wissenslogs Klima

Ist die Erderwärmung vorbei?

von Stefan Rahmstorf, 15. März 2008, 13:20

Glaubt man einigen Medien, so hat die globale Erwärmung aufgehört oder macht zumindest Pause. DIE WELT schrieb diese Woche auf der Titelseite: „Mehr Schnee, mehr Kälte – wo bleibt die Erderwärmung?“ Im Blatt dann ein Artikel von Ulli Kulke mit dem programmatischen Titel: Klimakatastrophe – alles nur heiße Luft. Dort schreibt Kulke, dass „im laufenden Jahrzehnt die globalen Temperaturen im Durchschnitt gar keinen Trend mehr nach oben anzeigen“.

Welt Eisbaer

Was steckt dahinter?

Ein Blick auf die Messdaten (siehe Grafik 1) zeigt: erstens stimmt das nicht, und zweitens vermengt man Klima und Wetter (oder allgemeiner Signal und Rauschen), wenn man einen so kurzen Zeitraum betrachtet. Über einen Zeitraum von nur 8 Jahren ist der Temperaturverlauf stark von kurzfristigen Zufallsschwankungen geprägt (siehe nähere Diskussion und Grafiken bei Realclimate). Eine gesicherte Aussage über den Klimatrend kann man aus einem so kurzen Zeitraum daher nicht ableiten. Der 8-jährige Trend schwankt stark je nach gewähltem Anfangsjahr. Er hat in den letzten dreißig Jahren sogar mehrfach nach unten gezeigt – Kulke hätte Anfang der 1980er oder Anfang der 1990er viel eher behaupten können, die globale Erwärmung habe aufgehört. Doch „im laufenden Jahrzehnt“ (also für 2000-2007) zeigt der Trend deutlich nach oben: im NASA Datensatz um 0.25ºC/Jahrzehnt und im Hadley Datensatz um 0.17ºC/Jahrzehnt. Aber: die Fehlermarge an diesen Zahlen beträgt ±0.34ºC/Jahrzehnt, daher sind 8-jährige Trends eben nicht aussagekräftig. Aufgrund eines so kurzen Zeitraums kann man nicht einmal sicher feststellen, ob der Trend nach oben oder unten geht! Zum Vergleich: der IPCC-Bericht gibt den Langzeittrend über die letzten 50 Jahre mit 0.13ºC/Jahrzehnt an, mit einer Fehlermarge von  ±0.03ºC/Jahrzehnt.

Jahresmitteltemperaturen
Grafik 1: Globale Jahresmitteltemperaturen nach den Datensätzen von NASA (rot) und Hadley Center (blau) bis einschließlich 2007. Die dicken Linien sind über 11 Jahre geglättet. Zu beachten ist, dass der Unterschied zwischen den beiden geglätteten Kurven in den letzten 5 Jahren nicht statistisch signifikant ist, da sich eine 11-jährige Glättung natürlich nur bis 2002 exact berechnen lässt (aus den Daten 1997-2007), danach ist es eine zunehmend ungenaue Schätzung. Der graue Bereich mit den gestrichelten Linien ab 1990 zeigt die Spannbreite der IPCC-Szenarien. Für Details siehe Rahmstorf et al., Science 2007.

Die Aussage von Kulke ist etwa so clever, als würde man das Kommen des Frühlings anzweifeln, weil es im Verlauf der letzten Woche kühler geworden ist – siehe unsere Satire Doubts about the Advent of Spring vom 1. April 2005.

Doch wie wär’s mit noch einem kürzeren Zeitraum? O-Ton Kulke: „Die Welttemperaturen in diesem Winter signalisieren im Vergleich zum vorherigen den steilsten Absturz seit Aufzeichnung der Wetterdaten, der Januar war der kälteste seit 15 Jahren.“ Der Hauptgrund für diesen „steilen Absturz“ ist aber nicht, dass Januar 2008 so ungewöhnlich kalt war: seine Temperatur lag deutlich über dem langjährigen Mittel und lag nur um Hundertstel unter (also im Rahmen der Messunsicherheit gleichauf mit) dem Januar 2000. Der Grund ist vielmehr, dass 2007 mit weitem Abstand der wärmste Januar seit Beginn der Aufzeichnungen war. Man hätte es auch so formulieren können: inzwischen ist das Klima derart warm, dass selbst „der steilste Absturz seit Aufzeichnung“ keinen richtig kalten Januar mehr bringt (siehe Grafik 2).

Januartemperatur
Grafik 2: Globale Januartemperaturen 1900-2007 nach dem Datensatz der NASA

Lernen kann man an dieser Diskussion etwas über die Wärmebilanz unseres Planeten. Im Gleichgewicht ergibt sich die Temperatur aus der Bilanz an der Oberkante der Atmosphäre:

Sonneneinstrahlung – reflektierter Anteil = langwellige Abstrahlung

Abseits vom Gleichgewicht kommt noch der Wärmeaustausch mit dem Ozean hinzu. Langfristige Klimatrends sind hauptsächlich getrieben von Veränderungen der Sonneneinstrahlung (Sonnenzyklen, Erdbahnzyklen) und der langwelligen Abstrahlung (Treibhausgase). Die Schwankungen von Jahr zu Jahr liegen dagegen vor allem am reflektierten Anteil (Änderung der Schneebedeckung) und dem Wärmeaustausch mit dem Ozean. Ein besonders kalter Januar kann entstehen, wenn (wie dieses Jahr) ein La Niña-Zustand im Pazifik (der Ozean saugt Wärme aus der Luft auf) mit besonders viel Schnee an Land (der Sonne reflektiert) zusammen trifft. Da kurzfristige Schwankungen und langfristige Trends durch verschiedene physikalische Mechanismen entstehen, macht es keinen Sinn, aus dem Klimaverlauf über wenige Jahre Folgerungen für die Klimapolitik abzuleiten.

Zum Schluss soll nochmals Kulke zu Wort kommen:

„Doch inzwischen ist der Nordpol nach dem großen Tauwetter im vergangenen Sommer wieder zugefroren, und die globalen Klimadaten dieses Winters lassen vorerst eine Behauptung nicht mehr zu: dass sich die Erderwärmung immer stärker beschleunige.“

In der Polarnacht friert es am Nordpol? Das ist ja hoch interessant! (Das wird allerdings auch in hundert Jahren noch so sein, egal wie stark die globale Erwärmung ausfällt.)

Und wenn 8 Jahre Daten nicht ausreichen, um einen Trend zu bestimmen, wie viele Jahre braucht man wohl, um festzustellen, ob der Trend sich beschleunigt?

Kulke macht dies übrigens nicht zum ersten Mal. In unserem Buch Wie bedroht sind die Ozeane? diskutieren wir ein anderes Beispiel: als die Meerestemperaturen von 2003-2005 vorübergehend einen Zacken nach unten machten, schrieb Kulke unter der Überschrift „Es stürmt nur der Alarmismus“ in DIE WELT (25.9.2006):

In unseren Zeiten ist dies doch eine ungeheure Information, eine echte Neuigkeit in der Klima-Einheitsdebatte. Dennoch taucht sie nicht in unseren Zeitungen auf, nicht in den Fernsehnachrichten. Sie passt nicht in die Zeit. (...) Der Zeitgeist ist auf Katastrophe eingestellt. Doch die Fakten spielen da nicht immer mit.“

Dass die Verdränger der Erderwärmung wie Kulke verzweifelt die Wahrheit im Rauschen suchen, weil sie das Signal nicht wahrhaben wollen, mag man lustig finden – ein Kollege etwa brach beim Lesen von Kulkes Artikel einfach lauthals in Lachen aus. Dass allerdings eine große Tageszeitung zum wiederholten Male ihren Lesern einen derartigen wissenschaftlichen Unsinn auftischt, das ist traurig - selbst wenn manche Leser dergleichen vielleicht gerne lesen.

Update 20. März: Die NASA hat gerade die neuesten Messungen der arktischen Eisbedeckung in diesem Winter publiziert. Trotz des überdurchschnittlich kalten Winters ist die Dicke des Eises weiter zurückgegangen. Die Fläche des mehrjährigen Eises hat diesen Winter ein "all-time minimum" erreicht. Die NASA weist darauf hin, dass das dünnere Eis verwundbarer ist, wenn die Schmelzsaison einsetzt.

Update 10. April: Die NASA hat gerade die globale Temperatur für März publiziert. Die relativ kalten Monate sind vorbei: die Märztemperatur 2008 liegt exact auf der Trendlinie (siehe Abb. unten). Der März 2008 ist der drittwärmste März seit beginn der Aufzeichnungen, nach 2002 und 2005.

NASA globale Temperaturen fuer Maerz

Globale Temperaturen jeweils für den März jeden Jahres, 1900-2008, nach NASA.

Update 17. April: Laut Analyse der NOAA war der März 2008 über Land der wärmste März seit Beginn der Aufzeichnungen. Luftttemperaturen über dem Ozean werden noch durch die anhaltenden La Niña - Bedingungen im Pazifik gekühlt. Dieser neue Wärmerekord illustriert auch dem Laien, der den fachlichen Argumenten oben nicht folgen mochte, wie abwegig die Diskussionen über das "Ende der globalen Erwärmung" gewesen sind.

Links:
Die Klimadaten der NASA
Die Klimadaten des Hadley Center
Hier diskutieren wir eine weitere Kulke-Falschmeldung
Spiegel-online zur von Kulke gelobten "Klimaskeptiker"-Konferenz
Realclimate zur von Kulke gelobten "Klimaskeptiker"-Konferenz
Realclimate zu den angeblich "gerichtsnotorischen Übertreibungen" von Al Gore
greenpeace-magazin spießt weitere Fehler des WELT-Artikels auf.



Ähnliche Artikel:

antworten

Dies ist eine moderierte Diskussion. Veröffentlichung und Kürzung von Kommentaren vorbehalten.

Artikel kommentieren
 authimage

Trackbacks

ALLWISSENDE MEDIEN: Blog as blog can – oder wie vermittelt man Forschung

Kommentare

  1. climatepatrol kein Betreff
    19.03.2008 | 19:25

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf

    Zum Thema passt der folgende, offenbar von Ihnen selbst verfasste Artikel:
    http://www.pik-potsdam.de/...an/klimahysterie.html

    Dort kritisieren Sie einen Wissenschaftler wie folgt:
    "Schaut man bei der angegeben Quelle nach (wie bei Reichholf üblich ein populärwissenschaftlicher Artikel, keine Originalquelle) stellt man fest: es handelt sich um C14-Daten aus Baumringen, die Rückschlüsse auf die vergangene Sonnenaktivität erlauben. Doch Reichholf hat die Kurve verändert: im Original reichen die Daten bis 1955, bei Reichholf ist dieselbe Kurve so gestreckt, dass sie bis zum Jahr 2000 reicht. Dies ist nicht unwichtig: bekanntlich hat die Sonnenaktivität seit 1955 nicht zugenommen, weshalb sie nicht an der aktuellen Erwärmung beteiligt sein kann. Bei Reichholf sieht es dagegen so aus, als habe die Sonnenaktivität bis 2000 deutlich zugenommen."

    Wie ich Ihrem Link zum Magazin Nature entnehme, gibt es ein einziges aktuelles Papier, auf das sich ihr Artikel hier stützt.

    Ein Zitat daraus:

    "The analysis shows that global
    warming since 1985 has been caused neither by an increase in solar radiation nor by a decrease in the flux of galactic cosmic rays (M. Lockwood and C. Fröhlich Proc. R. Soc. A doi:10.1098/rspa.2007.1880; 2007).

    2.) Dort steht aber, dass sowohl TSI als auch Sonnenflecken 1985-1987 den Höchststand erreichten (um hier nur mal den direkt messbaren Einfluss der Sonne zu erwähnen, und ohne Timelag). Jeder Unbescholtene, der dies liest, könnte zum Schluss kommen, dass natürliche Klimaschwankungen (20+ Jahre = multidecadal) aufgehört hätten zu existieren, seit es moderne Klimatologen gibt. Und leider kann ich Ihre Aussage, dass die Sonnenaktivität seit 1955 nicht zugenommen haben soll, nicht nachvollziehen.

    [Antwort: Die Quelle dieser Aussage ist der folgende Artikel: Solanki, S.K. and N.A. Krivova, Can solar variability explain global warming since 1970? Journal of Geophysical Research, 2003. 108: p. 1200. Dort ist in Abb. 2 der Verlauf der Sonnenaktivität zeit 1850 gezeigt. Sie hat bis ca. 1950 zugenommen und ist seither praktisch flach. Der neuere Review-Artikel von Lockwood und Fröhlich, den Sie oben zitieren, untersucht eine ganze Reihe von Sonnenindikatoren. Man sieht dort Schwankungen (z.B. den von Ihnen genannten Peak um 1985, der praktisch gleich hoch ist wie ein ähnlicher Peak um 1955), aber man sieht keinen klaren Trend über die letzten 50 Jahre. Wenn die Sonnenaktivität keinen Trend aufweist (seit 20 Jahren sogar einen Abwärtstrend), dann ist es recht schwer, damit den seit Anfang der 1980er beobachteten starken Erwärmungstrend zu erklären (siehe Grafik in meinem Blogbeitrag). Zu diesem eindeutigen Schluss kommt auch der Review-Artikel von Lockwood und Fröhlich. S.R.]

  2. Lars Fischer Albedo und Wolken
    19.03.2008 | 19:51

    Herr Rahmstorf, vielen Dank für Ihre Antwort.

    Da stellt sich für mich jedoch eine weitere Frage: Wenn die Albedo für das Klima so entscheidend ist, dann stehen und fallen die Klimamodelle letztendlich mit der korrekten Modellierung der Wolkenbedeckung. Haut das inzwischen hin, bzw. wie groß sind die Unsicherheiten, die dadurch entstehen?

    [Antwort: Lieber Herr Fischer, Sie haben vollkommen Recht - die nach wie vor verbleibende Unsicherheit in der Klimasensitivität (also in der Frage, wie stark die Temperaturerhöhung bei einer gegebenen Störung des Strahlungsgleichgewichts ausfällt) ist zum großen Teil durch Unsicherheit über das Verhalten der Wolken bedingt. Man hat diese Unsicherheit leider trotz intenviser Forschung nur geringfügig verringern können. Sie wurde in den früheren IPCC-Berichten mit 1,5 - 4,5 ºC angegeben, im neuesten IPCC-Bericht nun mit 2,0 - 4,5 ºC. Diese Unsicherheit, und die Methoden sie einzugrenzen, ist im IPCC-Bericht ausführlich diskutiert. Eine etwas weniger fachsprachliche Diskussion dazu finden Sie auch in unserem Buch "Der Klimawandel" in Kapitel 2 (dort online lesbar). S.R.]

  3. Krishnag kein Betreff
    19.03.2008 | 20:08

    #Abstract
    Sun not to blame for global warming.
    A study has confirmed that there are no grounds to blame the Sun for recent global warming. The analysis shows that global warming since 1985 has been caused neither by an increase in solar radiation nor by a decrease in the flux of galactic cosmic rays #
    ----------------------------
    Aus einem Link:
    http://www.pik-potsdam.de/...an/klimahysterie.html
    in demm dazu folgender Text von Herrn Rahmstorf steht:
    #Dies ist nicht unwichtig: bekanntlich hat die Sonnenaktivität seit 1955 nicht zugenommen, #
    Dazu:
    #Ein Max-Planck-Forscherteam hat die Aktivität unserer Sonne seit der letzten Eiszeit rekonstruiert: So aktiv wie in den letzten 60 Jahren war sie seit 8.000
    Jahren nicht mehr.
    30. Oktober 2004,#
    http://www.raumfahrer.net/.../30102004023706.shtml

    [Antwort: Sie sprechen hier von der Arbeit des Kollegen Sami Solanki, die zu dem Schluss kommt: die Sonnenaktivität hat bis ca. 1950 stark zugenommen (möglicherweise auf ein Niveau, das es in den Jahrtausenden davor nicht gab), seither aber nicht mehr. Solanki selbst folgert: "This comparison shows without requiring any recourse to modeling that since roughly 1970 the solar influence on climate (through the channels considered here) cannot have been dominant." Auch bei Berücksichtigung der Trägheit im Klimasystem, die durch die Wärmespeicherung im Ozean entsteht, kann eine Zunahme der Sonnenaktivität vor 1950 nicht wesentlich zu der starken Erwärmung seit 1980 beigetragen haben. S.R.]

    #Vor allem der beobachtete Anstieg des atmosphärischen Ozongehalts von 1995 bis 2002 wird in dem Modell richtig simuliert. Eine Analyse der Ergebnisse belegt, dass dieser Anstieg in erster Linie auf eine Zunahme der Sonnenaktivität zwischen 1996 und 2001 zurückzuführen ist und nicht - wie teilweise behauptet - auf einen Rückgang der Chlorkonzentration in der Atmosphäre#
    Schreibt Franz Alt hier:
    http://www.sonnenseite.com/...n4726&flash=true
    -----------------------

    in dem selben Text schreibt Herr Rahmstorf auf seiner Seite über Herrn Reichholf:
    # Zudem wird den Lesern nahegelegt, es handele sich um eine Temperaturkurve. #

    Die Bildunterschtrift lautet tatsächlich:

    #Abb. 23: Aktivität der Sonne (Sonnenflecken) und Klimageschichte im letzten Jahrtausend ( Daten nach Clark 2006 im 'New Scientist') Der punktierte Pfeil zeigt die Phase der gegenwärtigen Klimaerwärmung. Sie hat gerade das angenommene Niveau des Hochmittelalters erreicht.#
    Herr Rahmstorf versucht also Herrn Reichholf in dem Fall unseriöses Arbeiten zu unterstellen.
    Dabeiist es für einen Laien ersichtlich, daß der Wärmeindex den Texten in der Kurve zugerordnet sind ( Mittelalterliches Optimum, klein Eiszeit, Gegenwart.)
    kann fortgesetzt werden

    [Antwort: ... und die einzige Achsenbeschriftung an der Kurve lautet "Wärme-Index"...]

  4. Thorsten ohne Worte alias Krishnag
    19.03.2008 | 21:34

    Sie kritisieren die fehlende Urteilsfähigkeit fachlicher Laien.

    Ich bin -beruflich auch als solcher tätiger- Naturwissenschaftler (Biologe) und beobachte als sehr genau, was um mich herum passiert und prüfe sehr wohl und sorgfältig die Argumente beider Seiten.

    Und welche Qualifikation bringen Sie mit, Herr Krishnag? Sind Sie Naturwissenschaftler? Haben Sie jemals Klimaforschung betrieben, jemals einen wissenschaftlichen Bericht zum Thema publiziert? Aber Sie stellen sich hier als fachlicher Laie hin und stellen 35 Jahre internationale Klimaforschung in Frage. Das ist natürlich Ihr gutes Recht! Aber es ist nicht Ihr gutes Recht, Andersdenkende permanent in irgendwelche linken, rechten, diktatorischen, religiösen, ideologischen u.a. Ecken zu stellen wie verführte dumme Jungen. Dies ist für einen fachlichen Laien ganz schön anmaßend, finden Sie nicht auch, Herr Krishnag?

    Es wird nicht kritisiert, dass Sie skeptisch sind sondern WIE Sie Ihre Argumente vortragen.

  5. Krishnag Mangini
    19.03.2008 | 22:05

    # Mangini mag von der korrekten Eichung und der globalen Bedeutung seiner Daten überzeugt sein - die Mehrzahl der Fachkollegen hat er bislang nicht überzeugen können.Wir alle neigen wohl dazu, die Qualität und Bedeutung der eigenen Daten und Modelle etwas rosiger zu beurteilen als unsere kritischen Kollegen #
    http://www.pik-potsdam.de/~stefan/mangini_replik.html
    Mangini ist Kollege des Herrn Rahmstorf.
    Kennt jemand Äußerungen von anderen Wissenschaftlern außer Herrn Rahmstorfs vernichtende Kritik?

    Um diesen Artikel geht es: Ihr kennt die wahren Gründe nicht

    # Auf der Grundlage exakt untersuchter Stalagmiten beobachten wir Abschnitte mit mehr Winterniederschlägen und wärmeren Wintertemperaturen als heute: So etwa zwischen 7500 und 6000 Jahren vor heute, zwischen 5000 und 4200, zwischen 3800 und 3500 sowie zwischen 1400 und 800 Jahren vor heute.
    Es liegen inzwischen Datensätze von Stalagmiten und marinen Sedimenten weltweit vor, die synchrone Veränderungen in vielen Erdteilen aufzeigen - in Daten aus Europa ebenso wie aus der Karibik oder Südchile.#
    [..]
    #
    Unsere Stalagmiten zeigen, dass bereits unsere Vorfahren unter dem Klimawandel gelitten haben. Troja ist in dieser Hinsicht einer der bestuntersuchten Orte und bietet die Möglichkeit, die Dramatik des natürlichen Klimawandels zu verfolgen
    [..]

    Er zeigt nämlich, dass die Siedlungs- und Blütephasen in Troja recht genau mit Feuchtphasen in Mitteleuropa zusammenfallen. Gegen einsetzende Trockenheit konnten auch die reichsten und mächtigsten Völker nicht ankämpfen. Ein unerklärlicher, massiver Rückgang des Niederschlags konnte für diese Völker, die vorwiegend Agrarwirtschaft betrieben, den Untergang bedeuten.#
    H.Rahmmstorf dazu:
    #Auch in seinem FAZ-Artikel diskutiert Mangini nur einzelne Orte (Niederschläge in Troja!)#
    Was soll das vernichtende "!" ?

    Herr Rahmstorf:
    # Der IPCC-Bericht zeigt alle publizierten großräumigen Temperaturrekonstruktionen für die Zeit vor Beginn der Temperaturmessungen. Diese basieren auf Daten aus Baumringen, Eisbohrkernen, Sedimenten, Korallen oder der Ausdehnung von Gebirgsgletschern. Dass keine derartigen Rekonstruktionen aus Stalagmiten dabei sind, liegt nur daran, dass es sie bislang in der Fachliteratur nicht gibt.#

    Die Baumringe die zur Hockeystick-Kurve führten waren global ???? Wurde diese Kurve wegen der "hohen Qualität" der Daten mit recht ad acta gelegt ?
    Wenn es Stalagmitendaten nicht in der Fachliteratur gibt, dann sollte man die Fachleute befragen, die sich damit befassen, datt sie rund zu machen.

    Herr Rahmstorff in der FAZ:
    #Zudem vertritt Mangini bereits seit einigen Jahren die These, die Erwärmung im zwanzigsten Jahrhundert sei überwiegend auf natürliche Sonnenzyklen zurückzuführen. Dies alles schließt er aus Stalagmitendaten.#
    Die Wahrheit zum Klima

    Was abewre schreibt Mangini selber tatsächlich ?
    #Vielfach wird eine starke Korrelation zur Strahlungsintensität der Sonne beobachtet. Es muss jedoch noch unbekannte Verstärkermechanismen geben, denn die Variabilität der Sonneneinstrahlung ist zu gering, als dass sich derart deutliche Effekte im Klima damit allein erklären ließen.#
    Ihr kennt die wahren Gründe nicht

    Fällt irgendjemand was auf ?

    #Und die tropischen Gletscher (z.B. auf dem Kilimanjaro) waren seit der letzten Eiszeit intakt und zeigen jetzt im Zuge der globalen Erwärmung erstmals massive Abschmelzerscheinungen.#

    Das ist mittlerweile als falsch erkannt, aber ich frage mich, was das in der "Mangini Replik" zu suchen hat.

    [Antwort: Wenn Sie den Artikel von mir, den Sie oben zitieren, gelesen haben, dann haben Sie dort auch gelesen, dass der Stalagmiten-Experte Dominik Fleitmann, Professor für Isotopengeologie in Bern und Koautor von Mangini, als Autor zum IPCC-Bericht beigetragen hat. Auch Mangini selbst haben wir mehrfach angeschrieben. Ihre Forderung, man solle die Stalagmiten-Experten konsultieren, ist also bereits erfüllt worden. Die als "hockey stick" bekannte Rekonstruktion von Mann et al ist nicht global, sondern für die Nordhemisphäre (daher habe ich "großräumig" geschrieben, wie Sie oben auch richtig zitieren); sie beruht nicht nur auf Baumringen; sie wurde auch nicht "ad acta" gelegt, sondern ist im neuen IPCC-Bericht als eine der wichtigen Datengrundlagen für den Klimaverlauf des letzten Jahrtausends abgebildet - zusammen mit allen anderen Rekonstruktionen, die in der Fachliteratur seit dem 3. IPCC-Bericht hinzugekommen sind. Schauen Sie doch einfach mal in unser Kapitel , Seite 467. S.R.]

  6. Ohne Worte @Thorsten
    19.03.2008 | 23:28

    Werter Herr Thorsten.

    Ich bitte Sie.

    Ich bin nicht „alias Krishnag“.

    Bitte respektieren Sie, dass ich meine Identität nicht preis geben möchte. Selbst die Polizei rät dazu Daten im Internet nicht öffentlich zu machen.

    Ihre Frage zu meiner Qualifikation kann ich aber beantworten. Ich bin von Beruf Geowissenschaftler und ich habe auch zum Klima publiziert.

    Ich dränge Sie gewiss in keine Ecke. Als Biologe sollten Sie besonnener zu handeln wissen.

    Sie riskieren Ihre Reputation und die der Klimawissenschaften.

  7. Eva Glatzle Sehr geehrter Herr Rahmstorf
    20.03.2008 | 01:44

    Ich nehme Bezug auf den Kommentar von Albrecht Glatzle 17.3. um 19:10 und Ihre Antwort darauf. Zunächst will ich mich dafür bedanken, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, eine Kurve mit einem gleitenden 9-Jahresmittel zu errechnen. Dazu habe ich jedoch folgende Anmerkungen:
    1) Soweit ich das aus Ihrer Graphik erkennen kann, verlaufen die beiden gleitenden Mittelwertskurven bis zum Jahr 2007. Wie Sie selbst in Ihrem Artikel schreiben, kann natürlich eine 11-jährige Glättung nur bis zum Jahr 2002 exakt berechnet werden (bei 9-jähriger Glättung ist es das Jahr 2003). Mit diesem Jahr sollte Ihre Mittelwertskurve enden. Wenn Sie sie trotzdem weiterziehen mit deutlichem Trend nach oben, dann beruht dieses Endstück der Kurve auf Annahmen, die Sie dem Leser vorenthalten. Sie haben nicht einmal die letzten 5 Jahre der 11-jährigen (oder 4 Jahre der 9-jährigen) Glättung in Ihrer Mittelwertskurve mit anderer Farbe gekennzeichnet. Dagegen reicht Ihr grauer Konfidenzintervall bis in die 90-er Jahre hinein und verschwindet dann. Bis zum Jahre 2002 (bzw. 2003) kennen wir die genauen Werte. Ihr Konfidenzintervall sollte also danach erst beginnen, oder aber Sie sollten durchgehend alle Jahresmittel mit einem statistischen Vertrauensintervall versehen. Es gibt überhaupt keinen Grund für die Annahme, dass der Mittelwert von 2003 unsicherer sein sollte als z.B. der vom Jahre 1950. Ihr Vorgehen würde in jeder Diplomarbeit beanstandet werden.
    2) Leider kann ich die von Ihnen verwendeten Daten im Internet nicht finden. Das kann daran liegen, dass Sie eine andere Basistemperatur verwenden als das Hadley Center. Um keine ungenauen Werte aus Ihrer Kurve abzulesen, beziehe ich mich auf die "land and sea surface global temperature anomalies" des Hadley Centers (hadcrut3gl). Bei 11-jähriger Glättung beträgt der letzte Wert (Mittelwert der Reihe, die mit dem Jahr 2007 endet) 0,377 , der vorletzte Wert (letztes Jahr 2006) 0,352 Grad Celsius. Bei 9-jähriger Glättung beträgt degegen der letzte Wert (Mittelwert der Reihe, die mit dem Jahr 2007 endet) 0,361 , der vorletzte Wert (letztes Jahr 2006) 0,377 Grad Celsius. Beim 11-jährigen Mittel wird also bis zum letzten Wert, der aus empirischen Zahlen berechnet werden kann, ein Temperaturanstieg vorgetäuscht, beim 9-jährigen Mittel tritt dagegen beim letzten Wert bereits eine Temperaturabnahme auf (weil das wärmste Jahr 1998 im letzten Mittelwert nicht mehr enthalten ist). Die Kurve, die Sie angefertigt haben (9-Jahres-Glättung) zeigt dagegen bis zum letzten Wert einen Anstieg. Dass Sie wider besseres Wissen und entgegen nachprüfbarer Fakten behaupten, Albrecht Glatzle würde mit seinen Einwänden nur die Zeit der Leser verschwenden, zeigt mir, dass Sie eigentlich Erklärungsbedarf hätten, den Sie jedoch lieber mit schwerwiegenden Vorwürfen unter den Tisch zu kehren versuchen.

    [Antwort: Die Glättungsmethode ist in unserem Science paper beschrieben, das ich ja in der Bildunterschrift verlinkt habe. Die Kernaussage meines Beitrages ist ja, dass ein Trend über 8 Jahre in keiner Weise statistisch signifikant ist - das gilt natürlich auch für die letzten Jahre der glatten Kurve. Meine Grafik zeigt deshalb auch die Daten für die einzelnen Jahre - die sind natürlich die primäre Information, und sie können die geglättete Kurve getrost auch ignorieren - sie kann per Definition nicht mehr Information enthalten, als die ihr zu Grunde liegenden Datenpunkte. S.R.]

  8. Thorsten ohne Worte alias Krishnag
    20.03.2008 | 04:49

    Tut mir leid, ich glaube Ihnen kein Wort von dem was Sie hier schreiben! Spielen Sie dieses Spiel bitte alleine.

  9. Thorsten ohne Worte alias Krishnag
    20.03.2008 | 07:58

    Sie beteuern zwar, mich "gewiss in keine Ecke zu drängen", dann aber kommen wieder solche Klöpse von Ihnen:

    "Weiter gibt es die zu 110% überzeugten Wissenschaftler und vor allem Laien in Umweltschutzverbänden, Kirchen, Politik,...
    Zusammen ergibt das also ihren 100%igen Konsens? Vor allem die 3. von mir genannte Gruppe bereitet mir dabei Bauchschmerzen, die zu 110% Überzeugten. Gewisse ersatzreligiöse und diktatorische Züge zeichnen sich für mich hier ab.Gewisse ersatzreligiöse und diktatorische Züge zeichnen sich für mich hier ab. Thorsten, Sie und Herr Blume scheinen mir dieser 3. Gruppe anzugehören. Bitte korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege."

    Ist das kein in die Ecke drängen? Ich muss Sie korrigieren! Ich bin kein 110% Überzeugter!

    Jedoch erscheinen mir die wissenschaftlichen Ergebnisse internationaler Klimaforschung wesentlich überzeugender als das, was ich bisher von sog. "Klimaskeptikern" gelesen habe. Eine Gruppe, die nicht einmal bereit ist, sich von nachgewiesenen Fehlern ihrer Theorien zu distanzieren (Svensmark, Singer, Beck, u.a.) kann nicht erwarten, dass ich darauf vertraue, das ihre übrigen Theorien richtig sind. Zu oft haben sich zu viele ihrer Argumente als falsch herausgestellt. Zu widersprüchlich und vielfach einfach sachlich unzutreffend sind ihre Thesen, zu eng die Verflechtungen mit Wirtschaftsinteressen.

    Es gibt keine 100%ige Garantie, dass die vom IPCC publizierten Ergebnisse zutreffend sind. Dies erwartet auch niemand (ausser Ihnen). Aber ich kenne keine plausiblere Beurteilung der derzeitigen Situation. Mit einer Restunsicherheit müssen wir leben!

    Bitte hören Sie endlich auf, der Klimaforschung "diktatorische" und "ersatzreligiöse" Stempel aufzudrücken!

  10. Konrad Fischer Antwort Dr. Glatzle
    20.03.2008 | 09:10

    Herr Dr. Glatzle hatte Schwierigkeiten, seine Antwort hier reinzustellen, deswegen hole ich das für ihn nach:

    Sehr geehrter Herr Rahmstorf

    Ich nehme Bezug auf meinen Kommentar vom 17.3. um 19:10 und Ihre Antwort darauf.

    Zunächst will ich mich dafür bedanken, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, mir eine Kurve mit einem gleitenden 9-Jahresmittel zu errechnen. Dazu habe ich jedoch folgende Anmerkungen:

    1) Soweit ich das aus Ihrer Graphik erkennen kann, verlaufen die beiden gleitenden Mittelwertskurven bis zum Jahr 2007. Wie Sie selbst in Ihrem Artikel schreiben, kann natürlich eine 11-jährige Glättung nur bis zum Jahr 2002 exakt berechnet werden (bei 9-jähriger Glättung ist es das Jahr 2003). Mit diesem Jahr sollte Ihre Mittelwertskurve enden. Wenn Sie sie trotzdem weiterziehen mit deutlichem Trend nach oben, dann beruht dieses Endstückder Kurve auf Annahmen, die Sie dem Leser vorenthalten. Sie haben nicht einmal die letzten 5 Jahre der 11-jährigen (oder 4 Jahre der 9-jährigen) Glättung in Ihrer Mittelwertskurve mit anderer Farbe gekennzeichnet.

    Dagegen reicht Ihr grauer Konfidenzintervall bis in die 90-er Jahre hinein und verschwindet dann. Bis zum Jahre 2002 (bzw. 2003) kennen wir die genauen Werte. Ihr Konfidenzintervall sollte also danach erst beginnen, oder aber Sie sollten durchgehend alle Jahresmittel mit einem statistischen Vertrauensintervall versehen.

    Es gibt überhaupt keinen Grund für die Annahme, dass der Mittelwert von 2003 unsicherer sein sollte als z.B. der vom Jahre 1950. Ihr Vorgehen würde in jeder Diplomarbeit beanstandet werden.

    2) Leider kann ich die von Ihnen verwendeten Daten im Internet nichtfinden. Das kann daran liegen, dass Sie eine andere Basistemperaur verwenden alsdas Hadely Center. Um keine ungenauen Werte aus Ihrer Kurve abzulesen, beziehe ich mich auf die "land and sea surface global temperature anomalies" des Hadley Centers (hadcrut3gl). Bei 11-jähriger Glättung beträgt der letzte Wert (Mittelwert der Reihe, die mit dem Jahr 2007 endet) 0,377 , der vorletzte Wert (letztes Jahr 2006) 0,352 Grad Celsius.

    Bei 9-jähriger Glättung beträgt degegen der letzte Wert (Mittelwert der Reihe, die mit dem Jahr 2007 endet) 0,361 , der vorletzte Wert (letztes Jahr 2006) 0,377 Grad Celsius. Beim 11-jährigen Mittel wird also bis zum letzten Wert, der aus empirischen Zahlen berechnet werden kann, ein Temperaturanstieg vorgetäuscht, beim 9-jährigen Mittel tritt dagegen beim letzten Wertbereits eine Temperaturabnahme auf (weil das wärmste Jahr 1998 im letzten Mittelwert nicht mehr enthalten ist). Die Kurve, die Sie mir angefertigt haben (9-Jahres-Glättung) zeigt dagegen bis zum letzten Wert einen Anstieg. Dass Sie wider besseres Wissen und entgegen nachprüfbarer Fakten behaupten, ich würde mit meinen Einwänden nur die Zeit der Leser verschwenden, zeigt mir, dass Sie eigentlich Erklärungsbedarf hätten, den Sie jedoch lieber mit schwerwiegenden Vorwürfen unter den Tisch zu kehren versuchen.

    Dr. Albrecht Glatzle
    -------------------------------------

    Was mit den Klimadaten veranstaltet wird, kann man übrigens bei McIntyre bewundern:

    http://www.climateaudit.org/?p=1868

    Es lohnt sich!

    Konrad Fischer
    Klimaketzer

Artikel kommentieren
szmtag