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Macht die Erderwärmung Pause?

von Stefan Rahmstorf, 08. Oktober 2009, 22:25

In den letzten Wochen kursierte in der Blogosphäre - und nicht nur dort - die These, der Klimawandel würde "eine Pause einlegen". Obwohl wir dieses Thema bereits mehrmals behandelt haben, lohnt es sich, zwei Aspekte nochmals zu beleuchten.

(1) Die Diskussion beschränkt sich auf einen sehr kurzen Zeitraum von höchstens elf Jahren: ab 1998 oder gar später. Trotz der anthropogenen globalen Erwärmung (die in diesem Zeitraum einen durchschnittlichen Anstieg von etwa 0,2 Grad erwarten lässt) ist eine solche Phase mit gleichbleibenden oder gar sinkenden Temperaturen nicht ungewöhnlich und ist auch mehrmals zuvor aufgetreten (z.B. 1987-1996). Das liegt einfach daran, dass natürliche kurzfristige Schwankungen eine vergleichbare Größenordnung haben (ca. 0,2 °C) und die anthropogenen Effekte überlagern. Der Unterschied zwischen beiden ist natürlich, dass der Erwärmungstrend immer weiter nach oben geht, während die natürlichen Schwankungen mal hoch, mal runter gehen. Daher setzt sich über längere Zeiträume immer die Erwärmung durch, während die natürlichen Schwankungen sich wegmitteln.

(2) Es ist sehr fraglich, ob es diese "Pause" überhaupt gibt. In einem gewissen Maße (keine Abkühlung, aber ein reduzierter Erwärmungstrend über zehn Jahre) zeigt sie sich zwar in den Klimadaten des Hadley Centers, aber wie wir in Abb.1 sehen, nicht in den NASA-Daten. Dort lagen die letzten 10 zehn-Jahres-Trends (d.h. 1990-1999, 1991-2000 und so fort) alle zwischen  0,17 und 0,34 °C pro Dekade, also nahe am oder gar über dem erwarteten anthropogenen Trend. Der letzte Trendwert (für 1999-2008) liegt mit 0,19 °C pro Jahrzehnt genau bei der IPCC-Vorhersage für den anthropogenen Effekt.


Abbildung 1: Globale Durchschnittstemperaturen seit 1980 nach NASA GISS. Die rote Linie zeigt die jährlichen Daten, das große rote Rechteck ist ein vorläufiger Wert für 2009. Die grüne Gerade zeigt den linearen Trend über 25 Jahre (0,19 °C pro Dekade). Die blauen Geraden zeigen die beiden jüngsten zehn-Jahres-Trends (018 °C pro Dekade für 1998-2007. 0,19 °C pro Dekade für 1999-2008) und verdeutlichen, dass diese aktuellen Trends sowohl mit dem langfristigen Trend als auch der IPCC-Vorhersage konsistent sind. Sogar der speziell ausgesuchte elf-Jahres-Trend, der mit dem warmen Jahr 1998 beginnt und dem kalten 2008 endet, zeigt noch einen Erwärmungstrend von 0,11 °C pro Dekade (was Laien überraschen mag, die im Geiste nur die beiden Endpunkte verbinden statt eine ordentliche Trendanalyse mit allen zehn Datenpunkten zu machen).


Warum unterscheiden sich diese beiden Zeitreihen in letzter Zeit? Wir haben uns das vor einer Weile auf Realclimate genauer angesehen, und der Grund ist das "Arktis-Loch" in den Hadley-Daten - gerade dort, wo die Erwärmung am stärksten ist.


Abbildung 2: Die animierte Grafik zeigt die Temperaturdifferenz zwischen den beiden fünf-Jahres-Perioden 1999-2003 und 2004-2008. Die stärkste Erwärmung im letzten Jahrzehnt hat in der Arktis stattgefunden und taucht in den Hadley-Daten nicht auf.


Wenn wir die globalen Temperaturen mit globalen Klimaantrieben wie den Treibhausgasen in Verbindung bringen wollen, sollten wir besser kein "Loch" in unserem Datensatz haben. Die globale Mitteltemperatur folgt einer einfachen planetaren Wärmebilanz, die sich aus aufgenommener minus abgestrahlter Energie ergibt. Wenn die Datenabdeckung nicht wirklich global ist, ist die Energiebilanz nicht geschlossen. Man müsste zusätzlich den Wärmefluss über die Grenze des Loches berücksichtigen, also den Wärmeaustausch mit der Arktis, und dadurch wird die ganze Kalkulation unbestimmt (weil wir diese Größe nicht kennen). Die NASA-Daten interpolieren aus den wenigen Messpunkten der Arktis die Temperatur der ganzen Region (was vielleicht nicht exakt, aber näherungsweise richtig ist), während die Hadley-Daten die Arktis einfach weglassen (was einen großen Fehler verursacht, wenn die Temperaturen der Arktis sich anders verhalten als der Rest der Welt - siehe Abb. 2). Deswegen sind die NASA-Daten eindeutig brauchbarer, und die angebliche Pause in der Erwärmung erweist sich als Artefakt des "Arktis-Loches" in den Hadley-Daten - wir brauchen also nicht einmal die natürliche Variabilität als Erklärung zu bemühen.


Man stelle sich vergleichsweise vor, wir wollten herausfinden, ob der Stand unserer Bankkonten mit unseren Einnahmen und Ausgaben konsistent ist - und wir stellen fest, dass auf den Konten weniger Geld liegt als erwartet, es gibt einen rätselhaften Fehlbetrag. Aber dann fällt uns ein, dass wir eines unserer Konten bei den Berechnungen vergessen hatten - und voila, dort liegt das fehlende Geld. Es gibt gar keinen Fehlbetrag. Das fehlende Bankkonto in den Hadley-Daten ist die Arktis, und wir haben gezeigt, dass sich die "fehlende Erwärmung" tatsächlich dort versteckt. Deswegen fehlt sie auch nicht in den NASA-Daten. Es ist also sinnlos, nach einer Erklärung für eine angebliche "Pause" in der Erderwärmung zu suchen.


In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass in den letzten drei Jahren trotz eines Rekordminimums in der Sonneneinstrahlung (die Solarkonstante ist schwach wie nie seit Beginn der Satellitenmessungen in den 70er Jahren) mehrere Wärmerekorde gebrochen wurden. Der März 2008 hatte die höchste globale Landtemperatur in diesem Monat seit 130 Jahren, und im Juni und August 2009 wurden auf der Südhalbkugel die höchsten in diesen Monaten jemals gemessenen Land- und Ozeantemperaturen festgestellt. Die globalen Meerestemperaturen haben dieses Jahr gleich für drei aufeinanderfolgende Monate die Rekorde gebrochen: für Juni, Juli und August. Noch nie wurde eine kleinere Eisausdehnung auf dem arktischen Ozean gemessen als in den Sommern der Jahre 2007, 2008 und 2009, und im Jahr 2008 waren zum ersten Mal seit Menschengedenken Nordwest- und Nordostpassage gleichzeitig eisfrei. Das wiederholte sich 2009. Jedes einzelne Jahr dieses Jahrhunderts war wärmer als alle Jahre des 20. Jahrhunderts außer 1998 (das dank eines ungewöhnlich starken El-Niño-Ereignisses weit über den Trend hinausragte).

Fazit: die beobachtete Erwärmung im letzten Jahrzehnt ist 100% konsistent mit dem erwarteten anthropogenen Erwärmungstrend von 0,2 °C pro Jahrzehnt, überlagert von kurzfristigen natürlichen Schwankungen. In dieser Hinsicht unterscheidet es sich nicht von den Jahrzehnten davor. Und mit einem beginnenden El-Niño-Ereignis im Pazifik wären wir nicht überrascht, wenn wir in den kommenden Monaten weitere Rekordtemperaturen erleben würden

Update: Wir wurden darauf hingewiesen, dass eine neue Studie von Simmons et al. (vom Hadley Center selbst), im Druck im Journal of Geophysical Research, unsere Analyse bestätigt, wonach die Hadley-Daten den Temperaturtrend der letzten 10 Jahre wegen der Datenlöcher in der Arktis stark unterschätzen.

Update: Die GISS-Temperatur für September ist jetzt da. Mit +0.65 ºC (relativ zum Mittelwert 1951-1980) war es der zweitwärmste September seit Beginn der Aufzeichnungen, praktisch gleichauf mit dem September 2005 (+0.67 ºC). Auf dem dritten Rang liegt September 2003 mit +0.60 ºC. Der wärmste September des 20. Jahrhunderts war übrigens 1998, mit +0.42 ºC weit abgeschlagen. Übrigens waren alle September in diesem Jahrhundert (2001-2009) wärmer als irgendein September im 20. Jahrhundert.

Update: Associated Press hat für einen ungewöhnlichen Artikel vier Statistiker blind nach Trends in den Klimadatensätzen befragt - blind heißt, ohne dass die Statistikexperten wussten, woher diese Daten stammen und  dass sie etwas mit Klima zu tun haben. Das Ergebnis stimmt natürlich mit dem überein, was wir oben diskutiert haben - es gibt keinen Abkühlungstrend in den Klimadaten.

(Dieser Artikel erschien im englischen Original auf Realclimate.org)





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Kommentare

  1. Michael E WHO Studie
    13.10.2009 | 22:16

    Sehr geehrter Hr Rahmstorf,

    Sie schreiben: [Antwort: Die relevanteste Studie dazu ist WHO 2008. Stefan Rahmstorf]

    Ich bin mir nicht sicher ob Sie die Studie selbst gelesen haben. Ich habs getan.

    Knapp zusammengefasst steht in etwa drin
    -was genaues weis man nicht, noch viel Forschung is nötig
    -ANPASSUNG and Klimawandel ist nötig
    -die Gesundheitsrisiken die schon HEUTE existieren müssen bekämpft werden, denn sie KÖNNTEN durch Klimawandel verstärkt werden.

    Von hundertausenden Klimawandeltoten konnte ich nichts finden.

    Konkret wir der Report auf Seite 9:

    "800 000 annual deaths from outdoor air pollution, the 1.2 million from road traffic injuries, the 1.5 million from
    indoor air pollution, and the estimated 1.9 million from physical inactivity"

    Ich bin ja evtl etwas einfach gestrickt, aber warum ein Kyotonachfolgeprotokoll da helfen soll ist mir schleierhaft

    mfg

    Michael E.

    PS: Es steht auch nicht drin wieviele Menschen durch das Kyotoprotokol gerettet wurden.

    [Antwort: Ich bitte um Entschuldigung, ich hatte Ihnen auf die Schnelle einen falschen Link ergoogelt. Die WHO-Studie, die ich meinte, war schon von 2002 (vielleicht finden Sie die irgendwo noch), es gibt aber auch eine aktuellere Studie dazu vom Global Humanitarian Forum von Kofi Annan, die in diesem Frühjahr publiziert wurde. Stefan Rahmstorf]

  2. Günter Heß Zeitskala
    14.10.2009 | 05:55

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,
    Danke für die Antwort. Mich würde interessieren, welche experimentellen Belege es gibt, dass sich solche Zirkulationsänderungen wie sie Herr Geiger beschrieben hat in ihren Auswirkungen auf die Energiebilanz im Klimasystem der Erde näherungsweise heraus mitteln? Innerhalb welcher Fehlergrenzen für die globale Mitteltemperatur wurde das bestimmt? Auf welcher Zeitskala geschieht denn dieser Mittelungsprozess?
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

    [Antwort: Lieber Herr Heß, wenn Wetterlagen sich ändern – also etwa ein Tiefdruckgebiet sich verschiebt, mittelt der Effekt auf die globale Temperatur sich a priori sofort heraus, weil dadurch ja erstmal gar keine Wärme zusätzlich ins System kommt sondern lediglich umverteilt wird – es gilt einfach die Energieerhaltung. An der Vorderseite des Tiefs wird es durch südliche Winde wärmer, dafür gibt es auf der Rückseite nördliche Winde und es wird umso kälter.

    Um die globale Temperatur zu ändern müssen Sie eine Wärmequelle haben. Das kann der Ozean sein – allerdings nur vorübergehend, und die globale Erwärmung der letzten Jahrzehnte kommt nicht aus dem Ozean, im Gegenteil, der hat nicht Wärme abgegeben sondern aufgenommen und damit die globale Erwärmung gedämpft. (Sehen Sie auch daran, dass die Erwärmung über Land größer ist.)

    Oder Sie ändern die Albedo - und damit die globale Strahlungsbilanz, auch so können Sie Wärmeenergie ins System bringen. Wetterlagen können das auf zweierlei Art tun. Einmal durch die Wolkenbedeckung. Aber da ist es schwer sich vorzustellen, dass eine Verlagerung der Hoch- und Tiefdruckgebiete die Wolken nicht nur von A nach B schiebt, sondern insgesamt so verändert, dass dabei eine globale Albedoänderung herauskommt. Die effektivste Art, durch Wetterlagen die globale Albedo zu verändern, ist meines Erachtens durch Schneefälle. Der Schnee kann viele Wochen liegen bleiben und im Frühling Sonne reflektieren – da aber Schnee nur an Land liegen bleibt, kommt es dabei für die globale Albedo schon darauf an, wo der Schnee fällt – über dem Meer oder über Landmassen. Nach meiner Einschätzung dürfte das die effektivste Nichtlinearität sein, durch die Wetter sich auch auf die globale Mitteltemperatur auswirkt. Eine quantitative Abschätzung dazu ist mir nicht bekannt; man kann aber mit Sicherheit davon ausgehen, dass eine Abnahme der Schneebedeckung durch veränderte Wetterlagen (also nicht einfach durch die Erwärmung – das wäre ein Feedback) keinen wesentlichen ursächlichen Beitrag zur globalen Erwärmung leistet, denn das würde durch das ausgeprägte räumliche und saisonale Muster dieses Effekts in den Daten sofort auffallen. Stefan Rahmstorf]

  3. Pete Trockner @ ingolf
    14.10.2009 | 17:00

    Geben Sie sich keine Mühe. Die Strategie der Skeptiker besteht ja gerade darin, Aussagen zu erfinden und diese dann zu "widerlegen" bzw. anzuprangern.

    Anschließend gibts dann Diskussionen über Ernteerträge oder "Gewinner" des Klimawandels (den es ja gar nicht gibt) und so weiter und so fort.

    Diese "Argumente" werden von einigen Alpha-Skeptikern vorgegeben und von der mitlaufenden Skeptikermasse endlos wiedergekäut.

    Mit solchen Esoterikern ist schlicht keine Diskussion möglich, weil es nicht um Erkenntnisgewinn, sondern um ein möglichst lautstarkes Glaubensbekenntnis geht.

  4. 15.10.2009 | 04:31

    "... warum wohl? Weil es so putzig warm ist? Weil so viel CO2 in der Luft ist? Vielleicht haben auch Menschen wie bspw Haber und Bosch und ihre Nachfolger was damit zu tun (Kannst ja mal googln, was Haber und Bosch so erfunden haben). Könnte ja sein, oder? Woher kommt dieses Sinnlosargument?"

    Natürlich sind die höheren Ernteerträge auf bessere Düngung, Saatgut usw. zurückzuführen. Nur, in den Medien wird uns täglich eingehämmert dass der Klimawandel ausschließlich negative Auswirkungen hat, Dürre, Überschwämmungen, Stürme, Schädlingsinvasionen usw. Eigentlich müsste demnach die Menschheit schon längst verhungert sein.

    Genau das Gegenteil ist der Fall. Bei ungünstigen Wetterbedingungen nützt nämlich der beste Dünger nichts mehr. Deshalb sollte eine objektive Analyse untersuchen, wie der Saldo zwischen Gewinnern und Verlierern aussieht.

    Vor einigen Tagen lief auf VOX ein BBC Machwerk zur Klimakatastrophe. Da wurden alle möglichen sinnfreien Lösungsmöglichkeiten wie CCS, künstliche Bäume, Weltall-Spiegel usw. vorgestellt. Auf die naheliegende Idee, die Abholzungen durch Handelsbeschränkungen zu stoppen und massiv in Aufforstungen zu investieren ist in dem Film niemand gekommen.

    Warum mag das so sein? Ich behaupte, weil die Großindustrie an Aufforstungen nichts verdienen kann. Davon profitieren vor allem Kleinbauern in der Dritten Welt, und das muß mit allen Mitteln verhindert werden.

    Nur durch eine objektive Berichterstattung werden sich die Menschen mit dem Gedanken anfreunden, dass massive Änderungen im Wirtschaftssystem ohne Alternative sind. Solange diese Änderungen aber hauptsächlich darin bestehen das Geld der Verbraucher in die Taschen der Wall Street Spekulanten spülen (Emissionshandel) wird die Klima-Debatte höchst emotional bleiben.

  5. Michael Geiger Sg. Herr Rahmstorf
    15.10.2009 | 10:58

    danke für ihre Anwort, welche sie bei Günther Heß abgegeben haben.
    Sie haben natürlich recht in der Argumentation und ich will die Sache gar nicht globalisieren, aber folgendes möchte ich noch sagen:
    um es etwas zu verkürzen, eine Einschränkung aufs Sommerhalbjahr (04-09). Wir haben eine signifikante Abnahme nördlicher Zirkulationsformen über das 20. Jh., gleichzeitig eine Zunahme von SW Lagen, insbesondere zwischen 1980 und 2000. Die Auswirkungen sind vor allem im Gletscherrückgang schön zu erkennen, denn die Alpengletscher sind viel stärker durch die Sommerwitterung beeinflusst, als die des Winters. Abgesehen von den T Erhöhungen durch Warmluftadvektion hat das Albedo über den Alpen kontinuierlich abgenommen, die Sonnenscheindauer ab ca. 1970 um ca. 20% zugenommen. Als Folge beobachten wir steigende Minimatemperaturen in den Alpentälern, trotz Bewölkungsabnahme. Das häufige Fehlen von Kälteeinbrüchen im Sommer führt dazu, dass viel weniger kalte Luft nach Sonnenuntergang in die Täler und Becken strömt, da eben die Scheegrenzen meist weit zurück gezogen sind. Die Unterschiede liegen hier bei ca. 3-5°C, bie identen Wetterlagen usw, der Hauptteil kommt aus der IR Abstrahlung über Schnee (der weiße Schnee verhält sich hier ja wie ein schwarzer Körper) und wenn nun eben im Mittel 30 Tage (Juli-Sep.) mit Schnee bis 1800m herrschen od. nur 5, dann wirkt sich das alleine bereits signifikant auf die T min. Sommer aus. Hunderte Sationen im HISTALP Raum sind davon betroffen. Im Winter ist es teils noch gravierender, durch die Zunahme vieler SW Lagen sind die Täler viel häufiger schneefrei und die Abkühlungsrate liegt typisch um ca. 5°C höher als bei trockenem Boden. Die Erwärmung der Bergstationen viel etwas geringer aus, was ua. obige Gründe erklären.
    Quellen & Senken. Naja, wie oft kann ein Trog vom hohen Norden über Island bis weit nach Süden reichen, ohne dabei den Ozean mehr als oberflächlich verhältnismäßig stark zu kühlen? Habe ich es richtig im Kopf wenn ich sage, dass die Region im Atlantik südlich von Island (ganz grob) kaum Erwärmung zeigt bzw. immer wieder negative SST Anomalien?
    Ich sage also, dieses Quellen und Senken Spiel gleicht sich immer wieder aus, nur kann der Atlantik selbst für Europa zu mindest für einige Dekaden als Quelle fungieren ohne dabei jene Energie zu verlieren, welche zur T Erhöhung an Land geführt hat. Wir reden ja von T Messwerten in Bodennähe und den Energiehaushalt des Atlantiks kann man ja nicht wirklich messen, naja, noch nicht lange zu mindest. Nun gehen eben viel Stationswerte Europas in die globale T Berechnung ein und wir behaupten, dass die Änderungen in Mitteleuropa vollständig über Zirkulationsvariationen zu erklären sind. Mehr dazu in einigen Wochen, bis jetzt sind diese Ausführungen nicht wissenschaftlich untermauert, aber zur Diskussionsanregung sicher geeignet.

  6. Günter Heß Wetter und Albedo
    16.10.2009 | 09:04

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,
    Danke für die ausführliche Erläuterung. Meines Erachtens gibt es aber einige experimentelle Befunde, die darauf hinweisen, dass die Mittelung nicht zwingend ist, bzw wenn dann über längere Zeiträume erfolgt.
    Der folgende Abschnitt des IPCC AR 4 schlägt doch eigentlich vor, dass solche Änderungen in der Wolkenbedeckung und damit in der Albedo vorkommen und sich nicht unmittelbar ausgleichen, sondern im Ozean gespeichert werden. Also wird dem System doch über dem Zeitraum, in dem es nicht ausgeglichen ist Energie zugeführt. Ich hatte das schon mal geschrieben, als wir über Wolken diskutiert haben.
    IPCC AR 4 Chapter 3 S. 278:
    “Since most of the net tropical heating of 1.4 W m–2 is a decrease in reflected SW radiative flux, the change implies a similar increase in solar insolation at the surface that, if unbalanced by other changes in surface fluxes, would increase the amount of ocean heat storage. Wong et al. (2006) showed that the changes in global net radiation are consistent with a new ocean heat-storage data set from Willis et al. (2004; see Chapter 5 and Figure 5.1).”
    Auch Herr Notz hat in einem Kommentar im letzten Beitrag geschrieben:
    http://www.wissenslogs.de/...2/ende-des-schmelzens
    „Zum einen gab es zu Beginn der neunziger Jahre eine Reihe von Jahren, in denen sich das in der Arktis vorherrschende Windregime verändert hatte. Dadurch wurde sehr viel dickes, altes Eis einfach entlang der ostgrönländischen Küste aus der Arktis "geweht". Dieses Eis trieb früher häufig jahrelang im Zentrum des Arktischen Ozeans im Kreis. Das zurückgebliebene, dünnere Eis wurde dann durch ungewöhnlich warme Wetterlagen im Frühjahr zu Beginn unseres Jahrhunderts weiter ausgedünnt, so dass schließlich im ungewöhnlich warmen Sommer 2007 das vorhandene Eis zu einem großen Teil so dünn war, dass es einfach weggeschmolzen ist.
    Dadurch wird die Albedo ja nachhaltig verändert.
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

  7. Thomas Knecht Cherry Picking?
    16.10.2009 | 10:55

    Lieber Herr Rahmstorf,

    da dieser Blog für interessierte Laien gedacht ist, hoffe ich hier richtig zu sein. Ihren obigen Beitrag fand ich sehr lesenswert, und was das Fachliche betrifft, bleibt mir wenig übrig als den Inhalt "zu schlucken", da mir einfach die Expertise fehlt. Ihre Argumentation überzeugt mich.

    Gleichwohl bin ich verwirrt, wenn Ihnen ein Forscherkollege "cherry picking" bei der Auswahl Ihrer Trends vorwirft:

    http://rogerpielkejr.blogspot.com/...o-global.html

    Gerne würde ich mir ein einheitliches Bild zum Thema Klimawandel verschaffen. Das fällt bei der immensen Informationsflut indes zusehends schwerer.

    Freundliche Grüße
    Thomas Knecht

    [Antwort: Lieber Herr Knecht, wenn Sie meinen Beitrag oben verstanden haben, werden Sie gleich erkennen, dass solche Anwürfe unseriös sind (wie aus dieser Ecke bereits gewohnt). Der erste Punkt ist ja gerade, dass nur längerfristige Trends (ca. 20 Jahre) klimatologisch aussagekräftig sind. Der zweite Punkt geht dann auf die Frage ein, ob die Skeptikerthese stimmt, in den letzten zehn Jahren habe es keine Erwärmung gegeben. Den Zeitraum von 10 Jahren habe dabei nicht ich "ge-cherry-picked", sondern ich antworte damit nur auf jene, die einen solchen (nicht aussagekräftigen, siehe Punkt 1!) Zeitraum angeführt haben. Stefan Rahmstorf]

  8. Michael Geiger ist Erwärmung schlecht?
    16.10.2009 | 12:31

    oder anders gefragt, was wäre unter den heutigen globalen Umständen besser: eine weitere Erwärmung um 1°C in 100a od. eine gleich hohe Abkühlung?
    Es wird immer so getan, als ob es klar wäre, dass wir in eine wärmere Zukunft blicken müssen. Ja, sieht so aus, denn die IR Absorbtionsfähigkeit des CO2 kann ja niemand seriös bestreiten. Über die sg. Sensivität kann und sollte man aber versuchen zu diskutieren. Herrscht dazu wirklich "Konsens". Nein, ein Sammeln von Indizien ist noch lange kein Beweis und ich persönlich gehe davon aus, dass wir nicht wissen, was eine CO2 Verdopplung alles bewirken kann. Die Rückkoppelungen über Wasserdampf, Wolken und Niederschlägen kann langfristig auch zu einer Abschwächung ja sogar zur Umkehr des Forcings führen und wenn ich mir die Klimageschichte so ansehe, liegt es doch sehr nahe, der Natur einen gewissen Reparaturmechanismus zuzumuten, sagen wir Thermostat dazu. Nach jedem CO2 Anstieg folgte irgendwann ein T Rückgang, auch über Perioden, welchen keine nennenswerten Änderungen der Umlaufparameter etc. zugeordnet werden können. Welche natürlichen Einflüsse lassen einen Planeten nachhaltig abkühlen in Zeiten steigender CO2 Konzetrationen? Wo blieb die hohe Klimasensitivität hängen und wieso geht man fast stur davon aus, dass es in den kommenden 100a zu 100% wärmer wird? Seriöse Wissenschaft sollte das nicht behaupten, denn wir haben das Klima noch lange nicht vollständig verstanden und eine Abkühlung um 1°C hätte sehr wahrscheinlich mehr negative Auswirkungen als eine entsprechende Erwärmung, behaupte ich.

    [Antwort: Wenn es einen solchen "Thermostaten" gibt, der eine Erwärmung in diesem Jahrhundert verhindern soll - wieso hat er frühere Erwärmungen dann nicht verhindert? In den letzten 500 Millionen Jahren war es ja meistens deutlich wärmer und die Erde eisfrei - dank der aus tektonischen Gründen zumeist höheren CO2-Konzentration. Ich forsche seit 20 Jahren zu Klimaveränderungen der Erdgeschichte und habe dabei noch keine Hinweise auf einen solchen Thermostaten entdecken können. Wenn Sie die sehen - ich rate Ihnen dringend zu einer Fachpublikation mit sauberen Belegen dazu. Stefan Rahmstorf]

  9. Karl Mistelberger Globaler Kollaps durch Hungersnöte?
    16.10.2009 | 16:04

    "Nur, in den Medien wird uns täglich eingehämmert dass der Klimawandel ausschließlich negative Auswirkungen hat, Dürre, Überschwämmungen, Stürme, Schädlingsinvasionen usw. Eigentlich müsste demnach die Menschheit schon längst verhungert sein."

    Dass wie bisher die Nahrungsmittelproduktion schneller steigt als die Bevölkerung wächst scheint nicht länger der Fall zu sein. Mit den möglichen Konsequenzen beschäftigt sich ein Artikel in Spektrum der Wissenschaft. Eine Hörprobe ist frei verfügbar: http://www.spektrum.de/audio, ebenso der Artikel selbst: http://www.spektrum.de/artikel/1005454

  10. Michael Geiger Abkühlung ausgeschlossen?
    21.10.2009 | 14:09

    ich meine, darf man überhaupt behaupten, dass die NHK T Entwicklung vielleicht doch so:

    http://www.drroyspencer.com/...00-years-Loehle.jpg

    aussieht und nicht anders?
    Ist diese Abb. falsch? Kann es wirklich nicht sein, dass sie sehr nahe bei der Realität liegt?
    Wenn ja, dann kann man doch erwarten, dass die kommenden Jahrzehnte trotz dem CO2 Forcing (ohne die fraglich hohe Sensitivität) kühler ausfallen könnten, als die letzten 2 Dekaden. Warum schließt man das kategorisch aus?

    [Antwort: Lieber Herr Geiger, die Gründe, warum die von Ihnen verlinkte Kurve nichts mit Wissenschaft zu tun hat, können Sie im Detail hier nachlesen. Nicht ohne Grund ist sie auch nicht in einer klimatologischen Fachzeitschrift erschienen. Interessant übrigens, dass Sie die Website eines Anhängers von "Intelligent Design" (Roy Spencer) als Quelle verlinkt haben. Da zeigt sich einmal mehr die enge Verbindung von "Klimaskeptikern" und Kreationisten. Stefan Rahmstorf]

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