signifikanz des Trendes, auch wenn sich an der Zahl vor dem +/- überhaupt nichts ändert. So verschwindet die Signifikanz, ohne dass sich die globale Erwärmung verlangsamt hat.
Link: Mehr zu angeblichen IPCC-Fehlern in unserem nächsten KlimaLounge-Beitrag!
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Der Wettbewerb ist sicher noch nicht entschieden, aber Kulke könnte der schlechteste Journalist sein, der je in deutscher Sprache in einem Wissenschaftsteil zu Wissenschaft geschrieben hat.
Den Spiegel.Artikel finde ich aber auch alles andere als lobenswert, eher unterirdisch. Da wird dann auf geradezu groteske Weise eine Schuld von Jones konstruiert, dass er den Skeptikern in die Hand spiele weil er sich in "Spitzfindigkeiten" flüchte. Die richtige wissenschaftliche Formulierung ist eine Spitzfindigkeit!
Und dann am Ende noch dieser Elfenbeinturm...ne der Artikel ist wirklich unter aller Sau!
Es ist mir ein wenig peinlich, aber ich glaube, ich habe eine wahrscheinlihch dumme Frage:
Wie wird die Zahl "hinter dem +/-" bestimmt?
Aus einer linearen Regression oder durch Hypothesentest, wo die Nullhypothese "keine Erwärmung" lautet.
Eine kurze Erklärung oder ein Link wäre hilfreich. Danke!
(Bin Mathelehrer und würde das Beispiel Jones vs. DailyFail bzw. Kulke gerne im Statistikunterricht verwenden.
[Antwort: Der Trend wird mit einem least-squares-Verfahren berechnet, und die Zahl hinter dem +/- ist zwei Standardabweichungen des Trendes. Stefan Rahmstorf]
Lieber Herr Rahmstorf,
Es ist sicher richtig, dass längere Betrachtungszeiträume prinzipiell verlässlichere Trends ergeben. Allerdings können diese langen Zeiträume auch höherfrequente Ereignisse kaschieren. Ich denke, es geht doch um die Frage, ob die Temperaturkurve in denn letzten 10 Jahren wieder einmal einen Scheitelpunkt erreicht hat. Einen Scheitelpunkt wie es ihn zum Beispiel um 1900 oder 1940 gegeben hat (mit Bezug auf die GISS Global Land-Ocean-Temperature Index-Kurve). Solch ein 10-Jahres Scheitelpunkt kann natürlich elegant in einer 30-Jahres-Betrachtung verschwinden. Das Ganze scheint mir deshalb interessant, weil nach einer längeren Plateauphase der solaren Aktivität es nun so aussieht, als würde der 2008 begonnene Sonnenfleckenzyklus 24 relativ schwach ausgebildet sein. Wenn man eine solare Klimasteuerungskomponente zuläßt (und das scheint Phil Jones laut BBC Q&A für die Zeit bis mindestens 1950 zu unterstützen), dann könnte uns in den kommenden Jahren ein kleiner Temperatur-Zwischenabsturz bevorstehen. Mojib Latif würde sich sicher darüber freuen (-; Ich persönlich finde es faszinierend, wenn ich all die guten Korrelationen zwischen Temperatur und solarer Aktivität für die letzten 11.000 Jahre sehe, aber dieser in der Vergangenheit scheinbar doch so effiziente Steuerungsmechanismus nun in den letzten 50 Jahren vollkommen kraftlos geworden sein soll. Ich habe mal die wichtigsten Temp. vs. Solar Kurven hier zusammengestellt:
http://www.klimaargumente.de/s2.htm
In diesem Zusammenhang fand ich auch den Beitrag von Svenmark & Friis-Christensen (2007) aufschlußreich, wo Temperaturen der Troposphäre und der Ozeane gut mit dem Sonnenfleckenzyklus korrelieren (nach Korrektur von El Nino, Vulkan-Aerosolen und NAO), der Vergleich aber für die Oberflächentemperaturen versagt. Stimmt hier vielleicht wirklich etwas mit dem doch recht heterogenen Oberflächentemperaturdatensatz nicht ganz? Ross McKitrick hat dazu eine interessante Graphik gemacht, wo genau in dem Jahr, wo NOAA das Meßstationen-Netz von 12.000 auf 6.000 zusammenstrich ein massiver Temperaturanstieg in der Statistik auftauchte. Siehe Abbildung 6 auf http://www.klimaargumente.de/t1.htm
Grüße
Sebastian Lüning
Vielen Dank an den Autor Herrn Rahmstorf für die Erklärung der Kostenzusammenhänge. Einer meiner größten Kritikpunkte in Diskussionen mit z.T. regelrechten "Klimafanatikern" (beider Extreme) war immer die Behauptung, die Erwärmung/beschleunigte Veränderung des Weltklimas wäre ein Grund für die "schlimmen" Katastrophen in den letzten Jahrzehnten. Es ist dann unglaublich schwer zu vermitteln, daß zwar das Klima eine beunruhigende Veränderung durchmacht, die gestiegenen Kosten und auch Opferzahlen großteilig durch Bevölkerungswachstum, verändertes Siedlungsverhalten und gestiegenen Wohlstand zurückzuführen ist. Meiner Meinung nach dürfte gerade das auch bereits moderate Veränderungen im Klima mit großen Problemen verbinden.
@ Herr Rahmstorf
""Es gab keine globale Erwärmung seit 1995". Spiegel online durchschaute und kritisierte dankenswerterweise diese Story. In der "Welt" dagegen nutzt Uli Kulke sie als Schlusspointe:..."
Ich habe mir den Spiegelartikel durchgelesen, und kam nicht umhin, ein Blick in den Commentbereich zu werfen. Es ist schon ziemlich desillusionierend, was man da zu lesen bekommt, viele hätten sich offenbar eine mediale Aufbereitung im Kulke-Stil gewünscht. Zum Thema ist auch ein BBC Poll im UK veröffentlicht worden (http://news.bbc.co.uk/2/hi/8500443.stm), der den Erfolg der Denier leider bestätigt. Man fühlt sich an die Schlusssätze aus Welzers "Klimakriege" (ein unnötig plakativer Titel, wie ich finde) erinnert. Die Mühelosigkeit und Hingerotztheit von Kulkes Beiträgen zum Thema (und die zahlloser anderer) verrät eine deprimierende Tatsache: Mehr Aufwand ist gar nicht nötig, um eine offenbar breite(r werdende) Öffentlichkeit zu überzeugen. Vor einiger Zeit hat Georg Hoffmann eine der "eigenwilligen" Interpretationen Kulkes bezüglich einer EIKE-Veranstaltung zerlegt, die im Rahmen der Friedrich Naumann-Stiftung stattfand. Das lässt mich annehmen, das die Voodooscience mittlerweile auch vor den Toren der großen Politik steht (für mitlesende Skepties: ich beziehe mich hier nicht auf mögliche, sich ergebende politische Interpretationen, über die man sicher trefflich streiten kann, sondern nur auf die scientific base).
Folge hypothetische Frage: Welchen Schluss würde die Klimatologie ziehen, wenn es in den letzen 50 Jahren keinen signifikanten Erwärmungstrend gegeben hätte?
a) Dass es noch unbekannte Effekte im Feedbacksystem gibt, die eine CO2-bedingte Erwärmung maskieren?
b) Dass ein unbekannter gegenläufiger Effekt die CO2-bedingte Erwärmung kompensiert?
c) Dass die quatitativen Folgen einer CO2-Zunahme noch nicht ausreichend verstanden sind?
d) dass eine natürliche Fluktuation den CO2-Trend überlagert?
Oder Andersrum, wie wichtig ist die beobachtete Korrelation von CO2 mit der Temperatur für die Basistheorie?
[Antwort: Alle 4 von Ihnen genannten Möglichkeiten würden in dem Falle sicher untersucht, und es ließe sich sicher auch anhand von Messdaten klären, welche davon man ausschließen kann. Stefan Rahmstorf]
Sehr geehrter Prof. Rahmstorf,
warum leiten Sie dann selbst aus dem Meeresspiegelanstieg und der Meereisausdehnung der Arktis, der letzten Jahre, einen Trend ab?
Auch solche Trends sind keineswegs signifikant und von Wettereinflüssen überlagert.
MfG
Marcus Hofstein
[Antwort: Wo soll ich das getan haben? Stefan Rahmstorf]
Sehr geehrter Herr Rahmstorf,
Ihre unermüdliche Aufklärungsarbeit ist bewundernswert. Ich kann mir vorstellen, dass das manchmal recht frustrierend sein muss.
In den letzten Monaten haben jedenfalls die Skeptiker und die Ignoranten große Geländegewinne erzielt.
Beispiele:
- Kopenhagen ist im Grunde vollständig gescheitert, das sollte man gar nicht erst versuchen, sich schön zu reden. Die Politik ist zum Handeln (noch?) nicht bereit. In der Krise schon gar nicht.
Gerade lese ich in diesem Zusammenhang, dass Uno-Klima-Generalsekretär Yvo de Boer wohl wegen dieses Desasters zurücktreten wird.
- Der IPCC hat in der "Gletscher-Diskussion" in der breiten Öffentlichkeit viel an Glaubwürdigkeit verloren. Der Rücktritt des IPCC-Chefs Rajendra Pachauri wird bereits gefordert.
- So lächerlich es sich für einen Klimatologen anhören muss, so ist es doch eine Tatsache, dass Sie aufgrund des letzten und vor allem dieses Winters den meisten Menschen in Deutschland und wohl ganz Europa mit dem Thema "Erderwärmung" für einige Zeit nicht mehr kommen brauchen. Die Reaktion wäre bestenfalls: "Na hoffentlich bald und viel davon!"
- Außerdem werde ich plötzlich von Kollegen angesprochen, die mir erzählen, es hätte im TV eine Dokumentation gegeben, wonach das ganze Temperatur-Messnetz manipuliert worden sei, weil mehr als tausend Stationen vor 20 Jahren abgeschaltet worden sein, die den Erwärmungstrend nicht bestätigt hätten. Die Wissenschaftler würden alle lügen. Ich weiß nicht, was das für eine Doku gewesen sein soll, aber in diesem Winter glaubt sich das um so leichter...
Nebenbei:
- Der Energieverbrauch in China steigt mit atemberaubender Geschwindigkeit. In China heißt dies in erster Linie, dass mehr Kohle verbrannt wird. Und da geht es um Milliarden Tonnen pro Jahr. Gleichzeitig ist China seit 2009 nun auch das Land, in dem weltweit die meisten Fahrzeuge abgesetzt werden. Die USA liegen nur noch auf Rang 2. Und die Entwicklung verläuft weiter mit enormer Dynamik.
Usw., usf.
Ich hoffe, Sie stellen trotzdem weiterhin Ihre Analysen zur Verfügung.
Noch eine Frage: Ihr neues Buch "The Climate Crisis", wird es das in deutscher Übersetzung geben? Wäre schön.
Mit freundlichen Grüßen
Gramann
Ich habe das Phil Jones Interview gelesen und es zunächst auch so verstanden wie von Uli Kulke dargestellt.
Vieleicht wäre es besser wenn prominente Klimaforscher ihre öffentlichen Aussagen zu extrem komplizierten Sachverhalten besser vorbereiten, z.B. durch einen Sprachexperten in allgemein verständliche Form bringen lassen.
Es macht eben schon einen Unterschied ob man einem Fachjournal oder einer Tageszeitung ein Interview gibt. Diese Erkenntnis scheint aber für manche Wissenschaftler zu simpel zu sein.
[Antwort: Viele Forscher sind eben nicht gerade PR-Experten, und in der Tat ist Jones da nicht besonders geschickt mit seinen Antworten. Zum Teil liegt es aber auch an den Fragen - es wurden ihm da explizit eine Reihe von "Skeptikerthesen" als Fragen vorgelegt. Im ganzen ersten Teil des Interviews schwingt in den Fragen unterschwellig die Ansicht mit, ob die aktuelle Erwärmung "ungewöhnlich" sei bestimme darüber, ob sie anthropogen sei. Diese Vorstellung findet man bei Laien häufig, wissenschaftlich haben beide Dinge natürlich nichts miteinander zu tun. Auf die Ursache einer Klimaerwärmung kann ich nicht daraus schließen, ob sie "ungewöhnlich" ist, sondern nur durch Kenntnis der Antriebsfaktoren (Strahlungsantrieb) - ich muss wissen, was die Wärmequelle ist. Stefan Rahmstorf]