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Macht die Erderwärmung Pause?

von Stefan Rahmstorf, 08. Oktober 2009, 22:25

In den letzten Wochen kursierte in der Blogosphäre - und nicht nur dort - die These, der Klimawandel würde "eine Pause einlegen". Obwohl wir dieses Thema bereits mehrmals behandelt haben, lohnt es sich, zwei Aspekte nochmals zu beleuchten.

(1) Die Diskussion beschränkt sich auf einen sehr kurzen Zeitraum von höchstens elf Jahren: ab 1998 oder gar später. Trotz der anthropogenen globalen Erwärmung (die in diesem Zeitraum einen durchschnittlichen Anstieg von etwa 0,2 Grad erwarten lässt) ist eine solche Phase mit gleichbleibenden oder gar sinkenden Temperaturen nicht ungewöhnlich und ist auch mehrmals zuvor aufgetreten (z.B. 1987-1996). Das liegt einfach daran, dass natürliche kurzfristige Schwankungen eine vergleichbare Größenordnung haben (ca. 0,2 °C) und die anthropogenen Effekte überlagern. Der Unterschied zwischen beiden ist natürlich, dass der Erwärmungstrend immer weiter nach oben geht, während die natürlichen Schwankungen mal hoch, mal runter gehen. Daher setzt sich über längere Zeiträume immer die Erwärmung durch, während die natürlichen Schwankungen sich wegmitteln.

(2) Es ist sehr fraglich, ob es diese "Pause" überhaupt gibt. In einem gewissen Maße (keine Abkühlung, aber ein reduzierter Erwärmungstrend über zehn Jahre) zeigt sie sich zwar in den Klimadaten des Hadley Centers, aber wie wir in Abb.1 sehen, nicht in den NASA-Daten. Dort lagen die letzten 10 zehn-Jahres-Trends (d.h. 1990-1999, 1991-2000 und so fort) alle zwischen  0,17 und 0,34 °C pro Dekade, also nahe am oder gar über dem erwarteten anthropogenen Trend. Der letzte Trendwert (für 1999-2008) liegt mit 0,19 °C pro Jahrzehnt genau bei der IPCC-Vorhersage für den anthropogenen Effekt.


Abbildung 1: Globale Durchschnittstemperaturen seit 1980 nach NASA GISS. Die rote Linie zeigt die jährlichen Daten, das große rote Rechteck ist ein vorläufiger Wert für 2009. Die grüne Gerade zeigt den linearen Trend über 25 Jahre (0,19 °C pro Dekade). Die blauen Geraden zeigen die beiden jüngsten zehn-Jahres-Trends (018 °C pro Dekade für 1998-2007. 0,19 °C pro Dekade für 1999-2008) und verdeutlichen, dass diese aktuellen Trends sowohl mit dem langfristigen Trend als auch der IPCC-Vorhersage konsistent sind. Sogar der speziell ausgesuchte elf-Jahres-Trend, der mit dem warmen Jahr 1998 beginnt und dem kalten 2008 endet, zeigt noch einen Erwärmungstrend von 0,11 °C pro Dekade (was Laien überraschen mag, die im Geiste nur die beiden Endpunkte verbinden statt eine ordentliche Trendanalyse mit allen zehn Datenpunkten zu machen).


Warum unterscheiden sich diese beiden Zeitreihen in letzter Zeit? Wir haben uns das vor einer Weile auf Realclimate genauer angesehen, und der Grund ist das "Arktis-Loch" in den Hadley-Daten - gerade dort, wo die Erwärmung am stärksten ist.


Abbildung 2: Die animierte Grafik zeigt die Temperaturdifferenz zwischen den beiden fünf-Jahres-Perioden 1999-2003 und 2004-2008. Die stärkste Erwärmung im letzten Jahrzehnt hat in der Arktis stattgefunden und taucht in den Hadley-Daten nicht auf.


Wenn wir die globalen Temperaturen mit globalen Klimaantrieben wie den Treibhausgasen in Verbindung bringen wollen, sollten wir besser kein "Loch" in unserem Datensatz haben. Die globale Mitteltemperatur folgt einer einfachen planetaren Wärmebilanz, die sich aus aufgenommener minus abgestrahlter Energie ergibt. Wenn die Datenabdeckung nicht wirklich global ist, ist die Energiebilanz nicht geschlossen. Man müsste zusätzlich den Wärmefluss über die Grenze des Loches berücksichtigen, also den Wärmeaustausch mit der Arktis, und dadurch wird die ganze Kalkulation unbestimmt (weil wir diese Größe nicht kennen). Die NASA-Daten interpolieren aus den wenigen Messpunkten der Arktis die Temperatur der ganzen Region (was vielleicht nicht exakt, aber näherungsweise richtig ist), während die Hadley-Daten die Arktis einfach weglassen (was einen großen Fehler verursacht, wenn die Temperaturen der Arktis sich anders verhalten als der Rest der Welt - siehe Abb. 2). Deswegen sind die NASA-Daten eindeutig brauchbarer, und die angebliche Pause in der Erwärmung erweist sich als Artefakt des "Arktis-Loches" in den Hadley-Daten - wir brauchen also nicht einmal die natürliche Variabilität als Erklärung zu bemühen.


Man stelle sich vergleichsweise vor, wir wollten herausfinden, ob der Stand unserer Bankkonten mit unseren Einnahmen und Ausgaben konsistent ist - und wir stellen fest, dass auf den Konten weniger Geld liegt als erwartet, es gibt einen rätselhaften Fehlbetrag. Aber dann fällt uns ein, dass wir eines unserer Konten bei den Berechnungen vergessen hatten - und voila, dort liegt das fehlende Geld. Es gibt gar keinen Fehlbetrag. Das fehlende Bankkonto in den Hadley-Daten ist die Arktis, und wir haben gezeigt, dass sich die "fehlende Erwärmung" tatsächlich dort versteckt. Deswegen fehlt sie auch nicht in den NASA-Daten. Es ist also sinnlos, nach einer Erklärung für eine angebliche "Pause" in der Erderwärmung zu suchen.


In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, dass in den letzten drei Jahren trotz eines Rekordminimums in der Sonneneinstrahlung (die Solarkonstante ist schwach wie nie seit Beginn der Satellitenmessungen in den 70er Jahren) mehrere Wärmerekorde gebrochen wurden. Der März 2008 hatte die höchste globale Landtemperatur in diesem Monat seit 130 Jahren, und im Juni und August 2009 wurden auf der Südhalbkugel die höchsten in diesen Monaten jemals gemessenen Land- und Ozeantemperaturen festgestellt. Die globalen Meerestemperaturen haben dieses Jahr gleich für drei aufeinanderfolgende Monate die Rekorde gebrochen: für Juni, Juli und August. Noch nie wurde eine kleinere Eisausdehnung auf dem arktischen Ozean gemessen als in den Sommern der Jahre 2007, 2008 und 2009, und im Jahr 2008 waren zum ersten Mal seit Menschengedenken Nordwest- und Nordostpassage gleichzeitig eisfrei. Das wiederholte sich 2009. Jedes einzelne Jahr dieses Jahrhunderts war wärmer als alle Jahre des 20. Jahrhunderts außer 1998 (das dank eines ungewöhnlich starken El-Niño-Ereignisses weit über den Trend hinausragte).

Fazit: die beobachtete Erwärmung im letzten Jahrzehnt ist 100% konsistent mit dem erwarteten anthropogenen Erwärmungstrend von 0,2 °C pro Jahrzehnt, überlagert von kurzfristigen natürlichen Schwankungen. In dieser Hinsicht unterscheidet es sich nicht von den Jahrzehnten davor. Und mit einem beginnenden El-Niño-Ereignis im Pazifik wären wir nicht überrascht, wenn wir in den kommenden Monaten weitere Rekordtemperaturen erleben würden

Update: Wir wurden darauf hingewiesen, dass eine neue Studie von Simmons et al. (vom Hadley Center selbst), im Druck im Journal of Geophysical Research, unsere Analyse bestätigt, wonach die Hadley-Daten den Temperaturtrend der letzten 10 Jahre wegen der Datenlöcher in der Arktis stark unterschätzen.

Update: Die GISS-Temperatur für September ist jetzt da. Mit +0.65 ºC (relativ zum Mittelwert 1951-1980) war es der zweitwärmste September seit Beginn der Aufzeichnungen, praktisch gleichauf mit dem September 2005 (+0.67 ºC). Auf dem dritten Rang liegt September 2003 mit +0.60 ºC. Der wärmste September des 20. Jahrhunderts war übrigens 1998, mit +0.42 ºC weit abgeschlagen. Übrigens waren alle September in diesem Jahrhundert (2001-2009) wärmer als irgendein September im 20. Jahrhundert.

Update: Associated Press hat für einen ungewöhnlichen Artikel vier Statistiker blind nach Trends in den Klimadatensätzen befragt - blind heißt, ohne dass die Statistikexperten wussten, woher diese Daten stammen und  dass sie etwas mit Klima zu tun haben. Das Ergebnis stimmt natürlich mit dem überein, was wir oben diskutiert haben - es gibt keinen Abkühlungstrend in den Klimadaten.

(Dieser Artikel erschien im englischen Original auf Realclimate.org)



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Kommentare

  1. Jochen Binikowski Tödlicher Klimawandel
    12.10.2009 | 15:20

    "Tödlich für die ärmsten der Armen ist vor allem der Klimawandel. Vielleicht sprechen Sie mal mit jemandem aus Bangladesh, wozu ich gerade gestern die Gelegenheit hatte. Die WHO geht davon aus, dass der Klimawandel bereits jetzt jährlich mehrere Hunderttausend Menschenleben kostet. Stefan Rahmstorf"

    Meines Wissens haben die Überflutungsschäden in Bangladesh weniger mit dem gestiegenen Meeresspiegel als vielmehr mit Abholzungen im Himalaya sowie der Besiedelung ungeeigneter Flächen im Delta zu tun.

    Mich würde dringend interessieren, wie die WHO die Zahl der Klimawandeltoten im Einzelnen berechnet und welche Vergleichsdaten aus der Vergangenheit zur Verfügung stehen. Weiterhin müsste noch geklärt werden, inwiefern vom Klimawandel Begünstigte (u.a. Sahel Zone) da gegengerechnet werden...

  2. Michael Geiger RE 09.10.16:59
    12.10.2009 | 16:06

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    danke für Ihr Antwort:

    ...durch die globale Erwärmung, die ja z.B. die Landgebiete schneller erwärmt als Meeresregionen, ändern sich die Druckgradienten in der Atmosphäre und damit auch die Statistik der Großwetterlagen. Das kann das regionale Klima deutlich beeinflussen - gibt es etwa mehr Südwindlagen bei uns, wird es dadurch wärmer. Die globale Durchschnittstemperatur kann man damit allerdings nicht verändern, weil dem Klimasystem dabei insgesamt keine Wärme zugeführt wird, sie wird nur anders verteilt...

    Ich bin mir sicher, dass man das nicht so einfach bewerten kann. Ein Beispiel: wir nehmen nur 2 grundsätzlich verschiedene Zirkulationsformen, nämlich NZ (Nord zyklonal) und SZ od. SWZ(Süd/W zyklonal). NZ führt im Winter kalte Polarluft nach Mitteleuropa, das Festland wird "gekühlt", oft kommt noch Schnee dazu, was über Albedo und erhöhte IR Abstrahlung der Oberfläche eine zusätzliche Abkühlung über einige Tage bewirken kann. Stromabwärts, also im Ostatlantik strömt dabei warme Luft Richtung Norden. Die Wärmebilanz (Energie) sollte ausgeglichen sein, ist sie aber nicht, wenn wir von Temperatur Messungen der Oberfläche (Stationen) sprechen. Die Wärmekapazitäten zwischen Land und Ozean sind enorm unterschiedlich. Das bedeutet, dass in diesen Fällen im Mittel tiefere Temperaturen gemessen werden. Bei SZ, od. besser SWZ bzw. TRW liegt der Trog meist über dem Ostatlantik, sprich, kühle Luft breitet sich über dem Ozean nach Süden aus, vorderseitig strömt subtropische Luft über das Mittelmeer, die Alpen bis weit in den Norden Europas. Wiederum ist es so, dass hier die gemessene Abkühlung über dem Ozean (immer gleiche Flächen betrachtet) geringer ausfällt, als die gemessene Erwärmung über Land. Die Europäischen Verhältnisse kann man gerne um die gemäßigten Breiten spannen, NHK als auch SHK. Deshalb ist es berechtigt zu sagen, die Positiunierung der Zirkulationszentren kann sich auf die Messwerte der globalen Mitteltemperatur auswirken. Diese Lagen sollten sich langfristig ausgleichen und das machen sie wahrscheinlich auch, nur haben wir eben festgestellt, dass es über Dekaden doch signifikante Änderungen gibt, welche zu mindest für Mitteleuropa die Erwärmung des 20 Jh. vollständig erklären. Ich sage damit nicht, dass CO2 keinen Einfluss auf die Strahlungsbilanzen hätte, nur liegt es für uns doch sehr sehr nahe, dass die Sensitivität in vielen Fällen überbewertet wurde und wird. Die GWL Studie können sie sicher ganz schnell nachvollziehen, sie haben alle notwendigen Datensätze und das Verfahren ist denkbar einfach und statistsich einwadfrei. Rechnen sie sich einfach die mittlere T (Tagesmittel) Abweichung aus 100a Reihen jeder GWL aus und besetzen sie jeden einzelnen Tag mit dieser Abweichung und dannach mitteln sie wie gehabt die Jahremittel heraus. Das interessanteste dabei ist das Sommerhalbjahr. Der dramatische Gletscherrückgang im Alpenraum von ca. 1980 bis heute ist ganz klar über die GWL Häufigkeitsverteilung im Sommer zu erklären. Kaum Kälterückfälle und lange Phasen mit Nullgradgrenzen jenseits der 3500m, ausgelöst durch eine Häufung bzw. Abnahme der entsprechenden Wetterlagen und, wie gesagt kühlt es dabei über dem Atlantik etwas weniger ab, was die gemessenen Temperaturen betrifft.

    (Wollen wir zwei wetten, dass die kommenden 15 Jahre global etwas kühler ausfallen werden, als die letzten 15?)

  3. Michael Geiger Binikowski & Rahmstorf
    12.10.2009 | 18:20

    zum Thema die Ärmsten der Armen möchste ich meinen Teil beitragen, da ich mich nun klimateschisch doch schon einige Jahre damit befasse.
    Bis heute kann man definitiv sagen, dass die Vorteile der vollzogenen Erwärmung überwiegen, im speziellen für die Industrienationen. Ich sehe in "armen Ländern" keinen signifikaten Trend zu lebenfeindlicheren Bedingungen wegen dem "Klimawandel". Die Beobachtungen vieler Einzelereignisse sind durch die Vernetzung der hochtechnologisierten Welt besser erfasst als je zuvor, die mediale Inszenierung ist nett gesagt ein kleiner Horror. Die T Erhöhung im Alpenraum zB. macht knapp 2°C aus (vglw. 0,7°C global 100a), ohne nennenswerte Nachteile für irgendwen in dieser Region. Abgesehen vom tieferen Auftauen gewisser Permafrostgebiete in Hochlagen (Steinschlag etc.) kann man sogar von sehr positiven Änderungen sprechen: weniger Heizölverbrauch, weniger Salzstreuung, weniger Energieverbrauch allgemein,(wenn wir nicht dem Kapital folgen würden...)und bessere Ernteerträge, auch durch höheren CO2 Düngeeffekt, welcher zu oft zu klein geredet wird, usw.
    Bangladesch! Diese Menschen interessieren sich für vielleicht alles, aber mit Sicherheit nicht für das "westliche AGW", obwohl genau dort, wie sonst kaum wo auf der Erde ein weiterer Meerespiegelanstieg um 50cm definitiv ein großes Problem wäre. Andererseits hat man mind. 50a Zeit, sich darauf vorzubereiten, jede Eile kommt mir seltsam vor. Man könnte ja die kommenden 5-10a beobachten, was tut sich denn wirklich? Wie ich oben gezeigt habe, ist die Erwärmung Mitteleuropas mit höchster Wahrscheinlichkeit und vollständig auf die Änderung der Häufigkeitsverteilung der Zirkulationsformen zurück zu führen und dieser Arbeit werden wir auch publizieren. Wer meint, die Menschen des Planeten hätten bei zusätzlich +1°C mehr, mehr Probleme, der muss mir diese Logik mal erklären. Wer meint, bei +3°C in 100a hätten wir gravierende Schwierigkeiten, hat sicher recht. Nur, wir wissen nicht, wie sich das Klima entwickeln wird, auch wenn einige immer wieder meinen, es gäbe einen Konsens. Dieser Konsens beschränkt sich genau genommen darauf, dass wir Menschen das Klima beeinflussen und das es im 20. Jh. um 0,7° (+/-0,2) wärmer geworden ist. Ich denke, dass es keinen Konsens auf Fragen gibt: wie oft gabe es in den letzten 5000a T Schwankungen um 0,7°C/100a?, wie steht die Wissenschaft zum "Hockey Stick"? Wie hoch ist die Klimasensitivität aus CO2 wirklich? Was steckt eigentlich dahinter?
    Ist es eine globale Notwendigkeit, die Energiegewinnung zu umzustellen, zu verlagern? Ja schon, denke ich, nur wann und zu welchem Preis usw. Wer profitiert, alle? Die 3. Welt? Warum schert sich heute die westliche Welt sehr bescheiden um das Wohlergehen der Bengalen und warum sollen plötzlich alle Menschen glauben, jetzt ist die richtige Zeit um ihnen allen zu helfen, damit es ihnen in 50 od. 100 Jahren nicht noch schlechter geht, damit sie nicht über uns "herfallen", weil das Wasser bis zum Hals reicht, was übrigens für uns verwöhnte Wohlstandsmenschen schwer vorstellbar sein sollte.

  4. Michael E Menschen sterben durch Klimawandel ?
    12.10.2009 | 21:42

    Sehr geehrter Hr Rahmstorf

    Sie schreiben

    "Tödlich für die ärmsten der Armen ist vor allem der Klimawandel. Vielleicht sprechen Sie mal mit jemandem aus

    Bangladesh, wozu ich gerade gestern die Gelegenheit hatte. Die WHO geht davon aus, dass der Klimawandel bereits jetzt

    jährlich mehrere Hunderttausend Menschenleben kostet."

    Das ist geradezu zynisch:

    In Bangladesh sterben Menschen hier und heute an unzureichendem Küstenschutz, falscher Siedlungspolitik, unzureichend
    gesicherten Wohngebäuden, mangelder Hygiene, mangelnder Infrastruktur,...

    Sie sterben eben nicht weil es mehr Stürme gibt (es gibt eben nicht mehr Stürme) und sie sterben eben nicht weil
    Bangladesch im Meer versinkt (es versinkt eben nicht).

    Mit einem Bruchteil der Mittel die für das Kyotoprotokol ausgegeben hat, wären viele der oben genannten Probleme zu
    lösen gewesen. Noch besser ist es wenn Entwichlungs- und Schwellenländer durch wirtschaftliche Entwicklung sich selbst
    in die Lage versetzen ihre Bürger zu schützen. Klimapolitik tut das Gegenteil!

    Nennen sie doch nur einen Menschen der an Klimawandel (wo, wann, unter welchen Umständen) gestorben ist.
    Und nennen Sie doch nur einen der durch das Kyotoprotkol gerettet wurde (wo, wann, unter welchen Umständen).

    mfg

    Michael E.

    [Antwort: Die relevanteste Studie dazu ist WHO 2008. Stefan Rahmstorf]

  5. Martin Vermeer Tropenstürme
    12.10.2009 | 21:48

    > 4. Eine Zunahme der Tropenstürme ist nicht nachweisbar.

    Doch... siehe ftp://texmex.mit.edu/...uel/PAPERS/NATURE03906.pdf und auch http://wind.mit.edu/~emanuel/anthro2.htm

    Kerry Emanuel ist Mr. Hurricane. Ja, stimmt dass man mit der Anzahl von tropische Zyklone statistisch nich viel anfängt; eine bessere Maß ist die von Emanuel benützte Power Dissipation Index. Sie korreliert ganz nett mit gemessene Meerestemperaturen... beide sehen wie Eishockeystöcke aus ;-)

    Siehe auch

    http://www.all4energy.org/...-katrina-levee-breaks
    http://wonkroom.thinkprogress.org/...ling-katrina/

    Sagt Emanuel:

    “We can't say that Hurricane Katrina was caused by global warming, but it did cause Katrina to be more intense [...] We can do some interesting experiments to ask with respect to Hurricane Katrina, if that exact same storm had occurred in 1980, what that would have been like... In a computer simulation done with the thermodynamic environment of 1980, Katrina makes landfall not at 138 knots, but at something like 115 knots which might not sound like a lot of difference, but it makes a huge difference in destructive power. Probably if Katrina had occurred in 1980, the levees would have held.”

  6. Günter Heß Zirkulation
    13.10.2009 | 05:57

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,
    ihre Antwort auf die Ausführungen von Herrn Geiger verstehe ich in einem statischen linearen System, in dem sich die Albedo der Erde nicht ändert.
    Aber wie sieht das denn in einem nichtlinearem System aus, in dem sich die Albedo zeitlich und räumlich verändert. In dem auf eine solche Änderung Rückkopplungen folgen.
    Gilt dort auch allgemein, dass eine Änderung der Zirkulation keine erhöhte oder erniedrigte Energiezufuhr bewirkt? Wenn sich zum Beispiel durch Änderungen der Zirkulation die Wolkenbedeckung absolut, sowie räumlich und zeitlich verändert. Dadurch könnte sich doch auch die eingestrahlte Energie lokal und global verändern.
    Wenn dann zum Beispiel dadurch mehr oder weniger Eis in der Arktis schmilzt, oder sich der tropische Ozean stärker erwärmt oder nicht so stark erwärmt.
    Dann ändert das doch sicher auch die globale Durchschnittstemperatur, oder nicht?
    Wie mitteln sich denn in einem nichtlinearen System diese nichtlinearen Effekte zeitlich und räumlich raus?
    Könnten Sie mir das erklären?
    Mit freundlichen Grüßen
    Günter Heß

    Lieber Herr Heß, aus den von Ihnen genannten Gründen hatte ich mit Bedacht geschrieben, sie mitteln sich "in guter Näherung" heraus. Stefan Rahmstorf]

  7. ingolf Seit 100 jahren steigen die Ernteerträge
    13.10.2009 | 11:00

    @Jochen Binikowski
    ... warum wohl? Weil es so putzig warm ist? Weil so viel CO2 in der Luft ist? Vielleicht haben auch Menschen wie bspw Haber und Bosch und ihre Nachfolger was damit zu tun (Kannst ja mal googln, was Haber und Bosch so erfunden haben). Könnte ja sein, oder? Woher kommt dieses Sinnlosargument?

    Hm, es ist ja nicht so, dass der Klimawandel in jeder Region schlechte Auswirkungen hat. Es gibt bestimmt auch "Klimagewinner", zumindestens zeitweise. Aber das Problem ist: was ist mit den Verlierern? Die Verlierer werden, wie Prof Rahmstorf ja schrieb, erstmal und besonders die ärmsten Länder sein.

    Ein zweiter Punkt: ja, die Menschheit hat schon schwere Klimawandel überlebt. Aber es gingen viele dabei hopps. Aber damals lebten einige 10000 Menschen, jetzt über 6 Mrd.. Da ist nix rumwandern mehr. Bei Änderungen wird es auch Stress geben, davon bin ich überzeugt. An natürlichen Änderungen können wir nix ändern und müssen uns anpassen. ABER, wenn wir selbst an Änderungen schuld sind, sollten wir vielleicht versuchen, die Ursachen dafür abzustellen. Es wird billiger und friedlicher, meiner Meinung nach.

    Und ja: Klimaschutz sollte andere Umweltschutzmaßnahmen nicht verdrängen... tut er auch nicht, denke ich mal. Nur "Skeptiker" stellen es so dar, und tun auch so, dass Grüne und andere den Umweltschutz vernachlässigen. Das ist aber einfach nur unwahr. ich denke mal, auch Prof Rahmstorf kann sagen, dass der Umweltbeirat sowas nicht vergisst.

    @topic
    ich finde es doch nur normal, dass die Erwärmung mal stärker, mal schwächer ist. Die Effekte durch steigende Treibhausgase sind doch nur ein Punkt. Andere Forcings (Sonne, Aerosole, usw) sowie "interne" Schwankungen haben auch Einflüsse. Und gerade bei kürzeren Zeiträumen, gibt es eben Schwankungen.

    Aber man muss ja sehen, dass die 2000er Jahre das mit Abstand wärmste Jahrzehnt in den Temperaturaufzeichnungen sind. Daher sehe ich keine wirkliche Stagnation oder gar Abkühlung.

    Ein weiterer Punkt, den ich auf einer "Skeptiker"-Seite gefunden habe. Ein Kommentar war: wir haben bei den UAH-Daten nun genauso hohe Temperaturen wie im Sep 1998, obwohl damals ein starker und nun ein schwacher El Nino vorhanden ist. Die Schlussfolgerung war aber putzig: man müsse die Satelliten neu kalibrieren. Ich denke, diese Anekdote sagt viel, oder?

    Sorry, bisschen lang geworden.

  8. Martin Vermeer Tabaks-Wissenschaft
    13.10.2009 | 15:15

    Herr Michael E fragt:

    > Nennen sie doch nur einen Menschen der an
    > Klimawandel (wo, wann, unter welchen
    > Umständen) gestorben ist.

    ...oder an das Rauchen...

    Namenlose Opfer sind auch Opfer.

  9. Jochen Binikowski Tropenstürme
    13.10.2009 | 16:26

    "Probably if Katrina had occurred in 1980, the levees would have held.”

    Statt derartiger sinnfreier Kaffeesatzleserei wäre es meiner Meinung nach viel sinnvoller, die von den Tropenstürmen verursachten Regenfälle genauer zu untersuchen. Denn diese sind es, die den allergrößten Teil der schweren Schäden verursachen, z.B. Erdrutsche, Unterspülungen usw. Ob ein Taifun nun 190 oder 270 KMH erreicht ist in Bezug auf die Schäden nur nebensächlich. Eine Bambushütte hat auch nach 120 KMH die gleiche "Einheitshöhe" von 60 cm. Ähnliches gilt für Ernteschäden.

    PS: Ich lebe auf den Philippinen, 13 Grad Nord, Pazifikküste. Wenn es in der Pazifikregion zu Landfällen von Monstertaifunen kommt, dann genau bei uns. Habe 1998 Taifun "Babs" live und in Farbe miterlebt.

  10. Jochen Binikowski Michael Geiger
    13.10.2009 | 16:39

    Ich bin sehr gespannt auf Ihre Studie. Als ich vor einigen Jahren im SPIEGEL Forum den Gedanken mit der Änderung von GWL vortrug, haben mich die dort versammelten "Wissenschaftler" ausgelacht.

    In 2008 habe ich eine langanhaltende, großflächige GWL Änderung selber auf den Philippinen erlebt. Fast das gesamte Jahr war ungewöhnlich kalt, weil laut Satellitenbilder fast jeden Tag eine langgezogene Kaltfront von der Behringstrasse bis zur philippinischen Ostküste vorhanden war.

    Das führte u.a. zu Rekordernten, weil die Niederschläge gleichmäßig über das Jahr verteilt waren und es nördlich des 13. Breitengrades keinen einzigen Taifun mit Landfall gab, die sind alle weit vor der Küste von der Kaltfront ins offene Meer zurückgetrieben worden.

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