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Temperaturen 2008

von Stefan Rahmstorf, 16. Dezember 2008, 21:10

Heute wurden die globalen Temperaturwerte für 2008 bekanntgegeben. Zumindest für das "meteorologische Jahr", das vom 1. Dezember 2007 bis 30. November 2008 läuft, da die Meteorologen das Jahr ungern mitten im Winter  "zerschneiden" sondern lieber zwischen Herbst (Sep-Nov) und Winter (Dez-Feb).

Die Jahrestemperatur 2008 liegt deutlich unter der der Vorjahre, wie die Abbildung am Beispiel der NASA-Daten zeigt. Ein derartiges Auf und Ab gehört zu den normalen, natürlichen Schwankungen von Jahr zu Jahr, wie sie immer auftreten - auch dies zeigt ein Blick auf die Zeitreihe. Hier etwas hinein zu interpretieren, etwa ein Nachlassen der globalen Erwärmung, wäre wissenschaftlich unseriös - auch wenn manche dies zweifellos versuchen werden.

 

Global gemittelte Jahrestemperaturen (Dez-Nov) bis einschließlich 2008 nach den Daten der NASA-GISS (angegeben als Abweichung vom Mittelwert 1951-1980).

Die globale Erwärmung erkennt man nicht an kurzfristigen Schwankungen, sondern am Langzeit-Trend. Eingezeichnet ist in der Grafik die lineare Trendlinie für die vergangenen 25 Jahre, die einen Anstieg von 0.19 +/- 0.05 ºC pro Jahrzehnt zeigt. Nicht überraschend: dieser Trend ist praktisch unverändert von dem, der im IPCC-Bericht auf Basis der Daten bis 2006 angegeben war (0.18 +/- 0.05 ºC pro Jahrzehnt). Die Unsicherheit bei der Bestimmung des Trends (+/- 0.05) kommt gerade von den zufälligen Schwankungen von Jahr zu Jahr, die dem Trend überlagert sind. Je kürzer der betrachtete Zeitraum, desto größer diese Unsicherheit.

Die kühlen Temperaturen 2008 fallen besonders auf, weil die vorangegangenen Jahre meist über der Trendlinie lagen. Andererseits ist der Erwärmungstrend stark genug, dass selbst ein (im Vergleich zu den Vorjahren) ungewöhnlich kaltes Jahr 2008 noch wärmer ist als sämtliche Jahre des 20. Jahrhunderts mit Ausnahme von 1998.

Auch die Temperaturen von 2008 und der vorangegangenen Jahre sind also vollkommen konsistent mit dem, was die Klimaforscher erwarten: nämlich eine fortschreitende globale Erwärmung um etwa 0.2 ºC pro Jahrzehnt, überlagert von kurzfristigen Schwankungen. Gavin Schmidt bringt dazu auf Realclimate noch eine etwas ausführlichere Diskussion und zeigt eine Grafik zum Vergleich der Messdaten mit Klimamodellen. Auch dies illustriert nochmals, dass die Temperaturen sich im erwarteten Rahmen bewegen. Leider bieten also auch die neuesten Messdaten keinen Grund zur Entwarnung oder zum Nachlassen in den Klimaschutzbemühungen, die in Posen in den beiden letzten Wochen nur ein kleines Schrittchen vorangekommen sind.





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ALLWISSENDE MEDIEN: Über das Klima werden wir wohl endlos diskutieren ...

Kommentare

  1. Krishna Gans Grafik
    17.12.2008 | 00:38

    Na, die ist aber schön dramatisch gepresst worden, diese Grafik.
    Ging es nicht noch etwas enger ?
    Das glaubt doch eh kein Mensch mehr, diese Bemühungen tendieren ja schon fast gen Hilflosigketit.
    Mehr hoch als breit für einen Zeitraum ">" 100 Jahre......

    [Antwort: Jetzt wollte ich Ihnen eine Freude machen und die aktuelle Abkühlung deutlich sichtbar zeigen.... ;) Stefan Rahmstorf]

  2. Ebel Realklima und Theorie
    17.12.2008 | 08:10

    Wetter und Klima haben viele Ansatzpunkte. Dabei kann der eine oder andere Faktor den einen oder anderen Faktor zeitweise überlagern. Um also zu schlüssigen Aussagen zu kommen ist die Theorie gefragt - und hier hapert es auf beiden Seiten: diejenigen, die den Treibhauseffekt bejahen sagen etwa pauschal: "Ihr müßt unseren Rechenmodellen glauben" und die Klimaskeptiker: "Was interessieren irgendwelche nicht nachvollziehbaren Rechenmodelle, die Tatsachen sprechen eine andere Sprache". Dabei sind Tatsachen so und so zu interpretieren, je nach dem wie man was heranzieht. "Nichts ist praktischer als eine gute Theorie" www2.tu-berlin.de/foreign-relations/archiv/tui50_51/mueller.pdf
    oder Einstein: "Eine gute Theorie zeichne sich dadurch aus, daß sie hinsichtlich der physikalischen Beweisführung mit einer geringen Zahl von Postulaten auskomme." http://www.katharinen.ingolstadt.de/...instein.htm

    Und solange immer mit der Absorption die "Beweisführung" geschieht, kann diese Theorie nicht überzeugend sein, denn in der Troposphäre ist der Temperaturgradient nicht durch die Strahlungsbilanz gegeben, sondern durch gasdynamische Prozesse - und die Emission aus den Treibhausgasen ist größer als die Absorption. Der Treibhauseffekt ist nur verständlich mit den Änderungen am oberen Rand der Troposphäre, der Tropopause.

    Und da wird das sogar als "Überraschende Einsichten zum Klimawechsel" bezeichnet: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15297/1.html

    Also da besteht erheblicher Bedarf an seriöser Erklärung des Treibhauseffekts. Dann wird auch Klimaskeptikern der Boden entzogen und vielleicht kommen dann auch bei anderen zusätzliche Einsichten.

    Das Zweiflußmodell ist ja schön, aber die Verbindung zur Erklärung der Tropopause fehlt, wie groß ist die Abweichung zwischen realen Besetzungszahlen und LTE usw. Es fehlt also viel. Einiges kann man ganz schwer und selten in der Fachliteratur finden - aber sonst...

    MfG
    Jochen Ebel

  3. Rainer Es wird wärmer, obwohl es kälter wird?
    17.12.2008 | 10:11

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf,

    die erste Frage, die mir beim Lesen Ihres Textes kam war, warum Sie wohl einen Zeitraum von 25 Jahren gewählt haben. "Klimaüblich" wären doch eher 30 Jahre.

    [Antwort: Um mit dem IPCC-Bericht zu vergleichen, der den Trend für die letzten 25 Jahre angibt, und nicht 30. Den Trend über 30 Jahre habe ich übrigens im letzten Artikel ("Steinkohle...") bereits angegeben. Stefan Rahmstorf]

    Ein Blick auf die Daten gab mir dann die Antwort. Nur dieser Zeitraum liegt der Erwärmungstrend bei 0,19 °C und ermöglichte Ihnen zu schreiben:
    "eine fortschreitende globale Erwärmung um etwa 0.2 ºC pro Jahrzehnt, überlagert von kurzfristigen Schwankungen"

    Hätten Sie den sonst übliche Zeitraum von 30 jahren gewählt wären Sie nur auf 0,16 °C pro Jahrzehnt gekommen. Und dieser Wert wäre wohl nicht mehr "vollkommen konsistent mit dem, was die Klimaforscher erwarten", sondern etwa 20% darunter.

    [Antwort: Auch über 30 Jahre (oder noch länger) gibt es keine systematische Diskrepanz zwischen den Modellrechnungen und den Messdaten. Die Modelle zeigen auch den flacheren Trend in den 1970er Jahren. Siehe Abb. SPM-4 des IPCC-Berichts, wo Modelle und Daten für das 20. Jh. verglichen werden. Stefan Rahmstorf]

    Diese Zahlenspielerei ändert aber immer noch nichts daran, dass sich die Temperaturen seit 10 Jahren weigern einen Trend nach oben zu zeigen und sich momentan eher nach unten bewegen.

    [Antwort: Tatsächlich beträgt der 10-Jahrestrend (1999-2008) in den gezeigten Daten +0.19 +/- 0.2 Grad pro Jahrzehnt, also zufällig zeigen die letzten 10 Jahre genau denselben Erwärmungstrend wie die letzten 25 Jahre. Stefan Rahmstorf]

    Daher meine Frage: Wie lange muss eine Stagnation oder Abkühlung in Ihren Augen dauern, bis man nicht mehr von einer Erwärmung sprechen kann? 20 Jahre? 30? 100?

    [Antwort: Das ist leicht zu berechnen, hängt aber davon ab, wie stark der Abkühlungstrend ist. Beispiel: für einen Trend über 15 Jahre ist die Unsicherheit +/- 0.11 Grad/Jahrzehnt. Es müssten also die Temperaturen über eine 15-Jahresperiode einen Abwärtstrend um mindestens -0.11 Grad/Jahrzehnt zeigen, damit man statistisch davon sprechen kann, dass der Trend tatsächlich negativ ist.

    Relevanter ist vielleicht die Frage: wie lange müssen die Temperaturen stagnieren, damit die Nullhypothese eines Erwärmungstrends um 0.2 Grad/Jahrzehnt widerlegt ist? Da die Unsicherheit bei einem 10-Jahrestrend gerade +/- 0.2 Grad ist, würden 10 Jahre stagnierende Temperaturen darauf hinweisen, dass der Erwärmungstrend sehr wahrscheinlich kleiner als 0.2 Grad/Jahrzehnt ist. (Aber Vorsicht: bei der Statistik dürfen Sie kein "cherry-picking" betreiben und sagen: ich nehme jetzt lieber den 11-Jahrestrend, weil 1998 so ein schön warmes Anfangsjahr ist - dann gilt die obige Wahrscheinlichkeitsrechnung natürlich nicht, weil Sie ein gezielte Vorauswahl getroffen hätten.) Stefan Rahmstorf]

    Beste Grüße,

    Rainer

  4. Eddy Danke!!!
    17.12.2008 | 11:38

    Als Sie im Steinkohlethread meine Frage zu Herr Pielke so freundlich beantworteten, fiel mir, ehrlich gesagt, ein tonnenschwerer Stein vom Herzen. Auch ihr jetziger Beitrag ist so offen und fair, dass es mir regelrecht gut tut.

    Vielen Dank dafür. Und auch vielen Dank an Herr NEU, der sich, wie auch Sie, so viel Zeit für uns genommen hat!!!!

    Beste Grüsse aus Luxemburg

    Eddy

  5. Leonhard Haaf Temperaturen 2008
    17.12.2008 | 12:31

    Lässt sich der Trend im Jahr 2008 mit dem La Nina-Effekt erklären?
    Gibt es Angaben darüber, wann dieser Effekt endet und ein neuer El Nino ansteht, der dann zu höheren Temperaturen weltweit führen wird?

  6. Robert Artikel CNN über Eisschmelze
    17.12.2008 | 12:40

    Link:

    Dieser Artikel ist heute online erschienen bei www.cnn.com und berichtet über neue Messergebnisse der NASA:

    http://edition.cnn.com/...6/melting.ice/index.html

    "# Story Highlights:

    # About 2 trillion tons of ice has melted in Greenland, Antarctica, Alaska since 2003
    # Lost amount of water could fill up Chesapeake Bay 21 times, NASA scientist says
    # Most came from Greenland, where losses raised global sea levels .5 mm annually
    # Scientist says sea levels rising 50 percent faster than 15 years ago"

    Viele Grüsse,

    Robert

  7. Raimund Leistenschneider Quo vadis Temperatur?
    17.12.2008 | 13:31

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Rahmstorf,

    nach den vielen kontroversen Diskussionen mit Ihnen zu Ihren bisherigen Beiträgen auf KlimaLounge, stelle ich diesmal Konsens fest. Sie haben vollkommen Recht, dass sich das Klima, oder gar ein Klimatrend nicht aus einem Jahr ableiten lässt, getreu dem deutschen Sprichwort“ Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“. Da das Klima selbst keine physikalische Größe, sondern eine von uns Menschen gemachte Definitionsgröße darstellt, liegt die Mindestgröße im Betrachtungszeitraum von 30 Jahren. Gemäß dieser Mindestgröße zeigt der Temperaturtrend von 1978 – 2008 deutlich nach oben, zumindest, wenn die Ordinate so, wie in Ihrem Schaubild gewählt wird. Auf jeden Fall ist die Steigung positiv.

    Ihnen als Paläoklimatologe ist bekannt, dass bei längeren Betrachtungszeiträumen (z.B. 100 Jahre oder 1000 Jahre), dass Ganze wesentlich undramatischer aussieht und „wir“ in diesen Zeiträumen höhere Temperaturen gesehen haben (http://www.uigi.com/...rature_swings_11000_yrs.jpg) oder folgende Arbeit des AWI (http://www.biokurs.de/...CO2-Dateien/1000ynzzk.gif).

    Über die Frage, ob seit 2003 (nach GISS ab 2005)eine Trendumkehr in der Klimakurve (Temperatur) vorliegt und es in den nächsten Dekaden wärmer oder kälter wird, gehen die Meinungen in der Wissenschaft auseinander, z.B. die Expertise des Space and Science Research Center: (http://www.nowpublic.com/...ng-next-climate-change), insofern ist es nachvollziehbar, dass die Politik diesem Rechnung tragen muss – die Zunft der Klimawissenschaftler hat sich schon einmal grandios geirrt: (http://scottthong.files.wordpress.com/...oling.JPG). Auch zeichnen die Aufnahmen von SCIAMACHY (dem europäischen Forschungssatelliten Envisat) ein ganz anderes Bild über die CO2-Emissionsquellen (http://www.iup.uni-bremen.de/...HY/co2_images.html).

    Zur Übersicht der Temperaturreihen (nicht nur die Temperaturkurve von der GISS), habe ich folgenden Link beigefügt (http://www.climate4you.com/GlobalTemperatures.htm). Viele Grüße RL.

  8. Michael Krüger Leonhard Haaf Temperaturen 2008
    17.12.2008 | 16:45

    La Nina/ El Nino

    Hier der Index.

    Messungen und Prognosen.

    http://www.cpc.ncep.noaa.gov/...s/nino34SSTMon.gif

    Wenn die Prognosen stimmen, dann erwatet uns im Frühjahr 2009 wieder ein La Nina. Sollte dann die Globaltemperatur wieder sinken, dann werden die Experten das wieder darauf schieben. Ich werde dann daran erinnern.

  9. Rainer Cherry picking...
    17.12.2008 | 16:56

    Sehr geehrter Professor Rahmstorf,

    vielen Dank für Ihre prompte Antwort auf meinen Beitrag.

    Sie schreiben:
    Aber Vorsicht: bei der Statistik dürfen Sie kein cherry-picking" betreiben"

    Da stimme ich ihnen vollkommen zu. Sich den jeweils zu seiner These "passenden" Datensatz zu nehmen ist leider eine viel zu häufig vorkommende Unsitte.

    Und trotzdem kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren, dass Sie mit Ihrer Aussage:

    Tatsächlich beträgt der 10-Jahrestrend (1999-2008) in den gezeigten Daten +0.19 +/- 0.2 Grad pro Jahrzehnt, also zufällig zeigen die letzten 10 Jahre genau denselben Erwärmungstrend wie die letzten 25 Jahre.

    eben dieses "cherry-picking" selbst betreiben. Tatsächlich trift ihre Aussage nur genau für diesen Datensatz und diesen Zeitraum zu. Hier einmal zum Vergleich die anderen Daten für die Tendenz seit 1999:

    Temperaturtrends in °C pro 10 Jahre
    Giss 0,189
    HadCrut 0,071
    UAH 0,125
    RSS 0,111

    Als Vergleich die Werte für 1998 als Bezugsjahr:
    Giss +0,104
    HadCrut -0,006
    UAH -0,053
    RSS -0,061

    und für 2000 als Bezugsjahr:
    Giss 0,124
    HadCrut 0,02
    UAH 0,042
    RSS 0,024

    Vielleicht wollten Sie ja gerade diese Unterschiede auch zum Ausdruck bringen, indem Sie das Wort "zufällig" benutzten.

    Wenn wir die gleiche Diskussion wie jetzt also in einem Jahr führen, dann werden die 10-Jahres-Daten wohl "zufällig" keine Bestätigung für den vom IPCC angegebenen Trend von 0,2 °C pro Dekade abgeben können.

    MfG

    [Antwort: Genau. Ich hatte den Trend für 10 Jahre nur genannt, weil Sie von 10 Jahren gesprochen hatten. Und zufällig ist die Übereinstimmung deshalb, weil die Unsicherheit bei einem 10-Jahrestrend eben +/- 0.2 Grad pro Jahrzehnt ist, d.h. 10 Jahre sind einfach zu kurz, um einen aussagekräftigen Trend zu erhalten. In der Tat bekommen Sie so eben je nachdem, ob Sie ein Jahr früher oder später schauen, ganz andere Werte. Deshalb habe ich in meinem Artikel oben - ebenso wie IPCC - den Trend für 25 Jahre angegeben, für diesen Zeitraum erhält man einen robusten Trend mit einer vernünftigen Unsicherheitsmarge. Stefan Rahmstorf]

  10. Michael Adeno kein Betreff
    17.12.2008 | 16:58

    Nun ja, der Temperaturverlauf ist so wie er ist. Nur was kann das beweisen? Das Ausmaß, in dem das CO2 zu diesem Temperaturverlauf beiträgt kann dadurch nicht belegt werden. Solange der empirische Beweis des Anteils des CO2 am Temperaturverlauf nicht vorliegt, bleibt das Ganze eine plausible Hypothese und nicht mehr.

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