Microblogging und die Wissenschaft und Microblogging-Glossar
Welchen Einfluss hat Microblogging auf die Wissenschaftskommunikation? Wie wird Microblogging im Wissenschaftsbetrieb bereits genutzt? Welches sind die Potenziale? Mit diesen Fragen haben wir uns im Rahmen unseres Forschungsprojektes Interactive Science beschäftigt. Heute ist nun am Wiener Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ein entsprechender "Steckbrief" erschienen, der hier abgerufen werden kann: http://bit.ly/twitterita
Im Rahmen dieses Steckbriefes ist auch ein Microblogging-Glossar entstanden: http://bit.ly/twitterglossar
Zusammenfassung
Dieser Steckbrief untersucht das Potenzial des Einsatzes von Microblogging im wissenschaftlichen Kontext am Beispiel von Twitter. Dabei werden eingangs die Grundzüge von Twitter als Verbindung der Prinzipien von Blogs und Sozialen Netzwerkdiensten dargestellt. Als komprimierte Form des Bloggens erlaubt Twitter das Schreiben von öffentlichen, journalähnlichen Einträgen; als Variation eines sozialen Netzwerkdienstes erlaubt es die Kommunikation zwischen UserInnen und Abbildung ihrer Beziehungen. Neben einer Einführung in die grundlegenden Funktionen bezüglich Kommunikation und Interaktion sowie Veröffentlichung und Archivierung diskutiert dieses Kapitel Demographie und Wachstumsentwicklung von Twitter sowie alternative Plattformen.
Im Hauptteil wird der Frage nachgegangen, wie Microblogging im Wissenschaftsbetrieb bereits genutzt wird und welche Nutzungspotenziale bestehen. Twitter wird dort nicht nur für die von Twitter vorgegebene Frage, was man gerade tut bzw. was gerade passiert, verwendet, sondern für eine Reihe weiterer Kommunikationsinhalte. Insbesondere wird auf wissenschaftliche Ereignisse und Publikationen aufmerksam gemacht, es werden Fragen gestellt und gemeinsame Aktivitäten koordiniert. Twitter hat weiters Potenzial für informelle Kommunikationen und damit als Ersatz zur „Kaffeeküche“ unter nicht am selben Ort anwesenden ForscherInnen. Im Rahmen von wissenschaftlichen Konferenzen kann Microblogging sowohl als Feedbackkanal als auch als Organisationshilfsmittel verwendet werden und dabei eine zusätzliche informelle Kommunikationsebene unter den vor Ort und auf Distanz an der Tagung Teilnehmenden eröffnen. Mit Blick auf den Einsatz in der Öffentlichkeitsarbeit bzw. externen Wissenschaftskommunikation ist zu berücksichtigen, ob Microblogging nur als zusätzlicher Publikationskanal genutzt werden soll oder ob ein Dialog mit der Öffentlichkeit angestrebt wird. Insbesondere im Fall eines Dialogs ist die Trennung von fachlicher und persönlicher Ebene nicht trivial, etwa wenn einzelne WissenschafterInnen im Namen von Forschungseinrichtungen auftreten oder wenn dies erwartet wird. In einem Exkurs werden vorläufige Ergebnisse einer empirischen Studie zu aktuellen Twitteraktivitäten einiger WissenschafterInnen vorgestellt, welche u. a. die Schwierigkeit dieser Trennung bestätigt und zugleich eine Dominanz von beruflichen gegenüber nichtberuflichen Inhalten feststellt. Abschließend werden die vereinzelten Versuche dargestellt, Twitter in der Lehre einzusetzen, welche u. a. ein Problembewusstsein für den Wechsel von einer nicht-öffentlichen zu einer tendenziell öffentlichen Kommunikationssituation voraussetzen.
Abschließend werden Überlegungen zur Potenzialabschätzung angestellt, mögliche Hauptanwendungsmöglichkeiten identifiziert und mit einem Ausblick abgeschlossen. Die Hauptergebnisse dieser Kurzstudie sind: Microblogging wird von einer wachsenden Anzahl WissenschafterInnen für verschiedene Zwecke eingesetzt. Soweit das zu diesem frühen Stadium bereits beurteilt werden kann, scheint Microblogging großteils funktional für die wissenschaftliche Praxis zu sein, wobei es sehr auf das individuelle Nutzungsverhalten und auf kulturelle (z. B. disziplinäre) Faktoren ankommen wird. Bislang gibt es keine klassischen Anreizsysteme für die Nutzung von Microblogging, jedoch eine Reihe indirekter Faktoren, wie z. B. den potenziellen Erwerb individueller Reputation oder die Einfachheit und Raschheit des Informationsaustauschs. Die Hauptanwendungsfelder dürften daher auch im Bereich kontextangereichertes Suchen und Veröffentlichen und beim Reputationsmanagement liegen; auch in der Lehre und auf Konferenzen könnte sich Microblogging als paralleler Kommunikationskanal etablieren; die soziale Komponente einer offenen informellen Kommunikation könnte ebenfalls bedeutsam werden. Schließlich ist festzuhalten, dass Microblogging ein sich noch stark weiterentwickelndes, neues Kommunikationsmedium darstellt, das nicht nur vom Marktführer Twitter angeboten wird, sondern auch in anderen Social-Media-Plattformen eingebettet wird. Es ist daher zu vermuten, dass es sich plattformunabhängig als Kommunikationsprinzip erhalten dürfte, auch in der Wissenschaft.
Die komplette Studie zum Download: http://bit.ly/twitterita
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Vielen Dank für die interessante Info und die Links!
Ich kann die Grundaussage nur bestätigen, zumal sich ähnliche, ggf. sogar dynamischere Prozesse auch auf den Ebenen von Politik(en) und Religion(en) vollziehen. Spannende Zeiten, in der Tat...