Ist die Erderwärmung vorbei?
Glaubt man einigen Medien, so hat die globale Erwärmung aufgehört oder macht zumindest Pause. DIE WELT schrieb diese Woche auf der Titelseite: „Mehr Schnee, mehr Kälte – wo bleibt die Erderwärmung?“ Im Blatt dann ein Artikel von Ulli Kulke mit dem programmatischen Titel: Klimakatastrophe – alles nur heiße Luft. Dort schreibt Kulke, dass „im laufenden Jahrzehnt die globalen Temperaturen im Durchschnitt gar keinen Trend mehr nach oben anzeigen“.

Was steckt dahinter?
Ein Blick auf die Messdaten (siehe Grafik 1) zeigt: erstens stimmt das nicht, und zweitens vermengt man Klima und Wetter (oder allgemeiner Signal und Rauschen), wenn man einen so kurzen Zeitraum betrachtet. Über einen Zeitraum von nur 8 Jahren ist der Temperaturverlauf stark von kurzfristigen Zufallsschwankungen geprägt (siehe nähere Diskussion und Grafiken bei Realclimate). Eine gesicherte Aussage über den Klimatrend kann man aus einem so kurzen Zeitraum daher nicht ableiten. Der 8-jährige Trend schwankt stark je nach gewähltem Anfangsjahr. Er hat in den letzten dreißig Jahren sogar mehrfach nach unten gezeigt – Kulke hätte Anfang der 1980er oder Anfang der 1990er viel eher behaupten können, die globale Erwärmung habe aufgehört. Doch „im laufenden Jahrzehnt“ (also für 2000-2007) zeigt der Trend deutlich nach oben: im NASA Datensatz um 0.25ºC/Jahrzehnt und im Hadley Datensatz um 0.17ºC/Jahrzehnt. Aber: die Fehlermarge an diesen Zahlen beträgt ±0.34ºC/Jahrzehnt, daher sind 8-jährige Trends eben nicht aussagekräftig. Aufgrund eines so kurzen Zeitraums kann man nicht einmal sicher feststellen, ob der Trend nach oben oder unten geht! Zum Vergleich: der IPCC-Bericht gibt den Langzeittrend über die letzten 50 Jahre mit 0.13ºC/Jahrzehnt an, mit einer Fehlermarge von ±0.03ºC/Jahrzehnt.

Grafik 1: Globale Jahresmitteltemperaturen nach den Datensätzen von NASA (rot) und Hadley Center (blau) bis einschließlich 2007. Die dicken Linien sind über 11 Jahre geglättet. Zu beachten ist, dass der Unterschied zwischen den beiden geglätteten Kurven in den letzten 5 Jahren nicht statistisch signifikant ist, da sich eine 11-jährige Glättung natürlich nur bis 2002 exact berechnen lässt (aus den Daten 1997-2007), danach ist es eine zunehmend ungenaue Schätzung. Der graue Bereich mit den gestrichelten Linien ab 1990 zeigt die Spannbreite der IPCC-Szenarien. Für Details siehe Rahmstorf et al., Science 2007.
Die Aussage von Kulke ist etwa so clever, als würde man das Kommen des Frühlings anzweifeln, weil es im Verlauf der letzten Woche kühler geworden ist – siehe unsere Satire Doubts about the Advent of Spring vom 1. April 2005.
Doch wie wär’s mit noch einem kürzeren Zeitraum? O-Ton Kulke: „Die Welttemperaturen in diesem Winter signalisieren im Vergleich zum vorherigen den steilsten Absturz seit Aufzeichnung der Wetterdaten, der Januar war der kälteste seit 15 Jahren.“ Der Hauptgrund für diesen „steilen Absturz“ ist aber nicht, dass Januar 2008 so ungewöhnlich kalt war: seine Temperatur lag deutlich über dem langjährigen Mittel und lag nur um Hundertstel unter (also im Rahmen der Messunsicherheit gleichauf mit) dem Januar 2000. Der Grund ist vielmehr, dass 2007 mit weitem Abstand der wärmste Januar seit Beginn der Aufzeichnungen war. Man hätte es auch so formulieren können: inzwischen ist das Klima derart warm, dass selbst „der steilste Absturz seit Aufzeichnung“ keinen richtig kalten Januar mehr bringt (siehe Grafik 2).
Lernen kann man an dieser Diskussion etwas über die Wärmebilanz unseres Planeten. Im Gleichgewicht ergibt sich die Temperatur aus der Bilanz an der Oberkante der Atmosphäre:
Sonneneinstrahlung – reflektierter Anteil = langwellige Abstrahlung
Abseits vom Gleichgewicht kommt noch der Wärmeaustausch mit dem Ozean hinzu. Langfristige Klimatrends sind hauptsächlich getrieben von Veränderungen der Sonneneinstrahlung (Sonnenzyklen, Erdbahnzyklen) und der langwelligen Abstrahlung (Treibhausgase). Die Schwankungen von Jahr zu Jahr liegen dagegen vor allem am reflektierten Anteil (Änderung der Schneebedeckung) und dem Wärmeaustausch mit dem Ozean. Ein besonders kalter Januar kann entstehen, wenn (wie dieses Jahr) ein La Niña-Zustand im Pazifik (der Ozean saugt Wärme aus der Luft auf) mit besonders viel Schnee an Land (der Sonne reflektiert) zusammen trifft. Da kurzfristige Schwankungen und langfristige Trends durch verschiedene physikalische Mechanismen entstehen, macht es keinen Sinn, aus dem Klimaverlauf über wenige Jahre Folgerungen für die Klimapolitik abzuleiten.
Zum Schluss soll nochmals Kulke zu Wort kommen:
„Doch inzwischen ist der Nordpol nach dem großen Tauwetter im vergangenen Sommer wieder zugefroren, und die globalen Klimadaten dieses Winters lassen vorerst eine Behauptung nicht mehr zu: dass sich die Erderwärmung immer stärker beschleunige.“
In der Polarnacht friert es am Nordpol? Das ist ja hoch interessant! (Das wird allerdings auch in hundert Jahren noch so sein, egal wie stark die globale Erwärmung ausfällt.)
Und wenn 8 Jahre Daten nicht ausreichen, um einen Trend zu bestimmen, wie viele Jahre braucht man wohl, um festzustellen, ob der Trend sich beschleunigt?
Kulke macht dies übrigens nicht zum ersten Mal. In unserem Buch Wie bedroht sind die Ozeane? diskutieren wir ein anderes Beispiel: als die Meerestemperaturen von 2003-2005 vorübergehend einen Zacken nach unten machten, schrieb Kulke unter der Überschrift „Es stürmt nur der Alarmismus“ in DIE WELT (25.9.2006):
„In unseren Zeiten ist dies doch eine ungeheure Information, eine echte Neuigkeit in der Klima-Einheitsdebatte. Dennoch taucht sie nicht in unseren Zeitungen auf, nicht in den Fernsehnachrichten. Sie passt nicht in die Zeit. (...) Der Zeitgeist ist auf Katastrophe eingestellt. Doch die Fakten spielen da nicht immer mit.“
Dass die Verdränger der Erderwärmung wie Kulke verzweifelt die Wahrheit im Rauschen suchen, weil sie das Signal nicht wahrhaben wollen, mag man lustig finden – ein Kollege etwa brach beim Lesen von Kulkes Artikel einfach lauthals in Lachen aus. Dass allerdings eine große Tageszeitung zum wiederholten Male ihren Lesern einen derartigen wissenschaftlichen Unsinn auftischt, das ist traurig - selbst wenn manche Leser dergleichen vielleicht gerne lesen.
Update 20. März: Die NASA hat gerade die neuesten Messungen der arktischen Eisbedeckung in diesem Winter publiziert. Trotz des überdurchschnittlich kalten Winters ist die Dicke des Eises weiter zurückgegangen. Die Fläche des mehrjährigen Eises hat diesen Winter ein "all-time minimum" erreicht. Die NASA weist darauf hin, dass das dünnere Eis verwundbarer ist, wenn die Schmelzsaison einsetzt.
Update 10. April: Die NASA hat gerade die globale Temperatur für März publiziert. Die relativ kalten Monate sind vorbei: die Märztemperatur 2008 liegt exact auf der Trendlinie (siehe Abb. unten). Der März 2008 ist der drittwärmste März seit beginn der Aufzeichnungen, nach 2002 und 2005.

Globale Temperaturen jeweils für den März jeden Jahres, 1900-2008, nach NASA.
Update 17. April: Laut Analyse der NOAA war der März 2008 über Land der wärmste März seit Beginn der Aufzeichnungen. Luftttemperaturen über dem Ozean werden noch durch die anhaltenden La Niña - Bedingungen im Pazifik gekühlt. Dieser neue Wärmerekord illustriert auch dem Laien, der den fachlichen Argumenten oben nicht folgen mochte, wie abwegig die Diskussionen über das "Ende der globalen Erwärmung" gewesen sind.
Links:
Die Klimadaten der NASA
Die Klimadaten des Hadley Center
Hier diskutieren wir eine weitere Kulke-Falschmeldung
Spiegel-online zur von Kulke gelobten "Klimaskeptiker"-Konferenz
Realclimate zur von Kulke gelobten "Klimaskeptiker"-Konferenz
Realclimate zu den angeblich "gerichtsnotorischen Übertreibungen" von Al Gore
greenpeace-magazin spießt weitere Fehler des WELT-Artikels auf.
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- Die Bringschuld der Klimaforscher





Stimmt, an Mutlosigkeit leide ich nicht. Und was Sie offenbar auf meiner Seite überlesen haben, sind all die Forderungen der Ökos, wie mit den "Leugnern" (die Bezeichnung sagt alles!) umgegangen werden soll. Das halte ich für sehr bedenklich, dagegen richtet sich die Ironie - und wie nicht nur ich meine - zu Recht.
Vielleicht gehören Sie aber auch zu den Befürwortern staatlicher / öffentlicher Unterdrückungsmaßnahmen gegen Klimaschutzskeptiker. Dann wäre ihr Gejammere hier als Unmutsäußerung des Betroffenen zu deuten.
Wie auch immer, die Erfindung des Wortes "Ökofaschismus" ist nicht auf meinem Mist gewachsen - seine Legitimität ergibt sich aber zweifelsfrei aus der mit Zwangsmaßnahmen "menschenverbessernden" Ökoideologie, von Vaclav Klaus als Environtalismus gebrandmarkt. Und die ad hominem Strategien der Ökoapostel sind doch auch hier bestens dokumentiert ...
Wie war das einst mit "Wehret den Anfängen"?
Frohe Ostern
Konrad Fischer
global erkältet
Mit Bezug auf den Kommentar von Eva Glatzle vom 20.3.08, 1:44 (Seite 3) und Ihre Antwort darauf, stimme ich Ihnen zu, Herr Rahmstorf, dass ein Klimatrend über 8 Jahre statistisch nicht signifikant sein kann. Auch darin stimme ich Ihnen zu, dass die geglättete Kurve per definitionem nicht mehr Information enthalten kann als die Einzelwerte. Aber gerade deshalb kann die geglättete Kurve einen Trend vortäuschen, den die Einzelwerte nicht vorgeben, vor allem dann, wenn die „Glättung“ nicht auf der einfachen Mittelung von Messwerten, sondern auf anderen Berechnungen beruht, was ganz offensichtlich auf die Endstücke Ihrer „Glättungskurven“ zutrifft. Die Glättungsmethode, die Sie verwenden, ist in Ihrem Science paper erwähnt aber nicht beschrieben. Mithilfe des „minimum roughness criterions“, das Sie verwenden und zu dessen Erläuterung Sie auf eine mir nicht zugängliche Literaturstelle verweisen, schaffen Sie es, dass das Ende Ihrer Glättungskurven (und ich beziehe mich wegen der viel besseren Auflösung der Einzelwerte auf die 9-Jahres-Glättung, die Sie für mich unter http://www.pik-potsdam.de/~stefan/material/global_temp_9yr.jpg freundlicherweise angefertigt haben und die mit dem Jahre 2007 endet) höher liegt als 8 der 9 letzten Einzelwerte.
Hier liegt eindeutig kein Mittelwert mehr vor, der auf empirischen Daten beruht, sondern ein Prognosewert. Im Titel Ihres Science papers äußern Sie aber die Absicht, Projektionen mit Beobachtungen vergleichen zu wollen. Tatsächlich vergleichen Sie jedoch gerade in den entscheidenden, aber nicht besonders gekennzeichneten Teilbereichen Ihrer Glättungskurven Projektionen mit Projektionen (das scheint den peers beim review Ihres papers entgangen zu sein). Auf diese Weise schaffen Sie es, dass sogar die 9-Jahres-Glättung der Globaltemperatur nach 1975 einen stetig ansteigenden Verlauf bis 2007 nimmt, obwohl – wie im Kommentar von Eva Glatzle ausgeführt – das letzte heute empirisch berechenbare 9- Jahres-Mittel, das auf das Jahr 2003 zu liegen kommt, kleiner ist als dasjenige des Vorjahres 2002. Auch der vom Hadley-Centre unter http://www.cru.uea.ac.uk/cru/data/temperature/ dargestellte Kurvenverlauf der Globaltemperatur weist ab 2003 einen Knick nach unten auf. Obwohl Sie die Hadley Temperaturdaten verwenden, widersetzt sich Ihre 9-Jahres-Glättung dieser Vorgabe und folgt stattdessen bis 2007 den IPCC Prognosen auf dem Weg nach oben. Lieber Herr Professor Rahmstorf, bitte verzeihen Sie mir, dass ich die geglätteten Kurven nicht getrost ignoriere (wie Sie mir in Ihrem Kommentar nahe legen und was Ihnen vielleicht ganz genehm wäre), weil es gerade Ihre Glättungskurven sind, die – ohne saubere Kennzeichnung – an ihrem Ende nicht auf empirischen Einzelwerten beruhen, sondern auf Berechnungen, die erst einmal zu hinterfragen sind, die aber fälschlicherweise dem unbefangenen Leser und den Medien Tatsachen suggerieren.
[Antwort: Lieber Herr Glatzle,
Zu unserem Science-Artikel: wir zeigen dort die Messdaten für den Zeitraum 1973-2006 und vergleichen sie mit Modellszenarien, die 1990 starten. Die 16 Jahre Überlapp zwischen beiden sind dabei ausreichend für einen sinnvollen Vergleich; wir betonen allerdings einschränkend auch die „relatively short 16-year time period considered“ und die intrinsische Variabilität im Klimasystem.
Zur Frage der Kurvenglättung: wir benutzen hier keinen fortlaufenden Mittelwert, sondern eine nicht-lineare Trendanalyse. Dabei sind die letzten 5 Jahre notwendig mit einer wachsenden Unsicherheit behaftet. Ich bin jedoch überzeugt, dass das von uns zur Abschätzung verwendete „minimum roughness“ Kriterium für diese Daten das sinnvollste ist – dies näher zu begründen würde einen eigenen Artikel und ein paar Grafiken erfordern, und vielleicht komme ich demnächst einmal dazu, einen solchen Artikel in diesem Blog zu schreiben. In der Zwischenzeit habe ich extra für Sie eine Variante meiner Grafik ohne die umstrittenen letzten 5 Jahre in den Trendlinien angefertigt. In Ordnung?
Zur Grafik des Hadley Center: ich habe das mit den Kollegen dort geklärt. Der Unterschied liegt vor allem daran, dass in deren Kurve, die auf Jahresmittelwerten beruht, bereits ein Wert für 2008 enthalten ist. Dieser Wert ist natürlich kein Jahresmittelwert, sondern nur das Mittel von Januar und Februar. Sie werden mir sicher zustimmen, dass ein solches Zweimonatsmittel eigentlich nichts in einer Kurve mit Jahresmittelwerten zu suchen hat, denn Monatswerte schwanken naturgemäß viel stärker als Jahreswerte.
Noch ein Wort zum Ton: erst haben Sie mir Trickserei vorgeworfen und mich ironisch „Klimaweltmeister Rahmstorf“ genannt, und nun schreiben Sie, dass den „peers beim review“ wohl etwas entgangen ist. Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass ein Laie es tatsächlich besser weiß, als die Autoren des Artikels (immerhin 7 international renommierte Klimadatenexperten) und die Gutachter von Science (immerhin eine der renommiertesten Fachzeitschriften)? Ich freue mich über kritische Nachfragen. Aber der Stil einiger Kommentatoren, die anscheinend davon ausgehen, Klimaforscher seien entweder unfähig oder korrupt, ist doch ein wenig befremdlich. S.R.]
[P.S.: Hadley hat die fragwürdige Kurve inzwischen online korrigiert (26.3.) S.R.]
Gestatten Sie mir, Herr Rahmstorf, noch eine Anmerkung zu Ihrem Update von 20.3., wonach „trotz des überdurchschnittlich kalten Winters die Dicke des arktischen Eises weiter zurückgegangen sei“: Falls es stimmen sollte, dass das Eis bei Temperaturen von -30 bis -50 Grad Celsius wirklich an Dicke verlor, dann liegt dies ganz sicher nicht an der Klimaerwärmung sondern an anderen Einflussfaktoren (z.B. wärmere Meeresströmungen die unter der Eisdecke entlang strömen.) Das wissen Sie sicher besser als ich, Herr Rahmstorf!
Sehr geehrter Hr Rahmstorf,
zunächst einmal Respekt dass sie sich hier der Diskussion stellen und Kritikerbeiträge die nicht so recht in den Zeitgeist passen hier nicht gelöscht werden. Von daher ist dies ein erheblicher Fortschritt zu realclimate.org (schon der Name diese Web-site ist eine Anmaßung).
Um es vorweg zu nehmen: ich bin von der Ausbildung Physiker und arbeite im Bereich der CO2 freien (oder besser armen) Elektrizitätserzeugung und profitiere beruflich eher von der CO2 Debatte.
Was mir an der derzeitigen Debatte aber immer wieder negativ auffällt ist die dünne Datenlage und die daraus angeblich zu ziehenden Schlüsse.
Zur Datenlage: Grob geschätzt gibt es auf unserem Planeten einen Temperatur-range zwischen -50°C bis +50°C mit extremen tages- und jahreszeitlichen und örtlichen Variationen. Die systematische messtechnische Erfassung von Temperaturen krankt and einer geringen Zahl und sehr ungleichmäßiger Verteilung von Messpunkten und klimageschichtlich extrem kurzen Messreihen. Methodik, Instrumentarium, und Umgebung haben sich während der Messreihen signifikant verändert (mir drängt sich das alte Physiker-Sprichwort „Wer misst misst Mist“ auf). Meine Frage: Halten Sie die IPPC Aussage von +0.13°C/Jahrzehnt mit +-0.03(!)°C/Jahrzehnt für wissenschaftlich haltbar? Glauben Sie dass man aus diesem Trend
tatsächlich einen antropogenen Anteil herausfiltern kann?
Zu den Schlüssen: Falls Sie und Ihre Kollegen tatsächlich Recht haben und es global (was immer das auch bedeuten soll) wärmer wird. Woher nehmen Sie die Gewissheit dass wir das derzeitige Klima (oder das vor 50 Jahren) schützen sollten. Warum sollte ein wärmeres Klima schlechter sein? Sollten wir nicht besser unsere Ressourcen verwenden um die Menschen in die Lage setzen sich vor dem (heutigen und zukünftigen) Klima zu schützen?
Denken sie nur an die Kosten des Kioto-Protokoll: mit einem Bruchteil dieses Geldes hätte man z.B. die Menschen in Bangladesh mit Deichen vor Sturmfluten schützen können. Aufgabe der Politik sollte es sein akute Probleme von heute zu lösen und nicht die imaginären Probleme in 100 Jahren. Insbesondere für die Menschen in Schwellenländern –die endlich as der Armut heraus wollen- hat die drohende Besteuerung und Beschränkung von Energieverbrauch katastrophale Folgen. Als Wissenschaftler der sich aktiv in die Politik einmischt sollten Sie schon klar beziffern welche Opfer wir heute sicher bringen sollen um die imaginären Opfer von morgen zu Schützen, anstatt diffus „wirksamen Klimaschutz“ zu fordern.
mfg
energietechniker
Eddy schreibt: "Sehr geehrter Herr Mistelberger, Es gibt 2 verschiedene Temperaturproxies, die den Hockeystick ernsthaft in Frage stellen"
Nicht alle scheinen sich Ihrer Ansicht anzuschliessen: "Millennial temperature reconstruction intercomparison and evaluation" ( www.clim-past.net/3/591/2007/cp-3-591-2007.pdf ).
@ Energietechniker
Bei der Klimadebatte wird meiner Meinung nach viel zu wenig auf den Gesamtzusammenhang geachtet. Der übermäßige Verbrauch fossiler Energien und die möglichen Folgen für das Klima ist nur ein Teilaspekt.
Fakt ist, dass andere große Zukunftsprobleme wie Abholzung der Regenwälder, Verknappung und damit Verteuerung fossiler Energien, Konkurrenz der Nahrungserzeugung durch Energiepflanzen, Überbevölkerung, Bürgerkriege, Flüchtlingswellen, Landflucht etc. auch gelöst werden müssen.
Einer der vielversprechensden Ansätze, viele der Probleme gleichzeitig zu lösen ist die massive Förderung der Landwirtschaft in der sog. Dritten Welt. Wenn die Farmer höhere Einnahmen erzielen, steigen wegen des ausreichenden Kapitals für Dünger etc. auch die Erträge, mit zunehmenden Wohlstand sinkt die Geburtenrate, die Ausbildung der Kinder wird besser, und wer hart arbeitet und gutes Geld verdient hat keine Zeit und Lust auf Bürgerkrieg spielen oder auswandern.
Leider vermisse ich in der öffentlichen Debatte Hinweise und Lösungsvorschläge in dieser Richtung. Stattdessen wird über CO2-Isotopen gestritten und welcher Wissenschaftler wovon keine Ahnung hat und von wem er gesponsort wird. Besonders hilfreich finde ich das alles nicht.
Mir kommen auch Zweifel ob das CO2-Problem wirklich so drängend ist. Wenn dem so wäre würden die Klimakonferenzen nicht mit massenhafter Beteiligung in bevorzugten Urlaubsorten stattfinden und Al Gore würde seine Millioneneinnahmen nicht sich selber spenden, auf Geheimvorträge für die "Eliten" verzichten und statt Privatjet den Linienflieger nehmen.
Auf Seite 5 dieses Blogs hatte ich Prof. Rahmstorf um Stellungnahme zu dem Problem gebeten, dass kleine Umweltschutzprojekte systematisch von der Förderung durch den Emissionshandel ausgeschlossen werden. Keine Ahnung ob er darauf nicht antworten will, kann oder darf.
Es ist ja nicht damit getan, ein Problem zu erkennen und die genauen Ursachen bis ins letzte Detail zu erforschen. Viel wichtiger sind konkrete Maßnahmen zur Lösung. Da sind Sprüche wie "Wir müssen sofort handeln" oder "Der CO2-Ausstoß muss drastisch gesenkt werden" ziemlich überflüssig, wenn nicht gleichzeitig Lösungsansätze vorgeschlagen werden, die auch durchführbar sind, ohne die Weltwirtschaft an die Wand zu fahren.
>Singer ist ja nicht einmal Klimaforscher (war Wirtschaftsvertreter für die Tabackindustrie, leugnete die Klimaerwärmung und die schädliche Einwirkung des Passivrauchens!)<
Wenn Singer kein Klimaforscher ist, wer dann? Fred Singer hat mit der Tabakindustrie nichts zu tun, ist selbst leidenschaftlicher Nichtraucher und hasst das Passivrauchen. Das Einzige, was er sich "zu Schulden" hat kommen lassen, ist, dass er die zweifelhafte Methodik einer Studie, die die Schädlichkeit des Passivrauchens hätte belegen sollen, angegriffen hat. Wenn Sie mehr über Singer erfahren wollen, dann lesen Sie den NIPCC-Bericht, den er herausgegeben hat mit seinen Lebenslauf am Ende: http://heartland.temp.siteexecutive.com/...835.pdf
@ Prof. Rahmstorf
Gerne würde ich eine Antwort auf den Beitrag von Wolfgang Flamme vom 22.03.08 und eine Stellungnahme zu meinem eigenen Beitrag vom 22.03.08 lesen. Vielen Dank im voraus!
Hier mal ein Beispiel, wie kurzfristig und fast kostenneutral gigantische Mengen Treibstoff und damit CO2 eingespart werden könnten:
In der 3. Welt gibt es zig Millionen Busse, LKWs und andere KFZ, die wegen defekten Anlasser und/oder Batterie morgens angeschoben werden und dann auch bei den oftmals vielstündigen Standzeiten nicht abgeschaltet werden. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die Besitzer schlichtweg kein Geld für die Ersatzteile in der Tasche haben.
Ich habe mal eben bei Ebay geschaut. Demnach kosten beide Teile zusammen ca. 100 EURO wenn man größere Mengen bestellt.
In Bali waren 14.000 Teilnehmer bei der Klimakonferenz, sagen wir mal im Schnitt 10.000 EURO Gesamtkosten, macht 140 Millionen oder 1,4 Millionen aufgerüstete KFZ. Pro Fahrzeug würden im Schnitt meiner Schätzung nach 6 Liter Sprit am Tag gespart, macht 3 Millionen Tonnen Sprit bzw. 10 Mio Tonnen CO2 pro Jahr, bei einer Haltbarkeit der Teile von sagen wir mal 4 Jahren würden zum Preis von 140 Mio EURO 40 Mio Tonnen CO2 eingespart, also 3,50 EURO pro Tonne CO2.
Davon abziehen müsste man noch den Energieaufwand für die Herstellung der Teile. Aber Flugzeuge und balinesische Bordell-Klimaanlagen müssen ja auch hergestellt und gewartet werden...
Die Sache wäre für die Steuerzahler in den Industrieländern sogar weitgehend kostenneutral, denn durch diese Großaufträge würden in den Herstellerbetrieben jede Menge qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen und die Begünstigten KFZ-Besitzer in den Entwicklungsländern würden eine drastische Erhöhung ihres Familieneinkommens haben, dass zum Teil in den Kauf importierter Technik-Produkte zu uns zurückfließt.
So, nun war vor einigen Tagen im SPIEGEL zu lesen, dass bei den geplanten neuen Kohlekraftwerke mit CO2-Abscheidern zusätzliche Kosten von 25 bis 40 EURO pro eingefangener Tonne CO2 entstehen, plus die Lagerkosten. Zahlbar vom deutschen Stromkunden.
Angenommen, es gibt ca. 50 Millionen KFZ in der Welt mit derartigen defekten Teilen, könnten alleine mit dieser Maßnahme pro Jahr 350 Mio Tonnen CO2 eingespart werden.
Also, ihr Gores, Merkels, Gabriels, Schellnhubers dieser Welt, was hindert euch daran, solche praktikablen Maßnahmen kurzfristig umzusetzen?
PS: Bin schon am überlegen, ob ich nicht mal eine Homepage basteln sollte, wo derartige Ideen veröffentlicht werden können.
Das bringt kein Geld.
Siehe z.B. hier
Diesel-Wasser Kraftstoffgemisch, als Alternative zu wirkungslosen Rußfiltern
Gashydrate und Methanhydrat
Ein Viertel der Methanemissionen der Nordsee stammen von einer einzigen Stelle
Einfache Lösungen sind nicht gefragt.
Zunächst: Ich bin derjenige, der bei oekologismus.de den oben schon angesprochenen Text über die Charakterisierung Singers durch Sie, Herr Rahmstorf, veröffentlicht hat.
Es ist in diesem Zusammenhang vielleicht von Bedeutung, daß ich als Naturwissenschaftler Politiker berate. Und als Berater eben allen meinen Gesprächspartnern grundsätzlich empfehle, auf Basis der Erkenntnisse der Klimaforschung, wie sie in den IPCC-Berichten zu lesen sind, keinerlei Maßnahmen zu ergreifen.
Ich bin also einer von jenen Skeptikern, die Sie, Herr Rahmstorf, glauben bekämpfen zu müssen. Weil Sie der Überzeugung sind, daß unser gegenwärtiges industrielles System, basierend auf solchen Begriffen wie Marktwirtschaft, Konsum und Wachstum, eine Gefahr darstellt und im Grundsatz umgebaut werden muß. Sie wollen diesen Umbau nicht durch eine stetige technologische Innovation, wie sie seit Menschengedenken stattfindet, sie wollen eine schnelle Revolution. Und Sie wollen diese erzwingen, ohne wirkliche Not, allein auf Basis Ihrer ideologischen Grundüberzeugung.
Das Argument, der Klimawandel wäre eine Bedrohung, ist dabei wohl nur vorgeschoben.
Ich finde Ihre Beiträge, Herr Binikowski, dabei ausgesprochen erhellend. Sie sind auf der richtigen Spur. Es ist keine wissenschaftliche Debatte, die hier geführt wird, sondern eine politische. Es geht eben nicht um das CO2 und um die Vermeidung entsprechender Emissionen. Es geht um den Kampf zwischen Totalitarismus und Liberalismus, um die Entscheidung zwischen freier und gelenkter Wirtschaft, um die Sicherung staatlicher Macht in Zeiten, in denen Technologie den Menschen immer mehr Freiheit und Individualismus ermöglicht. Es geht um Kontrolle.
Das ist ein großes Faß, was ich da öffne, keine Frage. Und die Klimadebatte stellt auch nur einen Teilaspekt der gesamten Thematik dar. Vom Rauchverbot über Alkoholprohibition, von der Überwachung im öffentlichen Raum wie auch in der Virtualität, vom Steuerrecht bis hin zum Verbraucherschutz – überall finden sich eben jene Zeitgenossen wieder, die Kontrolle gegen Freiheit setzen.
Umwelt und Klima werden ideologisch instrumentalisiert, das ist mein Punkt. Und Sie, Herr Rahmstorf, agieren und agitieren in dieser großen Auseinandersetzung als Politiker, als Ideologe, nicht mehr als Wissenschaftler.
Als Wissenschaftler müßten Sie einräumen, daß es nicht möglich ist, einen Erfolg radikaler CO2-Einsparmaßnahmen bezogen auf irgendeinen globalen Indexwert der mittleren Temperaturanomalie, zu garantieren. Es kann sein, daß wir CO2 sparen, wie wir nur können, daß wir die Konzentration in der Atmosphäre tatsächlich einfrieren oder gar senken – und trotzdem können eben natürliche Faktoren, die wir nicht beeinflussen können, sehr schnell eine sehr hohe Erwärmung verursachen. Oder vielleicht auch (was möglicherweise viel schlimmer wäre) eine erhebliche Abkühlung. Dies zumindest zeigen die Temperaturkurven für die letzten Jahre. Selbst Pachauri, seines Zeichens Chairman des IPCC, hat jüngst eingeräumt, daß es sein kann, daß natürliche Faktoren in den letzten Jahren die globale Erwärmung überlagern, so daß diese nicht mehr sichtbar wird. Wenn dies aber so sein kann, dann ist eben die mutmaßliche menschgemachte globale Erwärmung gar kein Problem mehr. Sondern im Gesamtkonzert der Klimafaktoren nur ein einzelner, völlig unwichtiger Faktor.
Als Wissenschaftler müßten Sie weiterhin einräumen, daß Ihre Modelle auf Annahmen beruhen, die nicht nur unwesentlich, sondern vielleicht gar falsch sein könnten. Sie müßten als Wissenschaftler dahingehend sozialisiert sein, daß Sie die Möglichkeit des eigenen Irrtums nicht leugnen, sondern als integralen Bestandteil Ihrer Arbeit empfinden. Mit dieser Einstellung verbieten sich Agitation und Politisierung dann von selbst. Etwas, das grundsätzlich falsch sein kann, darf niemals Grundlage weitreichender politischer Maßnahmen sein.
Als Wissenschaftler müßten Sie der Politik mitteilen, daß es in der Wissenschaft kein Wahrheitskriterium namens „Konsens“ oder auch namens „very likely“ (IPCC-Sprache) gibt. Es gibt nur Modelle, Hypothesen und Theorien, die innerhalb einer gewünschten Genauigkeit die Realität abbilden oder reale Entwicklungen vorhersagen können (die Realität selbst aber ist vom Modell strikt zu unterscheiden, die Theorie ist nicht die Realität, sondern immer nur ein unvollständiges Abbild derselben) – oder auch nicht. Keines der durch das IPCC verwendeten Klimamodelle konnte und kann die Temperaturentwicklung der letzten Jahre vorhersagen. Ist es so schwer, diesen einfachen Satz, der doch aber implizit das Wesen der Wissenschaft beinhaltet, zu kommunizieren?
So wenig, wie die Genetik eine politische Maßnahme im Bereich der Nutzpflanzen oder der Humanmedizin begründen kann, so wenig, wie die Quantentheorie eine Entscheidung pro oder contra Kerntechnik ermöglicht, so wenig, wie die Evolutionstheorie bevölkerungspolitisch instrumentalisiert werden darf, so wenig ist eben die Klimaforschung geeignet, eine politische Entscheidung für eine bestimmte Energiepolitik oder hinsichtlich einer Beschränkung der Mobilität und der Ernährung zu begründen.
Und die Politiker, so weit ich sie kennenlerne, wissen das auch.
Sie, Herr Rahmstorf, lassen sich und ihre wissenschaftliche Reputation mißbrauchen (wissentlich?).
Politik reagiert einzig und allein auf Stimmungen in der Bevölkerung zum Zwecke des Machterhalts. Wenn nun aber bestimmte Interessengruppen es schaffen, ein mediales Feuerwerk zu entfachen, und damit Stimmungen zu erzeugen, dann wird eben Politik auf diese Stimmungen reagieren. Mit grundsätzlich kurzfristigen, eher auf Kommunikation, denn auf realen Effekten basierenden Maßnahmen. Und natürlich darf dann keine Partei so ein Thema wie die Klimadebatte ignorieren und das Feld den anderen allein überlassen. Was zusätzlich den Eindruck eines „Konsenses“ und unvermeidlicher Maßnahmen für die breite Öffentlichkeit verstärkt. Politik agiert mit Mythen. Und so sieht eben auch die Politik den mutmaßlich menschgemachten katastrophalen Klimawandel: Als einen nützlichen Mythos.
Ist Ihnen das bewußt, Herr Rahmstorf?
(Und das ist der Grund, Herr Binikowski, warum ihre Ideen nicht mal in Betracht gezogen werden.)
Vielleicht tue ich Ihnen Unrecht. Vielleicht sind Sie tatsächlich im Innersten davon überzeugt, daß die Welt gerettet werden muß. Vielleicht haben Sie wirklich Angst vor einer Zukunft mit weiter steigendem CO2-Gehalt in der Atmosphäre.
Ich stehe für Meinungsfreiheit und eben auch die Freiheit der Wissenschaft. Ich werde daher Ihr Recht, diese Bedenken zu äußern, immer verteidigen. Ich werde daher Ihr Recht, die Forschung zu betreiben, die sie betreiben, und diese auch zu kommunizieren, nie in Frage stellen.
(Ein Nebenaspekt, der hier aufkam, ist die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Im obigen Zusammenhang – aber das wirklich nur nebenbei – bin ich sogar der Überzeugung, daß Sie viel zu wenig mit der Wirtschaft zusammenarbeiten. Das PIK bspw. erhält viel zu wenig Drittmittel aus der Industrie. Sie müssen da mehr tun, mehr einwerben. In den USA funktioniert da vieles besser. Eine Wissenschaft, deren Freiheit nicht nur von öffentlichen Töpfen abhängt, läßt sich viel weniger instrumentalisieren, ist viel freier, läßt sich viel weniger steuern und lenken. Diversifizieren Sie Ihre Geldgeber. Jemand wie Singer tut dies. Und das ist gut so.)
Ich teile aber Ihre Auffassung nicht. Ich bin im Gegenteil ernsthaft besorgt, daß wir uns ohne jede Not weitreichenden Maßnahmen unterwerfen müssen, die Armut und Hunger zementieren (bzw. deren Bekämpfung sehr viel schwieriger machen), die unseren Wohlstand gefährden und die uns Chancen und Möglichkeiten nehmen, uns einem Klimawandel, der sich ohnehin einstellen wird, weil er allein schon durch die natürlichen Prozesse unvermeidlich ist, anpassen zu können. In diesem Zusammenhang ist die CO2-Vermeidungsstrategie aus meiner Sicht eine Untat gegenüber unseren Kindern und Kindeskindern.
Die Umwelt liegt uns allen am Herzen. Ich nehme die Bedenken ernst, die viele Menschen haben, wenn ich auch viele davon nicht teilen kann. Ich bitte aber darum, auch meine Bedenken dahingehend, daß wir im Begriff sind, einen schweren Fehler zu begehen, ernstzunehmen und zu berücksichtigen.
Ihre Haltung ist zu akzeptieren, aber meine eben auch. Ich unterstelle Ihnen keine finsteren Motive, sondern lediglich, daß Sie politisch statt wissenschaftlich agieren und daß Sie ideologisch begründet agitieren. (Das aber darf man in diesem Land.)
Sie müssen sich also gefallen lassen, daß es Menschen wie mich gibt, gemeinhin „Klimaskeptiker“ genannt, die auch ernsthaft besorgt sind und die auch keine finsteren Motive aufweisen, sondern deren Besorgnis einfach nur eine alternative Entscheidung befürwortet.
Und diese heißt eben, kurz und knapp, keinen Klimaschutz zu betreiben.
Sind sie noch so weit Mitglied einer pluralen, freien und offenen Gesellschaft, daß Sie Menschen wie mich respektieren und mit solchen in einen Dialog treten können? Wenn ja, dann ist klar, daß wir eine Debatte brauchen. Diese ist keinesfalls vorbei, sondern sie beginnt gerade erst. Ich bin bereit, diese Debatte zu führen und die meisten anderen Klimaskeptiker sind es auch. Ergebnisoffen.
Wenn Sie diese Debatte aber im Grundsatz ablehnen, wenn Sie sagen, daß im Grundsatz alles schon entschieden ist und daß dies nach Ihrer Auffassung endgültig und für alle Zeiten feststeht, wenn Sie die Debatte auch mit persönlichen Verunglimpfungen führen wollen, dann allerdings muß ich an Ihrem Demokratieverständnis tatsächlich zweifeln.
Und das erhöht meine Besorgnis nur weiter. Und das führt eben nur dazu, daß ich täglich immer skeptischer werde. So, wie viele andere Wissenschaftler und eben auch viele einfache Mitbürger derzeit.
[Antwort: Sie präsentieren hier eine politische These, wonach Politiker ihren Wählern derart gerne unpopuläre Maßnahmen verkünden, dass sie dazu Vorwände suchen und „nützliche Mythen“ erfinden; wonach sie dazu Wissenschaftler „mißbrauchen“; und wonach Politik nur gegen Risiken vorsorgen sollte, wenn ein Schaden sonst 100% sicher eintreten wird. Sie garnieren Ihre These mit Unterstellungen über meine Person: dass ich „ideologisch begründet agitiere“, und dass die Bedrohung durch den Klimawandel dabei „nur vorgeschoben“ sei. Sie versuchen nicht einmal, irgendeinen Beleg für diese Unterstellungen vorzubringen, und sie tun all dies unter dem Deckmantel der Anonymität. Sie trauen sich nicht einmal, Ihre Behauptungen mit offenem Visier vorzubringen.
Glauben Sie eigentlich ernsthaft, dass ein Forscher Sie auf dieser Basis ernst nehmen oder in einen Dialog eintreten wird?
Sie behaupten, ich würde eine „Debatte im Grundsatz ablehnen“, ich wolle „Skeptiker bekämpfen“, und ich würde sagen, dass „im Grundsatz alles schon entschieden ist“ und „endgültig und für alle Zeiten feststeht“. Wo haben Sie je dergleichen von mir gelesen? Bitte mit Quellenangabe zitieren! Sie sehen schon an diesem Weblog und dem Artikel, den Sie hier kommentieren, dass wir die Debatte inhaltlich führen und nicht ablehnen. Meine Kollegen und ich haben uns an anderen Stellen immer wieder in der Sache mit den Argumenten der „Skeptiker“ auseinandergesetzt – Sie werden wohl kaum ein Skeptiker-Argument finden, das nicht von Klimatologen aufgegriffen und diskutiert wurde. Dabei ist meine Vorstellung von Debatte, dass ich ganz konkrete Aussagen mit Quellenangabe diskutiere, und nicht – wie Sie oben – mit haltlosen Unterstellungen arbeite.
Sie fordern Respekt. Ich begegne Grundsätzlich allen Menschen mit einem Vorschuss an Respekt, und andere Meinungen zu respektieren ist für mich als Wissenschaftler selbstverständlicher Alltag. Sonst wären kontroverse fachliche Diskussionen, wie wir sie ständig auf Konferenzen führen, gar nicht möglich. Man kann meinen Respekt aber auch verlieren, zum Beispiel indem man im Schutz der Anonymität rufschädigende Unterstellungen verbreitet. S.R.]