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"Erderwärmung beschleunigt sich"

von Stefan Rahmstorf, 24. Oktober 2008, 22:00

Heute bringen wir ein kurzes Interview mit Phil Jones - einem der Pioniere und weltweit renommiertesten Experten in Sachen globale Klimadaten. Anlass ist, dass in den letzten Monaten immer wieder Aussagen in der Tageszeitung "Die Welt" aufgetaucht sind wie die folgenden:

Die globale Temperatur stagniert seit 1999.

(Michael Miersch, Die Welt, 24.10.2008)

Das Jahr 2008 ist das dritte in Folge, in dem die globale Durchschnittstemperatur fiel. In der gesamten laufenden Dekade ist es, im Gegensatz zu vorherigen, nicht mehr signifikant wärmer geworden, sagen auch diejenigen, die in England die Temperaturen für den Weltklimarat messen.

 (Ulli Kulke, Die Welt, 18.10.2008)

Seit 1998 ist es, auch nach Einschätzungen einiger Experten des IPCC, nicht mehr signifikant wärmer geworden.

(Ulli Kulke, Welt am Sonntag, 7.9.2008 und Welt Mobil, 8.9.2008)

[die] letzten zehn Jahre, in denen es global auch schon fast nicht mehr wärmer wurde. Dies hatte kürzlich ein englisches Institut festgestellt, das für den Klimarat die Temperaturen misst.

(Ulli Kulke, Die Welt, 7.6.2008)

Und inzwischen wird auch immer deutlicher, dass im laufenden Jahrzehnt die globalen Temperaturen im Durchschnitt gar keinen Trend mehr nach oben anzeigen.

(Ulli Kulke, Die Welt, 11.3.2008)

Wir haben diese These hier bereits ausführlich diskutiert (übrigens der bislang meistgelesene Wissenslogs-Artikel mit inzwischen rund 15,000 hits). Heute wollen wir der Frage nachgehen: wer sind die immer wieder als Kronzeugen genannten Wissenschaftler, die "für den Klimarat die Temperaturen messen"? Wir haben Ulli Kulke gefragt. Seine Antwort: seine Quelle sei Phil Jones. Wir haben deshalb Phil Jones um ein kleines Interview dazu gebeten.

KlimaLounge: Phil, eine deutsche Tageszeitung hat wiederholt behauptet, dass die globalen Temperaturen stagnieren. Was sagst Du als führender Experte für Temperaturmessungen: macht die globale Erwärmung Pause oder flacht sich ab?

Phil Jones: Nein. Einige Leute nehmen selektiv den Trend ab 1998, einem extrem warmen Jahr weit oberhalb der Trendlinie. Diese Wärme war Folge eines El Niño Ereignisses im Pazifik. Selbst dann ist der Trend 1998-2007 in unseren Daten noch positiv, nämlich +0.09 ºC pro Jahrzehnt. Nimmt man aber den Trend 1999-2007 so beträgt er +0.21 ºC pro Jahrzehnt. Zum Vergleich: der Langzeittrend über die letzten 50 Jahre beträgt +0.13 ºC pro Jahrzehnt. Beginnt man also mit dem warmen Jahr 1998 ist der Trend unterdurchschnittlich, beginnt man mit dem kühlen Jahr 1999 ist er überdurchschnittlich. Das ist einfach ein Ergebnis der natürlichen Schwankungen von Jahr zu Jahr, die es seit jeher gibt. Es gibt keine Anzeichen für ein Abflachen im Trend. Ihr habt das alles ja sehr schön in eurem Realclimate-Artikel erklärt.

KlimaLounge: Trotzdem behauptet der Journalist Ulli Kulke immer wieder, die globale Erwärmung verlaufe langsamer als erwartet - und beruft sich dabei auf deine Aussage, die Erwärmung seit 1998 sei nicht statistisch signifikant.


Phil Jones: Das ist eine grobe Fehldeutung meiner Aussage. Natürlich ist der Trend seit 1998 nicht signifikant - denn wegen der oben genannten Zufallsschwankungen von Jahr zu Jahr sind zehn Jahre einfach zu kurz, um zuverlässig einen Trend zu bestimmen. Bei einem 10-Jahrestrend beträgt die Standardabweichung aufgrund dieser Schwankungen +/- 0.1 ºC pro Dekade. Daher kann man auf dieser Basis auf keinen Fall behaupten, der Trend habe sich abgeflacht. Das ist Unsinn und verwechselt einfach das "Rauschen" der Wetterschwankungen mit dem "Signal" der globalen Erwärmung. Solche Behauptungen sind wissenschaftlich falsch. 


KlimaLounge: Danke für diese Klarstellung. Hoffen wir, dass diese falschen Thesen künftig nicht mehr weiter verbreitet werden. Wie lange muss denn der Zeitraum sein, um einen verlässlichen Trend zu bestimmen?

Phil Jones: Bei 20-jährigen Trends sind die Ergebnisse schon recht robust, die Standardabweichung ist da nur noch +/- 0.03 ºC pro Dekade. Der aktuellste 20-Jahrestrend, 1988-2007, beträgt 0.20 ºC pro Dekade. Bei diesem robusteren Maßstab sind die jüngsten Trends die steilsten. Nimmt man etwa den 20-Jahrestrend von vor zehn Jahren, also 1978-1997, so beträgt der nur 0.11 ºC pro Dekade. Das bedeutet: für hinreichend lange Zeiträume, über die man vernünftige wissenschaftliche Aussagen machen kann, hat die Erderwärmung sich beschleunigt und keineswegs abgeflacht.

KlimaLounge: Phil, vielen Dank für dieses Interview.

Die Aussagen von Phil Jones werden anhand der folgenden Grafik noch klarer, die den von ihm mit erstellten globalen Temperaturdatensatz des britischen Met Office (Hadley Centre) für die vergangenen 50 Jahre zeigt.

Blau sind die Jahreswerte bis einschließlich 2007, grün die 20-jährigen Trendlinien (jeweils alle 10 Jahre gezeigt). Die letzten beiden der grünen Trendlinien sind die von Jones erwähnten: 1988-2007 und 1978-1997. Das weit herausragend warme Jahr ist 1998, das nun von "Klimaskeptikern" gerne als Anfangsjahr für die These genutzt wird, seither gäbe es keinen Erwärmungstrend mehr.

"Die Welt" ist die letzte große deutsche Tageszeitung, die noch regelmäßig mit diesem Typus von Desinformation versucht, Stimmung gegen die Klimapolitik der EU und der Bundesregierung zu machen. Man kann ja gerne gegen diese Politik sein - aber seriöse und ehrliche  Argumente sollten einem dazu schon einfallen, statt die eigenen Leser einfach mit wissenschaftlichen Falschaussagen aufs Glatteis zu führen. Der Jahreswechsel wird ein neuer Testfall für die Seriosität der Berichterstattung werden: voraussichtlich wird 2008 noch ein wenig kühler ausfallen als 2007. An den oben diskutierten Tatsachen ändert das natürlich gar nichts - aber wir werden sehen, wer der Versuchung erliegt, daraus wieder politisches Kapital zu schlagen.

 

 



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Kommentare

  1. Eddy kein Betreff
    25.10.2008 | 01:49

    Gute Nacht ;-)

    Ich hatte kürzlich erklärt, dass die stagnierende Globaltemperatur kein Beweis gegen den menschlichen Einfluss auf das Klima ist, und dass die Argumentation der "Gegenseite" ebenso unsinnig ist.

    Das Klima holt tief Luft, um noch härter zuzuschlagen..., während laut Herr Latif, das Klima erst einmal 10 Jahre Pause macht ... ;-)

    Irgendwie fliegt einem da, als Laie, nur noch das Bech weg ;-)

    Selbstverständlich hat das Klima immer wieder "Pause gemacht" und selbstverständlich sind die letzten paar Jahre kein langjähriger Trend. Man sollte aber immerhin so fair sein, und seine eigenen Aussagen (der letzten 20 Jahre) vom TÜV überprüfen lassen.

    Der Hitzeinhalt (seine Zunahme) der Meere sollte doch der absolut unwiderlegbare Beweis für den menschlichen Einfluss auf das Klima sein?!

    Temperaturmessungen sollen weltweit beweisen, dass das Klima sich ungebremst immer weiter aufwärmt, es sei denn, es würde durch nachvollzieh- und vorhersehbare Forcings gebremst?!

    Hier will ich einmal ein paar Links aufzeigen, die diese, m.E. zu schnell dahingesagten, Hypothesen widerlegen.

    NOAA-temperaturen:

    http://www.cru.uea.ac.uk/...temperature/nhshgl.gif

    Alle Temperaturdaten übersichtlich geordnet:

    http://www.junkscience.com/...ps/Warming_Look.html

    Lomborg:

    http://www.guardian.co.uk/...cienceofclimatechange

    "Likewise, and arguably much more importantly, the heat content of the world's oceans has been dropping for the past four years where we have measurements. Whereas energy in terms of temperature can disappear relatively easily from the light atmosphere, it is unclear where the heat from global warming should have gone..."

    http://climatesci.org/...iction-of-global-warming/

    "The data have improved even further since (e.g. see). The only conclusion is that completing this comparison between GISS modeled and observations of updated upper ocean heat content trends would be an embarrassment to them."

    http://sciencepolicy.colorado.edu/..._of_1990.html

    "On the graph you will also see the now familiar temperature records from two satellite and two surface analyses. It seems pretty clear that the IPCC in 1990 over-forecast temperature increases, and this is confirmed by the most recent IPCC report"

    Vor allem, wenn man die Kommentare liest und die Diskussionen weiterverfogt, merkt man, dass die Realclimate- (u.a. Gavin Schmidt, Stefan Rahmstorf) liga nicht immer besonders gern auf eigene frühere (falsche?) Aussagen zurückblickt.

    Nichtsdestotrotz und nichts für ungut, liebe Grüsse an alle (Streithähne ;-))

    Bis bald

    Eddy

    PS: und bitte den Umweltschutz nicht vergessen:

    http://e360.yale.edu/content/feature.msp?id=2075

  2. michael adeno kein Betreff
    25.10.2008 | 10:50

    Wie lange es noch dauern - mal vorausgesetzt der CO2-Anstieg geht im bisherigen Tempo weiter - bis man durch Messungen den Anteil des CO2 am Temperaturanstieg mit ausreichendem Vertrauen belegen kann?

    [Antwort: Dies wurde bereits in den späten 1990er Jahren belegt, u.a. durch die Arbeiten von Gabi Hegerl und Kollegen vom MPI in Hamburg. Lesen Sie dazu z.B. die Zusammenfassung der relevanten Fachliteratur im 3. IPCC-Bericht von 2001 (Kapitel 12). Zwischen dem 3. und 4. IPCC-Bericht ist das Treibhausgas-Signal nun schon so deutlich aus dem "Rauschen" der natürlichen Klimavariabilität hervorgetreten, dass dieser Bericht folgert, dass mit mindestens 90% Wahrscheinlichkeit der größte Teil der Erwärmung der letzten 50 Jahre durch die anthropogenen Treibhausgase verursacht wurde. Stefan Rahmstorf]

  3. Krishna Gans Zitate und Links
    25.10.2008 | 12:13

    Liest man die Artikel von Kulke, dann findet man, daß die oben dargestellten, aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate, im Kontext schlüssig und nachvollziehbar sind und mehr oder weniger darauf hinweisen, das ganze etwas sachlich cooler zu sehen.
    Hysterie ist in keinster Weise angesagt, und was uns auf Grund der schwammigen IPC Modelle an finanziellem aufgebürdet wird steht in keinem Verhältnis zu dem was man meint erreichen zu wollen.
    Die Schamanen haben früher getanzt und mit Knochen geworfen, heute schmeißen sie Computer an, hauen in Tasten und meinen, im 22" Monitor spiegele sich die wirkliche Welt.

  4. Michael Krüger kein Betreff
    25.10.2008 | 12:27

    Auszüge aus einem aktuellen Vortrag von Dr. Georg Delisle. Referatsleiter im Bereich „Geophysik, Meeres- und Polarforschung“ an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover. Er leitete im Jahr 2007 die Antarktisexpedition QueenMET, bei der im ewigen Eis des Queen Maud Landes unter anderem ein 31 Kilogramm schwerer Eisenmeteorit entdeckt wurde. Seit dem Jahr 2000 betreibt die BGR gemeinsam mit der Laval University, Quebec, Kanada, ein Messfeld in Permafrost nahe Umiujaq an der Ostküste der Hudson Bay.

    „Entgegen Vorhersagen aus Klimamodellen stellt sich in der Antarktis kein Anstieg der Bodentemperaturen ein. De facto kühlt sie sich derzeit etwas ab, manifestiert durch einen sich
    langsam aber stetig ausweitenden Packeisgürtel.“

    „Die Arktis hat in den letzten 120 Jahren 2 Erwärmungsphasen und eine Abkühlungsphase gesehen. Die erste Erwärmungsphase fand vor 1940, also vor der globalen Industrialisierung statt.“

    „Resultat: Permafrost in der Arktis bleibt auch im 21. Jahrhundert im Wesentlichen erhalten.“

    Per Analogieschluss mit dem Ablauf früherer Warmphasen kann die massive Freisetzung von Treibhausgasen aus zerfallendem Permafrost als unwahrscheinlich bezeichnet werden.“

    „Erwärmung gestoppt – siehe:
    Advancing decadal-scale climate prediction in the North Atlantic sector
    N. S. Keenlyside, M. Latif, J. Jungclaus, L. Kornblueh & E. Roeckner Nature
    453, 84-88 (1 May 2008) | doi:10.1038/nature06921

    und der Hintergrund:

    … Im Atlantik gibt es, wie Beobachtungen zeigten, einen Zyklus ab- und zunehmender Temperaturen, der eine Periode von 70 bis 80 Jahren aufweist. Hinter dieser sogenannten Atlantischen Multidekadischen Oszillation (AMO) stehen Veränderungen eines globalen Systems von Meeresströmungen, der „atlantischen meridionalen Umwälzbewegung …

    … Wir haben in unserem Klimamodell zusätzlich zu den Treibhausgaskonzentrationen die beobachtete Meeresoberflächentemperatur der letzten Jahrzehnte vorgegeben… (Focus, 5.5.08)

    Focus: Nasa-Forscher prognostizieren… dass die Erde sich sogar 20 bis 30 Jahre lang abkühlt, weil eine zyklische Klimaschwankung, die sogenannte Pazifische Dekadische Oszillation, in ihre kalte Phase übergeht …

    Latif: Genau das sagt auch unser Modell vorher. Die Nasa-Kollegen haben dies statistisch ermittelt, wir unter Berücksichtigung der physikalischen Grundgleichungen mit einem Klimamodell berechnet. Diese Abkühlung des Pazifik ist der Hauptgrund des leichten globalen Temperaturrückgangs …
    Focus: 16.6.08“

    !!!„Gegenwärtiger Abkühlungstrend ~ -0.18 °C/Dekade
    IPCC-Prognose: +0.2 °C/Dekade“!!!

    „Quo vadis Klimadiskussion?

    • Niemand kann mit Bestimmtheit vorhersagen, wie sich das Klima weiterentwickeln wird.

    • Klimamodelle sind offenkundig nicht sehr perfekt. Die Ankoppelung von Klimamodellen an die Oberfläche der Polarregionen ist bis dato als nicht gelungen zu bezeichnen – und dies in den Regionen, in denen der Haupteffekt der zukünftigen Erwärmung erwartet wird.

    • Klimamodelle, die massive Temperaturerwärmungen vorhersagen, basieren auf Annahmen, die aus heutiger rohstoffwirtschaftlicher Sicht sehr problematisch sind.

    • Emissionsszenarien sollten im Hinblick auf die reale Energiemarkt-Situation
    aktualisiert werden.“

    Das sagt ein anerkannter und ausgezeichneter Klimawissenschaftler, mit zahlreichen Publikationen und Arbeiten zum Thema Klimawandel.

  5. Eddy Zensur im Blog?
    25.10.2008 | 14:00

    Guten TAG (diesmal) ;-)

    Ich möchte einmal ganz besonders die Presse- und Meinungsfreiheit in diesem Blog loben. Auf folgender Internetseite stehen wir Kleinbürger auf einem wohl unverdienten 2ten Platz, und ihr Deutschen leider bloss auf Platz 20 http://www.reporter-ohne-grenzen.de/...e-2008.html

    Ich bin mittlerweile regelrecht überrascht darüber, was man hier so alles durchgehen lässt. Ich bin sehr froh über diese Entwicklung und über die Abwesenheit der ansonsten üblichen heftigen Anfeindungen gegenüber skeptischen Gedanken, die ich aus fast allen anderen Foren kenne.

    Das ist doch auch einmal ein Posting wert, oder?! :-)

    Schönes WE noch und bis bald,

    Eddy

  6. jochen kein Betreff
    25.10.2008 | 14:07

    Die Bundesrierung sagt, dass die Maßnahmen aus dem Kyoto-Protokoll nichts bringen:

    http://www.bmbf.de/pub/klimawandel.pdf (Seite 11)

    Warum steigen die denn nicht aus? Die Konsequenz ist z.B. dass Heidelberger Cement seine gesamte Europa-Produktion nach China verlagern will, weil durch die CO2-Abgaben eine Produktion in Europa unrentabel wird. Hinzu kommt, dass dann jährlich 33 mio Tonnen Baumaterial von China nach Europa transportiert werden müssen.

    http://www.faz.net/...est/meldung.aspx?id=87492397

    Dann sind da noch unsere Energiekonzerne, die Dank Kyoto uns Bürgern in den letzten Jahren ca. 35 Mrd Euro geraubt haben:

    http://www.bmu.de/...essemitteilungen/pm/42183.php

    CO2-Erhöhung plus Ruinierung der Wirtschaft.

    Kann mir mal jemand erklären wie das alles zusammenpasst? Und vor allem warum wir kleinen Leute das alles bezahlen sollen?

  7. Michael Krüger Nachtrag-Vortrag von Herrn Delisle
    25.10.2008 | 14:18

    Der Vortrag wurde am 03.09.2008 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg gehalten.

    http://idw-online.de/pages/de/event24261

    Wissenswertes: Die American Geophysical Union, kurz AGU, hat 2007 die jüngste Klima-Publikation von Georg Delisle zum “AGU Journal Highlight” gekürt. Das wissenschaftliche Paper von Delisle ist 2007 unter dem Titel “Near-surface permafrost degradation: How severe during the 21st century?” in den “Geophysical Research Letters” erschienen, einer der weltweit renommiertesten wissenschaftlichen Zeitschriften für Geophysik.

    Delisle weist in seiner Veröffentlichung darauf hin, dass das von Lawrence & Slater (2005) verwendete CCSM3-Klimamodell, das auch im neuesten IPCC-Bericht Verwendung findet, unsinnig hohe, in der Natur nicht vorkommende Temperatursprünge von 8°C zwischen Boden und bodennaher Atmosphäre produziert. Es unterschätzt überdies den kühlenden Effekt von tief sitzendem Permafrost auf oberflächennahe Bodenschichten. Ähnliche Probleme bei der Berechnung des Klimas in Polarregionen haben nach Einschätzung von Delisle auch zahlreiche andere Klimamodelle.

    Delisle präsentiert in seiner Arbeit ein alternatives Modell mit einer präziseren Beschreibung der physikalischen Prozesse in Permafrostgebieten. Nach diesem Modell wird der arktische Permafrostboden selbst bei einer extrem starken Erwärmung der Atmosphäre von 0,8°C pro Dekade, wie es das Szenario “SRES A2” des IPCC vorhersagt, in weiten Teilen nördlich des 70. Breitengrades bis mindestens zum Ende des 21. Jahrhunderts erhalten bleiben. Gleiches gilt für tiefer im Erdboden liegende Frostkörper nördlich des 60. Breitengrades.

    Georg Delisle ist Geophysiker und Koordinator der Arbeitsrichtung “Klimaentwicklung” bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Seine klimarelevanten Forschungsprojekte umfassen die Reaktion von Permafrostböden auf den Klimawandel in der kanadischen Arktis, die Emission natürlicher Treibhausgase aus Schlammvulkanen und die satellitengestützte Vermessung des antarktischen Eisschildes.

  8. Wolfgang Flamme Unverständnis
    25.10.2008 | 17:06

    Nach den Monatsanomalien, die die CRU veröffentlicht, kann ich vom Januar 2001 bis September 2008 eine lineare Regression durchführen, mit einer Steigung von -0,12°C/Dekade, p=0,004.

    Das ist ganz einfach so, da gibt es nichts herumzudeuten. Es ist eine Beobachtung der Temperaturentwicklung letzten Jahre, die über die künftige Entwicklung der Temperaturreihe erstmal nichts aussagt. Wir alle wissen, daß globale Erwärmung nicht bedeutet, daß es von Jahr zu Jahr unbedingt und überall unablässig wärmer wird.

    Sachlicher hätte ich es gefunden, zu belegen, daß eine signifikante Abkühlung adäquater Dauer auch vor dem Hintergrund einer globalen Erwärmung keineswegs außergewöhnlich ist. Soviel Arbeit ist das wirklich nicht, ich hab's schon gemacht.

  9. Michael Krüger Hadley Temperatur 1998-heute&2001-heute
    25.10.2008 | 19:22
    http://woodfortrees.org/plot/hadcrut3vgl/from:1998/plot/hadcrut3vgl/from:1998/trend http://woodfortrees.org/plot/hadcrut3vgl/from:2001/plot/hadcrut3vgl/from:2001/trend

    [Antwort: Diese Grafiken illustrieren schön den Kernpunkt der Aussagen von Phil Jones: wenn man einen hinreichend kurzen Ausschnitt aus den Daten wählt, kann man alles "beweisen" - Abkühlung, besonders starke Erwärmung, man muss nur die Anfangs- (und End-) Zeit geschickt wählen. Stefan Rahmstorf]

  10. jochen kein Betreff
    25.10.2008 | 22:37

    Wenn sogar die Bundesregierung und Prof. Schellnhuber öffentlich erklären, dass selbst bei Erreichen der Kyoto-Ziele der Temperaturanstieg bis 2050 nur um 1/4 Grad oder weniger reduziert werden kann, möchte ich einmal die Sinnfrage dieser Diskussion stellen.

    Solange fossile Energieträger konkurrenzlos billig sind werden sie auch verfeuert. Darüber entscheiden nicht Regierungen, Klimaforscher oder Greenpeace, sondern die Leute die über das ganz große Geld verfügen und den Hals nicht vollkriegen können. Ob uns das gefällt oder nicht.

    Da erscheinen akademische Streitereien, ob die Temperatur nun um 0,6 oder 0,8 Grad gestiegen ist und wer nun genau daran schuld hat nur noch als völlig lächerlich.

    Es wurden bereits zig Milliarden für die CO2-Senkungsbürokratie und sonstige Emissionshandels-Profiteure verpulvert, ohne ein einziges Gramm CO2 einzusparen. Und Billionen sollen noch folgen.

    Für das bereits verplemperte Geld hätte man vermutlich sämtliche Tropensturm-gefährdete Gebiete in der Dritten Welt mit sturmsicheren Notunterkünften etc. ausstatten können. Dann wären bis zum heutigen Tag zigtausende Menschen nicht sinnlos gestorben.

    Die deutschen Verbrauer alleine haben mindestens 35 Mrd EURO durch überhöhte Strom- und Gasrechnungen für den Emissionshandel bezahlt. Das hat ausser den Großaktionären der Energiekonzerne, den Klimaforschern und Consultingfirmen niemanden wirklich gefreut und CO2 ist auch nicht eingespart worden. Daher mal eine ketzerische Frage:

    Wieviel Millionen Hektar für Soya-Anbau, Ölpalmen etc. gerodeten Regenwaldflächen hätte man dafür zurückkaufen und unter Einbeziehung der örtlichen Kleinbauern renaturieren können? Oder wieviele Millionen Hektar Steppe aufforsten?

    In dieser Richtung geschieht so gut wie nichts. Höchstens Alibi-Kleinstprojekte für die Massenmedien. Sozusagen Opium für das Volk. Ich für mein Teil glaube keiner Prognose mehr, die in den Mainstream-Medien unters Volk gebracht wird. Ich glaube nur noch an das was ich mit eigenen Augen sehen und beurteilen kann:

    Und das ist die größte Volksausplünderungs- und Verdummungsaktion seit Gründung des Vatikans.

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