Ist die Erderwärmung vorbei?
Glaubt man einigen Medien, so hat die globale Erwärmung aufgehört oder macht zumindest Pause. DIE WELT schrieb diese Woche auf der Titelseite: „Mehr Schnee, mehr Kälte – wo bleibt die Erderwärmung?“ Im Blatt dann ein Artikel von Ulli Kulke mit dem programmatischen Titel: Klimakatastrophe – alles nur heiße Luft. Dort schreibt Kulke, dass „im laufenden Jahrzehnt die globalen Temperaturen im Durchschnitt gar keinen Trend mehr nach oben anzeigen“.

Was steckt dahinter?
Ein Blick auf die Messdaten (siehe Grafik 1) zeigt: erstens stimmt das nicht, und zweitens vermengt man Klima und Wetter (oder allgemeiner Signal und Rauschen), wenn man einen so kurzen Zeitraum betrachtet. Über einen Zeitraum von nur 8 Jahren ist der Temperaturverlauf stark von kurzfristigen Zufallsschwankungen geprägt (siehe nähere Diskussion und Grafiken bei Realclimate). Eine gesicherte Aussage über den Klimatrend kann man aus einem so kurzen Zeitraum daher nicht ableiten. Der 8-jährige Trend schwankt stark je nach gewähltem Anfangsjahr. Er hat in den letzten dreißig Jahren sogar mehrfach nach unten gezeigt – Kulke hätte Anfang der 1980er oder Anfang der 1990er viel eher behaupten können, die globale Erwärmung habe aufgehört. Doch „im laufenden Jahrzehnt“ (also für 2000-2007) zeigt der Trend deutlich nach oben: im NASA Datensatz um 0.25ºC/Jahrzehnt und im Hadley Datensatz um 0.17ºC/Jahrzehnt. Aber: die Fehlermarge an diesen Zahlen beträgt ±0.34ºC/Jahrzehnt, daher sind 8-jährige Trends eben nicht aussagekräftig. Aufgrund eines so kurzen Zeitraums kann man nicht einmal sicher feststellen, ob der Trend nach oben oder unten geht! Zum Vergleich: der IPCC-Bericht gibt den Langzeittrend über die letzten 50 Jahre mit 0.13ºC/Jahrzehnt an, mit einer Fehlermarge von ±0.03ºC/Jahrzehnt.

Grafik 1: Globale Jahresmitteltemperaturen nach den Datensätzen von NASA (rot) und Hadley Center (blau) bis einschließlich 2007. Die dicken Linien sind über 11 Jahre geglättet. Zu beachten ist, dass der Unterschied zwischen den beiden geglätteten Kurven in den letzten 5 Jahren nicht statistisch signifikant ist, da sich eine 11-jährige Glättung natürlich nur bis 2002 exact berechnen lässt (aus den Daten 1997-2007), danach ist es eine zunehmend ungenaue Schätzung. Der graue Bereich mit den gestrichelten Linien ab 1990 zeigt die Spannbreite der IPCC-Szenarien. Für Details siehe Rahmstorf et al., Science 2007.
Die Aussage von Kulke ist etwa so clever, als würde man das Kommen des Frühlings anzweifeln, weil es im Verlauf der letzten Woche kühler geworden ist – siehe unsere Satire Doubts about the Advent of Spring vom 1. April 2005.
Doch wie wär’s mit noch einem kürzeren Zeitraum? O-Ton Kulke: „Die Welttemperaturen in diesem Winter signalisieren im Vergleich zum vorherigen den steilsten Absturz seit Aufzeichnung der Wetterdaten, der Januar war der kälteste seit 15 Jahren.“ Der Hauptgrund für diesen „steilen Absturz“ ist aber nicht, dass Januar 2008 so ungewöhnlich kalt war: seine Temperatur lag deutlich über dem langjährigen Mittel und lag nur um Hundertstel unter (also im Rahmen der Messunsicherheit gleichauf mit) dem Januar 2000. Der Grund ist vielmehr, dass 2007 mit weitem Abstand der wärmste Januar seit Beginn der Aufzeichnungen war. Man hätte es auch so formulieren können: inzwischen ist das Klima derart warm, dass selbst „der steilste Absturz seit Aufzeichnung“ keinen richtig kalten Januar mehr bringt (siehe Grafik 2).
Lernen kann man an dieser Diskussion etwas über die Wärmebilanz unseres Planeten. Im Gleichgewicht ergibt sich die Temperatur aus der Bilanz an der Oberkante der Atmosphäre:
Sonneneinstrahlung – reflektierter Anteil = langwellige Abstrahlung
Abseits vom Gleichgewicht kommt noch der Wärmeaustausch mit dem Ozean hinzu. Langfristige Klimatrends sind hauptsächlich getrieben von Veränderungen der Sonneneinstrahlung (Sonnenzyklen, Erdbahnzyklen) und der langwelligen Abstrahlung (Treibhausgase). Die Schwankungen von Jahr zu Jahr liegen dagegen vor allem am reflektierten Anteil (Änderung der Schneebedeckung) und dem Wärmeaustausch mit dem Ozean. Ein besonders kalter Januar kann entstehen, wenn (wie dieses Jahr) ein La Niña-Zustand im Pazifik (der Ozean saugt Wärme aus der Luft auf) mit besonders viel Schnee an Land (der Sonne reflektiert) zusammen trifft. Da kurzfristige Schwankungen und langfristige Trends durch verschiedene physikalische Mechanismen entstehen, macht es keinen Sinn, aus dem Klimaverlauf über wenige Jahre Folgerungen für die Klimapolitik abzuleiten.
Zum Schluss soll nochmals Kulke zu Wort kommen:
„Doch inzwischen ist der Nordpol nach dem großen Tauwetter im vergangenen Sommer wieder zugefroren, und die globalen Klimadaten dieses Winters lassen vorerst eine Behauptung nicht mehr zu: dass sich die Erderwärmung immer stärker beschleunige.“
In der Polarnacht friert es am Nordpol? Das ist ja hoch interessant! (Das wird allerdings auch in hundert Jahren noch so sein, egal wie stark die globale Erwärmung ausfällt.)
Und wenn 8 Jahre Daten nicht ausreichen, um einen Trend zu bestimmen, wie viele Jahre braucht man wohl, um festzustellen, ob der Trend sich beschleunigt?
Kulke macht dies übrigens nicht zum ersten Mal. In unserem Buch Wie bedroht sind die Ozeane? diskutieren wir ein anderes Beispiel: als die Meerestemperaturen von 2003-2005 vorübergehend einen Zacken nach unten machten, schrieb Kulke unter der Überschrift „Es stürmt nur der Alarmismus“ in DIE WELT (25.9.2006):
„In unseren Zeiten ist dies doch eine ungeheure Information, eine echte Neuigkeit in der Klima-Einheitsdebatte. Dennoch taucht sie nicht in unseren Zeitungen auf, nicht in den Fernsehnachrichten. Sie passt nicht in die Zeit. (...) Der Zeitgeist ist auf Katastrophe eingestellt. Doch die Fakten spielen da nicht immer mit.“
Dass die Verdränger der Erderwärmung wie Kulke verzweifelt die Wahrheit im Rauschen suchen, weil sie das Signal nicht wahrhaben wollen, mag man lustig finden – ein Kollege etwa brach beim Lesen von Kulkes Artikel einfach lauthals in Lachen aus. Dass allerdings eine große Tageszeitung zum wiederholten Male ihren Lesern einen derartigen wissenschaftlichen Unsinn auftischt, das ist traurig - selbst wenn manche Leser dergleichen vielleicht gerne lesen.
Update 20. März: Die NASA hat gerade die neuesten Messungen der arktischen Eisbedeckung in diesem Winter publiziert. Trotz des überdurchschnittlich kalten Winters ist die Dicke des Eises weiter zurückgegangen. Die Fläche des mehrjährigen Eises hat diesen Winter ein "all-time minimum" erreicht. Die NASA weist darauf hin, dass das dünnere Eis verwundbarer ist, wenn die Schmelzsaison einsetzt.
Update 10. April: Die NASA hat gerade die globale Temperatur für März publiziert. Die relativ kalten Monate sind vorbei: die Märztemperatur 2008 liegt exact auf der Trendlinie (siehe Abb. unten). Der März 2008 ist der drittwärmste März seit beginn der Aufzeichnungen, nach 2002 und 2005.

Globale Temperaturen jeweils für den März jeden Jahres, 1900-2008, nach NASA.
Update 17. April: Laut Analyse der NOAA war der März 2008 über Land der wärmste März seit Beginn der Aufzeichnungen. Luftttemperaturen über dem Ozean werden noch durch die anhaltenden La Niña - Bedingungen im Pazifik gekühlt. Dieser neue Wärmerekord illustriert auch dem Laien, der den fachlichen Argumenten oben nicht folgen mochte, wie abwegig die Diskussionen über das "Ende der globalen Erwärmung" gewesen sind.
Links:
Die Klimadaten der NASA
Die Klimadaten des Hadley Center
Hier diskutieren wir eine weitere Kulke-Falschmeldung
Spiegel-online zur von Kulke gelobten "Klimaskeptiker"-Konferenz
Realclimate zur von Kulke gelobten "Klimaskeptiker"-Konferenz
Realclimate zu den angeblich "gerichtsnotorischen Übertreibungen" von Al Gore
greenpeace-magazin spießt weitere Fehler des WELT-Artikels auf.
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Nein, Herr Rahmstorf, ich schreibe das nicht, weil ein Fachfremder der TU Berlin da was schreibt, dort steht nur eine interessante Zusammenfassung dessen was viele andere nicht-fachfremde zur Kurve geschrieben haben, zu denen auch viel auf "Climateaudit" geschrieben wurde. ( Link wurde von mir gepostet )
Sie:
#weil ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU Berlin (kein Klimatologe) dies auf seiner Website sagt - obwohl sowohl die National Academy of Sciences der USA als auch der IPCC zum gegenteiligen Schluss gekommen sind?#
aus
dels.nas.edu/dels/rpt_briefs/Surface_Temps_final.pdf:
#
Even less confidence can be placed in the original conclusions by Mann et al. (1999) that “the 1990s are likely the warmest decade, and 1998 the warmest year, in at least a millennium” […]#
Lieber Herr Rahmstorf,
die Kritik daran, daß ich hier anonym schreibe (wie auch bei oekologismus.de, wo es allerdings niemanden stört), akzeptiere ich. Ich werde aber nichts daran ändern. Das ist das Internet. Ich schlüpfe ja nicht in irgendeine andere Rolle, ich bin auch unter Pseudonym ich selbst. Mein voller Name nützt Ihnen nichts, denn ich bin weder bekannt, noch berühmt, noch einflußreich.
Aber wie gesagt: Die Kritik muß ich akzeptieren.
Der "Ton" einiger Kommentatoren hier und die Art, wie man Ihre Haltung attackiert, gefällt Ihnen nicht. Das kann ich verstehen. Würde mir auch nicht gefallen. Sie sollten sich aber fragen, woher das denn kommt, daß ein solcher Tonfall in der Debatte herrscht.
Kann es vielleicht sein, daß wir Skeptiker nur das zurückgeben, was wir empfinden, wenn wir mit wachsender Fassungslosigkeit den globalen Warming-Hype verfolgen?
Nach meiner Auffassung reagieren die Menschen so, weil sie sich schlicht und ergreifend von der Klimahysterie bedroht fühlen. Und weil sie sich von einer Mehrheit in Wissenschaft, Politik und Medien nicht mehr ernstgenommen, nicht mehr wahrgenommen, nicht mehr vertreten fühlen.
(Ob diese Mehrheit tatsächlich existiert, sei dahingestellt.)
Die Klimaforschung, das IPCC, die Umweltbewegung, die Medien, die Politik, sie alle haben in den letzten Jahren einfach massiv überzogen. Die Reaktionen, die jetzt erfolgen, wurden provoziert. Sie als Klimaforscher, der sich entsprechend exponiert, erleben eben jetzt, wie der Alarmismus auf Sie zurückschlägt.
Nun ja, rüsten wir doch mal verbal ab. Das wäre mein Vorschlag. Agieren wir mit Vernunft und Ratio, statt mit Emotion und Dogmatismus.
Beantworten Sie mir also einfach nur die folgende Frage:
Können Sie garantieren, daß eine sofortige, erhebliche Reduktion der CO2-Emission weltweit zwangsläufig dazu führt, daß es nicht wärmer wird?
Können Sie also garantieren, daß es keine natürlichen Prozesse gibt, die völlig unabhängig vom atmosphärischen Treibhauseffekt zu einer schnellen Erwärmung (oder auch Abkühlung) führen können?
Falls es solche natürlichen Prozesse eben doch gibt, können Sie garantieren, daß diese bis Ende dieses Jahrhunderts nicht wirksam werden?
Falls Sie das alles nicht garantieren können (wovon ich ausgehe), tja dann stellt sich mir in der Tat die Frage, warum wir wie die Hasen auf die Schlange auf Temperaturkurven starren. Warum wir viele Werte zugunsten einer CO2-Reduktion vernichten sollten, statt einfach abzuwarten und uns auf die Entwicklung einzustellen, die tatsächlich eintritt. Wie wir es eben schon seit Jahrtausenden erfolgreich tun.
[Antwort: Diese Frage haben wir in unserem Buch Der Klimawandel wie folgt zu beantworten versucht - der volle Text von Kapitel 2, aus dem das folgende stammt, ist auch online lesbar.
"Darüber hinaus untersuchen die Szenarien in der Regel nur den menschlichen Einfluss auf das Klima, welchem sich aber auch noch natürliche Klimaschwankungen überlagern. Eine bestimmte Szenariorechnung könnte etwa zeigen, dass angenommene anthropogene Emissionen bis zum Jahr 2050 zu einer weiteren Erwärmung um 1 ºC im globalen Mittel führen. Die tatsächliche Temperatur im Jahr 2050 wird aber wahrscheinlich davon abweichen, selbst wenn die Emissionen wie angenommen eintreten und die Rechnung vollkommen korrekt war – natürliche Faktoren könnten das Klima etwas kühler oder wärmer machen. Sowohl Modellrechnungen als auch vergangene Klimadaten legen allerdings nahe, dass diese natürlichen Schwankungen über einen Zeitraum von 50 Jahren sehr wahrscheinlich nur wenige Zehntel Grad betragen werden. Im Extremfall könnten aber sehr große Vulkanausbrüche oder ein Meteoriteneinschlag zumindest für einige Jahre die gesamte Erwärmung zunichte machen und sogar eine Abkühlung unter das heutige Niveau hervorrufen. Die Naturgewalten werden immer zu einem gewissen Grade unberechenbar bleiben. Dies sollte den Menschen jedoch nicht daran hindern, sich über die Konsequenzen seines eigenen Handelns im Klaren zu sein." S.R.]
Laut der Hadley Center Grafik haben wir es ja nun seit 2 Jahren mit leicht sinkender Globaltemperatur zu tun und die Eisflächen der Pole haben sich erheblich vergrößert.
Wenn dieser Trend noch einige Jahre anhalten sollte, könnten die IPCC Aussagen schon viel früher als in vieleicht 100 Jahren auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden:
1. Durch die niedrigeren Temperaturen müssten sich auch die Ozeane leicht abkühlen und damit mehr CO2 aufnehmen, also müsste der CO2 Gehalt in der Atmosphäre stagnieren oder leicht sinken.
2. Die größeren Eisflächen sorgen für ein höheres Albedo, also müsste es weiter abkühlen bzw. künftige Temperaturerhöhungen geringer ausfallen.
Beides ließe sich messen und wäre damit nicht mehr Gegenstand von Spekulationen und Glaubenskriegen.
Liege ich mit dieser Einschätzung völlig daneben?
Hallo,
Hier können sie den Kurvenverlauf genau verfolgen:
http://rankexploits.com/...008/03/ols2001tonow.jpg
und hier eine Erklärung dazu:
http://rankexploits.com/.../all-comments/#comments
Eine Antwort von Herr Rahmstorf würde mich besonders interessieren, weil er in diesem Blog immer wieder erwähnt wird.
Liebe Grüsse
Eddy
Karl Mistelberger schreibt "Nicht alle scheinen sich Ihrer Ansicht anzuschliessen: "Millennial temperature reconstruction intercomparison and evaluation" ( www.clim-past.net/3/591/2007/cp-3-591-2007.pdf )."
In diesem Paper wird auch noch Nordamerika erwähnt. Wir haben also jetzt schon Grönland, die Alpen und Nordamerika, die eine deutliche mittelalterliche Warmperiode aufzeigen. Erklären sie mir doch bitte, ob sie es wirklich für möglich halten, dass dies nur lokal passierte? Ist das überhaupt noch "lokal"?
Und man darf nicht den Unterschied in der Sonnenaktivität vergessen:
http://www.weltderphysik.de/de/1163.php?i=1776
Die Sonnenaktivität ist ab 1940 weit höher als im Mittelalter, und das jetzt schon seit einigen Jahrzehnten bis zuletzt 2003, wenn ich mich recht entsinne.
Sollte die Sonne also einen Einfluss auf die Globaltemperatur haben, wieso sollte dieser Einfluss sich nicht verstärken, wenn er länger anhält?
Das Gegenteil zu behaupten, würde voraussetzen, dass man alle Klimamechanismen genau kennt, was aber mit Sicherheit noch nicht der Fall ist. Eine gewisse Skepsis ist in diesem Fall also rein wissenschaftlicher Natur. Wie sagt Herr Pielke so schön neulich:
you_cant_make_this"I am happy to report that it is quite possible to believe in strong action on mitigation and adaptation while at the same time ask probing questions of our scientific understandings."
Liebe Grüsse
Eddy
Nun, ich kenne Ihr Buch nicht.
Aber das, was Sie da schreiben, klingt doch schon wesentlich zurückhaltender und bedächtiger als vieles, was uns von einer aufgepeitschten Medienmeute in letzter Zeit zugemutet wird.
Danke für die schnelle Reaktion. Die Antwort kann ich respektieren, keine Frage.
Ich kann trotzdem Ihrer Auffassung, die natürlichen Faktoren würden die anthropogenen überlagern, wären aber insgesamt schwächer, nicht folgen.
Ich bleibe bei meiner Meinung, daß nämlich die natürlichen Faktoren die entscheidenden sind und daß langfristige Tendenzen des Wettergeschehens lediglich marginal anthropogen beeinflußt werden.
Aber um das zu klären, denke ich, müssen wir uns in 30 Jahren wiedertreffen.
Und noch etwas zur Anonymität und zum Ende der Debatte:
Angegriffen wird hier - jedenfalls von mir - nicht die Person Stefan Rahmstorf (das würde mir im Traum nicht einfallen) - sondern die Sache, für die Sie stehen.
Deswegen bspw. agiere ich grundsätzlich unter Pseudonym. Weil das Pseudonym dem Gegenüber in der Virtualität viel besser verdeutlicht, mit wem man diskutiert. Ich bin halt der typische skeptische Naturwissenschaftler, der an der Schnittstelle zwischen Forschung und Politik tätig ist. Ich bin ein Ungläubiger, der nur den Fakten traut, niemals aber Interpretationen, die er nicht nachvollziehen kann. Das soll mein Nick aussagen. Mein Name dagegen hätte, da ich eben nicht prominent bin, keine derartige Wirkung.
Sie müssen damit zurechtkommen, daß Sie für viele Skeptiker in Deutschland durch Ihre Medienpräsenz zu einem Symbol für aktive Klimaschutzpolitik im Sinne ökologistischer Ideologie geworden sind. Attackiert wird also das Symbol, von dem ich zumindest glaube, für das Sie stehen, nicht die Person.
Es mag sein, wie ich oben schon geschrieben habe, daß dieser Eindruck täuscht und Sie in Wahrheit nicht der politische Mensch sind, als der Sie vielen erscheinen.
Dann aber müßten Sie gegen die politische Vereinnahmung der Klimaforschung energisch vorgehen.
Die Sätze vom "Ende der Debatte", die ich kenne, stammen tatsächlich nicht von Ihnen, das ist wahr.
Aber sie stammen u.a. von hohen UNO- (bzw. UNEP-) Repräsentanten, vom IPCC-Vorsitzenden Pachauri, von zahlreichen deutschen Politikern.
Wenn Sie also im Gegensatz zu diesen Personen bereit sind, eine Debatte zu führen (und Ihre Tätigkeit hier mit diesem Blog kann man tatsächlich so werten, auch da gebe ich Ihnen recht), dann müßten Sie im Rahmen Ihrer Rolle als öffentliche Person auch gegen diese Sätze klar Stellung beziehen.
Das folgende Beispiel stammt von Ihrem Chef:
„Das IPCC hat den endgültigen Bericht vorgelegt, wer dieses Ergebnis noch leugnet, ist nicht dumm, sondern kriminell.“
(Prof. Dr. Hans-Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdamer Instituts für Klimaforschung, 23.11.2007, Europaforum der HypoVereinsbank)
Ein Krimineller ist gemeinhin jemand, der sich eine Straftat hat zuschulden kommen lassen und daher mit Gefängnisstrafe bedroht wird.
(Nebenbei: Bitte sehen Sie mir nach, daß ich eben als Krimineller in den Augen Ihres Chefs dann doch lieber nicht die Deckung meines Pseudonyms verlasse.)
Ich bin nun davon ausgegangen, daß Sie die Meinung Herrn Schelnnhubers teilen. Daher habe ich Sie in die Gruppe der "Debatten-Beender" einsortiert.
Sollte dies falsch sein, freue ich mich.
Weiterhin gutes Gelingen, ich klinke mich hier aus, da ich "nebenbei" auch noch ein bißchen arbeiten und Geld verdienen muß.
Lieber Herr Rahmstorf, liebe Forumsteilnehmer,
Ich möchte einmal kurz meine Position zum Thema definieren. Dass mehr Co2 eine Erwärmung hervorruft ist unumstritten. Dass der Mensch die Artenvielfalt auf der Erde nachhaltig gefährdet ist auch unumstritten.
Dass heute noch zu wenig getan wird, um diese Probleme zu lösen ist auch wohl klar.
Die Frage ist, ob das Klima in der Art durch den Menschen verändert wird, wie es der IPCC, bzw. Sie Herr Rahmstorf vorhersagen. Ein Problem zu benennen und anzuerkennen, bedeutet nicht, dass dieses Problem das einzige und vor allem größte Problem für die Menschheit ist.
Nehmen wir einmal an, dass sich die Erde weit weniger als um 2° C erwärmt in 100 Jahren, wegen falscher Klimamodelle und/oder neuer Techniken, Politiken, Verhaltensweisen. Nehmen wir einmal an, dass sich die anderen Probleme nicht wesentlich verändern.
Dann wäre der heutige Klimakatastrophismus selbst eine größere Katastrophe als die Klimaveränderung selbst.
Nachdem wir einige Pseudoumweltkatastrophen problemlos überlebt haben, sind wir Laien etwas vorsichtiger geworden in unserem Glauben an die globalen Katastrophen. Umweltvereine wie Greenpeace und WWF haben jahrelang ihre Katastrophen überverkauft, und man wird das Gefühl einfach nicht los, dass die Klimawissenschaft von genau diesem Virus der Weltverbesserung befallen ist.
Da sind nur einige Abtrünnige zu nennen, die sich vom IPCC verabschiedet haben, weil er ihres Erachtens auf ihrem Fachgebiet Desinformation betreibt, wie z.B. Herr Landsea oder Herr Mörner, aber auch viele andere Wissenschaftler aus aller Herren Länder berichten ähnliches.
Wieso sollte man diesen "Ökofanatikern" überhaupt noch etwas glauben. Herr Von Storch sagt vom Hockeystick "Die Kurve ist Quatsch". Herr Cubasch kann sie auch nicht nachvollziehen.
Herr Rahmstorf erklärt uns in diesem Blog wieder, dass sie "die Hauptkurve" des IPCC immer noch ist.
Was soll der Laie denn noch glauben? Dass wir doch noch alle an BSE zugrunde gehen? Dass Tschernobyl doch hunderttausende getötet hat? Dass der deutsche Wald trotz allem gestorben ist, obschon er so schön grünt, jedes Jahre wieder?
Sollen wir wirklich glauben, dass eine katastrophale Klimaveränderung bevorsteht? 30cm Meeresspiegelanstieg. Grünere Sahara? Klimaoptimum?
Entschuldigen Sie bitte Herr Rahmstorf, aber so ergeht es hunderttausend anderen wissenschaftlich interessierten und gebildeten Laien.
Vielleicht verstehen sie jetzt einige schärfere Reaktionen hier im Forum.
Hochachtungsvoll
Eddy
[Antwort: Lieber "Eddy", ich verstehe völlig, dass ein interessierter Laie, der seine Informationen aus den Medien bezieht, ziemlich verwirrt sein kann. Mir geht es bei Themen, wo ich nicht aus eigener Anschauung den Stand der Forschung kenne, ganz genauso. Ich habe eine kleine Tochter - versuchen Sie mal, sich als medizinischer Laie eine Meinung über Sinn und Risiken diverser Impfungen zu bilden. Dies ist ja mit ein Grund, weshalb wir hier als Forscher direkt bloggen und uns an Diskussionen beteiligen, und wieso wir ein allgemein verständliches Buch geschrieben haben - so sind Sie nicht nur auf die Medien angewiesen, sondern können sich einen Eindruck bilden, was Wissenschaftler selbst sagen.
Ihre Anmerkungen zum "hockey stick" oben sind der Stand von vor mehreren Jahren. Herr Cubasch konnte die Kurve nicht reproduzieren, aber amerikanische Kollegen haben sie im Jahr 2005 unabhängig reproduziert und das auch in der Fachliteratur publiziert, siehe hier. Und Herr Von Storch's berühmtes "Quatsch"-Zitat aus dem "Spiegel" erwies sich bald als voreilig, da er selbst einen Fehler bei der Anwendung der Methode von Mann et al. gemacht hatte - auch dies ist inzwischen in der Fachliteratur bereinigt, siehe Kommentar und weiterführende links hier. S.R.]
Herr Rahmstorf:
#Auch Mangini selbst haben wir mehrfach angeschrieben.#
Das der nach Ihrer "Replik", die eigentlich zu 2/3 aus reiner Selbstdarstellung Ihrerseits bestand, nicht unbedingt begeistert war und geantwortet kann ich durchaus verstehen :-)
#Darüber hinaus untersuchen die Szenarien in der Regel nur den menschlichen Einfluss auf das Klima,.... #
Das ist auch die Aufgabe des IPCC !
Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: in den Außendarstellungen wird genau nur daß dargestellt und so getan als kann Mensch vollumfänglich, insbesondere durch CO2 - Reduzierung Einfluß auf das Klima nehmen. Stadt und Kleinklima mit Sicherheit, ohne CO2, ist meine Meinung, aber global ???
Wobei 10 lokale, "gleicheitige" Ereignisse weltweit doch als "global" zu betrachten sind ?
#.....welchem sich aber auch noch natürliche Klimaschwankungen überlagern#
Um das mal auf die Spitze zu treiben:
es wird unwahrscheinlicherweise anthroogen 1°C wärmer, natürlich überlager 2°C kälter, aber das +1k wird uns "um die Ohren gehauen", soll zu CO2 Reduzierungen führen.
Mir ist dieser vom Briten Cox kolportierte Satz in den Ohren, wonach sich die Erwärmung 'hinter der Kälte verstecken würde, aber natürlich haben wir Klimaerwärmung'
Ein Schelm der sich nichts dabei denkt.
.. könnte man so sagen, denn anscheinend wurde die Thematik von den Meiden so aufgebauscht, dass es den leuten aus dem Hals heraushängt.
Wir brauchen ein neues Hype-Thema, mit denen man die Nachrichen voll kriegt.
BSE und Acrylamid hatten wir ja schon, Feinstaub ist ebenfalls eine ausgelutschte Thematik, schon deshalb, weil der meiste Feinstaub nicht von Autos kommt.
Das letzte große Medienspektakel war die große globale Erwärmung, die sich in den Medien zumindest in heisse Luft aufgelöst hat.
Es ist ja auch nicht weiter verwunderlicht, denn die finanzell starken Mitbürger sehen solche Medienspektakel ohnehin kritisch.
Ausserdem ist man lieber liberaler und erlaubt denm Leuten, einen SUV zu fahren, als dass man die Energiepolitik von China subventioniert.
Andere Länder haben ganz andere Probleme und ignorieren unsere nicht existierende "Vorreiterrole" im Klimaschutz.
Was sparen wir denn global betrachtet an CO2 und zu welchem Preis fragen sich viele Leute.
Ansonsten zieht in den Medien die Begründung "Wissenschaftler behaupten, dass... " nicht mehr richtig, denn Wissenschaftler wie sie, Herr Rahmsdorf behaupten eben nur.
Man kann doch nicht von den Leuten abverlangen, sie glauben irgendwelchen Computermodellen, die mit Hypothesen gefüttert werden.
Viele Journalisten scheinen auch die Argumente der Klimaskeptiker aufzugreifen.
Wenn es nicht bewiesen ist, dass in 100 Jahren es 5 Grad wärmer werden wird, dann scheren sich die Leute eben nicht darum.
Es gibt eben sinnvollere Dinge als die globale Erwärmung, um die wir uns Sorgen machen sollten, z. B. Tibet oder Umweltverschmutzung, wie Staub, die auch nachweislich Menschen umgebracht hat.
Abschließend lässt sich sagen:
Globale Erwärmung als Medienthema wird deshalb uninteressant, da die Leute lieber Faken als Hypothesen geliefert bekommen.
PS:
Wie können sie es als Wissenschaftler eigendlich wagen, Greenpeace zu verlinken?
Greenpeace ist gebündelte Irrationalität, was man am Beispiel "Brent Spar" sehen kann.
Ansonsten protestiert Greenpeace gegen neue Kohlekraftwerke, die alte Drecksschleudern ersetzen sollen.
PPS: Beweisen sie erst einmal ihre Theorien!