Ende der Schmelzsaison
Dreimal haben wir diesen Sommer aus der bzw. über die Arktis berichtet (hier, hier und hier). Damals war noch nicht klar, ob der extreme Eisschwund im Sommer 2007 ein Ausreißer bleiben würde und wir nach der kräftigen Neueisbildung im kalten Winter 07/08 zumindest wieder in die Nähe der Trendlinie zurückkehren würden, oder ob die Eisausdehnung diesen Sommer erneut in der Nähe des Rekordtiefs vom Vorjahr landen würde.
Jetzt kennen wir die Antwort: wie das NSIDC mitgeteilt hat, betrug die Eisausdehnung im September 2008 4,7 Millionen km2. Das ist der zweitniedrigste je verzeichnete Wert, 34% unter dem Langzeitmittel und nur 9% über dem Rekordtief von 2007 (4,3 Millionen km2). Der drittniedrigste Wert wurde 2005 erreicht, mit 5,6 Millionen km2.
Die Jahresgänge 2005, 2007 und 2008 sind in der folgenden Grafik gezeigt und mit dem mittleren Jahresgang verglichen.
Die nächste Grafik zeigt die Zeitreihe der Septemberdaten seit 1979. Hier wird noch einmal deutlich, wie dramatisch der Einbruch im Jahr 2007 war, und dass auch 2008 weit unterhalb der Trendlinie lag.
Die folgende Grafik vergleicht die tatsächliche Entwicklung mit den Simulationsrechnungen der Klimamodelle der verschiedenen Klimaforschungsinstitute weltweit. Der Eisschwund verläuft deutlich schneller, als alle Modelle vorhergesagt haben.
(Grafik: Dank an Dirk Notz, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg)
Wahrscheinlich gab es im September 2008 sogar ein Rekordminimum des Eisvolumens – so der Eisforscher Walt Meier vom NSIDC. Zwar war die Eisausdehnung nur die zweitkleinste – aber das Eis war dünner als letztes Jahr.
Dabei waren die Wetterbedingungen diesen Sommer nicht einmal besonders günstig für Eisschmelze. NSIDC-Forscherin Julienne Ströve:
Ich finde es unglaublich, dass wir so nah dran kamen, den Rekord von 2007 zu brechen – ohne das besonders wolkenarme und warme Wetter des vorigen Sommers.
Grund dafür ist des "Gedächtnis" des Eises: das im Sommer 2007 abgeschmolzene Eis konnte im kalten Winter 07/08 zwar flächenmässig, nicht aber im Volumen ersetzt werden. Mit anderen Worten, das Eis ist bereits dünner als in den Vorjahren in den Sommer 2008 gestartet. Zudem führt der Eisverlust dazu, dass Sonnenstrahlung nicht an der Oberfläche reflektiert wird, sondern den Ozean aufheizt, der diese Wärme lange speichern kann - die warmen Wassertemperaturen erschweren dann die Neueisbildung auch bei kaltem Wetter.
Der Eisexperte Mark Serreze sagte zu den neuen Messdaten:
Wenn man die starke Abnahme der letzten 30 Jahre anschaut, dann ist eine ‚Erholung’ vom niedrigsten zum zweitniedrigsten Stand überhaupt keine Erholung. Sowohl innerhalb als auch jenseits der Arktis hat dieser Eisverlust enorme Implikationen.
Andererseits gibt es (wie in unserem Beitrag Zwei Planeten bereits diskutiert) auch ein paar Menschen, die das alles ganz anders sehen – ihnen gilt die Tatsache, dass kein erneuter Negativrekord verzeichnet wurde, gar als Beleg dafür, dass die Erderwärmung vorbei und eine Abkühlung im Gange ist. So schreibt Prof. Lüdecke in der Wiener Zeitung:
Die "FAZ" schreibt noch immer von abnehmender Eisbedeckung der Arktis, obwohl seit 2007 das Gegenteil der Fall ist. Die momentane Abkühlung ist höchst gefährlich.
Dazu fällt selbst uns nichts mehr ein.
Update (17.10.): Spiegel online berichtet heute: Arktis-Temperaturen steigen auf Rekordhoch.
Und die Arctic Report Card der NOAA, mit den neuesten Trends aus der Arktis.
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Was die Professoren Rahmstorf und Levermann in jahrzehntelanger Forschungsarbeit nicht herausgefunden haben, konnte ich gestern innerhalb weniger Stunden mit einer einzigen netten Email an einen seriösen Polarforscher in Erfahrung bringen.
Demnach ist schon vor Amundsen 1911 ein Expeditionsschiff am südlichsten Grenzpunkt (Festland-Ufer) an der Walfischbucht gelandet und auch heute gelangen die Forschungsschiffe in besonders warmen Sommern an diese Position. Die Schelfeisbedeckung in dieser Region schwankt je nach Gletscherabbrüchen von Jahr zu Jahr um mehr als 50 KM. Deshalb sei ein langfristiger Trend nicht meßbar und die Logbücher der alten Antarktisexpeditionen in Bezug auf Klimaveränderungen nicht relevant.
So etwas nenne ich eine erschöpfende Expertenantwort auf eine Laien-Frage. So soll es sein.
Frage an die Herrn Levermann und Rahmstorf: Was hat Sie davon abgehalten, auf meine mehrfach in diesem Blog gestellte Frage genauso zu antworten wie dies Ihr Kollege (Den ich übrigens noch nie in einer Talkshow gesehen habe) getan hat?
Beste Grüße aus dem Tropenbüro,
Jochen Binikowski
Zum Wilkins-Schelfeis
http://klimakatastrophe.wordpress.com/...-gesucht/
http://klimakatastrophe.wordpress.com/...ntarktis/
Ich war selbst mal am IUP.
@Krishnag
Wenn Sie schon auf derzeit relativ kühle Temperaturen in der Antarktis hinweisen, sollten Sie sich mal die aktuellen Temperaturen in der Arktis ansehen. Derzeit +5°C über dem langjährigen Mittelwert. Das hat es so im Herbst in der Arktis seit Beginn der Aufzeichnungen noch nicht gegeben.
Wer immer noch leugnet (leugnen = offizieller Begriff der deutschen Sprache, siehe Duden), dass wir uns inmitten einer besorgniserregenden globalen sich beschleunigenden Eisschmelze befinden, dem ist nicht mehr helfen. Daran ändert auch ein momentan stagnierender Zustand in der Antarktis wenig.
Die Auffassungen Lars Kaleschke's zur Einschätzung von Herrn Krüger kann ich im Übrigen nur teilen.
Lars Kaleschke
"Jedoch erwartet man, dass sich die Antarktis in Folge der globalen Erwärmung vor allem zunächst im Norden erwärmt, und dies ist auch der Fall. Nirgends sonst auf der Erde lässt sich eine so starke Temperaturzunahme wie an der Antarktischen Halbinsel beobachten."
Nun, gestern habe ich mich auch noch über die starke Eisabnahme besorgt geäußert, aber es scheint sich da ja schlagartig eine Veränderung ergeben zu haben.
Verblüffend
@Lars Kaleschke
"Nirgends sonst auf der Erde lässt sich eine so starke Temperaturzunahme wie an der Antarktischen Halbinsel beobachten."
Das müssen Sie nun echt mal mit dem 'Spiegel' ausfechten, ich hole mir deweil 'ne große Tüte Popcorn, bis Sie sich wiedermelden:
"Der arktische Archipel avanciert damit zum unangefochtenen Hot Spot der Klimaerwärmung. Nirgendwo sonst auf dem ganzen Globus sind in den letzten Jahrzehnten derart krasse Temperaturabweichungen registriert worden."
"Grönland, Labor des Treibhauseffekts - Fotokulisse für Politiker, Freilandlabor für Klimaforscher: Auf der arktischen Rieseninsel sehen Wissenschaftler, was dem Rest der Welt blüht. Schneller als nirgendwo sonst steigen hier die Temperaturen - sogar die Jahreszeiten verschieben sich. Und die Einwohner Grönlands finden es gut."
... und mit dem WWF:
"Nirgendwo sonst auf der Welt schlägt der Klimawandel so drastisch zu wie in der Region rund um den Nordpol. Hier steigen die Temperaturen fünfmal so schnell wie in anderen Gegenden der Erde."
... und mit Spektrum der Wissenschaft:
"Nirgendwo macht sich der Klimawandel ähnlich stark bemerkbar wie in der Arktis, die sich schneller erwärmt als der Rest des Planeten."
... und mit dem Springer-Verlag:
"Die globale Erwärmung ist auf Grönland kein bizarres Zukunftsszenario mehr, denn nirgendwo sonst auf der Welt schmilzt das Eis schneller."
... und mit dem BMU:
"'Nirgendwo sonst in Deutschland sind die Folgen des Klimawandels schon heute so deutlich sichtbar wie in den Alpen. Nirgendwo sonst werden die Durchschnittstemperaturen so dramatisch steigen', sagte heute der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium Michael Müller."
Hallöchen,
Würde ich den Argumentationsstil einiger Klimablogger nachahmen müsste ich schreiben "Schwachsinn, die Erwärmung macht Pause".
"Alle Daten weiltweit zeigen keinen Erwärmungstrend mehr seit 1998 und das weiss jeder Katastrophist" (Sarkasmus aus)
Da ich das aber keineswegs tun will, würde ich auch die "andere Seite" bitten von ähnlichen Kommentaren abzusehen.
(Sarkasmus an) Fakt ist aber, dass hier wieder einmal ein lokales Phänomen der Arktis dazu verwendet wird der Politik und den Laien zu sugerrieren, dass die Globaltemperatur ansteigt.
Dabei kann kaum jemand mir erklären, dass Herr Rahmstorf den Unterschied zwischen lokal und global nicht kennt?!(Sarkasmus aus)
*****Auch diese meine Argumentationsweise ist eine exakte Kopie der "wissenschaftlichen" Kritik an "skeptischen Ideen".*****
Nicht die Skeptiker haben den Temperaturtrend als Beweis genommen, sondern die Katastrophisten. Wie oft haben wir gelesen, dass die Erwärmung bis 2003 ungefähr extrem anstieg und dass das der absolute Beweis sei. Vor allem der Anstieg des Hitzeinhalts der Meere!
Und wenn man jetzt diese Argumentationsweise kritisiert, wird einem das Wort im Mund herum gedreht und man deklariert dieselbe absurde Argumentationsweise als Erfindung der Skeptiker.
Das ist für mein Erachten der absolute Gipfel der Infamität. Ein wenig Ehrlichkeit würde die Diskussion vielleicht etwas auflockern?!
Dass die Mehrheit der Temperaturkurven des IPCC wahrscheinlich Unsinn sind, wird die Diskussion wohl auch nicht objektiver gestalten?!
http://www.sciencedaily.com/...06/080611135100.htm
"Tree photosynthesis, according to the study, most likely occurs when leaf temperatures are about 21°C, with latitude or average growing-season temperature playing little, if any, role. This homeostasis of leaf temperature means that in colder climates leaf temperatures are elevated and in warmer climates tree leaves cool to reach optimal conditions for photosynthesis. Therefore, methods that assume leaf temperature is fixed to ambient air require new consideration."
Hochachtungsvoll
Eddy
"Wir betreiben diesen Blog neben unserer normalen Arbeit - de facto also in unserer Freizeit, da die sonstige Arbeit ja deshalb nicht weniger wird. Wir bemühen uns, regelmäßig interessante Beiträge für unsere Leser zu bieten, aber wir können mit Sicherheit nicht alle Kommentar-Fragen beantworten - oft auch nicht einmal alle lesen. Die Artikel oben schreiben wir, aber das Leserforum gehört vor allem unseren Lesern zum diskutieren. Gelegentlich versuchen wir auch dort, auf Kommentare zu antworten - aber einfordern können Sie das nicht.
Stefan Rahmstorf"
Da möchte ich an dieser Stelle Ihnen und Ihren Kollegen auch mal ein dickes Lob aussprechen. Es ist ja doch einiges an Zeit, was so ein Blog in Anspruch nimmt und es ist bei diesem Thema auch nicht einfach, weil Ihnen kräftig der Wind ins Gesicht bläst. Das finde ich sehr bemerkenswert wieviel Mühe Sie und Ihre Kollegen sich hier machen.
*Die Auffassungen Lars Kaleschke's zur Einschätzung von Herrn Krüger kann ich im Übrigen nur teilen.*
Können Sie begründen welche Einschätzungen Sie teilen. Von Anfeindungen, ohne sachlichen Inhalt halte ich wie gesagt nicht viel.
An der Antarktisstation Rothera (Antarktische Halbinsel) unweit des Wilkins-Schelfeis gelegen ist die Temperatur seit 1983 nicht mehr angestiegen.
http://data.giss.nasa.gov/...1&num_neighbors=1
Die globale Erwärmung ist nach einer neuen Studien nicht schuld am Abbrechen des antarktischen Larsen B Eisschelfs im Jahr 2002.
A structural glaciological analysis of the 2002 Larsen B Ice Shelf collapse
N. F. Glasser, T.A. Scambos
http://www.igsoc.org/journal/54/184/j07J086.pdf
"Alle Daten weiltweit zeigen keinen Erwärmungstrend mehr seit 1998 und das weiss jeder Katastrophist"
Der gewählte Zeitraum seit 1998 ist etwas irreführend, da 1998 ein besonders warmes Jahr war. Und dennoch zeigen aktuelle NASA-Daten eine Erwärmung über den Zeitraum seit 1998:
http://data.giss.nasa.gov/.../graphs/Fig.A.lrg.gif