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Das Jahrzehnt der Wetterextreme

Stefan Rahmstorf | 01. September 2010, 13:34

Die Wetterextreme des Jahrzehnts lesen sich wie eine Liste des Grauens. Von der Elbeflut 2002 bis zu den Bränden in Russland und Überschwemmungen in Pakistan. Millionen Menschen waren betroffen, Milliarden Werte wurden vernichtet. Zufall? Oder Klimawandel?

Am 12. August 2002 fielen an der Wetterstation Zinnwald-Georgenfeld in Sachsen 312 Millimeter Wasser vom Himmel. Eine Rekordmenge, die alles übertraf, was jemals zuvor in Deutschland an einem Tag an Regenmenge gemessen worden war. In der Folge kam es zur "Jahrhundertflut" der Elbe - der Pegel erreichte bei Dresden den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1275.

Im Sommer 2003 kam es in Westeuropa zur schlimmsten Hitzewelle seit Menschengedenken, die rund 70,000 Menschen das Leben kostete. Fernsehbilder von überlasteten Leichenhäusern in Frankreich flimmerten durch unsere Wohnzimmer. Es war der bei weitem wärmste Sommer seit mindestens 500 Jahren. Die Hitzerekorde lagen so weit außerhalb der bisherigen Messwerte, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dies durch zufällige Wetterschwankungen bei unverändertem Klima passieren könnte, von Schweizer Forschern auf Eins zu mehreren Millionen berechnet wurde.

Überflutung bei Sukkur, Pakistan, 18. August 2010 (NASA)

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Hitze, Brände, Fluten...

Stefan Rahmstorf | 10. August 2010, 13:46

Ein kurzer Signalton in meinem implantierten Mikrohörgerät kündigt einen Anruf an - es ist mein Neffe aus Berlin, schon wird sein Bild in meine Brillengläser eingeblendet. Er hat erst mal einen Hustenanfall, entschuldigt sich dann - ich wisse ja sicher, dass Berlin schon seit Tagen wieder unter der Smogwolke der im Umland wütenden Waldbrände liege. Ich hatte in der Tat eine kleine Zeitungsnotiz darüber gelesen - Schlagzeilen macht so etwas allerdings nur noch, wenn mal wieder die Villen in Grunewald vom Feuer bedroht sind.

Das Zitat ist aus einem fiktiven Blick ins Jahr 2050 - geschrieben habe ich das 2002, in dem Essay Bahnfahrt nach Dresden. Hätte ich damals ein fiktives Szenario für den Sommer 2010 aufgemacht, in dem um Moskau bei Rekordhitze die Brände außer Kontrolle wüten und Atomanlagen gefährden, die russische Regierung Weizenexporte verbietet und damit weltweit die Getreidepreise nach oben treibt... da hätte man mich mit Sicherheit eines unverantwortlichen Alarmismus geziehen.

Der damalige Artikel hat übrigens eine etwas kuriose Geschichte. Ein Feuilleton-Redakteur der Süddeutschen Zeitung hatte bei mir nach der Elbeflut angerufen und mich gebeten, mal einen etwas anderen, nicht wissenschaftlichen sondern "feuilletonistischen", visionären, persönlichen Beitrag zu schreiben. Als der Text eine Woche später fertig war, war dieser Redakteur in den Urlaub entschwunden, und seinem Vertreter gefiel mein Artikel nicht. Ich solle lieber bei meinen Leisten bleiben und wissenschaftlich schreiben, sagte er mir. Als sein Kollege wieder aus dem Urlaub zurück war, gefiel dem zwar mein Artikel, aber da war er nicht mehr aktuell. So kam es, dass die SZ diesen Artikel zwar bestellt (und bezahlt), aber nie gedruckt hat. Erst drei Jahre später erschien er in dem Buch Im Klimawandel angekommen. Was nun?, für das ich um einen Beitrag gebeten worden war. Hoffentlich werden die anderen dort von mir geschilderten fiktiven Szenarien (die alle eine wissenschaftliche Basis haben) nicht so bald von der Realität eingeholt.

Noch ein Link zum aktuellen Hochwasser in Sachsen: zum Zusammenhang solcher Hochwasser mit der globalen Erwärmung ist mein Beitrag im Brockhaus Jahrbuch 2002 nach wie vor aktuell (bis auf die abschließende Diskussion zu den nötigen Emissionsreduktionen, die sich heute leider aus mehreren Gründen deutlich pessimistischer darstellt).

Quellen

Rahmstorf, S., 2003: Flutkatastrophe - befinden wir uns im Klimawandel? In: Brockhaus Jahrbuch 2002, Brockhaus Verlag, pp. 140-143.

Rahmstorf, S. Bahnfahrt nach Dresden, in: Im Klimawandel angekommen. Was nun? (ed. D. Lehmann), pp. 15-18 (Projekte-Verlag, Halle, 2005).

p.s. Die urlaubsbedingt etwas eingeschränkte Moderation der Leserkommentare bitten wir zu entschuldigen.



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Global warming hat Geburtstag!

Stefan Rahmstorf | 28. Juli 2010, 14:45

Die globale Erwärmung wird 35! Nicht nur hält der aktuelle Erwärmungstrend nun bereits rund 35 Jahre an. Auch der Begriff "global warming" feiert nächste Woche seinen 35. Geburtstag. Am 8. August 1975 veröffentlichte Wally Broecker in der Fachzeitschrift Science seinen Artikel "Are we on the brink of a pronounced global warming?". Dies scheint die erste Verwendung des Begriffes "global warming" in der Fachliteratur zu sein (zumindest ist es in der wissenschaftlichen Datenbank ISI der früheste von über 10.000 Artikeln für diesen Suchbegriff).

In diesem Artikel prognostizierte Broecker korrekt "dass der gegenwärtige Abkühlungstrend innerhalb etwa eines Jahrzehnts einer deutlichen globalen Erwärmung weichen wird, verursacht durch Kohlendioxid" und dass Kohlendioxid "zu Beginn des nächsten Jahrhunderts die planetare Durchschnittstemperatur über die Erfahrungsgrenzen der letzten 1000 Jahre hinausgetrieben haben wird." Er schätzte die CO2-bedingte Erwärmung für das 20. Jahrhundert auf 0,8°C und sorgte sich über die Konsequenzen für die Landwirtschaft und den Meeresspiegel.  (weiter)

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Steve Schneider gestorben

Stefan Rahmstorf | 20. Juli 2010, 13:45

Heute morgen hat mich die erschütternde Nachricht erreicht, dass Steve Schneider gestorben ist. Steve war ein großer Klimatologe und ein guter Freund. Er hat nicht nur als Pionier bei der Entwicklung von Klimamodellen Bahnbrechendes zur Forschung beigetragen. Er gehörte auch zu den ersten, die sich für die interdisziplinäre Klimaforschung eingesetzt haben: zum Beispiel gründete er 1975 die interdisziplinär ausgerichtete Fachzeitschrift Climatic Change, deren chief editor er bis zuletzt war. Er forschte selbst nicht nur zu Themen wie der Rolle von Aerosolen und Wolken im Klimageschehen, sondern auch zu den Auswirkungen auf die Biosphäre und zu ökonomischen Aspekten des Klimawandels.

Steve Schneider war dazu auch ein großer Kommunikator mit viel Humor, der es verstand, komplexe wissenschaftliche Sachverhalte einer breiten Öffentlichkeit klar und engagiert nahe zu bringen. Zuletzt erschien von ihm das Buch Science as a Contact Sport: Inside the Battle to Save the Earth's Climate, das nun traurigerweise eine Art Nachlass geworden ist. Dort schildert er seine persönlichen Erfahrungen in dem Kampf, den Klimawandel entgegen vieler Widerstände auf die politische Agenda zu bringen. Dazu hat er durch seinen unermüdlichen Einsatz wohl mehr als jeder andere Klimaforscher beigetragen.  (weiter)

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Heiß!

Stefan Rahmstorf | 14. Juli 2010, 14:50

Derzeit hält man sich am besten in der Nähe eines schönen Badesees auf, und auch ich habe gerade einige Tage mit meinen Kindern am Bodensee Abkühlung gesucht. Aber nicht nur in Deutschland ist es heiß: auch die globale Temperatur ist in den vergangenen Monaten auf Rekordniveau. Wir zeigen dazu hier einmal das gleitende Mittel über zwölf Monate in den Daten des Goddard Institute for Space Studies der NASA, das gerade den Wert für Juni veröffentlicht hat.



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Eisiger Rückgang

Stefan Rahmstorf | 02. Juli 2010, 10:20

Gastkommentar von Dirk Notz

Es ist beinahe schon zur Routine geworden: Jeden Sommer geht der Blick der Klimainteressierten immer wieder auf die neuesten Daten zur Meereisentwicklung in der Arktis, die täglich z.B. vom amerikanischen National Snow and Ice Datacenter zur Verfügung gestellt werden. Und immer wieder stellt sich zu Beginn des Sommers die Frage, ob der derzeitige Trend der Meereisausdehnung möglicherweise zu einem neuen Rekordminimum führen könnte, die eisbedeckte Fläche im September also kleiner wäre als jene im Rekordsommer 2007.

Bevor hier jedoch näher auf die zukünftige Entwicklung eingegangen wird, erscheint es sinnvoll, noch einmal kurz auf den vergangenen Winter zurückzublicken, auf einen Winter, der wohl den meisten Mitteleuropäern als außergewöhnlich kalt, schnee- und eisreich in Erinnerung bleiben wird. Teilweise wurde aufgrund der anhaltenden Kälte (und der eisbedeckten Gehwege) geäußert, dass die globale Klimaerwärmung wohl nicht so schlimm sein könne, wenn wir immer noch so kalte Winter erleben. Allerdings übersieht eine solche Schlussfolgerung völlig, dass 'Klima' (und insbesondere globales Klima) nicht zu den Dingen gehört, die einzelne Personen zu einem bestimmten Zeitpunkt am eigenen Leib erfahren könnten - alles, was wir jemals als Einzelpersonen erleben können, ist Wetter. Klima hingegen lässt sich nur durch langjährige Messungen definieren, da der Begriff 'Klima' das mittlere Wetter über einen längeren Zeitraum beschreibt.  (weiter)

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Sunday Times zieht "Amazongate" zurück

Stefan Rahmstorf | 23. Juni 2010, 19:10

Wieder wurde eine der zahlreichen Anschuldigungen gegen den Weltklimarat IPCC zurückgezogen, die vor einigen Monaten durch die Medien zirkulierten. Die britische Sunday Times hat am Sonntag ihren "Amazongate"-Vorwurf vom Februar zurückgenommen und eine ausführliche Entschuldigung abgedruckt, nachdem der Amazonasforscher Simon Lewis sich bei der britischen Medienaufsicht beschwert hatte. (weiter)

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SPIEGEL vs. ZEIT: Avrams Sicht

Stefan Rahmstorf | 19. Juni 2010, 15:14

SPIEGEL-Ressortchef Olaf Stampf reagierte hier kürzlich auf die Kritik von Robin Avram an seiner Klimaberichterstattung und nannte Avrams Analyse "Erbsenzählerei". Robin Avram antwortet hier mit folgendem Gastkommentar:

Wie Stefan Rahmstorf in einem KlimaLounge-Beitrag über meine Diplomarbeit berichtet hat,  bevorzugt das Wissens-Ressort des SPIEGEL in der Berichterstattung Klimawissenschaftler, die das Klimaproblem herunterspielen - alles nur "Erbsenzählerei" und "Zufall", wie Olaf Stampf dazu schrieb?

Neben dem Ranking der zitierten Klima-Wissenschaftler habe ich in meiner Diplomarbeit die Klimawandel-Berichterstattung von SPIEGEL und ZEIT noch auf eine Reihe anderer Kriterien hin untersucht: so zum Beispiel darauf hin, über welche Themen berichtet wurde. Ob mit warnendem oder entwarnendem Tenor über den Klimawandel berichtet wurde. Ob die Klimapolitik als zu überzogen oder als zu wenig ambitioniert dargestellt wurde. (weiter)

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SPIEGEL vs. ZEIT

Stefan Rahmstorf | 10. Juni 2010, 14:00

Der Wissenschaftsjournalist Robin Avram hat in seiner Diplomarbeit die Klimaberichterstattung von SPIEGEL und ZEIT untersucht und Erstaunliches herausgefunden. Avram berichtet darüber in einem aktuellen Artikel im WPK Quarterly (Seite 30-33), einem Magazin für Wissenschaftsjournalisten.

Die Untersuchungsmethode ist Standard: man nehme einen vorher definierten Untersuchungszeitraum (hier November 2006 bis August 2007) und analysiere alle in diesem Zeitraum erschienenen Artikel zum Thema Klimawandel nach bestimmten objektiven Kriterien. Zum Beispiel: welche Forscher werden wie oft wörtlich zitiert? Mit welchen Forschern werden Interviews abgedruckt? (weiter)

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Jetzt bremsen beim Klimaschutz?

Stefan Rahmstorf | 31. Mai 2010, 15:00

In der EU ist gerade wieder eine Debatte entbrannt, ob man den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 20% oder um 30% vermindern sollte (bezogen auf das Niveau von 1990 - aktuell liegen wir schon rund 15% darunter). Die EU-Politik sieht bislang so aus, dass mindestens eine Verminderung um 20% angepeilt werden soll. Die soll aber auf 30% gesteigert werden, wenn andere Staaten sich zu vergleichbaren Anstrengungen verpflichten. Das war die Verhandlungsstrategie der EU für den Klimagipfel in Kopenhagen (die ja bekanntlich gescheitert ist).

Anstoß der aktuellen Debatte war, dass nach Berechnungen der EU-Kommission die Emissionsminderung inzwischen viel billiger kommt als ursprünglich angenommen. Salopp gesagt kann man jetzt fast 30% Minderung für den Preis von 20% bekommen. Das ist eine Folge der Wirtschaftskrise, die die Emissionen schon unabhängig von irgendwelchen Klimaschutzmaßnahmen sinken ließ.  (weiter)

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Rekord-April

Stefan Rahmstorf | 22. Mai 2010, 13:26

Spiegel-Online hat es schon gemeldet: der vergangene April war der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Das zeigen die Daten der Bodenstationen von NASA und NOAA übereinstimmend. Die NOAA stellt zudem fest, dass der Jahresanfang, Januar-April, insgesamt auch der wärmste war. Wir können dem noch hinzufügen, dass Gleiches auch für die abgelaufenen zwölf Monate gilt, die laut NASA-Daten die wärmste 12-Monats-Periode seit Beginn der Reihe im Jahr 1880 darstellen. März und April waren bereits derart warm, dass wohl auch der Rekord für das wärmste Frühjahr (März-April-Mai) dieses Jahr fallen dürfte.

Ansonsten können wir der SpON-Meldung nicht viel hinzufügen und zeigen einfach noch die Datenreihe: das Bild zeigt alle April-Werte der NASA-Daten (als Abweichungen vom Mittelwert 1951-1980).

Zudem werden wir diesen Sommer wieder die Enwicklung der Meereisdecke in der Arktis mit Spannung beobachten. Deren Ausdehnung hat laut NSIDC gerade die des Jahres 2007 unterschritten. 2007 war bislang das Jahr des Rekordminimums der arktischen Eisausdehnung.



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Solar

Stefan Rahmstorf | 10. Mai 2010, 16:15

Der neue Roman Solar von Ian McEwan, dem "national author" der Briten (wie viele ihn dort nennen), behandelt das Thema Klimawandel. Ich sollte dieser Rezension vielleicht ein Geständnis voranstellen: Ich bin seit langem ein Fan von McEwan und habe alle seine Romane gelesen. Außerdem werde ich in der Danksagung von Solar erwähnt; ich habe McEwan in Potsdam kennengelernt und mit ihm während seiner Arbeit an dem Roman korrespondiert. In unserem neuesten Buch The Climate Crisis zitieren wir eine Seite von McEwan als Epilog. Und natürlich bin ich kein Literaturkritiker sondern Naturwissenschaftler. Erwarten Sie hier also keine objektive, professionelle Buchbesprechung.

In Interviews beschreibt McEwan seine Schwierigkeiten, sich dem Thema Klimawandel zu nähern: "I couldn't quite see how a novel would work without falling flat with moral intent."  (weiter)

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FR zieht Artikel gegen Klimarat zurück

Stefan Rahmstorf | 26. April 2010, 13:45

Die Frankfurter Rundschau hat einen Artikel zurückgezogen, in dem sie am 8 Februar schwere Vorwürfe gegen den Weltklimarat erhoben hatte. "Neue Fehler beim Klimarat: IPCC macht aus Nordafrika ganz Afrika" war der Artikel überschrieben, und der Titel beschreibt auch den Inhalt. Der Hauptvorwurf: der IPCC-Bericht habe ohne eine "wissenschaftlich tragfähige Basis" gefolgert, dass viele Menschen in Afrika infolge des Klimawandels einer erhöhten Wasserknappheit ausgesetzt würden. Speziell wurde behauptet, aus einer (womöglich fragwürdigen) Studie über drei Nordafrikanische Länder habe man Folgerungen für ganz Afrika gezogen. 

Lesen hilft: jeder kann durch Nachlesen der relevanten Passagen im IPCC-Bericht leicht feststellen, dass die Vorwürfe schlicht falsch sind. Der IPCC-Bericht hat völlig korrekt die wissenschaftliche Fachliteratur ausgewertet und beschrieben. Die Aussagen über ganz Afrika stammen aus einer Studie über ganz Afrika, vom renommierten britischen Forscher Nigel Arnell (2004). Dort, wo die 3-Länder-Studie von Agoumi zitiert wird, steht auch stets "in some countries" o.ä., nirgends wird aus dieser Arbeit etwas über ganz Afrika gefolgert.  (weiter)

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Klimaforscher-Bashing beim SPIEGEL

Stefan Rahmstorf | 01. April 2010, 15:30

In manchen Medien ist derzeit die neue Trendsportart "Klimaforscher-Bashing" angesagt: statt sich mit dem Klimaproblem sachlich fundiert auseinanderzusetzen, schimpft man lieber auf die Wissenschaftler, also die Überbringer der unangenehmen Nachrichten. Der SPIEGEL tut das diese Woche unter der suggestiven Überschrift "Die Wolkenschieber" - man soll da wohl an "Schiebung" denken. Auf diesem Niveau geht es dann auch weiter: "Schlampereien, Fälschungen, Übertreibungen" werden der Klimaforschung unterstellt. Dabei greift der SPIEGEL tief in die Mythen- und Mottenkiste der "Klimaskeptiker" und bedient sich freimütig auf deren Websites, statt kritisch zu recherchieren. (Über die Hintergründe dieser "Kampagne gegen Klimaforscher" hatte die Süddeutsche Zeitung gestern einen lesenswerten Artikel.)  (weiter)

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Heißer Winter

Stefan Rahmstorf | 15. März 2010, 16:41

Gerade hat die NASA die globalen Temperaturdaten für Februar publiziert, sodass wir nun einen Blick auf die vergangene Wintersaison werfen können (die Meteorologen definieren sie als die Monate Dezember bis Februar; auf der Südhalbkugel ist das natürlich die Sommersaison). Diese Saison war die zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren, übertroffen nur von Dez-Feb 2006/2007. Der Februar selbst war übrigens ebenfalls global der zweitwärmste. Damit reiht sich der abgelaufene Winter in den Verlauf der Jahrestemperaturen ein - wie bereits diskutiert war 2009 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.



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Fehler im IPCC-Bericht?

Stefan Rahmstorf, Michael Mann, Ray Bradley, William Connolley, David Archer, Caspar Ammann et al. | 20. Februar 2010, 20:13

In den Medien werden derzeit einige Fehler – und angebliche Fehler – des letzten IPCC-Berichts (“AR4”) herumgereicht, zusammen mit reichlich Verzerrungen und professioneller Propaganda von Gruppen, die die Klimaforschung diskreditieren wollen. Höchste Zeit, die Spreu vom Weizen zu trennen: Welche dieser Fehler sind real, welche nicht? Und was bedeutet das für das IPCC und die Klimaforschung im Allgemeinen?
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Verkehrte "Welt"

Stefan Rahmstorf | 17. Februar 2010, 16:39

Im Englischen gibt es das schöne Wort "innumerate" (analog zu illiterate) für Menschen, die elementare Probleme beim Umgang mit Mathematik und Zahlen haben. Solche mathematischen Analphabeten haben gelegentlich Kummer im Alltag. Ich erinnere mich an einen Bekannten, der vor Jahren bei einem Mailänder Herrenausstatter einen besonders günstigen Anzug gekauft zu haben glaubte - bis ihm später auffiel, dass er sich beim Umrechnen von Lire in DM um einen Faktor Zehn vertan hatte.

Etwas problematischer ist es, wenn elementare mathematische Verständnisprobleme Grundlage von abstrusen Zeitungsberichten über die Klimaforschung werden. So berichtete die Daily Mail vor einigen Tagen von einer "Kehrtwende" des bekannten Klimaforschers Phil Jones, unter der Schlagzeile: "Es gab keine globale Erwärmung seit 1995". Spiegel online durchschaute und kritisierte dankenswerterweise diese Story. In der "Welt" dagegen nutzt Uli Kulke sie als Schlusspointe:

Jones bestätigte nun auch, dass es zuletzt nicht mehr signifikant wärmer geworden sei - "seit 1995".


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Noch kein Alarm von Fimbulisen!

Anders Levermann | 23. Januar 2010, 20:20

Gastbeitrag von Tore Hattermann -

Während der Winter Europa fest im Griff hat neigt sich unsere Feldsaison im hochsommerlichen Dronning Maud Land dem Ende zu. Bereits vor der Jahreswende haben wir uns an zwei weiteren Stellen erfolgreich durch das Schelfeis schmelzen und unsere Messinstrumente aussetzen können. Anschließend führte die Route an die Schelfkante, wo die Firnkerne unseres Glaziologieteams auf die „M/S Mary Arctica“ verladen wurden, um gut gekühlt ins Labor zur Analyse zu gelangen. Dort gab es auch ein Wiedersehen mit den Jungs von der Troll Station, die mit dem Löschen von Versorgungsgütern für die Station beschäftigt waren. Gemeinsam verbrachten wir die Silvesternacht in unserem Küchenmodul und freuten uns über den Besuch der zutraulichen Adeliepinguine. Einige schneeverwehte Tage später erreichte unser Konvoi die Station. Mittlerweile haben wir unsere Ausrüstung wieder in Container verladen und alle Fahrzeuge und Module aufgeräumt und gereinigt. (weiter)

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NASA: 2009 auf Rang 2

Stefan Rahmstorf | 18. Januar 2010, 21:34

Die NASA hat gerade ihre Analyse der globalen Temperaturdaten 2009 vorgestellt. Global war 2009 das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen vor 130 Jahren, gleichauf mit 2007 und übertroffen nur vom bisherigen Rekordjahr 2005 (siehe Grafik). Auf der Südhalbkugel war 2009 sogar das wärmste Jahr überhaupt.

Temperaturen 2009

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Erstes Loch gebohrt und eingeschneit

Anders Levermann | 25. Dezember 2009, 20:11

Gastbeitrag von Tore Hattermann - 

Wind und Schneedrift fegen über das Schelfeis, vergraben Zelte, Ausrüstung und rütteln an dem Container in dem wir sitzen. Man sieht die Hand vor Augen kaum und winzige Schneekristalle stoben durch den kleinsten Spalt. Die Meteorologen auf der Neumeyer-Station melden "blizzard-conditions" auch für die kommenden Tage.  (weiter)

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szmtag