Neue Ära der Klimapolitik
In seiner gestrigen Antrittsrede hat der neue US-Präsident Barack Obama nochmals bekräftigt, dass mit dem Regierungswechsel eine radikale Wende in der US-Klimapolitik eingeläutet wird. Gleich zu Anfang schildert Obama die "Krise", in der die USA sich befinden. Neben Kriegen und Wirtschaftskrise gehört zu dieser Diagnose auch:
Jeder Tag beweist aufs Neue, dass die Art und Weise unseres Energieverbrauchs unsere Gegner stärkt und unseren Planeten bedroht.
Zur Lösung setzt Obama auf wissenschaftliche Rationalität:
Wir werden der Wissenschaft ihren rechtmäßigen Platz zurückgeben.
Das ist eine unverhohlene Anspielung auf die Wissenschaftsfeindlichkeit der Bush-Administration, die bis hin zur Unterdrückung unliebsamer Forschungsergebnisse ging. Wenn ich in den vergangenen Jahren auf Konferenzen mit amerikanischen Kollegen sprach, habe ich viele konkrete Beispiele dafür gehört, wie Klimaforschern an Regierungsinstituten Pressekontakte untersagt wurden, weil ihre Ergebnisse die globale Erwärmung und ihre Folgen belegten.
Seine Antworten auf den Klimawandel benennt Obama in der Antrittsrede noch konkreter:
Wir werden Sonne, Wind und Ackerboden nutzbar machen, um unsere Autos und Fabriken anzutreiben.
Obama will durch kluge Investitionen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Wirtschaft beleben und dabei u.a. die Stromnetze ausbauen - das ist eine wichtige Voraussetzung für den Umstieg auf erneuerbare Energien, in den USA ebenso wie in Europa. Davon könnte sich auch die Bundesregierung eine Scheibe abschneiden.
Obama betonte weiter die "neue Ära der Verantwortung" und die Verpflichtungen gegenüber der Welt, die die amerikanischen Bürger haben.
Mit alten Freunden und früheren Gegnern werden wir unermüdlich arbeiten, um die nukleare Bedrohung zu verringern und die Gefahr der globalen Erwärmung einzudämmen.
Neben Obamas gestriger Rede und seiner ausführlicheren Klimaschutzrede vom November ist es auch die Wahl seiner Berater und Minister, die eine fundamentale Wende andeutet. Energieminister ist der Physik-Nobelpreisträger Steven Chu, von dem eine Wende in der Energiepolitik zu Gunsten der erneuerbaren Energien erwartet wird.
Wissenschaftsberater ist der Harvard-Professor John Holdren, Direktor des Woods Hole Research Center und ein langjähriger Kenner der Klimaforschung. Zu Obamas Beraterteam gehört seit langem auch Daniel Kammen, Direktor des Renewable and Appropriate Energy Laboratory der University of California in Berkeley. Kammen konnten wir hier in Potsdam im Oktober 2007 zur Nobelpreisträgertagung A Nobel Cause begrüßen.
Alle Anzeichen deuten daher darauf hin, dass in den USA heute eine neue Ära in der Klimaschutzpolitik begonnen hat. Dies dürfte auch den internationalen Klimaschutzbemühungen neuen Schwung verleihen - vor der entscheidenden Konferenz zur nächsten Phase des Kyotoprotokolls in Kopenhagen im kommenden Dezember ist dies auch dringend nötig.
Update 28. Januar: Die Obama-Administration hat jetzt einen Sondergesandten für Klimawandel ernannt: Todd Stern. US-Außenministerin Hillary Clinton sagte bei seiner Vorstellung:
As should be evident by now, the President and I believe that American leadership is essential to meeting the challenges of the 21st century. And chief among those is the complex, urgent, and global threat of climate change.
(...)
So the urgency of the global climate crisis must not be underestimated, nor should the science behind it or the facts on the ground be ignored or dismissed. The time for realism and action is now.
Todd Stern (übrigens nicht verwandt mit dem Briten Sir Nicholas Stern) hat 2007 einen Plan veröffentlicht, wie eine "low-carbon economy" geschaffen werden kann - also eine Wirtschaft mit geringem CO2-Ausstoß.
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Na mal abwarten, welche Taten den Worten folgen. Eine Nagelprobe wird z.B. sein ob man der Energieverschwendung durch eine Besteuerung des Sprits entgegen tritt. Es ist doch sehr unwahrscheinlich, dass die US-Konsumenten den Weltmeistertitel in der Energieverschwendung abgeben.
Es war auch sehr unwahrscheinlich, daß die US-Bürger einen schwarzen Nobody zum Präsidenten wählen.
Jetzt wird sich zeigen, wie stark die Gegenkräfte aus den Reihen der atomar-fossilen Industrien sind. Dort gibt es zwar schon jüngere Manager, die anders denken, aber die überwiegende Mehrzahl der Industriebosse in der konventionellen Energiewirtschaft setzt noch auf die Gewinne mit den "alten Energietechniken".
Der ökologische Realismus von Obama wird hoffentlich in den USA bestehen bleiben und so auf Europa ausstrahlen.
Es war ja geradezu aberwitzig, dass im Land der Nobelpreisträger gerade die Klimaforschung unterdrückt und schikaniert wurde.
Die Welt hat wegen des Schwindens der Energieressourcen (Geologie) und der damit verbundenen Preissteigerungen und politischen Konflikte (Ökonomie), überlagert vom beherrschenden Thema dieses Jahrhunderts, dem Klimawandel (Ökologie), nur eine einzige Chance:
Mit bewährten und hinzukommenden neuen Technologien (Quantenphysik und Nanotechnologie) die solare Effizienzrevolution einleiten und die Zivilgesellschaft ökologisieren.
" ... das ist eine wichtige Voraussetzung für den Umstieg auf erneuerbare Energien, in den USA ebenso wie in Europa."
Mir ist schleierhaft, wie ein Naturwissenschaftler angesichts der bekannten Ernergieerhaltungssätze derart unkritisch das Wort von den "erneuerbaren" Energien benützen kann. Schon Hegel hat uns in der Einleitung zur Phänomenologie des Geistes gelehrt, wie wichtig die Arbeit am Begriff ist.
[Antwort: Aus Sicht des Erdbewohners ist es durchaus sinnvoll zu unterscheiden zwischen solchen Energieformen, von denen wir nur begrenzte Vorräte auf unserem Planeten haben, und solchen, die ständig neu von außen auf die Erde gelangen (Sonnenstrahlung). Ein Windrad oder eine Solaranlage "verbrauchen" eben keine Energievorräte, von denen wir hinterher weniger haben. Wenn Sie das nicht erneuerbar nennen wollen, welches ist Ihr Vorschlag? Stefan Rahmstorf]
Sehr geehrter Herr Prof. Rahmstorf,
das Wort "erneuerbare Energien" ist ein politisch motiviertes Täuschewort, kein exakter wissenschaftlicher Begriff. Es gibt das falsche Signal aus, dass Energien erneuert werden könnten. "Erneuerbare Energie" ist sprachlich sehr verwandt mit den "Perpeteum mobile"-Träumereien vergangener Jahrhunderte.
Ein ähnlicher Traum ist heute die Vorstellung, Wind, Sonne und Energiepflanzen könnten auf absehbare Zeit einen wesentlichen Beitrag zur Energieversorgung einer wachsenden Menschheit leisten. Und dieser Traum wird durch die wissenschaftlich unhaltbare Formel von den "erneuerbaren" Energien gefördert.
Solange für Energie und insbesondere für elektrische Energie keine ausreichenden und effektiven Speicherungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, sind Wind und Sonne für die Grundversorgung ungeeignet. So konnten die Tausende von Windräder in den ersten Hochdruckwetterwochen dieses Jahres praktisch ohne Wind nicht mehr als ein paar hundert Megawatt Leistung bereitstellen - von der großflächigen Verschandelung der wunderschönen norddeutschen Landschaft einmal ganz zu schweigen. Und was die Energie vom Acker betrifft, die Präsident Obama angesprochen hat: Solange die landwirtschaftlich nutzbare Fläche auf der Erde begrenzt ist - und das wird sie wohl immer sein - wird die Beschlagnahme von Ackerflächen für Energiepflanzen die ohnehin bestehenden Hunger- und Ernährungsprobleme in der Welt nur verschärfen. Das kann kein vernünftiger Mensch wollen. Und niemand sollte durch ein Täuschewort wie das von den "erneuerbaren" Energien derartiges befördern.
Auf Ihre Frage, welche andere Begrifflichkeit mir denn vorschwebe, nur eine kurze Antwort: Solange man keinen wissenschaftlich verantwortbaren Begriff für hat, unter dem man die Energiegewinnung aus Wind, Sonne oder Ackerbau subsumieren kann, soll man in einem Blog mit wissenschaftlichem Anspruch die einzelnen Dinge konkret benennen. Sprachliche Verwischungen und Täuschungen sollte man Politikern und politischen Blogs überlassen.
[Antwort: Dies sind reale Probleme der erneuerbaren Energien, aber sie sind nicht unüberwindlich und auch nicht erst seit gestern bekannt, sodass Ingenieure bereits Lösungsoptionen erarbeitet haben - "Träumer" sind das übrigens nicht. In einem System, das Europa zu 100% mit Strom aus Erneuerbaren versorgt, benötigen Sie noch ca. 20% an speicherbarer Regelenergie, die aus Wasserkraft und Biomasse kommen kann. Voraussetzung ist ein europaweites Netz, um lokale Windschwankungen durch Horizontalausgleich abzupuffern. Die Elektromobilität wäre eine ideale Ergänzung, weil dann ständig millionen Autobatterien als Speicher am Netz hängen.
Was das nachhaltige Potenzial der Bioenergie angeht (ohne Einschränkungen bei der Nahrungsversorgung), dazu hat der WBGU übrigens gerade ein ausführliches Gutachten publiziert. Stefan Rahmstorf]
Der Wähler hat sich zwar für Obama entschieden, er hat aber seine eigenen Probleme schreibt Andrew C. Revkin auf dot.earth:
According to the survey of 1,503 adults, global warming, on its own, ranks last out of 20 surveyed issues. Here’s the list from top to bottom, with the economy listed as a top priority by 85 percent of those polled and global warming 30 percent: the economy, jobs, terrorism, Social Security, education, energy, Medicare, health care, deficit reduction, health insurance, helping the poor, crime, moral decline, military, tax cuts, environment, immigration, lobbyists, trade policy, global warming.
aus:
http://dotearth.blogs.nytimes.com/2009/01/22/obamas-urgency-on-warming-meets-cool-public/?hp
@ rainer Vogels :
Hinsichtlich Windenergie zweifelt man ob eine flächendeckende Nutzung nicht Einfluß auf die Erdumdrehung, welche ja den Wind erzeugt, haben könnte. Vielleicht ist dieses unter "erneuerbar" gemeint ?
Lediglich Sonnenenergie kann wohl selbst bei größter Ausbeute als problemlos erneuerbar eingestuft werden.
Ansonsten stehe ich den Aussagen Obamas ebenso kritisch entgegen wie den Wahlversprechen der SPD und CSU. Derzeit vergeht kaum eine Stunde in der nicht wieder eine "Eilmeldung" aus Amerika kommt was gemacht werden soll. Wenn das so weitergeht ist die Welt in biblischen 7 Tagen gerettet.
Können wir uns darauf verständigen, dass nach menschlichem Vorstellungsvermögen die solaren Energien uns noch unendlich lang, ca. 4 Milliarden Jahre, erhalten bleiben.
Solange jedenfalls, bis die Energie der Sonne in einen anderen Zustand übergeht und sich in andere Welten verlagert.
Grundsätzlich können aber auch Philosophen ganz gewaltig irren, haben sie denn nicht alle, inklusive Ernst Bloch, in den 50er Jahren die schöne neue Atomherrlichkeit beschrieben mit geradezu paradiesischen Zuständen für die menschliche Zivilisation.
Herr Vogels betreibt - wohl mangels wirklicher Argumente - reine Wortklauberei.
Würde man seinen Maßstab anlegen, dann dürften wir auch die Begriffe Sauerstoff oder Oxygenium nicht verwenden, denn er erzeugt keine Säuren, das Wort Atom wäre falsch, denn es ist doch teilbar, auch schon der Sonnenauf- und -untergang wäre "täuschende" Begriffe.
Herr Vogles will nur verhehlen, dass ihm die ganze Richtung nicht passt und er sucht nach Ansatzpunkten um seine Vorurteile gegen diese Energieform zu rationalisieren.
Dies wird ihm wohl kaum gelingen, dazu ist die Entwicklung der Erneuerbaren schon viel zu weit fortgeschritten und belastbare Alternativen dazu gibt es praktisch nicht.
Als man Sauerstoff entdeckt hatte, nannte man dieses Gas "Sauer"-stoff, weil man glaubte, dass es säurebildend sei. Als man den Sonnenaufgang Sonnen-"aufgang" nannte, glaubte man, dass tatsächlich morgens die Sonne aufgeht. Als man das, was man heute als Atom bezeichnet, entdeckt hatte und es in Erinnerung an Demokrit "Atom" nannte, glaubte man, tatsächlich den kleinsten, nicht mehr weiter teilbaren Bestandteil der Materie vor sich zu haben.
Als man jedoch Wind- Sonnen- und Bioenergie "erneuerbare" Energien nannte, kannte man den Energieerhaltungssatz und wusste, dass man Energien nicht erneuern kann.
Indem man dennoch diesen Begriff gewählt hat, hat man ein sprachliches Perpeteum-mobile-Signal mit dieser Art von Energie verbunden. So wurde "erneuerbare" Energie ein täuschender, letzlich Illusionen fördernder Begriff.
Man unterschätze die Arbeit am Begriff nicht. Sprache formt Denken: Kluge Herrscher haben daher zu allen Zeiten versucht, nicht nur äußerlich mit Polizei und Armee ihre Herrschaft zu sichern, sondern schon im Vorfeld dadurch, dass sie mit der Durchsetzung bestimmter Begriffe und Sprachrelegungen ihre Herrschaft in den Köpfen der Menschen verankerten. Beispiele für diese Strategie kennt jeder in großer Zahl aus den politischen Debatten unserer Zeit.